Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von manu63:

Fragen werden geklärt

Ein MORDs-Team - Band 23: 1985 von Andreas Suchanek

1985 lautet der Titel des 23 Bandes der Ein Mordsteam Reihe des Autors Andreas Suchanek. Die Leser werden zurückgeführt in das Jahr 1985 und die Geschichte der Geschwister Corey und Wendy werden ans Licht geholt. Identitäten klären sich und einige Fragen die sich angesammelt haben werden beantwortet.

Mit gewohnt flottem Schreibstil lässt der Autor die Leser in die Geschichte hineinfallen und in Rückblicken werden einige Ereignisse der Vorbände aufgearbeitet. Dafür lässt der Autor Fake Wendy ihre Geschichte erzählen und ich verrate nicht zu viel wenn ich schreibe, das mich die Identität von Fake Wendy stark überrascht hat. Der Fokus der Geschichte liegt dieses Mal auf die Runde welche Fake Wendy versammelt hat und die anderen Stränge laufen im Hintergrund weiter. Der übliche starke Cliffhanger fehlt natürlich auch nicht und ich bin gespannt wie es weiter geht.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von manu63

Rezensionen von Gluecksklee:

Herzerfrischend und absolut fesselnd

Love to share - Liebe ist die halbe Miete von Beth O'Leary

Zum Inhalt
Leon und Tiffy stecken beide in der Klemme. Tiffy ist verzweifelt auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung in London und Leon braucht dringend zusätzliches Einkommen. Unter diesen Voraussatzungen kommt eine besondere Wohngemeinschaft zustande: tagsüber steht Leon die Wohnung zur Verfügung, vom späten Nachmittag an bis zum nächsten Morgen hat Tiffy die Wohnung für sich.

Was als einfache Wohngemeinschaft beginnt, entwickelt sich im Laufe der Zeit zu so viel mehr…
Meine Meinung
Das auf der Rückseite des Buches mit dem Zitat der Cosmopolitan „Die neue Jojo Moyes“ geworben wird, hat natürlich entsprechende Erwartungen in mir geweckt. Schließlich hat Jojo Moyes seit „Ein ganzes halbes Jahr“ einen Platz ziemlich weit vorne unter meinen Lieblingsautorinnen inne. Und was soll ich sagen? Das Buch ist vielleicht nicht ganz so gut wie „Ein ganzes halbes Jahr“, aber schon verdammt nahe dran. Tiffy und Leon sind beide so liebenswerte Charaktere, dass man einfach nicht anders kann, als mit ihnen mitzufiebern und auf ein Happy End zu hoffen. Das Buch hat viel zu bieten: Es gibt Stellen, die einen zum Schmunzeln oder Lachen bringen, es gibt Stellen, an denen man einfach nur wütend ist und es gibt Stellen, die sind traurig oder so bittersüß, dass man meint, das Herz müsste einem in der Brust zerspringen.
Und dabei schafft es Beth O’Leary ausgezeichnet, dass das Buch nicht ins Kitschige abdriftet. Auch die Nebenhandlungen (wie die Suche nach dem richtigen Johnny White) sind herzallerliebst.
Der Schreibstil von Beth O’Leary ist auch wirklich wundervoll – auch wenn ich mich an die nicht immer ganz vollständigen Satzkonstellationen von Leon erst einmal gewöhnen musste. Durch diese Eigenart ist der Charakter Leon für mich nur noch realer geworden.
Von mir erhält „Love to share – Liebe ist die halbe Miete“ fünf von fünf Sternen und eine absolute Leseempfehlung.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Gluecksklee

Rezensionen von Amena25:

Ein Cold Case, der einen nicht kalt lässt

Unbarmherzig von Inge Löhnig

In dem idyllischen Dorf Altbruck werden die Gebeine eines Mannes und einer Frau gefunden, die wohl schon vor Jahrzehnten verscharrt worden waren. Offenbar sind die Knochen durch Bauarbeiten freigelegt worden.
Gina Angelucci, Lebenspartnerin von Tino Dühnfort, den so mancher Leser aus der Dühnfort-Reihe der Autorin kennen wird, ist Spezialistin für alte, ungelöste Fälle und kehrt gerade aus der Elternzeit zurück.

