Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Streiflicht:
Wunderschön und nützlich
Wo die wilden Nützlinge wohnen von Sonja Schwingesbauer
Dieses Buch hat mich auf den ersten Blick begeistert, wegen des herrlichen Titels, der guten Beschreibung und des tollen Titelbildes. Nachdem ich das Buch zum ersten Mal aufgeklappt hatte, wollte ich es am liebsten gar nicht mehr zu machen. Gleichzeitig wollte ich gerne raus und ein ebenso tolles Paradies schaffen wie die Autorin.
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Das Buch hat mich gleich in seinen Bann gezogen und tut es immer noch. Es beeindruckt nicht nur mit schönen, authentischen und niemals künstlichen Fotos, sondern auch mit sehr viel Wissen, Liebe zur Natur und Begeisterung. Man merkt, dass die Autorin ihre „Wildnis“ liebt und mit ganzem Herzen dabei ist. Deswegen wirkt das Buch auch warmherzig, wissenswert und einfach nur schön. Ich habe voller Freude und Genuss geschmökert und viel Nützliches „mitgenommen“. Ich freue mich schon darauf, den einen oder anderen Tipp umzusetzen und zu beobachten, wie die Wildnis entsteht.
Sehr gut gefallen haben mir die gut gegliederten Strukturen im Buch, die logisch und gut nachvollziehbar sind. Das macht es einfach und überschaubar, auch wenn man später nochmal etwas nachschlagen will und dafür nicht stundenlang suchen möchte.
Ein wunderschönes Buch, rundum gelungen, und dabei auch noch so nützlich und voller wissenswerter Infos und Gedanken!
Rezensionen von Harakiri:
cold cases
Unbarmherzig (Ein Gina-Angelucci-Krimi 2) von Inge Löhnig
Tino Dühnfort hat Vaterschaftsurlaub während Gina Angelucci wieder arbeiten geht. Sie hat sich auf Cold Cases spezialisiert und einen interessanten Fall ausgegraben: in einem kleinen Ort werden die Knochen zweier jungen Menschen gefunden, die vor rund 80 Jahren gestorben sind. Wer waren die beiden und warum mussten sie sterben?
Löhnig konstruiert wieder einen Fall, der es in sich hat.
Dann nach 80 Jahren sind Zeitzeugen nahezu ausgeschlossen. Schrittweise nähert sich Gina der Aufklärung und genauso häppchenweise wird der Leser mit Puzzleteilen versorgt. Ich finde es sehr bemerkenswert wie es die Autorin schafft, so einen alten Fall noch logisch lösbar zu schreiben und dabei den Leser sehr gut zu unterhalten.
Natürlich bleibt die Spannung in so einem Fall eher etwas aus, doch für die nötige Aufregung sorgt Löhnig in diesem Fall beim Privatleben der beiden Kommissare. Die bemerken eine Stalkerin und geraten in Gefahr.
Die fehlende Spannung wird jedoch super durch die atmosphärisch dichte Erzählung kompensiert und die Rückblicke in Kairis Tagebuch machen die Vergangenheit lebendig.
Fazit: wieder ein tolles Buch aus der Feder Inge Löhnigs, die ich seit ihrem ersten Buch sehr gerne lese.
Rezensionen von Streiflicht:
Beeindruckend
Ein Koffer voller Wollen von Nelly Kostadinova
Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, weil ich neugierig auf diese ganz besondere Frau war. Sie ist eine Powerfrau und wirklich beeindruckend. Besonders gut gefallen hat mir der Anfang, als sie nach Deutschland kam. Die Beschreibung ist spannend und interessant und ich habe richtig mitgefiebert, ob es wohl klappt und sie in Deutschland bleiben kann.
Natürlich war auch die Anekdote mit dem „Puff“ sehr witzig. Die daraus folgenden Schlussfolgerungen über Werbung und Bekanntmachung fand ich sehr interessant.
Nelly ist faszinierend, weil sie aus Situationen immer das Beste für sich herausholt und sich wirklich „reinhängt“, wenn ihr etwas wichtig und damit wertvoll ist. Ich bewundere ihre Energie und Tatkraft sehr. Sicherlich ist es auch wirklich wichtig, sich immer wieder auf neue Begebenheiten und Menschen einstellen zu können – auch da hat sie unglaubliche Kapazitäten und Fähigkeiten. Kein Wunder, dass sie so erfolgreich ist.
