Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Gute Krimi-Unterhaltung
Sautanz von Grager Veronika A.
Dies ist der zweite Fall für das unkonventionelle Ermittlerpaar Dorothea „Dorli“ Wiltzing und Wolfgang „Lupo“ Schatz. Sie, die Gemeindesekretärin und er, ein Privatdetektiv mit wenigen Aufträgen.
Dieser Krimi beginnt mit Urlaubsfeeling: Dorli und Lupo unternehmen eine Segeltour auf dem „Meer der Wiener“, dem Neusiedler See, die durch ein eigentümliches Schaben am Bootsrumpf ein jähes Ende findet.
Eine im Wasser treibende Leiche verursacht das Geräusch. Die herbeigerufene Polizei qualifiziert den Todesfall recht flott als Unfall. Doch daran wollen Beat Eberli, der Freund des Toten, und auch Dorli und Lupo nicht so recht glauben.
Beat beauftragt Lupo, den Tod seines Freundes Erich zu untersuchen.
Bei den Recherchen gibt es kaum Negatives über den Toten zu erfahren. Der Heiligenschein, den ihm die Nachwelt flicht, ist beinahe schon peinlich. Ein Saubermann durch und durch? Erst als ein winzig kleiner Fleck auf der scheinbar makellosen weißen Weste auftaucht, kommt Bewegung in den Fall, der nun doch die Polizei interessiert.
Fazit:
Dieser Krimi ist der erste für mich aus der inzwischen auf vier Bände angewachsenen Krimireihe.
Schon die Charakter Dorli und Lupo sind recht amüsant. Dorli fährt Ka-wasaki und hat einen Berner Sennenhund namens Idefix. Lupo ist eher eine verkrachte Existenz, der aus Geldsorgen nicht nur jeden Ermittlerauftrag annimmt, sondern auch fallweise als Regalbetreuer oder Türsteher jobbt.
Auch als Rand- bzw. Nebenfiguren gibt es noch weitere kauzige Gestalten. Da ist zum einen Bürgermeister Kofler, der um seine Wiederwahl fürchtet, denn ein eventueller Nachfolger könnte seine Malversationen bzw. unsauberen Geschäfte aufdecken. Auch Koflers Freundin Barbara Schöne, blond und blöd wie Haferstroh, aber mit zwei ansehnlichen Talenten ausgestattet, gibt der Geschichte einen humorvollen Anstrich. Dorli hat mit „der Schönen“ so ihre liebe Not, denn sie macht sich als Angestellte im Gemeindeamt breit, allerdings nur, um ihrem Gspusi ganz nah zu sein.
Ach ja, dann haben wir noch einen Ermittler aus der Oberösterreich, der dann auf Dorlis Bestreben hin im Burgenland ermittelt. Der spielt im ersten Fall („Saupech“) eine bedeutende Rolle und wird von Dorli mit aktuellen Infos „angefüttert“ und zum „Mitmachen“ animiert. Da muss ich ein wenig Kritik üben, denn bei uns in Österreich wird penibel auf die örtliche Zuständigkeit geachtet. Nun gut, buchen wir das unter „dichterische Freiheit“.
Dass bei den Ermittlungen von Dorli und Lupo nicht alles so ganz glatt läuft, versteht sich von selbst. Und so findet sich Dorli betäubt im Kofferraum eines Autos wieder.
Der Schreibstil ist locker, flockig und flüssig. Die Autorin beweist schwarzen Humor und das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz.
Für alle, des österreichischen Idioms Unkundigen, gibt es dann noch ein Glossar als Übersetzungshilfe.
Fazit:
Ein Regionalkrimi aus Österreich, der mich gut unterhalten hat. Gerne gebe ich 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Toller Auftakt zu einer neuen österr. Krimi-Reihe
Saupech. von Grager Veronika A.
Dies ist der erste Band der Reihe rund um die Gemeindesekretärin Dorothea „Dorli“ Wiltzing und dem Wiener Detektiv Wolfgang „Lupo“ Schatz.
Weil ihre Tante Leni von einem Pensionistenausflug nicht mehr nach Hause kommt, macht sich ihre Nichte Agnes Sorgen. Sie engagiert den Wiener Privatermittler Wolfgang Schatz.
Die Spurensuche führt ihn an den Ort des Verschwindens, nach Buchau, einem kleinen idyllischen Dorf in Niederösterreich. Doch wie so häufig täuscht die Idylle, denn es gibt nicht nur die tote Tante sondern eine weitere Leiche.
Ist Tante Leni Augenzeugin des Mordes an dem Pecher geworden? Musste sie deshalb sterben? Und was hat der in Harz eingegossene Kopf zu bedeuten?
