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Rezensionen von Ele95:

Bewegendes Debüt

Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tollkien

Mit beiden Händen den Himmel stützen, Romandebüt von Lilli Tollkien, Ebokk, Aufbau-Digital
Eine Jugend im Ausnahmezustand
Lale wird mit einem Abstinenzsyndrom geboren, weil ihre Mutter ihr schon pränatal Drogen verpasst hat, sie wächst in den 80er Jahren in Berlin, in der Männer-WG ihres Vaters auf.

der Vater, sitzt bei ihrer Geburt im Knast. Um das Pflegegeld zu bekommen, wird sie in dieser Gruppe aufgenommen, inmitten von Drogen, Rausch und Vernachlässigung, Grenzen werden ihr hier keine gesetzt. Wenn sich nicht wechselnde Lebensabschnittsgefährtinnen ihres Vaters um sie kümmern, ist sie knapp an der Verwahrlosung, antiautoritär und auch sexuell bedrängt, wird sie erwachsen und sucht ihren eigenen Weg. Alleine.
Autobiographische Roman, das Debüt der Autorin hat mich unheimlich betroffen gemacht, hier wird schonungslos und ernüchternd geschrieben, wie die Protagonistin aufwächst. Von vor ihrer Geburt bis zur Geburt ihres Sohnes, Ein Coming of Age Roman der es in sich hat. Geschrieben im Ich-Stil aus der Sicht von Lale. Die Sprache ist sehr direkt, Eigennamen, Film- und Liedtitel, sowie Zitate sind kursiv hervorgehoben. Der atmosphärisch dichte Roman ist erschütternd, ein Wunder, dass es die Autorin geschafft hat, der schwere Start, die Vernachlässigung ohne Autorität, in der Kommune zwischen Sex Drogen und Missbrauch. Immer wieder habe ich es kaum mehr ertragen und überlegt ob ich das Buch zur Seite lege, dennoch habe ich es fast in einem Rutsch ausgelesen. Wäre es nicht auf der Longlist des Buchhandels erschienen wäre ich wohl kaum aufmerksam geworden. Wieviel Autofiktionalität das Buch beinhaltet bleibt dem Leser überlassen.
Die Figuren haben mich regelrecht runtergezogen, keiner der Männer wie auch Frauen, sind positiv beschrieben. Am meisten haben mich ihre Eltern aufgeregt. Wie konnte ihre Mutter ihr das antun, wieso hat ihr Vater weggesehen, anscheinend hat sie ihn am Ende sogar noch aufopfernd gepflegt. Eine Welt die nicht meine ist. Ein Buch das einen ganz tief geht, ich persönlich war froh, dass ich durch bin, ich werde noch ein wenig daran zu beißen haben. Ich habe mich geekelt, wurde zornig und habe auch Tränen verdrückt. Trotzdem sollte es gelesen werden, es hat mich auch stark an „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ erinnert. Hochachtung vor der Autorin, Tollkien ist eine starke und vor allem kluge Frau, die Schule und das Lernen hat ihr scheinbar kaum Mühe gemacht. Im Gegenteil, die Regeln dort haben ihr wohl eher Halt gegeben.
Mit Vorsicht zu genießen, weil verschiedene belastende Themen zur Sprache kommen. Von mir eine Leseempfehlung und vier Sterne.

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Versteckte Kamera

Molka von Monika Kim

Molka, Psycho-Thriller von Monika Kim, Ebook Kiwi space
In diesem Spiel gibt es keine Zeugen - nur Täter und eine Frau, die nichts zu verlieren hat.
Dahye wird von Junjoung einem Kollegen beobachtet, durch eine versteckte Kamera auf der Toilette in der Firma, Doch Dahye beachtet ihn kaum, denn sie ist mit Hyukjoon zusammen, der zur Upperclass von Korea gehört, vermögend und einflussreich.

