Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Pusteblümchen:

Intensive Erinnerungen

Löwe von Sonya Walger

Die Autorin ist niemand anders als Penny Widmore aus der Serie „Lost“. Diese Rolle hat aber nichts mit ihrem Buch zu tun. Hier berichtet sie rückblickend über ihren Vater.

Inzwischen ist sie selbst Mutter und ihr Vater gestorben. In ihren Erinnerungen schildert sie die Ereignisse so, wie sie diese als Kind wahrgenommen hat.

Ihr Vater war für sie wie, schon der Titel des Buches sagt, ein Löwe: stark, kämpferisch, unberechenbar, voller Energie und Kraft.
Dieser Blick eines Kindes auf seinen Vater ist nicht ungewöhnlich, aber ihr Vater ist ungewöhnlich.
Er führt kein geregeltes Leben, kommt mit dem Gesetz in Konflikt, die Familie wechselt mehrfach ihren Wohnort und das über die Kontinente hinweg.

Die Kapitel sind kurz und zeitlich nicht chronologisch angeordnet. Die zeitliche Einordnung erfolgt durch die Altersangabe der Autorin. Es bestehen auch keine direkten Zusammenhänge zwischen den Kapiteln. Es sind lauter kurze Schnappschüsse, aus denen erst im Nachhinein ein rundes Bild eines turbulenten Lebens entsteht.

In ihrem Buch beschreibt die Autorin einen sehr komplexen Menschen, an dessen Seite das Leben sicherlich nicht einfach war. Es sind intensive und emotionale Einblicke in eine ganz besondere Vater-Tochter-Beziehung und es ist ein facettenreiches Porträt eines unberechenbaren Vaters.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Pusteblümchen

Rezensionen von Brombeere:

Neuauflage, zweiter Band

In aller Unschuld von Tami Hoag

Worum geht es?
Eine Frau und ihre zwei Töchter werden ermordend und schnell scheint der Täter klar zu sein. Doch die Richterin versucht für Unvoreingenommenheit zu sorgen und gerät plötzlich selbst ins Fadenkreuz.

Worum geht es wirklich?
Besitz, Lügen und Stärke

Lesenswert?
Ja, auch wenn ich einige Kritikpunkte habe.

Zuerst einmal informativ: Es handelt sich hierbei um die Neuauflage einer älteren Reihe und bei diesem konkreten Buch um Band 2 - man kam jedoch auch ohne Band 1 gut in die Geschichte rein.
Die CHARAKTERE sind zwar ganz gut gestaltet, wirken jedoch im Versuch der Andersartigkeit dann doch wieder klischeehaft. Da gibt es als starke Frauenfiguren, die aber natürlich eigentlich eine Schulter um anlehnen brauchen und denen die Stärke viel zu viel wird. Somit ist dann das Klischee doch wieder erfüllt.
In die ATMOSPHÄRE bin ich gut reingekommen, man konnte sich das ganze gut vorstellen.
Der SCHREIBSTIL (Übersetzung Gabriele Werbeck und Andrea Stumpf) war zwar prinzipiell okay und gut, die Wortwahl jedoch teilweise fragwürdig und diskriminierend. An diesen Szenen hat man dem Buch sein Alter eher angemerkt. Manche ständigen Wiederholungen erscheinen unnötig.
Die HANDLUNG ging nicht so sehr auf das eigentliche Verbrechen ein, sondern eher auf das was danach kommt. Dies ist mir positiv aufgefallen. Das Ende jedoch fand ich nicht überraschend und eher enttäuschend, denn die Vorahnung bekommt man schon im Laufe des Buches. Auch hier eher klischeehaft.
Hinsichtlich SPANNUNG kann ich mich nicht beschweren, ich bin gut in das Buch reingekommen und wollte unbedingt weiter lesen, sodass ich es in kürzester Zeit ausgelesen habe.
Die LOGIK im Buch stimmt zwar, die Anhäufung an Zufällen und speziellen Konstellationen wirkt jedoch zu viel und wiederum klischeehaft.
Alles in allem war der LESESPASS in Ordnung. Das Buch hat mich unterhalten und ich würde erneut zu einem Werk der Autorin greifen.
Meine Bewertung ist nach der CAWPILE-Methode aufgebaut und ergibt bei durchschnittlich 5,71 Bewertungspunkten gute 3 Sterne für dieses Buch.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Brombeere

Rezensionen von gerlisch:

Du darst nicht schlafen

REM von Annika Strauss

Hier geht es um Alysee, die seit einem traumatischen Erlebnis in ihrer Kindheit nicht mehr schlafen kann, ohne in brutale Albträume abzurutschen. Dieser Plot rund um Schlafverweigerung und die Angst vor dem Einschlafen hat für mich neugierig gemacht.
Die Traumsequenzen sind verstörend, utopisch und gruselig.

