Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ele95:
Habe mich durchgequält
Schleifen von Elias Hirschl
Schleifen, Roman von Andreas Hirschl, EBook, Paul Zsolnay-Verlag
Franziska Denk leidet als Kind an einer seltsamen Erkrankung, jede Krankheit, jedes Symptom über das in ihrer Gegenwart gesprochen wird bekommt sie sofort. Sie lernt, sich mit Wörtern aus toten Sprachen, gegen ihr Leiden zu immunisieren.
Im Mathematiker Otto Mandl findet sie einen Seelenverwandten, gemeinsam forschen bis an alle denkbaren Grenzen gemeinsam nach der perfekten Sprache.
Genau aus diesem Grund habe ich mich für dieses Buch entschieden, weil ich den Klappentext so spannend fand. Was ich jedoch dann im Buch vorgefunden habe, erinnert eher an eine babylonische Sprachverwirrung.
Sinnloses für mich nicht nachvollziehbares Geschwurbel, von der Protagonistin kamen außer Verschwörungstheorien und fantastische Wort- und Sprachneuschöpfungen, die für mich als hanebüchen empfunden wurden. Einiges das behauptet wurde, Personen die aufgeführt wurden, hat nicht stattgefunden bzw haben gar nicht existiert, wobei ich auch immer wieder Sachverhalte im Internet gefunden habe die tatsächlich zumindest so ähnlich existiert haben z.B. Gauß und die Steckrüben, eigentlich ja Fichten aber doch immerhin. Irgendwann war ich es dann müde, hier noch zu recherchieren, habe quergelesen und mich auch an machen Stellen wieder festgelesen. Insgesamt war aber die von mir investierte Lesezeit, vergeudet. Ich habe das Buch immer wieder zur Seite gelegt, es nach Tagen oder Wochen wieder in die Hand genommen, zu einem flüssigen Leseerlebnis oder erleuchtenden Erkenntnissen bin ich jedoch nicht gekommen.
Obwohl es um mein Lieblingselement Sprache geht, hat mir Lesen hier keinen Spaß mehr gemacht, hat mich verwirrt, geärgert und wertvolle Lesezeit gekostet. Ich habe mich komplett überfordert gefühlt.
Ein Fazit für mich, ein gehyptes Buch aus einer Long- Short- oder sonstigen Liste für einen Buchpreis, ist nichts für mich. Warum dieses Buch so viele gute Beurteilungen bekam, kann ich nicht nachvollziehen. Mag es an mir liegen.
Deshalb 1 Stern
Weihnachten alleine
Zwolf magische Nachte von Christiane Wolter
Zwölf magische Nächte Roman von Christiane Wolter, 240 Seiten Ullstein EBooks /Taschenbuch
Eine Reise durch die Rauhnächte.
Anne und Carsten haben sich getrennt, es ist eine schwierige Zeit für die knapp 40jährige. Dennoch wollen sie beide Kinder gemeinsam erziehen, vor allem die Feiertage wollen sie gemeinsam begehen.
Als Carsten jedoch ankündigt seine neue Freundin zum Weihnachtsfest bei seiner Mutter mitzubringen, kann es Anne nicht mehr ertragen. Auf Anraten ihrer Freundin Gesa, eine spirituelle Lebensberaterin, begibt sie sich in eine abgelegene Hütte im Schwarzwald um dort die Feiertage zu verbringen und die Rauhnächte zu zelebrieren. Erstaunliche Geschehnisse erwarten Anne.
