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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von J.K.:

Ein Rat für jede Situation

Mein Familienkompass von Nora Imlau

Eltern hatten selten so viele verschiedene Erziehungsstile zur Auswahl wie in der heutigen Zeit. Das ist einerseits natürlich gut, kann aber andererseits für Eltern auch verwirrend sein. Und was macht man, wenn irgendwie keiner so richtig passt?
Nora Imlau beschreibt in ihrem Buch "Mein Familienkompass" Wege zu harmonischem Familienleben, die ohne Label auskommen.

Denn: jede Familie ist anders, deshalb muss auch jede Familie ihren eigenen Weg finden. Wichtig ist natürlich immer, dass sich alle gegenseitig respektieren und Rücksicht aufeinander nehmen.

Ich muss gestehen, dass ich den Anfang etwas zäh fand, da sich die Einleitung gefühlt ziemich gezogen hat. Allerdings hatte ich mich auch vorher schon ein bisschen zu dem Thema belesen und kannte daher viele Infos schon. Für Leute, die sich mit dem Thema aber das erste Mal befassen, wird sicher auch dieser Teil des Buches sehr interessant sein.

Meiner Meinung ist das Buch sehr einfühlsam geschrieben. Die zwei wichtigsten Punkte, die auch wirklich häufig in irgendeiner Art und Weise angeführt werden, sind 1.) die Begründungen, warum Kinder reagieren, wie sie das eben tun (und zwar nicht, um uns Eltern zu ärgern oder zu manipulieren) und 2.) dass man auch als Eltern Fehler machen darf bzw. es einfach nicht anders geht, als dass man auch mal Fehler macht.

Tatsächlich habe ich das Buch weniger als Ratgeber denn als Aufklärungsbuch empfunden, da es nicht mit erhobenem Zeigefinger daher kommt, sondern einfach vieles erklärt und sich daraus ergebende Handlungsvorschläge aufzeigt.

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Rezensionen von Furbaby_Mom:

Die Schwermut überwiegt

Riviera - Der Traum vom Meer von Julia Kröhn

Dieser historische Roman, der die Jahre 1922 bis 1936 umspannt, bildet den Auftakt zur Riviera-Reihe aus der Feder von Autorin Julia Kröhn und hat mich mit derart gemischten Gefühlen zurückgelassen, dass die erhoffte (in einen geschichtlichen Kontext verpackte) sommerliche Leichtigkeit beinahe gänzlich ausgeblieben ist.

Die junge Salome ist Halbwaise und lebt zusammen mit ihrem stets in Tagträumen verlorenen Vater Arthur, der ein Reisebüro in Frankfurt leitet. Zunächst fällt die Betreuung des kleinen Mädchens noch in den Aufgabenbereich ihrer altmodischen, oftmals strengen Großmutter, die allerdings recht bald verstirbt. Fortan nimmt sich Untermieterin Paola, in der Salome längst eine Art Schwester sieht, der kleinen Familie an, reißt den naiven Arthur aus seiner Lethargie und fädelt einen Urlaub in ihrem Heimatland ein: Italien. Kurzum wird beschlossen, dass man sich den boomenden Tourismus im Süden zunutze machen und expandieren sollte. Unterstützt wird Familie Sommer dabei vom Hotelier Renzo Barbera, dessen unscheinbare, pummelige, von ihren zwei Brüdern schikanierte Tochter Ornella zu Salomes bester Freundin wird. Aber bald wirft der Zweite Weltkrieg seine Schatten voraus und auch die innige Freundschaft der Mädchen ist in Gefahr, als Félix, Sohn eines französischen Unternehmers, in ihr Leben tritt – Ornella ist ihm regelrecht verfallen, doch der zynische junge Mann straft sie regelmäßig mit Demütigung und Ignoranz, während Salome schon eher sein Interesse erweckt…