Blutnebel, ein roter Dämon, konfuse Traumlogik, all das erzeugt eine bedrückende Stimmung. Die Horror-Szenen sind teilweise explizit beschrieben und wirken dadurch bildhaft.
Das Hotel de Ville ist ein absolut gruseliges Setting: dunkel, unheimlich, voller Geheimnisse. Durch die Perspektivwechsel entsteht ein stetiger Spannungsaufbau, der mich immer wieder neugierig gemacht hat, auf das was noch kommt.
Der Storyaufbau hat mir gut gefallen, der Schreibstil ist fesselnd, atmosphärisch und treibt die Handlung gut voran.
Trotz starkem Anfang und intensiver Atmosphäre blieb bei mir am Ende das Gefühl, dass die Geschichte als Ganzes nicht die Wirkung entfaltet hat, die sie hätte haben können. Vielleicht, weil die Handlungen mir irgendwann zu skurril wurden. Vielleicht aber auch, weil mir die Emotionen der Figuren nicht ganz so tief gingen, wie ich es mir gewünscht hätte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von gerlisch

Rezensionen von Brombeere:

will mehr als es liefert

Wenn Katzen reden könnten von Piergiorgio Pulixi

Worum geht es?
Buchhändler Marzio Montecristo kann sich kaum über Wasser halten. Nur seine zwei schwarzen Katzen locken noch Menschen in das Geschäft. Dann begeben sich die drei auf eine Schiffsfahrt um einen berühmten Autor zu begleiten - der bald darauf tot aufgefunden wird.

Worum geht es wirklich?
Lügen, Gemeinschaft und Geld.

Lesenswert?
Ja, auch wenn es nur eine gute Unterhaltung für zwischendurch war. Das Buch ist mir wegen seines schönen ansprechenden Covers aufgefallen und klang super für einen Sommerkrimi.
Die CHARAKTERE habe ich leider als eher klischeehaft empfunden, dabei auch einseitig ohne Ecken und Kanten und generell waren es mir einfach zu viele Männer in Hauptrollen in diesem Buch.
Hinsichtlich ATMOSPHÄRE war die Lektüre jedoch wirklich gut. Es war vorstellbar beschrieben und man konnte sich gut an die Orte denken.
Beim SCHREIBSTIL (Übersetzung Katharina Schmidt, Barbara Engelmann und Barbara Neeb) bin ich zwiegespalten. Es werden viele Begriffe nicht übersetzt und lassen das Italienisch nebenbei mit einfließen, was für einen Urlaubsroman natürlich super ist. Andererseits wirkt es dadurch teilweise gekünstelt. (Ich meine, dass es auch eine Stelle gab, bei der von „zwei Espressos“ die Rede war, was wiederum im Gegensatz zur sonstigen Verwendung der Originalsprache steht.)
Die HANDLUNG ist in Ordnung, das Ende jedoch war eher mittelmäßig und zwischendrin zieht sich die Geschichte unnötig in die Länge.
Darunter hat auch die SPANNUNG gelitten, denn ich wollte zwar wissen wie es weiter geht und was die Auflösung sein wird, der Weg dahin war jedoch stellenweise eher langweilig.
Auch die LOGIK war zu künstlich gewollt, zu unrealistisch und konstruiert.
Somit war mein LESESPASS leider nicht so hoch wie ich gehofft habe. Ich würde kein weiteres Buch von dem Autor lesen, liebe die Kampa-Cover aber einfach sehr!
Meine Bewertung ist nach der CAWPILE-Methode aufgebaut und ergibt bei durchschnittlich 4,8 Bewertungspunkten knappe 3 Sterne für dieses Buch.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Brombeere

Rezensionen von Brombeere:

fantastisch und spannend

The Tainted Cup von Robert Jackson Bennett

Worum geht es?
Ein Offizier wird tot aufgefunden - aus seinem Oberkörper sprießt ein Baum. Ermittlerin Ana und ihr Gehilfe Dinios ermitteln.

