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Rezensionen von Ele95:
Der Preis der Freiheit
Die Schwarzgeherin von Regina Denk
Die Schwarzgeherin, Historischer Roman von Regina Denk, ein Droemer Ebook
In einer Welt in der die Freiheit den Männern gehört, nimmt sich eine Frau was ihr zusteht.
Theres ist die einzige Erbin des reichen Lachermeyer-Bauern. Alle ihre Brüder sind im Kindesalter oder bei der Geburt gestorben, im Kindbett dann auch ihre Mutter.
Der Vater wurde mit diesem Schicksalsschlag nicht fertig und konnte auch Theres nicht trösten. Ihr einziger Vertrauter ist Leopold ihr Jugendfreund, der Sohn des vermögenden Xantner-Bauern, die beiden sind sich schon seit Kindertagen versprochen. Damit kann Theres lebenshungrig und freiheitsliebend, sich nicht abfinden. Und dann kam der Fremde ins Dorf, geheimnisvoll und frech, mit grünen Augen wie Bergseen, Theres verfällt ihm und so kommt das Unglück über beide Familien.
Die Geschichte wird in mehreren Zeitebenen erzählt. 37 Kapitel die unterteilt sind in Leseabschnitte, aus der Jugendzeit von Theres, abwechselnd mit Abschnitten aus der Zeit in der Theres als die Schwarzgeherin bekannt ist, die Heilerin, die Hexe, die Ausgestoßene, die nur geholt wird wenn keine Aussicht auf Heilung besteht. Sie, die die Arbeit einer Hebamme macht, die oft helfen kann, wenn ein Wunder erwartet wird, später begleitet von ihrer erwachsenen Tochter Maria. Um den Überblick zu behalten, ist vor jedem Abschnitt das Jahr und das Alter von Maria bzw. Theres angegeben. Die diversen Zeiten wechseln sich ab, Rückblicke mit dem Geschehen 20 Jahre später. Das hat mich doch etwas im Lesefluss behindert. Dazwischen in kursiver Schrift, ein Zwischenspiel, die Geschichte eines Adlerweibchens, die blind ist für das Leid und das Elend, das sich auf der Erde abspielt.
Der Roman ist bildhaft und in einem düsteren Ton verfasst. Schwere Schicksalsschläge, Krankheit,Tod und harte Arbeit prägen den Alltag der Menschen, dazu kommt, dass Frauen, sobald sie aus der Obhut des Vaters kommen, unter die Fuchtel der Schwiegermutter und der Herrschaft ihrer Ehemänner geraten, selbstbestimmt leben ist unmöglich. Glaube und Aberglaube beherrschen das Leben in den Bergen. Theres bricht aus diesen patriarchalischen Verstrickungen aus und führt ein Leben außerhalb der Gesellschaft, das ist der Preis, den sie zu zahlen bereit ist. Dafür wird ihr von der eigenen Familie und den Menschen im Dorf übel mitgespielt. Ich habe mit Theres und ihrer Tochter gelitten und geweint und ich bin froh in der modernen Welt leben zu dürfen. Diese Geschichte hat mich oft an meine Grenzen gebracht, ob der Ungerechtigkeit die Theres und auch Maria widerfahren ist. Immer wieder haben sich neue ungeahnte Wendungen entwickelt. Die Handlung ist nachvollziehbar, die Figuren authentisch, ein Roman voll Atmosphäre und Tragik. Spannung ist überreichlich vorhanden.
Sämtliche Figuren sind charakterlich sehr gut beschrieben. Ganz besonders in die Seele und die Gedanken der Schwarzgeherin habe ich Einblick erhalten. Doch auch alle anderen Figuren sind hervorragend ausgeführt. Die Landschafts- und Naturbeschreibungen haben mich fasziniert. Ich finde dieses Buch sollte unbedingt verfilmt werden.
Ich bin vom Roman begeistert, einzig die Sprünge in der Zeit haben mich anfangs gestört.
Eine absolute Leseempfehlung. Wer Familientragödien mag, wird das Buch genießen.
Von mir 5 Sterne
Tea for two
Tee auf Windsor Castle von Claire Parker
Tee auf Windsor Castle, Roman von Claire Parker, EBook erschienen im Atlantik-Verlag
Die Geschichte einer wahrhaft königlichen Begegnung.