Nicht so gut gefallen hat mir der Aufbau des Buches. Das Vorwort war mir zu lange und auch irgendwie zu trocken. Es ist so reißerisch und selbstverliebt, das mag ich nicht so. Und auch die vielen einzelnen Geschichten, die etwas aneinander gereiht wirken, hätte ich gerne anders strukturiert gehabt. Sonst aber wirklich lesenswert und inspirierend.
Rezensionen von Streiflicht:
Spannende Fortsetzung
Ein Koffer voller Wollen von Nelly Kostadinova
Auf dieses Buch habe ich mich schon sehr gefreut, weil ich die beiden Vorgängerbücher, die mich ebenfalls beide nach Mirathasia entführt haben, sehr mochte. Zwar bin ich keinesfalls in der richtigen Altersgruppe, aber dennoch habe ich die Bücher voller Spaß gelesen. Und beim erneuten Lesen mit meinem siebenjährigen Patenkind und ihrem zehnjährigen Bruder hat es nochmal Freude gemacht.
Wir drei waren begeistert und es war schön zu sehen, wie die Kinder mitfiebern. Umso mehr freue ich mich darauf, auch dieses Buch noch mit den beiden zu lesen.
Mir selbst hat es wieder gut gefallen, umso besser, weil es nun um ein Buch geht. Da ich absoluter Buchnarr bin, hat mich das natürlich umso mehr berührt und in seinen Bann gezogen. Eine schöne Geschichte, die wieder sehr lehrreich ist – dabei aber nie belehrend. Das mag ich insgesamt sehr an dieser Reihe um Mirathasia: Die Kinder lernen, welche Werte wichtig sind, dass Freundschaft, Zusammenhalt und Fairness bedeutend sind. Dabei aber nie von oben herab oder aufgesetzt, sondern in die Geschichten eingebettet, sodass es quasi die logische Konsequenz ist. Das finde ich toll!
Diese Geschichte hat mir bisher am allerbesten gefallen und ich muss mich wirklich dazu überwinden, das Buch an die beiden Kinder weiterzugeben. Andererseits möchte ich ihnen gerade dieses Buch über das Lesen und Bücher nicht vorenthalten!
Rezensionen von Manfred Fürst:
Für literarische Feinschmecker
Rückwärtswalzer von Vea Kaiser
Vea Kaiser bleibt ihrem außergewöhnlichen Schreibstil und dem Gesellschaftsroman treu. Und das ist gut so. Erfolg verpflichtet.
Über 60 Jahre Familiengeschichte der Familie Prischinger, mit wienerischem Flair, balkanischen Einschlag und montenegrinischer Exkursion.
Lorenz, arbeitsloser Schauspieler und pleite, aber von sich sehr überzeugt muss sich der harten Realität stellen.
Und das Ende seiner Fernbeziehung mit Stephi bringt ihn am Ende des Romans zu einer wahren Erkenntnis. Seine 3 Tanten Hedi, Wetti und Mirl durchleben mit Ehemann und Lebensgefährten ein Leben voll mit alltäglichen Glücksmomenten und Katastrophen. Willi, eigentlich Koviljo aus Montenegro, Lebenspartner von Hedi ist der weise Ratgeber, mit schwachem Herz, aber er will unbedingt in Montenegro begraben werden. Die Altphilologin Vea Kaiser gibt ihrem Roman die altgriechische Lehre bei, dass die Seele eines Toten erst dann ruht, wenn die Verwandten seinen letzten Willen - was die Bestattung betrifft - erfüllt haben. Weil sich die drei Schwestern dieses zu Herzen genommen haben, Willi in Montenegro zu bestatten wird die Fahrt über 1000 km mit Lorenz als Chauffeur gestartet. Auf dieser Fahrt kann und wird vieles passieren.
Der Schreibstil von Vea Kaiser ist ein Lesegenuss. Sie verfügt mit ihren 30 Jahren über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz was zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation betrifft. Dialoge werden pointiert kommentiert, witzig und humorvoll. Skurrile Situationen auf der Fahrt sind reine Slapstick.