Zunächst möchte ich festhalten, warum ich mich mit der Beurteilung dieses Werkes schwergetan habe: Schreibstil und Impressionen zur Szenerie verdienen 5 Sterne; Handlung, Figuren und Gesamteindruck schaffen es hingegen auf 3 Sterne. Ich lese des Öfteren historische Romane, hatte mir also keine reine Happy-Sunshine-Story erwartet und wurde diesbezüglich nicht enttäuscht. Stattdessen gab es jedoch Realität, Tiefsinn und persönliche Dramen im Überfluss. Die erhoffte sommerliche Lektüre mit historischen Elementen entwickelte sich ab Mitte der Handlung in Richtung Schicksalsroman mit eher ernüchterndem Unterton. Diese Tendenz fand ich insbesondere schade, da gerade die ersten Kapitel, in denen wir Salome als junges Mädchen erleben, mit herrlich witzigen Elementen gespickt sind und mich mehrmals auflachen ließen. Ich war begeistert! Mit fortschreitender Handlung stellte sich allerdings eine gewisse Schwermut ein; die Dreiecksgeschichte zwischen Salome, Ornella und Félix habe ich als viel zu ausgedehnt empfunden, was dem Roman eine zusätzliche Langatmigkeit verlieh und zum Querlesen verleitet.

Gepunktet hat die Autorin mit ihrem sagenhaft schönen, poetisch anmutenden Schreibstil, welcher nur so strotzt vor atmosphärischen, detailreichen Beschreibungen, vor allem im Hinblick auf die Szenerie – San Remo scheint zum Greifen nah, man spürt beinahe die heiße Sonne auf der Haut und ist mittendrin im südländischen Flair. Es wird deutlich, dass dem Werk eine hervorragende Recherche zugrunde liegt; meisterhaft sind alltägliche Gegebenheiten der damaligen Zeit in die Geschichte eingeflochten worden, was sich auch im Sprachgebrauch widerspiegelt. Die auf der Recherchereise von der Autorin geschossenen Fotos zu den Handlungsschauplätzen ergänzen das liebevoll gestaltete Innencover des Romans, das dem in hellen Farben gehaltenen Buchcover in nichts nachsteht.

Von den Figuren ist mir leider keine wirklich ans Herz gewachsen, auch wenn sie überaus facettenreich gestaltet sind, was ihr Verhalten und ihre Entwicklung durchaus realistisch erscheinen lässt, da es schließlich auch im echten Leben keinen Menschen gibt, der nur gut oder nur böse ist. Das beste Beispiel hierfür ist Paola. - Die lebenslustige, kluge (- man könnte auch sagen ausgefuchste -) junge Italienerin macht das Beste aus dem Hier und Jetzt, verliert aber zeitgleich nicht ihren Masterplan aus den Augen: endlich finanziell abgesichert zu sein, nie mehr in Armut leben zu müssen. Für mich ist sie, trotz ihrer Funktion als Nebenfigur, die schillerndste Persönlichkeit des Werkes und ganz klar meine Favoritin unter den Charakteren. Ich mag ihren trockenen Humor, ihr freches Wesen und ihrem Optimismus. Gewiss, auch ihr z.T. berechnendes Verhalten ist mir nicht entgangen, doch ich habe ihre Motive durch und durch nachvollziehen können. Und sind wir nicht alle mehr oder weniger geprägt von dem Wunsch nach Sicherheit? Zudem beweist sie immer wieder, dass sie im Ernstfall für Salome da ist. Bei Salome und Ornella verhält es sich anders; je älter sie werden, umso weniger konnte ich mich mit ihnen identifizieren und es entstand eine gewisse Distanz, wodurch sich das Mitfiebern bezüglich ihres Schicksals in Grenzen hielt. Meines Erachtens hat sich die Autorin, die in der betreuten Leserunde ausführliche Hintergrundinformationen zum Buch mit uns geteilt hat, zu sehr darauf konzentriert, welche Figur welches Konzept verkörpern soll. Für eine literarische Analyse oder eine Charakterstudie wäre der Roman ideal geeignet, zum Liebgewinnen der Protagonisten eher nicht.

Fazit: Kein Sommerroman zum Träumen. Für meinen Geschmack zu zäh, schwermütig und nicht so beschwingt, wie man es aufgrund des Covers und des Klappentextes vermuten könnte. Ich habe keine Bindung zu den Figuren aufbauen können, habe sie mit wachsender Distanz wahrgenommen, was leider auch der wundervolle Schreibstil nicht ausgleichen konnte.