Ein Roman der mich sehr berührt hat, atmosphärisch dicht. Eine perfekte Mischung aus Wohlfühlbuch und inspirierender Selbstfindung. Die einzelnen Kapitel sind in die verschiedenen Rauhnächte aufgeteilt. Eine Zeichnung zum Kapitelanfang stimmt den Leser auf die Geschichte ein. Die Aufgaben und Fragen, die Anne in Gesas Briefen findet, sind in kursiver Schrift deutlich hervorgehoben. Die Briefe und auch ein Rauhnachtkit hat Anne zur Hütte mitbekommen, sozusagen als Weihnachtsgeschenk. Es muss ein riesiges Geschenk gewesen sein. Das alles ist mir schon ein wenig dick aufgetragen vorgekommen. (einschließlich Räucherwerk und Spitzenhöschen) auch die ausführlichen Anleitungen, die die Freundin vorbereitet hat. Christiane Wolter schafft es mit Worten ausgezeichnet, eine winterlich verschneite Wohlfühlatmosphäre zu erschaffen. Sie verwendet den personalen Erzählstil aus der Sicht der Protagonistin.
Besonders glaubwürdig wird in diesem Buch die charakterliche Entwicklung der Protagonistin herausgearbeitet. Jede der zwölf Rauhnächte steht symbolisch für einen Monat des kommenden Jahres und ist auf einen speziellen spirituellen oder emotionalen Fokus ausgerichtet. Wer sich selbst für diese Zeit interessiert findet im Buch wertvolle Impulse für die eigene Besinnung. Das hat mich inspiriert in den kommenden Rauhnächten auf den Spuren von Anne, konkrete Impulse für mein eigenes Leben zu gewinnen.
Die Figuren im Roman sind charakterlich gut gezeichnet, vor allem natürlich Anne. Sie alle handeln nachvollziehbar. Sie schafft es durch die Anleitung ihrer Freundin, sich den Mut für einen Neuanfang zu finden. Sich von der, von ihren Ex-Mann, abhängigen Gattin und der aufopferungsvollen Mutter, zu einer entspannt in die Zukunft blickenden selbstbewussten Frau zu entwickeln. Neue Hobbies, Aufgaben, neue Liebe, alles ist möglich. Jonas als männlicher Gegenpart hat mir gut gefallen, nicht als strahlender Held und Retter, sondern als aufmerksamer Beobachter. Eine Freundin wie Gesa wünscht sich jede Frau, sie ist absolut ehrlich, ohne Anne zu verurteilen, holt sie immer wieder in die Realität zurück, sie ist der entscheidende Antrieb für Annes Befreiungsschlag.
Mir hat das Buch gutgetan, es hat mich dazu gebracht viel über mich nachzudenken. Für alle die den Zauber der Rauhnächte für sich nutzen wollen.
4 Sterne
Königliche Dampfnudeln
Der Seegasthof – Wo der Traum beginnt von Linda Winterberg
Der Seegasthof – Wo der Traum beginnt, Historischer Roman von Linda Winterberg, EBook von Aufbau Digital
Auftaktband zur Chiemsee- Saga
Amrei ist die Tochter der Bachingers, die den Chiemgauhof in Feldwies am Südufer des Chiemsee betreiben. Der Gasthof ist vor allem für die legendären Dampfnudeln von Oma Resi berühmt.
Dies und auch die herrliche Aussicht auf den Chiemsee lockt seit Jahren Gäste an. Endlich ist es soweit, die Hochzeit von Amrei und dem Fischer Ludwig steht bevor, doch ein grausamer Schicksalsschlag erschüttert die Familie. Das verändert nicht nur Amreis Leben, auch auf die Familie und den Gasthof kommen schwierige Zeiten zu. Wie sieht die Zukunft aus?
Das Buch ist im auktorialem Erzählstil verfasst. Es besticht besonders durch die wunderbaren und bildhaften Beschreibungen des Settings. An einem einzigen Tag habe ich das Buch gelesen, habe mit den Figuren, vor allem mit Amrei geweint, gefeiert und gearbeitet. Das Werk besteht aus 38 Kapiteln in idealer Leselänge, zum Teil sind mundartliche Phrasen vorhanden, die jedoch auch von „Nichtbayern“ verstanden werden können. Das macht das Buch lebendig. Das Buch hat mir Lust auf einen Urlaub am Chiemsee und vor allem auf Dampfnudeln gemacht. Die Autorin verzichtet auf lange verschachtelte Sätze, wodurch sich das Buch flüssig und schnell weglesen lässt. Der Fokus liegt hier ganz klar auf Wohlfühl- und Landlustcharakter. Im Anschluss das Geheimrezept für die königlich bayrischen Dampfnudeln von Resis Mutter.
