Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Ein verrücktes Paar in Afrika
Das kann uns keiner nehmen von Matthias Politycki
Matthias Politycki ist ein wirklich guter Autor, da er ernsthaftes Themen mit einer Leichtigkeit und mit Wortwitz verbinden kann.
Hans und Tscharlie treffen sich zufällig in einem Krater auf dem Kilimandscharo.
Sie sind sehr ungleich. Hans ein Hamburger Schriftsteller, Tscharlie ein Bayer. Da treffen Welten aufeinander.
Hans hält Tscharlie für einen Proleten. Für Tscharlie ist Hans ein Windlhans und ein Hornbrillenwürschtl, preußisches.
Obwohl es viele Vorurteile auf beiden Seiten gibt, setzen sie ihre Reise durch Afrika gemeinsam fort und verstehen sich mit der Zeit immer besser.
Ich mag den Icherzähler wegen seinem Einfühlungsvermögen, das auch ermöglicht hinter Tscharlies Fassade seine Herzlichkeit zu erkennen.
Politycki hat mit den beiden ein originelles Paar erschaffen. Dann versteckt er auch noch geschickt zwei Liebesgeschichten im Roman.
Jeder der Protagonisten hat eine Beziehung mit Verlusten erlebt.
Nicht zuletzt sind Abschnitte dabei, die eine kleine Hommage an Ernest Hemingways Schnee auf dem Kilimandscharo.
Rezensionen von HEYN Leserunde Petra Gutsche:
Ein sehr dynamisches Buch
Vom Land von Dominik Barta
Theresa die ihr ganzes Leben lang hart am Bauernhof gemeinsam mit ihrem Mann Erwin gearbeitet hat fühlt sich plötzlich krank und ausgepowert. Sie hört auf zu arbeiten, sie hört auf zu sprechen.
Ihre Kinder werden gerufen, doch sie sind selbst so mit ihrem eigenen, verkorksten Leben beschäftigt, sodass sie ihrer Mutter nicht helfen können.
Daniel, der Enkel der Bauersfamilie lernt den Asylanten Toti kennen und die beiden helfen dem Großvater am Bauernhof. Nach einer Auszeit kehrt Theresa zum Hof zurück, ihr Ehemann Erwin glaubt, dass der Alltag wieder eingekehrt ist. Theresa muss Dank Totis Hilfe weniger arbeiten und so scheint sich alles wieder zum Guten zu wenden. Eines Tages verschwindet Theresa und Erwin ahnt Schlimmes. Theresa hat sich das Leben genommen.
Dominik Barta schaffte es einen spannenden Roman über das Landleben in Oberösterreich zu schreiben. Ländliche Werte und Ansichten werden gelebt, die Ausländerfeindlichkeit ist im gesamten Dorf allgegenwärtig, die Spannungen zwischen Arm und Reich stetig präsent. Die Rivalität zwischen den Geschwistern ist unglaublich doch in schwierigen Zeiten halten sie eisern zusammen und alle packen an. Vieles, das wir aus unserem eigenen Leben kennen. Lesenswert
Rezensionen von Anja:
eigener Kräutergarten notwendig
Vom Land von Dominik Barta
Der Aspekt der saisonalen Küche sprach mich an, sodass ich mir dieses Kochbuch angeschaut habe. Einen Bezug zu WW habe ich nicht, sodass ich mit dem Punktesystem auch nicht vertraut bin und dahingehend keinerlei Wertung vornehme.
Das Buch hat A4 Format. Mit gut 150 Seiten beinhaltet es eine Menge Rezepte, die nach Jahreszeiten gegliedert sind (die Zuordnung erschloss sich mit allerdings nicht immer).
Auf jeder Doppelseite befindet sich – nach ein paar kurzen Einführungsseiten und jeweils einer kleinen Einführung in jede Jahreszeit beispielsweise mit einer Kräuterkunde oder Winterwurzelübersicht – ein Rezept plus ein ganzseitige Foto. Die Bilder sind ansprechend und die Rezepte verständlich beschrieben und gegliedert.
