Kunden em pfehlungen
Rezensionen von KimVi:
Spannendes Katz- und Mausspiel
Die Stille des Todes von Eva Garcia Saenz
In der Kathedrale von Vitoria wird ein ermordetes Paar aufgefunden. Es ist genauso drapiert, wie die Opfer der Mordserie, die die Stadt vor zwanzig Jahren in Atem hielt. Der damalige Täter wurde gefasst und sitzt noch immer im Gefängnis. Nun steht allerdings sein erster Hafturlaub an. Ist damals überhaupt der wirkliche Mörder verurteilt worden oder ist der Mann unschuldig? Inspector Ayala ermittelt und gerät dabei selbst in große Gefahr.
...
"Die Stille des Todes" ist der Auftakt einer Reihe, in der Inspector Unai López de Ayala ermittelt. Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, wobei der Hauptteil in der Ich-Form, aus der Sicht des Inspectors, geschildert wird. Es gibt allerdings auch immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit, die zunächst nicht mit dem aktuellen Geschehen in Verbindung gebracht werden können, sich aber im weiteren Verlauf ins Gesamtbild einflechten.
Es gelingt der Autorin hervorragend, sofort das Interesse an der Handlung zu wecken. Denn der Prolog, in dem Inspector Ayala den Leser ins Geschehen einführt, endet bereits mit einem Paukenschlag. Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Denn der Inspector plaudert locker aus dem Nähkästchen. Er versteht es nicht nur Spannung aufzubauen, sondern auch Humor einfließen zu lassen, der dafür sorgt, dass man das Gefühl hat, ihm direkt gegenüber zu sitzen und seinem Bericht zu lauschen. Man stellt schnell fest, dass Ayala geradezu besessen davon ist, die Identität des Täters zu lüften und die Mordserie zu stoppen. Deshalb verfolgt man ein Katz- und Mausspiel, das durchgehende Spannung garantiert und in einem grandiosen Finale gipfelt.
Die Beschreibungen des Baskenlandes sind dabei so gelungen, dass man sich der Handlungsorte stets bewusst ist. Die besondere Atmosphäre schwebt regelrecht zwischen den Zeilen, sodass man das Gefühl hat, selbst durch die Gassen zu streifen und dabei die beschriebenen Orte aufzusuchen. Die Charaktere wirken außerdem sehr lebendig. Man kann sich deshalb mühelos auf die spannende Jagd nach dem Täter einlassen. Doch hier ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint, denn es kommt zu einigen Überraschungen.
Krimis und Thriller sind ja meine absoluten Favoriten und bei diesem Exemplar habe ich mich ausgesprochen gut unterhalten. Denn durch die intensiven Beschreibungen der Handlungsorte und Charaktere, konnte ich mich ganz auf die Handlung einlassen und die spannende Jagd nach dem Täter genießen.
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Auf nach Fire Island!
Sommer unter Sternen von Miriam Covi
Dieses war mein erstes Werk der Autorin Miriam Covi und es werden definitiv noch viele weitere folgen (– "Sommer in Atlantikblau" steht als nächstes auf der Liste -), da ich restlos begeistert bin! Was für ein Glücksgriff ist dieses Buch!
Auch wenn das wunderschöne Cover förmlich 'Sommerurlaub' und 'Zeit zum Entspannen' schreit, steckt in dieser bezaubernden Geschichte so viel mehr als nur eine leichte Feel-Good-Romanze.
Im Gegenteil, die beiden Hauptfiguren, Ella und Nathan, sind unheimlich tiefgründige Charaktere voller Facetten. Gekonnt lässt die Autorin auch ernste Töne (- klassische Probleme in unserer Gesellschaft, die oft ein Tabuthema darstellen -), anklingen, ohne dass diese jedoch die Story in irgendeiner Form überschatten. Vielmehr lassen sie die Figuren ausgereift und authentisch erscheinen. Diese Gestaltung hat mir besonders gut gefallen, da ich es nicht nur als herrlich erfrischend in einem ansonsten vor teilweise weltfremden Plots triefenden Genre empfunden habe, sondern auch, weil es zum Nachdenken über den eigenen Alltag anregt. Ich persönlich habe beispielsweise sehr viele Denkanstöße zum Thema Beziehungsdynamik erhalten.
