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Rezensionen von Ele95:

Ein Sommermärchen

Das Leben fing im Sommer an von Christoph Kramer

Das Leben fing im Sommer an, Roman von Christoph Kramer, 256 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
Der berührende Coming-of-Age-Roman des Fußballweltmeisters Christoph Kramer
Es ist Sommer 2006, der heißeste Sommer überhaupt, es sind Sommerferien und der 15 jährige Chris hat nur einen Wunsch – er will Fußballprofi werden.

Dann passiert etwas völlig unfassbares: Debbie, das schönste Mädchen der Schule interessiert sich für IHN. Und plötzlich beginnt für Chris das wirkliche Leben, Enttäuschungen, Himmel hoch jauchzend – zu Tode betrübt, doch er vergisst dabei nie, was das wichtigste im Leben ist, nämlich gute Freunde.
Das Buch beginnt mit einem Interview, mit dem bekannten Fußballstar und schon da erkannte ich, dass dieses Buch von einem sympathischen Menschen geschrieben wurde, und, dass es etwas Besonderes werden könnte. Das Buch umfasst eigentlich nur einen kurzen Zeitraum, drei Tage in diesem heißen Sommer 2006, danach ein Kapitel 1460 Tage später, Chris hat Abitur gemacht, dann Sommer 2014 2920 Tage später und Chris blickt zurück. Liedzeilen, besondere Texte, Träume sind kursiv geschrieben und somit als etwas Besonderes markiert. Die flüssige Sprache, in frischem jugendlichen Stil und ganz besonders die bildhaften Erzählungen haben mich nur so durchs Buch fliegen lassen. Es war spannend, lustig und traurig, alles vorhanden. Ein besonderes Highlight im Buch ist die bildmalerische Erzählfähigkeit des Autors, alles was er schildert konnte ich mir so gut vorstellen, das Freibad, die Düfte von Sonnenöl oder Pommes aus der Fritteuse, das Ambiente im Le Soleil, im Kino, beim Hoffest, alles so gut beschrieben, dass ich in Gedanken direkt dabei gewesen bin.
Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Buch überhaupt lesen soll, denn ein weiteres Buch eines Promis, aus monetären Gründen geschrieben, lehne ich grundsätzlich ab. Da es aber nicht über den Fußball handelt war ich doch neugierig. Ich habe es nicht bereut und bin froh, dass ich den Fußballer drei Tage in seiner Jugend begleiten durfte. Meine Lieblingsfigur, natürlich der Protagonist, Chris, schüchtern unsicher und bescheiden, ein lieber netter Junge von nebenan. Zu keiner Zeit ist er überheblich oder hat Starallüren. Ich weiß nicht, was im Buch fiktiv, oder Wahrheit ist, das ist dem Leser selbst überlassen, aber ich nehme ihm jedes einzelne Wort ab. Auch seine Freunde, Salvo oder Johnny, beide so liebenswert authentisch und echt, und die allerbesten Freunde, die man nur haben kann, so erlebte ich in diesem Alter auch die Zeit mit meinen Freunden in den Ferien. An den Ausnahme-Sommer 2006, denke ich noch oft gerne zurück, es war auch für mich ein ganz besonderer.
Ein Coming-of-Age Roman, einer der emotionalsten und bezauberndsten, die ich je gelesen habe, ich habe die Lektüre genossen. Und ich kann das Buch wirklich nur empfehlen. Wer solche Erwachsen-werden-Romane mag und auch für die Fans des beliebten Fußballers, dafür eine Kaufempfehlung. Von mir 5 Sterne, gut gemacht.

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Marmor und Marillen

Ein Schimmern am Berg von Lenz Koppelstätter

Ein Schimmern im Berg, Kriminalroman von Lenz Koppelstätter, ‎ Kiepenheuer & Witsch eBook.
Commissario Grauner ermittelt zwischen Marmor und Marillen, parallel dazu in New York Saltapepe und Tappeiner.
Im Marmorbruch von Laas wird eine, von einer Marmorschneidemaschine, zerstückelte Leiche entdeckt.