Voller Elan, aber auch voller Empathie für die Opfer und deren Familien, widmet sich Angelucci dem Fall, stößt dabei aber auf allerlei Vorbehalte seitens des Oberstaatsanwalts, aber auch einiger Dorfbewohner. Allen voran der Bürgermeisters und natürlich auch der Besitzers der beteiligten Baufirma versuchen, Gina Angeluccis Arbeit zu behindern. Immerhin müssen die Bauarbeiten für das örtliche Gewerbegebiet ruhen, bis die Ermittlungen angeschlossen sind.
Durch spezielle Analysen kann die Gerichtsmedizin feststellen, dass es sich um die sterblichen Überreste eines jungen Mannes, der aus der Region stammt, und einer jungen Frau aus dem Baltikum handeln muss. Schnell rückt die ehemalige ,,Heeresmunitionsanstalt“, die sich zur Zeit des 2. Weltkriegs in Altbruck befunden hatte, in den Fokus. Dort wurden u.a. Strafgefangene, aber auch Zwangsarbeiter aus dem Baltikum eingesetzt. Diese Vergangenheit wollen aber die meisten lieber ruhen lassen.
In relativ kurzen Kapiteln rücken immer wieder verschiedene Personen in den Fokus. Neben den Personen der Gegenwart wie z.B. Ella Loibl, die die Gebeine gefunden hat, gibt es zahlreiche weitere Familienmitglieder, die seit Jahrzehnten miteinander zerstritten sind. Diese Familiengeschichte wird geschickt mit dem Schicksal der baltischen Zwangsarbeiterin Kairi verknüpft. In einzelnen Kapitel darf auch sie, mit Hilfe eines aufgefundenen Tagebuchs, zu Wort kommen. Dadurch wird ihr Schicksal besonders eindrücklich und anrührend geschildert.
Auch das Privatleben Angeluccis und Dühnforts mit ihrer Tochter Chiara, die das Down-Syndrom hat, kommt nicht zu kurz.
Löhnig versteht es, Vergangenes anschaulich und spannend mit aktuellen Themen zu verknüpfen und dies durch einen lockeren, unanstrengenden Stil unterhaltsam zu vermitteln.
Das Ende bleibt, nicht für den Leser, aber für einige Beteiligten, offen. Dies empfinde ich aber als durchaus realistisch.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass manches aktuelle Thema etwas zu bemüht eingebaut wird, z.B. die Stalkerin, die an Gina Rache üben will, oder der der Opferschutz-Beauftragte Seidl, der nicht nur konservativ, sondern auch noch Anhänger der Identitären Bewegung ist. Diese Nebenstränge sind meiner Meinung nach unnötig.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Amena25

Rezensionen von Bibliomarie:

Das Leben - eine Reise

Eine Odyssee von Daniel Mendelsohn

„Mein Vater, ein Epos und ich“ – das ist der Untertitel des Buches von Daniel Mendelsohn und er umreißt genau den Inhalt dieses Romans, der Familiengeschichte und Sachbuch zugleich ist.
Dan ist Altphilologe und lehrt an der Universität, sein Vater Jay ist pensionierter Professor der Mathematik, ihr Verhältnis ist durchaus harmonisch, aber auch distanziert – was vielleicht auch eine Frage der Generation ist.