Die Rezepte sind insgesamt abwechslungsreich und beinhalten viele verschiedene Zutaten, mal Fisch, mal Fleisch, mal vegetarisch.
Die Rezepte werden als kreativ und ausgefallen angepriesen, das sind sie auf jeden Fall auch – dabei sprechen mich leider nur wenige davon an. Ich habe nichts gegen kreative Ideen, aber viele Mischungen entsprechen nicht meinem Geschmack – oder dem, was ich für meinen Geschmack halte.
Hinzu kommen die ungünstigen Mengen an Zutaten, die für die Rezepte verwendet werden. Oft werden von diversen Zutaten nur kleinste Mengen benötigt (80g Quark, 50ml Kokosmilch, 80g von verschiedenen Salatsorten), sodass man nach dem Kochen mit etlichen Resten dasteht.
Zudem ist definitiv ein eigener Kräutergarten notwendig, da für fast jedes Rezept 2-3 Stängel von mindestens 2-3 Kräutern benötigt werden.
Rezensionen von yellowdog:
Verdorbener Fisch verdirbt den Hirsebrei
Amuse-bouche von Museum Tinguely, Basel
Museum Tinguely in Basel haben ein interessantes Buch über das ungewöhnliche Thema Geschmack in der Kunst herausgebracht und es ist ein abwechslungsreiches Buch, dass das Thema auf verschiedene Weisen variiert.
Obwohl der Untertitel Interdisziplinäres Symposium zu Geschmack und Esskultur ehrfurchteinflößend klingt, ist das Buch größtenteils locker und gut lesbar geschrieben.
Dennoch sollte man sich für das Thema wirklich interessieren, denn es gibt viel Text dazu.
Ich hätte mir mehr bedeutende Kunstwerke zum Thema gewünscht, aber einiges gibt es doch, das beeindruckt, z.B. Nathaniel Bacons Küchenmagd mit Gemüse und Früchten, Gemälde von Eric Fischl, etwas von den fünf Sinnen von 1600, Großes Schimmelbild, 1969 von Dieter Roth, Andy Warhol usw. Hier prallen Welten aufeinander. Hinzu kommen einige Stilleben.
In den essayistischen Beiträgen ebenso. Manchmal wird fast wissenschaftlich, wie bei Über die Entstehung der Geschmackswahrnehmungen oder über Geschmacksbeschreibungen. Da werden sogar Tabellen und schematische Darstellungen eingesetzt. Ein Kapitel dreht sich um Migration, eins über die Anden, es gibt ein Interview und anderes.
Ich finde, dass Buch lohnt sich.
Rezensionen von Hennie :
Gute Entscheidungen
Ein Sommer auf Sylt von Lena Wolf
„Ein Sommer auf Sylt" war für mich eine gefällige, angenehme Geschichte nach der vielen Lektüre von Thrillern und Krimis. Ganz schnell wurde ich warm mit der Hauptperson Julia, die in Hamburg lebt mit ihrem Freund Jo. Gemeinsam betreiben sie ein Architekturbüro, welches das Leben der Beiden voll in Beschlag nimmt.
Julias Vater verstarb plötzlich und hinterläßt ihr überraschend ein Haus auf Sylt. Mit ihrer Mutter und deren zwei Schwestern fährt sie auf die Insel, um die Erbschaftsangelegenheit umgehend zu klären. Doch schnell ist überhaupt nichts zu regeln. Ziemlich vorhersehbar entwickelt sich das Geschehen in Richtung Liebesgeschichte/Romanze mit einigen Verwicklungen, die erst zum Ende hin aufgelöst werden.
Julia möchte es gern allen recht machen, was natürlich mit Komplikationen verbunden ist. Dadurch kommt es zu einigen Längen beim Fortgang der Handlung. Die junge Frau ist unentschlossen, sehr leicht lenkbar und sehr harmoniebedürftig, mag keinen Streit. Einige „Probleme" hätten schon im Vorfeld ausgeräumt werden können, wenn mehr miteinander geredetet, diskutiert, gestritten worden wäre. Das trifft sowohl auf das Miteinander der drei Schwestern als auch auf Julia und das Verhältnis zu ihren Eltern zu.