Kate besucht mit einer Touristengruppe, Schloss Windsor. Als sie ein dringendes Bedürfnis verspürt, und nach einer Örtlichkeit sucht, verläuft sie sich im Labyrinth der Flure, dort stößt sie auf eine liebenswerte ältere Dame, die der verstorbenen Elizabeth II sehr ähnlich sieht.
Einen Tag und eine Nacht tauschen sich die beiden aus und werden Freundinnen. Zusammen entdecken sie die Welt, mit den Augen der anderen. Und finden heraus was im Leben wirklich zählt.
Ein flüssig geschriebenes, unterhaltsames Buch, bildhaft geschildert. Es ist nicht sehr umfangreich und ich konnte den Roman an einem Nachmittag lesen. Es ist in 12 Kapitel eingeteilt, die jeweils mit einem, den Inhalt zusammenfassenden Titel versehen sind. Besonders unterhaltsam fand ich die teils witzigen, schlagfertigen und auch nachdenklichen Dialoge. Das Sprachniveau der beiden Frauen ist hier sehr gut dargestellt. Ein Buch das gut unterhält und ohne große Aufregung oder Spannung weggelesen werden kann.
Mir war von Anfang an klar, um wen es sich bei Betty handelt. Auf die Erklärung habe ich tatsächlich hin gefiebert und es wurde für mich einigermaßen plausibel erläutert. Viel nachvollziehbarer und perfekter wäre die Erzählung gewesen wäre die Handlung ein paar Jahre vorverlegt gewesen, das hätte an der Botschaft des Buches, nicht viel geändert. So, unterschiedlich die beiden Frauen auch sind, dass sie sich sympathisch sind, wurde gut dargestellt. Besser gefallen hat mir jedoch Betty, souverän, so elegant und lebensklug wie sie sich gab, man muss sie einfach mögen. Ich denke jedoch auch, dass Kate in ihrer Einstellung gegenüber dem Adel und besonders gegenüber den Royals, einiges verändert hat. Dass Kate nicht schon früher hinter die wahre Identität von Betty gekommen ist, hat mich jedoch erstaunt. Das wurde am Ende etwas schnell abgehandelt. , Die Figur Ioana am Ende des Buches und ihre Rolle im Buch hat mich verwirrt, war absolut unnötig.
Dazu bekommt der Leser, eine Menge Lebensweisheiten von Betty, die man sich merken sollte, die auch hinten im Buch noch einmal unter „Bettys goldene Regeln für ein besseres Leben“ aufgeführt sind.
Insgesamt denke ich jedoch, dass es nicht so einfach wäre als Person die nicht zum königlichen Haushalt gehört, einfach mal so, unerkannt, einen ganzen Tag auf Schloss Windsor zu verbringen.
Ich hatte während der Lektüre gehofft, dass sich an der privaten Situation von Kate etwas durch diese Begegnung verbessert, das ist jedoch ausgeblieben.
Von mir 3 Sterne.
Im Patriarchat gefangen
Dorf ohne Franz von Verena Dolovai
Dorf ohne Franz, Roman von Verena Dolovai, EBook, aus dem Septime-Verlag
Debütroman der Autorin
Maria ist in den 60er Jahren mit ihren Brüdern Josef und Franz in einem Dorf aufgewachsen, Josef der Ältere tritt in die Fußstapfen des Vaters und erbt den Hof. Franz das Nesthäkchen ist der Liebling der Mutter und wird von ihr verhätschelt.
Dieses Buch beschreibt den rauen Alltag im Leben der Protagonistin.
Das Buch enthält viel Lokalkolorit, bildhaft und flüssig beschrieben und durch die fesselnden Dialoge hat der Leser zu jederzeit im Gespür, dass dieser Roman auf dem Land und in Österreich spielt. Die Autorin hat als Erzählform den Ich-Stil, aus der Sicht der Protagonistin Maria gewählt. Eine hervorragende Innenansicht ist dadurch ermöglicht. Aufgeteilt in Leseabschnitte in idealer Länge.
