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Rezensionen von Ele95:
Josefs letzter Wunsch
Mirabellentage von Martina Bogdahn
Mirabellentage, Roman von Martina Bogdahn, 352 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
Nur wenn von zuhause weggeht, kann heimkommen
Als der Ortspfarrer Josef ganz plötzlich verstirbt, ist es für Anna, seine Haushälterin ein großer Schock. Schon von Kindesbeinen an waren die beiden befreundet und schon jahrzehntelang führte sie ihm den Haushalt.
Sie hat den Pfarrhof, den Garten und auch das gesellschaftliche, kirchliche Leben in Blumfeld im Griff. Sie ist ein wichtiger Teil des Gemeindelebens. Über Nacht erscheint Fridtjof, der neue Pfarrer, um den sie sich kümmern muss, die Beerdigung muss organisiert werden. Und dann ist auch noch Josefs letzter Wunsch den sie erfüllen will. Ein Geheimnis von dem keiner wissen darf, stellt Anna vor wichtige Entscheidungen.
Der Roman ist in kurze übersichtliche Abschnitte eingeteilt. Häufige Rückblicke in die Vergangenheit wechseln mit Abschnitten in der Gegenwart. Bogdahn schreibt flüssig und im Ich-Stil aus Sicht von Anna. Das Setting ist bildhaft geschildert, Gerüche und Geschmack sind so echt beschrieben, dass sie absolut greifbar und nachvollziehbar sind. Lesefluss war sofort da und innerhalb eines Tages hatte ich das Buch ausgelesen. Lustige Anekdoten und witzige Situationen, haben mich immer wieder schmunzeln lassen, doch auch die ernsthaften Abschnitte über Verlust und menschliche Tragödien haben mich nachdenklich gemacht. Die Autorin schreibt so leicht und so lebendig, man hat die Figuren vor Augen und meint jede Person zu kennen. Die Charaktere erscheinen natürlich und nicht wie geschaffen. Ganz besonders ergriffen haben mich die inneren Ansichten und Zweifel von Anna, das stellt eine Verbindung zur Protagonistin her, das macht sie authentisch. Alle Figuren sind durchweg sympathisch, das Dorfleben ist so liebevoll gezeichnet, ich habe mich sehr wohl gefühlt als ob ich dort auch zuhause wäre.
Ich mag Literatur dieser Art, unbeschwerte gute Unterhaltung, es muss nicht immer weltbewegendes passieren um eine gute Geschichte zu erzählen. Trotzdem hat der Plot Tiefgang. Gerade dies hat mir auch schon bei „Mühlensommer“ so gut gefallen, viele Parallelen kann ich zu eigenen Erlebnissen ziehen, Bogdahns Romane könnten hier, in der Nachbarschaft oder im eigenen Ort passieren. Die Autorin ist nicht weit entfernt von meiner Heimat aufgewachsen, viele geschilderte Dinge sind mir vertraut. Ein Hauch von Nostalgie und eine Prise Melancholie ist mit dabei. Deshalb genieße ich ihre Romane und hoffe, dass sie weitere schreibt.
Wem Mühlensommer gefallen hat, wird auch Mirabellentage genießen. Eine Leseempfehlung und von mir 5 Sterne.
Freundschaft ein Leben lang
Villa Rivolta von Daniel Speck
Villa Rivolta, Familiensaga von Daniel Speck, FISCHER E-Books
Eine auf wahren Begebenheiten beruhende Saga über Herkunft, Verlust, Schicksal und den Weg zur Selbstbestimmung im Mailand der 1950er und 60er Jahre.
Piero und Valeria sind Freunde, schon seit Kindheitstagen, obwohl sie in verschiedenen Gesellschaftsschichten geboren wurden.
Piero der Sohn von Renzo Rivolta, dem Direktor der Iso-Automobilwerke und Valeria die Tochter einer Hausangestellten. Während die Firma Rivolta immer weiter aufsteigt, muss Valeria mitansehen wie ihre Mutter eine unglückliche Affäre erlebt. Piero muss schon früh das Erbe des Firmenvorstands antreten und die Firma aus einer Krise retten, derweil Valeria sich in den sizilianischen Arbeitersohn Flavio verliebt. Die Journalistin und alleinerziehende Valeria erzählt ihre Lebensgeschichte auf der Flucht zu ihrem Kindheitsfreund, ihrem Sohn Tonino, der eine illegale Waffe gefunden hat.
