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Rezensionen von Ele95:
Den Unterschied kennen
Wo ist denn da der Unterschied?
Wo ist denn da der Unterschied, Jane Wilsher und Liz Kay, Duden-Verlag Berlin, 112 S., Ab 8 Jahre Cornelsen-Verlag.
Willkommen in der Welt der Unterschiede
In diesem reich und bunt illustriertem Buch macht es riesigen Spaß zu blättern zu schmökern, sich zu informieren und etwas dazuzulernen. Liebevoll illustriert und meist verständlich erklärt, werden hier kindgerecht verarbeitet die Unterschiede von Dingen die sich ähnlich sind oder die oft verwechselt werden.
Dieses Buch ist nicht nur ein Nachschlagewerk für Schulkinder, ich denke es ist auch schon zum Vorlesen für Vorschulkinder geeignet, denn die bunte Bebilderung spricht auch schon die Kleineren an. Selbst Erwachsene können hier das eine oder andere Detail erfahren. Sozusagen ein Buch für die ganze Familie.
Schon auf den ersten Seiten wird vorgestellt, was den Leser im Buch erwartet, 150 Antworten sind, in verschiedene Wissensgebiete, aufgeteilt z.B. Weltall, Pflanzen, Tiere, Dein Körper, Technik etc. Dazu liefert der Verlag auch die diversen Möglichkeiten wie das Buch gehandhabt werden kann, von: „einfach der Reihe nach durchlesen“ bis „direkt zum Lieblingsthema durchblättern“ oder ein „ein Unterschiede-Quiz veranstalten“, so viele Möglichkeiten um junge Leser für spannende Themen zu interessieren und dabei die Welt kennenzulernen.
Mir persönlich haben die Themen um den Körper und um Tiere und Pflanzen ganz besonders gut gefallen. Auch die Sparte Technik ist kindgerecht präsentiert. Verblüfft hat mich die Tatsache, dass ein Blitz heißer ist, als die Oberfläche der Sonne. Der Unterschied zwischen Rosinen Sultaninen und Korinthen. Mit Tornados und Hurrikanen kenne ich mich jetzt aus.
Ein Kritikpunkt bleibt jedoch, Einiges finde ich überflüssig zu erklären, der Unterschied zwischen Saxofon und Klarinette oder Dame und Schach, schlürfen und rülpsen u.v.m. Nicht verständlich oder mit zu wenigen Fakten erklärt waren etliche Unterschiede, Grasland und Savanne, Krokodil und Alligator da hätte ich mir deutlichere Bilder gewünscht, bei einigen auch mehr Fakten, der Unterschied zwischen Football und Fußball. Für die Vor- und Grundschüler sind die Erklärungen auseichend. Ab 8 Jahren wollen es die meisten eher genau wissen.
Ich habe mich der Reihe nach durch das Buch gelesen und war überrascht, wie verständlich und ansprechend hier Wissen vermittelt wird. Ein ähnliches Wissens-Buch hatte ich als Kind auch und es hat mir die Neugier für das Geschehen in der Welt nahegebracht. Ich werde dieses Buch auch weitergeben und auch verschenken, denn für mich gilt immer noch dieses Sprichwort: „Wissen ist Macht“. Und ich finde man kann gar nicht früh genug damit beginnen.
Dieses Erklär-Buch sollte in keiner Familie fehlen. Da die Erklärungen doch manchmal sehr beschränkt oder ungenau sind, würde ich das Lese/Nutzungsalter heruntersetzen, nicht ab 8 Jahre als Lese-Empfehlung, sondern als Vorlesebuch für die Kleinsten und zum Selberlesen max. im Grundschulalter. Eignet sich bestens als Geschenk. 4 Sterne
Die Anwältin der Toten
Die Totenklägerin von Greta Jung
Die Totenklägerin – Nichts ist vergessen, von Greta Jung, 352 S., Lübbe-Verlag
Ein atmosphärischer Spannungsroman.
Mathilda ist Trauerrednerin und auch Anwältin, sie ist bekannt dafür, dass sie für die Toten einsteht und bei Bedarf in ihren Reden auch unangenehme Dinge anzuspricht. Sie fühlt sich als Anwältin, den Toten verpflichtet.
Eines Tages wird sie von der 12jährigen Jackie engagiert, diese vermutet, dass Oma Resi getötet wurde. Bald bemerkt Mathilda, dass beim Ableben der alten Dame so einiges nicht stimmt. Zusammen mit Jackie beginnt sie zu recherchieren. Je näher sie der Wahrheit kommen, desto mehr Abgründe tun sich auf.