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Rezensionen von yellowdog:

großartiges Buch

Riviera - Der Traum vom Meer von Julia Kröhn

Jahresringe ist ein Roman, der drei Generationen umfasst und dabei von Kriegsjahren bis zur aktuellen Situation am Hambacher Forst abdeckt.

Die junge Eleonore ist Kriegsvertriebene aus Ostpreußen, die in einem Dorf in Nordrhein-Westfalen bei einem Bäcker eine neue Heimat findet und doch immer eine Außenseiterin in der dörflichen Gemeinschaft bleibt.

Andreas Wagner zeigt das Dorfleben glaubhaft und bei ihm ist Sympathie für die Außenseiter des Dorfes spürbar.

im zweiten Teil steht Eleonores Sohn Paul im Mittelpunkt.
Im letzten Abschnitt sind es die Enkel Jan und Sarah. Mit ihnen sind wir hanezu in der Gegenwart angekommen.

Ich halte den Roman gerade in seiner Gesamtheit für gelungen.
Die starken Figuren machen das Buch so großartig.

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Rezensionen von inya:

sehr eindrucksvoll

Riviera - Der Traum vom Meer von Julia Kröhn

Dieses Buch erzählt eine ganz besondere Familiengeschichte. Sie beginnt mit der 13 jährigen Leonore die aus Ostpreußen während des zweiten Weltkriegs in den Westen flieht und dort durch Zufall auf Hannes den Bäcker trifft. Dieser großherzige Mann nimmt das Mädchen auf und sie findet bei ihm eine neue Heimat.

Jedoch nicht in dem Dorf, denn dort kann niemand etwas mit dem evangelischen Mädchen aus dem Osten etwas anfangen. Deshalb sucht sie immer häufiger den nahe gelegenen Wald auf und findet dort Zuflucht. Doch dieser Wald soll nun für einen Braunkohletagebau weichen und Leonore steht davor ihre neue Heimat wieder zu verlieren. Ihr Sohn und sie stellen sich gegen Rheinbraun, die den Tagebau voranbringen wollen, doch der Kampf sieht aussichtslos aus. Ein sehr gut und berührend geschriebenes Buch. Ich kann es sehr empfehlen!

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Rezensionen von Pearl:

Die Liebenden von der Piazza Oberdan von Christian Klinger

Nach einen spannenden Auftrakt flacht der Roman sehr ab. Es ist eine Familiensaga über drei Generationen, beginnend im Jahr 1916 mitten im ersten Weltkrieg und Vittorio überlebt das Ganze an der Front nur knapp. Der Roman ist in drei Zeitsträngen eingeteilt, die immer sehr flüchtig in kurzen Kapiteln hin und her in Szene gesetzt werden.

Muss muss andauernd nachscheuen in welcher Zeit man jetzt ist.
Der Roman ist gut recherchiert über die beide Weltkriege, man erfährt viel über z. B. die Macht und die fanatischen Abhänger Musselinis, sowie dem historischen Ablauf der Geschichte in Italiens.
Leider konnte mich der Roman nicht überzeugen, hatte laut Klappentext viel mehr Spannung und vor allen Dingen mehr über eine große Liebe erwartet. Somit wird der Roman aus meiner Sicht leider seinem Titel nach nicht gerecht.

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Rezensionen von inya:

eine ganz besondere Geschichte

Super reich von Polly Horvath

Das Cover sieht sehr nach Winter aus und ist atmosphärisch gestaltet. Und die Geschichte spielt auch in der Winter bzw. sogar in der Weihnachtszeit. Es passt also super zu den kälter und kürzer werdenden Tagen. Der kleine Ruper wächst in sehr ärmlichen Verhältnissen auf und hat leider nicht einmal einen Wintermantel.

Doch er begegnet durch einen Zufall einer superreichen Familie, mit der er einen Weihnachtstag verbringen kann und diese Begegnung wird sein Leben verändern. In diesem Buch geht es um Freundschaft und was Armut und Reichtum bedeutet, also schwere Themen, die aber trotzdem auf skurrile und unterhaltende Art und Weise verpackt sind. Eine sehr schöne und gut zu lesende Geschichte, die ich sehr empfehlen kann.

