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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Ele95:

In Almuts Küche

Am liebsten sitzen alle in der Küche von Julia Karnick

Am liebsten sitzen alle in der Küche, Roman von Julia Karnick, 352 Seiten erschienen bei dtv.
Eine humorvolle Erzählung über drei ungleiche Freundinnen. Über die Kostbarkeit von Freundschaft, und dass es mit Anfang 50 noch nicht zu spät ist, um Spaß zu haben.
Almut trennt sich von ihrem Mann, der sich eine jüngere Geliebte zugelegt hat.

Die Kinder bis auf die jüngste Tochter, denen sie ihre gesamte Jugend geopfert hat sind längst aus dem Haus. Überflüssig und alleine weiß sie nichts Rechtes mit sich anzufangen. Da lernt sie Tille kennen, alleinerziehend, Urologin mit einem pubertierenden Sohn, die nebenan wohnt. Die dritte in der Runde Yeliz, eine kinderlose Werbefachfreu, die mit einem dänischen Tischler verheiratet ist. Die drei werden Freundinnen und treffen sich regelmäßig, Donnerstagabend bei Almut, zum gemeinsamen Essen und um ihre Probleme zu besprechen, dabei finden die drei, auf den ersten Blick so verschiedenen Frauen heraus, dass es einen Mann gibt, der allen dreien das Leben schwer macht.
Das Buch besteht aus einzelnen m Kapiteln, die in idealer Leselänge geschrieben sind, die Titel der Kapitel sind dem jeweiligen Inhalt angepasst. Als Erzählstil hat die Autorin die auktoriale Form gewählt, die Leser sind somit in der Lage, jederzeit den Überblick über das gesamte Geschehen zu erhalten. Die einzelnen Kapitel sind größtenteils aus der Sicht einer einzelnen Freundin geschrieben. Lustige und lebhafte Dialoge, beleben das Buch enorm, Türkische und dänische Phrasen hätte ich mir durchgehend übersetzt gewünscht. Situationskomik ohne platt zu wirken, Spannung ganz besonders zum Ende und die teils freche, moderne Sprache, haben mich fasziniert, haben mich bestens unterhalten und mich nur so durchs Buch fliegen lassen. Des Öfteren musste ich über besonders lustige Szenen lachen. Die ganze Geschichte wirkt wie aus dem prallen Leben gegriffen.
Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt. Heiter und humorvoll wird das Leben der drei Frauen geschildert, die Damen handeln authentisch und nachvollziehbar, der Plot ergab Sinn, war gut aufgebaut und das Ende fand ich genial. Das Buch ist der Beweis, dass Frauen in diesem Alter auch so richtig Spaß haben können. Meine Lieblingsfigur war Tille, die Urologin, die Kapitel die ihr gewidmet waren, fand ich am unterhaltsamsten, besonders die Szenen aus ihrer Praxis. Sie ist frech, steht im Leben, nur im Umgang mit ihrem Sohn hat sie Probleme, doch auch sie entwickelt sich im Lauf der Geschichte, die größte Veränderung hat jedoch Almut geschafft, mit ihr konnte ich mich hervorragend identifizieren. Auch Yeliz hatte an Unterhaltung einiges zu bieten, die Grätsche zwischen der erfolgreichen Karrierefrau, Ehefrau und Frau mit türkischen Wurzeln schafft sie meist ganz geschickt.
Gerne wäre ich an den Donnerstagabenden in der Runde um Almuts Küchentisch dabei gewesen. Das Buch hat mir Freude gemacht und mich gut unterhalten. Ein absolutes Frauenbuch, nicht nur für die Generation 50+. Eine Leseempfehlung und 4 Sterne.

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Pygmalion-Mythos

Galatea von Madeline Miller


Galatea, Ebook von Madeline Miller by Eisele eBooks
Göttlich antiker Feminismus.
Hoch auf einer Klippe auf Zypern, eine Frau eingesperrt und bewacht von Schwestern und Ärzten. Ein Mann der sie täglich besucht. Sie erstarrt zu Stein und wird unter seinen Händen wieder lebendig. Der Bildhauer Pygmalion hat eine Statue geschaffen, so makellos, dass er sich in sie verliebt.