Rezensionen von yellowdog:
Was wirklich zählt
Der Himmel ist nicht weit von Catherine Ryan Hyde
Catherine Ryan Hyde schreibt erfolgreich gefühlvolle Romane mit Niveau. Der Himmel ist nicht weit gehört auch dazu.
Eine Anwältin aus der Stadt beschließt ihren Beruf aufzugeben und aufs Land zu ziehen. In ihrem Landhaus sind aber eine junge Mutter (Pattie) und ihre 5jährige Tochter Willa und Rosie bringt es nicht über sich, sie rauszuschmeißen.
Dann tauchen auch noch andere Leute auf, die auf ihrem Land kampieren. Ein junger Ex-Soldat, ein achtzigjähriger Mann und dann auch noch ein altes Pferd namens Ernst.
Schließlich besucht auch noch ihr erwachsener Sohn sie, von dem sie sich entfremdet hatte.
Wie langsam aus dieser Gesellschaft eine Familie wird, ist anrührend zu lesen.
Es gibt auch viele amüsante Passagen, z.B. mit Ernst, der auch gerne mal die Scheibenwischer von Rosies teurem Auto frisst.
Die Autorin vergibt aber auch Chance. Wie sich Rosies Beziehung zu ihrem Sohn bessert wird ausführlich beschrieben, dafür gibt es kaum noch Szenen zwischen Rosie und Pattie und Willa.
Ich habe den Roman gerne gelesen, aber es bleibt ein Bedauern darüber, dass manche Potenziale verschenkt wurden. Dennoch ist es ein angenehm zu lesender, gut unterhaltender Roman.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Poetisch, aber zu schwermütig
Die 48 Briefkästen meines Vaters von Lorraine Fouchet
Ein genialer Titel - doch stilistisch konnte mich der Inhalt von "Die 48 Briefkästen meines Vaters" nicht vollends überzeugen.
Nach einem Streit erfährt Chiara, dass nicht der - eine Woche nach der Hochzeit - verstorbene Mann ihrer Mutter ihr Vater ist, sondern ein Bretone, der von der Insel Groix stammen soll.
Kurzentschlossen lässt sie alles stehen und liegen und fliegt nach Frankreich, reist auf die Insel Groix.
Auf der Fähre lernt sie Urielle mit ihren Zwillingsjungs und den Korsen Gabin kennen. Durch einen Beinahe-Unfall freunden sich die drei an. Chiara wird eingeladen bei Urielles Familie zu wohnen, was Chiara gerne annimmt. Da gerade die Briefträgerin für eine Woche ausfällt, nimmt Chiara deren Job an. Sie erhofft dadurch mehr über die Inselbewohner zu erfahren, insbesondere herauszufinden, wer ihr leiblicher Vater ist. Alles was sie von ihm weiss, ist, dass er den Nachnamen eines Wetterphänomens hat und vor 26 Jahren kurz auf der Insel Elba war. Chiara fühlt sich schnell familiär und willkommen, ein Gefühl, das sie von ihrer Mutter Livia nicht kennt.
Neben Chiaras Geschichte wird auch jene von einem, bis fast zum Ende unbekannten, Charles geschildert, aber rückblickend. Sogar einige der Briefkästen werden zu Erzähler. Diese vielen Wechsel der Handlungsstränge und die Pendelei zwischen Gegenwart und Vergangenheit wirkten mit der Zeit aber ermüdend.
Für meinen Geschmack werden zu oft Gedichte zitiert, und ebenso zu oft werden (vor allem in der ersten Hälfte) bretonische Ausdrücke benutzt. Im französischen Original sind sie vielleicht nicht so auffällig und normalerweise stören mich fremdsprachige Begriffe nicht sehr, aber hier hatte ich bald mal genug von den dazugehörigen Erklärungen.
Man kann der Geschichte eine gewisse Poesie nicht absprechen und auch nicht den Schalk, der sich bei Lorraine Fouchets Romanen fast immer durch alle Seiten zieht. Sie ist auf eine spezielle Art schön, fast eine Liebeserklärung an die Insel Groix.
