Kunden em pfehlungen
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Ein Hörbuch voller Glücksmomente - Empfehlung!
25 letzte Sommer von Stephan Schäfer
«25 letzte Sommer» erzählt auf sehr angenehme, überlegte und beruhigende Weise von einem Mann, der sich von der modernen Welt gestresst fühlt. Es sind Abgabetermin, Erwartungen und das unentwegte Streben nach Höherem, dass ihn unzufrieden macht. Auf einem Spaziergang an den See, lernt er den Kartoffelbauern Karl kennen, der ihn spontan einlädt.
Aus dieser schicksalshaften Begegnung entstehen tiefgründige Gespräche über das Leben, Sehnsüchte und Erinnerungen. Karl ist ein außergewöhnlicher Mensch, der aufmerksam zuhört und aufrichtiges Interesse zeigt. Seine entwaffnende Freundlichkeit und inspirierende Lebensweise übt große Faszination aus. Daraus entsteht ein „wundervoller Tag“, der ein ganzes Leben verändern wird.
Es sind lebenskluge Gedanken, die diese Geschichte so besonders machen, über das Leben im Hier und Jetzt, Entschleunigung, Genuss, Glücksmomente und tröstliche Erkenntnisse über das Loslassen und Selbstakzeptanz. Diese fließen mühelos in den Text ein und lassen die Charaktere jederzeit authentisch wirken. Am schönsten fand ich, wie ehrlich und verletzlich sich die beiden Charaktere gezeigt haben. Diesen Momenten wohnt ein richtiger Zauber inne, der zeigt, wie sehr wir uns nach Verbundenheit sehnen.
Ich kann das Hörbuch sehr empfehlen. Markus Hoffmann spricht es so wohltuend und entspannend, dass man es auch zum Einschlafen hören kann. Wer sich gern Zitate markiert, sollte lieber das Buch wählen. Denn es gibt viele tolle Textstellen, wie diese: „Tüchtig und strebsam ein schönes Haus für sie zu bauen ist eine Leistung. Lebenswert wird es erst, wenn man es mit Liebe, Zuwendung und Geborgenheit einrichtet.“
Für alle, die «Das Café am Rande der Welt» mochten. Dieser Roman ist allerdings noch schöner, nicht zuletzt wegen der natürlichen Atmosphäre und dem charmanten Bauernhof-Flair. Ein absolutes Highlight und sehr empfehlenswert.
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Kurzweilig und spannend
Mörderfinder – Stimme der Angst von Arno Strobel
«Mörderfinder - Stimme der Angst» ist der vierte Band um den Fallanalytiker Max Bischoff. Für mich war es das erste Buch der Reihe, und ich konnte, trotz fehlendem Vorwissen, gut einsteigen. Allerdings wird man gespoilert, was die bisherigen Fälle angeht, was mich aber nicht weiter stört.
Max Bischoff gerät durch den Tod eines Mentors in einen Strudel der Vergangenheit und wird von alten Traumata eingeholt, als sich die Vergangenheit durch einen Vermisstenfall zu wiederholen scheint.
Es beginnt mit Dominique, die seiner verstorbenen Jenny sehr ähnlich sieht. Sie wird von ihrem Mann misshandelt, genau wie Jenny damals. Max drängt sich auf, versucht zu helfen und dann überschlagen sich die Ereignisse.
Passend für alle, die Lust auf einen Thriller haben, den man quasi nebenbei lesen kann, weil er nicht komplex aber spannend und angenehm lesbar geschrieben ist. Tatsächlich werden die Ergebnisse hin und wieder zusammengefasst, sodass ein kurzes Abschweifen nicht dazu führt, dass man den Faden verliert. Gelungen, sind die Sichtweisen des Entführungsopfers, weil es realistisch die Leiden und Ängste zeigt. Allerdings fehlte mir der Nervenkitzel und es wirkte stark konstruiert. Zum Ende hin gibt es einen überraschenden Twist, der nicht zu erahnen war. Insgesamt ein kurzweiliges Vergnügen für Zwischendurch. 3,5 Sterne
Rezensionen von Bellis-Perennis:
ein gelungener Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe
Mord in der Wiener Werkstätte von Beate Maly
Die neue Reihe von Beate Maly spielt im Wien von 1906. Liliane „Lili“ Feigl lebt mit ihrem alkoholkranken und spielsüchtigen Vater in einer heruntergekommenen Behausung im Magdalenengrund, von allen oft nur „Ratzngrund“ genannt. Der Vater, früher Maler und Dokumentenfälscher verliert auf Grund des übermäßigen Schnapskonsums und der nachlassenden Sehkraft zusehends die Fähigkeit, Dokumente sorgfältig zu fälschen.