Es handelt sich um die ortsansässige Bildhauerin. Einen Teil der Ermittlercrew verschlägt es in diesem Teil nach New York, deshalb ist Grauner auf die Mithilfe von Staatsanwalt Belli angewiesen. Marmor, vergiftete Marillen und die Mafia es ist rasant spannend.
Auch noch nach dem 10. Band bin ich von Koppelstätters Südtirolkrimis begeistert. Schon im Prolog setzt die Handlung mit der grausigen Auffinde-Situation ein, die Spannung bleibt auf hohem Niveau und endet in einem nervenzerreißenden Finale. Doch ein Versprechen für weitere packende Romane steht schon im Epilog. Das Spiel wird weitergehen. Dazwischen reichlich Wendungen und falsche Fährten und erst ganz am Ende habe ich die Auflösung zusammen mit den Ermittlern erfahren.
Im vorliegenden Band teilt sich das Ermittlerteam, denn die Geschichte betreffend den Marmor und der Bildhauerei ziehen Kreise bis in die Staaten. Da bieten sich Tappeiner und Saltapepe, die Urlaub in den USA machen, für Ermittlungen über dem Atlantik geradezu an. Dieser Handlungsstrang war noch brisanter als der in Südtirol. Ich konnte mich in die Angst von Saltapepe direkt hineinfühlen, auch das italienische Ambiente in New York habe ich genossen. Der Ermittlungszeitraum zieht sich vom 4. Bis zum 7 August. Kurze Kapitel abwechselnd in den Handlungssträngen befeuern die Lesegeschwindigkeit, da sie oft an den spannendsten Punkten wechseln. Italienische Phrasen, besonders Grauners Flüche, ebenfalls die schlagfertigen Dialoge machen die Geschichte lebendig. Ohne Übersetzung trotzdem verständlich. Ein flüssiger und bildhafter Schreibstil zeichnet Koppelstätters Romane aus. Gerne genieße ich die Südtirol Krimis, das Setting ist mir aus diversen Urlauben bekannt, bzw. macht Lust, beim nächsten Aufenthalt, die Orte zu besuchen.
Saltapepe ist immer wieder für Überraschungen gut, diese Figur hat sich im Laufe der Bände enorm weiterentwickelt. Tappeiner ist diesmal nicht so in den Vordergrund getreten. Grauner der schrullige Commissario, der seine Kühe und seine Familie gleichermaßen liebt, hat auch diesmal private Probleme, das macht ihn überaus menschlich und sympathisch. Trotzdem löst er den Fall auf bekannt souveräne Art. Diesmal im Beisein seines nicht so von ihm geschätzten Staatsanwalt Belli. Die Zusammenarbeit der beiden hat mich immer wieder schmunzeln lassen. Mir gefällt, dass sich der Autor immer wieder etwas Neues einfallen lässt, gut gemacht.
Auch Belli hat mich im Band 10 überrascht, er wirkte geradezu menschlich auf mich. Die Probleme der Menschen in Südtirol sind wieder einmal aus einer anderen Sicht zur Sprache gekommen. Das dies dem gebürtigen Südtiroler Autor am Herzen liegt merkt man in jeder Folge.
Ganz vorne befindet sich wieder eine Karte vom Gebiet der Marmorberge bei Laas im Vinschgau. Wer sich die Karte in Farbe und zoombar am Computer ansehen möchte, für den ist ein Link angegeben.
Ich fand den 10. Band der Südtirolkrimi-Serie ganz besonders unterhaltsam und spannend. Deshalb hatte ich auch kaum Gelegenheit den Reader aus der Hand zu legen, bis der letzte Satz gelesen war. Koppelstätter steigert sich immer mehr und die Krimis werden für mich von Band zu Band aufregender. Eine Verheißung auf Fortsetzung ist gegeben, darauf freue ich mich schon.
Ein Muss für Grauner-Fans, doch auch ohne Vorwissen kann dieser Band gelesen werden, allerdings wäre es schade die Entwicklung der Figuren nicht von Beginn an zu verfolgen.
Leseempfehlung und 5 Sterne

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Atemberaubendes Finale

Seelen, die in Scherben springen von Dania Dicken

Seelen die in Scherben springen, Profiler-Thriller von Dania Dicken, EBook
Abschlussband der Libby-Whitman-Reihe
Owen ermittelt im Darknet gegen einen Kinderporno-Ring. Zusammen mit Amaya seiner iranischen Kollegin versuchen sie bei einer Versteigerung einen kleinen Jungen zu retten, vergeblich. Owen macht sich schwere Vorwürfe.

