Kunden em pfehlungen
Rezensionen von thora01:
Spannender und emotionaler Reihenauftakt
Inhalt/Klappentext:
Der erste Teil der emotionalen New-Adult Reihe von Rose Bloom.
Sie sagten, ich wäre nicht gut genug für sie.
Sie sagten, sie und ich, das könnte niemals funktionieren.
Sie sagten, sie hätte etwas Besseres verdient.
Sie hatten recht.
Aber es interessierte mich nicht. Und ich zog sie hinab in die Dunkelheit.
Bis ich selbst daran zerbrach.
Drogen, Armut und ein prügelnder Pflegevater. Das ist Tanners Leben, bevor Cassie auftaucht. Tanner und Cassie wachsen in zwei unterschiedlichen Welten auf und fühlen sich doch zueinander hingezogen. Mit siebzehn verlieben sie sich bedingungslos, bis Tanner eine folgenschwere Entscheidung trifft und Cassie verlässt. Sieben Jahre später treffen sie wieder aufeinander. Doch es ist kein Zufall. Tanner hatte sieben Jahre, um zu dem Mann zu werden, den Cassie verdient. Aber Cassie ist eine andere geworden. Kühl. Distanziert. Eiskalt. Macht es Sinn, um etwas Altes zu kämpfen, wenn dich das Neue von sich stößt? Oder vergisst man sich dabei unweigerlich selbst? Es gibt so viele Gründe, dich zu lieben. Du bist mein Licht in der Dunkelheit und ich will endlich wieder sehen.
Jedes Buch ist in sich abgeschlossen und kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
(Quelle: Books on Demand)
Meine Meinung:
Sehr emotionaler und spannender Liebesroman. Die Geschichte hat mich sofort gefesselt und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Ich mag es sehr wie die Autorin die Szenen aufgebaut und mit ihren Protagonisten spielt. Sehr spannend fand ich die Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Protagonisten sind sehr eigen und lassen sich nicht so ganz einfach schubladisieren. Mit Cassie konnte ich zu Beginn nicht viel anfangen. Sie wirkte einfach wie ein verzogenes Mädchen aus reichem Hause. Im weiteren Verlauf konnte ich mich immer mehr mit Cassie identifizieren. Ich fand es sehr spannend zu sehen wie sie sich entwickelt und ihre Mauern brüchig werden. Tanner fand ich sofort sehr interessant. Er ist ein richtiger Bad Boy. Dieses Image hat sich im Verlauf der Story ziemlich zerschlagen. Ich fand es toll wie die Autorin die Vergangenheit häppchenweise einfließen ließ. Sehr spannend war für mich wie sich die Beiden zu Beginn auf Abstand gehalten haben und ihre langsame Annäherung. Der Abschluss hat mir sehr gefallen obwohl er ein wenig vorhersehbar war.
Mein Fazit:
Spannender und emotionsgeladener Reihenauftakt. Ich war sofort begeistert von der Story und kann es nur empfehlen.
Rezensionen von Gluecksklee:
Ein bisschen klischeebehaftet, aber unterhaltsam
Find mich da, wo Liebe ist von Harris Anstey
"Find mich da, wo Liebe ist" von Anstey Harris ist eines dieser Bücher, bei deren Bewertung ich hin- und hergerissen war. Da ist zum einen die Ausgangskonstellation - Grace, die sich auf eine Affäre mit dem bereits verheirateten David eingelassen hat und noch immer darauf wartet, dass der richtige Moment für David gekommen ist, um seine Frau zu verlassen.
Irgendwie war mir das ein bisschen zu klischeebehaftet, aber es funktioniert durchaus für die Geschichte.
Die beiden "Nebencharaktere", Mr. Williams und Nadia, fand ich irgendwie schillernder und interessanter als Grace selbst. Insbesondere der liebenswerte 86-Jährige Mr. Williams ist mir im Laufe der Geschichte ans Herz gewachsen.
An einigen Stellen waren mir die Ausführungen über den Bau von Violinen und anderen Streichinstrumenten ein wenig zu ausufernd, wodurch leichte Längen entstanden. Ein bisschen weniger Detail hätte hier meiner Meinung nach auch ausgereicht.
Für mich war "Find mich da, wo Liebe ist", dessen englischer Originaltitel "Goodbye, Paris" ein wenig passender ist und mehr Bezug zur Geschichte hat, ein unterhaltsamer Roman, ohne übertriebenen Tiefgang. Die Charaktere Nadia, Grace und Mr. Williams waren sympathisch und sind mir im Laufe der Geschichte ans Herz gewachsen. Aufgrund der angeführten Kritikpunkte vergebe ich leider nur drei von fünf Sternen für den Roman.