Sie denkt es ist die große Liebe, doch er nutzt sie nur aus und spielt Spielchen mit ihr. Bis es eines Tages eskaliert, Junjoung beobachtet sie und entdeckt was Dahye getan hat. er hat sie in der Hand.
Da Buch besteht aus 28 kurzen Kapiteln, nüchtern und flüssig erzählt. Der Schreibstil ist atmosphärisch dicht und in dualer Perspektive, zum Teil aus der manipulativen, paranoiden Gedankenwelt Junyoungs und zum anderen aus der Sicht Dahyes schüchtern und devot bis sie sich in eine Art Blutrausch steigert, ausgelöst durch die paranoiden und gruseligen Erscheinungen ihrer toten Schwester. Dieser doppelte Blickwinkel lässt den Leser nur so durchs Buch fliegen ich habe das Buch an einem Tag ausgelesen. Die eingearbeiteten Horrorelemente haben mir Gänsehaut ausgelöst, die Mordszenen sind schonungslos, also nichts für zartbesaitete Gemüter.
In dieser Geschichte gibt es allerdings wirklich nur Täter, Mörder, Geister die sich rächen, Eltern die ungerecht handeln, Vorgesetzte die Angestellte ausnutzen, Spanner, Erpresser, Vergewaltiger und Betrüger. Das Hauptthema ist Molka, koreanisch, für mollae-kamera, die Abkürzung bezeichnet das heimliche Platzieren von versteckten Minikameras in privaten Räumen, um Personen ohne deren Zustimmung zu filmen oder zu fotografieren. Diese Praxis ist in Südkorea zu einem weit verbreiteten Problem geworden.
Die Figuren konnte ich mir erschreckend gut vorstellen, anfangs mochte ich Dahye eine junge vielleicht etwas naive junge Frau, tüchtig bei der Arbeit, eine gute Freundin, die mit den Eltern ein schlechtes Verhältnis hat. Durch den Verrat von Hyukjoon und die Trauer um ihre Schwester steigert sich die Protagonistin in eiskalte Wut. Da war ich nicht mehr bei ihr.
Junyoung ist geprägt von Misogynie, die er schon als Junge von seinem Vater eingetrichtert bekam, ein mieser Voyeur und gemein zu seiner Mutter, Hyukjoon spielt mit den Frauen, er benutzt und quält sie, macht Videos mit denen er vor seinen Freuden renommiert, dann ghostet er die Opfer. Alle Männer kommen hier im Buch nicht sehr gut weg, die weiblichen Charaktere fand ich aber auch nicht besonders sympathisch. Das düstere Ende war mir zu verworren und schnell abgehandelt.
Wer gerne Fitzek liest, mag dieses Buch genießen, mir waren die Horror-Elemente zu viel. Obwohl ich das Buch schnell gelesen hatte und auch spannende und fesselnde Elemente dabei waren, hat es mich insgesamt aber eher verwirrt. Dafür 3 Sterne

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Was um die Zeitwende geschah

Im Jahr Null von Moritz Aisslinger

Im Jahr Null, Reportage aus der Antike von Moritz Aisslinger, Ullstein Ebooks
Rom Ägypten und ein Prophet aus Palästina und der Leser ist live dabei.
In den Jahrzehnten um die Zeitwende verdichtete sich die Weltgeschichte so sehr, dass es noch heute nachhallt. In Rom z.B. erhebt sich Augustus zum ersten Kaiser.

In China träumt ein schüchterner junger Mann von einer sozialistischen Utopie. Kleopatras Tochter wird als Kriegsbeute von Alexandria nach Italien verschleppt. Der Dichter Ovid wird zur Stimme einer neuen Generation und Vergil kündet an, ein Erlöser werde kommen, ein Mensch, gottgleich.
Das Buch besteht aus vielen Kapiteln die sich in Jahre gliedern, es beginnt im Jahre 29 v. Chr. Und endet 34 Jahre nach der Zeitwende. Die einzelnen Kapitel haben einen, den Inhalt zusammenfassenden Titel, einen Ort und eine Zeitangabe. Am Anfang sind zwei Weltkarten eingefügt, die die Orte der Handlung zeigen. Im Anhang findet man ein Personenverzeichnis, eine kurze Darstellung der wichtigsten Personen. Danach umfangreiche Literatur- und Quellenangaben, die dem Autor eine umfangreiche Recherche bestätigen.
Dieses Buch liest sich wie eine Reportage, aus etwa 60 Jahren um das Jahr Null. Und der Leser ist unmittelbar dabei. Der Autor versetzt den Leser mitten hinein in eine Zeit in die unsere Zeitrechnung begann. Ich habe mich des Öfteren mit Literatur aus der Antike, Geschichtsbüchern und Biografien der hier erscheinenden Figuren beschäftigt. Doch die Weise, wie es der Autor hier dem Leser präsentiert, ist eine ganz andere Herangehensweise. In Geschichtsbüchern findet man Beschreibungen über Völker, Personen oder Länder. Doch hier in diesem Buch beginnt der Autor ab einem bestimmten Zeitpunkt (29 v. Chr.) zu berichten, und lässt verschiedene Figuren, Geschehnisse etc. vorbeiziehen. Ein Jahr nach dem anderen wird unter die Lupe genommen, bildhaft und in moderner Sprache geschrieben, geht ein Jahr ums andere. Dabei berichtet der Autor z. B. was zur selben Zeit in China Rom, Germanien oder anderswo geschieht. Auch im Weltall (Kometen, Sonnenfinsternisse). Die Erzählung schreitet also chronologisch voran. Diese Art Geschichte zu erleben, war neu für mich und außerordentlich faszinierend, der direkte Vergleich der Kulturen, Wissensstand oder Zeitgeist ist greifbar. Die Geschehnisse werden nicht selten in Zusammenhang gebracht. Mir hat z.B. gefallen zu erfahren was in China passierte, als Arminius in der Varusschlacht die Römer vernichtend schlug.
Als Lehrbuch kann dieses Buch nicht angesehen werden, ich würde es als Reportage einer Epoche bezeichnen, der Autor bestätigt auch, dass er so anschaulich und zugänglich schreibt wie es ihm möglich ist, denn keiner weiß, auch er nicht, wie es sich wirklich zugetragen hat.
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten. Vieles, das ich kannte, ist hier in Verbindung gebracht worden. Der Autor hat gefällig und unterhaltsam geschrieben. Von mir eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