Der Ankündigung Jays, an seinem Seminar über die Odyssee teilzunehmen, sieht Dan mit gemischten Gefühlen entgegen: was werden seine Studenten davon halten und wie wird es sich für ihn anfühlen, vor seinem immer kritischen Vater zu dozieren?
Wobei Dans anfängliche Befürchtungen sich bald zerstreuen. Seine Studenten mögen den alten Herrn und seine respektlosen Bemerkungen. Für ihn ist nämlich Odysseus nicht der Held, sondern eher ein Versager, der immer dann, wenn es hart auf hart kommt, auf göttliche Intervention setzen kann.
Der Leser erhält, genau wie die Studenten, eine wunderbare und kenntnisreiche Einführung in das antike Epos. Dan seziert die Verse, weist auf den Aufbau und die Entstehung hin, erklärt Homers Erzählweise und den Hintergrund und zog mich damit sofort in Bann. Gleichzeitig werden die Parallelen zwischen Dans Erleben des Vaters mit der des Telemachos zum abwesenden Odysseus klar. Je weiter das Seminar fortschreitet, umso intensiver wird das Vater – Sohn Verhältnis. Dan lernt ganz unbekannte Seiten an ihm kennen und eine Vertrautheit stellt sich ein, die er so nicht kannte. Wie hat das Leben seinen Vater geprägt, wie ist er mit der Kriegszeit umgegangen, was bedeutet seine Ehe für ihn?
Während der Semesterferien unternehmen Vater und Sohn eine Mittelmeerkreuzfahrt zu den Schauplätzen des Epos. Das wird ein Höhepunkt in ihrer Beziehung, auch wenn das Ziel Ithaka nicht erreicht wird.
Ich habe jede Seite des Buches genossen und manche Abschnitte immer wieder gelesen, weil sie mich berührt haben und zum Nachdenken anregten. Mendelsohn Schreibstil hat mir sehr gefallen und mit welcher Leichtigkeit er den schwierigen Originaltext erklärt, lässt vermuten, dass er auch ein ganz besonderer Lehrer ist, der seine Studenten begeistern kann.
Ich kannte die Odyssee als Prosanacherzählung und nach diesem Buch habe ich den Wunsch, mit ausführlicher damit zu beschäftigen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bibliomarie

Rezensionen von Vicky:

Weil er er war, weil ich ich war …

Eine Odyssee von Daniel Mendelsohn

'Nie wieder ohne dich - Als der Staat uns unsere Tochter wegnahm und wie wir um sie kämpften' ist eine wahre Geschichte basierend auf den Erlebnissen und eigenen Erfahrungen der Autoren und Eltern Sabrina und Yoan Bombarde.

Das Cover ist toll gestaltet, außerdem finde ich es sehr ästhetisch und ansprechend.

Zugleich ruft es aber auch irgendwie traurige Gefühle in mir wach wenn ich den Titel damit in Verbindung setzte. Die Geschichte umfasst zwanzig Kapitel sowie einen Epilog. Erzählt wird abwechselnd aus Sicht von Sabrina und Yoan. Abgeschlossen wird die Geschichte dann mit einem Epilog von beiden gemeinsam.

Unter 'Über dieses Buch' kann man sich bereits einen kurzen Vorgeschmack auf die kleine Familie rund um Sabrina und Yoan holen. Außerdem stellt er einen ungeheuerlichen Kampf der Jahre dauern wird in Aussicht. Bereits nach diesem kurzen Text und der Vorstellung des Paares unter 'Über die Autoren' war ich schockiert aber auch sehr gespannt auf diese unfassbare Geschichte.

Den Einstieg direkt in die Befragung bei der Polizei fand ich sehr gewagt aber auch sehr gelungen. Ich war von Anfang an von der Geschichte gefangen und bestürzt. Später bekommt man dann noch Hintergrundinformationen und erfährt wie es zu dieser ganzen Situation gekommen und was alles danach noch passiert bzw. wohl eher nicht passiert ist. Der Schreibstil ist angenehm und man kommt gut voran. Ich persönlich konnte das Buch nicht aus der Hand geben und habe es fast auf einmal gelesen.

Man leidet und bangt von der ersten Seite an mit den Eltern mit. Die Erfahrungen welche sie bereits in so jungen Jahren machen und was sie alles über sich ergehen lassen mussten finde ich sehr traurig und zerstört irgendwie mein Vertrauen in sogenannte Rechtsstaaten und die Personen die dafür arbeiten. Allen voran Polizei, Jugendämter, Gerichte und Ärzte bzw. allgemein Krankenhausangestellte kommen hier nicht sonderlich gut davon. Das teilweise doch sehr ignorante Verhalten dieser Gruppen finde ich zutiefst verstörend. Aber zum Glück gibt es dennoch den einen oder anderen mit Mitgefühl und dem Sinn nach Gerechtigkeit.