Rezensionen von liesmal:
Einfach - anders - einfach anders!
Find mich da, wo Liebe ist von Harris Anstey
Maryam Heidari Ahwazi erzählt in dem Buch „Im Schatten des Schleiers“ aus dem Lübbe Verlag, welche Erfahrungen sie gemacht hat im Iran und warum ihr irgendwann nur noch die Flucht aus ihrem Heimatland blieb. Das Buch trägt den Untertitel „Mein Kampf für ein Leben in Freiheit. Wie ich Folter und Verfolgung im Iran entkam“.
Maryam war durch ihre Familie eine Muslima, doch im Herzen wurde sie eine Christin. „Im Iran können konvertierte Christen ihren Glauben nur im Geheimen leben, sie gelten als Abtrünnige…“ Schon im Vorwort wird mir klar, dass ihr Glaube im Vordergrund der Erzählung steht. Darum liegt der Fokus nicht auf Action und Dramatik – wer in erster Linie das sucht, wird vielleicht enttäuscht sein.
Denn dieses Buch ist ein Buch der leisen Töne. Einfach – anders – einfach anders. Mit einfachen Worten und in kurzen Sätzen erzählt Maryam ihre berührende Geschichte in vier großen Abschnitten: „Kindheit und Jugend in Ahwaz“, „Mein erster Schönheitssalon“, „Eine Christin im Iran“, „Gefängnis, Folter, Flucht“. Jeder Abschnitt enthält kurze, mit Überschriften versehene Kapitel.
Sehr interessant und lehrreich war für mich das, was Maryam über das Leben im Iran erzählt. Vieles davon war mir bisher nicht bekannt, wie zum Beispiel das Leben der Ahwazi im Süden des Irans, dem Volk, zu dem Maryam gehört. Sehr spannend ist für mich auch der Vergleich der heutigen mit der Zeit, als der Schah, der von den Menschen geliebt wurde, die Perser regiert hatte „wie eine Familie“. Das ganze Ausmaß des heutigen Lebens im Iran mit all den Verboten und Einschränkungen und auch damit, dass man niemandem trauen darf, ist nur schwer zu begreifen.
Maryam sagt, sie fühlte sich von Jesus berufen, ihre Geschichte aufzuschreiben. Vielleicht ist es dieser Hinweis, der mich hellhörig gemacht hat und bereit dafür, auch „zwischen den Zeilen“ zu lesen. Jedenfalls ist es mir gelungen, Spannung und große Emotionen zu entdecken und zu erleben.
Wenn am Ende einige Fragen zu bestimmten Personen offen geblieben waren, dann gab es Gründe dafür, nämlich die Persönlichkeitsrechte der Personen nicht zu verletzen und sie vor Verfolgung und Gewalt zu schützen.
Rezensionen von BarbaraM:
Eine tolle Mischung aus historischen Fakten und Fiktion. Lesenswert!
Die Zarin und der Philosoph von Sahler
„Die Zarin und der Philosoph“ von Martina Sahler ist 2019 im Verlag List Hardcover erschienen und umfasst 496 Seiten. Es handelt sich hier um den zweiten Band, der jedoch ohne Probleme unabhängig vom ersten Band gelesen werden kann. Der erste Band trägt den Titel „Die Stadt des Zaren“.
Um was geht es? (dem Klappentext entnommen):
Die junge Katharina krönt sich nach einem Putsch selbst zur Zarin.
Sie sieht sich als Nachfolgerin von Peter dem Großen und will Russland nach Westen öffnen. Doch die Welt hält den Atem an, kann man der Deutschen auf dem Zarenthron trauen? Preußens König Friedrich II. schickt einen Philosophen nach Petersburg, um die Pläne der neuen Herrscherin auszuspähen. Stephan Mervier ist beeindruckt von Katharina, von ihrer Klugheit, ihrem Charisma, aber Russlands Rückständigkeit und das Elend der Leibeigenen machen ihn wütend. Dabei wächst der Widerstand im Winterpalast längst heran. Eine enge Vertraute Katharinas kämpft auf Seiten der Unterdrückten. Stephan verliebt sich in die mutige Rebellin, die in großer Gefahr schwebt. Denn die Zarin fördert zwar Fortschritt, Bildung und die Wissenschaften, aber ihre Herrschaft ist absolut, und sie setzt ihre Macht mit äußerster Härte durch.