Daniel Speck erzählt in einem leichten, flüssigen und auktorialen Stil. Zu jeder Zeit ist der Leser ganz nah dran am Geschehen, das Setting, die Personen, alles ist so schön bildmalerisch geschildert, dass man das Gefühl haben könnte mitten drin im Geschehen zu sein. Ich mag Italien, die Sprache die Musik, die italienische Lebensart. Kursiv erscheinen auch immer wieder italienische Phrasen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt, direkt wie im Italienurlaub. Wer sich für Automobiltechnik interessiert wird hier bei der Lektüre, seine helle Freude haben. Auch die meisten Figuren und ihr Innenleben sind hervorragend charakterisiert. Sie sind authentisch und glaubhaft. Piero und auch Flavios Vater Antonio mochte ich sehr gerne, sie waren meine Lieblingspersonen. Mit Flavio wurde ich nicht warm, seine Rebellion hat mich abgestoßen und auch Valeria war mir suspekt, ihre Handlungen konnte ich nicht immer nachvollziehen. Ihre Emanzipation hätte ich mir konsequenter gewünscht.
Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass oft viel zu ausführlich erzählt wurde, gerade mit den technischen Aspekten konnte ich nichts anfangen. Die großen gesellschaftlichen Themen haben mich angerührt und mich betroffen gemacht, hier hat Speck bei mir gepunktet. Die sozialen Unterschiede in der italienischen Gesellschaft in den 50er und 60er Jahren sind sehr gut geschildert. Die lebenslange Freundschaft und Verbundenheit zwischen Valeria und Piero fand ich wunderschön und fundiert beschrieben. Ganz besonders gut gefallen haben mir die Lebensweisheiten und Zitate, einige habe ich mir notiert. Eine schön erzählte atmosphärische Familiensaga, mit für mich, uninteressanten Längen im technischen Bereich.
Ein Roman in zwei Zeitebenen, für alle die Familiensagas mögen, die italienisches Ambiente genießen oder sich für italienische Autos begeistern. Von mir 4 Sterne.
Botschaft im Spiegel
Die Ärztin - Gefährlicher Besuch von Meike Dannenberg
Die Ärztin – Gefährlicher Besuch, Thriller von Meike Dannenberg, 286 Seiten, Lübbe-Verlag
Dr. Eva Mares, der 2. Fall.
Dr. Eva Mares bekommt eines Nachts einen mysteriösen Besuch, ein fremder Mann und seine hochschwangere Tochter stehen vor der Türe, angeblich geht es Nina nicht gut, doch Eva kann nichts Besorgniserregendes feststellen.
Trotz der Empfehlung der Ärztin erscheinen die beiden nicht am nächsten Tag in der Notfallambulanz zu weiteren Untersuchungen. Sie sind verschwunden. Zuhause entdeckt Dr. Mares einen Hilferuf auf dem Spiegel. Derweil die Polizei nach einer verschwundenen jungen schwangeren Frau sucht, im Raum steht häusliche Gewalt. Ein alter Vermisstenfall liegt im ebenso im Fokus der Behörden.
Es handelt sich hier um den 2. Band einer Reihe, Eva Mares hat in einem früheren Fall scheinbar schon einiges erlebt, sie selbst und die älteste Tochter, ja eigentlich die gesamte Familie, sind traumatisiert, der vorliegende Teil kann alleine für sich gelesen werden, doch ist es von Vorteil, Teil 1 bereits zu kennen. Deshalb habe ich am Anfang auch Mühe gehabt in Lesefluss zu kommen. Doch zu viele Personen und Geschehnisse werden vorausgesetzt, den zwischen den beiden Bänden ist gefühlsmäßig wenig Zeit vergangen. Eine Überflut an Ermittlern, Ärzten, Nachbarn Opfern und Verdächtigen, haben mich komplett verwirrt, noch ganz am Ende musste ich nach vorne blättern um zu sehen, werde der namentlich genannte Täter eigentlich ist, wo in der Geschichte er ins Geschehen passt. Das wäre vermutlich zu stemmen gewesen, wenn die Ermittler und die Familie von Eva mir bereits bekannt gewesen wären. Ich habe noch nicht einmal vollständig überblickt, wie viele Wohnungen die Familie Mares besitzt. Die Verbindung aus der Vergangenheit zwischen Eva, Mina und auch Frauke konnte ich bis zuletzt nicht durchschauen.
