Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Kräuereule7:

Unikat im Fantasygenre!

Der Rabengott von Ann Leckie

Das Cover zu "Der Rabengott" finde ich in Ordnung. Leider lässt sich am Cover, meiner Meinung nach, nicht erkennen, dass es sich hier um ein Fantasybuch handelt. Den Farbschnitt finde ich sehr hübsch, allerdings sehr unpassend zum Cover. Tatsächlich würde ich bei diesem Buch zu der Variante ohne Farbschnitt greifen.

.
Der Schreibstiel der Autorin hat mir außerordentlich gut gefallen. Einige andere Leser hatten wohl aufgrund jenem Schwierigkeiten in das Buch zu finden. Ich fand ihn dagegen sehr malerisch und einzigartig!
.
Genauso einzigartig fand ich die Geschichte der Autorin. Das ganze Konzept des Buches rund um den Gott "Rabe" fand ich sehr spannend. Und obwohl die Anzahl der Charaktere hier sehr überschaubar war, hat das dem Buch überhaupt nicht geschadet. Jene waren mir oft sympathisch und authentisch. Der Plot des Buches hat mir auch sehr gefallen und war, zumindest für mich, nicht vorhersehbar. Einen Abzug bekommt die Geschichte jedoch durch eine zeitweilige Langatmigkeit des Buches.
.
Fazit: Ich fand das Buch sehr einzigartig und außergewöhnlich und würde Sie einem Publikum empfehlen, welches gerne Fantasy mit einem Hauch von Krimi mögen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Kräuereule7

Rezensionen von Bellis-Perennis:

Fesselnd bis zur letzten Seite

Im Sog des Schweigens von Silke Ziegler

Dass Zwillingsschwestern manchmal die Rollen tauschen, ist seit Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“ mehrfach in die Literaturgeschichte eingegangen. In diesem Krimi hat Silke Ziegler eine höchst spannende Variante geschrieben.

Die eineiigen Zwillingsschwestern Charlène und Aurélie gleichen sich zwar äußerlich so sehr, dass sie von niemandem auseinander gehalten werden können.

Doch charakterlich scheinen sie weit von einander entfernt. Aurélie ist kunstsinnig, malt und arbeitet als Lehrerin. Sie wirkt verträumt, während Schwester Charlène zielstrebig bis unnachgiebig ist und als Journalistin arbeitet.

Als Charlène Aurélie eines Tages ersucht, sie für einen Abend bei Bastien, ihrem Ehemann, „zu vertreten“, kann Aurélie nicht nein sagen. Ob es daran liegt, dass Charéne so nachdrücklich darauf besteht, oder weil sie doch heimlich nach wie vor in Bastien verliebt ist und sie sich das nicht eingestehen kann, ist nicht ganz klar auszumachen. Jedenfalls tauschen die Schwestern Klamotten Handtasche und Mobiltelefon sowie ihre Rollen und kann sich keinen Reim darauf machen.

Erst als Bastien von Aurélie angefertigte Skizzen im Haus entdeckt, ist sein Argwohn geweckt. Die beiden beschließen, vorerst den Status Quo beizubehalten und auf eigene Faust zu recherchieren.

Die Lage spitzt sich weiter zu, als bei einer männlichen Leiche in Narbonne die DNA von Charléne, die ja als Aurélie gilt, gefunden wird. Als dann auch noch Bastien verhaftet wird, muss Aurélie die Karten auf den Tisch der Ermittler legen.

Meine Meinung:

Ein ziemlich komplexer Krimi, denn er beginnt mit dem Prolog, in dem die Zwillinge knapp sechs Jahre alt sind. Man weiß bis ziemlich zum Schluss nicht, warum die Lage so eskaliert ist. Die dazwischen eingeschobenen Auszüge aus dem Charlénes Tagebuch lassen zwar die eine oder andere Idee aufkommen, aber nichts genaues weiß man nicht.

Die Story ist spannend, weil sich statt Antworten, ständig neue Fragen ergeben. Warum Aurélie sich nicht schon früher Bastien und/oder der Polizei anvertraut hat? Mehrmals habe ich gedacht, jetzt, endlich, deckt sie den Rollentausch auf. Nein, wieder nichts! So dreht sich die Spirale immer schneller. Dass Bastien, Charlénes Ehemann nicht erkennt, dass es sich um die Zwillingsschwester handelt? Nun ja, die Beziehung ist ziemlich toxisch und die tote Schwester eine Manipulatorin der ersten Klasse, die vor nichts zurückschreckt, um ihre Ziele zu erreichen.