Deshalb will Libby ihn unterstützen. Bald ergeben sich Hinweise, dass ein hoher Politiker in die Machenschaften verwickelt sein könnte und die Ermittlungen werden blockiert. Owen, Amaya und Libby geben jedoch nicht auf.
Es ist soweit, der letzte Teil der Profiler-Reihe ist gelesen und obwohl es sich um den bereits 20. Fall handelt, hat der Plot weder an Brisanz noch an Spannung oder Aktualität verloren. Da ich seit Libbys Kindheit in der Sadie-Reihe dabei bin, und das gesamte Umfeld mir bestens vertraut ist, hätte ich Libby bis zur Rente begleiten können. Dania Dicken schafft es mit dem genau richtig ausgewogenen Maß an Spannung und Entspannung, die Seiten beim Lesen nur so dahinfliegen zu lassen. Das Setting und die Personen sind so echt geschildert, dass man ständig das Gefühl hat dabei zu sein. So viele Themen wurden angesprochen, was Serienmörder, Kinderschänder und andere Verbrecher hergeben. Dabei hat die Autorin weder ihre Charaktere noch den Leser geschont, zu ertragen war es immer wieder durch die Beschreibungen des Freundes und Familienkreis der Protagonisten, Entspannung der Situation zwischendurch. Das hat emotionale Verbindungen geschaffen und mich jahrelang, die Reihen gefesselt lesen lassen. Dabei habe ich noch unendlich viel über wahre Fälle, psychologische Hintergründe und die Arbeit des Profilings gelernt.
Auch der vorliegende Fall hat mich wieder an meine Grenzen gebracht. Kindesmissbrauch und Kinderhandel, die Verbrechen am schwächsten Glied unserer Gesellschaft waren kaum zu ertragen. Perspektivenwechsel, schlagfertige Dialoge und der auktoriale Stil beleben die Geschichte, voller Vertrauen jedoch und an den Glauben, dass das Gute letztendlich siegt, habe ich den Ermittlern bei ihrer Arbeit zugesehen, mit Gänsehaut und Tränen in den Augen. D. Dicken hat es auch geschafft, alle offenen Fäden aufzunehmen und zum Ende zu führen, keine Fragen sind offen geblieben. Am Ende kann ich sie alle nur schwer gehen lassen, die mich jahrelang begleitet haben.
Es war mir eine Freude, es hat mich bestens unterhalten, im Epilog schreibt die Autorin sehr emotional, das ist mir auch ganz tief gegangen, dass sie ihre Bücher stets gelebt hat. Dabei zu sein, die Bücher mitzuerleben, ist Unterhaltung vom Feinsten. Ich kann die Profiler- Thriller der Autorin nur wärmstens empfehlen. Alle Reihen, von Anfang an.
Und für den Abschlussband, in dem es nochmal ordentlich zur Sache geht 5 Sterne.

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Das Fräulein und der GI

Im Warten sind wir wundervoll von Charlotte Inden

Im Warten sind wir wundervoll, Roman von Charlotte Inden, Piper ebook
Eine Geschichte die das Leben schrieb.
Im Dezember 1948 strandet Luise Adler am Flughafen in New York, denn ihr Verlobter, dem sie von Nachkriegsdeutschland gefolgt ist erscheint nicht, um sie abzuholen. Eine Flughafenmitarbeiterin nimmt sich um sie an und die Presse wird auf sie aufmerksam.