Als Ortsunkundiger führt Lupos Weg schnurstracks zu Dorli, der Gemeindesekretärin, die alle Bewohner der Ortschaft kennt. Dorli hat einen Hang zum „Kriminalisieren“ und bald ermitteln die beiden gemeinsam. Vor allem auch deswegen, weil sie der Polizei die Aufklärung des komplexen Falles nicht zutrauen.
Meine Meinung:
Die Autorin hat mit Dorli & Lupo ein erfrischendes Ermittlerduo geschaffen. Noch ist nicht ganz klar wer Sherlock Holmes bzw. Dr. Watson sein wird, oder ob Dorli vielleicht doch Ms. Marple den Rang ablaufen wird.
Zusätzliches „Personal“ sind: Polizist Leo Bergler, einst Bezirksinspektor, nun nach Weiterbildung ein Oberleutnant, und „Bär“, der Chef der „Devils“, einer Motorradgang, die Dorli quasi adoptiert hat. SO unterschiedlich diese Typen sind, sie haben eines gemeinsam: weitere Morde zu verhindern und die erfolgten aufzuklären. Daran wird gearbeitet, wenn auch mit unterschiedlichen und häufig unorthodoxen Mitteln.
Sehr gut hat mir gefallen, dass der Leser völlig unaufgeregt und unter-schwellig etwas über die Geschichte der Gegend und über die Pechgewinnung erfährt. Die Pecher sind eine vom Aussterben bedrohte Berufsgruppe. Nur mehr wenige beherrschen ihr Handwerk. Wozu man das Pech, wie man das Herz der Schwarzföhre brauchen kann? Man verwendet es als „Saupech“ zum Enthaaren der geschlachteten Schweine oder, ein wenig kultivierter als Grundlage für das Kolophonium, das zum gängig Machen des Geigenbogen nötig ist.
Der Titel „Saupech“ ist mehrdeutig. Erstens durch das oben beschriebene Produkt der Schwarzföhre und andererseits ist „Saupech“ die Steigerung für Pech also Unglück. Saukalt ist besonders kalt oder sauschwer wiegt mehr als schwer.
Die Dialoge sind witzig und liefern jede Menge Lokalkolorit. Für Spannung sorgt der kursiv geschriebene Teil der Handlung. Denn hier blicken wir dem Täter über die Schulter. Die Leser können hier miträtseln. Die Auflösung ist nach einigen Sackgassen und unerwarteten Wendungen schlüssig.
Für diejenigen, die über unbekannte Begriffe stolpern könnten, gibt es am Ende des Krimis ein ausführliches Glossar.
Tja, zum Schluss hat der Täter trotz aller Bemühungen, ein ordentliches Saupech.
Fazit:
Ein spannender und unterhaltsamer Krimi aus Österreich. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein Fall, der unter die Haut geht
Sauglück von Grager Veronika A.
Sandra Adametz, die vor rund 14 Jahren ihrer Familie den Rücken gekehrt hat, kommt kurz nach Buchau, um am Begräbnis ihrer Großmutter teilzunehmen. Doch bevor sie wieder nach Brüssel, ihrem Wohnort, zurück reisen kann, verschwindet ihr Großvater spurlos. Wolfgang „Lupo“ Schatz wird engagiert, um den alten Siegfried Adametz zu finden.
Gemeinsam mit Gemeindesekretärin Dorothea „Dorli“ Wiltzing begibt er sich auf Spurensuche. Bald wird der Großvater tot in der Jauchegrube gefunden. Wer könnte ein Motiv haben, den als bösartig bekannten Altbauern, um die Ecke zu bringen? Sohn Adam oder dessen Gemahlin Erika? Oder die Tochter Kathi mit ihren unerzogenen Kindern oder doch der jüngste Sohn Lukas mit seiner geldgierigen Freundin? Oder der alkoholkranke Werner?
Alle, so stellen Dorli und Lupo fest, hätten ein Motiv und kaum einer ein Alibi. Als das Testament des Ermordeten verlesen wird, sind alle überrascht: Sandra ist Haupterbin und für die anderen gibt es, neben ziemlich harschen Worten,nur wenig zu erben.
Im Zuge der Recherchen entdecken Lupo und Dorli, dass auch die Großmutter keines natürlichen Todes gestorben ist und so ganz nebenbei, das Skelett eines Säuglings im Keller des Gasthofes Adametz.
Damit kommt ein entsetzliches Familiengeheimnis ans Tageslicht, das Jahrzehnte zurück liegt und auch dem österreichischen Jugendamt ein äußerst schlechtes Zeugnis ausstellt.