Seit einiger Zeit muss Lili, die diese Begabung geerbt hat, hier aushelfen, um sich und den Vater über die Runden zu bringen, andernfalls müsste sie sich als Prostituierte verkaufen. Als sie am Naschmarkt bei einem kleinen Diebstahl erwischt wird, lässt sie Kommissar Max von Krause, unter der Bedingung, sie möge sich eine ehrliche Arbeit suchen, laufen. Denn im Moment plagen ihn andere Sorgen als ein Lebensmitteldiebstahl. Es sind raffiniert und sorgfältig gefälschte Dokumente im Umlauf.
Wenig später erhält Lili eine Stelle als Putzfrau im Atelier der Wiener Werkstätte, einer Künstlerwerkstatt, in der Frauen ihre Begabungen ausleben dürfen. Blöderweise findet Lili dort die Leiche einer der Künstlerinnen und sieht sich sogleich dem ermittelnden Beamten gegenüber: Max von Krause.
Meine Meinung:
Ich kenne alle Bücher von Beate Maly, sei es ihre historischen Romane aus dem mittelalterlichen Wien, wie die Hebammen-Serie oder jene Krimis mit Ernestine Kirsch und Anton Böck, die in der Zwischenkriegszeit spielen. Allen ist gemeinsam, dass sie sorgfältig recherchiert und gekonnt erzählt sind. Deshalb habe ich mich auf diesen historischen Krimi, der im Fin de Siècle angesiedelt ist, sehr gefreut. Der Schauplatz ist allerdings nicht im mondänen großbürgerlichen Wien angesiedelt, sondern in den bettelarmen Vorstädten. Allerdings, das zeigt die Herkunftsgeschichte desMax von Krause, ist die Welt der Adeligen auch nicht mehr das, was sie einmal war. Obwohl viele von ihnen verarmt sind, versuchen sie auf Biegen und Brechen ihre Scheinwelt aufrecht zu erhalten und geraten dadurch in den Fokus von gerissenen Kriminellen.
Wie immer, hat Beate Maly ausgiebig und aufwändig recherchiert. Die Ateliers der Wiener Werkstätte eignen sich als Hintergrund von Eifersüchteleien und Neid ausgezeichnet- Sehr gut hat mir die Darstellung der weiblichen Wiener Künstlerszene gefallen. Frauen ist ja der Zutritt zur Akademie verboten. Sie sind höchstens als Kunsthandwerkerinnen geduldet. Wie später dann im Dessauer Bauhaus, sollen sich die Frauen mit ein bissen Stoffdesign, Keramik oder Teppichknüpfen - alles „weiblichen“ Künsten, bescheiden. Bildende Künstlerinnen wie Malerinnen oder Bildhauerinnen gelten als unweiblich.
Der Schreibstil ist bildhaft und daher angenehm zu lesen. Wir können mit den Protagonisten auf dem Naschmarkt Lebensmittel einkaufen, im Café Griensteidl, das im Augenblick Café Reil heißt, unseren Kaffee schlürfen und in den leicht heruntergekommenen Palais so mancher Adeligen einer Soiree beiwohnen, die nur mehr ein matter Abglanz der früheren Herrlichkeit ist.
Beate Malys Konzept, mit der jungen Dokumentenfälscherin, einer intelligenten, ziemlich selbstbewusste Protagonistin, und dem von Standesdünkeln befreiten Kommissar, zwei gegensätzliche Figuren, die aber doch mehr gemeinsam haben, als man glaubt, ist aufgegangen. Beate Maly ist es wieder ausgezeichnet gelungen, die ärmlichen Verhältnisse darzustellen und sympathische Protagonisten zu erschaffen. Sowohl Lili als auch Max wollen ihre Herkunft hinter sich lassen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Beide haben moderne Ansichten. Sie scheinen ein gutes Gespann zu sein, aus dem vermutlich (?) mehr werden kann, was natürlich auch für Konflikte sorgen wird. Der einzige Sohn einer Adeligen und die einzige Tochter eines Verbrechers? Stoff für weitere Krimis.