Die Figuren sind charakterlich gut herausgearbeitet sie wirken wie echte Figuren mit ihren Stärken und Schwächen. Die Protagonistin durchlebt eine dynamische Entwicklung während sie verzweifelt versucht einer glücklosen Vernunftehe zu entkommen, sie wandelt sich von der behüteten Haustochter zu einer selbständigen Frau, die auch alleine ihren Unterhalt verdienen kann, von keinem Mann und auch von ihren Eltern nicht abhängig. Ende des 19. Jahrhunderts eine außerordentliche Leistung. Sie ist heimatverbunden, tüchtig und sie hat sich nie aufgegeben, genau das hat mir gut gefallen, eine moderne Frau ihrer Zeit.
Auch eine wichtige Figur Oma Resi, die Matriarchin im Chiemgauhof und die Hüterin der Tradition, manchmal hätte ich mir gewünscht, sie wäre nicht so grantig und dickköpfig, dass sie mehr hinter ihrer Enkelin steht, wenn nötig auch gegen den Willen von Valentin. Er, das Familienoberhaupt in der Gesellschaft der damaligen Zeit. Obwohl er das „Sagen“ als Wirt hat, fand ich seine Figur blass.
Linda Winterberg ist hier ein unterhaltsamer, atmosphärischer und emotionaler Wohlfühlroman gelungen. Die bildhafte Kulisse des Chiemsees, sympathische Figuren und kulinarische Details rund um das legendäre Dampfnudelrezept. Im Mittelpunkt der Generationenkonflikt und drei starke Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten müssen.
Im Nachwort habe ich entdeckt, dass hier tatsächlich einige historische Fakten zugrunde liegen, um so interessanter ist die Lektüre. Der Roman macht Lust auf Fortsetzung.
Linda Winterberg Fans werden die neue Saga begrüßen, auch von mir volle Punktzahl 5 Sterne
Schädel im See
Totensee von Sophie Czerny
Eine verzweifelte Mutter ermittelt.
Wien, niemand glaubt der Kommissarin Ada Sabel, dass ihre 14jährige Tochter Mara entführt wurde. Seit 5 Monaten sucht sie verzweifelt nach ihr. Sie kann die Ungewissheit kaum ertragen und verstößt gegen sämtliche Konventionen, dafür wird sie vom Dienst suspendiert.
Für jeden Tag der vergeht fügt sie sich Schnittwunden zu, ihr Körper ist schon übersät, mit ihrer Gesundheit geht sie komplett zerstörerisch um. Doch als am Ufer des Donaukanals die kopflose Leiche einer Frau geborgen wird, auf deren Rücken Adas Name eingeritzt ist, macht sie sich auf die Spur des Täters. Alleine und rücksichtslos, gegen sich und andere ermittelt sie und taucht somit immer tiefer, auch in ihre eigene Vergangenheit.
Das Buch ist in verschieden lange Abschnitte aufgeteilt, die stets mit Zeit und Ort überschrieben sind. Das Buch spielt in mehreren Zeitebenen und diversen Erzählsträngen, die Geschichte ist schonungslos und grausam, der Erzählstil ist aus der Sicht mehrerer Personen. Die stetigen Sprünge zwischen Orten und Zeiten haben mich enorm im Lesefluss behindert, ich konnte mich kaum konzentriert auf die Geschichte einlassen. Immer wieder musste ich zurückblättern um Ort und Zeit nachzusehen. Die Idee die dem Thriller zugrunde liegt ist sehr gut, ich konnte mich jedoch nicht so richtig ins Geschehen fallen lassen.