Ella ist eine liebenswerte Protagonistin, mit der ich zu gerne mal einen Kaffee trinken gehen würde. Sie opfert sich auf für ihre Kinder, hat ihr Herz am rechten Fleck und einen Humor, der seinesgleichen sucht. Die Dialoge zwischen ihr und Nathan sind ein Knüller – ich habe des Öfteren schmunzeln oder auflachen müssen. Dabei ist Ella selbst zu Beginn der Handlung rein gar nicht zum Lachen zumute: frisch verlassen steht sie vor den Scherben ihrer Ehe und fragt sich, wie ihre Zukunft nun – als alleinerziehende Mutter von Zwillingen im Kleinkindalter – aussehen soll. Die Einladung ihrer besten Freundin Maggie in deren Sommerhaus gibt Ella die Möglichkeit, der katastrophalen Situation zunächst einmal zu entfliehen, um einen klaren Kopf zu gewinnen. Mit Fire Island, dem idyllischen kleinen Inselchen vor der Küste New Yorks, verbindet sie angenehm tröstende Erinnerungen an unbeschwerte Sommer ihrer Teenagerzeit…und an Nathan, Maggies charismatischen älteren Bruder und Ellas Jugendschwarm…der ihr plötzlich unerwartet im Ferienhaus gegenübersteht und alles andere als begeistert ist, sie wiederzusehen…
Der unterhaltsame, luftig-leichte Schreibstil ließ mich komplett in die Handlung eintauchen und den Alltag vergessen. Man spürt, dass die Autorin mit der für den Roman ausgewählten Region vertraut ist. Fire Island ist so bildhaft, atmosphärisch und einladend beschrieben, dass man förmlich das Rauschen des Meeres hört, den Wind in den Haaren spürt und am liebsten direkt einen Urlaub dorthin buchen möchte! Auch der Alltag mit zwei kleinen Kindern wird glaubhaft widergegeben - samt allen nervenaufreibenden und glückseligen Momenten. Ein weiteres Highlight sind die in die Handlung eingebundenen Musikhits, die sind sehr treffend gewählt worden sind – Achtung, Ohrwurmgefahr! Speziell Elvis Costello’s Song "She" werde ich in Zukunft immer mit diesem herzerwärmenden Roman verbinden.
Fazit: Einfühlsam und witzig, entspannend und mitreißend zugleich! Ein wunderbarer Wohlfühlroman mit sympathischen Figuren, die man am liebsten nicht verlassen möchte.
Rezensionen von Pink Anemone:
Außen hui und innen Unglaubwürdigkeiten, Klischees und Altbekanntes. Was für eine Enttäuschung!
Der Insasse von Sebastian Fitzek
Ein vermisstes Kind - ein verzweifelter Vater - ein Höllentrip ins Innere der Psychiatrie
Zwei entsetzliche Kindermorde hat er bereits gestanden und die Berliner Polizei zu den grausam entstellten Leichen geführt. Doch jetzt schweigt der psychisch kranke Häftling Guido T. auf Anraten seiner Anwältin.
Die Polizei ist sicher: Er ist auch der Entführer des sechsjährigen Max, der seit drei Monaten spurlos verschwunden ist. Die Ermittler haben jedoch keine belastbaren Beweise, nur Indizien. Und ohne die Aussage des Häftlings werden Max' Eltern keine Gewissheit haben und niemals Abschied von ihrem Sohn nehmen können.
Drei Monate nach dem Verschwinden von Max macht ein Ermittler der Mordkommission dem verzweifelten Vater ein unglaubliches Angebot: Er schleust ihn in das psychiatrische Gefängniskrankenhaus ein, in dessen Hochsicherheitstrakt Guido T. eingesperrt ist. Als falscher Patient, ausgestattet mit einer fingierten Krankenakte. Damit er dem Kindermörder so nahe wie nur irgend möglich ist und ihn zu einem Geständnis zwingen kann....(Klappentext)
Triggerwarnung: Pädophilie, Kindesmissbrauch, Vergewaltigung
✚✚✚✚✚
"Langsam, mit schlurfenden Schritten, tastete er sich Meter um Meter voran. Und dann trat Till aus dem rosa farbenen Isolationszimmer in die ihm fremde und Angst einflößende Welt der Steinklinik."