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Rezensionen von PMelittaM:

So mag ich meine historischen Romane

Die Tinktur des Todes von Ambrose Parry

Edinburgh 1847: Der Medizinstudent Will Raven ist glücklich, seine Famulatur bei James Young Simpson, dem bekannten Arzt und Geburtshelfer, antreten zu können. Hier kann er viel lernen, und wird auch bei Simpsons Suche nach einem besseren Anästhetikum als Äther involviert sein.

Sarah Fischer ist Dienstmädchen im Hause Simpson, aber sie darf auch zu den Sprechstunden, die Simpson in seinem Haus abhält, beitragen.

Der Arzt hat erkannt, wie klug und wissbegierig Sarah ist, deren Geschlecht ihr leider Grenzen setzt.

Mehrere Frauen werden tot aufgefunden, alle schienen schwanger gewesen zu sein, alle waren aber auch „nur“ Prostituierte oder Dienstmädchen, so dass die Polizei sich nicht gerade überschlägt, die Hintergründe aufzudecken. Will ist persönlich betroffen, denn eine der Toten war eine Freundin von ihm – und so versucht er, selbst zu ermitteln. Und auch Sarah ist interessiert zu erfahren, wieso ein ihr bekanntes Dienstmädchen gestorben ist.

Ich brauchte ein paar Seiten, um in die Geschichte hineinzukommen – und dann hatte sie mich. Ich konnte den Roman kaum noch aus der Hand legen.

Hinter dem Autorennamen steckt ein schottisches Ehepaar. Während Christopher Brookmyre schon mehrere Werke veröffentlicht hat, ist Marisa Haetzman Medizinhistorikerin und Anästhesistin, was sicher eine großen Einfluss auf die Thematik des ersten gemeinsamen Werkes hatte. Der Roman spielt zu einer Zeit, in der längst nicht alle Ärzte Anästhetika anwandten, viele Operationen wurden ohne jegliche Betäubung durchgeführt, auch in diesem Roman gibt es solche Szenen. Äther ist zwar brauchbar, aber hat auch seine Nachteile, so dass James Young Simpson, der tatsächlich gelebt hat, nach einem brauchbareren Ersatz suchte – auf recht abenteuerliche Art, wie man hier auch erfährt. Dieser medizinhistorische Teil, der auch z. B. den Alltag der Ärzte beschreibt, nimmt einen relativ großen Teil der Geschichte ein – für mich sehr interessant.

Einer weiterer Teil ist der Ermittlung gewidmet, beide Protagonisten versuchen auf ihre eigene Weise, die Hintergründe aufzudecken. Das ist ebenfalls interessant, betrifft auch das medizinische Thema, und lässt den Leser mitraten. Am Ende wird es zufriedenstellend aufgelöst, ja, es gibt sogar eine gelungene Pointe.

Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Protagonisten, ich könnte mir vorstellen, dass jeder des Autorenpaares sich einem der beiden gewidmet hat. Beide waren mir schnell sympathisch. Will ist jemand, der sich Gedanken macht und loyal ist, und über Sarah kann man im Grunde das selbe sagen. Beide sind sehr gelungen. Aber auch die anderen Charaktere gefallen mir gut und wirken wie echte Menschen – Simpson ist im Übrigen nicht die einzige historische Persönlichkeit.

Erzählt wird atmosphärisch, ich hatte das Gefühl, in die Zeit einzutauchen und mein Kopfkino hatte viel zu tun. Gut gefällt mir, dass offenbar weitere Bände mit den beiden geplant sind, ich freue mich darauf.

Ich bin begeistert, so mag ich meine historischen Romane, atmosphärisch, gut recherchiert, spannend und gut zu lesen, mit einem interessanten Thema und ebensolchen Charakteren. Umso schöner, dass die Chance besteht, letztere wiederzutreffen. Ich vergebe sehr gerne volle Punktzahl und eine Leseempfehlung für alle, die gerne historische Romane lesen und dabei Wert auf gute Recherche legen.