Herausragend wie immer ist die Cover-Gestaltung. Das Jugendstilmotiv passt hervorragend zum Inhalt und Setting. Der Emons-Verlag hat bei der Gestaltung des Cover ein sehr gutes Auge (und Händchen).
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der einen differenzierten Blick auf die „gute alte Zeit“, die so gut gar nicht war, 5 Sterne, eine Leseempfehlung und hoffe auf eine Fortsetzung .
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Herrlicher Krimispaß
Tagebuch einer Wasserleiche aus dem Canale Grande von Tatjana Kruse
Sie hat es schon wieder getan! Wer? Was? Tatjana Kruse, die Queen der Krimödie, hat einen Krimi geschrieben, der an Skurrilität und herrlichen Klischees nichts zu wünschen übrig lässt.
Worum geht’s?
Als die Steuerberaterin Astrid Vollrath ihren Partner Hagen mit Gabi, der Nachbarin, im Bett erwischt, verlässt sie ihn und die gemeinsame Firma Hals über Kopf, steigt in den nächsten Zug ein und in Venedig aus.
Das trifft sich (fast) perfekt, denn sie wollte Vendig aj schon immer sehen.
Blöderweise ist gerade Hauptsaison und die Hotels sind ausgebucht. Nur in der Via Dolorosa 1, findet sie ein kleines, ein wenig heruntergekommenes Zimmer. Was sie nicht weiß, ihr Zimmervermieter handelt nicht ausschließlich mit Gipsköpfen von Dogen. So gerät Astrid unversehens in mafiöse Verstrickungen, die eine zunächst harmlose Gondelfahrt, Verfolgungsjagden (mit Motorbooten natürlich), Scharfschützen, Entführungsversuchen und einem Besuch der Guardia di Finanza, der ungeahnte Möglichkeiten sowohl für die Famiglia als auch für Astrid eröffnet.
Die Frage ist nur, wird Astrid ihre Ideen auch umsetzen können oder endet sie als Wasserleiche im Canal Grande?
Meine Meinung:
Wie wir es von Tatjana Kruse gewöhnt sind, tobt sie sich wieder mit ihrem komödiantischen Schreibstil aus. Stellenweise musste ich so herzlich lachen, dass ich einen Bauchmuskelkater bekommen habe und mein Mann seine Stirn in ein hübsches Plissée gelegt hat, auf dem zahlreiche Fragezeichen zu sehen waren.
Besonders die Verfolgungsjagd durch die Kanäle der Serenissima könnten komischer nicht sein. Astrid rast mit einem gestohlenen Motorboot während der Rushhour durch die Stadt, Flugkünste inklusive und das in einem blau-weiß gepunkteten Kleid. Da bekommt man als Leser natürlich Schnappatmung. Und klar ist auch, dass es hier ein Smartphone-Video gibt, das viral geht und Hagen auf den Plan ruft.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser Krimödie, die mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein skurriler Gartenkrimi
Gärten, Gift und große Liebe von Klaudia Blasl
In diesem zweiten Fall für die Oberdistelbrunner Seniorinnenrunde zieht Autorin Klausia Blasl wieder alle Register. Die Damen, unter der Führung der früheren Lehrerin Pauline haben in einem Gesundheitsressort eingecheckt, um ein paar Kilos zu verlieren. Doch der Aufenthalt wird zum Alptraum. Die strikte Beschränkung auf wenige und zudem vegane Kalorien wirkt wie ein Entzug und macht die Damen streitlustig.
Doch damit ist der Leidensweg noch nicht zu Ende, denn man findet die Leichen zweier Männer.
Wenig später leiden zahlreiche Kurgäste an einer Gastro-Enteritis und ein Bekennerschreiben einer bislang unbekannten »Liga zum Schutz pflanzlicher Gefühle« taucht auf.
Das ruft Berta und Pauline auf den Plan zumal der nervige Kommissar Hartmann wieder mit den Ermittlungen betraut ist. Er hat es nicht verwunden, dass Pauline die letzten Verbrechen (siehe Band 1 „Gärten, Gift und tote Männer“) bravourös gelöst haben, und schießt sich wieder auf Pauline und ihren Neffen als Täter ein.
Selbst der etwas einfach gestrickte Dorfpolizist, hält Hartmann für völlig gaga und erledigt die ihm aufgetragenen Aufgaben nur widerwillig.
Meine Meinung:
Wer gerne schräge Krimis mit verhaltensoriginellen Ermittlern lesen möchte, ist hier wieder genau richtig!