(S. 86)
Vor einem Jahr gelangte der sechsjährige Max, Sohn von Till Berkhoff, in die Fänge des Serienkillers Guido Tramnitz, von den Medien nur "Brutkasten-Bestie" genannt. Kurz darauf wurde Tramnitz, aufgrund seiner Unachtsamkeit, endlich gefasst und gestand drei Morde. Vom kleinen Max kam jedoch kein Wort über seine Lippen, nur ein hämisches Grinsen.
Aufgrund einer schweren schizophrenen Störung wurde Tramitz als schuldunfähig eingestuft und fristet nun im Hochsicherheitstrakt einer psychiatrischen Klinik sein Dasein. Ab diesem Zeitpunkt sprach er kein Wort mehr über seine verübten Morde und die Leiche von Max wurde nie gefunden.
Seit sein Sohn verschwand ist Till nur noch der Schatten seiner selbst. Die Ehe liegt in Scherben, Schuldgefühle plagen ihn und die Ungewissheit was mit seinem Sohn passiert ist frisst ihn auf. Er möchte seinen Sohn begraben und somit zumindest zum Teil mit diesem Verlust abschließen. Dafür schmiedet er einen äußerst gewagten Plan - er muss in die Nähe von Tramnitz kommen und dafür muss er selbst eingewiesen werden. Doch der Mann, dessen Identität er für dieses Unterfangen annimmt, ist selbst ein Kindermörder und der Klinikaufenthalt wird für ihn dadruch ein Gang durch die Hölle. Dabei lässt er jedoch niemals sein Ziel aus den Augen - sich den Mörder seinen Sohnes vorzuknöpfen.
Das klingt nun alles spannend, toll und aufregend, doch für mich wurde es eine Leseerfahrung voller Augenrollen, genervtes Seufzen und entrüsteten "WTF's!".
"Babyshampoo und Angst ergeben eine herrliche Duftmischung, finde ich. Man müsste sie in Flaschen füllen und bei Rossmann verkaufen."
(S. 232)
Es ist nämlich alles einfach too much. Da wollte der Autor wohl so viel wie möglich in diesen Psychothriller hinein packen, um den LeserInnen so richtig die Schlüppis wegzusprengen. Dadurch wirkt die gesamte Story jedoch völlig überfrachtet und unglaubwürdig.
Zudem macht Fitzek auch vor Klischees nicht Halt, welche mich als ehemalige Krankenschwester einer geschlossenen Akut-Psychiatrie die Haare zu Berge stehen lässt. Actionszenen, spektakuläre Abgänge und Körperverletzungen, wechseln sich damit ab. Dann noch etwas von E.A. Poes "Das System des Dr. Teer und Prof. Feder" und, um alles noch etwas beklemmender und unheimlicher zu machen, noch etwas Alcatraz-Stimmung, indem die Klinik durch Hochwasser von der Außenwelt abgeschnitten wird. Dies alles übrigens schon auf den ersten 100 Seiten und selbst im Hinblick auf die Auflösung völlig sinnfrei, übertrieben und, wie schon erwähnt, too much.
Es geht bei den Protagonisten weiter, denn wir erhalten Einblicke in unzählige Perspektiven, wie z.B.: Till, Rebecca (Till's Frau), Dr. Frieder, Seda (Patientin), Dr. Sänger (ärztl. Leiterin), Max und natürlich Tramitz mit Einblicken in seine Kindheit. Auch hier einfach alles zu viel und dadurch bleibt jede Figur blass und oberflächlich.
Zudem hat man es hier mit korrupten Ärzten, inkompetent agierendem Personal, Prostitution innerhalb der Klinik, etc. zu tun.