Kurze knackige Kapitel wechseln sich ab, jeweils aus der Sicht einer Frau, die als Überschrift über dem Kapitel steht. Ich mag zwar solche Kapitelwechsel, das beflügelt das Lesetempo, doch hier wäre manchmal etwas mehr Information von Vorteil gewesen. Ständig wird der Leser in einen anderen Strang zu einem anderen Ort geworfen.
Abgesehen davon, schreibt die Autorin flüssig und sehr spannend, ganz besonders am Ende habe ich keine Stelle gefunden um das Buch einmal zur Seite zu legen. Ich hätte doch zuerst den Vorgängerband lesen sollen, das kann ich auch weiteren Lesern empfehlen, eine gute Reihe, aber unbedingt in der Reihenfolge. Von mir dafür 3 Sterne.
Die tote Joggerin
Die Ärztin - Gefährlicher Besuch von Meike Dannenberg
Steirerzwist, Kriminalroman von Claudia Rossbacher, Ebook, Gmeiner-Verlag
Sandra Mohr ermittelt, ihr 15. Fall
Eine Hoteldirektorin wurde beim Joggen ermordet und in die Mur geworfen, unweit davon wurde auch ein Obdachloser ermordet aufgefunden. Stehen die Leichenfunde in einem Zusammenhang und warum mussten die Opfer sterben? Sandra Mohr ermittelt mit ihrem Team mit Hochdruck, bis sie selbst Morddrohungen erhält.
Im bewährten Modus, zuerst ein Mord und die Ermittlungsarbeit beginnt. So schreibt Claudia Rossbacher. Auch im 15. Fall, flüssig und unterhaltsam. Das Werk umfasst 29 Kapitel in idealer Leselänge. Ein spannender Krimi, mit den vertrauten Ermittlern, den man einfach nicht aus der Hand legen mag. Sandra Mohr kompetent und sympathisch, immer wieder hat die Autorin Einblicke in das Privatleben von Sandra geschaffen, das macht sie authentisch. Und ich mag auch Sascha Bergmann, der manchmal mit seinen Späßen etwas daneben liegt, auch mürrisch, aber ebenfalls ein guter Ermittler, die beiden ergänzen sich hervorragend und sind auch erfolgreich.
In den Steirerkrimis wird hauptsächlich die Arbeit der Ermittler beschrieben, deshalb sind sie auch so nachvollziehbar. Genau so stelle ich mir Polizeiarbeit vor. Stück für Stück, kommen die Ermittler der Lösung näher. Raum genug für den Leser um selbst mitzuraten – im whodunnit-Stil, mit überraschenden Wendungen. Erst am Schluss wurde mir langsam klar, wie es gewesen sein könnte.
Immer wieder wird auf vergangene Fälle hingewiesen, trotzdem steht jeder Teil für sich und kann auch in unabhängiger Reihenfolge gelesen werden. Das Setting ist ebenfalls gut beschrieben und so geht die Erzählung wie Kino im Kopf ab. Besonders charmant sind die schlagfertigen Dialoge in Mundart. Im anschließenden Glossar sind österreichische bzw. steierische Ausdrücke erklärt, auch die Abkürzungen, die die Polizeiarbeit betreffen.
Ich fühlte mich rundherum gut unterhalten. Es war spannend zu lesen. Ich hoffe auch, dass es nicht der letzte Steirerkrimi von Rossbacher war, gerne würde ich Mohr und Bergmann bei weiteren Fällen über die Schulter schauen. An einigen Stellen hätte ich mir die Beschreibungen ausführlicher gewünscht. Die Bedrohungen an Sandra waren im Buch so abrupt und plötzlich, doch auf jeden Fall verständlich, aufgeklärt.
Von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle die Krimis im whodunnit-Stil mögen und natürlich an alle Fans der Reihe.
Aufbruch und Freiheit
Restsommer von Kea von Garnier
Restsommer, Coming of Age-Roman von Kea von Garnier, 400 Seiten, Blessing-Verlag
„Es ist nur so, dass ich, bevor ich mich den Rest meines Lebens nur noch mit Toten beschäftige, gern selbst richtig gelebt hätte.
Dominik lebt im Zonenrandgebiet, wo sein Vater ein florierendes Beerdigungsinstitut betreibt, welches schon seit ein paar Generationen in Familienbesitz ist.