Die anderen Frauen der Insel sind ihm zu verdorben, er sucht das Reine das Unschuldige. Die Göttin Venus erhört seine verzweifelten Gebete und erweckt sie zum Leben.
Ich habe „Circe“ und das „Lied des Achill“ der Autorin der Autorin schon lange auf meinem Wunschliste, auch die ausgezeichneten Rezension haben mich neugierig gemacht, da vorliegendes Buch weniger umfangreich ist, habe ich hiermit begonnen.
Zuerst einmal fand ich die eigentliche Erzählung sehr kurz, das Vorwort der Autorin, die Übersetzung der Ovid-Geschichte und das Nachwort des Philologen machen insgesamt mehr Text aus. Mir haben die Vor-und Nachworte gut gefallen und mich bestens informiert und zum Nachdenken angeregt, aber m.M. nach wäre es so umfangreich nicht nötig gewesen. Es gibt zu viele Wiederholungen des Geschehens. Was mich dagegen sehr begeistert hat, sind die Illustrationen von Thomke Meyer.
Anders als in der bekannten Ovid-Ausführung bekommt hier die belebte Elfenbeinstatue einen Namen – Galatea, dafür wird ihr Schöpfer nur „Der Gatte“ genannt. Nicht alles wird hier erzählt es bleibt für die Leser Raum zur eigenen Interpretation, vor allem weil die Geschichte aus der Sicht von Galatea geschildert wird. Das Rollenspiel das „er“ bei seinen Besuchen vollzieht finde ich schon pervers. Galateas Wünsche und Sehnsüchte werden ignoriert. Die Gefühle Galateas fand ich nachvollziehbar geschildert. Miller hat damit einem Klassiker einen feministischen Touch gegeben.
Eine neue Interpretation der mythischen Überlieferung, interessant. In guten Worten geschildert, für mich hätte es ein wenig mehr sein dürfen, der Preis dafür komplett überzogen.
Dafür 3 Sterne und eine Lese-Empfehlung

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Ein sehr seichter Familienroman

Sommerschwestern von Monika Peetz

Die Sommerschwestern, Roman von Monika Peetz, 295 Seiten, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.
Noch einmal treffen sich die vier Thalberg-Schwester auf den Wunsch ihrer Mutter in Bergen, dem Ort in Holland an dem sie in ihrer Kindheit regelmäßig die Familienferien verbracht haben.
Auf Bestreben Henriettes treffen die vier „Sommerschwestern“ in Bergen, einem Ort in Holland, in dem die Familie früher regelmäßig Urlaub gemacht hat, zusammen.

Zwanzig Jahre sind vergangen seit dem letzten Urlaub bei dem der Familienvater tödlich verunglückte, die vier Schwestern haben sich vollkommen auseinandergelebt. Jede hat ihre eigenen Geheimnisse und Sorgen und die Mutter überrascht sie auch noch mit einer großen Überraschung.
Das Buch besteht aus 33 Kapiteln, jedes mit einer Überschrift die den Inhalt beschreibt. Die Autorin hat als Stilmittel die auktoriale Erzählweise gewählt, und somit gewährleistet, dass der Leser den Überblick behält. Jedoch wird in der Hauptsache aus der Sicht von Yella berichtet, diese Schwester kann man deshalb auch am besten kennenlernen. Der Roman wird durch holländische Phrasen und Gerichte belebt, die in kursiver Schrift erscheinen und ein wenig Hollandfeeling aufkommen lassen. Der Erzählstil ist bildhaft und flüssig, doch hätte ich mir manchmal eine etwas genauere Beschreibung des Geschehens gewünscht.
Sofort habe ich ins Buch gefunden und Lesefluss hat sich auch unmittelbar eingestellt. Dennoch sind mir alle Schwestern fremd geblieben. Yella die mittlere der Schwestern lernt man dabei etwas näher kennen. Die jüngsten der Familie die Zwillinge Amelie und Helen, sind so unterschiedlich wie es Schwestern und gerade Zwillinge nur sein können, eine tiefere Charakterisierung hätte ich mir gewünscht. Nicht immer handeln die Figuren nachvollziehbar, das Gefüge und das Verhältnis der Schwestern zueinander zu vertiefen hätte dem Roman gutgetan. Auch die Mutter ist mir in der Geschichte fremd geblieben. Ganz schlimm und unsympathisch fand ich Doro die Älteste der Geschwister, eine ganz fiese und gemeine Person. Spielt die Familie gegeneinander aus, haut ihre eigene Schwester Yella in die Pfanne, bleibt der jüngsten Amelie Geld schuldig, obwohl die sowieso immer knapp bei Kasse ist. Erst ca. 100 Seiten vor dem Ende kommt noch etwas Spannung auf. Ein gemütliches Urlaubsfeeling kam bei mir jedoch nicht auf, das Gezänk der Schwestern hat mich genervt, so richtig nett gehen sie nicht miteinander um, m.M. nach ist das vor allem Doro und Henriette, der Mutter vorzuwerfen, die egozentrisch und schwierig ist.
Auch wenn es zum Schluss noch einmal emotional wird, bleibt ein Gefühl, dass einfach viel mehr in der Geschichte drin gewesen wäre. Die Spannung kam leider auch zu spät. Zuerst dümpelt die Story gemächlich vor sich hin und am Ende überschlagen sich die Ereignisse. Der Roman kommt mir absolut unrealistisch vor. Von mir deshalb 2,5 bzw. 3 Sterne.