Martina Sahler schafft es mit ihrem Schreibstil gekonnt, den Leser in den Bann der Geschichte um Katharina der Großen zu ziehen. Ihre große Leidenschaft zu Russland, hier speziell auch Petersburg, und dessen ganzer Geschichte meint man förmlich in jeder Zeile zu spüren. Sahlers Buch lässt sich flüssig und fortlaufend spannend lesen und ich konnte mich als Leserin sehr gut in die gesamte Stimmung des wunderbar recherchierten Buches einfühlen. Martina Sahler hat ihr Buch mit vielen historischen Tatsachen unterlegt und gleichzeitig auch eine fiktive Geschichte erzählt. Diese Mischung habe ich sehr genossen: ich habe vieles über Russland und Katharina die Große erfahren und mich gleichzeitig wunderbar unterhalten gefühlt.
Fazit: „Die Zarin und der Philosoph“ ist ein unterhaltsames, kurzweiliges, lesenswertes Buch mit einer sehr gefühlvollen Geschichte. Die Spannung bleibt während des ganzen Romanes erhalten und ich habe jede Seite genossen.
Ich freue mich jetzt auf weitere Bücher von Martina Sahler, denn „Die Zarin und der Philosoph“ war mein erstes von ihr und ich kann es wirklich empfehlen.
Rezensionen von HEYN Leserunde Petra Gutsche:
Absolut lesenswert!
Der Riss von Hye-young Pyun
Ich habe dieses Buch von der erste bis zur letzten Seite verschlungen.
Ogis Erzählungen aus seinem Leben, dem Leben nach seinem Unfall – es hat mich alles interessiert und von mir aus hätte dieses Buch doppelt so viele Seiten haben können……es wäre sicher ebenso spannend gewesen.
Trotz aller Tristesse die dieses Buch beinhaltet musste ich oft schmunzeln und beim Lesen des Buches habe ich meine eigene Gesundheit wieder einmal umso mehr geschätzt.
Tolles Buch, sehr empfehlenswert.
Rezensionen von Streiflicht:
Mitreißend und spannend
Nell Sweeney und die Spur des Todes von P. B. Ryan
Schon auf den ersten Seiten war ich Nell verfallen. Ich mochte sie sofort und es war wunderbar, all diese Abenteuer mit ihr zu bestehen. Nun freue ich mich sehr, dass es bereits schon einen zweiten und dritten Teil gibt, die ich beide durchfressen kann!
Das Buch liest sich herrlich flüssig und gut und ist wirklich unterhaltsam.
Die Seiten fliegen nur so dahin und man hofft die ganze Zeit auf ein gutes Ende. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass der Roman sehr gut recherchiert zu sein scheint. Die Kleidung und die Bauten, die Gewohnheiten der Menschen und die Umgebung werden sehr detailreich und anschaulich beschrieben, sodass man sich sehr gut vorstellen kann, was gerade passiert oder was wie aussieht. Das mag ich sehr. Wenn der Text die Fantasie anregt, ist das immer herrlich. Hier ist das perfekt gelungen, finde ich.
Gleichzeitig ist der Roman eine gute Mischung aus Krimi, Spannung, Abenteuer und einem Schuss Romantik, aber auch Liebe und der historische Hintergrund kommen nicht zu kurz.
Ich freue mich schon jetzt auf die beiden Nachfolger und hoffe, noch viele Abenteuer mit Nell erleben zu können.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer:
Ausgeliefert
Der Riss von Hye-young Pyun
Eine ausweglose Situation: nach einem Unfall liegt ein Mann bewegungsunfähig im Bett, in jeder Hinsicht seiner Umwelt ausgeliefert.
Innerlich aber ist er hellwach und erlebt, wie sein Dasein immer weiter eingeschränkt wird, während er gleichzeitig auf sein Leben zurückblickt- ein Zustand in der Schwebe, bis er buchstäblich in ein tiefes Loch fällt.
Er selbst scheint seine Situation mit neugieriger Distanz, manchmal sogar mit Ironie, zu betrachten, das macht die Geschichte für mich spannend.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein gutes Debüt
Hurentochter - Die Distel von Glasgow von Tabea Koenig
Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie, der im 19. Jahrhundert in Schottland spielt.
Die 17-jährige Emily, ist just in jenem Bordell geboren und aufgewachsen in dem Bordell, in dem ihre Mutter Ines seit 17 Jahren arbeitet. Dort lebt sie, den Umständen entsprechend ein behütetes Leben, weiß aber mit Bestimmtheit, den Beruf ihrer Mutter niemals ergreifen ergreifen zu wollen.
Doch die neuen Bordellbesitzer sehen das ein wenig anders.