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Rezensionen von yellowdog:

Engagierte Reihe um eine Tierärztin

Die Tinktur des Todes von Ambrose Parry

Katja Martens schreibt im Genre der Liebesromane und hat mit 4 Pfoten für Julia eine Serie um eine junge Tierärztin vorgelegt.

Die Gesamtausgabe beinhaltet Feuerprobe, Winterzauber, Zoo-Alarm, Fehlentscheidung, Strandnächte.
So eine geschickt geschriebene Romanserie ist ja immerhin außergewöhnlich.

Julia bewährt sich in einem bayrischen Dorf als Tierärztin, was anfangs nicht einfach ist. Schön, dass es wirklich viele Szenen gibt, in denen es tatsächlich um die Tiere geht.
Interessanterweise kümmert sich Julia um alle möglichen Tiere: Hunde, Kühe, aber auch einem Nymphensittich und Kaninchen, um Wolfswelpen und Tiere des Zoos.

Nebenbei gibt es noch den Polizisten Marc, Witwer und Vater eines 5jährigen Mädchens. Glücklicherweise steht diese Kitschaffäre nicht zu stark im Vordergrund.
Dann gibt es noch Raudi, eine kleine französische Bulldogge mit Fledermausohren und faltiger Stirn. Ihn hat Julia das Leben gerettet.

Zwar ist der Stoff genre-gerecht harmlos, wird aber interessanterweise mit anderen Stilmitteln angereichert. Im ersten Teil sind das Krimi-Elemente, da eine Mafiabande Drogen schmuggelt und dabei Tiere benutzt.
Später sind es sozialkritische Anklänge, die die Bücher bereichern.
Dennoch bleibt es durchgängig ein entspanntes Lesen.

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Rezensionen von *RC*:

Was (Ohn)Macht mit Menschen macht

Die Wahnsinnige von Alexa Hennig von Lange

Eine Charakterstudie am Beispiel von Johanna von Kastilien, die ihren Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung mit grausamer Missachtung bezahlen muss.

Weil ich die Bücher „Kampfsterne“ und „Die Weihnachtsgeschwister“ dieser Autorin bereits mit Vergnügen gelesen habe, musste ich auch hier bei der Neuerscheinung gleich zugreifen.

Milieustudien und Charakterstudien liegen Alexa Hennig von Lange, und so hat sie auch hier einen wunderbaren Roman zustande gebracht. Waren es bei den o.g. Bücher wohl eher fiktive Personen, die im Mittelpunkt ihrer Geschichten stehen, haben wir es diesmal mit einer historisch realen existierenden Person zu tun: Johanna von Kastalien, die auch Johanna die Wahnsinnige genannt wurde.
Johanna von Kastalien wurde 1479 in Toledo (Spanien) geboren und starb 1555 in Tordessillas (Spanien). Der Roman widmet sich aber nur einem kleinen Lebensausschnitt von Johanna und zwar beleuchtet er die Jahre 1503 bis 1506. Ein Großteil ihres Lebens (ab 1509 bis zu ihrem Tod) aber verbrachte sie eingesperrt in Obhut von Ordensschwestern im Kloster von Tordessillas.