Dieses Verwirrspiel hat mit gut gefallen, denn man sieht nur, was man sehen will.

Die Charaktere sind gut herausgearbeitet. Hin und wieder habe ich mir zwar gedacht, dass kann doch nicht sein, dass weder in der Arbeit, im Freundeskreis noch beim Ehemann fallen die Veränderungen im Wesen Charléne/Aurélie auf. Die ermittelnden Polizisten haben zwar ein unterschwelliges Gefühl, dass in dieser Dreiecksgeschichte etwas nicht stimmt, können dies natürlich nicht belegen. Das Schweigen der Beteiligten erleichtert ihre Ermittlungen nicht wirklich.

Fazit:

Das Thema eineiige Zwillinge samt bizarrem Rollentausch ist fesselnd umgesetzt worden. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bellis-Perennis

Rezensionen von liesmal:

Heimlichkeiten auf dem rechten Pfad

Der rechte Pfad von Astrid Sozio

Auf dem rechten Pfad zu bleiben oder ihn zu finden, wie es der Titel des Buches aussagt, ist sicherlich nicht einfach, eher sogar schier unmöglich.
Warum die Eltern von Benjamin nicht zusammenleben, geht aus der Geschichte nicht hervor. Wohl aber, dass Benjamin die Sommerferien immer in dem kleinen Ort Welsum bei seinem Vater verbringt.

Die Geschichte ist vom Schreibstil her nicht schwer verständlich, wozu auch die kurzen Kapitel beitragen, aber dennoch ist die Lektüre nicht ganz einfach. Für mich war es wie das Eintauchen in eine völlig fremde Welt und ich fühlte mich weit in die Zeit zurückgesetzt, obwohl die Geschichte nur zum Teil in der Vergangenheit spielt.
Sicher hängt meine Befindlichkeit damit zusammen, dass der Ort Welsum von einer fundamentalistischen Brüdergemeinde dominiert wird. Das Leben der Menschen dort folgt strengen evangelikalen Regeln und Verboten, die nicht nur nach meinem Verständnis gar nicht eingehalten und befolgt werden können. So hat sich Welsum in meinem Kopf zu einem „Dorf der Heimlichkeiten und Lügen“ entwickelt.
Benjamin hat in Welsum Freunde gefunden und die Erfahrungen eines Kindes und Teenagers sammeln können. Das Verhältnis zu seinem Vater war nicht sehr eng und Herzlichkeit stand nicht auf der Tagesordnung. Ein wenig befremdlich war für mich die Haushälterin Frau Gothel, die sehr bestimmt und bestimmend Benjamin den Weg gewiesen hat. Leider konnte ich ihren oft nur halben Sätzen, die immer mit einem „Hm?“ abschlossen, so gar nichts abgewinnen.
25 Jahre hat er gebraucht, um in den Ort seiner Kindheit zurückzukehren und sich mit seinen Kindheitserlebnissen auseinanderzusetzen. Keine leichte Kost, die sich den Lesenden im Wechsel zwischen den Zeiten und auch zwischen den Zeilen bietet. Die Erzählung folgt Benjamins Playlist, die den Kapiteln ihre Überschriften geben.
Das Buch, das neben vielen Themen auch „die Nähe zu Rechtsextremen“ enthält, bietet reichlich Einblicke und viel Stoff zum Nachdenken.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von liesmal

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Ein etwas anderes Tanzbuch

Bring dein Herz zum Tanzen von Sandra Wurster

Tanzen macht gelöst und glücklich. In "Bring dein Herz zum Tanzen: Finde zu deiner inneren Stärke und feiere deinen Körper, Das etwas andere Tanzbuch“ geht es darum, dass eigene Selbstwertgefühl zu entdecken, das Körpervertrauen zu stärken und authentische Selbstliebe, ganz wertungsfrei und intuitiv.