Ein hartes Leben für ein Mädchen, auf dem Land, zur damaligen Zeit, mit Regelschulabschluss und ohne Lehre. Josef der ältere Bruder kommt nach dem Vater und wurde von ihm unterstützt, als Hoferbe erzogen, Franz, Mutters Liebling, der schwächliche zarte Bruder, bekommt sein Erbe ausbezahlt und verschwindet ins Ausland. Und dazwischen Maria, die auf ihr Erbe verzichtet, die keine Chance bekam, auf eine höhere Schule zu gehen. Davon und vom Leben in der Stadt, hat ihr nur ihre damalige Freundin Theresa berichtet. Maria bekam nur immer zu hören sie sein dumm und ungeschickt. Nach der Schule eine Lehre? Wozu, man brauchte eine billige Arbeitskraft auf dem Hof … und Mädchen heiraten ja doch. Sie hat den Wirtssohn Toni geheiratet, aber auch hier wurde sie betrogen, denn nicht Toni der Ältere, sondern sein Bruder Ferdinand wird der neue Wirt. Toni ist Alkoholiker und Schürzenjäger. So bleibt Maria eine Dienstmagd, selbst als sie verheiratet ist muss sie ihrem Vater die Putzarbeiten machen, die Mutter pflegen und auf dem elterlichen Hof arbeiten. In der Wirtschaft ist sie nur eine billige Dienstmagd zum Spülen und niederen Arbeiten. Selbst den Schwiegervater pflegt sie bis zu seinem Ende. So ist das traurige Leben von Maria, von patriarchal geprägten dörflichen Strukturen und der Schwierigkeit, auszubrechen. Und soweit fand ich das Buch fesselnd und sehr unterhaltsam.
Das Ende fand ich komisch, ich mag Bücher nicht die aufhören, bevor die Geschichte zu Ende ist. Immer wieder habe ich zurückgeblättert und geprüft ob ich etwas überlesen oder nicht mitbekommen habe, so ein abrupter Plottwist ist mir selten untergekommen. Schade.
Bis auf den Schluss fühlte ich mich hervorragend unterhalten, meine Lieblingsfigur war nicht die Protagonistin, ich finde sie hätte sich einfach mehr durchsetzen sollen, keine Entwicklung bei ihr feststellbar. Eine richtig sympathische Figur war eigentlich am ehesten der Wirt Ferdinand oder Franz der jüngere Bruder. Ich finde allgemein, dass keine der Frauen im Buch gut weggekommen ist.
Bis zum Plottwist war ich vom Buch begeistert. Die Nomination zum österreichischen Buchpreis fand ich angemessen. Der ernüchternde offene Schluss jedoch hat mich enttäuscht.
Trotzdem möchte ich das Buch empfehlen und vergebe 4 Sterne.
Kluftinger im Wahlkampf
Lückenbüßer (Kluftinger-Krimis 13) von Volker Klüpfel; Michael Kobr
Lückenbüßer, Allgäu-Krimi von Volker Klüpfel & Michael Kobr.
Kluftinger und seine Crew ermitteln in ihrem 13. Fall
Einsatz in den Bergen, Interims-Polizeipräsident Kluftinger leitet den Einsatz, doch am Ende gibt es eine Leiche, ein Polizist kommt ums Leben. Ist die chaotische Einsatzplanung schuld? Doch Kluftinger und sein Team ermitteln gekonnt professionell.
Können sie den Täter zur Strecke bringen? Doch derweil hat der beliebte Allgäuer Kriminaler ganz andere Sorgen. Aus Gutmütigkeit lässt er sich als Lückenfüller, auf eine Wahlliste zum Gemeinderat, auf einen der hinteren Listenplätze setzen. Vorerst. Doch als er realisiert, dass sein Erzfeind Langhammer in der Gegenpartei kandidiert, wird daraus ein echter Wahlkampf.
Wie immer in erfrischender Allgäuer Mundart, jedoch auch für Nicht-Allgäuer gut verständlich, gibt es lustige zum Teil derbe Dialoge und Wortgefechte. Das Buch ist flüssig zu lesen. Mit viel Lokalkolorit und im auktorialen Stil. Ganz besonders hervorgehoben durch kursive Schrift, sind Transparent-Slogans, Liedtexte, Schlagzeilen und Instagram- sowie Facebook-Kommentare.