Das Buch teilt sich in 30 übersichtliche Kapitel in angenehmer Leselänge und ist aus der Sicht unterschiedlicher Figuren geschrieben, je nachdem kann der Leser die Ansichten von Jackie oder auch Mathilde, direkt verfolgen. Der Plot ist sehr spannend, flüssig und auch emotional. Wichtige Themen, die mich auch sehr beschäftigen werden angesprochen, das Leben in einem Altenheim, Sterbehilfe, Leben auf dem Land, Leben in einem Gebiet nahe der Grenze, Kinderarmut, diese Themen hat die Autorin sehr sensibel behandelt finde ich. Im Anschluss findet sich auch eine kurze Zusammenfassung zum Thema Sterbehilfe. Obwohl ich sonst auf die Haptik eines Buches bei der Rezension nicht eingehe, möchte ich feststellen, dass ich während der Lektüre immer wieder mit den Fingerspitzen die raue Oberfläche des stilisierten Engels auf der Vorderseite ertastet habe, das hat mir richtig gut gefallen, es fühlt sich tatsächlich wie eine Statue aus Stein an.
Interessant wie Mathilda bei ihrer Suche nach der Wahrheit, immer tiefer in die Familiengeschichte von Oma Resi eintaucht, nebenbei erfährt der Leser auch einiges über die Vergangenheit von Mathilda. Dieses Buch ist atmosphärisch sehr dicht. Es sind so viele interessanten Themen die angesprochen und behandelt werden. Außerdem finde ich die Idee – eine Trauerrednerin die auch ermittelt etwas Besonderes. Das ist mir noch nie in meiner Lektüre begegnet, deshalb hoffe ich, dass es von Mathilde, gemeinsam mit ihrer kleinen klugen jungen Freundin Jackie noch ein paar Fälle zu erlesen gibt.
Die meisten Figuren im Buch haben eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Selbst Nebenfiguren, Malika und deren Bruder. Lazlo und Udo. Ich hoffe, dass es da in eventuell weiteren Bänden noch mehr zu erzählen gibt. Natürlich Oma Resi und ihre Töchter, besonders die Familie von Irmgard, das Glashüttenimperium, alles so spannend und interessant. Nicht zuletzt natürlich die Protagonistin Mathilde und die Erzählung über ihre Jugend zusammen mit ihrer Mutter, im Laufe des Buches kommt immer mehr davon zutage. Es hat mich förmlich mitgerissen, mehr zu erfahren. Meine Lieblingsfigur war jedoch Jackie, so ein tolles Mädchen, voller Witz und Lebensklugheit und blitzgescheit, schon allein, weil ich wissen möchte wie es mit ihr weitergeht, wünsche ich mir eine Fortsetzung.
Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, es war spannend, ich habe mitgefühlt und auch mitgerätselt, habe gelacht und hatte Tränen in den Augen. Ich fand das Buch absolut gelungen und hätte sehr gerne eine Fortsetzung. Wer gerne Krimis liest, in denen es eine gute und schlüssige Handlung ohne unnötige Brutalität gibt, der sollte hier zugreifen. 5 Sterne
Auge um Auge
Am Hang des Todes von Lenz Koppelstätter
Am Hang des Todes, Krimi von Lenz Koppelstätter, 240 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
Commissario Grauner ermittelt, sein 11. Fall
Commissario Grauner, war mit seiner Frau Alba auf Weltreise und er kommt ganz verändert zurück, gelassener und entspannter. Währenddessen hat seine Tochter Sara die Alm zu einem Urlaubsresort umbauen lassen.
Doch kaum zuhause, überschlagen sich die Ereignisse. Bei einem Weltcup-Skirennen im Grödnertal, kommt der Lokalmatador zu Tode. Doch nicht durch einen unglücklichen Sturz. Nein, es wurde auf ihn geschossen. Grauner, Saltapepe und Tappeiner stürzen sich in die Ermittlungen.