Eines Tages soll er das Institut übernehmen. Das erwartet sein Vater, doch je näher das Ende der Schulzeit rückt, desto mehr Zweifel kommen in ihm auf. Auch er hat Träume, von einem Leben, weitab von Toten und Beerdigungen. Doch kann er seinen Vater so sehr enttäuschen? Eines Tages verliebt er sich, doch diese Liebe verlangt Mut und Entscheidungen. Ein emotionaler Coming of Age Roman, der ans Herz geht.
Das Buch besteht aus 55 kurzen Kapiteln in idealer Leselänge, die mit Zahlen gekennzeichnet sind, Songtitel, anderssprachige Phrasen, Buchtitel und Eigennamen, sowie Chatverläufe sind kursiv hervorgehoben, somit deutlich dargestellt. Knackige Dialoge in Jugendsprache beleben den Roman.
Kea von Garnier schreibt fesselnd, flüssig einfühlsam und stimmungsvoll, ich bin nur so durch die Seiten geflogen, wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Voller Atmosphäre, voller Gefühle und spannend. Ganz tief kann der Leser in das Innenleben des Protagonisten blicken. Der Roman ist im Ich-Stil aus der Sicht von Dominik geschrieben.
Die Figuren sind nachvollziehbar charakterisiert und authentisch, dazu passt die von der Autorin gewählte Jugendsprache die glaubhaft rüberkommt. Das Setting ist hervorragend beschrieben, selbst die Hitze die in diesem Sommer vorherrscht konnte man richtig spüren. Die Figuren sind so toll geschildert und beschrieben, ich hatte die Szenen immer deutlich vor Augen. Jede Figur konnte ich mir lebhaft vorstellen. Die Liebesszenen sind ästhetisch und überhaupt nicht peinlich ausgeführt. Auch der Umgang mit den Verstorbenen, die im Institut betreut werden, ist angenehm aufgefallen, da beweist von Garnier sehr viel Einfühlungsvermögen.
Ein weiterer Punkt der mir gefallen hat, war die Darstellung, der Vater/Sohn Beziehungen und der Familienverhältnisse, bei Biff und auch in der Familie von Dominik. Ich hatte ständig das Gefühl so könnte es sich tatsächlich abgespielt haben. Die schönen Szenen auf der Tagebauhalde oder auf dem Hochhausdach etc. habe ich genossen, weil sie so stimmungsvoll geschildert wurden.
Diesen gefühlvollen, genretypischen Coming of Age Roman habe ich sehr genossen, das Lesen hat mir richtig Freude gemacht, für alle die Erwachsen-werden Romane mögen, möchte ich Restsommer empfehlen. Ein tolles Buch welches 5 Sterne verdient.
Augsburg im ausgehenden Mittelalter
Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen von Peter Dempf
Im Auftrag der Fugger: Teufelsreigen. Historischer Roman von Peter Dempf, 576 Seiten, erschienen im Lübbe-Verlag.
Der zweite Band der Reihe „Im Auftrag der Fugger“
Augsburg 1505, das Leben pulsiert im Heiligen Römischen Reich und mittendrin der Finanzier der Reichen und Mächtigen – Jakob Fugger, der Reiche.
selbst König Maximilian I, lässt sich seine Reisen durchs Reich von Jakob dem Reichen finanzieren. Doch Lagerhäuser der Fugger werden zerstört, Warentransporte werden ausgeraubt, die Boten und Fuhrleute werden ermordet. Wer will den reichen Handelsleuten schaden? Sind Jakob und seine Brüder etwa sogar in Lebensgefahr? Dies alles soll das mittelalterliche Ermittlerteam Afra und Herwart, die Boten Fuggers, ergründen. Wer steckt hinter den Anschlägen und aus welchem Grund werden sie verübt?
Im Vergleich zum Historiker hat es der Schriftsteller leichter. Er kann Fantasie und Realität vermischen und zu einer unterhaltsamen Geschichte verweben.
Der Roman teilt sich in vier Bücher, die aus nummerierten Kapiteln bestehen, die Bücher haben Titel, die Kapitel sind mit Ort und Datum versehen. Die Figuren der Handlung sind am Anfang des Buches erklärt, was sehr hilfreich war, historische Personen sind kursiv versetzt. Am Ende des Bandes befindet sich das Glossar darin werden mittelaltertypische Begriffe für den Leser erklärt.