Auf Sylt müssen sich alle mit ihren Lebensläufen auseinandersetzen. Besonders Julia bekommt von Mats Christensen, dem jungen Besitzer des Hotels, ihre Lektion. Er zeigt ihr „sein“ Sylt.
"Sylt ist ein Lebensgefühl", so lautet eine der 31 passenden Kapitelüberschriften.
Julia und damit der Leser lernt die vielfältige Natur der schönen Insel, die nicht nur aus Sand und Dünen besteht, kennen. Mats auf S. 125:
„Mach dich darauf gefasst, dich zu verlieben."
Das tut Julia dann auch.
Fazit:
Eine leichte, vergnügliche Lektüre mit dem typischen Inselfeeling.
Ernste Themen u.a., die Immobiliensituation auf Sylt betreffend, werden ebenfalls erwähnt.
Das Buch thematisiert eine Familien- und Liebesgeschichte.
Ich empfehle es als typischen Frauenroman und bewerte mit vier von fünf Sternen.
Rezensionen von BarbaraM:
Ein berührender, wunderschön geschriebener, feinfühliger und nachdenklich stimmender Roman
Wie wir gehen von Andreas Neeser
„Wie wir gehen“ von dem Schweizer Andreas Nesser ist 2020 im Haymon Verlag erschienen. Der Roman umfasst in der gebundenen Ausgabe 216 Seiten.
Mona, die Tochter von Johannes, Enkelin von Gottlieb und Mutter von Noelle ist mit der Beziehung zu ihrem Vater nicht zufrieden. Sie sucht nach mehr und findet dies mithilfe eines Diktiergerätes, das sie ihrem Vater gibt.
Er spricht hierauf die für ihn wichtigen Dinge seines Lebens und begründet so das ein oder andere.
Andreas Nesser gelingt es in seinem Roman den Leser durch seinen feinfühligen, klaren und eindrücklichen Schreibstil in den Bann zu ziehen. Seine Art des Schreibens macht diesen Generationenroman zu etwas ganz Besonderem. Er beschreibt collagenhaft Bruchstücke aus dem Leben der vier Generationen, den Beziehungen und deren Auswirkungen untereinander, führt manches zusammen, lässt anderes offen und regt damit zum eigenen Reflektieren an.
Auch das Ende des Romans ist nicht abgeschlossen, was mich persönlich nicht stört. Für mich sticht das Buch aus der Masse heraus und ich konnte regelrecht darin versinken.
Gleichzeitig habe ich bemerkt, wie mich der Roman zum Nachdenken bringt, wie er mich über meine Familie und die Beziehungen untereinander reflektieren lässt.
Ich bin beeindruckt davon, wie es Andreas Nesser gelingt, den Bogen über vier Generationen zu spannen und Auswirkungen von der einen in die andere Generationen zu erklären versucht.
Besonders spannend fand ich es, dass Mona versucht, an den eigenen Auswirkungen der Vergangenheit zu rütteln, sprich es anders zu machen in der Beziehung zu ihrem Vater. Sie bleibt nicht in der Vergangenheit gefangen, sondern fängt an, aktiv zu handeln.
Ich habe den Generationenroman von Andreas Nesser voller Begeisterung gelesen. Bei mir verlief das Lesen nicht in einem Rutsch, sondern etappenweise, da ich immer wieder reflektieren musste und auch wollte und dies tat dem Genuss des Buches keinerlei Abbruch – im Gegenteil!
Was für ein schönes Leseerlebnis!
Fazit: Ein feinfühliger und sehr lesenswerter Roman.
Es war für mich ein Erlebnis, dieses Buch zu lesen und in die Welt von Gottlieb, Johannes, Mona und Noelle einzutauchen.
Es hat mich sehr berührt und bereichert und klingt stark in mir nach.