In kürzester Zeit ist das German Fräulein in allen Zeitungen und zu einer Berühmtheit geworden. Wenn ihr Verlobter nicht auftaucht muss Luise nach Deutschland zurückkehren. 70 Jahre später macht sich ihre Enkelin ebenfalls auf in die Staaten, auf der Suche nach der Liebe.
33 Kapitel gekennzeichnet mit römischen Zahlen, die einzelnen Kapitel unterteilt in Leseabschnitte überschrieben mit arabischen Ziffern. Die Autorin erzählt in verschiedenen Zeitebenen die munter durcheinander gereiht sind. Kurze und abgehackte Sätze und ein zerstückelter Erzählstil haben mich lange nicht in Lesefluss kommen lassen. Mir war am Anfang nicht immer klar in welcher Zeit ich mich überhaupt befinde.
Ich habe mich sehr auf die Lektüre gefreut, weil ich unbedingt etwas über die War Brides erfahren wollte, ein Teil der Geschichte kurz nach Ende des 2. Weltkriegs, über den ich bisher nicht viel wusste. Das Thema war gut gewählt und hätte sehr viel Interessantes hergeben können. Durch die verknappte Sprache, zum Teil Sätze mit ein oder zwei Wörtern, habe ich mich bei der Lektüre schwer getan. Der aufgesetzte Erzählstrang aus der Gegenwart, d.h. die Geschichte von Elfie, der Enkelin Luises war überflüssig, das hätte ich für diesen Roman nicht gebraucht. In diesem Teil hat mich die naive Protagonistin genervt, dieser Teil war für mich nicht nachvollziehbar, es hat Tiefe gefehlt.
Der historische Teil war interessant, die Schilderung wie hart das Leben 1945 in Deutschland war, über die alliierten Besatzungen, hier die Amerikaner und ihr Umgang mit den Deutschen war authentisch. Diese Abschnitte habe ich genossen. Auch wie Luise in den Staaten ankam und auf dem Flughafen gestrandet ist, war spannend erzählt, da wollte ich wissen wie es weitergeht, wie sich die Verwicklungen auflösen, hier habe ich mich gut unterhalten gefühlt, das hat mich nicht enttäuscht. Die Autorin bezieht sich hier auf die Grundlage einer wahren Geschichte.
Über den War Brides Act und den ergänzenden Fiancée Act, dazu die interessanten Hintergründe, werde ich mich vermutlich anderweitig informieren müssen. Wer auf dieses hofft ist hier falsch, wer einen Liebesroman in zwei Zeitebenen sucht wird hiermit zufrieden sein.
Von mir 3 Sterne.

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Der Preis der Freiheit

Die Schwarzgeherin von Regina Denk

Die Schwarzgeherin, Historischer Roman von Regina Denk, ein Droemer Ebook
In einer Welt in der die Freiheit den Männern gehört, nimmt sich eine Frau was ihr zusteht.
Theres ist die einzige Erbin des reichen Lachermeyer-Bauern. Alle ihre Brüder sind im Kindesalter oder bei der Geburt gestorben, im Kindbett dann auch ihre Mutter.

Der Vater wurde mit diesem Schicksalsschlag nicht fertig und konnte auch Theres nicht trösten. Ihr einziger Vertrauter ist Leopold ihr Jugendfreund, der Sohn des vermögenden Xantner-Bauern, die beiden sind sich schon seit Kindertagen versprochen. Damit kann Theres lebenshungrig und freiheitsliebend, sich nicht abfinden. Und dann kam der Fremde ins Dorf, geheimnisvoll und frech, mit grünen Augen wie Bergseen, Theres verfällt ihm und so kommt das Unglück über beide Familien.
Die Geschichte wird in mehreren Zeitebenen erzählt. 37 Kapitel die unterteilt sind in Leseabschnitte, aus der Jugendzeit von Theres, abwechselnd mit Abschnitten aus der Zeit in der Theres als die Schwarzgeherin bekannt ist, die Heilerin, die Hexe, die Ausgestoßene, die nur geholt wird wenn keine Aussicht auf Heilung besteht. Sie, die die Arbeit einer Hebamme macht, die oft helfen kann, wenn ein Wunder erwartet wird, später begleitet von ihrer erwachsenen Tochter Maria. Um den Überblick zu behalten, ist vor jedem Abschnitt das Jahr und das Alter von Maria bzw. Theres angegeben. Die diversen Zeiten wechseln sich ab, Rückblicke mit dem Geschehen 20 Jahre später. Das hat mich doch etwas im Lesefluss behindert. Dazwischen in kursiver Schrift, ein Zwischenspiel, die Geschichte eines Adlerweibchens, die blind ist für das Leid und das Elend, das sich auf der Erde abspielt.
Der Roman ist bildhaft und in einem düsteren Ton verfasst. Schwere Schicksalsschläge, Krankheit,Tod und harte Arbeit prägen den Alltag der Menschen, dazu kommt, dass Frauen, sobald sie aus der Obhut des Vaters kommen, unter die Fuchtel der Schwiegermutter und der Herrschaft ihrer Ehemänner geraten, selbstbestimmt leben ist unmöglich. Glaube und Aberglaube beherrschen das Leben in den Bergen. Theres bricht aus diesen patriarchalischen Verstrickungen aus und führt ein Leben außerhalb der Gesellschaft, das ist der Preis, den sie zu zahlen bereit ist. Dafür wird ihr von der eigenen Familie und den Menschen im Dorf übel mitgespielt. Ich habe mit Theres und ihrer Tochter gelitten und geweint und ich bin froh in der modernen Welt leben zu dürfen. Diese Geschichte hat mich oft an meine Grenzen gebracht, ob der Ungerechtigkeit die Theres und auch Maria widerfahren ist. Immer wieder haben sich neue ungeahnte Wendungen entwickelt. Die Handlung ist nachvollziehbar, die Figuren authentisch, ein Roman voll Atmosphäre und Tragik. Spannung ist überreichlich vorhanden.
Sämtliche Figuren sind charakterlich sehr gut beschrieben. Ganz besonders in die Seele und die Gedanken der Schwarzgeherin habe ich Einblick erhalten. Doch auch alle anderen Figuren sind hervorragend ausgeführt. Die Landschafts- und Naturbeschreibungen haben mich fasziniert. Ich finde dieses Buch sollte unbedingt verfilmt werden.
Ich bin vom Roman begeistert, einzig die Sprünge in der Zeit haben mich anfangs gestört.
Eine absolute Leseempfehlung. Wer Familientragödien mag, wird das Buch genießen.
Von mir 5 Sterne