Die ganzen Unglaubwürdigkeiten ärgerten mich jedoch am meisten. Man stelle sich eine topmodern ausgestattete psychiatrische Einrichtung vor. Ausgestattet mit einem Schließsystem wie in einem Hochsicherheitsgefängnis, Keycard und Iris-Scanner gewähren nur dem Personal uneingeschränkten Zugang zu den verschiedenen Abteilungen. Gerade diese Ausgangssituation macht die Story und so manche Handlungen so unglaubwürdig, denn hier scheint trotzdem alles möglich zu sein ... für Patienten ebenso, wie auch für Ärzte. Im selben Atemzug scheint der Autor diese Handlungen zu rechtfertigen, was alles nur noch unglaubwürdiger macht.
Auf jeder Seite raufte ich mir entweder die Haare oder rollte genervt mit den Augen..manchmal auch beides gleichzeitig.
"Bis auf einen Pfleger, der im Schwesternzimmer auf Abruf blieb, versammelten sich in diesem Moment alle Mitarbeiter in der Lobby. Und die meisten Patienten waren bereits in anderen Häusern untergebracht, weswegen Tramnitz das Stockwerk im Grunde für sich alleine hatte."
(S. 205 *kopfschüttel*)
Man hat dabei ständig das Gefühl alles schon mal gelesen/gehört/gesehen zu haben und auch wenn die Auflösung in typischer Fitzek-Manier daherkommt, bleibt der Überraschungseffekt doch etwas auf der Strecke, im Gegenzug erhält man einen bitteren Nachgeschmack.
Fazit:
Ich habe von Fitzek nun schon länger kein Buch mehr gelesen, war jedoch vor paar Jahren ein Fan von ihm und seinen Büchern. Hier frage ich mich nun wo der "alte" Fitzek hin ist. Schon beim Schreibstil erkannte ich ihn nicht wieder, welcher sich von fesselnder Sprachgewalt zu einem plumpen und einfachen Schreibstil entwickelt zu haben scheint. Sollte ein Autor mit den Jahren nicht besser werden, anstatt schlechter?
Zu der Story selbst möchte ich hier nicht mehr viel sagen, habe ich dies doch bereits oben schon getan.
Der Autor produziert zwar am laufenden Band Bücher, sein Augenmerk scheint jedoch eher auf dem Marketing und der äußeren Erscheinung der Bücher liegen, während die Storys auf der Strecke bleiben und nichts Neues zu bieten haben.
Außen hui, innen literarisches Pfui. Wenn ich also in Zukunft einen Fitzek lese, dann mit Sicherheit nur ältere Werke.
© Pink Anemone
Rezensionen von ikatzhorse2005:
Eine bemerkenswerte Lady kämpft für ihr Glück
Lady Annes Geheimnis von Marcus Martha Sophie
Lady Annes Geheimnis ein historischer Roman von Martha Sophie Marcus Bastei Lübbe Verlag
Im Sommer 1714 lebt Anne Baynes in Hannover am kurfürstlichen Hof Georg Ludwigs. Wegen einer unehelichen Schwangerschaft, deren Vertuschung ihren Eltern wichtiger ist, als das Wohl ihrer Tochter und deren Sohnes, verbannen sie sie aus England und entziehen Anne das Kind.
Doch das Herz der jungen Adligen sehnt sich nach ihrem Sohn. Durch eine Fügung des Schicksals und mit der Ernennung Georg Ludwigs zum englischen König, reist Anne gemeinsam mit dem Hof nach London. Unter strikter Geheimhaltung ihrer Vergangenheit macht sie sich auf die Suche nach ihrem Kind. Was sie in Londons Gassen alles erwartet und welch unterschiedlichen Figuren Anne begegnen, beschreibt die Autorin in einem fesselnden Roman. Martha Sophie Marcus begibt sich auf historische Pfade und lässt die Konflikte zwischen schottischen Jakobiten und dem Königshaus wieder aufflammen. Die Einblicke in die politische Lage und die Ansichten, Beweggründe sowie Reaktionen der einzelnen Partein werden anschaulich dargestellt. Sie greift wichtige Themen der damaligen Zeit auf. Die schwierige Stellung der Frau, die Machtposition und das Denken der Männer und deren daraus resultierende Handlange über das weibliche Geschlecht erscheinen aus heutiger Zeit erschreckend. Anne gerät zwischen den Rangeleien der Machthungrigen und deren Machenschaften bis hin zur Benutzung des kleinen John als Druckmittel in so manch brenzlige Situation. Ungeachtet ihrere Loyalität hat sie das Wohl ihrer Lieben im Blick und handelt pflichtbewußt. Dank ihrer Diplomatie und neu geknüpften sowie alten Freundschaften gelingt es ihr, den trügerischen Schein aufrechtzuerhalten und im Spiel ganz oben mit zu spielen.