Tanzpädagogin, Selbstliebe-Unternehmerin, Speakerin und Autorin Sandra Wurster schreibt realitätsnah und authentisch von Themen, die sie selbst durchlebt hat, und teilt ihre Erfahrungen und Erkenntnisse über ihren Weg zum Tanzen, Bodyshaming und die „tief verborgenen Urängste der Ausgrenzung“, wozu auch sichtbares Schwitzen und die Scham, keine dünne Frau zu sein, gehört. „Als Mensch mit einem mittelgroßen Körper fühlte ich mich ständig beobachtet und fragte mich zusätzlich immer, was andere über mich sagten oder denken könnten. […] Weniger persönlich zu nehmen war mein persönlicher Befreiungsschlag, und genau deshalb fange ich jetzt mit diesem Thema an…“ Sandra Wurster teilt u.a. Tipps, wie man eine passende Tanzschule findet und es gibt eine exklusive Website mit aufgenommenen Videos zu den Choreografien - eine praktische Ergänzung zu den Tanz-Fotos im Buch.

Die zarte Gestaltung ist gut gelungen. Farbliche Hervorhebungen von Informationen und Zitaten helfen bei der Einordnung (z.B. Sandras Selfcare-Tipp), zusammen mit zahlreichen Selbstportraits der Autorin, die Selbstbewusstsein und Lebensfreude ausstrahlen.

Mir war es thematisch einfach zu viel von allem, und zu unstrukturiert. Weniger Themen, auf die tiefgreifender eingegangen wird, hätten mir besser gefallen. Vielleicht gehöre ich aber auch nicht zur Zielgruppe, denn das Buch richtet sich, dem Stil nach, eher an ein junges Publikum und manchmal habe ich mich an dem Schreibstil und den Wortwiederholungen gestört. Ich konnte dem Text aber stärkende Zitate und wahre Worte entnehmen, die sich lesen, als würden sie von einer Freundin kommen. Es ist eine wohltuende Begleitung, mit Inspiration und Impulsen für die Frau, bei denen es um Tanz als Heilungstool geht, Hingabe und Gelassenheit, als schönste Form von Selbstbewusstsein. Insgesamt ermutigt Sandra Wurster dazu, sich selbst zu spüren, um Orientierung im Innen statt im Außen zu finden und in einem „Safe-Space“ mit den eigenen Bewegungen herumzuexperimentieren. Für alle, die mit sich hadern und sich von Sandra Wursters weiblichem Empowerment anstecken lassen wollen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Realistischer Krimi in Mecklenburg

Das Schweigen des Wassers von Susanne Tägder

Hauptkommissar Groth wird im Herbst 1991 von Hamburg ins fiktive Wechtershagen nach Mecklenburg-Vorpommern versetzt. Der Verlust seiner Tochter Saskia lastet schwer auf ihm, doch sie ist stets an seiner Seite. In den ersten Tagen lernt er den Bootsverleiher Siegmar Eck kennen, der ihm anvertraut, jemand sei hinter ihm her.

Als seine Leiche aus dem See geborgen wird, hat Groth als einziger seine Zweifel, dass es sich um einen Unfall handelt. Bei seinen Ermittlung stößt er auf den Mord an Jutta Timm, der elf Jahre zurück liegt.

Man spürt, dass die Geschichten sich an einem wahren Fall orientiert, denn alles wirkt, als wäre es wirklich geschehen, nicht zuletzt durch die verschlungene Mischung aus Fiktion und Realität. Bedacht und strukturiert gehen die Ermittlungen voran. Susanne Tägder erzählt eindringlich und dialogreich über mehrere Handlungsstränge von einem Fall, der in die Vergangenheit zurückreicht, nachdem der Mauerfall nur wenige Jahre zurückliegt. Mir hat diese kluge und ruhige Vorgehensweise gefallen, die allmählich an Spannung zunimmt. Wer wilde Konstruktionen und Hochspannung braucht, ist mit diesem Krimi nicht gut beraten.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Das Streben nach Glück

Die Halbwertszeit von Glück von Louise Pelt

Ergreifende Geschichte über drei Frauenschicksale, die miteinander verknüpft sind. «Die Halbwertszeit von Glück» erzählt abwechselnd von drei Frauen, die zu ganz verschiedenen Zeiten an ganz unterschiedlichen Orten leben. Johanna lebt im Dezember 1987 im DDR-Grenzgebiet in einer abgelegenen Hütte im Wald, als eine junge Frau mit einer Schussverletzung ihren Frieden stört und unverhofftes Glück mitbringt.