Trotzdem hat mich "Die 48 Briefkästen meines Vaters" leider nicht richtig gefesselt, der Titel ist ein wenig irritierend und ich stolperte über ein, zwei Unstimmigkeiten. Anstatt Abends wie üblich noch einige Kapitel zu lesen und irgendwann schweren Herzens nur aus Vernunftgründen die Lektüre zur Seite zu legen, entschloss ich mich hier gleich zweimal ohne Bettmümpfeli-Lektüre einzuschlafen.
Fazit: Die poetische Geschichte um die Suche nach Chiaras Vater kam mir zu schwermütig daher.
3.5 Punkte.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein gelungener Debütroman
Wolfssteig von David Bröderbauer
Autor und Biologe David Bröderbauer entführt seine Leser in eine mystische Ecke Niederösterreichs: in den aufgelassenen Truppenübungsplatz „Wolfssteig“, der im wirklichen Leben weder so heißt, noch aufgelassen ist, wie hunderte Rekruten jedes Jahr feststellen dürfen.
Angelehnt an die wahre Geschichte des Tüpl - Enteignung und Vertreibung der Bevölkerung durch die Nazis - keimt hier im Roman nach Abzug des Bundesheeres die Hoffnung nach Rückkehr auf das Land der Väter auf.
Doch die Rückkehrwilligen sind nicht die einzigen, die große Pläne mit dem riesigen Areal haben. Sie stehen Jägern, Naturschützern und dem Staat gegenüber, die in den aufgelassenen Kasernen Flüchtlinge untergebracht hat.
Neben den sich selbst überlassenen Buchen, Fichten, Kiefern und Birken dürfen sich Rehe, Wildschweine, Mufflons, mehrere Arten von Spechten und das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn entwickeln. Biologe Ulrich Bruckner, der einst der Enge Wolfssteigs entronnen ist, kehrt nun im Auftrag des Naturverbundes zurück, um diese selten gewordenen Vögel zu zählen. Wir begegnen noch Christian Moser, dem ehemaligen Soldaten, der bei einem Unfall mit einem Panzer, hier auf dem Truppenübungsplatz ein Bein verloren hat und seine Hightech-Prothese mit magentafarbenen Lack ansprüht. Christian fristet sein Leben als Hausmeister im Asylantenheim und ist ein begnadeter Automechaniker, der jede noch so desolate Rostschüssel zum Laufen bringt.
Christian und Ulrich stolpern gemeinsam durch das DIckicht des Truppenübungsplatzes, um die Birkhühner zu suchen. Dabei stöbern sie nicht nur allerlei Getier auf, sondern bekommen es mit den unterschiedlichen Interessen rund um den Tüpl zu tun. Selbst der nigerianischer Pfarrer mischt im Gerangel um die Nachnutzung mit.
Meine Meinung:
In seinem Debüt-Roman schneidet der Autor viele Themen an. Die Leser können sich ein Bild von der Artenvielfalt der unterschiedlichen Interessen machen. So trifft der Leser hierauf Landflucht, Reminiszenz an Vergangenes, Flucht, Vertreibung (die eigene), Fremdenfeindlichkeit sowie Naturschutz und zarte Liebe. Jedes Thema hat für sich seine Daseinsberechtigung, ein Miteinander scheint unmöglich. Hier prallen gegensätzliche Welten aufeinander.
In Wahrheit robben nach wie vor Rekruten durch das dichte Unterholz, zerstören gepanzerte Fahrzeuge dasselbe und - ein Triumph der Natur - haben sich Wölfe angesiedelt. Ein Trupp Soldaten beobachtet das Rudel genau, übernimmt also die Rolle von Ulrich. Sehr zum Ärger der Bevölkerung und der Jäger (was häufig eine Personalunion darstellt), die die eingewanderten Wölfe lieber heute als morgen vor den Flinten hätten.
David Bröderbauer ist 1981 in Zwettl, einer Kleinstadt die nur wenige Kilometer vom Truppenübungsplatz entfernt liegt, geboren. Er kennt daher Land und Leute. Sein beinahe karg anmutender Erzählstil, seine schnörkellosen Sprache passt ausgezeichnet zum schroffen Waldviertel und seinen Bewohnern. Als bekennender Waldviertel-Fan finde ich diesen Roman doch sehr poetisch. Manche Szenen wirken sehr vertraut: Die männliche Dorfjugend auf ihren (von Christian) niedergelegten PS-starken Autos, das Macho-Gehabe in der Dorfdisco und die Ablehnung von Neuem oder Fremden.