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Von der Muse geküsast

Gala und Dalí - Die Unzertrennlichen von Sylvia Frank

Gala und Dali, Roman von Sylvia Frank, 445 Seiten, erschienen im Aufbau Taschenbuch Verlag.
Ein bewegender Roman über ein ungleiches Paar.
Gala Éluard begleitet ihren Ehemann Paul nach Spanien. Dort will er einen jungen vielversprechenden Künstler treffen, Salvador Dali. Für Dali ist es Liebe auf den ersten Blick, doch auch Gala fühlt sich immer mehr zu dem unbeholfenen, schüchternen Mann hingezogen.

Dennoch folgt Gala Paul wieder zurück nach Frankreich. Als Dali eines Tages, in Paris wieder auf Gala trifft, kommen die beiden zusammen und werden unzertrennlich. Sie ist seine Muse und Gala will, dass Dalis Kunst aller Welt offenbar wird.
Ein Roman der viel mehr ist als ein Liebesroman, ist dem Autorenduo Sylvia Frank hier gelungen. Der Roman teilt sich in drei Teile, die in 38 Kapitel gegliedert sind. Da einige Kapitel mit Ort und Jahreszahl untertitelt sind, ist es leicht sich in den Zeitabläufen zurechtzufinden. Kurze und flüssige Kapitel lassen den Leser nur so durchs Buch gleiten. Die herrlichen bildhaften Landschaftsbeschreibungen, die guten Schilderungen der Personen und der flüssige Erzählstil machen das Lesen zum Vergnügen. Immer wieder war ich überrascht wie viele Seiten ich in kurzer Zeit schon wieder verschlungen habe. Das Autorenduo hat die Multiperspektive als Erzählform gewählt, abwechselnd kann man lesen, was im Kopf von Gala, bei Dali und auch bei anderen Charakteren vorgeht, zu jeder Zeit ist somit auch der Gesamtüberblick über das Geschehen gewährleistet. Gedanken, französische und spanische bzw. katalanische Phrasen, sowie Briefe sind in kursiver Schrift gedruckt und auf diese Weise deutlich gemacht.
Die Figuren, auch die Nebenfiguren sind tiefgründig charakterisiert, die beiden Protagonisten sowieso, Galas Beweggründe und Überlegungen, Dali zu fördern und ganz groß rauszubringen waren somit gut nachvollziehbar. Besonders faszinierend fand ich die Gefühle und Gedanken die sich der Künstler beim Schaffen seiner Werke gemacht hat. Das war für mich ein Highlight im Buch. Obwohl sich die Reihe „Berühmte Paare und große Geschichten“ nennt, war die Liebesbeziehung der beiden im Buch eigentlich nicht im Vordergrund. Das Buch beschreibt den Zeitraum von 1929 – 1931. Was die beiden einander waren und wie dringend sie sich brauchten, kommt hervorragend nachvollziehbar an die Oberfläche. Gala hat mit Dali vermutlich das getan, was man „ganz groß herausgebracht“ nennt. Auch hat sie ihn oft genug zu seinen Werken inspiriert. Dass dies aus Liebe und nicht aus monetären Gründen geschah, steht fest, denn dafür, hat sie ihr Luxusleben, ihren Wohlstand und gesellschaftliches Ansehen an der Seite von Éluard aufgegeben. Die Schaffensphase der Kunstwerke habe ich gerne verfolgt und auch mit Recherchen im Internet begleitet. Die Leichtigkeit, Exzentrik und Verrücktheit Dalis hat mich fasziniert. Ich habe viel über den Künstler gelernt. Dali war, wie so manch anderer bildender Künstler, exzentrisch. Gala hat ihn geerdet und sein ganzes Leben lang inspiriert, sie ist im Buch meine Lieblingsperson.
Ich habe dieses einfühlsame und emotionale Buch sehr genossen. Habe auch viel über den Surrealisten Dali und seine Werke gelernt und mich weiter informiert. Ein ganz großes Lob dem Autorenehepaar für die, nach eigenen Angaben, oft schwierigen Recherchen, eine Leseempfehlung und fünf Sterne.