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Tea for two

Tee auf Windsor Castle von Claire Parker

Tee auf Windsor Castle, Roman von Claire Parker, EBook erschienen im Atlantik-Verlag
Die Geschichte einer wahrhaft königlichen Begegnung.
Kate besucht mit einer Touristengruppe, Schloss Windsor. Als sie ein dringendes Bedürfnis verspürt, und nach einer Örtlichkeit sucht, verläuft sie sich im Labyrinth der Flure, dort stößt sie auf eine liebenswerte ältere Dame, die der verstorbenen Elizabeth II sehr ähnlich sieht.

Einen Tag und eine Nacht tauschen sich die beiden aus und werden Freundinnen. Zusammen entdecken sie die Welt, mit den Augen der anderen. Und finden heraus was im Leben wirklich zählt.
Ein flüssig geschriebenes, unterhaltsames Buch, bildhaft geschildert. Es ist nicht sehr umfangreich und ich konnte den Roman an einem Nachmittag lesen. Es ist in 12 Kapitel eingeteilt, die jeweils mit einem, den Inhalt zusammenfassenden Titel versehen sind. Besonders unterhaltsam fand ich die teils witzigen, schlagfertigen und auch nachdenklichen Dialoge. Das Sprachniveau der beiden Frauen ist hier sehr gut dargestellt. Ein Buch das gut unterhält und ohne große Aufregung oder Spannung weggelesen werden kann.
Mir war von Anfang an klar, um wen es sich bei Betty handelt. Auf die Erklärung habe ich tatsächlich hin gefiebert und es wurde für mich einigermaßen plausibel erläutert. Viel nachvollziehbarer und perfekter wäre die Erzählung gewesen wäre die Handlung ein paar Jahre vorverlegt gewesen, das hätte an der Botschaft des Buches, nicht viel geändert. So, unterschiedlich die beiden Frauen auch sind, dass sie sich sympathisch sind, wurde gut dargestellt. Besser gefallen hat mir jedoch Betty, souverän, so elegant und lebensklug wie sie sich gab, man muss sie einfach mögen. Ich denke jedoch auch, dass Kate in ihrer Einstellung gegenüber dem Adel und besonders gegenüber den Royals, einiges verändert hat. Dass Kate nicht schon früher hinter die wahre Identität von Betty gekommen ist, hat mich jedoch erstaunt. Das wurde am Ende etwas schnell abgehandelt. , Die Figur Ioana am Ende des Buches und ihre Rolle im Buch hat mich verwirrt, war absolut unnötig.
Dazu bekommt der Leser, eine Menge Lebensweisheiten von Betty, die man sich merken sollte, die auch hinten im Buch noch einmal unter „Bettys goldene Regeln für ein besseres Leben“ aufgeführt sind.
Insgesamt denke ich jedoch, dass es nicht so einfach wäre als Person die nicht zum königlichen Haushalt gehört, einfach mal so, unerkannt, einen ganzen Tag auf Schloss Windsor zu verbringen.
Ich hatte während der Lektüre gehofft, dass sich an der privaten Situation von Kate etwas durch diese Begegnung verbessert, das ist jedoch ausgeblieben.
Von mir 3 Sterne.