Die Schilderung der Naturschönheiten lassen eine starke Verbundenheit des Autors mit seiner Heimat vermuten. Der Kontrast - hier Knarzen des Holzes und Tirilieren der Vögel und dort scharfe Kommandos und das Dröhnen von Panzerhaubitzen, kann nicht größer sein.
Fazit:
Ein durch und durch gelungener Debütroman, dem ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Spannender Krimi
Was geschah mit Michelle? von Gerd Raguß
Gerd Raguß nimmt seine Leser in eine Zeit zurück, in der von allgegenwärtiger Kommunikationsmittel wie Mobiltelefone und Internet noch keine Rede war. Nicht jeder Haushalt hatte einen Telefonanschluss und deshalb braucht man immer genügend Kleingeld, um eine der zahlreichen Telefonzellen benutzen zu können.
Wir schreiben das Jahr 1973 bzw. 1974. Deutschland ist in BRD und DDR getrennt und der Prager Frühling ist erst 5 Jahre her.
Claus von Radus, ein Leutnant der Bundeswehr, lernt auf einem Dorffest die Jurastudentin Michelle Jansen kennen. Michelle stammt aus einem reichen Elternhaus und ist das, was man „eine gute Partie“ nennt. Obwohl ihr Vater eine Verbindung mit dem Sohn eines Freundes befürwortet, stimmt er, der ehemalige Offizier, der Verlobung mit Claus von Radus zu. Wenig später verschwindet die junge Frau spurlos und Lösegeldforderungen bleiben aus.
Hat einer der abgewiesenen Exfreunde mit dem Verschwinden von Michelle zu tun?
Nachdem die polizeilichen Ermittlungen für Claus und die Familie zu langsam vor sich gehen, nehmen sie die Suche nach Michelle in ihre eigenen Hände.
Meine Meinung:
Obwohl der Krimi nur 176 Seiten hat, ist es dem Autor gelungen, Spannung zu erzeugen und diese bis zum Schluss hoch zu halten. Mir persönlich ist relativ schnell klar geworden, wer der Täter sein muss. Die Figur scharwenzelt ständig um Michelle und ihre Großmutter herum, genießt das Vertrauen der Dorfbewohner und der Familie. Also ein Klassiker, nicht der große böse Unbekannte ist der Täter, sondern jemand aus dem Familien- bzw. Bekanntenkreis.
Ich habe mich wieder in die Zeit als Teenager zurückversetzt gefühlt. Dem Autor ist es großartig gelungen durch geschickte Einstreuen der damals aktuellen Songs diese Zeit wieder auferstehen zu lassen. Ich habe bei der Lektüre einige dieser Klassiker wie die Rolling Stones mit „Angie“ oder Lobo wieder gehört.
Sehr schön ist das Umfeld der Bundeswehr beschrieben, was in diesem Fall kein Kunststück ist, war doch der Autor lange Zeitsoldat. Lachen musste ich über die Szene, als die SOldaten darüber philosophieren, ob eine kleinere Ausgabe des Feldtelefons für jedermann die oft fehlenden oder zerstörten Telefonzellen ersetzen könnten.
Die Charaktere sind recht gut beschrieben. Vor allem der schlitzohrige „Kubi“ ein Soldat aus Claus von Radus Kompanie, der den jungen Leutnant ins Herz geschlossen hat.
Fazit:
Ein gut gelungener Krimi, der die 1970er Jahre wieder in Erinnerung ruft. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Schwere KOst
Die ethnische Säuberung Palästinas von Ilan Pappe
Dieses Buch, wurde von Ilan Pappe im Jahr 2007 geschrieben und vom Westend-Verlag 2019 neu aufgelegt. Es ist, ob der von den Israelis verübten Gräueltaten an der arabischen Bevölkerung in Palästina, nur schwer zu ertragen.
Bereits in den 1930er Jahren siedeln sich junge deutsche Juden in Palästina an.