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Brillantes Abschlussfeuerwerk

Die Seele des Bösen – Todesliebe von Dania Dicken


Die Seele des Bösen – Todesliebe, Profiler-Thriller von Dania Dicken, Ebook Hrsg. ‎ Independently published.
Der Abschlussband, Teil 20, der spannenden Sadie Scott Reihe.
Matt hat es geschafft, verschiedene Preise und eine Ausstellung seiner Fotografien in einer renommierten Galerie. Sadie ist mit Recht stolz auf ihn.

Dort trifft sie auf ihren früheren Kollegen Nick Dormer, der mit den Agenten vom hiesigen FBI versucht, einen kannibalistischen Serienmörder zu finden. Gerne lässt sich Sadie dazu überreden beratend bei der Profil-Erstellung mitzuwirken. Sehr schnell ist sie dadurch zusammen mit LAPD- Detective Nathan Morris, tiefer in den Fall verwickelt als ihr lieb ist.
Dieser Abschlussband hat es in sich. Diese unerträgliche Spannung, die sich schnell aufbaute, war wirklich nicht mehr zu übertreffen. Auch der Einstieg war einfach und genial gemacht, die meisten liebgewonnenen Weggefährten von Matt und Sadie waren dabei, sofort hat sich Lesefluss eingestellt. Wieder war ich von der Schreibweise der Autorin begeistert. Der flüssige und vor allem bildhafte Erzählstil, hat mich komplett überzeugt. Es war so spannend, dass ich das Lesegerät nicht mehr aus der Hand legen konnte. Mehr als einmal bin ich als hartgesottene Leserin, an meine Grenzen gekommen, definitiv ist Band 20 der Sadie Scott Reihe, nichts für zartbesaitete Gemüter.
Besonders gefallen haben mir die Verhandlungsszenen von Sadie und auch ihrer Tochter Libby mit dem Täter, die Autorin weiß, worüber sie schreibt, dies ist ihrer psychologischen Ausbildung zuzuschreiben. Der Übergang zu den Libby-Thrillern der Autorin ist dadurch meisterhaft gelungen. Libby ist schon seit ein paar Bänden der Serie, meine Lieblingsfigur, da ihr im Verlauf der Reihe eine gewaltige Entwicklung zuzuschreiben ist. Dania Dicken hat in ihren Büchern nur tief charakterisierte Figuren. Und sind sie nicht sympathisch, dann sind sie hochinteressant, gefährlich oder wahre Scheusale.
Den Fans der Reihe möchte ich diesen Abschlussband mit Paukenschlag ganz eindringlich ans Herz legen, die ganze Reihe ist es wert gelesen zu werden und dieser Teil ist der krönende Abschluss. Auch die angeführten realen Fallbeispiele sind die Highlights in D. Dickens Büchern. Immer wieder haben sie mich zu weiterführenden Recherchen animiert. Die Kapitel aus Tätersicht haben mir Gänsehaut verursacht, so real beschrieben, dass es wie ein Film vor meinen Augen ablief.
Eigentlich hätte ich den letzten Band noch langsam und genussvoll schmökern mögen, es war unmöglich. Von mir 5 verdiente Sterne.

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Vom Handwerk zur Fabrik

Die Seifenmanufaktur – Der Duft des Neubeginns von Farina Eden

Die Rezeptur der Träume, 2. Teil der Seifenmanufaktur von Farina Eden, E book, erschienen bei Piper ebooks.
Duftende Seifen und das Schicksal einer Familie, die Seifenproduktion geht in ein neues Jahrhundert.
Hanna, die Gründerin der Seifenmanufaktur Schmieger übergibt die Manufaktur und die Seifenproduktion in die Hände ihres Sohnes Anton.