Endlich ist auch unser Klufti im Zeitalter der neuen Medien angekommen, relativ sicher geht er mittlerweile mit Computer und Handy um. Ein Mann in seiner Position, dies macht ihn einfach authentischer, dafür weniger komisch. Weniger lustige Szenen. Gerade immer dieses Unvermögen hat mich amüsiert. Diese Ungeschicke und lustigen Szenen fehlen in diesem Band fast vollständig. Weitab vom Klamauk kommt diese Folge daher. Ich mag den neuen Klufti eigentlich schon, das macht ihn so echt, er hat sich weiterentwickelt. Sympathisch und seriös, zum Ende hin wächst er sogar über sich hinaus, das hätte ich nicht erwartet.
Leider lässt dieser Teil 13 aber dadurch an Unterhaltungswert nach. Ich musste bei der Lektüre nicht ein einziges Mal laut auflachen. Schade, deswegen habe ich diese Allgäu-Krimis eigentlich geschätzt. Wenn ich einen ernsthaften Krimi oder Thriller möchte, dann lese ich ein anderes Buch. Ich persönlich bin gerade deswegen ein Fan dieser Reihe. Gscheithaferl Richie Maier war meine Lieblingsfigur. Nachdem mir im letzten Fall die neue Kollegin Lucy gut gefallen hat, hätte ich in dieser Folge mehr von ihr gewünscht.
Auch sein Intimfeind Langhammer kommt in der Folge nicht gut weg. Auch hier habe ich die komischen Szenen zwischen den beiden vermisst. In Band 13 geht es um Wahlkampf, deshalb werden auch viele kommunalpolitische Themen angesprochen. Das macht diesen Band aktuell. Der Kriminalfall ist interessant, wird mit Professionalität gelöst und es sind auch spannende Szenen vorhanden. Es war insgesamt sehr unterhaltsam.
Ein unbedingtes Muss für die Fans vom Allgäuer Kriminalkommissar. Da am Ende ein Cliffhanger steht, hoffe ich dennoch, dass es mit Kluftinger und seinen Kollegen, sowie Familie und Freunden weitergeht. Gerne das nächste Mal wieder ein wenig lustiger, der schwächste Band der Reihe bisher. Von mir diesmal 4 Sterne.
Der Deserteur
Und später für immer von Volker Jarck
Und später für immer, Historischer Roman von Volker Jarck, 208 Seiten, erschienen im Insel-Verlag.
Eine beinahe wahre Geschichte über die Menschlichkeit in unmenschlicher Zeit.
In den letzten Wochen des 2. Weltkriegs desertiert der junge Feldwebel Johann Meinert, er will nach Hause zu seiner jungen Frau und dem neugeborenen Kind.
Er versteckt sich nicht weit von zuhause bei Onkel und Tante in einer Scheune. Er wird von Frieda dem jungen Nachbarsmädchen entdeckt. Wird sie ihn an die Feldjäger verraten?
Das Buch besteht aus acht Teilen. In den einzelnen Teilen, geht es in der Zeit unregelmäßig hin und her. Gegenwartsbeschreibungen wechseln mit Rückblicken und Tagebucheintragungen, die Handlungsstränge wechseln abrupt, deshalb habe ich mich relativ schwer getan dem Geschehen zu folgen, abgehackte Sätze, ein Lesefluss hat sich nicht eingestellt. Obwohl der Text nicht sehr umfangreich ist kam ich nur sehr langsam vorwärts. Die Dialoge zwischen den Kameraden wie auch zwischen Johann und Frieda, waren unübersichtlich. Für mich nicht ganz einfach nachvollziehbar. Dazwischen kursiv, Liedtexte, Filmtitel, Zitate aus Filmen und mundartliche Phrasen für mich nicht immer verständlich.
Bei der Vorstellung des Buches habe ich mich auf einen ganz anderen Verlauf gefasst gemacht, was zwischen Johann und Frieda eigentlich genau passiert ist, ist mir unklar. Zwischendurch jedoch immer wieder emotionale und ans Herzen gehende Abschnitte, die Gefahr bei Kriegseinsätzen, der Abschied an Bahnhöfen, die Nachrichten von gefallenen und vermissten, Brüdern Männern oder Söhnen. Ich hätte mir einen Protagonisten gewünscht, der hin und hergerissen zwischen Treue fürs Vaterland und zu seiner Frau handelt. Das hat der Autor nicht geschafft rüberzubringen. Solch spannende Szenen, als Johann auf der Leiter ein Näherkommen eines Menschen und Schritte bemerkt hat, so hätte ich mir das gesamte Buch gewünscht. Keine der Personen konnte ich charakterlich einschätzen, sämtliche Figuren sind mir fremd geblieben.