Rezensionen von Gaby 2707:
Norderney im Sommer 1912
Die Tote in der Sommerfrische von Elsa Dix
Es ist Sommer im Jahr 1912 auf Norderney. Die Reichen und Prominenten treffen sich auf der Insel um dort ihre Sommerfrische zu genießen. Unter ihnen der junge Journalist Christian Hinrichs, ehemaliger Kriminalreporter, der über diese Zeit einen Bericht für die Damenillustrierte Frau von Welt schreiben soll und Viktoria Berg, die hier ihre Zeit verbringt bevor sie ihre Arbeit als Lehrerin an einer Reformschule angeht.
Sie trifft hier die ehemalige Angestellte ihres Vaters Henny Petersen, die als Dienstmädchen im Palais-Hotel arbeitet, in dem Viktoria und Christian logiert. Am nächsten Tag zieht Christian Hinrichts Henny ertrunken aus der kalten Nordsee. Warum ist das junge Mädchen ins Wasser gegangen? Oder war es gar kein Selbstmord?
Da die Polizei die Sache gleich ad Acta legt, machen sich Christian und Viktoria gemeinsam auf Spurensuche.
Ich habe es genossen, in die Welt der Reichen und Neureichen vor über 100 Jahren einzutauchen. Heute unvorstellbar, dass es damals unschicklich war, die Hand seiner angebeteten in der Öffentlichkeit zu halten, geschweige denn sie zu küssen. Es gibt getrennte Strandabschnitte für die Damen und die Herren. Frauen in diesen Kreisen dienen meist nur als schmückendes Beiwerk.
Viktoria Berg ist da erfrischend anders. Sie ist selbstbewusst, weiß sich durchzusetzen und freut sich auf ihre neue Selbstständigkeit. Ihre Unbeschwertheit wirkt anziehend und lässt auch Christian Hinrichs nicht kalt. Auch er hat sich durchgesetzt, als Kind aus der Arbeiterklasse seinen Gymnasialabschluß geschafft und gegen den Willen seines Vaters den Beruf des Journalisten gewählt. Auch Severin von Seyfarth, Dr. Moritz Feuser und die Damen der Familie Balow, die ich hier kennenlerne, passen ausgezeichnet in die hier beschriebene Zeit und kommen authentisch und klar rüber. Ich sehe die Damen in ihren mondänen Kleidern auf der Seebrücke flanieren, sehe die Herren im Salon mit ihren Zigarren vor mir sitzen. Eine Zeit, die so gut beschrieben ist, dass ich sofort darin eintauchen konnte und mich für die kurze Zeit des Lesens dort auch wohlgefühlt habe. Trotzdem bin ich froh, in der heutigen Zeit leben zu dürfen.
Die Geschichte, die sich doch schnell als Kriminalfall herauskristallisiert, ist knifflig. Aber Christian und Viktoria geben nicht auf, lassen sich auf einige riskante Manöver ein und gelangen mit ihren Spürnasen erst ganz zum Schluss der Geschichte an ihr Ziel und an die Auflösung des Falles bzw. der Fälle. Denn es gibt einen weiteren Toten.
Mehr wird hier aber nicht verraten.
Die 55 meist kurzen Kapitel sind mit einer zum Kapitel passenden Überschrift versehen und diese mit einem kleinen Rahmen, der ausgezeichnet zu dieser Zeit passt.
Es geht um Intrigen, Erpressung, Mord, Ungehorsam, die Moral und Klassenunterschiede in der Kaiserzeit und um das ganz langsame selbstständig werden der Frau.
Dieser Seebad-Krimi liest sich so leicht und locker, wirft zeitkritische Fragen auf, ist spannend und sehr unterhaltsam. Ich würde mich freuen, wenn Christian und Viktoria sich wiedersehen und vielleicht ein neues Abenteuer gemeinsam erleben würden.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Gemütlich auf Capri
Der Schmetterlingsgarten von Marie Matisek
Marie Matisek nimmt uns in ihrem neuen Roman wieder mit nach Italien. Nach zwei Aufenthalten in Amalfi geht es nun nach Capri in den Palazzo Farnese und auch zu Lucias Familie - die übrigens gut mit Marco Pantanella aus "Unter dem Limonenhimmel" bekannt ist, es gibt also auch ein kurzes Wiedersehen mit unseren Lieblingsmenschen der Amalfi-Romane.