Nachdem die Manufaktur bis auf die Grundmauern abbrennt, scheint das Ende des Familienunternehmens gekommen. Antons Verlobte Helen lässt sich jedoch nicht entmutigen, durch das Geld ihrer Eltern kann eine neue große Fabrik zur Seifenherstellung entstehen. Kann die Ehekrise zwischen Anton und Helen oder womöglich der 1. Weltkrieg alles zerstören?
In kürzester Zeit habe ich den 2. Teil der Seifensieder-Saga gelesen. Schon mit der im Prolog geschilderten Läuterung von Henriette, schließt vorliegende Geschichte an den Vorgängerband an, Lesefluss hat sich sofort eingestellt. Die Autorin schreibt flüssig und im auktorialen Stil, zwei Zeitebenen ermöglichen es dem Leser die nächste Seifenherstellergeneration zu beobachten, durch den Henriette-Strang der ca. 30 Jahre früher spielt ist die Verbindung und somit der Zeitsprung genial hergestellt. 39 Kapitel umfasst die Geschichte, der Überblick ist durch die überschriebenen Namen und ebenfalls das genaue Datum gewährleistet.
Die Autorin ist auch in diesem Teil wieder sehr nah dran an ihren Figuren, die authentisch handeln, es ist dem Leser gut möglich sich mit ihnen zu identifizieren. Es war erneut fesselnd, Lissi, Helen und die anderen Figuren durch Rothenburg o. d. Tauber zu begleiten, da ich mich dort sehr gut auskenne, eine bildhafte Schilderung kann ich feststellen. Eine hervorragende Recherchearbeit kann ich der Autorin nur bestätigen, Fakten über Rothenburg sind im Anhang angefügt. Die Seifenfabrik, die ihrem Roman als Vorlage diente, war die Aula Seifenfabrik in Rothenburg 1840 als kleine Siederei gegründet, vollzog der Handwerksbetrieb in der Georgengasse Nr. 5 Ende des 19. Jahrhunderts die Entwicklung hin zu einer Fabrik, die noch bis in die 1970er-Jahre existierte. Die im Buch geschilderte Künstlerin, hat ein reales Vorbild, auch dies ist im Anhang beschrieben.
Lesefluss hat sich bei mir auf den ersten Seiten eingestellt und ich konnte das Buch erst aus der Hand legen, als die letzte Seite erreicht war. Und doch hat mir der erste Band etwas besser gefallen, Spannung und Dramatik waren dort etwas mehr enthalten, trotzdem freue ich mich nun schon auf den abschließenden 3. Band der Serie.
Wer gerne Generationsromane mit realem Hintergrund liest, ist hier bestens aufgehoben. Von mir 4 Sterne.

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Ich sag Sie das, wie es ist

Wo kommen wir denn da hin von Günter Habicht

Wo kommen wir denn da hin, von Günter Habicht alias Torsten Rhode, 240 Seiten erschienen im Ullstein Verlag.
Der Habicht hat ein Buch geschrieben. Na da werden sie was zu lachen haben meint auch Renate Bergmann.
Günter Habicht ist Busfahrer und wird von seiner Firma mit 63 in Rente geschickt, auch seine Brigitte ist nun zuhause und ist mehr als genervt von ihrem Mann.

Dabei meint er es ja nur gut und will helfen, wo immer er nur kann. Er hat zu allem eine Meinung und die tut er auch kund. Das kommt nicht unbedingt bei allen gut an. Die Nachbarschaft und auch seine Gattin sind genervt von seinen Aktionen, seine Devise: „ Ein guter Mensch gibt gerne Acht, ob nicht ein andrer was Böses macht.
Der Autor hat in seinem Buch, den personalen Erzählstil aus Sicht Günter Habichts gewählt, der Leser ist somit direkt bei seinen Erlebnissen dabei. Die Leseabschnitte sind in angenehmer Länge und beginnen in kursiver Schrift. Humorvolle Dialoge, zum Teil im Berliner Dialekt, beleben die Geschichte.
Ich habe schon einige Bücher des Autors gelesen, die Renate Bergmann-Bücher finde ich sehr vergnüglich und spaßig. Leider fand ich Günters Erlebnisse und Aktionen nicht so unterhaltsam als die der Online-Omi. Ein kleines Schmunzeln konnten mir die Ausführungen jedoch entlocken. Der Habicht ist ein Korinthenkacker und Nörgler, anders kann man es nicht formulieren. Solche Menschen kann ich nicht leiden und deshalb war ich auch vom Roman nicht immer begeistert. Seine Erlebnisse als Campingplatz-Ordner, im Baumarkt oder beim Arzt sind allenfalls als „nett“ zu bezeichnen. Geschmunzelt habe ich eigentlich nur, als er mit Brigitte zu IKEA fährt weil sie dringend einen Badezimmerschrank und etliche „Stehrumchens“ benötigen, oder als er sein Fichtennadelschaumbad mit dem Toilettenreiniger verwechselt. Den“ Habicht“ stören falsch befüllte Mülltonnen, Falschparker und Menschen die auf der Straße mit ihrem „Wischmobiltelefonen“ kommunizieren. Situationskomik war dabei nur wenig zu finden.
Insgesamt hatte ich das Buch schnell gelesen, der Geschichte konnte ich jederzeit folgen eine kurzweilige Unterhaltung für einen regnerischen Nachmittag.
Für Leser die humorvolle leichte Unterhaltung suchen geeignet, von mir 3 Sterne.