Das was einen guten Thriller ausmacht ist tatsächlich vorhanden, unglaubliche Spannung, endgültige Auflösung erst am Ende, dazwischen Plottwists und unvorhersehbare Verwicklungen. Extrem düster und emotional fordernd. Kapitel enden häufig mit spannenden Cliffhangern. Doch auch immer wieder gibt es nicht nachvollziehbare Fakten, nur kurz ein Beispiel und ohne zu spoilern, im Buch wird einmal ein Code benötigt, wie die Ermittlerin an den gekommen ist, leuchtet mir überhaupt nicht ein. Die dramatische Schnitzeljagd war mir einfach, zu viel, Wien, Berlin, München, Hamburg. Vor 15 Jahren, vor 5 Monaten, zur gleichen Zeit usw. So ging es das ganze Buch hindurch, irgendwann habe ich da aufgeben und es einfach geschehen lassen, vermutlich habe ich gar nicht alle Details erfassen können. Es hat mich überfordert. Gewalt, psychischer und physischer Schmerz werden nicht geschönt, sondern kalt und direkt beschrieben.
Die Figuren sind brutal authentisch dargestellt. Adas Verhalten ist stark psychologisch geprägt die Panikattacken und die Selbstverletzung der Protagonistin sind greifbar dargestellt. Die Figuren sind durchwegs tiefgründig, mit tiefen Wunden und moralischen Grauzonen, direkte Sympathieträger sind keine vorhanden. Einzig Heidi, Adas Freundin stellt sich als Schutzschild vor die Ermittlerin. Mein heimlicher Held war „Hund“.
Etwas für Fans von harten Psychothrillern. Von mir 3 Sterne
92 Porträts
Theo in Golden von Allen Levi
Theo in Golden, Roman von Allen Levi, EBook, Piper -Verlag
Das Leben ist zu kurz für Azaleen in schwarzen Vasen
An einem herrlichen Frühlingstag erscheint Theo in Golden, einer Kleinstadt im amerikanischen Süden, er ist ein Fremder, keiner kennt seinen Namen oder weiß woher er kommt. In einem örtlichen Café, sind Porträts der Besucher, von einem lokalen Künstler ausgestellt.
ER kauft sie und gibt sie nach und nach an die „rechtmäßigen“ Besitzer zurück, dazu gibt es zu jedem Bild eine ans Herz gehende Geschichte oder ein Geheimnis. Langsam beginnt sich die Bevölkerung und die Stimmung in Golden zu verändern.
Das Buch besteht aus 62 Kapiteln, in auktorialem Erzählstil, doch ist die Perspektive sehr auf die Person von Theo fixiert. In diesem warmherzigen Roman stecken viele tiefgründige Gedanken über das Leben, die Freundlichkeit, Trauer, Kunst und die Kraft der Freundschaft. Langsam lernt der Leser, die Menschen in Golden kennen. Ein Buch in melancholischer Stimmung, die poetische Sprache hat mir gut gefallen. Levi schreibt sehr bildhaft, vor allem die Kunst findet hier angemessene Worte, die Figuren, das Setting, Bilder, Skulpturen, Pflanzen dies alles konnte ich mir gut vorstellen. Der Leser ahnt, dass sich um den Protagonisten ein Geheimnis rankt, man wartet geradezu auf ein Geheimnis. Es gibt keine rasanten Wendungen oder künstliche Dramatik, ist jedoch voller Alltagsphilosophie. Das langsame Erzähltempo lässt den Leser Zeit, über die Botschaften nachzudenken. Das unvorhersehbare Ende hätte ich mir anders gewünscht.
Durch seine von Herzen kommende Freundlichkeit, verändert Theo das Leben in der Stadt. Vorher herrschte Anonymität, jeder ging seiner Wege, doch Theo begann wirklich zuzuhören, er zwingt die Menschen dazu innezuhalten und sich sogar dadurch gesehen und wertgeschätzt zu fühlen. Mit jedem übergebenen Porträt öffnet er dem Leser einen persönlichen Schmerz, den er zu lindern versucht.