Lucia lebt seit zwei Jahren wieder auf Capri, ihre Rückkehr wird in der Vorgeschichte (als eBook gratis erhältlich) beschrieben. Sie arbeitet als Haushälterin bei Annunziata Farnese, hat dafür sogar Kochen gelernt und geniesst es, wieder in der Nähe ihrer Familie und ihrer besten Freundin zu sein. Doch noch immer hat sie ihnen nicht erzählt, weswegen genau sie zurück gekommen ist. Das Verheimlichen ist blöd, denn das wird ihr im Laufe der Geschichte noch um den Kopf fliegen.
Martin, ein deutscher Schmetterlingsforscher, kommt nach Capri um nach dem Schwarmbläuling zu suchen. Schnell macht er Bekanntschaft mit der Polizei und der temperamentvollen Lucia, die ihn im Halbdunkeln zuerst mit ihrem immer-noch-Ehemann Alessandro verwechselt, der ihr die Scheidung verweigert. Martin ist fortan nicht nur von den Schmetterlingen angezogen, sondern auch von Lucia - dabei wartet daheim in Deutschland seine Freundin Anja.
Die zarte Liebesgeschichte nimmt in "Der Schmetterlingsgarten" nur wenig Platz ein, und das auch erst auf den letzten Seiten. So bleibt mehr Zeit für die Geschichten der andern: Ärztin Clivia und Gärtner Salvatore, Marcella, Umberto, Annunziata und Lucia.
Der Roman ist nett, kommt aber fast ein wenig zahm daher. Die zu erwartenden Dramen sind nicht wirklich schlimm und so ist der Höhepunkt des Roman mehr ein süsses Gelati-Schlecken als ein explodierender Vulkan.
Ich habe ja so meine Probleme mit geheimnistragenden Protagonisten. Sie selber meinen es sei mega schlimm, aber machen sie endlich mal den Mund auf, merkt man, dass es nichts ist, für das man sich schämen müsste oder unverzeihbar wäre - so auch Lucia. Der Roman hätte auch ohne ihr Geheimnis um ihre Vergangenheit funktionieren können, eigentlich fast noch mehr - hätten alle Bescheid gewusst, wäre es ein Leichtes gewesen jemandem eine Falle zu stellen und es hätte am Ende ein tolles Feuerwerk ergeben.
"Der Schmetterlingsgarten" empfand ich deshalb als sehr brav, ganz kurze Spannungsmomente leuchteten zwar auf, verdampften in der Frühlingswärme Capris wieder. Dafür gefiel mir der viele Kontakt untereinander, Salvatores Können in der Küche (da wär ich auch gerne Gast gewesen), das Flattern der Schmetterlinge, die Beschreibungen des Garten des Palazzo Farnese und Annunziatas Lebensgeschichte.
Fazit: Ein gemütlicher Frühlingsroman.
4 Punkte.
Rezensionen von dorli:
Die zweifelhafte Miss DeLancey
Die zweifelhafte Miss DeLancey von Carolyn Miller
Brighton, 1815. Eigentlich war es geplant, dass Clara DeLancey den Grafen von Hawkesbury heiraten sollte, doch dieser hat sich für eine andere Frau entschieden. Eine Demütigung, die die 25-Jährige auch nach Monaten noch nicht überwunden hat. Tief verwurzelte Selbstzweifel sorgen für schlaflose Nächte, die Clara auf den gefährlichen Klippen vor der Stadt verbringt.