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Neues aus der Kinderklinik Weißensee

Kinderklinik Weißensee - Jahre der Hoffnung von Antonia Blum


Kinderklinik Weißensee - Jahre der Hoffnung, historischer Roman von Antonia Blum, 497 Seiten erschienen im Ullstein-Verlag.
Berlin 1918, der große Krieg ist zu Ende, die beiden Lindow Schwestern sind erwachsen geworden. Marlene leistet nach ihrem Pädiatrie-Studium ein 12-monatiges Praktikum an der Klinik Weißensee ab, doch nicht jeder kann sich damit abfinden, dass auch Frauen Ärztinnen werden dürfen, schon deshalb, und auch aus Missgunst werden ihr von vielen Seiten, Steine in den Weg gelegt.

Ihr Verlobter Maximilian ist aus dem Krieg unverletzt heimgekehrt, doch er hat sich verändert. Beide kämpfen um ihr gemeinsames Glück. Emma lebt nur für ihren Sohn Theodor und ihre Arbeit als Kinderkrankenschwester, mit dem Nachbarn Kurt ist sie gut befreundet und auch Theo mag ihn, einer gemeinsamen Zukunft würde nichts im Wege stehen, wenn nicht eines Tages Tomasz der Vater von Theo vor der Tür stehen würde. Beide Schwestern müssen ihre Kräfte beweisen und unmenschliches leisten, als die schreckliche Spanische Grippe ausbricht und unzählige Opfer fordert.
Zuallererst finde ich, dass mir der zweite Teil der Weißensee-Serie um die beiden Schwestern Lindow noch besser gefallen hat, als der Vorgängerband. Ich fühlte mich bestens unterhalten und konnte mich über Stunden im Roman verlieren. Die Autorin hat es geschafft mich von der ersten Seite an, ans Buch zu fesseln. Der auktoriale Schreibstil ist bildhaft und flüssig. Der Einstieg war leicht, Lesefluss hat sich unmittelbar eingestellt. Die liebgewonnenen Figuren aus dem ersten Teil, haben dies möglich gemacht. Allem voran hab ich mich über das Wiedersehen mit Willy Pinke und Jacki gefreut, der sympathische Pförtner ist diesmal richtig in das Geschehen miteinbezogen, das hat mir gefallen. Oberin Polsfuß, Doktor Richter und die ganze Belegschaft der Weißensee-Klinik waren mir vertraut, es war wie heimkommen. Die beiden Schwestern Marlene und Emma haben sich hervorragend weiterentwickelt, sie kämpfen um das was sie lieben, sei es beruflich oder privat und auch Max, Marlenes Verlobter war eine starke Figur im Roman, besonders seine Kriegserlebnisse waren sehr gefühlvoll beschrieben und seine posttraumatische Belastungsstörung gut dargestellt. Die Spanische Grippe, die im Buch thematisiert wird, oder auch das Krankheitsbild des Typhus sind glaubhaft beschrieben, auch die historischen Fakten sind bestens recherchiert. Ich habe mit den beiden Schwestern gehofft und gelitten, diesmal war mir Emma näher als Marlene, ihr Schicksal hat mich tiefer berührt. Auch die kleinen Patienten, allen voran Frieda, haben mich erreicht. Geärgert habe ich mich über Waldemar Buttermilch, seine verachtende Meinung über Frauen, seine Intrigen und seine politische Einstellung haben mich des Öfteren wütend werden lassen. Auch gehört Lenes Schwiegermutter, Gräfin von Weilert, nicht gerade zu meinen Lieblingen, wobei sich vielleicht auf den letzten Seiten eine Läuterung angezeigt hat?
Ein absolutes Wohlfühlbuch, aufgeteilt in 42 gut lesbare Kapitel, gespickt mit lebhaften Dialogen zum Teil auch in Berliner Mundart. Die einzelnen Kapitel sind mit Datum und Uhrzeit überschrieben, somit ist der zeitliche Überblick für die Leserschaft gewährleistet. In der vorderen Klappe befinden sich zwei Scherenschnitt-Medaillons mit Informationen über die beiden Schwestern – eine hübsche Idee. Zu jeder Zeit war der Plot schlüssig und die Handlung der Figuren nachvollziehbar.
Leider dauert es bis zum Abschlussband noch lange, der Roman endet mit einem unglaublich neugierig machenden Cliffhanger. Die Wartezeit bis zum letzten Teil wird mir wohl sehr lange werden. Das Buch kann als Einzelband gelesen werden, aber es wäre schade sich den Vorgängerband entgehen zu lassen.
Eine Empfehlung an alle Leser die den ersten Band genossen haben und an die Fans von historischen Romanen die zwischen den beiden großen Kriegen spielen. Von mir, begeistert 5 Sterne.