Gleich zu Beginn ist klar, Kommissar Hartmann hat - wie man in Deutschland so nett sagt - „einen an der Waffel“ oder wie es in Wien heißt: der hat einen Riesenvogel. Er stolpert von einem ermittlungstechnischen Unsinn in den nächsten, lässt das Sondereinsatzkommando zum Schutz (?) der Kurgäste antanzen und kann dennoch nicht verhindern, dass es weiter Tote gibt. Nun gut, das sorgt für skurrile Momente, bringt aber die Ermittlungen, die ohnehin Pauline & Co. führen, nicht weiter.
Der Schauplatz, das fiktive Dreitausendfünfhundert-Seelen-Kaff Oberdistelbrunn steht stellvertretend für zahlreiche kleine Ortschaften, in denen wenig los ist. Alleinstehende ältere Frauen träumen von der Liebe und sind mitunter leichte Beute für allerlei Gigolos, Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch auch lang verheiratete Paare wie Pauline und Fred haben so ihre (Alltags)Probleme. Pauline ist ziemlich gschaftlhuberisch veranlagt und Fred, der phlegmatische Typ, lässt sie einfach machen und vertieft sich in sein Kreuzworträtsel. Nur kurz taucht er aus seinem selbst gewählten geistigen Exil auf, als Pauline in Gefahr gerät.
Gut gefallen mir die Beschreibungen der Pflanzen und deren Eigenschaften, tödliches Gift inklusive. Vor jeglicher Nachahmung wird gewarnt.
Die Charaktere, alte wie neu hinzugekommene sind stellenweise ziemlich skurril, andere wieder eher langweilig - so bunt gemischt, wie im echten Leben.
Ich persönlich habe ein wenig Spannung vermisst, auch wenn es den einen oder anderen Umweg zum tatsächlichen Motiv gibt, Kollateralschaden inklusive.
Das Cover passt perfekt zu Fall eins und hat einen hohen Wiedererkennungswert.
Fazit:
Für Fans von Gartenkrimis und schrägen (Hobby)Ermittlern ist dieser Krimi genau richtig. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Rezensionen von MarcoL:
Ungeschönte Bilder vom dörflich geprägten Leben. Wunderbar erzählt!
Dorf ohne Franz von Verena Dolovai
Maria erzählt von ihrem Leben. Sie wächst auf einem Hof auf, Dorf und Land prägen ihr Leben. Bereits einer der ersten Sätze beschreibt allumfassend ihr Schicksal:
S.10: „..., in der Nacht, hielt mir Papa schließlich einen Zettel unter die Nase. Unterschreib! Hinter ihm Mama, Josef, Franz und der Herr Notar.
Ich sag auf das Papier. Durchlesen musst du das nicht, meinte Papa. So ein Theater wegen einer Unterschrift, dachte ich und kritzelte meinen Namen auf die punktierte Linie. Erbverzicht stand oben drüber.“
Damit ist ihre Zukunft besiegelt als Magd in der eigenen Familie. Eine Ausbildung oder Lehre wird Maria von den Eltern untersagt. Sie bleibt eine billige Arbeitskraft am Hof, später wird sie wie selbstverständlich zur Pflege der gebrechlichen Alten abgestempelt. Ihr Bruder Josef bekommt alles. Sie und Franz nichts.
Franz ist das Nesthäkchen, von seiner Mutter verwöhnt, während an Maria all die Arbeit hängen bleibt. Eines Tages beschließt Franz, sich die Welt anzusehen, und geht. Das ist der Startpunkt des geistigen Verfalls seiner Mutter. Eine Mutter, die Maria gegenüber immer abweisend und böse war.
Von ihrer Heirat mit Toni, von dem sie dachte, er würde eines Tages die Wirtschaft seines Vaters erben, verspricht sie sich eine besser Zukunft. Doch es kommt anders. Auf Toni, mit einem starken Alkoholproblem, ist nicht verlass, sein jüngerer Bruder Ferdinand, mit dem Maria zuerst zusammen war, bekommt das Gasthaus. Für Maria bleibt nur ein Leben mit Gelegenheitsjobs, Arbeit am Hof, und Pflege über. Sie hilft wo sie kann und muss. Kleine und größere Katastrophen, die das Leben zwangsläufig anschwemmt, bleiben an ihr hängen wie Treibholz am Ufer. Sie erträgt es auf eine stoische Weise.