In diesem Buch wird das ausgehende Hochmittelalter so greifbar und echt dargestellt, immer wieder findet sich der Leser mittendrin im Geschehen. Dies hat Dempf in seiner detailgetreuen und gut recherchierten Arbeit mit dazu flüssigem Schreibstil gut geschafft. Das Geschehen läuft im Kopfkino mit, ob auf Reisen, im goldenen Kontor oder im Fuggergarten, der Leser ist mittendrin und dabei. Die Figuren sind lebensecht geschildert, z.B. Jakob der Reiche, die Art an seiner Mütze zu nesteln, Zeno der Weißgesichtige und seine gruselige Erscheinung, sogar „Fugger“ Afras Hund, alles sehr authentisch. Ihre Handlungen sind nicht immer nachvollziehbar.
Was mir zu schaffen gemacht hat war die Länge der Handlung, die Wiederholung der immer gleichen Situationen, Afra und Herwart in der Klemme, der Hund greift ein, alle sind gerettet. Zeno erscheint, ist er wohl gut oder böse, er kommt wie immer davon. Bis zum Ende konnte ich das für mich nicht ganz endgültig entscheiden, Jakob selbst und Familienmitglieder geraten in Verdacht, und die Eggenbergerin verwitwete Gossembrotin, sie hat auf meiner Verdächtigen-Liste ein dauerndes auf und ab. Warum ihr letztendlich nicht Einhalt geboten wird habe ich nicht verstanden. Der Plot war für meinen Geschmacks etwas sehr verworren.
Im Nachwort wird dargestellt, wieviel der Vorkommnisse tatsächliche in Augsburg und im Reich in der damaligen Zeit geschehen sind. Dempf ist es gelungen daraus einen Historischen Kriminalroman zwar authentisch und zeitgemäß doch mit unnötigen Wiederholungen und Ungereimtheiten zu machen.
Für Leser die Historische Romane mögen zu empfehlen. Von mir 3 Sterne.
Den Unterschied kennen
Wo ist denn da der Unterschied? von Peter Dempf
Wo ist denn da der Unterschied, Jane Wilsher und Liz Kay, Duden-Verlag Berlin, 112 S., Ab 8 Jahre Cornelsen-Verlag.
Willkommen in der Welt der Unterschiede
In diesem reich und bunt illustriertem Buch macht es riesigen Spaß zu blättern zu schmökern, sich zu informieren und etwas dazuzulernen. Liebevoll illustriert und meist verständlich erklärt, werden hier kindgerecht verarbeitet die Unterschiede von Dingen die sich ähnlich sind oder die oft verwechselt werden.
Dieses Buch ist nicht nur ein Nachschlagewerk für Schulkinder, ich denke es ist auch schon zum Vorlesen für Vorschulkinder geeignet, denn die bunte Bebilderung spricht auch schon die Kleineren an. Selbst Erwachsene können hier das eine oder andere Detail erfahren. Sozusagen ein Buch für die ganze Familie.
Schon auf den ersten Seiten wird vorgestellt, was den Leser im Buch erwartet, 150 Antworten sind, in verschiedene Wissensgebiete, aufgeteilt z.B. Weltall, Pflanzen, Tiere, Dein Körper, Technik etc. Dazu liefert der Verlag auch die diversen Möglichkeiten wie das Buch gehandhabt werden kann, von: „einfach der Reihe nach durchlesen“ bis „direkt zum Lieblingsthema durchblättern“ oder ein „ein Unterschiede-Quiz veranstalten“, so viele Möglichkeiten um junge Leser für spannende Themen zu interessieren und dabei die Welt kennenzulernen.
Mir persönlich haben die Themen um den Körper und um Tiere und Pflanzen ganz besonders gut gefallen. Auch die Sparte Technik ist kindgerecht präsentiert. Verblüfft hat mich die Tatsache, dass ein Blitz heißer ist, als die Oberfläche der Sonne. Der Unterschied zwischen Rosinen Sultaninen und Korinthen. Mit Tornados und Hurrikanen kenne ich mich jetzt aus.