In einem bildhaften Schreibstil und mit lebhaften Worten entfaltet sich das historische London mit seinen bunten und schmutzigen, lustigen sowie traurigen Seiten. Die charakterstarke Protagonistin träumt nicht, sondern handelt. Anne ist eine handfeste Lady, deren Erlebnisse den Leser mitfiebern lassen. Sie wächst dem Leser ans Herz und man lernt mit ihr zu vergeben, um am Ende die Kompromisse hinter sich zu lassen und mehr als nur beinahe glücklich zu sein.
Ein hilfreiches Personenregister und Glossar erleichtert die Orientierung. Das Nachwort der Autorin ergänzt das Gelesene.
Fazit: Und wieder habe ich in Bezug auf geschichtliche Details etwas dazugelernt. Die Lektüre bereitet Spaß und animiert zum Weiterlesen. Einige Stellen gingen mir zu schnell von statten, diese hätte ich mir ausführlicher erleutert gewünscht. Auch das Verhalten des ein oder anderen Protagonisten musste ich hinterfragen. Doch Lady Annes Geheimnis gehört zur guten Unterhaltungsliteratur. Obwohl mir vorangegangene Romane aus der Feder der Autorin einen Tick besser gefallen haben, habe ich die Erlebnisse rund um Lady Anne und ihren Liebsten, die Herrschaften König Georg und die Damen von der Schulenburg sowie der lieben Gräfin Johanna und der pfiffigen May Darling sehr gern verfolgt.
Rezensionen von ikatzhorse2005:
Ein Portrait, unangepasst und eigenwillig
Teufelsweiber von Carina Heer
Teufelsweiber von Carina Heer erschienen 2018 Benevento Verlag
Die Kurzabhandlungen und Einblicke in das Leben und Wirken der 100 Teufelsweiber beinhaltet eine Auswahl von Frauen aus verschiedenen Zeitepochen. Von Kleopatra über Katharina II bis Nina Hagen sind Frauen, die die Welt auf den Kopf stellten, in diesem Buch vertreten.
Die Autorin umschreibt mit ihren eigenen gewählten Worten diese mehr oder wenig geschichtsträchtigen Persöhnlichkeiten. Witzig, ironisch, unangepasst,... laut Klappentext, doch diverse Wortspielereien wirken nicht immer passend. Mit Interpretationen und den Bezug zur heutigen Zeit und Gesellschaft formt Carina Heer den Text in einer teils saloppen Sprache und einem Schreibstil, der modern wirken will. Sie stellt unbeantwortete Fragen in den Raum und drückt der Lektüre ihren eigenen Stempel auf, der jedoch Geschmackssache bleibt.
Das Inhaltsverzeichnis läd zum Stöbern im Buch ein. Wahllos erfolgt die Abfolge der Personen im Register. Dies macht die Lektüre zu einem kurzweiligen Vergnügen. Sucht man eine Persöhnlichkeit, muss man alle Namen in der Liste durchgehen, um fündig zu werden. Hier hätte ich mir ein wenig Ordnung hinsichtlich der Reihenfolge und gern auch präzise Zeitangaben zu den wichtigen Frauen gewünscht. Auch die zahlreichen Quellen und Tipps zum Nach-und Weiterlesen nehmen keinen konkreten Bezug auf genannte Personen oder Textstellen. Dies herauszufinden, bleibt dem Leser überlassen.