Als sie in einer stürmischen Nacht in den Abgrund zu stürzen droht, wird sie von einem Fremden in letzter Sekunde gerettet. Clara rennt aus Angst davor, erkannt zu werden, eiligst davon…
Ein Schiffsunglück vor der afrikanischen Küste hat Benjamin Kemsley nicht nur eine hartnäckige Knieverletzung eingebracht, sondern ihn auch seine Karriere als Kapitän bei der Königlichen Marine gekostet. Obwohl er allgemein als Held gilt, hadert er mit seinem Schicksal und fühlt sich als mittelloser Krüppel…
„Die zweifelhafte Miss DeLancey“ ist der dritte Teil der Regency-Romantik-Reihe von Carolyn Miller, der Roman ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände gut verständlich. In diesem Buch stehen wichtige Themen wie Vertrauen, echte Freundschaft und Vergebung im Mittelpunkt.
Nach einem dramatischen Beginn lässt Carolyn Miller die Handlung zunächst einmal in sehr ruhigen Bahnen verlaufen. Die Autorin stellt ihre Protagonisten intensiv vor und schildert deren Umfeld, Alltag, Gefühlswelten und Leidensgeschichten ausgiebig.
Clara und Ben sind mit ihren jeweiligen Problemen fest verwachsen und sehen sich nicht in der Lage, mit vergangenen Ereignissen abzuschließen. Dass sie in einer Welt leben, in der jede kleine Abweichung von den gesellschaftlichen Konventionen als Verfehlung gilt und Getratsche und Ausgrenzung nach sich zieht, macht es beiden besonders schwer, Vergangenes hinter sich zu lassen und einfach nach vorn zu schauen.
Clara kann sich erst von ihren Selbstzweifeln befreien, nachdem sie dank ihrer Freundschaft zu Bens Schwestern Matilda und Tessa zum christlichen Glauben gefunden hat. Ihr Vertrauen auf die Güte Gottes stärkt die junge Frau und hilft ihr nicht nur, alte Fesseln zu lösen, sondern ermutigt sie auch, für eine Liebe zu kämpfen, die aufgrund unterschiedlicher Gesellschaftsschichten eigentlich nicht sein darf.
„Die zweifelhafte Miss DeLancey“ hat mir sehr gut gefallen. Eine bestens ausbalancierte Mischung aus Historie und Romantik, die aufzeigt, dass der christliche Glaube bei der Überwindung von Selbstzweifeln eine wertvolle Stütze sein kann.
Rezensionen von Dana:
vielseitige Geschichte -macht Lust auf weitere Abenteuer
Mina und die Karma-Jäger - Der Klassenkassen-Klau 18.02.2020. Hardback. von Clark Janet
Mina hat Geburtstag und eine richtig tolle Party geplant. Voller Vorfreude wartet sie auf ihre Schulfreunde und kann es kaum erwarten, endlich los zu legen. Doch dann verläuft der Nachmittag ganz anders, als erwartet. Vor ihrer Tür steht ein Junge, der ihre Hilfe braucht, um sein Karma zu verbessern.
Damit Mina Zeit für ihn hat, hat Julius kurzerhand ihre Feier abgesagt. Keine besonders gute Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit denn Mina ist sauer- verständlicherweise. Was Mina da noch nicht ahnt: außer ihr kann niemand Julius sehen, denn er ist ein Geist. Für die beiden beginnt eine spannende Zeit, in der sie viel voneinander lernen können.
Milena, die meistens nur Mina gennant wird, und Julius haben ziemlich unterschiedliche Vorstellungen von Spaß, Gerechtigkeit und der Art Probleme zu lösen. Immer wieder muss Mina feststellen, dass der Geist für neues Chaos sorgt, anstatt sich seiner eigentlichen Aufgabe zu widmen. Julius selbst kann gar nicht verstehen, wieso seine Aktionen ihn weitere Karma-Punkte kosten, dabei ist ziemlich offensichtlich, dass die Dinge, die er als lustig ansieht, für die anderen alles andere als witzig sind. Streitigkeiten entstehen, Minas Mitschüler sind verärgert, schämen sich oder fühlen sich verspottet. Minas Zurechtweisung empfindet er als spießig, ihre Ansichten als zu langweilig… wo bleibt denn da schließlich der Spaß für einen selbst, wenn man immer nett und brav ist? Mina und Julius geraten immer wieder aneinander, was ich sehr gelungen fand. Es wird gut deutlich, wie verschieden die beiden sind und wie falsch Julius mit einigen Ansichten liegt. Die Reaktionen der Menschen, die ihn nicht sehen können, sprechen da eine sehr eindeutige Sprache. Um dem Geheimnis mit der Klassenkasse auf den Grund zu gehen, sind die Eigenschaften des Geistes allerdings ganz brauchbar. Wer könnte besser spionieren und Dinge herausfinden als jemand, den man nicht sehen kann?