Die Figuren sind manchmal skurril, aber auch liebenswert, talentiert und vor allem interessant. Theos Großzügigkeit weckt in den Bewohnern das Bedürfnis, eine bessere Version ihrer selbst zu sein. Menschen die sich kaum kannten werden zu Freunden, alte Wunden heilten und die „Goldener“ wachsen zu einer Einheit zusammen. Einige Figuren mochte ich besonders gerne z.B. Simone den begabten Cellisten, Lamisha Whitaker und ihren Vater Kendrick, den Künstler Asher Glissen und seine Familie und die obdachlose Ellen. Und viele mehr. Sie alle haben sich durch Theos Bemühungen, auf die eine oder andere Weise zu ihrem Vorteil verändert.
Theo gibt den Menschen in Golden das Gefühl, in ihrer Einzigartigkeit, ihrer Verbitterung und in ihrem Schmerz wahrgenommen und gesehen zu werden, er schafft menschliche Verbundenheit. In jedem Ort sollte es einen Theo geben.
Mir hat das Buch gefallen, schöne Gedanken haben mir gutgetan. Nie hatte ich das Gefühl, dass es kitschig wirkt. Deshalb von mir 5 Sterne.
Rom - die dreckige Wahrheit
Dirty Rome von Michael Sommer
Dirty Rome, Sachbuch von Michael Sommer. EBook CH. Beck – Verlag
Das alte Rom als eine Mischung aus Weltmetropole und stinkendem Müllhaufen
In diesem Buch zeigt der Bestseller-Autor Michael Sommer nicht wie Rom glänzte, sondern wie und warum es funktionierte. Er zeigt nicht nur die römische Elite, sondern führt uns auch mitten hinein ins laute, dreckige und gefährliche Leben der einfachen Leute im Römischen Reich.
Schon von Augustus heißt es er hat ein, aus Ziegeln gebautes Rom vorgefunden und eine strahlende Metropole aus glänzendem Marmor daraus gemacht. Doch Michael Sommer lässt uns hier einmal hinter die Kulissen blicken. Ein populärwissenschaftliches Sachbuch des Althistorikers und Bestseller-Autors.
Ganz am Anfang sieht man eine Karte die das ganze Römische Reich in seiner größten Ausdehnung darstellt. Die nächste Karte zeigt die Stadt Rom während der Kaiserzeit, gerade die erste Karte ist schon beeindruckend. Das Buch umfasst zehn umfangreiche Kapitel, mit lateinischen Bezeichnungen, die sich in kleinere Abschnitte aufteilen, die zusätzlich mit einer Überschrift versehen sind. Insgesamt sind viele lateinische Begriffe verwendet worden, Sommer nutzt konsequent die Originalbegriffe der antiken Quellen, nicht alle konnte ich frei übersetzen und verstehen, musste im Anhang nachschlagen. Zum Teil sind Erklärungen beigefügt, der gesamte Schreibstil ist wissenschaftlich, also eigentlich keine Lektüre zur leichten Unterhaltung. Dadurch wird sehr viel Wissen vermittelt, mehr als ich eigentlich vom Buch erwartet habe. Etwas unterhaltsamer hätte ich es mir schon gewünscht, dementsprechend habe ich lange daran gelesen.
Ich hätte mir mehr Einblicke über die Lebensumstände, Krankheiten, Alltags- und Arbeitswelt der einfacheren Bevölkerung gewünscht, d. h den Alltag der Unterschicht. In den Bereichen in denen es physisch schmutzig und ärmlich war, viel zu viel habe ich jedoch über die dreckigen Intrigen und schmutzigen Geschäfte der Elite erfahren. Sommer greift Themen wie Korruption, Vetternwirtschaft, Verbreitung von Fake News und Gerüchten im antiken Alltag auf. Durch die Zeitsprüngen in den dargestellten Geschehnissen, habe ich mich schlecht orientieren können.
Der umfangreiche wissenschaftliche Anhang belegt die historischen Quellen, das zeugt von einer umfangreichen und gründlichen Recherche, ich war erstaunt, als ich am Ende angekommen bin, dass die Quellenangaben soviel Seiten im Buch umfassen.