Fazit: Was Josephine Barker mit Madonna sowie Angelina und Co. zu tun haben soll, bleibt mir schleierhaft. Laut der Autorin sollte man Rosa Luxenburg nicht völlig unkritisch durch die rosarote Brille betrachten. ... Dieses vielversprechend angedachte Buch mag sicher einige Informationen vermitteln, doch die Art und Weise trifft leider nicht meinen Geschmack.
Rezensionen von heinoko:
Zerzaust und entflammt
Teufelsweiber von Carina Heer
Meine ursprüngliche Erwartung an das Buch war, eine leichte, vielleicht sogar ein wenig kitschige, locker und leicht lesbare Sommerlektüre vorzufinden. Ich war nicht darauf gefasst gewesen, dass mich die Geschichte in ihrer Intensität so komplett in ihren Bann zog, dass ich mich nicht mehr davon lösen konnte.
Grace steht als leidenschaftliche Cellistin am Beginn ihrer Karriere, bricht diesen Weg jedoch nach einer traumatischen Erfahrung rigoros ab und repariert in einem kleinen Örtchen in England Musikinstrumente. Ihr ganzes Denken und Handeln ist auf David ausgerichtet, der seit 8 Jahren ihre große Liebe ist, David, der beruflich erfolgreich, einfühlsam, liebevoll ist. Grace trifft sich mit ihm immer nur für wenige Stunden oder Tage in Paris, hat sich mit diesem Arrangement abgefunden und zweifelt keine Sekunde an David. Mit Sicherheit wird er irgendwann Frau und Kinder verlassen und das gemeinsame Leben mit ihr beginnen. Doch Grace wird durch ein unerwartetes Ereignis jäh aus ihrem ruhigen und hoffnungsfrohen Lebensgleichmaß gerissen und verliert völlig den Boden unter den Füßen…
Soweit klingt die Handlung tatsächlich nach einem üblichen Klischee: Junge Frau ist Geliebte eines verheirateten Mannes, der entgegen seiner Versprechungen die Familie nie verlassen wird. Doch die Autorin schafft es schier unbemerkt, dem Leser seine eigenen Vorurteile vor Augen zu führen und der Handlung eine unerwartete Wendung zu geben. Plötzlich befinden wir uns mitten in einer Geschichte der Selbstfindung, der wachsenden Selbstachtung, der Wertschätzung dessen, was ist, und der Gelassenheit gegenüber Unveränderbarem. Alle Protagonisten sind auf ihre besondere Art sympathisch dargestellt, weshalb es dem Leser unmöglich ist, Distanz zu wahren. Er wird unweigerlich hineingezogen in das Geschehen und erlebt die ganze Welt der Gefühle direkt mit. Die schmerzhaftesten Sätze graben sich ein wie Tattoos in die Haut. Und das Buch ist eine Hymne an die Musik! „Zerzaust und entflammt“ bleiben Nadja und Grace nach dem gemeinsamen Musizieren zurück. Und zerzaust und entflammt bleibt der Leser nach Lektüre dieses wunderbaren Buches zurück.
Rezensionen von BarbaraM:
Eine wunderschöne und interessante Mischung aus Bilder- und Sachbuch. Sehr empfehlenswert!
Fische, Fische überall von Britta Teckentrup
„Fische, Fische überall“ von Britta Teckentrup ist 2019 in der deutschen Ausgabe im Prestel Verlag erschienen und umfasst 32 Seiten.
Das Buch ist eine unglaublich tolle Mischung aus Bilder- und Sachbuch. Zunächst springen einem die wunderbar gemalten Bilder ins Auge, allen voran das Cover, das sehr farbenfroh und leuchtend und in Goldtönen schillernd gestaltet ist und auch haptisch hebt es sich von „normalen“ Bilderbüchern ab.
Meine beiden Kinder haben es sofort als „einen echten Schatz“ tituliert. Die Bilder setzen sich auch auf künstlerischer Ebene im Buch fort und sie bereichern und unterstützen die vielen Sachinformationen ganz hervorragend. Der Leser und Betrachter findet hier beispielsweise Informationen über die vielen verschiedenen Fischarten, über den unterschiedlichen Lebensraum, über die Nahrungssuche, Überlebensstrategien, über das Verhältnis von Menschen und Fischen und vieles mehr.