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Für immer Paris

Nächstes Mal für immer von Lucien Marant

Nächstes Mal für immer, Roman von Lucien Marant, 316 Seiten, erschienen bei dtv.
Eine Liebesgeschichte der besonderen Art.
Paris 1999
Mona ist zu einem Auslandssemester nach Paris gekommen, dort schließt die Freundschaften fürs Leben und lernt auch Thibauld kennen. Sie verlieben sich doch als das halbe Jahr vorbei ist, fährt Mona ohne Aussicht auf eine weitere Verbindung enttäuscht nach Hamburg zurück.

Paris 2019
Nach 20 Jahren kehrt Mona in die Stadt ihrer Träume zurück, dieses Mal ist sie gekommen um für immer zu bleiben, bald begegnet sie Thibauld. Sie verstehen sich noch immer so gut wie damals, haben die beiden eine zweite Chance?
Das Buch ist voller unerwarteter Wendungen und Verstrickungen, erst ganz am Ende wurde alles zu meiner Zufriedenheit und nachvollziehbar aufgeklärt. Das was ich hier erwartet habe wurde bei weitem übertroffen. Es handelt sich nicht um eine Second-Chance- Romanze, sondern um eine tiefgründige und faszinierende Liebesgeschichte, mit Urlaubssetting. Als mir bewusstwurde, dass ein Autor das Buch geschrieben hat war ich sehr überrascht, so voller Emotionen und tiefer Gefühle, da hätte ich eine Autorin erwartet. Der Schreibstil ist poetisch, sehr bildhaft und immer wieder gab es Stellen bei denen ich gelacht oder geweint habe. Das Buch besteht aus 15 Kapiteln, Pro- und Epilog erscheinen kursiv, es sind viele Eigennamen, bzw französische Phrasen eingestreut, die nicht übersetzt werden. Der Schreibstil ist auktorial aus der Sicht der Protagonistin, der ständige Zeitenwechsel zwischen 1999 und 2019 ist markiert, trotzdem ist es mir immer wieder passiert, dass ich nicht wusste in welcher Zeit ich gerade versunken bin. Ich war gefesselt und konnte das Buch erst aus der Hand legen als der letzte Satz gelesen war. Eine Playlist mit passenden Liedern gibt es zusätzlich.
Ich fand die Personen auch wunderbar herausgearbeitet, meine Lieblingsfigur war Lou, die Irin immer ein flotter Spruch auf den Lippen, sie sprüht vor Fröhlichkeit und macht gute Laune. Mona die Protagonistin, ist ernsthafter ihr Handeln ist so authentisch, sie wirkt so echt, die Beschreibung wie sie als Kind und Jugendliche gefühlt hat, sie ist mir so ähnlich, da habe ich mich ihr ganz nah gefühlt. Auch Thibauld ist gut charakterisiert, jede der Figuren meint man schon lange zu kennen.
Die Begründungen und Lösungen verschiedener Umstände sind ab und zu sehr weit hergeholt. Die Zeitenwechsel waren immer wiedermal zu abrupt
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich habe die Stimmung und das Setting genossen, viele Orte in Paris sind mir wieder in Erinnerung gekommen. Dieses Buch ist viel mehr als nur eine seichte Urlaubslektüre.
Meine Empfehlung und 4 Sterne

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Berge der Heimat

Bergjahre von Caterina Manfrini


Bergjahre, Roman von Caterina Manfrini, EBook, Verlag Rowohlt Kindler
Adalina und Emiliano kehren in ihre Heimat zurück.
1919 nach entbehrungsreichen und harten Jahren im Vertriebenen- bzw. Flüchtlingslager Mitterndorf, kehrt Adalina in ihre Heimat, Rovereto zurück, ihre Familie hat dort oben am Berg, schon seit vielen Generationen einen Hof.