Das Buch beruht wohl auf die Erlebnisse des Großvaters des Autors. Etwas mehr Ordnung in den Geschehnissen, einige Szenen ausführlicher geschildert, etwas mehr Ordnung in der Zeitabfolge. So hätte mir der Roman gefallen. Die Grundlage dafür war wohl gegeben.
Es gibt sicher Leser, die vom Buch überzeugt sind. Von mir 2,5 wenn nötig 3 Sterne.
Die Zeit läuft
Hast du Zeit? von Andreas Winkelmann
Hast du Zeit? Thriller von Andreas Winkelmann, 416 Seiten, ein Rowohlt Taschenbuch
Der neue Thriller von Andreas Winkelmann
Lars Grotheer ein ehemaliger Polizist wird von seiner Tochter gebeten, auf eine Kollegin achtzugeben, die sich gestalkt fühlt. Doch auch Grotheer kann nicht verhindert dass sie getötet wird.
Gleichzeitig wird die junge Schornsteinfegerin Felizitas entführt, während sie mit ihrer Freundin Lilly telefoniert. Immer mehr Menschen verschwinden, auch Grotheers Tochter. Die Opfer verbindet eine leere Sanduhr, die sie geliefert bekamen. Lars und Lilly beginnen zu ermitteln und geraten selbst in Lebensgefahr.
Die überschaubaren Kapitel sind mit Datum und Uhrzeit versehen, der Handlungszeitraum ist daher gut überschaubar. Die Zeitangabe finde ich außerdem passend, weil es in diesem Thriller um das Thema Zeit geht. Der Schreibstil ist auktorial und sehr flüssig, der Spannungsbogen nervenzerreißend hoch. Mit anderer Schrift hervorgehoben, dazwischen, immer wieder Abschnitte aus Sicht des Täters, in denen er sich direkt an den Leser wendet Die am Anfang etwas verwirrten, aber im Lauf der Geschichte immer klarer und dazu unheimlicher wurden. Die Geschichte um Hannah und was in der Jugend des Täters geschah. Lange bin ich auf der Suche nach dem Mörder im Dunkeln getappt, ungeahnte Wendungen und falsche Fährten haben mich in die Irre geführt. Die Auflösung hat mich überrascht. Das Setting ist gut beschrieben, da ging Kopfkino ab.
Das Finale war brutal und atemberaubend, nicht gestellt und schon gar nicht gefällig geschrieben und trotzdem perfekt. Die Figuren waren sehr gut charakterisiert. Mutig, klug und durchdacht handeln sie, zunächst ohne Unterstützung der Behörden, dabei sind sie sympathisch und ihr Handeln nachvollziehbar, mein Lieblingscharakter war Grotheer, ein toller Typ und auch "Jemand" hat mein Herz erobert. Etwas weniger „Besetzung“ hätte der Übersicht halber gut getan.
Den neuen Winkelmann kann ich nur empfehlen. Einmal darüber nachzudenken, wieviel Zeit man vergeudet oder einem genommen wird, dazu hat mich dieser Thriller angeregt. Eine Empfehlung für die Leser die gerne spannende und profunde Thriller lesen und natürlich für alle Winkelmann-Fans.
Dazu von mir 4 Sterne
La Jaconda
Die Erfindung des Lächelns von Tom Hillenbrand
Die Erfindung des Lächelns, Roman von Tom Hillenbrand, EBook; Kiepenheuer & Witsch
Als am 22. August 1911, der Louvre in Paris seine Pforten öffnet, fehlt das Bild der Mona Lisa, trotz der intensiven Suche der Polizei, Straßensperren und alle Häfen und Bahnhöfe werden überwacht, bleibt das Kunstwerk verschwunden.
Juhel Lenoir von der Pariser Polizei soll das Rätsel vom Verbleib des Werkes lösen.