Mir haben die Entwicklungen im Buch gut gefallen. Die verschiedenen Standpunkte werden immer wieder eindrucksvoll in die Geschichte eingebunden und es gibt ein direktes Feedback der anderen Figuren. Einige Dinge verstecken sich zwar auch zwischen den Zeilen bzw. sind aus dem Verlauf der Handlung zu entnehmen, aber es gibt viele Botschaften, die ziemlich klar formuliert sind. Da Mina den „Zeigefinger“ gegen Julius erhebt, empfand ich diese Zurechtweisungen auch als angenehmer, als wenn es ein Erwachsener gewesen wäre, der meckert. Auch bei jungen Lesern wird das sicher besser ankommen. Minas Mutter hingegen hätte aus meiner Sicht schon etwas strenger sein können. Auch wenn ich ihren Standpunkt verstehen konnte, sollte sich keiner motiviert fühlen, genau so ein Chaos anzurichten, wie Mina mit ihren Freunden und darauf zu hoffen, dass die eigenen Eltern genauso reagieren.
Die Seitengestaltung hat mir gut gefallen. Es sind häufig Bilder in den Text eingebunden, die die Handlung unterstützen und es leicht machen, sich die Figuren und einige Elemente aus der Geschichte vorzustellen. Da ich das Buch als eBook gelesen habe, kann ich nicht so viel zur Schriftgröße sagen. In der Leseprobe sah es jedoch so aus, dass die Schrift recht groß gehalten ist und die Bilder die Seite zusätzlich auflockern. So kann man alles gut überblicken und es wirkt nicht zu überladen. Auch die Illustrationen an sich waren schön gestaltet, passten zur Geschichte und haben das Buch noch lebendiger gemacht.
Die Geschichte ist flüssig und leicht zu lesen. Die Sprache ist einfach, die Sätze häufig kurz und knapp gehalten. So können auch junge Leser der Handlung gut folgen. Durch die häufige Nutzung der wörtlichen Rede wird der Text zusätzlich noch aufgelockert und übersichtlich gehalten.
Die Mischung aus den spannenden Ermittlungen und den daraus resultierenden neuen Aufgaben und die Karma-Challenge von Julius, die immer wieder für Diskussionen, Streitigkeiten, aber auch Einsicht führt, hat mir gut gefallen. Es gibt immer wieder Situationen zum Lachen, aber auch Momente, in denen man dazu angeregt wird darüber nachzudenken, wie man selbst das alles wohl empfinden und dann handeln würde. Langweilig wird es mit den Figuren nicht und ich bin gespannt, was beim nächsten Mal bei Mina so los ist schließlich ist es der Auftakt einer Reihe.
Fazit
Eine tolle Geschichte mit klaren Botschaften, bei der der Spaß aber trotzdem nicht zu kurz kommt. Die Charaktere sind schön gestaltet, sehr gegensätzlich und authentisch. Man kann sich gut vorstellen, dass es Mina, Julius und die andren wirklich geben könnte und all dieses Chaos anstellen und erleben. Mit cleveren Ideen, tollem Zusammenhalt und viel Einsatz erreichen sie dann auch ihre Ziele, worauf alle sehr stolz sein können. Kleiner Kritikpunkt: Minas Mutter war mir fast ein wenig zu tolerant und nett, wenn man bedenkt, was da am Anfang des Buches los war. Ich finde es zwar toll, dass sie nicht unbedingt zu denen gehört, die Meckern und Strafen verteilt, aber ein paar ernstere Worte wären aus meiner Sicht dennoch angebracht gewesen.