Eines Tages sieht sie die Chance, all dem zu entschwinden …
In düsteren Bildern, so wie das Leben auf dem Land nun mal spielt, erzählt uns die Autorin sprachlich gekonnt vom patriarchal geprägtem Dorfleben. Einmal gefangen in diesen Strukturen, scheint es kein Ausbrechen zu geben.
Verena Dolovai zeichnet ein ungeschöntes Bild vom Land, die (viel gepriesene) Idylle gibt es nicht. Und wenn doch, dann ist sie eine Seifenblase, die jäh zerplatzt. Das Leben wird als hart und entbehrungsreich angenommen und gelebt, eine andere Möglichkeit wird von vorn herein ausgeschlossen. Außer man macht es wie Franz, und bricht aus.
Ganz große Leseempfehlung für diesen Roman von Verena Dolovai . Ihr Sprachstil ist fesselnd, direkt, auch nüchtern. Inhaltlich möchte ich gerne Vergleiche zu Helena Adler (Die Infantin trägt den Scheitel links) oder auch Monika Helfer (Die Bagage) ziehen, allerdings mit dem kleinen Einwand, dass hier das persönliche Pathos zur Seite gestellt wird. Trotz der Ich-Erzählung besteht eine gewisse Distanz, die ihre volle Berechtigung hat. Also: kauft und lest das Buch! Es lohnt sich!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Penibel recherchiert und gekonnt erzählt
Und Großvater atmete mit den Wellen von Trude Teige
Wer „Als Großmutter im Regen tanzte“ gelesen hat und sich mit der Familiengeschichte von Konrad und Tekla weiter beschäftigten will, kommt an diesem Buch nicht vorbei, denn diesmal erzählt Trude Teige Konrads Geschichte.
Konrad und Sverre, zwei norwegische Brüder fahren während des Zweiten Weltkrieges auf einem Handelsschiff im Pazifik, als ein japanischer Torpedo das Schiff trifft.
Nur wenige Männer, darunter Konrad können sich in ein Beiboot retten, während Sverre im Meer verschwindet.
Wenig später trifft der völlig entkräftete Konrad in einem Krankenhaus auf die Krankenschwester Sigrid, eine junge Frau, deren Familie seit längerer Zeit auf Java Geschäfte macht. Als die Japaner Java besetzen werden alle Ausländer in Internierungslagern festgehalten. Obwohl Teile Norwegens nun zum Deutschen Reich, das mit Japan verbündet ist, zählen, werden auch die Norweger als „friendly enemies“ in den Lagern festgehalten. Die Bedingunen sind katastrophal. Der einzige Lichtblick ist, dass sich nun Sverre und Konrad wieder treffen. Doch die Freude währt nicht lange, denn Sverre übernimmt als älterer Bruder die Verantwortung über ein Vergehen des jüngeren Bruders und wird dafür schwer bestraft.
Als nach fast zwei Jahren Internierungslager endlich die Freiheit zu winken scheint, beginnt der Aufstand der indonesischen Bevölkerung, um sich an den europäischen wie japanischen Besatzern zu rächen ....
Meine Meinung:
Ähnlich wie in "Als Großmutter im Regen tanzte" schildert Trude Teige das Leben eines Norwegers, der durch die Umstände zum Außenseiter geworden ist, eines Mannes, der mit der „Schuld“ überlebt zu haben, hadert. Erst das zufällige Zusammentreffen mit Tekla in England, wird ihm neuen Lebensmut geben.
Wie wir es von Trude Teige gewöhnt sind, ist auch dieses Buch mitreißend erzählt. Die historischen Details wie die gerade zu unanständige Selbstverständlichkeit mit der sich die Europäer in fremden Ländern breit machen und auf deren Bevölkerung herabsehen, ist sehr gut gelungen. Sigrids Mutter Henny ist das Symbol dafür: alkoholkrank, selbstsüchtig und sehr unsympathisch. Doch die Lagerhaft wird sie läutern.
Vermutlich werden viele Leser nur die Gräuel aus den KZs der Nazis kennen, doch die Internierungslager der Japaner stehen ihnen in ihrer Grausamkeit nur wenig nach.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser mitreißend erzählten Geschichte von Konrad 5 Sterne.