Ich muss gestehen, dass ich ganz schwer in Lesefluss gekommen bin. Sehr viele Akteure, sprunghafte Erzählstrangwechsel und die vielen mir unbekannten Fremdwörter die der Autor verwendet, haben mir das Einlesen nicht leicht gemacht. 63 Kapitel in angenehmer Länge, diverse Erzählstränge, verschiedene Schriftarten, die für Schlagzeilen, Briefe und Gedankengänge verwendet wurden haben das Schriftbild belebt. Besonders die Nebenhandlungen, vor allem der Erzählstrang um die brutalen Revolutionäre, die mich anfangs verwirrten haben sich jedoch ab ca. der Hälfte zu einem Gesamtbild geeint. Letztendlich hat mich dieses „Schurkenstück“ um das Verschwinden des mittlerweile berühmtesten Bildes der Welt, verblüfft, überrascht und kurzweilig unterhalten.
Die zweite Hälfte des Buches habe ich genossen, die Geschichte nahm Fahrt auf, zuweilen musste ich sogar schmunzeln. Diesen Roman rund um die Entführung der Mona Lisa ist Hillenbrand ausgezeichnet gelungen. Hillenbrand schreibt flüssig und bildmalerisch. Reichlich Lokal- und auch Zeitkolorit ist vorhanden. Vor meinen Augen entstand Paris zu Zeiten der Belle Epoque Mode, Kunst Literatur, das Pariser Künstlerviertel rund um Montmatre. Hier möchte ich dem Autor eine gründliche Recherche bestätigen. Das Buch konnte mich in die Zeit und an den Ort entführen.
Dass die Mona Lisa einst aus dem Louvre verschwunden ist, wusste ich wohl, doch waren mir die näheren Umstände nicht bekannt, auch dass Picasso sowie Apollinaire höchstselbst in die Affäre verwickelt waren habe ich durch die Lektüre erfahren. Im Nachwort betont der Autor, dass alles sich in Wirklichkeit so zugetragen hat, abgesehen von den Dingen die er sich ausgedacht hat. Nach der Lektüre habe ich mich nochmals eingehend mit dem spektakulären Raub der Mona Lisa befasst, ich war verblüfft wie nahe Hillenbrand an den tatsächlichen Fakten geblieben ist. Durch diese mysteriösen Umstände ist das Werk Leonardo da Vincis auf jeden Fall zum berühmtesten Kunstwerk der Welt avanciert. Die Figuren waren authentisch und vielfältig geschildert. Viele Berühmtheiten dieser Zeit hatten einen gelungenen Auftritt.
Etwas weniger Okkultismus und Revolution hätte ich mir gewünscht. Deshalb von mir vier Sterne und eine dringende Leseempfehlung für die Fans der Epoche bzw. Leser die sich für das Verschwinden des Kunstwerks interessieren.
Treu bis in den Tod
Treue hat ihre Grenzen von Ralph Neubauer
Treue hat ihre Grenzen, Südtirol-Krimi von Ralph Neubauer, 272 Seiten, erschienen im Athesia-Tappeiner-Verlag.
Dieser Krimi führt die Leser in die Weindörfer Tramin, Kaltern und Girlan.
Fabio Fameo ist nun Vicequestore, somit ermittelt er nicht mehr selbst. Claudio und Tommaso sehen sich kurz vor ihrer Pensionierung mit einem Mordfall konfrontiert, dessen Ursprung in die Anfangszeit ihrer Karriere zurückreicht.
Ein angesehener Traminer Weinbauer wird in seinem Weingarten erschossen, hat ein rätselhafter Unfall mit dem Verbrechen zu tun, und was weiß der Dekan über diesen Mordfall? Zusammen mit den Carabiniere ermittelt die „Polizia“ hier die Commissario Francesca Giardi, die auch durch private Verwicklungen in diesem interessanten Fall involviert ist.
„Treue hat ihre Grenzen“ hat mir wieder außerordentlich gut gefallen, mich bestens unterhalten. Nachdem die anfänglichen Verwirrungen, durch die Menge der im Fall beteiligten Personen, geklärt waren, konnte ich mich hervorragend in diesen raffinierten Krimi fallen lassen. Ralph Neubauer hat gründlich recherchiert, da ich die Gegend durch meine unzähligen Aufenthalte in dieser Gegend kenne, hat das Kopfkino bestens funktioniert. Die Vinothek der Kellereigenossenschaft Kaltern z.B. ist genau wie im Buch beschrieben. Neubauer schreibt aufregend fesselnd und flüssig.