Worum geht es wirklich?
Rache, Macht und Verschwiegenheit.

Lesenswert?
Ja, sehr. Man bekommt hier ein Ermittlerduo, welches einen Fall aufdecken muss und das ganze spielt in einer durch und durch fantastischen Welt.

Die CHARAKTERE haben mir beide gut gefallen. Ana ist Sherlock Holmes sehr ähnlich und eher speziell. Beide sind unterhaltsam (gerade auch in ihrem Miteinander) und ihre eigenen Geschichten interessant. Die Art der Konstellation ist nichts neues, aber ich finde sie gut umgesetzt und schön zu lesen.
In die ATMOSPHÄRE wird man direkt reingeworfen und findet sich schnell in der Welt zurecht. Alles ist sehr fantastisch und besonders, aber der Start fiel mir relativ leicht. Am liebsten möchte man noch viel mehr über diese Welt und ihre Eigenschaften erfahren.
Den SCHREIBSTIL (Übersetzung Karla Schmidt und Jakob Schmidt) gefiel mir ebenfalls. Einige Stellen sind recht derb und Ana nimmt kein Blatt vor den Mund. Dies passte aber zu ihr. Etwas verwirrt bin ich durch die Begriffe Kind/Mädchen/Junge, die regelmäßig auftauchen und mir für die entsprechende Person immer recht unpassend vorkommen, da es sich doch um Erwachsene handelt.
Die HANDLUNG wird stark von den Ermittlungen geprägt, da die Auflösung des Falls im Mittelpunkt steht und sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Ana gibt nicht auf, bis alles auseinander gedröselt wird. Hierbei kommt es zu mehreren Wendungen.
Zu Beginn ist die SPANNUNG noch nicht gegeben, nach und nach baut sie sich jedoch auf und wenn man einmal in der Geschichte drin ist, dann will man auch unbedingt wissen wie es weiter geht.
Auch die LOGIK scheint durchdacht zu sein, auch wenn mehrere Aspekte vermutlich von anderen Autor*innen inspiriert sind - was ich jedoch nicht negativ empfinde. Man kann nicht ständig völlig neue und noch nie dagewesene Dinge lesen.
Generell hat mir die Lektüre wirklich viel SPASS bereitet und ich kann sowohl das Buch (als auch das Hörbuch) sehr empfehlen und habe großes Interesse an weiteren Bändern.
Dran bleiben lohnt sich und der Mix aus Fantasy und Krimi ist ebenfalls ziemlich gut!
Meine Bewertung ist nach der CAWPILE-Methode aufgebaut und ergibt bei 7,29 Bewertungspunkten dann 4 Sterne für dieses Buch.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Brombeere

Rezensionen von askyfullofpages:

Alles ist und bleibt verbunden

Leuchtfeuer von Dani Shapiro

Dieses Buch transportiert so viel Gefühl. Dani Shapiro erzählt von falschen Entscheidungen, Familie, Liebe, Verlust, Tod, Sterben, Schuld, Geheimnissen, Alkoholabhängigkeit und den unsichtbaren Verbindungen, die Menschen über Generationen hinweg miteinander verknüpfen. Besonders beeindruckt hat mich die Art, wie sie Zeit, Erinnerung, Verbundenheit und Vergänglichkeit betrachtet.

Nicht als etwas, das einfach vergeht, sondern als etwas, das fortbesteht.

Die Geschichte hat eine unglaubliche emotionale Tiefe, die sich langsam entwickelt. Nach und nach fügen sich die einzelnen Lebenswege zu einem Gesamtbild zusammen. Vor allem die Frage, ob Menschen und ihre Geschichten nach dem Tod verschwinden, hat in mir viel Resonanz ausgelöst.

Da meine eigene Mama erst vor Kurzem verstorben ist, beschäftige ich mich momentan viel mit der Frage, was nach dem Tod kommt, ob man einfach ganz verschwindet und ob die Verbindungen zu den Menschen, die wir lieben, wirklich gekappt werden.

Ein berührendes, kluges und einfühlsames Buch. Mich hat dieser Roman tief bewegt und er wird mich wahrscheinlich noch lange beschäftigen.