Britta Teckentrup gelingt es, die Faszination in Bezug auf Fische mit ihrem Buch in Bild und Schrift auf Alt und Jung zu übertragen
Meinem Sohn haben besonders gut die zahlreichen Bilder und hier kleine eingebaute Aufgaben gefunden, wie zum Beispiel: Kannst du das Borstenmaul finden? Und besonders fasziniert war er von der Doppelseite „Das tiefe blaue Meer“. Hier gab es für ihn so vieles zu entdecken und die Tiefe des Meeres und das Leben der unterschiedlichen Fische dort haben wirklich eine ganz besondere Magie in sich.
Fazit: Bei Britta Teckentrups „Fische, Fische überall“ handelt es sich um ein außergewöhnlich gute Mischung aus Bild- und Sachbuch, das hoffentlich in viele Büchereien, Kindergärten, Klassen- und Kinderzimmern Einzug finden.
Wir empfehlen es sehr gerne weiter.
Rezensionen von Gaby 2707:
Gelungener Auftakt mit einem sehr sympathischen Kommissar
Kretische Feindschaft von Nikos Milonás
Der Bürgermeister der kleinen kretischen Stadt Kolymbari ist verschwunden. Als Stelios Karathonos kurze Zeit später tot in seinem Wagen, abgestürzt an einer Steilküste, aufgefunden wird, sieht alles nach einem Unfall aus. Nur der junge Kommissar Michalis Charisteas glaubt nicht daran. Sein Gefühl sagt ihm, dass hier mehr dahinter steckt und will anfangen zu ermitteln.
Da kommt von ganz oben der Befehl, die Ermittlungen abzubrechen. Doch dann gibt es einen weiteren Toten…
Kommissar Michaelis Charisteas ermittelt zusammen mit seinem ihm vorgesetzten Partner Pavlos Koronaios in ihrer Heimatstadt Chania auf Kreta. Ihn habe ich sofort ins Herz geschlossen, wegen seines unerschütterlichen Glaubens an das Gute, wegen seiner Herzlichkeit, seiner Familienverbundenheit und wegen seiner deutschen Freundin Hannah Weingarten, die in Berlin studiert und hier auf Kreta an ihrer Doktorarbeiter weiterarbeiten will. Nur haben die Zwei durch die sich zwischen zwei Familien entspinnende Fehde fast keine Zeit um sich nur um sich selbst zu kümmern. Und auch Michalis Familie würde Hannah gerne absolut unter Beschlag nehmen.
Ich finde, der Autor schafft eine so tolle Atmosphäre rund um die gesamte Familie Charisteas mit ihrer Taverne Athena, mit den vielen kretischen Gerichten, den Gerüchen, den Sitten und Gebräuchen, den kleinen Ausflügen in die Umgebung, dass ich mich gleich wie mittendrin fühle. Ich liebe die griechische Gastfreundschaft, die hier immer wieder zelebriert wird und einfach ihren ganz eigenen Flair hat.
Überhaupt nimmt die Familie und auch Hannah einen sehr großen Raum ein. Aber klar, sie müssen vorgestellt und „sichtbar“ gemacht werden. Besonders die wuselige Mama Loukia hatte ich immer wieder vor Augen. Einfach zum in den Arm nehmen und zum knuddeln, manchmal aber auch ein bisserl anstrengend.
Gerade der Zusammenhalt in Michalis Familie steht im krassen Gegensatz zu zwei Familien, wo gerade eine Fehde ausgebrochen ist und sie sich anscheinend alle gegenseitig umbringen wollen. Diese totalen Gegensätze finde ich sehr interessant zu lesen.
Eben diese beiden Familien stehen im Fokus dieses Kriminalfalles, der sich in einige Fälle ausweitet. Sehr spannend gemacht. Besonders die Auflösung des Falles hat mir gefallen und sich für mich durchaus realistisch dargestellt.
Eine gelungene Premiere für Michalis Charisteas, seiner Hannah und seiner gesamten Familie, die ich sehr gerne noch intensiver kennenlernen möchte. Ein spannender Kriminalfall, interessante Protagonisten und auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Bitte mehr davon!