Ihre Eltern sind gestorben und auch ihr Bruder Emiliano ist noch nicht aus dem Krieg heimgekehrt. Ganz alleine steht sie inmitten ihres verfallenen und vom Krieg halb zerfallenen Hofes. Doch Adalina ist stark, sie vertraut auf das alte Wissen, das was ihre Großmutter und ihre Mutter sie gelehrt haben. Langsam beginnt sie Kräuter, Hasen und alles was der Wald und die Natur ihr gibt auf dem Markt zu verkaufen, ganz langsam kann sie sich eine Ziege und 2 Hühner leisten. Doch sie spürt sie ist nicht alleine. Dann entdeckt sie Stefan einen vermeintlichen Deserteur, der verletzt ist. Die beiden begegnen sich mit Vorsicht, Stefan hilft ihr auf den Feldern und bei Reparaturen, bald werden zarte Bande geknüpft. Endlich kehrt auch Emiliano aus der Kriegsgefangenschaft zurück, es stellt sich heraus, dass Stefan nicht der ist, der er vorgibt zu sein.
Das Buch besteht aus drei Teilen, die betitelt sind. Insgesamt hat das Buch 45 schön geschriebene, bildmalerisch erzählte Kapitel. Ausdrücke und Phrasen in Mundart, sind kursiv hervorgehoben und auch übersetzt. Dort wo das Buch spielt treffen italienische und Tiroler Mundarten aufeinander, dies wird durch solche Ausdrücke deutlich gemacht, Die Mundart verleiht dem Roman ein unverwechselbares Lokalkolorit und schafft eine spürbare Nähe zur Region. Verstärkt noch durch die malerischen Natur- und Landschaftsbeschreibungen. Dazu kommen die mystischen Elemente, Mythen und spirituelle Bräuche und Sagen die die Geschwister von den Ahnen überliefert bekamen. Das hat mich sehr tief berührt.
Auch die Beschreibung der damaligen Zeit und der Lebensumstände, dieses Gebiet welches im ersten Weltkrieg schwer umkämpft war, die sog. Alpenfront, die Schilderungen haben mich tief berührt.
Die Figuren selbst sind so beschrieben wie ich mir Bewohner dort vorstelle, so rau wie die Landschaft, wortkarg und aufrecht. Beide Geschwister kommen gut mit der Einsamkeit zurecht. Trotzdem hatte ich alle Charaktere gerne, sie sind authentisch, ehrlich und auch sympathisch.
Es war äußerst interessant über diese Epoche und in diesem Gebiet etwas zu erfahren. Ich habe das Buch an einem einzigen Tag ausgelesen. Von mir 5 Sterne.

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Zertörungswut

Honey von Imani Thompson

Honey ein Rowohlt E-Book von Imani Thompson
Ein Streifzug durch diverse Genres
Yrsa ist Doktorandin in Cambride, sie ist sexy, sehr klug und sarkastisch. Ihre Dissertation zum Thema Afropessimismus stagniert, denn sie ist mit anderen Dingen beschäftigt, bitterbösen Dingen. Ihr erster Mord ist aus Versehen passiert, danach fühlt sie sich ausgesprochen lebendig, der zweite Mord geschieht im Affekt und von da ab steigert sie sich zur Serienmörderin.