Doch wie hängt das mit den ermordeten Großeltern Adametz zusammen?
Meine Meinung:
Dieser vierte Krimi mit dem sympathischen Ermittlerpaar, das eigentlich unmittelbar vor seiner Hochzeit steht, ist nicht mehr so locker wie die vorhergehenden Fälle. Zwar blitz immer wieder der Humor durch, doch geht es im Wesentlichen um das Versagen der Jugendwohlfahrt bis spät in die 1970er Jahre: Die Behörde hat nämlcih Kinder von ihren Müttern getrennt und zu Pflegeeltern gebracht, einzig allein deshalb, weil es sich vielfach um ledige Mütter gehandelt hat. Nachdem die Pflegefamilien für die Aufnahme dieser Kinder recht großzügig entlohnt wurden, hat sich hier eine regelrechte Industrie entwickelt. Der Staat war zufrieden, weil Kinderheime entlastet wurden und die Pflegefamilien weil zusätzliches Geld und Arbeitskräfte ins Haus kamen. Die einzigen, die nichts davon hatten, waren die Mütter und vor allem die Kinder, die zum großen Teil schwere Arbeit auf Bauernhöfen verrichten mussten. Viele Kinder wurden misshandelt und missbraucht. Vielen Kindern hat niemand geglaubt und geholfen. Erst in den letzten Jahren wird dieser Skandal aufgearbeitet.
Mit diesem Thema hat die Autorin die Cosy-Krimi-Schublade endgültig verlassen. Natürlich treffen wir wieder auf den Bürgermeister Kofler und seine dümmliche Barbara Schöne, die zu allem Überfluss schwanger ist. Auch Lore, Dorlis Schwägerin hat, neben den Devils wieder ihren Auftritt.
Der Schreibstil ist nicht mehr ganz so leicht und locker, was aber dem Thema geschuldet ist. In Rückblenden werden die Schicksale mehrerer Kinder erzählt, die von den unhaltbaren Zuständen berichten. Frauen wie Männer haben sich hier schuldig gemacht. So ist es dem Mörder nicht einmal zu verdenken, Rache geübt zu haben.
Zu guter Letzt haben nicht nur Lupo und Dorli „Sauglück“ und können endlich ihre Hochzeit feiern, sondern auch Sandra Adametz findet einen Platz in der Familie.
Fazit:
Ein Fall, der unter die Haut geht. Gerne gebe ich hier 5 wohlverdiente Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein beeindruckendes Debüt
Evas Spiel von Verena Schindler
Autorin Verena Schindler lässt ihre Leser in die Theaterszene eintauchen. Schon der Titel „Evas Spiel“ weist darauf hin. Doch diese Überschrift kann auch eine mehrdeutige Botschaft sein.
Spielt Eva nur auf der Bühne oder ist ihr ganzes Leben Theater oder spielt sie mit den Menschen in ihrem Umfeld? Oder spielt jeder mit jedem?
Doch von vorne: Eva Schuberth ist Schauspielerin, vielleicht nicht das große Naturtalent, wie sie selbst weiß.
Sie muss sich die Bühne hart erarbeiten. Großen Anteil daran hat Victor, der charismatische und brillante Regisseur, der ein Meister der Manipulation ist.
Die Worte, die Victor bei ihrer ersten gemeinsamen Premiere zu Eva spricht, wird sie nie mehr vergessen:
»Bewahre dir diesen Moment, Eva, für immer.
Das ist, wofür du künftig leben wirst.«
Victor ist gnadenlos, wenn es darum geht, das Innerste aus den Schauspielern heraus zu holen. Das bekommen neben Eva auch Johannes und Johnny zu spüren. Viele Szenen sind brutal, schonungslos und bringen manchmal auch den Leser an seine Grenzen. Der Lohn für die Schinderei? Ein nicht enden wollender Applaus! Doch ist das alles, was das Leben zu bieten hat?
Bei der Premiere von Goethes „Faust“ kommt es zur Tragödie. Eva stirbt auf offener Bühne. Mord, Selbstmord oder Unfall? Wieso ist die Pistole eine echte und keine Theaterrequisite?
Der Traum jedes (?) Schauspielers, auf offener Bühne zu sterben, ist zum Albtraum geworden.
Meine Meinung:
Der Autorin gelingt es in ihrem Debüt ausgezeichnet Spannung zu erzeugen. Es ist schwierig, das Buch nicht in einem lesen. Denn es zeiht einen in einen Sog von Leidenschaft und Manipulation hinein. Es ist nicht eindeutig, ob Eva das Opfer von Victor ist oder welchen Anteil sie an dieser Situation hat. In diesem Spiel sind Eva und Victor kongeniale Partner, die beide die große Bühne (auch außerhalb des Theaters) brauchen. Neben diesen Hauptakteuren spielen auch die Schauspielerkollegen Johannes und Johnny ihre Rollen. Sei es als scheinbar falsche (?) Rollenbesetzung, der Schüchterne als diabolischer Mephisto, oder als Liebhaber von Eva.