Der Spannungsbogen beginnt unglaublich hoch und bleibt auf hohem Niveau bis zur Auflösung. Immer wieder dachte ich diesen raffinierten Krimi lösen zu können, aber ungeahnte Wendungen und Verwicklungen haben mich erneut eines besseren belehrt. Die Spuren gehen immer wieder in verschiedene Richtungen viele falsche Fährten haben mich vom Lösungsweg abgelenkt. Erst ganz zum überraschenden Schluss, haben mich die Ermittler geschickt auf die richtige Spur geführt. Eine Freude ihnen bei der Arbeit über die Schulter schauen zu können.
Nebenbei habe ich auch noch eine Menge über Wein und sogar Sektherstellung gelernt. Viele Figuren sind authentisch, so oder ähnlich sind sie im Etschtal anzutreffen, besonders habe ich mich über den Auftritt von Lorenz Martini gefreut, so manche guten Tropfen haben wir in seiner Weinkellerei schon gekauft. Die fiktiven Figuren sind so gut charakterisiert und lebensecht geschildert, dass man meinen könnte sie auch persönlich zu kennen.
Für mich sind die Krimis von Neubauer ein Highlight, Urlaubsfeeling mit Spannung pur. Die Kriminalfälle packend dargestellt, verblüffend eingefädelt und gelöst. Die Figuren sind mir ans Herz gewachsen, der Übergang von Fabio Fameo zu Francesca Giardi und Eduard Taler als Ermittler, haben mich überzeugt.
Es ist nicht zwingend nötig die Südtirol-Krimis in Reihenfolge zu lesen, es ist genügend Information eingestreut um der Handlung problemlos zu folgen und dieses Buch als Einzelband zu lesen, mehr Spaß macht es jedoch die Entwicklung der Figuren mit zu verfolgen.
Von mir eine absolute Leseempfehlung und 5 Sterne.
Tragische Erinnerungen
Kontur eines Lebens von Jaap Robben
Kontur eines Lebens, Roman von Jaap Robben, aus dem niederländischen von Birgit Erdmann, 333 Seiten erschienen im DuMont-Buchverlag.
Eine erschütternde Geschichte aus einer Zeit, die noch nicht allzu weit hinter uns liegt.
Frieda eine selbstbewusste 20jährige junge Frau, die jüngste von vier Schwestern ist sehr streng katholisch erzogen worden, lebt wohlbehütet noch bei ihren strengen Eltern.
Eines Tages lernt sie beim Eislaufen, den 11 Jahre älteren verheirateten Otto kennen, eine dramatische Liebesgeschichte beginnt, bis Frieda merkt, dass sie schwanger ist. Otto will sich nicht von seiner Frau trennen und ihre heuchlerischen Eltern setzen sie kurzerhand vor die Tür. Sechzig Jahre später, Frieda ist frisch verwitwet und pflegebedürftig, weshalb sie in einem Seniorenheim untergebracht wird. Sie hat nun viel Zeit auf ihre Lebensgeschichte zurückzublicken, mit Hilfe ihres Sohnes beginnt sie die Vergangenheit aufzuarbeiten.
Das Buch besteht aus 49 überschaubaren Kapiteln, als Erzählform hat der Autor den Ich-Stil aus der Sicht der Protagonistin gewählt, so ist es dem Leser möglich das Geschehen aus erster Hand mitzuerleben. In einem wunderschönen, flüssig zu lesenden Erzählstil geschrieben, mich haben etliche Stellen ganz besonders tief berührt, dies ist sicher auch der einfühlsamen Übersetzung von Birgit Erdmann zurückzuführen. Sätze wie „ Es kommt mir vor als würde ich mich selbst spielen“ oder „Manchmal war es kaum vorstellbar, dass dieser Mann bei seiner Haut aufhörte, während er für mich so viel größer war als sein Körper“, konnte ich direkt mitfühlen. Der ganze Roman, beide Erzählstränge, Vergangenheit wie Gegenwart haben mich überzeugt. Die Schilderung der Protagonistin, als sich eine Motte in einem Spinnennetz verfangen hat, und in ihrer Machtlosigkeit, gefangen in ihrem gehandicapten Körper das Tier nicht befreien zu können, ging mir tief ins Innerste. Auch die tragische Schilderung von Louis Ableben zu Beginn des Buches, Friedas Sehnsucht nach ihm und ihrem Zuhause haben mich sofort in Lesefluss gebracht, aufhören zu Lesen und das Buch zur Seite legen konnte ich erst nach dem letzten Punkt.