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Im Patriarchat gefangen

Dorf ohne Franz von Verena Dolovai

Dorf ohne Franz, Roman von Verena Dolovai, EBook, aus dem Septime-Verlag
Debütroman der Autorin
Maria ist in den 60er Jahren mit ihren Brüdern Josef und Franz in einem Dorf aufgewachsen, Josef der Ältere tritt in die Fußstapfen des Vaters und erbt den Hof. Franz das Nesthäkchen ist der Liebling der Mutter und wird von ihr verhätschelt.

Dieses Buch beschreibt den rauen Alltag im Leben der Protagonistin.
Das Buch enthält viel Lokalkolorit, bildhaft und flüssig beschrieben und durch die fesselnden Dialoge hat der Leser zu jederzeit im Gespür, dass dieser Roman auf dem Land und in Österreich spielt. Die Autorin hat als Erzählform den Ich-Stil, aus der Sicht der Protagonistin Maria gewählt. Eine hervorragende Innenansicht ist dadurch ermöglicht. Aufgeteilt in Leseabschnitte in idealer Länge.
Ein hartes Leben für ein Mädchen, auf dem Land, zur damaligen Zeit, mit Regelschulabschluss und ohne Lehre. Josef der ältere Bruder kommt nach dem Vater und wurde von ihm unterstützt, als Hoferbe erzogen, Franz, Mutters Liebling, der schwächliche zarte Bruder, bekommt sein Erbe ausbezahlt und verschwindet ins Ausland. Und dazwischen Maria, die auf ihr Erbe verzichtet, die keine Chance bekam, auf eine höhere Schule zu gehen. Davon und vom Leben in der Stadt, hat ihr nur ihre damalige Freundin Theresa berichtet. Maria bekam nur immer zu hören sie sein dumm und ungeschickt. Nach der Schule eine Lehre? Wozu, man brauchte eine billige Arbeitskraft auf dem Hof … und Mädchen heiraten ja doch. Sie hat den Wirtssohn Toni geheiratet, aber auch hier wurde sie betrogen, denn nicht Toni der Ältere, sondern sein Bruder Ferdinand wird der neue Wirt. Toni ist Alkoholiker und Schürzenjäger. So bleibt Maria eine Dienstmagd, selbst als sie verheiratet ist muss sie ihrem Vater die Putzarbeiten machen, die Mutter pflegen und auf dem elterlichen Hof arbeiten. In der Wirtschaft ist sie nur eine billige Dienstmagd zum Spülen und niederen Arbeiten. Selbst den Schwiegervater pflegt sie bis zu seinem Ende. So ist das traurige Leben von Maria, von patriarchal geprägten dörflichen Strukturen und der Schwierigkeit, auszubrechen. Und soweit fand ich das Buch fesselnd und sehr unterhaltsam.
Das Ende fand ich komisch, ich mag Bücher nicht die aufhören, bevor die Geschichte zu Ende ist. Immer wieder habe ich zurückgeblättert und geprüft ob ich etwas überlesen oder nicht mitbekommen habe, so ein abrupter Plottwist ist mir selten untergekommen. Schade.
Bis auf den Schluss fühlte ich mich hervorragend unterhalten, meine Lieblingsfigur war nicht die Protagonistin, ich finde sie hätte sich einfach mehr durchsetzen sollen, keine Entwicklung bei ihr feststellbar. Eine richtig sympathische Figur war eigentlich am ehesten der Wirt Ferdinand oder Franz der jüngere Bruder. Ich finde allgemein, dass keine der Frauen im Buch gut weggekommen ist.
Bis zum Plottwist war ich vom Buch begeistert. Die Nomination zum österreichischen Buchpreis fand ich angemessen. Der ernüchternde offene Schluss jedoch hat mich enttäuscht.
Trotzdem möchte ich das Buch empfehlen und vergebe 4 Sterne.

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Kluftinger im Wahlkampf

Lückenbüßer von Volker Klüpfel; Michael Kobr

Lückenbüßer, Allgäu-Krimi von Volker Klüpfel & Michael Kobr.
Kluftinger und seine Crew ermitteln in ihrem 13. Fall
Einsatz in den Bergen, Interims-Polizeipräsident Kluftinger leitet den Einsatz, doch am Ende gibt es eine Leiche, ein Polizist kommt ums Leben. Ist die chaotische Einsatzplanung schuld? Doch Kluftinger und sein Team ermitteln gekonnt professionell.