Auch der Journalist Volker, ist nur eine Figur einer Inszenierung. Wer hat hier Regie geführt? Victor oder doch Eva?
Wie lässt Johann Wolfgang von Goethe seinen Faust zu dem magischen Moment der Glückseligkeit philosophieren:
„Werd ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehn!“
Ich denke, diesen Augenblick hat Eva genossen.
Fazit:
Ein gelungenes Debüt, das mit den Gefühlen der Protagonisten und der Leser spielt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Die deutsche Bundeswehr - ein Schrotthaufen?
Bedingt einsatzbereit von Constantin Wißmann
Klappentext:
„Die Bundeswehr ist in einem katastrophalen Zustand. Im In- und Ausland gilt sie mittlerweile als Lachnummer. Nichts fliegt, nichts schwimmt und nichts läuft mehr in der Truppe. Dabei sind ihre Aufgaben gewachsen. Spätestens seit sie nicht mehr hauptsächlich für die Landesverteidigung zuständig ist, sondern »un-sere Sicherheit am Hindukusch verteidigt«.
Die Streitkräfte gehen in die zahl-reichen Einsätze mit dem schlimmsten Gefühl, das ein Soldat haben kann: nicht ausreichend ausgestattet zu sein. Für ein Land von der Größe und der globalen Bedeutung Deutschlands ist der miserable Zustand der Streitkräfte ein Skandal. Wie es so weit kommen konnte und was das für die Zukunft unseres Landes bedeu-tet, davon erzählt dieses Buch.“
Bisher dachte ich immer, nur das österreichische Bundesheer hat mehr innere als äußere Feinde, nämlich Geldmangel, Rost und zu viele Generäle. Deshalb schockiert mich dieses Buch über den Zustand der deutschen Bundeswehr doch sehr.
Der Autor zeichnet einen Weg der Pleiten, Pannen und sowie dem Versagen von Politikern. Wenn er erwähnt, dass mit einem Pflegenotstand auf Grund weg fallender Zivildiener, bei einer Umstellung auf ein Berufsheer, droht, hatte ich ein déjà-vu-Erlebnis. Mit solchen Argumenten hat man auch in Österreich, nach eine Volksabstimmung, Abstand von einer kleinen, feinen Truppe Abstand genommen. Jetzt haben wir nach wie vor die allgemeine Wehrpflicht, in der Fahrzeuge, Flugzeuge und Kasernen vor sich hin rosten bzw. zerbröseln.
Das Buch liest sich locker, denn die oft komplexen Sachverhalte werden anschaulich mit bissigem Humor, der bis hin zum Sarkasmus reicht, dargestellt.
Beschämend ist, dass die einzelnen Soldaten mit unzureichender Ausrüstung zu kämpfen haben, und dafür noch in den Medien diffamiert und von der Politik im Stich gelassen werden.
"Eine Armee ist für einen Staat nur dann sinnvoll, wenn sie in Sachen Personal, Material, Organisation und nicht zuletzt Moral so aufgestellt ist, dass sie ihre Aufgaben erfüllen kann. Davon ist die Bundeswehr derzeit meilenweit entfernt und zwar sowohl als Bündnispartner in der Weltpolitik als auch im nationalen Rah-men." Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.
Fazit:
Die deutsche Bundeswehr - ein Trauerspiel, ein Buch das die Hintergründe gut erklärt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat mich nicht gepackt
Kenia Valley von Kat Gordon
Dieses Buch entführt uns nach Kenia Mitte der 1920er Jahre. Man baut eine Eisenbahn quer durch das Land. Der 15-jährige Theo Miller kommt mit Schwester Maud und den Eltern aus dem rauen Schottland nach Mombasa.
Theo ist von der britischen Kolonialgesellschaft fasziniert und lernt das laszive Leben kennen.
Besonders Freddie, ein junger, mit einer reichen Frau verheirateter Dandy und seine amerikanische Freundin Silvie haben es dem staunenden Jugendlichen angetan. Recht bald ist er Mitglied des dekadenten Grüppchens, das „Sex and Drugs“ konsumiert, als gäbe es kein morgen.