Ein Kritikpunkt bleibt jedoch, Einiges finde ich überflüssig zu erklären, der Unterschied zwischen Saxofon und Klarinette oder Dame und Schach, schlürfen und rülpsen u.v.m. Nicht verständlich oder mit zu wenigen Fakten erklärt waren etliche Unterschiede, Grasland und Savanne, Krokodil und Alligator da hätte ich mir deutlichere Bilder gewünscht, bei einigen auch mehr Fakten, der Unterschied zwischen Football und Fußball. Für die Vor- und Grundschüler sind die Erklärungen auseichend. Ab 8 Jahren wollen es die meisten eher genau wissen.
Ich habe mich der Reihe nach durch das Buch gelesen und war überrascht, wie verständlich und ansprechend hier Wissen vermittelt wird. Ein ähnliches Wissens-Buch hatte ich als Kind auch und es hat mir die Neugier für das Geschehen in der Welt nahegebracht. Ich werde dieses Buch auch weitergeben und auch verschenken, denn für mich gilt immer noch dieses Sprichwort: „Wissen ist Macht“. Und ich finde man kann gar nicht früh genug damit beginnen.
Dieses Erklär-Buch sollte in keiner Familie fehlen. Da die Erklärungen doch manchmal sehr beschränkt oder ungenau sind, würde ich das Lese/Nutzungsalter heruntersetzen, nicht ab 8 Jahre als Lese-Empfehlung, sondern als Vorlesebuch für die Kleinsten und zum Selberlesen max. im Grundschulalter. Eignet sich bestens als Geschenk. 4 Sterne
Die Anwältin der Toten
Die Totenklägerin von Greta Jung
Die Totenklägerin – Nichts ist vergessen, von Greta Jung, 352 S., Lübbe-Verlag
Ein atmosphärischer Spannungsroman.
Mathilda ist Trauerrednerin und auch Anwältin, sie ist bekannt dafür, dass sie für die Toten einsteht und bei Bedarf in ihren Reden auch unangenehme Dinge anzuspricht. Sie fühlt sich als Anwältin, den Toten verpflichtet.
Eines Tages wird sie von der 12jährigen Jackie engagiert, diese vermutet, dass Oma Resi getötet wurde. Bald bemerkt Mathilda, dass beim Ableben der alten Dame so einiges nicht stimmt. Zusammen mit Jackie beginnt sie zu recherchieren. Je näher sie der Wahrheit kommen, desto mehr Abgründe tun sich auf.
Das Buch teilt sich in 30 übersichtliche Kapitel in angenehmer Leselänge und ist aus der Sicht unterschiedlicher Figuren geschrieben, je nachdem kann der Leser die Ansichten von Jackie oder auch Mathilde, direkt verfolgen. Der Plot ist sehr spannend, flüssig und auch emotional. Wichtige Themen, die mich auch sehr beschäftigen werden angesprochen, das Leben in einem Altenheim, Sterbehilfe, Leben auf dem Land, Leben in einem Gebiet nahe der Grenze, Kinderarmut, diese Themen hat die Autorin sehr sensibel behandelt finde ich. Im Anschluss findet sich auch eine kurze Zusammenfassung zum Thema Sterbehilfe. Obwohl ich sonst auf die Haptik eines Buches bei der Rezension nicht eingehe, möchte ich feststellen, dass ich während der Lektüre immer wieder mit den Fingerspitzen die raue Oberfläche des stilisierten Engels auf der Vorderseite ertastet habe, das hat mir richtig gut gefallen, es fühlt sich tatsächlich wie eine Statue aus Stein an.
Interessant wie Mathilda bei ihrer Suche nach der Wahrheit, immer tiefer in die Familiengeschichte von Oma Resi eintaucht, nebenbei erfährt der Leser auch einiges über die Vergangenheit von Mathilda. Dieses Buch ist atmosphärisch sehr dicht. Es sind so viele interessanten Themen die angesprochen und behandelt werden. Außerdem finde ich die Idee – eine Trauerrednerin die auch ermittelt etwas Besonderes. Das ist mir noch nie in meiner Lektüre begegnet, deshalb hoffe ich, dass es von Mathilde, gemeinsam mit ihrer kleinen klugen jungen Freundin Jackie noch ein paar Fälle zu erlesen gibt.