Triggerwarnung: Das Buch behandelt unter anderem die Themen Tod, Sterben, Demenz, Alkoholabhängigkeit, Verlust und Trauer.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages

Rezensionen von Annaja:

Spannende Liebesgeschichte

Du musst mich vergessen von Rosie Walsh

Von annaja

Der Roman von Rosie Walsh ist eine bittersüße Liebesgeschichte.
Carrie hat nach einer missglückten, sehr kurzen Beziehung endlich ihr Glück und einen sicheren Hafen gefunden und ein zuverlässiger Ehemann und muntere 6jährige Zwillinge machen ihr Leben vollkommen. Den Job als erfolgreiche Chirurgin hatte sie davor auf Eis gelegt und nun nach langer Pause möchte sie das ruhige Leben aufgeben und wieder neu durchstarten.

Doch gerade hier beginnt für sie eine Wendung im Leben. Sie kommt nach und nach Geheimnissen auf die Spur, die sie und auch die Leser niemals vermutet hätten.
Der Roman wurde mit viel Emotionen verfasst und immer wieder gibt es neue, teils recht skurrile Überraschungen.
Eine sehr unterhaltsame, wenngleich auch manchmal etwas zu ausschweifende Geschichte in einem angenehmen Schreibstil, wird der beliebten Autorin mehr als gerecht.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Annaja

Rezensionen von bookloving:

Eine berührende Geschichte über Verlust und Neubeginn

Eine Maus namens Merlin von Simon Van Booy

Mit seinem Debüt „Eine Maus namens Merlin“ ist Simon Van Booy ein herzerwärmender Wohlfühlroman gelungen, der mit erfrischender Leichtigkeit von Einsamkeit, schmerzlichen Verlusten und der Bedeutung der kleinen, oft unscheinbaren Momente im Leben erzählt. Zugleich macht er deutlich, dass Neuanfänge selbst im hohen Alter möglich sind.

Feiner Humor, zart verwobene Melancholie und ein hoffnungsvoller Ausklang verbinden sich zu einer angenehm entschleunigenden und wunderbar einfühlsamen Erzählung.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 83-jährige Witwe Helen Cartwright, die nach sechzig Jahren in Australien in ihren Geburtsort nahe Oxford zurückkehrt und dort sie ein kleines, möbliertes Haus bezieht. Helens Alltag erschöpft sich in immer gleichen Routinen, geprägt von selbstgewählter Einsamkeit, Resignation und dem bewussten Verdrängen schmerzhafter Erinnerungen an die Menschen, die sie verloren hat – fast so, als warte sie nur noch auf das Ende ihres Lebens. Doch das unerwartete Auftauchen einer kleinen, zutraulichen Maus in ihrem Haus durchbricht diese Erstarrung und bringt Bewegung in ihr zurückgezogenes Leben.

Zunächst empfindet Helen die Anwesenheit des kleinen Wesens noch als lästige Störung und setzt alles daran, es möglichst schnell wieder loszuwerden. Doch notwendige Besorgungen im Tierhandel, in der Bibliothek und im Eisenwarenladen führen sie Schritt für Schritt aus ihrer Isolation heraus und lassen sie erneut mit anderen Menschen in Kontakt treten.

Mit seinem einfühlsamen Erzählstil zeichnet Van Booy Helens zögerlichen Wandel gekonnt nach. Allmählich wächst ihr die kleine Mitbewohnerin, die sie Merlin nennt, ans Herz. Die ungewöhnliche Freundschaft schenkt ihrem eintönigen Alltag nicht nur Struktur, sondern auch neue Bedeutung. Eindringlich zeigt der Autor in seiner berührenden Geschichte auf, wie wichtig Menschlichkeit, Nähe und das Gefühl, gebraucht zu werden, für ein erfülltes Leben sind. Mit feinem Humor und viel Feingefühl erzählt er in episodischen Rückblicken auf Helens früheres Leben und eröffnet dabei berührende Einblicke in ihre innere Welt und ihre bemerkenswerte Persönlichkeit.
Mit seiner hochbetagten Protagonistin hat der Autor einen bemerkenswert vielschichtig angelegten Charakter geschaffen. Anfangs verschlossen und spröde, gewinnt sie zunehmend an Tiefe und Wärme, sodass sie einem schnell ans Herz wächst und sorgt zum Ende hin sogar für einige überraschende Momente.
Trotz der insgesamt ruhigen Handlung gelingt es Van Booy, den Spannungsbogen spürbar zu verdichten und die Geschichte mit einem stimmigen, nachdenklichen Schluss ausklingen zu lassen.