Noch bevor es dazu kommt, werden Ines und ihre Kolleginnen ermordet und das Puff geht in Flammen auf. Emiliy und Liam, ebenfalls ein Kind einer Hure und hier aufgewachsen, fliehen gemeinsam und wollen abseits der käuflichen Liebe ein neues Leben aufbauen. Das ist jetzt nicht ganz so einfach, sind doch beide beinahe mittellos, nur eine alte Uhr und ein Medaillon sind Emily von ihrer Mutter geblieben. Gerade dieses Medaillon birgt das Geheimnis um Ines‘ Herkunft.
Emily ist wild entschlossen, dieses und andere Geheimnisse zu lüften.
Meine Meinung:
Dieser historische Roman ist das Debüt von Tabea Koenig und reiht sich nahtlos in den Bereich ähnlicher Romane ein. Der Schreibstil passt zum Genre. Mir persönlich sind es ein paar Zufälle und Verstrickungen zu viel. Die Basisgeschichte ist vielschichtig angelegt, verzweigt sich aber mehrmals und bleibt dennoch spannend, auch wenn der geneigte Leser ähnlicher Bücher den Ausgang der Geschichte recht bald erahnen kann.
Geschickt ist die Distel, die als Teil des schottischen Wappen gilt in die Geschichte eingeflochten. Das ist eine nette Idee.
Ein bisschen Kritik muss ich am Piper-Verlag üben: Die Anzahl der Tippfehler geht über das sonst übliche Ausmaß hinaus. Das bin ich von Piper so gar nicht gewöhnt. An einigen Stellen hätte der Geschichte ein wenig Hilfe durch das Lektorat gut getan.
Im Nachwort sind die historisch belegten Ereignisse angeführt, so dass sich geschichtlich interessierte Leser gut zurecht finden.
Fazit:
Ein Debüt-Roman, der durch aufwändige Recherche und Detailtreue ein genaues Bild dieser Zeit erstehen lässt. Gerne geb ich hier 3 Sterne (der nicht vergebene 4. geht zu Lasten des Verlags).
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Derb, düster, gewalttätig - London im 19.Jh.
Arrowood - Die Mördergrube von Mick Finlay
Dies ist der zweite Fall für Privatschnüffler William Arrowood und seinem Assistenten Barnett im Viktorianischem London.
Nach wie vor hadert Arrowood damit, dass Sherlock Holmes seine Fälle aufklärt und diese spektakulär in Szene setzt. Die Gazetten sind voll des Lobes und er, Arrowood hat gerade so sein Auskommen.
Diesmal soll er dem Verbleib einer jungen Frau nachgehen, die nach ihrer Verheiratung jeglichen Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen hat. Dies scheint ein einfacher Fall zu sein, denn die Adresse und der Name des Ehemanns sind bekannt.
Doch es wäre nicht Mick Finlay, würde sich dieser Auftrag als simpel entpuppen.
Arrowood und Barnett stoßen auf einige Ungereimtheiten sowohl bei den Auftraggebern als auch auf der Farm. Bei näherer Betrachtung der Umstände, stechen sie in ein Wespennest von Korruption und Betrug rund um eine Nervenheilanstalt.
Die Hartnäckigkeit, mit der Arrowood seinen Ermittlungen nachgeht führt letztlich zum Erfolg, wenn auch ein wenig anders als erwartet.
Meine Meinung:
Das Thema hat mir, obwohl gruselig sehr gut gefallen. Im 19. Jahrhundert ist der Umgang mit behinderten oder in ihrer Entwicklung retardierten Menschen grausam. Man sperrt sie weg oder verwendet sie als Arbeitssklaven und nimmt ihren frühen Tod durch Mangelernährung und Überarbeitung billigend in Kauf.
Nicht so gut hat mir die Entwicklung, William Arrowood seit dem ersten Fall nimmt, gefallen. Er entpuppt sich als grantiger Mann, der auch vor Tätlichkeiten nicht zurückschreckt. Selbst Assistent Barnett (der Ich-Erzähler) ist davor nicht gefeit. Auch Arrowoods Konsum von Schnaps, Laudanum und in Wein aufgelöstem Kokain ist überdurchschnittlich. Seine Kopfschmerzen am Tag danach auch.
Arrowood kann es weder verwinden, dass Sherlock Holmes eine gute Presse erhält, noch, dass ihm seine Frau davongelaufen ist. Also mich wundert das nicht - siehe vorhin.
Schaurig, aber durchaus authentisch sind die Lebensumstände der Menschen, wenn sie nicht gerade der Upper Class angehören, beschrieben. Diesmal ist fast alles schmutzig, derb, depressiv und gewalttätig. Wenig Aussicht auf Hoffnung und Verbesserung.