Rezensionen von C. P.:
Kleines Märchen mit großer Aussage
Kretische Feindschaft von Nikos Milonás
Gewitterhexe Mirai hat längst nicht so viel Spaß an Unwettern wie ihre Schwestern. Als sie bei einem Unwetter beobachtet, wie ein seltener Mondfuchs sich in die strömenden Fluten stürzt, will sie ihn vor dem Tod retten. Doch der Mondfuchs will ihre Hilfe gar nicht…
Ein kleines und dennoch sehr emotionales kleines Märchen, welches stellenweise etwas traurig ist und dazu anregt, die Welt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten sowie das Positive darin zu entdecken.
Sehr schön erdacht und geschrieben.
Rezensionen von C. P.:
Abenteuer in der Grünen Hölle
Lady Trents Memoiren: Der Wendekreis der Schlangen von Marie Brennan
Im zweiten Band ihrer Memoiren beschreibt die Natur- und Drachenforscherin Lady Trent ihre zweite Expedition auf den Kontinent Erga, um die dortigen Drachenarten zu erforschen.
Seit dem letzten Band sind gerade mal rund drei Jahre vergangen, Isabella lebt als Witwe und junge Mutter in ihrem Heim in Scirland, welches dem viktorianischen England ähnelt.
Statt die typische Mutterrolle einzunehmen widmet sie sich jedoch verstärkt der Naturforschung und finanziert einen Chemiker, der die Knochenfunde aus Band 1 untersuchen sowie ein vergleichbares Material synthetisieren soll, um die Drachenpopulation zu schützen. Als eine erneute Expedition ansteht, reist sie mit Lord Hilfords Assistenten Thomas Wilker sowie Natalie Oscott, der Enkelin des Lords, nach Erga, einem fiktiven Kontinent, welcher mit unserem Afrika vergleichbar ist. Neben wirtschaftlichen und politischen Stolpersteinen ist in diesem Band vor allem der lange Aufenthalt in der Grünen Hölle das Hauptthema, in welcher die drei lernen, sich dem tropischen Dschungel anzupassen und zu überleben.
Im Vergleich zum ersten Band ist der zweite Band um einiges spannender, da die lange Vorgeschichte ihrer Kindheit entfällt. Zudem wirkt Isabella mittlerweile etwas selbstsicherer, was sich in ihren Memoiren niederschlägt. Mir hat am meisten das Abenteuer in der grünen Hölle gefallen, wobei die Expeditionsgruppe auf dem Kontinent Erga neben politischen Problemen vor allem die dortigen Kulturen und deren Sitten kennenlernen und sich ihnen anpassen muss, bevor es überhaupt in die Grüne Hölle geht. Auch die Drachen waren diesmal nicht bloß Randerscheinung, sondern kamen vermehrt vor.
Was mich jedoch sehr störte, waren die vielen Fantasiebegriffe der Autorin für Länder, Völker, politische Titel, Monate etc, die diesmal wirklich vermehrt in den Raum geworfen wurden, größtenteils allerdings ohne Erklärung. Mal so als fiktives Beispiel: Wenn die Protagonistin im Monat Blabla auf den Bingi und dessen Benge vom Volk der Bongo im Land Bungu trifft, der verfeindet ist mit den Völkern Pingi und Pongo und deren Panga und Penge, vergeht mir doch schnell die Lust, da einfach keinerlei Nachvollziehbarkeit gegeben ist. Das hat den Charakter der Sprache von Kindern, denen man beim Spielen in der Sandkiste zuhört, aber in einem Roman sind solche erdachten Begriffe ohne jegliches Glossar einfach nur nervig und führen dazu, dass ich die betreffenden Passagen überlese, da ich eh kaum weiß, was das bedeuten soll. Die vielen, teils unaussprechlich anmutenden Namen der Bewohner Ergas machten das Ganze nicht besser.
Eine unterhaltsame Fortsetzung, welche diesmal deutlich spannender ist, jedoch mit verwirrenden Fantasiebegriffen den Lesespaß unnötig reduziert.