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Das Rätsel der Isdal-Frau

Das letzte Bild von Anja Jonuleit

Das letzte Bild, Roman von Anja Jonuleit, EBook 480 Seiten erschienen bei dtv-Verlagsgesellschaft
Die spannende Enthüllung eines Familiengeheimnisses nach einer wahren Begebenheit.

Aus dem mysteriösen Fall der Isdal-Frau, die im November 1970, tot in einem einsamen Tal in Norwegen entdeckt wurde, hat Anja Jonuleit diesen Roman geschrieben.

Bis heute ranken sich die verschiedensten Theorien um die Unbekannte, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt aufgefunden wurde.
Eva, eine Schriftstellerin entdeckt in der Tageszeitung, das Phantombild einer Toten aus Norwegen, die ihrer Mutter verblüffend ähnlich ist. Auch die Lebensdaten stimmen überein. Als sie ihre Mutter mit dieser Entdeckung konfrontiert, ignoriert diese die Tatsachen und verheimlicht etwas. Eva beginnt zu recherchieren und kommt einem düsteren Familiengeheimnis auf die Spur.
Um wen handelt es sich bei dieser Frau? Warum reiste sie unter Verwendung von acht verschiedenen falschen Identitäten durch Europa? Was hat es mit den mysteriösen Aufzeichnungen in ihrem Koffer auf sich und wer waren die Männer mit denen sie immer wieder gesehen wurde?
Anja Jonuleit hat hier wieder ein besonderes Werk geschaffen, spannend unheimlich und unterhaltsam wie ein Thriller und in ihrem ganz besonderen flüssigen, bildhaften und düsteren Stil. Sie hat den auktorialen Erzählstil gewählt, die einzelnen Kapitel sind mit Ort und Datum überschrieben, denn der Roman spielt in verschiedenen Erzähl- und auch Zeitebenen. Besondere Stellen z.B. Zeitungsartikel oder fremdsprachliche Ausdrücke sind fett oder kursiv gedruckt und haben sich deutlich vom Schriftbild ab. Eine gründliche Recherchearbeit liegt hier zugrunde. Geschichtliche Zusammenhänge und auch das Setting sind hervorragend beschrieben, besonders gut fand ich die detaillierte Charakterisierung der handelnden Personen. Die verschiedenen Zeitebenen wechseln sich so ab, dass man nicht aus dem Lesefluss gerissen wird. Interessant fand ich das Nachwort, der Autorin und die Sachinformationen im Anhang. Romane oder Krimis die auf wahre Begebenheiten beruhen finde ich immer ganz besonders spannend.
Ich war während der Lektüre stets hin-und hergerissen. Ich habe mir Gedanken zur Lösung des Falles gemacht und immer wieder haben sich die Fakten verändert und sich andere Sachverhalte ergeben. Doch immer wieder störten mich unnötige Längen ca. in der Hälfte des Buches. Der Reise von Margarete durch Norwegen hätte zwischendurch ein wenig Straffung gutgetan. Je mehr Eva in Erfahrung bringt, desto mehr Fragen tun sich auf. Durch die Zeitwechsel habe ich eine Weile gebraucht um in Lesefluss zu kommen. Mir hat Jonuleits Erklärungsversuch zum Schicksal der Isdal-Frau gut gefallen, so hätte es gewesen sein können, ihr Versuch dieser unbekannten Frau einen Namen und ein Schicksal zu geben hat mich berührt. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr hat es mich gefesselt, die letzten hundert Seiten habe ich in einem Rutsch gelesen. Nach der Lektüre bin ich im Netz noch auf etliche Beiträge und Informationen gestoßen. Die Isdal-Frau wird mich in Gedanken wohl noch lange begleiten.