Sie schaffen „Brückenköpfe“ für den zukünftigen Staat Israel. Während in Deutschland das Nazi-Regime Millionen von Juden ermordet, beginnen auch im Nahen Osten Vertreibung der angestammten Bevölkerung. In den Jahren 1947 - 1949 werden diese, vorerst nur vereinzelten „Umsiedelungen“ der Araber in Massakern münden, deren Folgen auch heute noch spürbar sind und einen dauerhaften Frieden in Palästina verhindert.
Noch vor Ende des britischen Mandats und mit Billigung der UNO, vertreibt die israelische Armee systematisch Abertausende Bewohner aus ihren Wohngebieten, zerstört diese um ja jedwede Möglichkeit der Rückkehr zu unterbinden und verschleppt oder tötet Männer zwischen 10 (!) und 70 Jahren.
In dieser von den Arabern „Nakba“ (arabisch ursprünglich für Unglück, später als Synonym für Flucht), genannten Zeit werden rund 800.000 Arabern vertrieben, verschleppt und ermordet. Die Soldaten machen auch vor der christlichen Minderheit nicht Halt - auch sie fallen der ethnischen Säuberung Palästinas zum Opfer. Elf Stadtviertel und 531 palästinensische Dörfer werden zwangsgeräumt und dem Erdboden gleichgemacht.
Es scheint, als berichte der israelische Autor, der Professor für Konfliktmanagement an der Universität von Haifa lehrt, äußerst einseitig. Das mag auf dem ersten Blick tatsächlich so sein. Doch wir sind immer mit dem tradierten Gründungsmythos des Staates Israel konfrontiert, den wir als wahr annehmen. Zweifel daran und an der Politik von Israel werden sofort als Antisemitismus ausgelegt.
Wenn ich auf S. 273 folgendes lese, habe ich ein Déjà-vu-Erlebnis:
„Und wenn jemandem ein Haus gehört, muss er dann auch ausziehen?“ Der Militärkommandeur antwortete „Alle müssen gehen!“ Die Notabeln erfuhren, dass die Einwohner die Kosten der Zwangsumsiedlung selbst tragen mussten.“
Wenige Seiten später (S. 285) wird berichtet, dass sich ein Sturm der weltweiten Entrüstung erhoben hat, als Araber, in den ihnen zugewiesenen geräumten jüdischen Siedlungen im Gaza, aufgelassene Synagogen abgerissen haben. Über hunderte zerstörte Moscheen oder Kirchen hat sich die Weltöffentlichkeit nicht empört.
Der Autor hat viele Archive durchforstet, die, aus guten Grund wie man sieht, bislang öffentlich nicht zugänglich waren. Er zitiert aus Briefen des späteren Ministerpräsidenten Ben Gurion, lässt Politiker wie Menachem Begin und Yitzak Rabin zu Wort kommen, die als Friedensnobelpreisträger in die Geschichte eingingen.
Sehr interessant sind die zu Beginn jedes Kapitel eingefügten Parallelen zu den ethnischen Säuberungen im ehemaligen Jugoslawien, die sehr wohl als Kriegsverbrechen von der UNO anerkannt sind und den Politikern bzw. den ausführenden Kommandanten der Prozess gemacht wird.
Was Ilan Pappe als Abschluss seines aktuellen Vorwortes schreibt, halte ich für grenzenlos naiv. Er sollte es eigentlich besser wissen:
„Wenn es uns gelänge, im historischen Palästina einen demokratischen Staat für alle zu gründen, dem auch die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge willkommen wäre, könnten wir nicht nur für das Ende des Konflikts sorgen, sondern gleichermaßen für das Ende vieler anderer Konflikt im Nahen Osten. Und vor allem könnten wir sagen, dass die letzten Opfer der Shoa, die Opfer der Opfer, endlich auch die historische Gerechtigkeit erfahren haben, die uns allen ermöglichen wird weiterzukämpfen für eine gerechtere und anständigere Welt.“
Fazit:
Wie schon erwähnt, ist das Buch stellenweise, ob der von Juden verübten Kriegsgräuel an Frauen und Kindern, kaum zu ertragen. Allerdings kann es zum besseren Verständnis der verworrenen Lage im Nahen Osten beitragen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.