Können sie den Täter zur Strecke bringen? Doch derweil hat der beliebte Allgäuer Kriminaler ganz andere Sorgen. Aus Gutmütigkeit lässt er sich als Lückenfüller, auf eine Wahlliste zum Gemeinderat, auf einen der hinteren Listenplätze setzen. Vorerst. Doch als er realisiert, dass sein Erzfeind Langhammer in der Gegenpartei kandidiert, wird daraus ein echter Wahlkampf.
Wie immer in erfrischender Allgäuer Mundart, jedoch auch für Nicht-Allgäuer gut verständlich, gibt es lustige zum Teil derbe Dialoge und Wortgefechte. Das Buch ist flüssig zu lesen. Mit viel Lokalkolorit und im auktorialen Stil. Ganz besonders hervorgehoben durch kursive Schrift, sind Transparent-Slogans, Liedtexte, Schlagzeilen und Instagram- sowie Facebook-Kommentare.
Endlich ist auch unser Klufti im Zeitalter der neuen Medien angekommen, relativ sicher geht er mittlerweile mit Computer und Handy um. Ein Mann in seiner Position, dies macht ihn einfach authentischer, dafür weniger komisch. Weniger lustige Szenen. Gerade immer dieses Unvermögen hat mich amüsiert. Diese Ungeschicke und lustigen Szenen fehlen in diesem Band fast vollständig. Weitab vom Klamauk kommt diese Folge daher. Ich mag den neuen Klufti eigentlich schon, das macht ihn so echt, er hat sich weiterentwickelt. Sympathisch und seriös, zum Ende hin wächst er sogar über sich hinaus, das hätte ich nicht erwartet.
Leider lässt dieser Teil 13 aber dadurch an Unterhaltungswert nach. Ich musste bei der Lektüre nicht ein einziges Mal laut auflachen. Schade, deswegen habe ich diese Allgäu-Krimis eigentlich geschätzt. Wenn ich einen ernsthaften Krimi oder Thriller möchte, dann lese ich ein anderes Buch. Ich persönlich bin gerade deswegen ein Fan dieser Reihe. Gscheithaferl Richie Maier war meine Lieblingsfigur. Nachdem mir im letzten Fall die neue Kollegin Lucy gut gefallen hat, hätte ich in dieser Folge mehr von ihr gewünscht.
Auch sein Intimfeind Langhammer kommt in der Folge nicht gut weg. Auch hier habe ich die komischen Szenen zwischen den beiden vermisst. In Band 13 geht es um Wahlkampf, deshalb werden auch viele kommunalpolitische Themen angesprochen. Das macht diesen Band aktuell. Der Kriminalfall ist interessant, wird mit Professionalität gelöst und es sind auch spannende Szenen vorhanden. Es war insgesamt sehr unterhaltsam.
Ein unbedingtes Muss für die Fans vom Allgäuer Kriminalkommissar. Da am Ende ein Cliffhanger steht, hoffe ich dennoch, dass es mit Kluftinger und seinen Kollegen, sowie Familie und Freunden weitergeht. Gerne das nächste Mal wieder ein wenig lustiger, der schwächste Band der Reihe bisher. Von mir diesmal 4 Sterne.

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Der Deserteur

Und später für immer von Volker Jarck


Und später für immer, Historischer Roman von Volker Jarck, 208 Seiten, erschienen im Insel-Verlag.
Eine beinahe wahre Geschichte über die Menschlichkeit in unmenschlicher Zeit.
In den letzten Wochen des 2. Weltkriegs desertiert der junge Feldwebel Johann Meinert, er will nach Hause zu seiner jungen Frau und dem neugeborenen Kind.