Als Theo Jahre später, nach einem Studienaufenthalt in Schottland, wieder nach Afrika zurückkehrt, hat sich einiges verändert. Freddie und Silvie sind nun mit jeweils anderen Partnern verheiratet, die Lebensweise hat sich kaum geändert. Nach wie vor bestimmen das Clubleben, Sex, Alkohol und die britische Überheblichkeit den Afrikanern gegenüber ihr Leben.
Die einzige, die aus der Art schlägt und versucht, die Afrikaner zu verstehen, ist Maud. Sie errichtet eine Rinderfarm und scheitert. Für ihr Engagement für die Tierwelt und die Afrikaner wird sie den höchsten Preis zahlen.
Meine Meinung:
Mir war schon klar, dass dieser Roman vor allem die britische Sicht des afrikanischen Kontinents wiedergeben wird. Dennoch hätte ich mir ein wenig mehr Afrika gewünscht. Die britische Überheblichkeit ihre Bediensteten einfach „Toto“ zu nennen und sie auszubeuten, ist schwer erträglich.
Für Freddie & Silvie ist der minderjährige Theo nur ein weiteres Spiel-zeug. Sie nutzen seine Neugier und Unbedarftheit für ihre abartigen, dekadenten Spielchen. Freundschaft ist das nicht zu nennen, eher schon Missbrauch. Die Haltung von Theos Eltern ist mir unverständlich.
Die meisten Protagonisten finde ich unsympathisch. Diese gelangweilte Oberschicht, die sich für die Krönung von Gottes Schöpfung hält, ist mir zutiefst zuwider. Trotz der Beschreibung diverser Eskapaden bleiben die Figuren blass und eindimensional.
Es scheint, als wäre Maud, neben Vater Miller, die einzige normale Person in dieser Geschichte. Sie nimmt sich der Sorgen der Kenianer an, versucht ihre Position dazu zu benutzen, um die Lage der Einheimischen zu verbessern. Dass sie damit kläglich scheitern und mit ihrem Leben bezahlen wird, ist voraussehbar.
Ich hätte mir mehr „Kenia“ aus Sicht der afrikanischen Bevölkerung ge-wünscht. Wir erfahren hier einiges, quasi aus zweiter Hand, über die Umwege durch Maud. Auch die (welt)politischen Gegebenheiten sind mir zu undeutlich. Die beginnende Auflehnung der Afrikaner gegen die Briten, der aufkommende Faschismus sowie die Bedrohung durch Hitler-Deutschland am Vorabend des Zweiten Weltkrieges (das Buch endet 1937) fließt viel zu wenig ein. Alles wird überschattet durch diese dekadente Gruppe rund um Freddie.
Mehrmals war ich versucht das Buch wegzulegen. Die Geschichte hat mir nicht wirklich gefallen. Stellenweise war ich richtig angewidert, ob der überheblichen Dekadenz, die die Weißen hier an den Tag gelegt haben. Der Schreibstil hat mich auch nicht überzeugt. Einige Stellen hätten durchaus gekürzt werden können, denn den Protagonisten beim Trinken zu zusehen, ist entbehrlich. Phasenweise finde ich das Buch langatmig.
Fazit:
Leider hat mich dieses Buch nicht gepackt, sondern nur in meiner Überzeugung, die Briten haben sich in Afrika überheblich verhalten, bestätigt. Hier kann ich nur 2 Sterne vergeben.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Starkes Thema, schwächelt bei der Umsetzung
Kenia Valley von Kat Gordon
In diesem fünften Krimi der amerikanischen Autorin Rhys Bowen, wird Evan Evans, der Dorfpolizist aus Llanfair, dafür abgestellt, einer Filmcrew die Schaulustigen vom Leib zu halten.
Da die Gerüchteküche brodelt, sieht Betsy, die Servierkraft aus dem Pub, ihre Zeit als Starlet gekommen und taucht immer wieder, mehr oder weniger bekleidet, auf dem Set auf.
Dass die Crew eigentlich die Bergung eines im zweiten Weltkrieg abge-stürzten Flugzeugs dokumentiert, ist die Rahmenhandlung. Daneben gibt es noch einen zweiten Handlungsstrang, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt ist und in dem ein Bewohner Llanfairs eine wichtige Rolle spielt.
Mitten unter den Dreharbeiten verschwindet Grantley, ein Mitglied der Filmcrew, und wird wenig später tot in der aufgelassenen Schiefermine aufgefunden. Evan Evans zieht erste Erkundigungen ein und entdeckt, dass Grantley, der Tote, mehr Feinde als Freunde hatte. Es könnte also jeder aus dem Filmteam gewesen sein.
Als schließlich Edward, der Ex-Mann von Evans Freundin Bronwen, der als Experte für historische Flugzeuge die Filmcrew begleitet, verhaftet wird, muss Evan Bronwen zuliebe, tiefer in den Fall eintauchen, als ihm und seinen Vorgesetzten lieb ist.