Fazit:
Unfassbar dass gesetzestreuen Bürgern solch ein Unrecht und Leid vom Staat angetan werden kann. Ich kann nach wie vor nicht wirklich fassen und schon gar nicht glauben dass sich dies wirklich, in der heutigen Zeit aber vor allem in einem Land wie Frankreich, ereignet hat. Das Buch macht unendlich traurig aber zugleich auch wütend. Trotz all der negativen Gefühle welche diese Geschichte hervorruft gibt die Erfahrung der Familie Bombarde doch aber auch Hoffnung! Die Botschaft hier ist klar: Gebt niemals auf! Egal was passiert.

Ich hoffe alle können hier noch etwas wichtiges mitnehmen, nämlich nicht vorschnell über andere zu urteilen denn meist gibt es einen Grund für das Verhalten bzw. die Ereignisse! Ich hoffe dass noch viele andere Leute das auch erkennen können!

Schlussworte:
Es ist beunruhigend dass Ärzte seltene Krankheiten nicht im Blick haben und sie bei ihrer Diagnose nicht nur nicht berücksichtigen sondern sie teilweise komplett zu ignorieren scheinen. Aber sicher gibt es auch den einen oder anderen der das nicht tut. Aber letztlich muss man darauf hoffen diese seltene Person zu finden damit einem geholfen werden kann.

Außerdem muss ich noch anmerken dass Ich die Idee der Familie Bombarde, einen Verein zu gründen, sehr gut finde! Das hilft bestimmt der einen oder anderen Familie!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Vicky

Rezensionen von I.Gstettner:

Ein Riss in den Alptraum

Der Riss von Hye-young Pyun

Eine Geschichte von Scheitern, Beziehungslosigkeit, Vergeltung und bis ans bittere Ende ausgedachte und ausgeführte
Grausamkeit wird in all ihrer Ambivalenz analysiert und mit großem Spannungsbogen vorangetrieben.
Immer dichter zieht sich das Netz von Vernachlässigung und Demütigung um den schwer verletzten, hilflosen Mann, der den Tod seiner Frau bei eine Autounfall
verursacht hat.

Doch die Rache zerstört nicht nur, sondern sie führt auch zur Selbstzerstörung.
Die Lektüre des Buches von Huye-young Pyun sei allen empfohlen, die nicht an Zukunftsängsten leiden und sich gerne mit den dunklen Seiten des Menschseins auseinandersetzen. Licht fand ich nur wenig.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von I.Gstettner

Rezensionen von HEYN Leserunde, Manfred Kohl:

Ein Riss im Leben

Der Riss von Hye-young Pyun

Wer hat nicht Angst davor, dass plötzlich ein Riss durchs Leben geht und von einer Sekunde zur anderen alles anders ist? Und wie sich dann die umgebenden Menschen verändern und sich grausam gegenüber dem "Krüppel" verhalten? Ja, ein grausames Buch, sehr gut geschrieben und auch gut recherchiert - bei dem ich mich allerdings gefragt habe, ob ich 200 Seiten in meinen eigenen Ängsten wühlen will.

....

im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Manfred Kohl

Rezensionen von Manfred Fürst:

Hochkarätige deutsche Krimiliteratur

Unbarmherzig von Inge Löhnig

Trotz Unkenntnis der Autorin Inge Löhnig stellt sich UNBARMHERZIG nach dem Lesen als ein wahrer Glücksgriff heraus. Die Geschichte und der Schreibstil sind phänomenal. So unaufdringlich und klar, dadurch wird jede Seite ein Leseerlebnis. Münchner Lokalkolorit, aber weit entfernt von blödsinnigen Anbiederungen anderer Dorfkrimis.