Alle Figuren sind authentisch und handeln nachvollziehbar, die einen auf sympathische Weise, die anderen weil es die damalige Zeit oder ihr Glaube es vorschrieben. Friedas Schicksal hat mich tief ins Herz getroffen. Dadurch, dass sich die Zeitebenen abwechseln, hat sich die Lesegeschwindigkeit bei mir noch gesteigert, denn jeder Abschnitt endet an einer äußerst spannenden Stelle. Man kann sich kaum vorstellen, dass zu Beginn der 60er Jahre, noch nach so strengen moralischen und dabei unmenschlichen Grundsätzen geurteilt wurde. Dass ein männlicher Schriftsteller es geschafft hat, ein so einfühlsames emotionsgeladenes Buch zu schreiben, man mag es kaum glauben. Immer wieder konnte er mich mit seinen Worten, bzw. Schilderungen zu Tränen rühren. Für mich ein ganz besonderes Buch.
Eine Buch, welches man ganz vielen Lesern ans Herz legen möchte, von mir dafür 5 Sterne.
Vom Dorf in die Stadt
Dienstmädel in Bella Italia von Sabine Peer
Dienstmädel in Bella Italia, Geschichten von Sabine Peer, 221 Seiten, erschienen im Athesia-Tappeiner-Verlag.
Südtirolerinnen erzählen von ihrem Arbeitseinsatz in den Haushalten italienischer Dienstherren.
Dies ist das zweite Buch über die Dienstmädchen der 50er und 60er Jahre in Italien. Sabine Peer ist ihrem Erfolgskonzept treu geblieben, sie schildert, wie schon in Band 1, lebendig und authentisch die Erlebnisse der Südtiroler „Gitschn“, bei ihren Anstellungen in den Großstädten Italiens.
Leider bin ich erst bei Band 2 eingestiegen, wobei die beiden Teile ganz sicher unabhängig voneinander gelesen werden können.
Das Buch besteht aus vier Kapiteln, jedes Kapitel behandelt jeweils das Schicksal und die Lebensgeschichte einer jungen Frau. Die Überschrift fasst den Inhalt zusammen, die Untertitel nennen Namen Jahrgang und Herkunft der Mädchen, dazu die Dienstzeit. Am Anfang eines jeden Kapitels ist ein Foto platziert, das aus den Privatarchiven der Protagonistinnen eingefügt ist. Sehr hilfreich ist das Glossar am Ende des Buches, italienische Phrasen und Südtiroler Ausdrücke sind erklärt und beschrieben.
Es war ein Genuss dieses Buch zu lesen, dementsprechend schnell war ich auch damit fertig. Die einzelnen Schicksale haben mich betroffen gemacht, leicht hatten die Protagonistinnen es nicht daheim, denn in Südirol, dauerte die „schlimme“ Zeit nach dem Krieg bis in die sechziger Jahre. Schön zu lesen, dass es den Mädchen bei ihren Dienstherren meist besser ging, da habe ich vor der Lektüre eher schlimmes erwartet, das hat mich gefreut. Die Schilderungen des Alltags und was von den Haus- bzw. Kindermädchen erwartet wurde war höchst interessant. Sehr viel habe ich durch die Lektüre wieder über meine Herzensregion „Alto Adige“ erfahren, die tapferen Südtiroler, die eine sehr bewegte Geschichte hinter sich gebracht haben. Viele der Orte die ich bei der Lektüre entdeckt habe kenne ich von unseren alljährlichen Urlauben in Südtirol. Das Setting ist bestens geschildert, die Landschaft prägt den Charakter der handelnden Figuren, die so lebensecht und tief charakterisiert sind, man meint sie persönlich zu kennen, eine tiefe Verbundenheit stellt sich ein.
Es gibt zwar keine klassischen Spannungsmomente, nur eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Den ersten Teil werde ich natürlich jetzt auch lesen. Ich fühlte mich hervorragend unterhalten und habe noch einiges über Südtirol und die Lebensweise dieser besonderen Menschen kennengelernt. Eine umfassende Leseempfehlung von mir und 5 Sterne.