Er versteckt sich nicht weit von zuhause bei Onkel und Tante in einer Scheune. Er wird von Frieda dem jungen Nachbarsmädchen entdeckt. Wird sie ihn an die Feldjäger verraten?
Das Buch besteht aus acht Teilen. In den einzelnen Teilen, geht es in der Zeit unregelmäßig hin und her. Gegenwartsbeschreibungen wechseln mit Rückblicken und Tagebucheintragungen, die Handlungsstränge wechseln abrupt, deshalb habe ich mich relativ schwer getan dem Geschehen zu folgen, abgehackte Sätze, ein Lesefluss hat sich nicht eingestellt. Obwohl der Text nicht sehr umfangreich ist kam ich nur sehr langsam vorwärts. Die Dialoge zwischen den Kameraden wie auch zwischen Johann und Frieda, waren unübersichtlich. Für mich nicht ganz einfach nachvollziehbar. Dazwischen kursiv, Liedtexte, Filmtitel, Zitate aus Filmen und mundartliche Phrasen für mich nicht immer verständlich.
Bei der Vorstellung des Buches habe ich mich auf einen ganz anderen Verlauf gefasst gemacht, was zwischen Johann und Frieda eigentlich genau passiert ist, ist mir unklar. Zwischendurch jedoch immer wieder emotionale und ans Herzen gehende Abschnitte, die Gefahr bei Kriegseinsätzen, der Abschied an Bahnhöfen, die Nachrichten von gefallenen und vermissten, Brüdern Männern oder Söhnen. Ich hätte mir einen Protagonisten gewünscht, der hin und hergerissen zwischen Treue fürs Vaterland und zu seiner Frau handelt. Das hat der Autor nicht geschafft rüberzubringen. Solch spannende Szenen, als Johann auf der Leiter ein Näherkommen eines Menschen und Schritte bemerkt hat, so hätte ich mir das gesamte Buch gewünscht. Keine der Personen konnte ich charakterlich einschätzen, sämtliche Figuren sind mir fremd geblieben.
Das Buch beruht wohl auf die Erlebnisse des Großvaters des Autors. Etwas mehr Ordnung in den Geschehnissen, einige Szenen ausführlicher geschildert, etwas mehr Ordnung in der Zeitabfolge. So hätte mir der Roman gefallen. Die Grundlage dafür war wohl gegeben.
Es gibt sicher Leser, die vom Buch überzeugt sind. Von mir 2,5 wenn nötig 3 Sterne.

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Die Zeit läuft

Hast du Zeit? von Andreas Winkelmann

Hast du Zeit? Thriller von Andreas Winkelmann, 416 Seiten, ein Rowohlt Taschenbuch

Der neue Thriller von Andreas Winkelmann

Lars Grotheer ein ehemaliger Polizist wird von seiner Tochter gebeten, auf eine Kollegin achtzugeben, die sich gestalkt fühlt. Doch auch Grotheer kann nicht verhindert dass sie getötet wird.

Gleichzeitig wird die junge Schornsteinfegerin Felizitas entführt, während sie mit ihrer Freundin Lilly telefoniert. Immer mehr Menschen verschwinden, auch Grotheers Tochter. Die Opfer verbindet eine leere Sanduhr, die sie geliefert bekamen. Lars und Lilly beginnen zu ermitteln und geraten selbst in Lebensgefahr.

Die überschaubaren Kapitel sind mit Datum und Uhrzeit versehen, der Handlungszeitraum ist daher gut überschaubar. Die Zeitangabe finde ich außerdem passend, weil es in diesem Thriller um das Thema Zeit geht. Der Schreibstil ist auktorial und sehr flüssig, der Spannungsbogen nervenzerreißend hoch. Mit anderer Schrift hervorgehoben, dazwischen, immer wieder Abschnitte aus Sicht des Täters, in denen er sich direkt an den Leser wendet Die am Anfang etwas verwirrten, aber im Lauf der Geschichte immer klarer und dazu unheimlicher wurden. Die Geschichte um Hannah und was in der Jugend des Täters geschah. Lange bin ich auf der Suche nach dem Mörder im Dunkeln getappt, ungeahnte Wendungen und falsche Fährten haben mich in die Irre geführt. Die Auflösung hat mich überrascht. Das Setting ist gut beschrieben, da ging Kopfkino ab.
Das Finale war brutal und atemberaubend, nicht gestellt und schon gar nicht gefällig geschrieben und trotzdem perfekt. Die Figuren waren sehr gut charakterisiert. Mutig, klug und durchdacht handeln sie, zunächst ohne Unterstützung der Behörden, dabei sind sie sympathisch und ihr Handeln nachvollziehbar, mein Lieblingscharakter war Grotheer, ein toller Typ und auch "Jemand" hat mein Herz erobert. Etwas weniger „Besetzung“ hätte der Übersicht halber gut getan.
Den neuen Winkelmann kann ich nur empfehlen. Einmal darüber nachzudenken, wieviel Zeit man vergeudet oder einem genommen wird, dazu hat mich dieser Thriller angeregt. Eine Empfehlung für die Leser die gerne spannende und profunde Thriller lesen und natürlich für alle Winkelmann-Fans.
Dazu von mir 4 Sterne

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