Die Argumentation folgt einer klassischen geschichtswissenschaftlichen Struktur. Der Titel und das Cover versprechen ein leicht verdauliches True-Crime-Format aus der Antike. Tatsächlich erfordert das Buch jedoch Konzentration und Lesearbeit. Mir war das Buch zu trocken um es flüssig durchzulesen.
Inhaltlich hochspannend sprachlich jedoch harte Arbeit. Meine Empfehlung für Geschichtsbegeisterte, Studierende und Leser, die Wert auf echte wissenschaftliche Quellenarbeit legen.
3 Sterne
Unterhaltsam und informativ
Das große Buch der deutschen Sprache von Andrea Weller-Essers
Noch einmal herzlichen Dank für dieses unglaubliche Buch. Eines das ich sicher an Weihnachten verschenken werde, drei Kandidaten dafür fallen mir schon spontan ein. Dieses Exemplar werde ich natürlich behalten. Es wird sicher als Kaffeetischbuch nahe meinem Lesesessel auf einem Sideboard aufgeschlagen platziert werden.
Ich habe jetzt in Reihenfolge und chronologisch gelesen, einzelne Abteilungen werde ich mir wohl immer wieder ansehen, am besten gefallen haben mi die Dialekte im Vergleich. Ich liebe Sprachen und Wörter, mit Zahlen kann ich nichts anfangen, hier meine Rezension, die auf weiteren buchrelevanten Seiten erscheint.
Bewegendes Debüt
Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tollkien
Mit beiden Händen den Himmel stützen, Romandebüt von Lilli Tollkien, Ebokk, Aufbau-Digital
Eine Jugend im Ausnahmezustand
Lale wird mit einem Abstinenzsyndrom geboren, weil ihre Mutter ihr schon pränatal Drogen verpasst hat, sie wächst in den 80er Jahren in Berlin, in der Männer-WG ihres Vaters auf.
der Vater, sitzt bei ihrer Geburt im Knast. Um das Pflegegeld zu bekommen, wird sie in dieser Gruppe aufgenommen, inmitten von Drogen, Rausch und Vernachlässigung, Grenzen werden ihr hier keine gesetzt. Wenn sich nicht wechselnde Lebensabschnittsgefährtinnen ihres Vaters um sie kümmern, ist sie knapp an der Verwahrlosung, antiautoritär und auch sexuell bedrängt, wird sie erwachsen und sucht ihren eigenen Weg. Alleine.
Autobiographische Roman, das Debüt der Autorin hat mich unheimlich betroffen gemacht, hier wird schonungslos und ernüchternd geschrieben, wie die Protagonistin aufwächst. Von vor ihrer Geburt bis zur Geburt ihres Sohnes, Ein Coming of Age Roman der es in sich hat. Geschrieben im Ich-Stil aus der Sicht von Lale. Die Sprache ist sehr direkt, Eigennamen, Film- und Liedtitel, sowie Zitate sind kursiv hervorgehoben. Der atmosphärisch dichte Roman ist erschütternd, ein Wunder, dass es die Autorin geschafft hat, der schwere Start, die Vernachlässigung ohne Autorität, in der Kommune zwischen Sex Drogen und Missbrauch. Immer wieder habe ich es kaum mehr ertragen und überlegt ob ich das Buch zur Seite lege, dennoch habe ich es fast in einem Rutsch ausgelesen. Wäre es nicht auf der Longlist des Buchhandels erschienen wäre ich wohl kaum aufmerksam geworden. Wieviel Autofiktionalität das Buch beinhaltet bleibt dem Leser überlassen.