Die im auktorialen Erzählstil geschriebene Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum vom 16.12., bis zum 19.12. Die einzelnen Tage sind mit einer Zeitangabe versehen und in Kapitel unterteilt, was mir sehr dabei geholfen hat, den Überblick zu behalten. Ein wortgewaltiger Krimi in einer mittunter düsteren Sprache, Buchtitel, Eigennamen und besondere Textstellen erscheinen kursiv gedruckt. Viele Dialoge – auch in italienischem Wortlaut, machen die Erzählung äußerst lebendig, Grauner flucht gerne italienisch. Am Anfang des Buches sind Karten und Links angegeben, mit denen man das Kartenmaterial auch auf der Homepage des Verlages finden kann. Flüssig und sehr bildhaft geschrieben, das befeuert die Lesegeschwindigkeit. die Landschaft prägt den Charakter der handelnden Figuren. Jede der Personen ist mir schon lange vertraut und doch entwickeln sie sich weiter, zeigen immer wieder Seiten die ich an ihnen noch nicht kenne. Der Plot hat mich von der ersten Zeile an gepackt, ich wollte nur noch wissen wie es weitergeht. Perspektivenwechsel, ungeahnte Wendungen und ein verblüffendes Ende, machen die Südtirol-Krimis für mich zu einem Highlight. Ganz kurz kam mir zur Lösung ein Anfangsverdacht, der sich am Ende als richtig herausstellte. Doch der Autor hat es tatsächlich geschafft, dass ich zuerst gründlich davon abgekommen bin.
Die Figuren sind so lebensecht, ich habe den Verdacht, dass es heimliche Bekannte des Autors sein könnten. Grauner z.B. vermag es auch im 11. Band noch mich zu verblüffen, die Weltreise mit seiner Alba hat ihn so verändert, zum Besseren, sehr sympathisch finde ich. Saltapepe überrascht mich auch in jeder Folge wieder, er ist ein Südtiroler geworden, so gut es nur für einen Neapolitaner möglich ist. Ein toller Ermittler ist er schon länger und auch Tappeiner war erneut kompetent und tough. Was für eine tolle Truppe, selbst Staatsanwalt Belli hat sich zu seinem Vorteil entpuppt. Und wieder sieht es aus, als ob es der letzte Fall für Grauner gewesen sein könnte, ich hoffe es nicht. Und wenn, dann wäre es schön wenn Saltapepe/Tappeiner in seinem Sinne weitermachen würden. Ohne die Krimis aus Südtirol, die mich immer wieder an Urlaubsorte/-Plätze erinnern, würde mir etwas fehlen. Dieses Mal war es der Langkofel, mir so vertraut, ich habe es genossen.
Der Fall war tragisch, emotional wie alle Koppelstätter-Krimis und es könnte ganz genau so passiert sein. Authentisch und glaubhaft. Die Lektüre rundherum eine Freude. Und wieder habe ich das Gefühl, es könnte der beste Band aus der Reihe gewesen sein. Dafür von mir 5 Sterne. Eine Empfehlung an alle, die spannende, nachvollziehbare Krimis mit Lokalkolorit mögen. Obwohl die Bände auch einzeln gelesen werden könnten. Meine Empfehlung - ganz von vorne beginnen.
Ein Nashorn am Strand
Es ist hell und draußen dreht sich die Welt von Dita Zipfel
Es ist hell und draußen dreht sich die Welt, Roman von Dita Zipfel, 219 Seiten, Insel-Verlag.
Starker Anfang driftet ins Skurrile ab.
Zwei Paare machen gemeinsam Urlaub in einem noblen Ferienhaus in Südfrankreich. Felix und Eva mit ihren beiden Kindern und Linn und Matze, die ungewollt kinderlos sind.
Während Felix viel Geld besitzt und dies auf protzige Art und Weise zur Schau stellt, sind Matze und Linn großzügigerweise für ein paar Tage eingeladen worden. Matze macht die gönnerhafte Art von Felix wenig aus, er ist es schon seit Schulzeiten gewöhnt in seinem Schatten zu stehen. Doch Linn hat ihre Probleme damit, Auch Eva die mit Kindersegen geradezu überschüttet wird, kann Linn nur neidisch begegnen, denn sie befindet sich in einer wenig erfolgreichen Kinderwunschbehandlung. Dennoch nähern sich die beiden Frauen immer mehr an, bis der Urlaub zu einem Desaster zu werden beginnt.
Die einzelnen Kapitel sind in idealer Leselänge, einige davon sind mit Wochentagen betitelt. Der Schreibstil war schwierig zu lesen. Kurze abgehackte Sätze, umgangssprachliche Ausdrücke, und die Art wie Felix mit Linn spricht: „Hey Alter, …“ haben mich völlig irritiert, Phrasen in Englisch und Französisch sind nicht übersetzt. In einem Chat, tauchen viele med. Fachbegriffe und Abkürzungen auf, die nicht näher erklärt werden. Die Handlung wird jeweils aus der Sicht der beiden Frauen erzählt. Der Perspektivenwechsel war sehr abrupt und hat mich immer wieder irritiert.
Am Anfang hat mich die Story amüsiert bzw. fand ich sie unterhaltsam. Sehr spannend fand ich die Beziehung zwischen den beiden Frauen, die sich gegenseitig bewunderten und keine der beiden dies ahnt. Ganz viele Emotionen, die Gefühle einer Mutter bzw. einer Frau die Probleme hat Mutter zu werden, haben mich tief berührt. Mir hat gefallen, dass sich die beiden immer mehr angenähert haben, von einer Freundschaft jedoch noch weit entfernt, deshalb kann ich das Angebot, welches Eva macht in keiner Weise nachvollziehen. Linn ist eine schwierige Person, sie handelt immer wieder auf eine seltsame nicht nachvollziehbare Art, schießt in ihren Handlungen und Reaktionen über das Ziel hinaus. Die unangenehmste Figur jedoch war Felix, dieser dekadente Selfmademan, der gern den „Big Spender“ gibt, sein Leitmotiv: „Geht nicht – gibt’s nicht, hat mich genervt, besonders wenn er mit Geldbündeln wedelt. Ein reicher Angeber der mit seinem Lebensstil die Welt in den Abgrund stürzt, ob seines riesigen CO2 -Abdrucks, den er hinterlässt und versucht sein Gewissen mit Greenwashing zu beruhigen. Matze war meine Lieblingsfigur, ruhig und besonnen, zu Linn und ganz oft auch zu Felix. Die Figuren sind extrem charakterisiert, direkt schon überzeichnet.
Ab dem Punkt als das Nashorn auftritt, driftet die Geschichte ins Unglaubliche ab, das offene Ende und weder die Handlung noch die Sprache konnten mich zufriedenstellen. Von mir leider nur 2 Sterne.
Eine Chance für Waldmann
Waldmann von Thomas Ziebula
Waldmann: Flucht in den Tod, Thriller von Thomas Ziebula, 447 Seiten, Ullstein-Verlag.
Sie dachten sie sind in Sicherheit.
Seit vor sieben Jahren auf einem Bazar in Lagos seine Frau spurlos verschwunden ist, ist Johannes Waldmann in einem psychischen Ausnahmezustand. Sein erster Fall nach seiner Rückkehr führt in gleich in die schlimmsten Abgründe, Menschenhandel und Zwangsprostitution.
Ukrainische Flüchtlingsfrauen werden zur Prostitution gezwungen, ihnen werden Drogen verabreicht und sie werden misshandelt. Ein Lokalpolitiker wird ermordet aufgefunden. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Mit dabei ist die Journalistin Pia Luninger, die einen Artikel über die verschwundenen Ukrainerinnen schreiben will. Letztendlich mischt auch noch die mysteriöse Suse mit, die in einer Beziehung mit einem der Verbrecher steht und auch Kontakt zu den missbrauchten Frauen hat. Je tiefer Waldmann in den Fall verwickelt wird, desto mehr zieht er Vergleiche mit dem mysteriösen Verschwinden seiner Frau. Wird ihn das Trauma einholen?
Ich mag die Krimis von Ziebula, er schreibt spannend, bildhaft und sehr flüssig. Schon zu Beginn war ich schnell in Lesefluss. Die Spannung steigert sich mit jeder Zeile. In zwei Tagen bin ich durch das Buch geflogen und wollte es einfach nicht mehr zur Seite legen. Das Schicksal der ukrainischen Frauen und auch die Ermittlungen haben mich so sehr gefesselt. Das Buch besteht aus vier Teilen, die in überschaubare Kapitel, die mit Titeln, Orts- und Zeitangaben versehen sind. An jeder Stelle im Buch ist so die Übersicht gewährleistet. Dazwischen, in einer anderen Schrift, der Chat bzw. die Liebesbriefe von Sofia und Danylo. So authentisch, dass es mich zutiefst berührt hat. Mich hat die Art fasziniert mit der der Autor die Figuren und das Setting beschrieben hat, schon auf dem Bazar ganz am Anfang des Buches ist es mir aufgefallen, das Gefühl: Ich bin mitten drin, auf dem Bazar dabei. Ziebula ist auch ein Meister darin, Figuren zu beschreiben charakterlich und auch im Erscheinungsbild, jede einzelne Figur hatte ich deutlich vor Augen. Es sind zum Teil wirklich skurrile Typen, der Zylindermann mit der Hyäne, Rasta-man oder Suse und natürlich der sympathische Ermittler Waldmann, mit seinen psychischen Eigenheiten, seinen ungewöhnlichen Ermittlungsansätzen und Methoden. Mitsamt seinem Psychotherapeuten, dem Pater und dessen interessanten Therapieansätzen.
Das Thema ist brandaktuell, berührend und emotional. Die Spannung steigt von Kapitel zu Kapitel, Plottwists und ungeahnte Verwicklungen beleben die Story, das Ende habe ich mir ganz anders vorgestellt. Es war tatsächlich überraschend. Wird es wohl einen weiteren Fall mit Waldmann geben? Ich wäre dabei. Ich mag ihn.
Eine aktuelle emotionale Story, interessante Figuren, ein spannender Plot, ich fühlte mich bestens unterhalten. Empfehlung für Krimi-Fans die das Außergewöhnliche und auch besondere Ermittler mögen und natürlich für alle Ziebula-Fans. Von mir 5 Sterne
Den Kopfhunger loswerden
Die neue Wissenschaft vom Sattsein von Pia Roser
Die neue Wissenschaft vom Sattsein, Sachbuch von Dr. med. Pia Roser. Ebook. Gräfe und Unzer-Verlag
Dr. med Pia Rosser ist Internistin und Fachärztin für Endokrinologie und Adipositasmedizin.
Das Buch ist übersichtlich gestaltet, Die in der Inhaltsangabe angeführten Punkte lassen sich als Teile und Überschriften leicht finden.
Die Illustrationen sind bunt und einfache comicähnliche Zeichnungen, die Verschiedenen Peptide, Hormone etc. werden als Superhelden dargestellt und prägen sich ein. Am Ende eines jeden Kapitels werden die wichtigsten Informationen noch einmal zusammengefasst, dazwischen befinden sich Tabellen und Diagramme um das Gelesene zusätzlich zu vertiefen. Das Buch liest sich flüssig und locker, die Autorin erklärt mit deutlichen Worten auf unterhaltsame Weise. Am Ende befindet sich noch ein Stickwortlexikon für Fachbegriffe. Ich persönlich finde, dass es für mich von Vorteil ist solche Ratgeberbücher als Printexemplar zu lesen, im Ebook kann die Aufmachung einfach nicht so gut dargestellt werden. Das Lexikon am Ende ist im Printbuch auf leichter aufzuschlagen. Mir wichtige Informationen kann ich in einem gedruckten Buch schneller finden.
Zuerst einmal werden die Zusammenhänge des Stoffwechsels und das Geschehen im Körper beim Abnehmen deutlich und ausführlich und wiederholt dargestellt, die einzelnen hormonaktiver Zellen, Botenstoffe, Hormone und ihr Zusammenspiel werden eindringlich erklärt.
Es wird ganz genau erklärt wie man abnimmt, was Kopfhunger bedeutet, dass Stress oder Veranlagung mit in diesen Prozess wirken kann. Auch das Sport nicht zwingend schlank macht, welche Lebensmittel wie wirken und beim Abnehmen helfen, nichts was ich nicht auch schon lange gewusst hätte. Eine neue Erkenntnis habe ich eigentlich nicht gewonnen, ehrlich gestanden hat mich das Buch eher demotiviert. Denn wenn ich das richtig interpretiere, hat man eigentlich als sowieso schon Übergewichtiger, keine Chance überhaupt abzunehmen, weil diese ganzen Stoffe im Körper bei adipösen Menschen gar nicht richtig funktionieren. Auch hat mir überhaupt nicht gefallen, dass Dr. Roser in ihrem Buch behauptet, dass man eigentlich nur mit einer Magenverkleinerung oder mit der Abnehmspritze richtig an Gewicht verliert. Gerade die Abnehmspritze wird von ihr immer wieder positiv erwähnt. Sie zeigt zwar die Nebenwirkungen auf, sie werden im Buch aber als nicht so schlimm dargestellt. Von einer Freundin kenne ich das aber ganz anders.
Nichts Neues zum Thema Abnehmen, eher demotivierend und für meinen Geschmack zu positiv über Abnehmspritze und operativem Eingriff, von mir 2,5 also wo nötig 3 Sterne.
Kampf gegen Windmühlen
Der Retter der Mütter von Péter Gárdos
Der Retter der Mütter, historischer Roman von Péter Gárdos, Ebook, Hoffmann & Campe-Verlag.
20 Kapitel zum Teil mit Ortsangaben und Jahreszahlen.
Ignaz Semmelweis (1818 – 1865), praktizierte als Gynäkologe und Geburtshelfer in der 1. Geburtshilflichen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien.
Dort starben viele Mütter nach der Entbindung an Kindbettfieber. Semmelweis hat sich zur Aufgabe gemacht, die Gründe für diese schreckliche todbringende Krankheit zu suchen. Erst als ein befreundeter Arzt sich bei einer Obduktion in den Finger schneidet und letztendlich an den gleichen Symptomen, wie die betroffenen Mütter stirbt, ahnt er, dass hier ein Zusammenhang bestehen muss. Er vermutet Leichengift, denn das Wissen um Bakterien gab es noch nicht. Erschreckend wird ihm bewusst, dass die Ärzte selbst mit ihren eigenen Händen den Tod zu den Müttern bringen. Er veranlasst sofortige Desinfektion mit Chlorkalklösung. Doch neidische und missgünstige Kollegen zweifeln seine Theorien an. Die unangenehmen Waschungen setzen sich nicht durch, obwohl doch diese Hygienemaßnahmen für sich sprechen. Über dieses Anrennen gegen Windmühlen, und die Selbstverherrlichung vieler Kollegen, verliert Semmelweis schließlich den Verstand. Diesem Umstand ist auch sein nicht genau geklärter, früher Tod zuzuschreiben. Erst posthum wurde ihm die Würdigung und Anerkennung seiner Theorie zuteil, er gilt heute als Pionier der antiseptischen Medizin und wird verdient als „Retter der Mütter“ bezeichnet.
Ich fand dieses Buch sehr fesselnd. Medizingeschichte kann mich immer begeistern. Anfangs fand ich Semmelweis sympathisch und strebsam, leider konnte er sich nicht durchsetzen. Seine Theorie konnte er einfach nicht überzeugend darlegen. Die Überheblichkeit der Ärzte, weil sie eine andere Meinung nicht akzeptieren können, die ihrer eigenen Überzeugung widerspricht, dass sie die Schilderungen oder Symptome von Patienten nicht akzeptieren wollen, dieses „Halbgott in Weiß- Gehabe“ ist hier hervorragend beschrieben. Der spätere Semmelweis mit seinen seltsamen Launen, hat mich enttäuscht, leider. Warum Stolz so einen abgrundtiefen Hass auf Semmelweis hatte, wurde mir auch gar nicht so richtig klar, ich vermute, dass es hauptsächlich der blanke Neid war. Semmelweis‘ Ende wird im Roman etwas anders dargestellt als bisher beschrieben, da hätte mich schon interessiert ob Gárdos bei seinen Nachforschungen auf nähere Hinweise gestoßen ist. Eine gründliche Recherche von ihm, ist nicht von der Hand zu weisen. Der Autor hat sich gut in die medizinischen Fakten und historischen Zusammenhänge eingearbeitet und hat es hervorragend geschafft, sie auch für Laien verständlich darzulegen.
Die Figuren sind lebensecht charakterisiert, Gefühle werden glaubhaft und nachvollziehbar geschildert. Das Buch hat mich sehr bewegt. Wer mehr über den Vater der Hygiene auf unterhaltsame Art herausfinden will, sollte dieses Buch lesen.
Von mir 5 Sterne
Kleopatra erzählt
Kleopatra von Saara El-Arifi
Kleopatra: Roman einer Königin, historischer Roman von Saara El-Arifi, EBook Hoffmann & Campe- Verlag.
Ich bin Kleopatra. Dies ist nicht die Geschichte meines Todes. Sondern meines Lebens.
Kleopatra VII Philopator eine der berühmtesten Gestalten der Antike war die letzte aktive Herrscherin des ptolemäischen Königreichs Ägypten (69–30 v.
Chr.). Sie war bekannt für ihre politische Klugheit, Sprachkenntnisse und ihre Fähigkeit, Ägypten in einer Zeit römischer Expansion zu behaupten. Ihr Mythos ist uneingeschränkt, doch vieles ist Fiktion.
Eigentlich weiß ich über die legendäre Königin und Pharaonin Ägyptens schon so viel, fast alles, was es zu sagen gibt, oder geschrieben wurde, doch in diesem Buch begegnete ich ihr, in einer einzigartigen, ganz anderen Sichtweise. Die Autorin lässt ihre Figur selbst erzählen, in der Ich-Form spricht die Königin ihre Leser direkt an, dadurch entsteht das Gefühl dieser Legende sehr nahe zu kommen, ihre Geschichte und ihr Leben aus erster Hand zu erfahren. Das Buch besteht aus drei Teilen, die Hexe, die Hure und die Schurkin. Am Anfang der Teile sind jeweils Literatur-Zitate platziert. Der Roman gliedert sich in 30 aufregende Kapitel, die alle eine Zeitangabe haben. Am Ende des Buches werden die einzelnen Fußnoten erklärt, das fand ich sehr interessant noch zusätzliche Informationen zu erhalten.
Insgesamt hat mich dieses Buch vom ersten Kapitel an, gepackt und nicht mehr losgelassen, denn obwohl jeder Kleopatra kennt, gibt es hier den einen oder anderen Aspekt, wie es auch gewesen sein könnte. Muss es nicht, es ist Fiktion und eine Möglichkeit, wie die jede andere Interpretation ihrer Lebensgeschichte auch. Meine Lieblingsfigur Charmion, eine treue Freundin und sozusagen eine Gefährtin fürs ganze Leben, treu ehrlich und liebevoll. Die Protagonistin selbst bekommt von mir höchsten Respekt. In dieser Version wird sie sehr menschlich dargestellt. Hinter der strengen Königin, steht die Frau, die Geliebte, die Mutter die Freundin, Schwester, auch die Heilerin, das hat mir sehr gefallen. Ich finde auch Cäsar und Marcus Antonius, sind in diesem Roman gut weggekommen, beide waren es wert, von dieser großen Frau geliebt zu werden.
Ganz besonders schön fand ich die Beschreibung des Alltags und die Lebensumstände, des gemeinen Volkes in Rom und Ägypten. Das Leben bei Hof und die Feste und Triumphe die gefeiert wurden, waren nachvollziehbar und bildmalerisch dargelegt. Das lief tatsächlich wie Kino im Kopf bei mir ab. Ganz besonders die Kleider, die Kronen und der Schmuck waren außergewöhnlich gut beschrieben
Ich habe, das Buch kaum aus der Hand legen können. Ich habe mit Kleopatra gelacht geweint geliebt und gelitten, nur das Ende hat mir nicht so gut gefallen, das war mir zu viel Fantasy.
Ich war berührt und begeistert, von mir 5 Sterne für dieses ergreifende und hochemotionale Buch
Der Erlauchte
Der Silberbaum. Das Ende der Welt von Sabine Ebert
Der Silberbaum – Das Ende der Welt, Historischer Roman von Sabine Ebert, Knaur eBook
Der zweite Teil der Silberbaum-Reihe.
1241 das Ende der Welt scheint gekommen, das riesige grausame Tartaren-Heer, die goldene Horde genannt, steht bis auf ein paar Tagesritte entfernt vor Meißen. Eine riesige Herausforderung für den jungen Markgrafen Heinrich, doch wie durch ein Wunder zieht das Reiterheer wieder ab, da droht schon die nächste Gefahr.
Der Papst erklärt den Stauferkaiser Friedrich II für abgesetzt. Intrigen und Verrat muss Heinrich erfahren, immer wieder kommt es zu Kämpfen, doch Heinrich hat viele treue Vasallen an seiner Seite. Vor allem die Nachfahren der Hebamme Marthe.
Wieder einmal hat mich ein Roman von Sabine Ebert fasziniert, super unterhalten, mit Interesse durch die Seiten fliegen lassen. Die Autorin schreibt flüssig und nachvollziehbar, ein wenig Liebe und viel Spannung ist auch dabei. Sabine Ebert nimmt ihre Verantwortung ernst, alle historischen Figuren und das Geschehen sind authentisch, das fiktive Beiwerk ist gut angepasst und hätte genau so ablaufen können. Eine gründliche Recherche ist hier unabdingbar, die Autorin benennt im Nachwort ihre Quellen die auch für alle Interessierten zugänglich sind.
Zu Beginn sind zwei Karten von Mitteldeutschland eingezeichnet die zur Zeit des Geschehens passen, mit dem beigefügten Link können sie in angepasster Größe eingesehen werden. Ebenso erscheint eine Dramatis Personae übersichtlich nach Zusammengehörigkeit geordnet die historischen Personen sind gekennzeichnet. Das Buch besteht aus 5 Teilen die in Kapitel mit Überschrift und Zeitangabe gegliedert sind, zu jeder Zeit ist ein chronologischer Überblick möglich.
Besonders interessant fand ich die beifügenden Erklärungen der Autorin, die Grunde weshalb ich ihre Bücher so sehr schätze.
Die authentische Erzählung erklärt mir Wort für Wort und glaubhaft einen Teil der deutschen Geschichte, der mich besonders interessiert, ohne dass ich trockene Geschichtsbücher wälzen muss. Im Anhang gibt es zur Einordnung der Figuren die Familienstammbäume der beteiligten Adelsgeschlechter, der Staufer, der Wettiner etc. Da in diesem Buch sehr viele Personen spielen ist es sehr hilfreich, das Personenverzeichnis und die Stammbäume zur Hand zu haben. Beim Lesen sollte man sich schon konzentrieren. Die Hauptfiguren sind ganz besonders gut charakterisiert, oft handeln sie nicht klug, jedoch immer nachvollziehbar.
Meine Lieblingsfigur der junge Heinrich, der für mich lt. Schilderung den Beinamen der Erlauchte verdient hat. Klug, besonnen, gerecht, tapfer, gut zu seinen Ehefrauen und Kindern auch künstlerisch begabt – ein Gentleman seiner Zeit. Ich freue mich auf den abschließenden dritten Band.
Mit diesem Silberbaum Roman hat mir S. Ebert ein Stück deutscher Geschichte, unterhaltsam greifbar gemacht. Von mir 5 Sterne.
Abschließender dritter Teil
Die Berghebamme - Zeit der Kinder von Linda Winterberg
Die Berghebamme – Zeit der Kinder, historischer Roman von Linda Winterberg, EBook Aufbau Digital
Kinder-der-Berge-Saga, der Abschlussband
Maria ist als Dorfhebamme in Brannenburg angekommen, zusammen mit ihrem Gatten Georg, dem Landarzt, führt sie eine eigene Praxis. Zu ihrem Glück fehlt nur noch ein gemeinsames Kind.
Doch Maria fürchtet niemals ein eigenes Kind zu bekommen, deshalb sucht sie sich eine andere Aufgabe. Ein Wohnheim für verstoßene und ledige Mütter soll es sein. Doch die Brannenburger akzeptieren die Einrichtung nicht, ledige Mütter gelten als Schande und Maria muss mit viel Gegenwind kämpfen. Ihre Existenz, und auch das Leben der jungen Frauen, geraten durch einen schlimmen Vorfall in Gefahr.
Das Buch besteht aus 31 Kapiteln, alle mit Datum versehen. Einfühlsam und bildhaft geschrieben. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, sie zieht einen förmlich in den Bann und das von der ersten bis zur letzten Zeile. Ich mag die Hebammenromane von Linda Winterberg, sie schreibt so emotional und hat mich wieder in ihren Bann gezogen. Alles ist nachvollziehbar und logisch. Die Landschaft und die Epoche prägen den Charakter der handelnden Figuren, sie handeln so echt und authentisch, bei jedem Satz hatte ich das Gefühl, so könnte es dort in den Bergen und zu der Zeit gewesen sein. Das ist der letzte Band der Reihe, die ich alle gelesen habe, deshalb habe ich eintiefe Verbundenheit mit den Charakteren gespürt. Ihr Schicksal ist mir sehr nahe gegangen. Wie im wirklichen Leben, ist jede Geburt gefährlich für Mutter und Kind, auch das wurde hier sehr deutlich vermittelt.
Ich mag Maria, eine starke Frau und tüchtige Hebamme. Traurig fand ich das beschriebene Schicksal von ledigen Müttern zur damaligen Zeit, zumeist ohne Schuld in Not geraten, mussten Mädchen und Frauen, dies ertragen, es waren Katastrophen die Frauen das Leben kosten konnten. Schön, dass hier des Öfteren zur Sprache kam, dass die Frauen nicht alleine schuld an ihrer Situation waren. Dankbar dafür, dass es jetzt über hundert Jahre später, so viel besser ist. Das Schicksal dieser als Bankert bezeichneten Kinder hat mich zutiefst angerührt.
Ein würdiger Abschluss der Saga, sehr gerne hätte ich das Schicksal der Bewohner auf dem Dammerhof noch weiterverfolgt. Ein Muss für die Leser der Reihe, die Romane sollten alle in der richtigen Reihenfolge gelesen werden. Von mir 5 Sterne.