Ich konnte das Buch keinem Genre zuordnen, eine wilde Mischung aus Thriller, Frauen-, oder auch Campusroman. Viele Worte und Phrasen waren mir nicht geläufig und ich musste mich zuerst einmal informieren, auch das Thema ihrer Doktorarbeit und überhaupt das soziale Thema welches diese jungen Frauen beschäftig, die mit Vehemenz versuchen zu beweisen wie woke sie unterwegs sind, ist mir fremd.
Wenn ich gewusst hätte was bei der Lektüre auf mich zukommt hätte ich das Buch wohl eher nicht gelesen, absolut danebengegriffen. Das Buch teilt sich in 3 Teile mit, auf den Inhalt hinweisenden Überschriften, die in Kapitel mit römischen Ziffern unterteilt sind. Gerne hätte ich von einer jungen taffen Frau gelesen, die sich an Männern rächt, das ganze mit raffinierten Methoden, evtl. auch ein wenig Zwischenmenschliches dabei. Eine schwarze Witwe habe ich erwartet, Doch hier ging es nur um Wutaktionen gegen Männer, die zum Ende hin nicht mehr nachvollziehbar ausgewählt wurden. Yrsa hat ein Spiel daraus gemacht und hat es immer mehr genossen, verfiel in einen regelrechten Rausch. Ich denke dahinter lag ein psychisches Problem, welches m. M. nach mit dem Tod ihrer Großmutter zu tun hat. Die ermittelnden Behörden sind dabei nicht gut weggekommen, nach dem Schlachtfeld in Felix Wohnung spätestens, hätte ich eine Überführung erwartet. Weder die Protagonistin noch ihre Freundinnen oder ihre Familie konnte ich besonders leiden, die einzig sympathischen Menschen im Buch waren Isiah und seine Großmutter Blake
Den angepriesenen Humor im Buch habe ich nicht gefunden oder nicht verstanden, die Emails, zitierten Vers- und Liedzeilen, Gedichte, vor allem die wie nachträglich eingeschobene Textstellen, für mich ohne Zusammenhang, die mir nicht zum Buch passend vorkamen haben mit irritiert und hatten für den Plot keinerlei Relevanz. Abgebrochen habe ich das Buch nur nicht, weil ich am Ende wissen wollte wodurch und wann Yrsa erwischt wird. Doch nicht einmal das Ende des Buches hat mir gefallen. Immer wieder habe ich weitergelesen obwohl ich längst den Faden verloren hatte.
2 Sterne.

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Ein packender Auftaktband

Der Prätorianer von Tobias Bukkehave

Der Prätorianer, Thriller von Tobias Bukkehave, EBook von ‎ dtv Verlagsgesellschaft
Dieser Killer hat seinen Opfern ein ganz besonderes Schicksal zugedacht.
Sara Levin und Janus West, ein vielversprechendes junges Ermittlerduo bei der Kopenhagener Polizei, werden zu einem schaurigen Tatort gerufen.

Das Opfer ist auf eine ganz besondere Weise inszeniert worden. Römische Statuetten auf einem Altar angeordnet, das Opfer teilweise verstümmelt mit einem weißen Leichentuch bedeckt, und auf den Augen zwei seltene, antike römische Goldmünzen. Das Opfer ist das erste einer grausigen Reihe von Ritualmorden, dazu kommt, dass Sara scheinbar in die Rituale verwickelt sein könnte. Ihr Vater Christian Levin ein verurteilter Mörder ist Geschichtsprofessor, der sich auf die römische Antike spezialisierte. Einige Artefakte und Gegenstände die an den Tatorten auftauchen waren ihr auch von zuhause vertraut. Mit in die Ermittlungen involviert als forensischer Psychologe, ihr Bruder Adam, der dem Vater nähersteht. Die Morde scheinen immer grausiger zu werden, die Stimmung wird immer beklemmender. Denn der Täter mordet meisterhaft, er kennt keine Gnade, denn er ist ….Der Prätorianer.
Das Buch teilt sich in 52 äußerst spannende Kapitel, der Ermittlungszeitraum ist vom 1. Bis zum 12. November. Schlag auf Schlag gibt es neue Opfer. Der Schreibstil ist flüssig und sehr bildhaft zudem auktorial, immer wieder aus Sicht einer anderen beteiligten Person. Besonders beklemmend fand ich die Kapitel aus Tätersicht, trotzdem kann der Leser dadurch den Täter nicht erkennen. Ganz lange habe ich gerätselt, schon zu Beginn den schlussendlich sich herausstellenden Mörder, falsch vermutet Das ist bis zum Ende im Dunkeln. Gut inszenierte Plottwists haben mich immer wieder auf die falsche Fährte geführt. Dazwischen eine trügerische Entspannung, denn das Ermittlungsduo Levin/West neckt und kabbelt sich durch die Ermittlungen, doch letztendlich können sie sich aufeinander verlassen. Ich finde beide sehr sympathisch, auch Adam Saras Bruder fügt sich gut ins Team. Damit ist ein Grundstein für weitere vielversprechende Bände gelegt, die ich ganz sicher weiterverfolgen werde. Endlich wieder eine Thriller-Reihe die mich überzeugt. Darauf freue ich mich sehr, denn das Ende zeigt deutliche Tendenzen, dass dies der Auftaktband einer Reihe ist.
Alle Figuren sind glaubhaft, ihr Handeln konnte ich nachvollziehen. Was mit Saras Vater noch kommt, da bin ich gespannt ob er in weiteren Fällen auch eine Rolle spielt. Mir hat gut gefallen, dass es auch bei den Ermittlern zwar Kompetenzgerangel gibt, jedoch zum Wohle der Ermittlungen hat sich jeder Beamte professionell verhalten. Durch die erste Auffinde-Situation schon ist das Spannungslevel sehr hoch und die Kurve steigt steil an. Auf den letzten Seiten konnte ich gar nicht mehr schnell genug lesen. Da war einiges dann schon etwas zu viel, die Beteiligten sind fast zu Helden aufgestiegen, wobei man das Adrenalin nicht aus den Augen lassen darf. Doch das hat nicht gestört, denn die Handlung war bis dahin absolut authentisch.
Ich mag die Antike ganz besonders die römische, dazu noch in einen Thriller verpackt, es war ein aufregendes und spannendes Leseerlebnis. Ich hoffe die Reihe geht so gut weiter, die Ermittler sind mir sehr sympathisch, ich freue mich schon auf den Folgeband. Hier gibt es 5 Sterne.