Die Figuren haben mich regelrecht runtergezogen, keiner der Männer wie auch Frauen, sind positiv beschrieben. Am meisten haben mich ihre Eltern aufgeregt. Wie konnte ihre Mutter ihr das antun, wieso hat ihr Vater weggesehen, anscheinend hat sie ihn am Ende sogar noch aufopfernd gepflegt. Eine Welt die nicht meine ist. Ein Buch das einen ganz tief geht, ich persönlich war froh, dass ich durch bin, ich werde noch ein wenig daran zu beißen haben. Ich habe mich geekelt, wurde zornig und habe auch Tränen verdrückt. Trotzdem sollte es gelesen werden, es hat mich auch stark an „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ erinnert. Hochachtung vor der Autorin, Tollkien ist eine starke und vor allem kluge Frau, die Schule und das Lernen hat ihr scheinbar kaum Mühe gemacht. Im Gegenteil, die Regeln dort haben ihr wohl eher Halt gegeben.
Mit Vorsicht zu genießen, weil verschiedene belastende Themen zur Sprache kommen. Von mir eine Leseempfehlung und vier Sterne.
Versteckte Kamera
Molka von Monika Kim
Molka, Psycho-Thriller von Monika Kim, Ebook Kiwi space
In diesem Spiel gibt es keine Zeugen - nur Täter und eine Frau, die nichts zu verlieren hat.
Dahye wird von Junjoung einem Kollegen beobachtet, durch eine versteckte Kamera auf der Toilette in der Firma, Doch Dahye beachtet ihn kaum, denn sie ist mit Hyukjoon zusammen, der zur Upperclass von Korea gehört, vermögend und einflussreich.
Sie denkt es ist die große Liebe, doch er nutzt sie nur aus und spielt Spielchen mit ihr. Bis es eines Tages eskaliert, Junjoung beobachtet sie und entdeckt was Dahye getan hat. er hat sie in der Hand.
Da Buch besteht aus 28 kurzen Kapiteln, nüchtern und flüssig erzählt. Der Schreibstil ist atmosphärisch dicht und in dualer Perspektive, zum Teil aus der manipulativen, paranoiden Gedankenwelt Junyoungs und zum anderen aus der Sicht Dahyes schüchtern und devot bis sie sich in eine Art Blutrausch steigert, ausgelöst durch die paranoiden und gruseligen Erscheinungen ihrer toten Schwester. Dieser doppelte Blickwinkel lässt den Leser nur so durchs Buch fliegen ich habe das Buch an einem Tag ausgelesen. Die eingearbeiteten Horrorelemente haben mir Gänsehaut ausgelöst, die Mordszenen sind schonungslos, also nichts für zartbesaitete Gemüter.
In dieser Geschichte gibt es allerdings wirklich nur Täter, Mörder, Geister die sich rächen, Eltern die ungerecht handeln, Vorgesetzte die Angestellte ausnutzen, Spanner, Erpresser, Vergewaltiger und Betrüger. Das Hauptthema ist Molka, koreanisch, für mollae-kamera, die Abkürzung bezeichnet das heimliche Platzieren von versteckten Minikameras in privaten Räumen, um Personen ohne deren Zustimmung zu filmen oder zu fotografieren. Diese Praxis ist in Südkorea zu einem weit verbreiteten Problem geworden.
Die Figuren konnte ich mir erschreckend gut vorstellen, anfangs mochte ich Dahye eine junge vielleicht etwas naive junge Frau, tüchtig bei der Arbeit, eine gute Freundin, die mit den Eltern ein schlechtes Verhältnis hat. Durch den Verrat von Hyukjoon und die Trauer um ihre Schwester steigert sich die Protagonistin in eiskalte Wut. Da war ich nicht mehr bei ihr.
Junyoung ist geprägt von Misogynie, die er schon als Junge von seinem Vater eingetrichtert bekam, ein mieser Voyeur und gemein zu seiner Mutter, Hyukjoon spielt mit den Frauen, er benutzt und quält sie, macht Videos mit denen er vor seinen Freuden renommiert, dann ghostet er die Opfer. Alle Männer kommen hier im Buch nicht sehr gut weg, die weiblichen Charaktere fand ich aber auch nicht besonders sympathisch. Das düstere Ende war mir zu verworren und schnell abgehandelt.