Meine Meinung:
Bei diesem Krimi bin ich ein wenig zwiegespalten. Einerseits ist die Zeitebene, die im Zweiten Weltkrieg spielt sehr interessant und die diese Einschübe erhöhen die Spannung, andererseits dauert es diesmal länger, bis die erste Leiche ihren Auftritt hat. Die Autorin legt diesmal ihren Fokus eher auf die Mitglieder der Filmcrew als auf die Bewohner von Llanfair. Das ist ein wenig ungewohnt. Allerdings bekommt Bronwen, Evans Freundin mehr Kontur. Wir erfahren einiges über ihre Zeit vor ihrer Rückkehr nach Llanfair. Das gefällt mir! Auch von und über Evans Zimmerwirtin, Mrs. Williams, erhalten wir bislang unbekannte Informationen, abseits von ihren angestrengten Bemühungen ihre Enkelin mit Evan Evans zu verkuppeln.
Was diesmal wirklich ärgerlich ist, sind die vielen Tipp- und sonstigen Fehler. Natürlich kommen in fast jedem Buch einzelne Fehler vor, aber diese Anhäufung schmälert das Lesevergnügen und bringt einen Punkteabzug. Ein Beispiel gefällig?
In Kapitel 8 (S. 54) kommt innerhalb eines Satzes 3 x das Adjektiv „klein“ vor. (…und ein kleiner Zug, vor ihnen die Straße kreuzte, eine kleine, antike Dampflok zog eine Reihe von kleinen Waggons.“). Und zu allem Überfluss schreit dann noch einer „Ein Miniatur-Zug! … ein echter Miniatur-Zug.“ Tja, das ist in meinen Augen ein wenig zu viel. Und ganze fünf Zeilen später, abermals „ein kleiner Zug“.
Aufgefallen ist mir auch, dass Detective Watkins diesmal unseren wackeren Evan Evans herablassend behandelt und ihn mehrmals „mein Junge“ nennt. Ob das der Übersetzung geschuldet ist? Auch Glynis, die nun die, auch von Evans begehrte, Kriminalbeamtenausbildung durchläuft, ist weniger gut eingebunden als im Band davor („Mord à la Carte“). Hier wird sie quasi als Anhängsel geführt, während sie im band 4 aktiv an den Ermittlungen teilgenommen hat.
Fazit:
Die Grundidee des Krimis hat mir gut gefallen, doch die Mängel bei der Umsetzung veranlassen mich, diesmal nur 3 Sterne zu vergeben.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Wie viele Deutsche stecken in den Windsors?
Kenia Valley von Kat Gordon
Dieses Buch über die weitverzweigte Familie der Windsors ist anlässlich der 200. Geburtstage von Königin Victoria (24.05.1819) und ihres Gemahls Albert von Sachsen – Coburg & Gotha (26.08.1819) herausgegeben.
Autor Mark Grinsted entführt seine Leser an Deutschlands Fürstenhöfe. Unsere Reise durch die Geschichte beginnt 1757 mit Fürstin Auguste Caroline Sophie von Sachsen – Coburg & Gotha und endet mit der Ermordung von Alexandra Romanowa, der letzten Zarin, einer Enkelin von Königin Victoria.
Dazwischen stehen jede Menge Töchter und Söhne der Coburger, die wie Import/Export-Ware an andere Königshäuser oder an das Zaren-reich regelrecht verhökert worden sind. Wie in Adelshäusern üb-lich, ist das persönliche Glück völlig nebensächlich. Hier herrscht dynastisches Denken rund um Land- und Machtgewinn vor.
Meine Meinung:
Der Hauptteil dieses knapp 700 Seiten umfassenden Buches ist Königin Victoria gewidmet. Das ist meiner Meinung nach gleichzeitig Stärke und Schwäche des Werks. Da Victoria zeit ihres langen Lebens Tagebuch geführt hat und tausende von Briefen geschrieben hat, sind die hier Grundlage. Manchmal werden diese außergewöhnlich gut recherchierten (und vom Autor selbst übersetzten) Quellen nur durch wenige, fast dürr wirkende Sätze verbunden. Der erste Teil, also vor dem Auftritt von Victoria, hat mir ein wenig besser gefallen, weil er mehr rundum Informationen beinhaltet.
Natürlich ist Victoria eine beeindruckende Persönlichkeit, dennoch habe ich mich von dieser detaillierten Fülle fast erschlagen gefühlt, zumal ich schon mehrere Bücher über jene Frau gelesen habe, die Mutter bzw. Großmutter mehrerer Königinnen und Kaiserinnen war.