Rezensionen von Anna625:
Eine Suche
ruh von Şehnaz Dost
Eigentlich heißt "ruh" Seele, aber die Assoziation "Ruhe" passt genauso gut zu diesem Roman. Nicht, weil nichts passiert oder es langweilig wäre, im Gegenteil, Cemals Leben und sein ganzes Inneres sind von Unruhe und Rastlosigkeit geprägt. Trotzdem erfasst einen beim Lesen diese typische Ruhe, die einen in die Geschichte eintauchen und alles rundherum vergessen lässt.
Die ersten 8 Lebensjahre ist Cemal bei seinen Großeltern in einem kleinen Dorf in der Südtürkei aufgewachsen. Dann plötzlich der Umzug nach Deutschland, eine neue Sprache, neue Kultur, seine eigene Familie, die ihm fremd ist. Heute ist Cemal Ende 30 und unterrichtet Deutsch an einer Grundschule, seine kleine Tochter Ekin ist alles für ihn. Er arrangiert sein Leben zwischen ihr und Georg, mit dem er seit einer Weile eine Affäre hat. Doch nun will Georg die nächsten Schritte gehen, und Cemal hat Angst davor, ihn in sein Leben mit Ekin zu lassen. Außerdem träumt er seit kurzem von seiner verstorbenen Urgroßmutter Süveyde, die er nie gekannt hat und die ihm nach und nach die Welt ihrer Jugend zeigt und ihn mitnimmt an all die Orte, die ihm aus seiner eigenen Kindheit noch so vertraut sind. Neben dem manchmal mehr und manchmal weniger unterschwelligen Rassismus sind nun auch die Träume Süveydes Teil von Cemals Alltag, in dem er versucht, endlich einen Weg hinaus aus seiner anerzogenen Sprachlosigkeit zu finden. Die Suche nach seinen Wurzeln und nach Beständigkeit und gleichzeitig die Angst und Unfähigkeit, irgendwo länger zu verharren, sind Dinge, die Cemal umtreiben.
Der Roman reißt mit. Die recht kurzen Kapitel, die dazu verleiten, ständig "nur noch eins!" mehr zu lesen, die Sprache, die Thematik, all das packt und man bekommt kaum mit, in welcher Geschwindigkeit man durch die Seiten fliegt. Cemals Geschichte macht wütend und frustriert, ist aber zugleich von riesiger Verletzlichkeit und Zartheit geprägt. Eine große Leseempfehlung für diesen schönen, feinfühligen Roman!
Rezensionen von Anna625:
Zwischen "alt" und "aktuell"
Leute von früher von Kristin Höller
Endlich hat Marlene ihr Studium abgeschlossen, doch die Freude darüber will sich noch nicht so recht einstellen – immerhin nähert sie sich rasant der 30 und es wird von ihr erwartet, jetzt Nägel mit Köpfen zu machen. Das jedoch kann Marlene sich gerade so gar nicht vorstellen, und so packt sie ihren Koffer, lässt das hektische Treiben Hamburgs hinter sich und besteigt die Fähre in Richtung der kleinen Nordseeinsel Strand.
Hier wird sie den Sommer über arbeiten, als Saisonkraft in einem Museumsdorf, das dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert entrissen scheint.
Gemeinsam mit den anderen Sainsonkräften lebt sie in einer Barackensiedlung und fährt jeden Morgen mit dem Rad zur Arbeit. Die Inselbewohner nehmen die Arbeitskräfte freundlich auf, hier wird jede helfende Hand gebraucht – spätestens, wenn zur Ferienzeit ganze Schiffe voller Besucher auf der kleinen Insel einfallen. Die wichtigsten Regeln sind, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen und hinter der Kostümgrenze immer das mehr oder weniger stilechte Kostüm zu tragen. Das Arbeitspensum ist machbar, die Insel überschaubar, schnell fühlt sich Marlene hier wohl. Dann begegnet sie Janne, die auf Strand lebt; eine merkwürdige Faszination geht von ihr aus, und Marlenes Blick schweift immer öfter über die kleine Dorfstraße zur gegenüberliegenden Räucherei, in der Janne arbeitet. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Beziehung, fragil und zerbrechlich und zugleich von großer Anziehungskraft geprägt.