Fazit:
Ein düsteres Kapitel der englischen Geschichte. Gerne gebe ich hier 4 Sterne und hoffe auf eine Verbesserung von Arrowoods Lebenssituation.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Vielschichtig und hintergründig
Die Frau im roten Mantel von Günter Neuwirth
In diesem vierten Krimi rund um den Wiener Polizisten bekommen wir es mit einem sehr komplexen Kriminalfall zu tun. Mehrere Erzählstränge werden zu einem dicken Zopf verknüpft.
Da haben wir einmal Wolfgang Hoffmann, der nach Krebsoperation und Chemo noch nicht wieder im Dienst ist. Doch die Weisheit „einmal Kieberer immer Kieberer“ ist ihm auf den Leib geschrieben.
So fällt ihm bei einer abendlichen Straßenbahnfahrt eine Frau im roten Mantel mit Sonnenbrille auf, die augenscheinlich von einem Jugendlichen verfolgt wird. Er heftet sich auf die Spuren der beiden und flugs befinden sie sich am Ufer der Donaukanals. Plötzlich hält die Frau eine Waffe in der Hand. Noch bevor sie schießen oder die Waffe ins Wasser werfen kann, entwindet ihr Hoffmann die Pistole. Der Junge verschwindet und auf Grund ihres psychisch labilen Zustandes, liefert Hoffmann die Frau in der psychiatrischen Abteilung des Wilhelminenspitals ab.
Diese geheimnisvolle Frau ist Alice Berg und wenig später steht sie mit einem Koffer vor Hoffmanns Türe und bittet um Hilfe, denn ihr Ehemann Jürgen sowie die Kinder Corinne und Oscar seien spurlos verschwunden. Hoffmann ist von der seltsamen Frau fasziniert und beginnt auf eigene Faust Erkundigungen einzuziehen.
Ein weiterer Erzählstrang beschäftigt sich mit Lukas, dem Jugendlichen aus der Straßenbahn, der sich Sorgen um die verschwundene Corinne Berg macht.
Als dann eine Leiche mit Kopfschuss und abgetrennten Händen aufgefunden wird, schwenkt die Handlung zu Hoffmanns ehemaligen Kollegen und mühsame Polizei.
Noch laufen die Handlungsstränge teilweise parallel, doch nähern sie sich asymptotisch aneinander. Den Durchbruch gibt es, als die Leiche als ehemaliger Mitarbeiter von Jürgen Berg und Geliebter von Alice identifiziert wird. Das ist auch der Moment, in der Hoffmann wieder in den Kriminaldienst zurückkehrt.
Er will wissen, welches Geheimnis die Familie Berg verbirgt.
Meine Meinung:
Hier haben wir es mit einem eher unkonventionellen Krimi zu tun. Kaum hat der Leser (und Wolfgang Hoffmann) eine Idee, was hinter dem seltsamen Verhalten von Alice stecken könnte, ist die auch schon wieder abgetaucht. Nicht verschwunden hingegen ist ihre bettlägerige Schwiegermutter, die Hoffmann dehydriert und verwahrlost in ihrer Villa findet. Doch auch die überrascht den Polizisten als sie nach kurzer Zeit forschen Schrittes aus dem Krankenhaus verschwindet.
Günter Neuwirth führt, neben den bislang bekannten Charakteren ein neue Figur ein: Lukas, jenen Jugendlichen, der auf der Straße bzw. in der Autonomen Szene lebt, durchaus „lebensklug“ erscheint und nach anfänglichem Misstrauen, dem Kieberer sein Herz ausschüttet. Ich hoffe, der Autor findet ein Plätzchen in einem der nächsten Krimis für diesen emphatischen Burschen, dem das Leben bisher nur übel mitgespielt hat.
Erst als Hoffmann mit seinen quasi privaten Ermittlungen nicht mehr weiterkommt, es fehlt ihm natürlich der Polizei-Apparat, sucht er seine ehemaligen Kollegen auf und - ist gleich wieder mitten drin.
Die Auflösung schockiert, denn damit war nicht wirklich zu rechnen. Trotzdem ist sie schlüssig. Man muss beinahe den Atem anhalten, so fesselnd sind die letzten Seiten. Auch gutbürgerliche Kreise haben ihre bröckelnden Fassaden.
Fazit:
Günter Neuwirth ist hier ein Krimi der Spitzenklasse gelungen. Vielschichtig und hintergründig stellt er die sogenannte „bessere Gesellschaft“ Außenseitern gegenüber. Dabei haben eher die Erstgenannten die Leichen im sprichwörtlichen Keller. Gerne gebe ich hier wohlverdiente 5 Sterne.