ZUM HÖRBUCH
Schauspielerin Frauke Poolman ist eine eindrucksvolle  Umsetzung dieses zauberhaften Wohlfühlromans gelungen. Mit angenehmer Stimme und ihrem ruhigen Vortrag zieht sie uns mühelos in die leicht melancholische Geschichte hinein. Von beschaulichen Momenten, über feine Ironie bis hin zu humorvollen Episoden versteht sie es, die unterschiedlichen Stimmungen durch variierendes Sprechtempo und nuancierte Betonung lebendig einzufangen. Dabei gelingt es ihr immer wieder, uns ein sanftes Schmunzeln zu entlocken.

Insgesamt überzeugt Poolman mit einer exzellenten Lesung, die ein ebenso unterhaltsames wie herzerwärmendes Hörerlebnis bietet.

FAZIT
Eine stille, berührende Wohlfühlgeschichte über Einsamkeit, Verlust, die Magie unerwarteter Begegnungen und späte Neuanfänge.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von bookloving

Rezensionen von jori1020:

Leider eher enttäuschend

Freunde fürs Leben von Fredrik Backman

Fredrik Backman hat schon viele gute Bücher geschrieben. Sein neuester Roman 'Freunde fürs Leben' gehört für mich leider nicht dazu. Weder Handlung noch Figuren oder Sprache konnten mich wirklich überzeugen.

Zunächst zu der Handlung, die auf zwei Zeitebenen spielt: In der Gegenwart begleiten wir die 18-jährige Louisa, die in ihrem jungen Leben bereits einige Schicksalsschläge verkraften musste und Halt in der Kunst findet.

Insbesondere ein bestimmtes Gemälde zieht sie in seinen Bann. Als dieses versteigert wird, nutzt sie die Gelegenheit, diesem einmal ganz nahe zu sein. Durch verschiedene schicksalhafte Fügungen trifft sie schließlich den Maler des Bildes – wobei von „treffen“ kaum die Rede sein kann. Auf der Flucht vor der Auktion läuft sie ihn schlicht über den Haufen. Innerhalb weniger Sekunden erkennt er angeblich ihr großes Talent für Kunst, hält sie für eine Seelenverwandte und beschließt kurzerhand, dass einer seiner letzten Wünsche es ist, das Louisa sein Kunstwerk besitzen soll. So weit, so realistisch. Oder eben auch nicht.

Louisa und Ted, der Freund des Malers, begeben sich daraufhin mit dem Bild im Gepäck auf eine gemeinsame Zugreise. Während dieser erzählt Ted die Geschichte des Bildes und damit die Geschichte von vier Freunden und einem schicksalhaften Sommer. Das geschieht allerdings in kurzen Episoden, die oft sehr fragmentarisch wirken. Vieles wird mehrfach angedeutet, wiederholt oder aus leicht veränderter Perspektive erneut erzählt. Mehr als einmal denkt Ted über dieselben Erinnerungen nach, stellt dann fest, dass er Louisa davon ja noch gar nichts erzählt hat, und erzählt ihr dieselbe Geschichte noch einmal. Das soll vermutlich Spannung erzeugen, bei mir führte es eher zu Ermüdung. Einen klaren roten Faden habe ich über weite Strecken vermisst.

Mit keiner der Figuren wurde ich wirklich warm. Louisa ist zwar 18 Jahre alt, erinnerte mich aber häufig eher an eine schlecht erzogene Zwölfjährige. Sie weint ständig, behauptet regelmäßig, Ted würde sie entführen und macht gefühlt auf jeder zweiten Seite Witze übers Furzen. Warum dieses Thema derart präsent sein musste, hat sich mir bis zum Schluss nicht erschlossen. Ted wiederum ist noch keine vierzig, wird aber dargestellt wie ein Mann im Rentenalter. Über mehrere Seiten hinweg erfährt man ausführlich von seinen Blasenproblemen und sonstigen Gebrechen. Informationen, die für die Handlung komplett irrelevant sind. Alles wirkte irgendwie überspitzt und kein bisschen authentisch. Auch die Nebenfiguren bleiben über mehr als 500 Seiten erstaunlich eindimensional: Joar scheint keine Begegnung zu haben, ohne sich zu prügeln, der Künstler definiert sich fast ausschließlich über seine schwere Depression und Ali wird ständig als verrückt dargestellt.