Ebenso wie Marlene fühlt man sich auch als Leser*in bald wohl auf Strand, das gar keinen Strand, sondern bloß einen Deich hat. Das kleine Dörfchen, mitunter auch scherzhaft "Deutschland-Park" genannt, will auf Außenstehende antik und authentisch wirken, fühlt sich aber auch bei einem Blick hinter die Kulisse bald angenehm heimelig an – und das, obwohl vermutlich weit über die Hälfte der Menschen gar nicht dauerhaft hier lebt und auch die Kekse in Wahrheit gekauft sind. Die urigen, alten Häuser, die einsamen Inselpfade, das Dünengras, der Deich, Ebbe und Flut – hier wirkt alles stimmig. Schon nach wenigen Kapiteln ist die Umgebung vertraut, die kleine Insel treibt wie aus der Zeit gerissen im Ozean, der sich bis zum Horizont erstreckt. Dass es irgendwo da draußen noch eine Welt geben soll, lässt sich nicht nur dank der Kostüme leicht vergessen, wenn sich das ganze Leben zwischen Barackensiedlung und Räucherei, alter Vogelwarte und Reetdach-Edeka abspielt.
Gleichzeitig hat all das, schaut man noch ein bisschen genauer hin, einen düsteren Beigeschmack: da wäre zum Beispiel der Friedhof der Namenlosen, auf dem seit jeher all jene Unbekannten ihre letzte Ruhe fanden, die das Meer ans Ufer der kleinen Insel gespült hat. Und dann ist da noch Rungholt, der ehemals größte Ort der Insel, der vor langer Zeit während einer Sturmflut vom Meer verschluckt wurde und um den sich zahlreiche Legenden ranken – angeblich kann man noch heute ab und an die Krichenglocken läuten hören. Wie nebenbei werden so die dramatischen Konsequenzen eines ansteigenden Meeresspiegels mit der Handlung des Romans verflochten, sind die Sturmflut und der versunkene Ort doch keinesfalls nur aus dramturgischen Zwecken dazuerfunden: Rungholt hat es tatsächlich gegeben, die Insel Strand existierte in der ursprünglichen Form nur bis 1634 und heute nur noch in Teilen.
"Leute von früher" überzeugt mit einer zarten, von Unsicherheiten geprägten Liebesgeschichte, die sich zwar langsam entwickelt, dabei aber mit großem Einfühlungsvermögen geschrieben ist. Die Inselkulisse, das Dorfleben und die stets im Hintergrund präsente Mystik sorgen für eine atmosphärische Dichte, der man sich kaum entziehen kann; dass es dem Roman gelingt, sowohl Spannung zu erzeugen als auch Urlaubsstimmung aufkommen zu lassen, ist besonders bemerkenswert. Mich hat der Roman so gepackt, dass ich ihn an einem einzigen Tag komplett verschlungen habe – was bleibt da noch zu sagen?
Rezensionen von Petra Gruber:
Der fünfte Fall
Der blaue Salamander von Luca Ventura
Der blaue Salamander ist eigentlich eine Eidechse, die es nur auf einem Felsen vor Capri gibt. Sie hat sich zur Tarnung der Farbe des Felsen angepasst und in Mondnächten kann man sie blau leuchten sehen. Die blaue Salamander ist eine Tasche, von der es nur wenige Exemplare gibt, angeblich gefertigt aus der Haut dieser Eidechse.
Doch was hat eine sagenumwobene Tasche mit dem Tod von Rosalinda Fervi zu tun?
Die Aufregung auf Capri ist groß, als sie ermordet im Beichtstuhl der Kirche gefunden wird. Schnell findet die Mordkommission aus Neapel einen Verdächtigen, den Straßenkehrer Salvatore. Doch Rizzi ist überzeugt, der oder die Mörderin laufen noch frei herum. Er und seine Kollegin Cirillo machen sich auf die Suche.
Zum fünften Mal ermittelt der sympathische Ermittler Rizzi auf Capri. Und ich muss zugeben, diese Serie hat mich gefangen. Ich mag Rizzi und seine Familie, ich mag das Setting auf Capri, ich mag die Bewohner der Insel und das Lokalkolorit und ich verfolge gerne die Entwicklungen in den Leben von Rizzi und Cirillo. Wird es Cirillo gelingen, wieder eine gute Beziehung zu ihrem Sohn Oscar aufzubauen? Wird sie jemals zu ihrem jungen Geliebten stehen? Wird Rizzis Wunsch, mit Gina eine Familie zu gründen, in Erfüllung gehen? Werden wir je erfahren, weshalb Cirillo auf Capri gelandet ist?
Auf alle Fälle hat mich dieser 5. Fall wieder hervorragend unterhalten. Jetzt beginnt das Warten auf den 6. Fall. Ich freue mich schon jetzt darauf.