Hier gibt es keine Trottel und Dorfdeppen. Die Protagonisten strahlen eine überragende Authentizität aus. Glaubwürdige und nachvollziehbare Charaktere. Inge Löhnig zeigt tiefe Menschenkenntnis, bildet die Strukturen des dörflichen und familiären Miteinander perfekt ab.
Die Verbindung von 75 Jahren Familiengeschichte zweier nicht freundschaftlich verbundenen Familien mit einem Doppelmord und die Einbindung der persönlichen Familiengeschichte von Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo sind eindrucksvoll.
Nur der Hartnäckigkeit bei den Ermittlungen gelingt es Gina den Tathergang zu rekonstruieren und die Identität der beiden Toten gegen alle Widerstände festzustellen. Die Morde liegen 75 Jahre zurück und Inge Löhnig gibt mehrere sehr aufschlussreiche Rückblicke in das Jahr 1944, wie sich Leben und Arbeit mit Zwangsarbeiterinnen in einer Munitionsfabrik abspielte. Die Mordermittlungen erschweren sich, weil vermutete Täter nicht mehr am Leben sind. Letztendlich hat Gina aber das richtige Gespür, kann aber den Täter nicht (mehr) überführen.
Die Zwistigkeiten zwischen den beiden Familien Anger und Schattenhofer werden vor allem von den Frauen erbittert geführt, bis sie sich am Grab versöhnen. Gina und ihre Familie müssen sich einer psychischen Herausforderung stellen und entgehen nur knapp einer Katastrophe. Teilweise werden die Ereignisse sehr emotional beschrieben was von großer Empathie der Autorin zeugt.
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für den zweiten Fall von Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst

Rezensionen von Bellis-Perennis:

Wer ist Elliot Rosenzweig?

Hannah und ihre Brüder von Ronald H. Balson

Auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Chicago kommt es zu einem Eklat: Der reiche und bekannte Bürger Elliot Rosenzweig wird von Ben Salomon bedroht und beschuldigt, der NS-Scherge Otto Piontek und für den Tod von hunderten Juden zu sein.

Ben und Otto verbindet eine gemeinsame Kindheit in Polen, denn Otto war Bens Ziehbruder.

Im Chicago von heute droht Ben ein Gerichtsverfahren und so soll Catherine Lockart, eine junge Anwältin, gedrängt von ihrem Freund, dem Privatermittler Liam Taggart, sich der Sache annehmen. Catherine ist zu Beginn von Bens Geschichte nicht wirklich überzeugt, doch je länger Ben erzählt, desto tiefer fällt die Anwältin in die Vergangenheit hinein.

Meine Meinung:

Diese Geschichte ist durchaus realistisch geschildert. Das Thema, „wie viele Nazi-Verbrecher haben durch die Annahme einer falschen Identität sich aus der Verantwortung stehlen können?“, ist längst noch nicht aufgearbeitet.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, auch wenn ich mich manchmal über die selektive Wahrnehmung so mancher Protagonisten geärgert habe. Auffällig sind, vor allem die Lücken im Geschichtswissen der Amerikaner. Sie treten auch bei der Anwältin Catherine Lockart offen zutage. So hätte sie gleich zu Beginn die tätowierte Häftlingsnummer von Elliot Rosenzweig überprüfen lassen sollen. Denn, diese Tätowierungen sind „sprechende Nummern“. Aus der Buchstaben/Zahlenkombination lässt sich herausfinden, in welchem KZ die Betroffenen erstmals registriert wurden. Hier muss man, bei allem Grauen, die deutsche Gründlichkeit loben, denn ein großer Teil dieser Listen existiert heute noch. Damit hätte sie sich jede Menge Unannehmlichkeiten und leere Kilometer erspart.

Bei der Beschreibung der Charaktere bin ich ein bisschen ambivalent. Ben ist für mich absolut glaubwürdig. Bei Catherines Darstellung als toughe Anwältin habe ich so meine Zweifel. Sie hat Lebenskrisen hinter sich und ist zutiefst verunsichert. Auch ihr Verhältnis zu Liam Taggart ist für mich persönlich nicht ganz rund. Taggart breitet, ohne Catherines Wissen, ihr Leben vor Ben, einem Wildfremden aus. Ich halte das für einen großen Vertrauensbruch.

Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen tragen Ben, Catherine und Liam zusammen, um Eliott Rosenzweig zu überführen. Warum Catherine und Liam sich erst sehr spät mit Frau Rosenzweig beschäftigen, ist mich ein wenig unverständlich. Eine Ehefrau zu überprüfen, wäre für mich ein Gebot der ersten Stunde.