Leider konnten auch die Sprache und die vielen pseudo-philosophischen Passagen mich nicht wirklich erreichen. Was tiefgründig wirken soll, erschien mir oft eher bemüht.

Insgesamt war das Buch für mich deutlich zu langatmig. Statt berührt oder mitgerissen zu werden, habe ich mich eher 'durchgelangweilt'.

Schade.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von jori1020

Rezensionen von Ele:

Hanna macht Pause

Pause von Lena Kupke

Pause, Roman von Lena Kupke, 320 Seiten, ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Der Tag als die Notärztin kam, war der Tag, an dem Hanna wieder zu ihren Eltern gezogen ist.
Hanna erleidet mitten in einer geschäftlichen Besprechung eine Panikattacke und wird ohnmächtig, sie wird sofort ins Krankenhaus eingeliefert, Von da aus wird sie von ihren Eltern erst mal mit nach Hause genommen Hilfsbedürftig und instabil wie sie ist, wird sie in ihrem ehemaligen Kinderzimmer untergebracht, welches inzwischen das Arbeitszimmer ihres Vaters ist.

Es ist schwierig für sie im Augenblick ihr eigenes Leben wieder aufzunehmen. Aber mit sechsunddreißig Jahren wieder, wie ein Kind mit den Eltern zusammenzuleben ist für alle drei nicht leicht.
Am Anfang habe ich mich etwas schwergetan, ins Buch und in Lesefluss zu kommen. Die Handlung setzt mitten im Geschehen ein, Chaos und Panik herrscht und was eigentlich genau los ist, erfährt der Leser während des ganzen Buches nicht. Irgendwann habe ich mir zusammengereimt, was im Vorfeld passiert ist, doch ganz genau weiß ich es auch nach der Lektüre noch nicht.
Die Autorin schreibt diese eigentlich tragische Geschichte mit viel Humor. Furchtbare unfassbare Abgründe, abwechselnd mit, ich würde es Galgenhumor nennen. Eine bittere Heiterkeit mit der die Protagonistin im Ich-Stil erzählt. Deshalb ist es auch möglich, ganz tief bis ins Innerste von Hanna zu blicken. Alle Figuren sind ausführlich und tiefgründig charakterisiert. Die Eltern und auch Schwester Sara. 24 pralle und aktionreiche Kapitel, in einer sehr modernen Sprache mit vielen lebendigen Dialogen. Whats App und Sprachnachrichten, auch Eigennamen sind kursiv hervorgehoben und deutlich gemacht.
Ich konnte mich mit der Protagonistin immer wieder identifizieren, zurück in die Kindheit und bei den Eltern wohnen, wie sich das anfühlen kann, hat sie hervorragend geschildert. Manche Dinge die sich niemals ändern, oder die man mit den Augen eines mittlerweile Erwachsenen sieht, hat die Autorin nachvollziehbar geschildert. Auch aus der Sicht der Eltern, kann ich mittlerweile die überraschende Anwesenheit eines erwachsenen Kindes, verstehen. Der Roman beschreibt Situationen die direkt aus dem Leben gegriffen sind, voller Emotionen und viel Liebe und absolut realistisch.
Dieser Roman hat mich tief berührt, die Ausweglosigkeit, die Hilflosigkeit und die Trauer von Hanna war so gut geschildert ich habe jedes Wort geglaubt. An manchen Stellen z.B. von der Vorgeschichte hätte ich gerne mehr Informationen gehabt. Ob sich Hanna, in ihrem Zustand, so prompt in eine neue Liebesbeziehung fallen lassen kann bezweifle ich jedoch. Gerne hätte ich etwas mehr erfahren, mir fehlt ein befriedigendes Ende.
Das Buch ist sehr tiefgründig und emotional bewegend. Ein Beispiel wie Unaussprechliches unausgesprochen bleibt. Trotzdem ist es kein trauriges Buch. 4 Sterne

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Ele