Die meisten Figuren im Buch haben eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Selbst Nebenfiguren, Malika und deren Bruder. Lazlo und Udo. Ich hoffe, dass es da in eventuell weiteren Bänden noch mehr zu erzählen gibt. Natürlich Oma Resi und ihre Töchter, besonders die Familie von Irmgard, das Glashüttenimperium, alles so spannend und interessant. Nicht zuletzt natürlich die Protagonistin Mathilde und die Erzählung über ihre Jugend zusammen mit ihrer Mutter, im Laufe des Buches kommt immer mehr davon zutage. Es hat mich förmlich mitgerissen, mehr zu erfahren. Meine Lieblingsfigur war jedoch Jackie, so ein tolles Mädchen, voller Witz und Lebensklugheit und blitzgescheit, schon allein, weil ich wissen möchte wie es mit ihr weitergeht, wünsche ich mir eine Fortsetzung.
Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, es war spannend, ich habe mitgefühlt und auch mitgerätselt, habe gelacht und hatte Tränen in den Augen. Ich fand das Buch absolut gelungen und hätte sehr gerne eine Fortsetzung. Wer gerne Krimis liest, in denen es eine gute und schlüssige Handlung ohne unnötige Brutalität gibt, der sollte hier zugreifen. 5 Sterne
Auge um Auge
Am Hang des Todes von Lenz Koppelstätter
Am Hang des Todes, Krimi von Lenz Koppelstätter, 240 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
Commissario Grauner ermittelt, sein 11. Fall
Commissario Grauner, war mit seiner Frau Alba auf Weltreise und er kommt ganz verändert zurück, gelassener und entspannter. Währenddessen hat seine Tochter Sara die Alm zu einem Urlaubsresort umbauen lassen.
Doch kaum zuhause, überschlagen sich die Ereignisse. Bei einem Weltcup-Skirennen im Grödnertal, kommt der Lokalmatador zu Tode. Doch nicht durch einen unglücklichen Sturz. Nein, es wurde auf ihn geschossen. Grauner, Saltapepe und Tappeiner stürzen sich in die Ermittlungen.
Die im auktorialen Erzählstil geschriebene Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum vom 16.12., bis zum 19.12. Die einzelnen Tage sind mit einer Zeitangabe versehen und in Kapitel unterteilt, was mir sehr dabei geholfen hat, den Überblick zu behalten. Ein wortgewaltiger Krimi in einer mittunter düsteren Sprache, Buchtitel, Eigennamen und besondere Textstellen erscheinen kursiv gedruckt. Viele Dialoge – auch in italienischem Wortlaut, machen die Erzählung äußerst lebendig, Grauner flucht gerne italienisch. Am Anfang des Buches sind Karten und Links angegeben, mit denen man das Kartenmaterial auch auf der Homepage des Verlages finden kann. Flüssig und sehr bildhaft geschrieben, das befeuert die Lesegeschwindigkeit. die Landschaft prägt den Charakter der handelnden Figuren. Jede der Personen ist mir schon lange vertraut und doch entwickeln sie sich weiter, zeigen immer wieder Seiten die ich an ihnen noch nicht kenne. Der Plot hat mich von der ersten Zeile an gepackt, ich wollte nur noch wissen wie es weitergeht. Perspektivenwechsel, ungeahnte Wendungen und ein verblüffendes Ende, machen die Südtirol-Krimis für mich zu einem Highlight. Ganz kurz kam mir zur Lösung ein Anfangsverdacht, der sich am Ende als richtig herausstellte. Doch der Autor hat es tatsächlich geschafft, dass ich zuerst gründlich davon abgekommen bin.
Die Figuren sind so lebensecht, ich habe den Verdacht, dass es heimliche Bekannte des Autors sein könnten. Grauner z.B. vermag es auch im 11. Band noch mich zu verblüffen, die Weltreise mit seiner Alba hat ihn so verändert, zum Besseren, sehr sympathisch finde ich. Saltapepe überrascht mich auch in jeder Folge wieder, er ist ein Südtiroler geworden, so gut es nur für einen Neapolitaner möglich ist. Ein toller Ermittler ist er schon länger und auch Tappeiner war erneut kompetent und tough. Was für eine tolle Truppe, selbst Staatsanwalt Belli hat sich zu seinem Vorteil entpuppt. Und wieder sieht es aus, als ob es der letzte Fall für Grauner gewesen sein könnte, ich hoffe es nicht. Und wenn, dann wäre es schön wenn Saltapepe/Tappeiner in seinem Sinne weitermachen würden. Ohne die Krimis aus Südtirol, die mich immer wieder an Urlaubsorte/-Plätze erinnern, würde mir etwas fehlen. Dieses Mal war es der Langkofel, mir so vertraut, ich habe es genossen.