Autor Mark Grinsted ist britischer und deutscher Staatsbürger und hat alle jene Quellen, die noch nicht in deutscher Sprache vorgelegen sind, selbst übersetzt. Die englischen Originaltexte sind als Fußnote nach jedem Kapitel angehängt. Zu Beginn habe ich diese noch gelesen. Das hat meinen Lesefluss dann ein wenig gestört, weshalb ich dann nur noch die deutschen Texte gelesen habe, die sehr gut übersetzt worden sind.
Drei Dinge muss ich allerdings anmerken:
Zum einen hat mich die Figur der Ärztin Charlotte Heidenreich von Siebold (1788-1859), die sowohl bei Victorias als auch bei Alberts Geburt dabei war, angetriggert. Der Autor erwähnt dies bei der Erstellung der Leserunde. Über diese Frau hätte ich gerne mehr gelesen, doch sie verschwindet im Dunkeln der Geschichte.
Das zweite ist das doch eher abrupte Ende dieses Buches mit dem Schicksal der Alexandra Romanowa. Hier hätte ich mir noch die Überleitung zu dem aktuellen Windsors gewünscht. Zumal ja Elizabeth II. nicht nur selbst aus dieser Dynastie stammt sondern ihr Gemahl, Prinz Philipp ein Battenberger (Mountbatten) ist. Aber, das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau.
Und als drittes: Ganz klar fehlt, vor allem ob der verzwickten Familienverhältnisse sowie der zahlreichen Alberts, Victorias oder Edwards, ein Stammbaum. Selbst innerhalb der Familie(n) hat man die Personen nicht immer auseinanderhalten können und Nicknames vergeben.
Gut gelungen ist die Auswahl an Fotos von den Personen selbst oder von Gemälden, die hier abgedruckt sind. Hier kann man sich ein Bild von den beschriebenen Persönlichkeiten machen, obwohl es sich um offizielle Fo-tos/Bilder handelt, auf denen die Menschen eher steif wirken.
Fazit:
Ein sehr detailreiches, penibel recherchiertes Werk über die engen ver-wandtschaftlichen Verhältnisse zwischen England, Deutschland und Russ-land, die manche gerne vergessen (wollen). Gerne gebe ich 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Flamme sein! von Robert M. Zoske
Wer kennt diesen Namen nicht? Hans Scholl – Gründungsmitglied der Weißen Rose, jener Widerstandsbewegung gegen Hitler.
Der evangelische Theologe Robert M. Zoske zeichnet ein bislang eher unbekanntes Porträt von Hans Scholl. So erfahren wir, dass Hans Scholl zunächst von den Nationalsozialisten war und es bis in der Hitlerjugend sogar bis zum Fähnleinführer bringt.
Gleichzeitig liest Hans Scholl heimlich verbotene Bücher und widersetzt sich damit dem Regime. Dieser zivile Ungehorsam wird letztlich in der Gründung der Widerstandsbewegung und im Verteilen der Flugblätter münden. Beides wird ihm, seiner Schwester Sophie und Christoph Probst das Leben kosten.
Meine Meinung:
In diesem Buch beleuchtet der Autor die tiefe Religiosität von Hans Scholl sowie dessen Vorliebe zu Lyrik. Allerdings haben genau diese Ge-danken und Gedichte meinen Lesefluss unterbrochen. Die Gedichte sind manchmal schwermütig und häufig schwülstig. Damit kann ich persönlich wenig anfangen.
Sehr interessant ist, dass der Autor der sexuellen Ausrichtung von Hans Scholl so breiten Raum widmet. Das grenzt für mich schon ein wenig an Voyeurismus. Natürlich ist es für Hans‘ Werdegang wichtig, dass er wegen des §175 StPO angeklagt worden ist. Immerhin reicht während der Nazidiktatur schon allein der Verdacht homosexuell zu sein, um in ein KZ eingeliefert und ermordet zu werden.
Gut ist die Zerrissenheit des jungen Medizinstudenten, der verbotene Autoren wie Nietzsche oder Thomas Mann gelesen hat, beschrieben.
In seinen zahlreichen Briefen spürt man, dass Hans Scholl nicht nur gegen das Regime kämpft sondern auch gegen sich selbst. Eigentlich will er nur ein „normales“ Leben führen. Doch was ist im Nazi-Staat schon normal?
Hans Scholl ist ein ewig Suchender, ein Wanderer, der durchais wider-sprüchlich ist.