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Ihrer Zeit voraus

Die Komponistin von Alissa Wenz


Die Komponistin, Roman-Biografie von Alissa Wenz EBook, ‎ Verlag Klaus Wagenbach
Eine Romanbiografie über die Komponistin Mélanie Bonis.
Die Protagonistin geb. 1858, wächst in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Paris auf, der Tod ihrer kleinen Schwester prägte sie schon in frühen Jahren, ein sensibles und ruhiges Kind und sehr gläubig.

Nur durch selbsterdachte kleine Stücke am Klavier, das Klavierspielen hat sie sich auch selbst beigebracht, kann sie sich gut ausdrücken. Sie erhält Klavierunterricht und wird entdeckt. Die Eltern stimmten einem Studium am Pariser Musikkonservatorium zu. Dort kann sie sich, obwohl als Frau, gut behaupten sie belegt Klavierbegleitung und Harmonielehre. Dort lernt sie auch Amédée Louis-Hettich kennen. Die beiden verlieben sich und komponieren zusammen, sie veröffentlichen und sie benutzt den männlich klingenden Namen Mel Bonis. Doch aus der leidenschaftlichen Liebe wird nichts, ihre Eltern lehnen den Antrag von Amédée ab. Die Eltern drängen sie zu einer Ehe mit dem 22 Jahre älteren, und zweifach verwitweten Industriellen Albert Domange. Mit wenig Enthusiasmus komponiert sie kleinere Stücke, sie geht in ihrer Rolle als Mutter auf. Finanziell ist sie nun gut abgesichert. Nach Jahren trifft sie, den nun nach Paris zurückgekehrten und ebenfalls verheirateten Amédée, die beiden beginnen ein Verhältnis, ihre musikalische Zusammenarbeit ist sehr erfolgreich. Sie haben auch ein gemeinsames Kind. Noch immer wird in den einschlägigen Kreisen Mel Bonis als Mann vermutet. Als Frau wurde sie nie anerkannt und gewürdigt. Erst im 21. Jahrhundert erfährt ihr Werk wieder Aufmerksamkeit.
Das Buch ist sehr dicht und tiefgehend geschrieben. Nicht nur Musiker werden an diesem Roman ihre Freude haben, auch andere können das aufregende und mutige Leben dieser schaffensreichen Frau interessant finden, ich habe es genossen, obwohl ich „Mel Bonis“ bisher nicht kannte. Ich habe mir viele ihrer Stücke inzwischen angehört und finde sie faszinierend. Ich hoffe ihr wird die ihr gebührende Aufmerksamkeit zuteil. Wieder eine Frau aus der Vergangenheit die einiges mehr leisten musste um mit Männern mithalten zu können. Die einzelnen Kapitel sind voller Leben Musik und Emotionen und atmosphärisch unglaublich dicht gepackt. Durch die konsequente Nutzung der Du-Erzählperspektive schafft die Autorin eine beklemmende Nähe zur Hauptfigur, sie zieht den Leser mitten in das Geschehen, das ist anfangs doch sehr gewöhnungsbedürftig, der Leser ist kein passiver Beobachter, sondern wird zum Akteur gemacht. Das war neu für mich, aber ein tolles Leseerlebnis. Jedes Kapitel trägt einen zusammenfassenden Titel
Die Figur Mélanie ist hochinteressant, ihre tiefe Gläubigkeit, macht ihr schwere Schuldgefühle, nur wenn sie komponiert ist sie frei, schwere Schicksalsschläge kann sie nur mit ihrer Musik aushalten. Ich habe mich gefreut sie kennenzulernen. Wieder einmal hat sich bestätigt, wie abschätzig das Frauenbild zu dieser Zeit war, das macht mich – wieder einmal - sehr betroffen. Ihre Musik werde ich gewiss immer wieder anhören. Auch die anderen Charaktere sind authentisch, voller Leben und handeln nachvollziehbar.
Die Autorin, Alissa Wenz ist Autorin und ebenfalls Komponistin und Interpretin, das merkt man in jeder Zeile
Mit Interesse habe ich das Buch gelesen, empfehlen möchte ich es allen, nicht nur denen, die sich für klassische Musik begeistern. Von mir 4 Sterne.