Für mich war der Roman, diese Charakterstudie so eine Art „Fallbeispiel“, wie ein Mensch auf einmal in eine Rolle ‚gestoßen‘ wird, die er unter anderen Umständen nicht eingenommen hätte, denn so heißt es auch im Klappentext: „Wie können wir werden, die wir sind, wenn das nicht für uns vorgesehen ist?“
Nur aufgrund der Tatsache, dass sämtliche Thronerben sterben, wird Johanna Thronfolgerin eines gigantischen Weltreiches. Johanna möchte aber nicht die grausamen Machenschaften ihrer Eltern, für die Inquisition und Ausbeutung Ausdruck ihrer Macht sind, fortsetzen. Sie hat andere Vorstellungen von der Welt, eine ‚liebevolle Welt‘ und sie kann sich mit der damaligen Rolle der Frau in Ehe nicht abfinden, denn „Frauen haben in der Ehe keine Eigenständig (S.58)“. Johanna hegt zu der damaligen Zeit revolutionäre Gedanken, denn sie fordert „eine komplette Neuordnung des altbekannten Verhältnisses zwischen Mann und Frau“ (S.58). Und sie will über sich selbst bestimmen. Doch das ist zu der damaligen Zeit, in der patriarchalische Machtstrukturen dominieren, nicht möglich. Johanna, die aufgrund ihrer sozialen Rolle auch eine einsame Frau ist, hat auch keine Freunde / Vertraute und somit auch keine Verbündete. Somit ist es ein leichtes, sie als verrückt zu erklären. Auch aufgrund bestimmter Verhaltensweisen, die sie als Ehefrau an der Seite von Philipp dem Schönen an den Tag legt, trägt sie selbst dazu bei, dass ihr gesellschaftliches Umfeld sie als „Wahnsinnige“ tituliert. Aus unserem heutigen Verständnis ist es befremdlich, aber damals war es nicht unüblich, dass der Ehemann (vor allem in der gehobenen Gesellschaft) seine Maitressen hatte und seine sexuellen Gelüste anderweitig auslebte. Johanna will dies nicht akzeptieren, sie ist verliebt; ihr Mann ist ihr Mann, und kann dieses Verhalten ihres Mannes nicht dulden. Ausschreitungen mit den Liebschaften sind daher nicht selten.
Im Roman wird gut veranschaulicht, wie die Welt damals gestrickt war: Ehen werden aufgrund politischer und herrschaftlicher Ansprüche geschlossen, Intrigen werden gesponnen, Angehörige - wie auch Johanna - werden zum Spielball im Konflikt verschiedner konkurrierender Interessenvertreter. Auch hat die Kirche einen enormen Macht-Einfluss auf Entscheidungen aller Art. Und Mutter-Kind-Beziehungen waren eher nur faktisch.

Da wir es hier aber nicht mit einem klassischen historischen Roman zu haben, darf man sich hier auch nicht einen tiefen Einblick in die Biographie von Johanna erwarten. Für mich war es daher hilfreich, mich vorab über diese Person - von der ich bis dato noch nichts gehört hatte - zu informieren, um auch einen Einblick in bzw. einen Überblick über die historischen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe zu bekommen. So bekam der Roman eine Basis, so dass ich einen guten Zugang zur Geschichte und zu den Personen - insb. zu Johanna bekam.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da in meinen Augen Johanna mit ihrem Verhalten und Gedanken gut dargestellt wird. In meinen Augen ist sie mutig, sich gegen das System zu stellen. Der Brief, mit dem der Roman beginnt, hat mich extrem mitgenommen, da hier gleich am Anfang veranschaulicht wird, wie viel Leid diese starke - wenn auch sture - Frau ertragen musste und wie zäh und widerstandsfähig sie trotz dieser Erniedrigungen geblieben ist.

Der gut recherchierte Roman ist flüssig und leicht verständlich geschrieben, so dass man das Gelesene gleich auf sich wirken lassen kann. Die kurzen Kapitel laden dazu ein, zwischendurch das Gelesene zu reflektieren.
Nachwörter werden von mir oft überflogen, aber hier ist es ein wirklich gutes „Kapitel“, das ich zugegebener Weise gleich am Anfang gelesen habe.

Wer Lesefutter sucht, das nicht so leicht zu verdauen ist, ist mit diesem Roman gut beraten.

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Rezensionen von Reinhard:

Das ist ja ein Ding!!

Achtsam morden von Karsten Dusse

Dass man einen überaus schwarzhumorigen Krimi schreiben kann ist mir bekannt. Dass man in diesen auch mit Achtsamkeit verpacken kann, eher nicht. Beides vereint dieser außergewöhnliche Autor, den ich bisher nicht kannte, mehr als gekonnt. Wie so oft war es der Titel der mich zugreifen ließ, das Buch mir in der Folge aber ein achtsames Lesevergnügen bescherte.

Mit Spannung, zynischem Humor und natürlich einigen Achtsamkeits-Regeln.

Auch wenn dazwischen zu viel des Guten passiert und der Roman zeitweise abflacht ist diese extrafeine Lektüre sehr unterhaltsam und absolut lesenswert!
Etwas in der Art habe ich noch nie gelesen und ich habe beim Lesen auch noch nie so bewusst geatmet ;-)

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