„Hans Scholl sollte bis an sein Ende der werdende Wanderer bleiben, doch nur auf den Wandel wollte er sich trotzdem nicht festlegen. Sprunghaft-widersprüchlich versuchte er, die Gegensätze von Ruhe und Ruhelosigkeit miteinander zu verei-nen.“
Hans Scholl ist kein Mann für halbe Sachen. „Ganz leben oder gar nicht“ – das wird zu seinem Leitspruch. Letztlich wird er sich für „gar nicht“ entscheiden.
Aufgefallen ist mir, dass Robert M. Zoske die Rolle Sophie Scholls in der „Weißen Rose“ herunterspielen versucht. Hat sie wirklich so wenig Anteil am Widerstand, wie uns der Autor weismachen will?
Beiden Geschwistern ist gemeinsam, dass sie sich der Gefahr in der sie schweben, bewusst sind und ihre Hinrichtung in Kauf genommen haben. So-wohl Hans als auch Sophie zeigen eine tiefe Gelassenheit und ein Gottvertrauen, die bewundernswert ist.
Neben vielen Auszügen aus den Briefen von Hans Scholl finden sich im Anhang die Originaltexte der Flugblätter sowie alle Gedichte.
Der Titel „Flamme sein!“ ist ebenso perfekt gewählt wie das folgende Zitat von Christian Morgenstern:
„Nur wer sich selbst verbrennt, wird den Menschen ewig wandernde Flamme.“
Fazit:
Eine sehr interessante Biografie, die durch akribische Recherche be-sticht. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Unterhaltsamer Krimi aus NÖ
Schlossteichleich. von Grager Veronika A.
In ihrem 3. Fall für Dorothea „Dorli“ Wiltzing und Wolfgang „Lupo“ Schatz entführt uns die Autorin in das winterliche Triestingtal.
Der bekannte Maler Livio Moretti wird auf dem Christkindlmarkt auf Schloss Hernstein hinter dem Punschstand von Marianne tot aufgefunden. Die klingelt natürlich sofort Dorli aus dem Schlaf, hat man ja zur örtlichen Polizei nicht so das richtige Vertrauen.
Zu Recht, wie sich bald herausstellen wird. Morettis Lebenspartner ist verschwunden und so glaubt die Polizei an eine Beziehungstat, bis die dessen Leiche im Hernsteiner Schlossteich entdeckt wird – tiefgefroren unter einer dicken Eisschicht.
Gleichzeitig vermittelt Dorli dem ewig klammen Lupo einen lukrativen Auftrag: Er soll für Morettis Vater den Mörder seines Sohnes ausfindig machen. Also machen sich Dorli und Lupo auf Spurensuche, nichts ahnend, dass diesmal nichts so ist, wie es scheint.
Meine Meinung:
In diesem dritten Fall spricht die Autorin nicht die üblichen Verbrechen wie Drogenhandel, Mafia und Ostbanden an, sondern auch Fremdenhass und rechtes Gedankengut. Denn der Dorfpfarrer ist auf Reha und seine Haushälterin im wohlverdienten Urlaub. Als Vertretung wird ausgerechnet ein Schwarzafrikaner nach Buchau entsendet. Ein echter Skandal für den ewig gestrigen Teil der Gemeinde. Außerdem ist der Aushilfspfarrer in Begleitung einer jungen Frau. Dass dies seine Schwester sein soll, die sich noch dazu einer Nierentransplantation unterziehen musste, glaubt keiner von denen. So wird gehetzt und gehusst und letztlich stirbt die junge Frau, weil ihr jemand im Supermarkt ein volles Einkaufswagerl just in die Nierengegend gestoßen hat. Dieser Teil des Krimis ist mir zu kurz gekommen. Da hätte ich mir etwas mehr erwartet.
Neben den bekannten Figuren wie Dorli, Lupo, Leo Bergler sowie Bürger-meister nebst Trulla, bekommt diesmal Kräuterweiberl Anna wieder ihren großen Auftritt.
Herrlich auch Lupo, der bei „Bär“, dem Chef der „Devils“ Unterricht im Motorradfahren nimmt, Stürze inklusive. Heimlich natürlich, denn er will ja Dorli damit überraschen.
Wie immer legt die Autorin falsche Fährten und die Leser dürfen Dorli und Lupo über die Schulter schauen, wenn die beiden ihre oft unorthodoxen Ermittlungsmethoden anwenden.
Anders als in den Bänden 1 und 2 flicht Veronika A. Grager nun auch ernste Themen in ihre Krimis ein. Trotzdem kommen der bisweilen schwarze Humor, das Lokalkolorit und die skurrilen Dorfbewohner nicht zu kurz.
Fazit:
Ein unterhaltsamer Krimi, der auch ernste Themen streift. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.