Wer gerne Fitzek liest, mag dieses Buch genießen, mir waren die Horror-Elemente zu viel. Obwohl ich das Buch schnell gelesen hatte und auch spannende und fesselnde Elemente dabei waren, hat es mich insgesamt aber eher verwirrt. Dafür 3 Sterne
Was um die Zeitwende geschah
Im Jahr Null von Moritz Aisslinger
Im Jahr Null, Reportage aus der Antike von Moritz Aisslinger, Ullstein Ebooks
Rom Ägypten und ein Prophet aus Palästina und der Leser ist live dabei.
In den Jahrzehnten um die Zeitwende verdichtete sich die Weltgeschichte so sehr, dass es noch heute nachhallt. In Rom z.B. erhebt sich Augustus zum ersten Kaiser.
In China träumt ein schüchterner junger Mann von einer sozialistischen Utopie. Kleopatras Tochter wird als Kriegsbeute von Alexandria nach Italien verschleppt. Der Dichter Ovid wird zur Stimme einer neuen Generation und Vergil kündet an, ein Erlöser werde kommen, ein Mensch, gottgleich.
Das Buch besteht aus vielen Kapiteln die sich in Jahre gliedern, es beginnt im Jahre 29 v. Chr. Und endet 34 Jahre nach der Zeitwende. Die einzelnen Kapitel haben einen, den Inhalt zusammenfassenden Titel, einen Ort und eine Zeitangabe. Am Anfang sind zwei Weltkarten eingefügt, die die Orte der Handlung zeigen. Im Anhang findet man ein Personenverzeichnis, eine kurze Darstellung der wichtigsten Personen. Danach umfangreiche Literatur- und Quellenangaben, die dem Autor eine umfangreiche Recherche bestätigen.
Dieses Buch liest sich wie eine Reportage, aus etwa 60 Jahren um das Jahr Null. Und der Leser ist unmittelbar dabei. Der Autor versetzt den Leser mitten hinein in eine Zeit in die unsere Zeitrechnung begann. Ich habe mich des Öfteren mit Literatur aus der Antike, Geschichtsbüchern und Biografien der hier erscheinenden Figuren beschäftigt. Doch die Weise, wie es der Autor hier dem Leser präsentiert, ist eine ganz andere Herangehensweise. In Geschichtsbüchern findet man Beschreibungen über Völker, Personen oder Länder. Doch hier in diesem Buch beginnt der Autor ab einem bestimmten Zeitpunkt (29 v. Chr.) zu berichten, und lässt verschiedene Figuren, Geschehnisse etc. vorbeiziehen. Ein Jahr nach dem anderen wird unter die Lupe genommen, bildhaft und in moderner Sprache geschrieben, geht ein Jahr ums andere. Dabei berichtet der Autor z. B. was zur selben Zeit in China Rom, Germanien oder anderswo geschieht. Auch im Weltall (Kometen, Sonnenfinsternisse). Die Erzählung schreitet also chronologisch voran. Diese Art Geschichte zu erleben, war neu für mich und außerordentlich faszinierend, der direkte Vergleich der Kulturen, Wissensstand oder Zeitgeist ist greifbar. Die Geschehnisse werden nicht selten in Zusammenhang gebracht. Mir hat z.B. gefallen zu erfahren was in China passierte, als Arminius in der Varusschlacht die Römer vernichtend schlug.
Als Lehrbuch kann dieses Buch nicht angesehen werden, ich würde es als Reportage einer Epoche bezeichnen, der Autor bestätigt auch, dass er so anschaulich und zugänglich schreibt wie es ihm möglich ist, denn keiner weiß, auch er nicht, wie es sich wirklich zugetragen hat.
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten. Vieles, das ich kannte, ist hier in Verbindung gebracht worden. Der Autor hat gefällig und unterhaltsam geschrieben. Von mir eine Leseempfehlung und 5 Sterne.