Der Fall war tragisch, emotional wie alle Koppelstätter-Krimis und es könnte ganz genau so passiert sein. Authentisch und glaubhaft. Die Lektüre rundherum eine Freude. Und wieder habe ich das Gefühl, es könnte der beste Band aus der Reihe gewesen sein. Dafür von mir 5 Sterne. Eine Empfehlung an alle, die spannende, nachvollziehbare Krimis mit Lokalkolorit mögen. Obwohl die Bände auch einzeln gelesen werden könnten. Meine Empfehlung - ganz von vorne beginnen.
Ein Nashorn am Strand
Es ist hell und draußen dreht sich die Welt von Dita Zipfel
Es ist hell und draußen dreht sich die Welt, Roman von Dita Zipfel, 219 Seiten, Insel-Verlag.
Starker Anfang driftet ins Skurrile ab.
Zwei Paare machen gemeinsam Urlaub in einem noblen Ferienhaus in Südfrankreich. Felix und Eva mit ihren beiden Kindern und Linn und Matze, die ungewollt kinderlos sind.
Während Felix viel Geld besitzt und dies auf protzige Art und Weise zur Schau stellt, sind Matze und Linn großzügigerweise für ein paar Tage eingeladen worden. Matze macht die gönnerhafte Art von Felix wenig aus, er ist es schon seit Schulzeiten gewöhnt in seinem Schatten zu stehen. Doch Linn hat ihre Probleme damit, Auch Eva die mit Kindersegen geradezu überschüttet wird, kann Linn nur neidisch begegnen, denn sie befindet sich in einer wenig erfolgreichen Kinderwunschbehandlung. Dennoch nähern sich die beiden Frauen immer mehr an, bis der Urlaub zu einem Desaster zu werden beginnt.
Die einzelnen Kapitel sind in idealer Leselänge, einige davon sind mit Wochentagen betitelt. Der Schreibstil war schwierig zu lesen. Kurze abgehackte Sätze, umgangssprachliche Ausdrücke, und die Art wie Felix mit Linn spricht: „Hey Alter, …“ haben mich völlig irritiert, Phrasen in Englisch und Französisch sind nicht übersetzt. In einem Chat, tauchen viele med. Fachbegriffe und Abkürzungen auf, die nicht näher erklärt werden. Die Handlung wird jeweils aus der Sicht der beiden Frauen erzählt. Der Perspektivenwechsel war sehr abrupt und hat mich immer wieder irritiert.
Am Anfang hat mich die Story amüsiert bzw. fand ich sie unterhaltsam. Sehr spannend fand ich die Beziehung zwischen den beiden Frauen, die sich gegenseitig bewunderten und keine der beiden dies ahnt. Ganz viele Emotionen, die Gefühle einer Mutter bzw. einer Frau die Probleme hat Mutter zu werden, haben mich tief berührt. Mir hat gefallen, dass sich die beiden immer mehr angenähert haben, von einer Freundschaft jedoch noch weit entfernt, deshalb kann ich das Angebot, welches Eva macht in keiner Weise nachvollziehen. Linn ist eine schwierige Person, sie handelt immer wieder auf eine seltsame nicht nachvollziehbare Art, schießt in ihren Handlungen und Reaktionen über das Ziel hinaus. Die unangenehmste Figur jedoch war Felix, dieser dekadente Selfmademan, der gern den „Big Spender“ gibt, sein Leitmotiv: „Geht nicht – gibt’s nicht, hat mich genervt, besonders wenn er mit Geldbündeln wedelt. Ein reicher Angeber der mit seinem Lebensstil die Welt in den Abgrund stürzt, ob seines riesigen CO2 -Abdrucks, den er hinterlässt und versucht sein Gewissen mit Greenwashing zu beruhigen. Matze war meine Lieblingsfigur, ruhig und besonnen, zu Linn und ganz oft auch zu Felix. Die Figuren sind extrem charakterisiert, direkt schon überzeichnet.
Ab dem Punkt als das Nashorn auftritt, driftet die Geschichte ins Unglaubliche ab, das offene Ende und weder die Handlung noch die Sprache konnten mich zufriedenstellen. Von mir leider nur 2 Sterne.