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Nichts ist gut

Tutto bene von Laura Wagner

Tutto bene, Hipster-Roman von Laura Wagner, EBook, DUMONT Verlag
Modern erzählter Roman in moderner Sprache
Emma hat mit ihrer Familie kaum Kontakt, die Mutter trifft sie an Weihnachten, vor allem mit dem Vater hat sie den Kontakt abgebrochen. Sie hat Essstörungen, ist alkoholabhängig und hat ihr BWL-Studium abgebrochen.

Sie jobbt in einem Berliner Späti. Dort räumt sie Regale ein und verkauft Süßigkeiten und Softgetränke. Na, eben alles tutto bene. Da erscheint Ingrid, eine schlagfertige und mit allen Wassern gewaschene 15jährige, die dem Zocker, Energy-Drink-Trinker und Schoko-Junkie Udo und vor allem Emma zeigt, wie der Hase läuft.
Ganz langsam schleicht sie sich vor allem in Emmas Herz und das ist auch nötig, denn Emma alleine bekommt nicht einmal eine neue Beziehung, mit dem „Matrosen“ so richtig auf die Reihe.
Das Buch besteht aus kurzen intensiven Kapiteln. Geschrieben durchaus bildhaft, sehr flüssig, manchmal ging es mir etwas zu schnell. Vor allem in moderner Jugendsprache verfasst, vermischt mit Berliner Slang. Einige Worte und Bedeutungen musste ich nachschlagen, weil ich keine Ahnung hatte. Ja ich gebe zu es ist nicht meine Generation in der dieses Buch spielt, doch ein Buch in zeitloser Sprache kann bestehen, das wird in hundert Jahren noch verstanden, ich kann mir nicht vorstellen, dass etwas das heute cheesy oder goofy ist, in 100 Jahren nicht, nur noch belächelt wird. Es handelt sich also hier um ein Buch für eine kurze hippe Phase die in ein, zwei Jahren gar nicht mehr verstanden wird oder längst überholt ist. Ich könnte mir vorstellen, dass Leser, ab Generation Z aufwärts, das Buch schätzen, Ich bin wohl schon zu alt dafür.
Durchaus verstanden jedoch habe ich die Probleme der Protagonistin. Sie ist lebensunfähig, hält sich von ihrer Mutter weitestgehend fern, mit dem Vater hat sie vollständig gebrochen, was ich durchaus nachvollziehen kann. Sie säuft sich jeden Tag völlig zu, sie raucht zu viel, prokrastiniert und hat eine Essstörung. Sie ist nicht bindungsfähig, denn das macht sie sich selber kaputt, zum Glück gibt es da den „Matrosen“ der viel Verständnis und Einfühlungsvermögen für sie hat, denn kaum hat er mal keine Zeit, dann macht sie parallel mit dem Jäger rum. Manchmal habe ich mich gefragt wer die 15jährige ist, Emma oder Ingrid? Denn Ingrid schafft es, dass Emma ihr Leben nochmal resetten kann.
Die Personen sind allesamt ganz ok. Udo, Leo, Ali, mein Lieblingscharakter war Ingrid, die 15jährige die, der Mitte 20jährigen das Leben erklärt. Sie bekocht und an der Hand nimmt wie eine Mutti. Ja und Leo, der Matrose an dessen Stelle ich mir längst eine andere Freundin gesucht hätte.
Emma fand ich unsympathisch, chaotisch unselbständig und larmoyant.
Hatte das Buch schnell gelesen, Empfehlung für die o.g. Zielgruppe.
Von mir 2,5 wo nötig 3 Sterne

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Die Zerstörung Magdeburgs

Die Bluthochzeit von Wolf Hector

Die Bluthochzeit, historischer Roman von Wolf Hector, 540 Seiten, erschienen im Ullstein-Verlag-
Der Fall Magdeburgs im 30jährigen Krieg
1930 wird die protestantische Stadt Magdeburg von den kaiserlichen Truppen belagert. Der Magistrat hat ein Bündnis mit den Schweden geschlossen. Die eigensinnigen Bürger, wollen sich nicht ergeben, weil sie auf Hilfe des König Gustav Adolf II.

von Schweden warten. Doch die rettenden schwedischen Truppen lassen auf sich warten. So gelingt es dem geharnischten Mönch, Graf von Tilly, Magdeburg zu stürmen. Zwischen den Fronten ein Liebespaar, Teresa Werdenhagen und Caspar Ludolf Steinmann. Deren Schicksal eng mit dem der Stadt verbunden ist.
Das Buch besteht aus 60 überschaubaren Kapiteln, die mit Ort und Datum, sowie mit einem, das Kapitel zusammenfassenden Titel überschrieben sind. Das Gesamtwerk teilt sich in drei Bücher. Die Erzählform ist auktorial, ich finde es die hier sinnvollste Stilform, denn der Leser kann die Geschichte von allen Seiten und aus der Sicht aller Figuren genießen. W. Hector, schreibt mitreißend, sehr bildhaft, und historisch einwandfrei, Kleinigkeiten die Zeitlich angepasst wurden, sind genannt. Der Autor kann auch Romantik, dass hat er in den einzelnen Liebeszenen bewiesen, selten habe ich dermaßen ästhetische Szenen gelesen, alles klar vorstellbar und kein bisschen zum Fremdschämen. Etwas Besonderes, dieses Buch beginnt mit dem Ende, das ja auch jederzeit in den Geschichtsdokumenten eingesehen werden kann, es wird also nichts vorweggenommen.
Die Zeittafel, das Personenverzeichnis (fiktive Personen mit * markiert) auf den ersten Seiten und das Glossar auf den letzten Seiten habe ich anfangs des Öfteren zu Rate gezogen. Dieser Roman ist es wert langsam und bedächtig gelesen zu werden, die vielen Charaktere und ihre Zugehörigkeit machen dies nötig. Ab der Hälfte geht es flüssig voran und das dritte und letzte Buch habe ich mit Spannung inhaliert. Ein Buch wie für mich, die Begebenheiten und Kämpfe im 30jährigen Krieg faszinieren mich schon immer, jetzt habe ich über den Fall Magdeburgs so viel erfahren, ich kann dem Autor nur eine gründliche Recherche bestätigen. Die einzelnen Figuren sind fundiert beschrieben, sie handeln nachvollziehbar und sind authentisch. Etwas Mystik, durch die Seherin Edita und Bruder Sebastian ist auch dabei, dies hat meine Fantasie beflügelt. Es fügt sich gut ins Buch und ich habe jedes Wort gefühlt. Die historische Stadtansicht ganz zu Beginn hat mir ebenfalls gefallen, man kann sich gut vorstellen was für eine prächtige Stadt Magdeburg war, macht auch das Setting nachvollziehbar. Mit Interesse habe ich auch das Nachwort des Autors zur Kenntnis genommen, weitere Einblicke werden dadurch gewährt.
Schon lange habe ich keinen so schönen historische Roman mehr gelesen, bei dem Fakten und Fiktives so gelungen zusammengefügt waren. Die beigefügte Liebesgeschichte habe ich genossen, ohne Weiteres hätte dies ein Detail zu dieser Zeit, an jenem Ort gewesen sei können. Die historischen Figuren, waren sehr interessant, besonders gelungen die Beschreibung von Tilly und auch Domprediger Bake. Fasziniert haben mich vor allem, die starken Frauen im Roman, Teresa sowie Sabina, ein Leichtes sich in sie hineinzuversetzen. Noch viele weitere bemerkenswerte Figuren wären, Ludolf, sein Vater, Balthasar oder auch Nikola von Kalovac. Nur einen fand ich richtig mies, von Falkenberg den Hofmarschall des schwedischen Königs. Einen Vater wie ihn Teresa hatte, wünscht man sich wohl auch nicht.
Ich fand diesen Roman grandios, ich wurde bestens unterhalten und habe weitere Erkenntnisse über das Geschehen im 30jährigen Krieg erhalten. Ich habe mich am Buch erfreut und gebe gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

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