Eine dringende Leseempfehlung und von mir 5 Sterne.

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Ereignisreiche Karwoche

Osterläuten von Friederike Schmöe

Osterläuten, Kriminalroman von Friederike Schmöe, EBook 207 Seiten erschienen im Gmeiner-Verlag.

Realitätsferner Kriminalroman, wenig Spannung.

Mia freut sich schon darauf Ostern mit ihren Eltern zu verbringen. Doch ein paar Tage vor Ostern wird von Waldarbeitern, ein weiblicher Schädel gefunden.

Nach der Rekonstruktion des Aussehens der Toten, erkennt Mia ihre Freundin Monika wieder, die vor 11 Jahren spurlos verschwunden ist. Die Vermisste gehörte, zum Freundeskreis ihrer Eltern. Kennt Mia den Mörder?

Die 46 Kapitel des Buches sind auf die Tage der Karwoche aufgeteilt. Es beginnt mit dem Montag nach Palmsonntag und endet in der Osternacht. Die Autorin hat sich der auktorialen Erzählweise bedient somit ist eine umfängliche Übersicht über die Vorkommnisse gewährleistet. Gedanken sind in kursiver Schrift gedruckt, Dialoge sind schlagfertig präsentiert. Das Setting enthält ausreichend Lokalkolorit, ortskundige Leser werden verschiedene Plätze in Bamberg wiedererkennen.
Es beginnt eigentlich recht spannend, der flüssige Schreibstil macht das Lesen leicht. Doch je weiter der Fall voranschreitet, desto realitätsferner gestaltet sich der Plot. Ohne zu spoilern, ist es jedoch schwierig das zu erklären.
Nach 11 Jahren erinnert sich die Protagonistin an Geschehnisse die sich in ihrer Teenagerzeit ereignet haben. Als Monika damals verschwand hat die Polizei ermittelt, ist aber zu keinem Ergebnis gekommen, Monika blieb verschwunden. Da vier Jahre vor Monika auch ein Kindermädchen eines Ehepaares aus der Freundesclique verschwunden ist, ahnt Mia einen Zusammenhang, die Behörden scheinen damals keine Verbindung zu den beiden Fällen aufgefallen zu sein. Ohne die Hilfe der Polizei löst Mia also den Fall, nimmt ständig in Eigeninitiative Befragungen vor und begibt sich damit in Gefahr. Es werden Schlüsse gezogen, denen ich in keiner Weise folgen kann, die Spannung die sich im Prolog und zu Beginn aufbaut flacht ab, der Sachverhalt wird immer unglaubhafter, besonders die Arbeit der damals ermittelnden Behörden. Schade, die Geschichte mit gutem Hintergrund und anfänglicher Spannung hat mich immer mehr zweifeln lassen. Der unerwartete Plottwist am Ende hat mich aber doch noch überraschen können. Wobei die Geschichte jedoch zu keinem richtigen Abschluss kommt.
Gut gefallen hat mir die Verbindung passend zur aktuellen Zeit, ich habe das Buch über die Kar- und Ostertage gelesen, ich hätte mir etwas mehr Glaubwürdigkeit gewünscht. Alle Charaktere sind relativ blass geblieben. Mia, die nach dem Studium beruflich die Füße nicht auf den Boden bekommt, hat mich einerseits durch ihre Unentschlossenheit und andererseits durch ihre dilettantischen Ermittlungen, nur noch genervt. Ich möchte das Buch nur mit Vorbehalt empfehlen, den Lesern die gerne einen schnellen Krimi lesen mögen ohne dabei groß die Plausibilität zu hinterfragen. Von mir 2 Sterne.

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