Der Erzählstrang der Gegenwart wirft ein interessantes Licht auf die Arbeit von Anwälten und Gerichten Amerikas, worüber ich zugegebenermaßen wenig weiß.

Gut gelungen ist der Erzählstrang, der in Polen spielt und die Geschichte von Ben Salomon und seinem Ziehbruder Otto Piontek. Die Verwandlung des kleinen Otto, der von seiner (deutschen) Mutter vernachlässigt wurde und von der jüdischen Familie Salomon trotz aller widrigen Umstände groß gezogen wurde, bis hin zum NS-Schergen, ist detailreich geschildert. An mancher Stelle hätte Otto noch „abbiegen“ können, doch sein Geltungsbedürfnis war scheinbar höher als seine Moral.

Eine kleine Kritik muss ich wegen des deutschen Titels anbringen. Mir gefällt der englische besser. Man hätte diesen mit „Einst waren sie Brüder“ etwas griffiger übersetzen können.

Fazit:

Ein interessanter Roman, der wieder einmal deutlich macht, wie nah Recht und Unrecht beieinander liegen. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis

Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine perfekt gelungene Fortsetzung

Der Würger von Triest von Werner Stanzl

Mia, die Tochter eines erzkonservativen Einwanderers aus Süditalien, wird in ihrer Arbeitsstelle, einem Frisiersalon, ermordet aufgefunden. Ist sie einem sogenannten „Ehrenmord“ zum Opfer gefallen? Immerhin wollte sie ja ihrer Familie entkommen. Noch bevor Commissario Vossi alle Details kennt, stirbt eine Physiotherapeutin in einem Fangobad.

Zunächst sieht dieser Todesfall wie ein Unfall aus, bis Vossi entdeckt, was die beiden Toten verbindet.

Commissario Vossi ist diesmal mehrfach gefordert, denn abseits der Ermittlungen stört die aktuelle Politik seinen Arbeitsablauf: Man legt nämlich die beiden Dienststellen Triest und Gorizia zusammen. Die Kollegen aus Gorizia machen Vossi dafür verantwortlich und begegnen ihm entsprechend unwirsch.

Meine Meinung:

Krimis von der Oberen Adria sind für mich als Österreicherin immer wie „Heimkommen“. Zwischen altehrwürdigen Palazzi, die den Charme längst vergangener Größe des Habsburgerreichs verströmen, Kaffeehäusern, dem Hauch von Karst und Meer ermittelt Commissario Vossi mit seinem Team. Seine Vorfahren, ehemals Altösterreicher, wie man jene Menschen nennt, die seinerzeit der Donaumonarchie angehörten, haben den Commissario genauso geprägt wie das wechselvolle politische Schicksal von Triest bzw. Gorizia und deren Hinterland.

Werner Stanzl Krimis zeichnen sich durch bedächtiges Ermitteln aus, keine schießwütigen Ermittler, die korrupt oder Alkoholiker sind. Vossi ist durch und durch ein Genussmensch. So dürfen wir ihn bei der Suche nach einem neuen Lieblingscafé in Triest begleiten. Wilde Verfolgungsjagden finden nur im Ansatz statt, denn die schmalen, kurvenreichen Straßen lassen hohes Tempo nicht wirklich zu. Trotzdem fährt der eine oder andere aus der Fahrbereitschaft mit Blaulicht und Sirene, um den Commissario abzuholen. Das ist, so meint, Vossis Gemahlin mit trockenem Humor, der Ausgleich für die schlechte Bezahlung.

Wir Leser müssen diesmal länger auf die Auflösung warten, denn die wenigen Spuren führen immer wieder in eine Sackgasse.
Was Vossi auszeichnet, ist sein Gespür für Nuancen, für Stimmungen und seine Gabe, den Menschen zuzuhören und auch das Ungesagte zu hören.

Fazit:

Wer eher ruhige Krimis, die an der Oberen Adria spielen, mag, ist hier bestens aufgehoben. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis