Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ele95:
Die seltsame Puppe
Tödliche Nachlese von Matthias Melich
Tödliche Nachlese, Krimi von Matthias Melich, 311 Seiten, Draupadi Verlag
Der nächste Putt könnte der letzte sein.
Im Weinort Malsch, im beschaulichen Kriechgau bringt eine Voodoo-Puppe, die auf der Kirchentreppe liegt, die Mesnerin und den Lektor Tobias durcheinander. Handelt es sich um ein Überbleibsel von der feuchtfröhlichen Faschingseröffnung am Abend davor? Gibt es in Malsch einen Voodoo-Kult oder handelt es sich um eine Warnung? Ein Jahr zuvor hatte Tobias und sein Tennisfreund Dominik, einen Mordserie aufgeklärt die den ruhigen Ort in Aufruhr gebracht hat.
Es erhärtet sich der Verdacht, dass sich der Bruder des Täters, für den Tod seines Bruders, an den beiden rächen will.
M. Melich schreibt den Kriminalroman aus der Sicht der beiden Freunde, abwechselnd lässt er Dominik und auch Tobias zu Wort kommen, ganz nah ist der Leser da dran an der Geschichte, erfährt die Vorkommnisse direkt aus erster Hand. Sehr viel Dialoge, machen die Erzählung lebendig, der Autor verwendet in seinem Buch etliche Stilmittel die die Stimmung direkt implizieren. Je nachdem ob die Figuren schreien, flüstern oder zeitverzögert sprechen hat der Autor diverse Schriftarten gewählt, selbst die Gedanken des Killers sind kursiv hervorgehoben. Dies habe ich bisher noch nie so deutlich erfahren, es gefällt mir wirklich gut und kommt an. Es zeiht den Leser tatsächlich noch intensiver in die Abläufe und Geschehnisse.
Insgesamt war der Kriminalroman verhalten spannend, hat aber leider immer wieder Szenen bei denen ich mich nicht wohl gefühlt habe, denn unsere beiden „Helden“ benehmen sich mitunter sehr komisch, zum Teil hysterisch, linkisch, sie übertreiben maßlos. Auch Nebenfiguren wie Hitman Hartmann (Höhöhö), waren nach einiger Zeit nicht mehr lustig. Immer wieder kamen alltägliche Szenen die so ausführlich beschrieben waren, dass ich sie nur überflogen habe, z.B. das Aufladen eines E-Autos über 11 Zeilen.
Die letzten 50 Seiten haben mir besser gefallen, da zieht die Spannung an, da wird es nochmal richtig brenzlig. Letztendlich hat mich auch das Ende nicht zufriedengestellt. Eine nachvollziehbare Aufklärung habe ich vermisst, das war den involvierten „Hobbyermittlern“ wohl selbst nicht ganz klar, bzw. es wurde dem Leser nicht erklärt. Die Figur Ritter kann und konnte ich auch nicht so ganz einordnen.
Ich habe für meine Verhältnisse lange am Buch gelesen, konnte es auch jederzeit und mitten im Kapitel zur Seite legen. Insgesamt vergebe ich 3 Sterne
Die Großen in der Kita
Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita von Jasmin Schaudinn
Die Vorschulprofis, Kinderbuch ab 5 Jahre, von Jasmin Schaudinn und Sandy Thißen, 144 Seiten, Baumhaus-Verlag
Vorlesegeschichten mit Spielideen und Tipps für Kita-Abschied und Schulstart.
Dieses Buch ist rundherum gelungen, schon die Umschlaginnenseiten machen Lust dieses Buch anzusehen und sich vorlesen zu lassen.
Vorne kann das Buch personalisiert werden, Namen und Lieblingsdinge können hier eingetragen werden, damit wird ganz klar, welchem Vorschulprofi das Buch gehört. Auf den hinteren Umschlagseiten sind die Protagonisten des Buches vorgestellt.
11 Kapitel mit diversen Themen weisen auf den Inhalt des Kapitels hin, am Kapitelende findet sich eine Seite, die wie eine Pinnwand gestaltet ist. Hier finden sich Hinweise und Tipps für Eltern und Erzieher. Was mit dem Thema im Kapitel geübt und trainiert wird, welche Fähigkeiten außerdem gefördert werden. Die einzelnen Spiele werden nochmals erklärt auch welches Material dazu gebraucht wird.
Dazwischen befinden sich QR Codes, damit kann man kleine Videos ansehen, wie z.B. das Vorschullied. Ich persönlich finde, dass in diesem Buch sehr oft Handy/Smartphone zum Einsatz kommt, als Stoppuhr, für Videos etc. das finde ich ein wenig schade, das schon im Vorschulalter auf solche Geräte wie selbstverständlich zurückgegriffen wird. Vielleicht bin ich hier auch ein wenig überempfindlich.
Besonders gut fand ich, z.B. die Episode mit Emils Cochlea-Implantat, oder mit Almas Augenproblemen, ganz natürlich werden körperliche Einschränkungen da zur Sprache gebracht. Verschiedene Ethnien, körperliche Einschränkungen, queere Elternschaft, all das ist so selbstverständlich behandelt wie es auch im echten Leben vorkommt. Vielfältig und alltagsnah.
Und so werden aus den Großen in der Kita, die Vorschulprofis und dann ist er auch schon da, der letzte Tag in der Kita. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge und viel Vorfreude auf den Schulstart, wird das Thema sehr liebevoll und einfühlsam behandelt. Die verschiedenen Profis sind so unterschiedlich wie Kinder halt sind, sie sind gut charakterisiert und authentisch, eben richtig echt. Überzeugt hat mich auch die liebevolle Illustration von S. Thißen, und die lebensfrohen Texte von J. Schaudinn.
Ich habe dieses Exemplar auch an mein Nachbar-Vorschulkind weitergegeben, die Eltern sind ebenfalls begeistert und der Vorschulprofi hat schon viele Spiele und Basteleien ausprobiert, am besten kam natürlich der Vulkan an, der war echt der Renner auf seiner Geburtstagsparty.
Ich finde jedes Vorschulkind sollte dieses Buch besitzen, es bereitet die Kinder spielerisch und liebevoll auf die Einschulung vor. Die beschriebenen Spiele sind wirklich toll, da bekommt man Lust sie auch auszuprobieren. Ich bin überzeugt vom Buch und werde es sicher auch bei passenden Gelegenheiten verschenken. Eine Empfehlung und 5 Sterne von mir.
Düster und beklemmend
Der Fährmann von Regina Denk
Der Fährmann, Historischer Roman, Regina Denk Ebook, Droemer-Verlag
Schicksal, Freundschaft, Leidenschaft und Liebe. Dazu die Naturgewalt des Flusses, es hat mich förmlich mitgerissen.
Elisabeth genannt Lisi, Annemarie und Hannes sind von Kindesbeinen an befreundet, die drei waren unzertrennlich, bis die Liebe, Eifersucht und Gehorsam bzw.
Pflicht der Familie gegenüber, alles zerstört. Die Großbauersttochter Lisi und Hannes lieben sich, schon als er im Kindesalter beinahe gestorben wäre, hat sie sich um ihn gesorgt. Aus Pflichtgefühl und weil es die Eltern so bestimmten, soll sie Josef heiraten, damit Geld zu Geld kommt. Josef, ein reicher Bauernsohn, der vom Vater ohne Liebe und mit starker Hand erzogen wurde jedoch, gefällt die forsche Annemarie, die schneidige und wilde Wirtstochter, die schwer schuften muss und von den Eltern angehalten wird, sich bei den männlichen Gästen anzuschmeicheln. Annemarie jedoch ist heimlich auch in den blondgelockten, fröhlichen Hannes verliebt Hannes letztendlich ist der Fährmann, der die Fähre auf der Salzach zwischen Bayern und Österreich betreibt. Der Fährmann allerdings muss ledig bleiben so will es das Gesetz, denn dieser Beruf ist so gefährlich und die Gemeinden wollen für die möglichen hinterbliebenen Angehörigen nicht aufkommen müssen. Dazwischen die Salzach, bedrohlich und reißend die, was sie einmal in ihren Fluten mitgenommen hat, sich nicht mehr entreißen lässt.
Ich habe „Der Fährmann“ geliebt, ich habe das Buch von der ersten Zeile bis zum Schlusspunkt in einem Rutsch durchgelesen, die halbe Nacht hindurch, weil ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Schicksale der Personen haben mich so sehr berührt, ich habe mit ihnen gelitten und geliebt und geweint. Das Buch hat mich ordentlich mitgenommen und aufgewühlt, dies ist mir auch bei der Schwarzgeherin von selbiger Autorin passiert, hier noch etwas mehr. Unglaublich mit welcher Kraft, mit welcher Gewalt, Denk zu schreiben vermag. So bildgewaltig und stark in der Sprache, ist mir nur selten untergekommen. Ich wünschte mir, dass diese beiden Bücher verfilmt würden. Alle Figuren, die guten wie auch die Bösen sind so echt, so unglaublich gut gezeichnet, so authentisch, dass es mich z.B. bei der Beschreibung von Josef, nach seinen Kriegsverletzungen, einfach nur überzeugt hat, ich habe direkt mitgelitten. Ich habe die Angst von Lisi gespürt, die Zweifel und den Kummer vom Hannes, dies alles hat die Autorin mit einer Wortgewalt beschrieben, es hat mich zutiefst beeindruckt. Auch die Beschreibungen des Settings war überzeugend, die Hütte des Fährmanns, Kleidung und nicht zuletzt die Naturbeschreibungen haben die Bilder im Kopf befeuert. Die Kapitel „Anderswo“ die dazwischen platziert sind, sind m. E. aus der Sicht des Flusses, eine Naturgewalt aufs Papier gebracht, haben mich regelrecht mitgerissen.
Alle Figuren sind hervorragend charakterisiert, so echt und glaubwürdig, das hat mich immer wieder verblüfft, denn selbst die bösen Figuren kommen authentisch rüber, ihre Gründe für ihr Verhalten sind so glaubhaft begründet. Diese Schicksale haben mich richtig aufgewühlt. Als Warnung sollte angeführt werden, dass es sich hier um häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen handelt.
Der Fährmann kann ich jedem empfehlen, der authentische historische Bücher schätzt, natürlich all jenen die die Schwarzgeherin genossen haben, ich warte schon auf ein neues Buch der Autorin in diesem Genre. Der Fährmann wird sicherlich eines der Highlights in meinem Lesejahr sein. Leider darf ich nur 5 Sterne vergeben.
Spitzenmanagerin beim Achtsamkeitstraining
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Einatmen ausatmen, Roman von Maxim Leo, EBook von Kiepenheuer & Witsch
Marlene findet den Sinn des Lebens
Marlene soll die Vorstandsvorsitzende des Aviola-Konzerns werden. Sie hat sich durch Disziplin und Verbissenheit nach oben gearbeitet, hat die Verkaufszahlen in ungeahnte Höhen gebracht. Doch menschlich hat sie gehörige Defizite.
Bevor sie zum CEO des Konzerns ernannt wird, erwartet die Konzernleitung, dass sie ein Achtsamkeitstraining in einem Brandenburger Schloss absolviert. Und zwar beim berühmten und stets erfolgreichen Seelencoach Alex Crow.
Keiner ahnt, dass Crow selbst vor einem Burnout steht und die Academy kurz vor dem Bankrott. Marlene ist Crows Rettungsanker, denn falls er es schafft, Marlene zu mehr Achtsamkeit zu bringen, dann winkt ein Großauftrag von Aviola, dies könnte ihn und seine Einrichtung retten. Zunächst zeigt sich Marlene jedoch wandlungsresistent. Nach einer Reihe von einschneidenden Erlebnissen, beginnt Marlenes Panzer zu bröckeln.
Maxim Leo schreibt witzig, flüssig und extrem bildmalerisch. Die Figuren die in der Academy zugegen sind, sind so hervorragend charakterisiert und beschrieben, sie wirken echt und real, mit feinen Übertreibungen manchmal schon etwas skurril. Auch die Tier- und Naturbeschreibungen konnten mich überzeugen. Deshalb liest sich das Buch weg wie nichts, man mag es gar nicht zur Seite legen. Ungeahnte Wendungen und ein unerwartetes, jedoch offenes Ende konnten mich überraschen. 256 Seiten so prall voll mit Geschehnissen, eine herrlich amüsante und unterhaltsame Lektüre. Obwohl Marlene und auch Alex, so ihre Eigenarten und Defizite haben, mochte ich sie wirklich sehr gerne. Beide haben sich positiv entwickelt haben sich zum Besseren verändert. Doch auch die anderen Figuren im Buch sind genauestens beschrieben, sind gut charakterisiert und äußerst interessant. Alle handeln authentisch und nachvollziehbar. Ich habe mochte sie alle.
Mit ganz feinem Humor hat der Autor Achtsamkeits-Training und Coaching auf die Schippe genommen. Lifestyle- Leiden, Traumata mit was auch für welchem Hintergrund, der Wirtschaftszweig Mental-Health und das alles mit einem Augenzwinkern. Die Geschichte erscheint aus der Sicht von Alex und Marlene im Wechsel. Deshalb fühlt sich der Leser ganz nah dran an den Figuren. Ein Überblick über das gesamte Geschehen ist stets gewährleistet. Die schlagfertigen Dialoge haben mir viel Vergnügen bereitet.
Ein liebenswertes Buch, gute humorvolle Unterhaltung, mit einem Schluss, den sich jeder nach seinen Wünschen zu Ende denken kann. Spannend und auch berührend. Moderne Sprache und lebensnahe Figuren, das Thema trifft m.E. voll den Zeitgeist. Eine Botschaft die ankommt.
Dafür von mir 5 Sterne
Josefs letzter Wunsch
Mirabellentage von Martina Bogdahn
Mirabellentage, Roman von Martina Bogdahn, 352 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
Nur wenn von zuhause weggeht, kann heimkommen
Als der Ortspfarrer Josef ganz plötzlich verstirbt, ist es für Anna, seine Haushälterin ein großer Schock. Schon von Kindesbeinen an waren die beiden befreundet und schon jahrzehntelang führte sie ihm den Haushalt.
Sie hat den Pfarrhof, den Garten und auch das gesellschaftliche, kirchliche Leben in Blumfeld im Griff. Sie ist ein wichtiger Teil des Gemeindelebens. Über Nacht erscheint Fridtjof, der neue Pfarrer, um den sie sich kümmern muss, die Beerdigung muss organisiert werden. Und dann ist auch noch Josefs letzter Wunsch den sie erfüllen will. Ein Geheimnis von dem keiner wissen darf, stellt Anna vor wichtige Entscheidungen.
Der Roman ist in kurze übersichtliche Abschnitte eingeteilt. Häufige Rückblicke in die Vergangenheit wechseln mit Abschnitten in der Gegenwart. Bogdahn schreibt flüssig und im Ich-Stil aus Sicht von Anna. Das Setting ist bildhaft geschildert, Gerüche und Geschmack sind so echt beschrieben, dass sie absolut greifbar und nachvollziehbar sind. Lesefluss war sofort da und innerhalb eines Tages hatte ich das Buch ausgelesen. Lustige Anekdoten und witzige Situationen, haben mich immer wieder schmunzeln lassen, doch auch die ernsthaften Abschnitte über Verlust und menschliche Tragödien haben mich nachdenklich gemacht. Die Autorin schreibt so leicht und so lebendig, man hat die Figuren vor Augen und meint jede Person zu kennen. Die Charaktere erscheinen natürlich und nicht wie geschaffen. Ganz besonders ergriffen haben mich die inneren Ansichten und Zweifel von Anna, das stellt eine Verbindung zur Protagonistin her, das macht sie authentisch. Alle Figuren sind durchweg sympathisch, das Dorfleben ist so liebevoll gezeichnet, ich habe mich sehr wohl gefühlt als ob ich dort auch zuhause wäre.
Ich mag Literatur dieser Art, unbeschwerte gute Unterhaltung, es muss nicht immer weltbewegendes passieren um eine gute Geschichte zu erzählen. Trotzdem hat der Plot Tiefgang. Gerade dies hat mir auch schon bei „Mühlensommer“ so gut gefallen, viele Parallelen kann ich zu eigenen Erlebnissen ziehen, Bogdahns Romane könnten hier, in der Nachbarschaft oder im eigenen Ort passieren. Die Autorin ist nicht weit entfernt von meiner Heimat aufgewachsen, viele geschilderte Dinge sind mir vertraut. Ein Hauch von Nostalgie und eine Prise Melancholie ist mit dabei. Deshalb genieße ich ihre Romane und hoffe, dass sie weitere schreibt.
Wem Mühlensommer gefallen hat, wird auch Mirabellentage genießen. Eine Leseempfehlung und von mir 5 Sterne.
Freundschaft ein Leben lang
Villa Rivolta von Daniel Speck
Villa Rivolta, Familiensaga von Daniel Speck, FISCHER E-Books
Eine auf wahren Begebenheiten beruhende Saga über Herkunft, Verlust, Schicksal und den Weg zur Selbstbestimmung im Mailand der 1950er und 60er Jahre.
Piero und Valeria sind Freunde, schon seit Kindheitstagen, obwohl sie in verschiedenen Gesellschaftsschichten geboren wurden.
Piero der Sohn von Renzo Rivolta, dem Direktor der Iso-Automobilwerke und Valeria die Tochter einer Hausangestellten. Während die Firma Rivolta immer weiter aufsteigt, muss Valeria mitansehen wie ihre Mutter eine unglückliche Affäre erlebt. Piero muss schon früh das Erbe des Firmenvorstands antreten und die Firma aus einer Krise retten, derweil Valeria sich in den sizilianischen Arbeitersohn Flavio verliebt. Die Journalistin und alleinerziehende Valeria erzählt ihre Lebensgeschichte auf der Flucht zu ihrem Kindheitsfreund, ihrem Sohn Tonino, der eine illegale Waffe gefunden hat.
Daniel Speck erzählt in einem leichten, flüssigen und auktorialen Stil. Zu jeder Zeit ist der Leser ganz nah dran am Geschehen, das Setting, die Personen, alles ist so schön bildmalerisch geschildert, dass man das Gefühl haben könnte mitten drin im Geschehen zu sein. Ich mag Italien, die Sprache die Musik, die italienische Lebensart. Kursiv erscheinen auch immer wieder italienische Phrasen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt, direkt wie im Italienurlaub. Wer sich für Automobiltechnik interessiert wird hier bei der Lektüre, seine helle Freude haben. Auch die meisten Figuren und ihr Innenleben sind hervorragend charakterisiert. Sie sind authentisch und glaubhaft. Piero und auch Flavios Vater Antonio mochte ich sehr gerne, sie waren meine Lieblingspersonen. Mit Flavio wurde ich nicht warm, seine Rebellion hat mich abgestoßen und auch Valeria war mir suspekt, ihre Handlungen konnte ich nicht immer nachvollziehen. Ihre Emanzipation hätte ich mir konsequenter gewünscht.
Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass oft viel zu ausführlich erzählt wurde, gerade mit den technischen Aspekten konnte ich nichts anfangen. Die großen gesellschaftlichen Themen haben mich angerührt und mich betroffen gemacht, hier hat Speck bei mir gepunktet. Die sozialen Unterschiede in der italienischen Gesellschaft in den 50er und 60er Jahren sind sehr gut geschildert. Die lebenslange Freundschaft und Verbundenheit zwischen Valeria und Piero fand ich wunderschön und fundiert beschrieben. Ganz besonders gut gefallen haben mir die Lebensweisheiten und Zitate, einige habe ich mir notiert. Eine schön erzählte atmosphärische Familiensaga, mit für mich, uninteressanten Längen im technischen Bereich.
Ein Roman in zwei Zeitebenen, für alle die Familiensagas mögen, die italienisches Ambiente genießen oder sich für italienische Autos begeistern. Von mir 4 Sterne.
Botschaft im Spiegel
Die Ärztin - Gefährlicher Besuch von Meike Dannenberg
Die Ärztin – Gefährlicher Besuch, Thriller von Meike Dannenberg, 286 Seiten, Lübbe-Verlag
Dr. Eva Mares, der 2. Fall.
Dr. Eva Mares bekommt eines Nachts einen mysteriösen Besuch, ein fremder Mann und seine hochschwangere Tochter stehen vor der Türe, angeblich geht es Nina nicht gut, doch Eva kann nichts Besorgniserregendes feststellen.
Trotz der Empfehlung der Ärztin erscheinen die beiden nicht am nächsten Tag in der Notfallambulanz zu weiteren Untersuchungen. Sie sind verschwunden. Zuhause entdeckt Dr. Mares einen Hilferuf auf dem Spiegel. Derweil die Polizei nach einer verschwundenen jungen schwangeren Frau sucht, im Raum steht häusliche Gewalt. Ein alter Vermisstenfall liegt im ebenso im Fokus der Behörden.
Es handelt sich hier um den 2. Band einer Reihe, Eva Mares hat in einem früheren Fall scheinbar schon einiges erlebt, sie selbst und die älteste Tochter, ja eigentlich die gesamte Familie, sind traumatisiert, der vorliegende Teil kann alleine für sich gelesen werden, doch ist es von Vorteil, Teil 1 bereits zu kennen. Deshalb habe ich am Anfang auch Mühe gehabt in Lesefluss zu kommen. Doch zu viele Personen und Geschehnisse werden vorausgesetzt, den zwischen den beiden Bänden ist gefühlsmäßig wenig Zeit vergangen. Eine Überflut an Ermittlern, Ärzten, Nachbarn Opfern und Verdächtigen, haben mich komplett verwirrt, noch ganz am Ende musste ich nach vorne blättern um zu sehen, werde der namentlich genannte Täter eigentlich ist, wo in der Geschichte er ins Geschehen passt. Das wäre vermutlich zu stemmen gewesen, wenn die Ermittler und die Familie von Eva mir bereits bekannt gewesen wären. Ich habe noch nicht einmal vollständig überblickt, wie viele Wohnungen die Familie Mares besitzt. Die Verbindung aus der Vergangenheit zwischen Eva, Mina und auch Frauke konnte ich bis zuletzt nicht durchschauen.
Kurze knackige Kapitel wechseln sich ab, jeweils aus der Sicht einer Frau, die als Überschrift über dem Kapitel steht. Ich mag zwar solche Kapitelwechsel, das beflügelt das Lesetempo, doch hier wäre manchmal etwas mehr Information von Vorteil gewesen. Ständig wird der Leser in einen anderen Strang zu einem anderen Ort geworfen.
Abgesehen davon, schreibt die Autorin flüssig und sehr spannend, ganz besonders am Ende habe ich keine Stelle gefunden um das Buch einmal zur Seite zu legen. Ich hätte doch zuerst den Vorgängerband lesen sollen, das kann ich auch weiteren Lesern empfehlen, eine gute Reihe, aber unbedingt in der Reihenfolge. Von mir dafür 3 Sterne.
Die tote Joggerin
Die Ärztin - Gefährlicher Besuch von Meike Dannenberg
Steirerzwist, Kriminalroman von Claudia Rossbacher, Ebook, Gmeiner-Verlag
Sandra Mohr ermittelt, ihr 15. Fall
Eine Hoteldirektorin wurde beim Joggen ermordet und in die Mur geworfen, unweit davon wurde auch ein Obdachloser ermordet aufgefunden. Stehen die Leichenfunde in einem Zusammenhang und warum mussten die Opfer sterben? Sandra Mohr ermittelt mit ihrem Team mit Hochdruck, bis sie selbst Morddrohungen erhält.
Im bewährten Modus, zuerst ein Mord und die Ermittlungsarbeit beginnt. So schreibt Claudia Rossbacher. Auch im 15. Fall, flüssig und unterhaltsam. Das Werk umfasst 29 Kapitel in idealer Leselänge. Ein spannender Krimi, mit den vertrauten Ermittlern, den man einfach nicht aus der Hand legen mag. Sandra Mohr kompetent und sympathisch, immer wieder hat die Autorin Einblicke in das Privatleben von Sandra geschaffen, das macht sie authentisch. Und ich mag auch Sascha Bergmann, der manchmal mit seinen Späßen etwas daneben liegt, auch mürrisch, aber ebenfalls ein guter Ermittler, die beiden ergänzen sich hervorragend und sind auch erfolgreich.
In den Steirerkrimis wird hauptsächlich die Arbeit der Ermittler beschrieben, deshalb sind sie auch so nachvollziehbar. Genau so stelle ich mir Polizeiarbeit vor. Stück für Stück, kommen die Ermittler der Lösung näher. Raum genug für den Leser um selbst mitzuraten – im whodunnit-Stil, mit überraschenden Wendungen. Erst am Schluss wurde mir langsam klar, wie es gewesen sein könnte.
Immer wieder wird auf vergangene Fälle hingewiesen, trotzdem steht jeder Teil für sich und kann auch in unabhängiger Reihenfolge gelesen werden. Das Setting ist ebenfalls gut beschrieben und so geht die Erzählung wie Kino im Kopf ab. Besonders charmant sind die schlagfertigen Dialoge in Mundart. Im anschließenden Glossar sind österreichische bzw. steierische Ausdrücke erklärt, auch die Abkürzungen, die die Polizeiarbeit betreffen.
Ich fühlte mich rundherum gut unterhalten. Es war spannend zu lesen. Ich hoffe auch, dass es nicht der letzte Steirerkrimi von Rossbacher war, gerne würde ich Mohr und Bergmann bei weiteren Fällen über die Schulter schauen. An einigen Stellen hätte ich mir die Beschreibungen ausführlicher gewünscht. Die Bedrohungen an Sandra waren im Buch so abrupt und plötzlich, doch auf jeden Fall verständlich, aufgeklärt.
Von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle die Krimis im whodunnit-Stil mögen und natürlich an alle Fans der Reihe.
Aufbruch und Freiheit
Restsommer von Kea von Garnier
Restsommer, Coming of Age-Roman von Kea von Garnier, 400 Seiten, Blessing-Verlag
„Es ist nur so, dass ich, bevor ich mich den Rest meines Lebens nur noch mit Toten beschäftige, gern selbst richtig gelebt hätte.
Dominik lebt im Zonenrandgebiet, wo sein Vater ein florierendes Beerdigungsinstitut betreibt, welches schon seit ein paar Generationen in Familienbesitz ist.
Eines Tages soll er das Institut übernehmen. Das erwartet sein Vater, doch je näher das Ende der Schulzeit rückt, desto mehr Zweifel kommen in ihm auf. Auch er hat Träume, von einem Leben, weitab von Toten und Beerdigungen. Doch kann er seinen Vater so sehr enttäuschen? Eines Tages verliebt er sich, doch diese Liebe verlangt Mut und Entscheidungen. Ein emotionaler Coming of Age Roman, der ans Herz geht.
Das Buch besteht aus 55 kurzen Kapiteln in idealer Leselänge, die mit Zahlen gekennzeichnet sind, Songtitel, anderssprachige Phrasen, Buchtitel und Eigennamen, sowie Chatverläufe sind kursiv hervorgehoben, somit deutlich dargestellt. Knackige Dialoge in Jugendsprache beleben den Roman.
Kea von Garnier schreibt fesselnd, flüssig einfühlsam und stimmungsvoll, ich bin nur so durch die Seiten geflogen, wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Voller Atmosphäre, voller Gefühle und spannend. Ganz tief kann der Leser in das Innenleben des Protagonisten blicken. Der Roman ist im Ich-Stil aus der Sicht von Dominik geschrieben.
Die Figuren sind nachvollziehbar charakterisiert und authentisch, dazu passt die von der Autorin gewählte Jugendsprache die glaubhaft rüberkommt. Das Setting ist hervorragend beschrieben, selbst die Hitze die in diesem Sommer vorherrscht konnte man richtig spüren. Die Figuren sind so toll geschildert und beschrieben, ich hatte die Szenen immer deutlich vor Augen. Jede Figur konnte ich mir lebhaft vorstellen. Die Liebesszenen sind ästhetisch und überhaupt nicht peinlich ausgeführt. Auch der Umgang mit den Verstorbenen, die im Institut betreut werden, ist angenehm aufgefallen, da beweist von Garnier sehr viel Einfühlungsvermögen.
Ein weiterer Punkt der mir gefallen hat, war die Darstellung, der Vater/Sohn Beziehungen und der Familienverhältnisse, bei Biff und auch in der Familie von Dominik. Ich hatte ständig das Gefühl so könnte es sich tatsächlich abgespielt haben. Die schönen Szenen auf der Tagebauhalde oder auf dem Hochhausdach etc. habe ich genossen, weil sie so stimmungsvoll geschildert wurden.
Diesen gefühlvollen, genretypischen Coming of Age Roman habe ich sehr genossen, das Lesen hat mir richtig Freude gemacht, für alle die Erwachsen-werden Romane mögen, möchte ich Restsommer empfehlen. Ein tolles Buch welches 5 Sterne verdient.
Augsburg im ausgehenden Mittelalter
Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen von Peter Dempf
Im Auftrag der Fugger: Teufelsreigen. Historischer Roman von Peter Dempf, 576 Seiten, erschienen im Lübbe-Verlag.
Der zweite Band der Reihe „Im Auftrag der Fugger“
Augsburg 1505, das Leben pulsiert im Heiligen Römischen Reich und mittendrin der Finanzier der Reichen und Mächtigen – Jakob Fugger, der Reiche.
selbst König Maximilian I, lässt sich seine Reisen durchs Reich von Jakob dem Reichen finanzieren. Doch Lagerhäuser der Fugger werden zerstört, Warentransporte werden ausgeraubt, die Boten und Fuhrleute werden ermordet. Wer will den reichen Handelsleuten schaden? Sind Jakob und seine Brüder etwa sogar in Lebensgefahr? Dies alles soll das mittelalterliche Ermittlerteam Afra und Herwart, die Boten Fuggers, ergründen. Wer steckt hinter den Anschlägen und aus welchem Grund werden sie verübt?
Im Vergleich zum Historiker hat es der Schriftsteller leichter. Er kann Fantasie und Realität vermischen und zu einer unterhaltsamen Geschichte verweben.
Der Roman teilt sich in vier Bücher, die aus nummerierten Kapiteln bestehen, die Bücher haben Titel, die Kapitel sind mit Ort und Datum versehen. Die Figuren der Handlung sind am Anfang des Buches erklärt, was sehr hilfreich war, historische Personen sind kursiv versetzt. Am Ende des Bandes befindet sich das Glossar darin werden mittelaltertypische Begriffe für den Leser erklärt.
In diesem Buch wird das ausgehende Hochmittelalter so greifbar und echt dargestellt, immer wieder findet sich der Leser mittendrin im Geschehen. Dies hat Dempf in seiner detailgetreuen und gut recherchierten Arbeit mit dazu flüssigem Schreibstil gut geschafft. Das Geschehen läuft im Kopfkino mit, ob auf Reisen, im goldenen Kontor oder im Fuggergarten, der Leser ist mittendrin und dabei. Die Figuren sind lebensecht geschildert, z.B. Jakob der Reiche, die Art an seiner Mütze zu nesteln, Zeno der Weißgesichtige und seine gruselige Erscheinung, sogar „Fugger“ Afras Hund, alles sehr authentisch. Ihre Handlungen sind nicht immer nachvollziehbar.
Was mir zu schaffen gemacht hat war die Länge der Handlung, die Wiederholung der immer gleichen Situationen, Afra und Herwart in der Klemme, der Hund greift ein, alle sind gerettet. Zeno erscheint, ist er wohl gut oder böse, er kommt wie immer davon. Bis zum Ende konnte ich das für mich nicht ganz endgültig entscheiden, Jakob selbst und Familienmitglieder geraten in Verdacht, und die Eggenbergerin verwitwete Gossembrotin, sie hat auf meiner Verdächtigen-Liste ein dauerndes auf und ab. Warum ihr letztendlich nicht Einhalt geboten wird habe ich nicht verstanden. Der Plot war für meinen Geschmacks etwas sehr verworren.
Im Nachwort wird dargestellt, wieviel der Vorkommnisse tatsächliche in Augsburg und im Reich in der damaligen Zeit geschehen sind. Dempf ist es gelungen daraus einen Historischen Kriminalroman zwar authentisch und zeitgemäß doch mit unnötigen Wiederholungen und Ungereimtheiten zu machen.
Für Leser die Historische Romane mögen zu empfehlen. Von mir 3 Sterne.