Dann geht die Reise nach Los Angels ins Jahr 2003 und wir lernen Holly kennen. Sie arbeitet ambitioniert an ihren Träumen im Filmgeschäft, als ein Unglück sie in bodenlose Schuldgefühle stürzt, der schließlich in Selbsthass gipfelt. Sechszehn Jahre später geht es nach Paris, zu Mylène. Sie wird bald heiraten und ist überglücklich, als ein Brief die Frage aufwirft, wer sie eigentlich ist.

Der eingängig leichte Schreibstil ist kraftvoll, schnörkelos und voller Einfühlungsvermögen und Liebe für die Charaktere. Es wird erzählt, wie die Geschichten dieser drei Frauen zusammenhängen, was sie bewegt, was sie erlebt haben. Dabei ist nicht nur das verbindende Element ein großer Anreiz weiterzulesen, sondern auch die Entwicklung, wie sie mit ihren Schicksalsschlägen umgehen. Hier gab es für mich die ein oder andere Konstruktion, um die Geschichte spannender zu machen, zu leiden der Glaubwürdigkeit. Johanna beweist viel Mut, Aufopferung und Hingabe und Holly zeigt ein großes Herz, voller Mitgefühl und Liebe - nur nicht für sich selbst, während Mylène ihr Glück völlig aus den Augen zu verlieren scheint. Insgesamt wird so aber eine Entwicklung deutlich, die menschlich und emotional ist. Jede der Geschichten ist bewegend, und zum Ende so schmerzlich ergreifend, auch wenn sich mit der Zeit der Weg erahnen lässt, trifft es einen doch mitten ins Herz. Über konstruierte Dialoge, konnte ich gut hinwegsehen. Mir hat die Geschichte von Johanna am besten gefallen, wobei sich hier ein paar Schwächen in der geschichtlichen Auseinandersetzung zeigen, die aber nicht das gesamte Leseerlebnis schmälern. Es geht im Kern darum, „dass auch das Glück eine Halbwertszeit hat.“ Wir haben es alle verdient, Glück und Freude zu empfinden. Es ist flüchtig, aber wenn „ein Glück geht, kommt ein neues - nicht sofort vielleicht, aber irgendwann.“ Gut und lesenswert! 3,5 Sterne

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Wer zuerst lügt, gewinnt

Wer zuerst lügt von Ashley Elston

«Wer zuerst lügt» von Ashley Elston ist ein clever verstricktes Katz- und Maus-Spiel, das mit einer talentierten Hochstaplerin und überraschenden Wendungen überzeugt.

Die 26-jährige Lucca Marino arbeitet als Trickbetrügerin für den mysteriösen Mr. Smith, der seine Identität exzellent verbirgt.

Der neue Auftrag ist der Geschäftsmann Ryan Sumner, auf den sie mit ihrem Alias Evie Porter angesetzt wird. Die ausgeklügelte Maskerade und aufwendige Vorbereitung funktioniert, denn Ryan bietet sie, nach einigen Monaten, bei sich einzuziehen. Schwieriger ist es, vor seinen Freunden zu überzeugen, denn die Anwältin Rachel ist mehr als skeptisch. Eigentlich möchte Lucca aussteigen, ein sinnerfülltes Leben führen, aber ihr bleibt nichts anderes übrig, als weiterzumachen, wenn sie nicht für immer auf der Flucht vor ihrem übermächtigen Boss sein will.

Die Rückblenden führen zu den betrügerischen Anfängen von Lucca zurück, und zeigen, wie es dazu kam, dass sie Aufträge für Mr. Smith ausführte und welche das waren. Dabei gefiel mir der misstrauische Devon, ein unverzichtbarer Partner für Lucca, der sie wissend L. (Elle) nennt und mit dem sie über Instagram kommuniziert. Lucca wird als äußerst klug und misstrauisch dargestellt, wirkt aber trotzdem verletzlich und authentisch. Die Pläne des Kontrahenten sind schwer zu durchschauen und es offenbart sich ein breites Feld aus Lügen und Verrat.
Die beiden Erzählstränge laufen zielstrebig ineinander und zeigen die Wahrheit, denn nichts ist, wie es scheint. Insgesamt nicht überragend, aber eine absolut gute Unterhaltung, mit einer cleveren Heldin und undurchschaubaren Motiven, die Spannung versprechen, ohne zu nervenauftreibend oder gewalttätig zu sein.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Plageaterie, Missgunst und Rassismus

Yellowface von R. F. Kuang

Ich reihe mich gern in die Scharr von Fans ein, die dieses Buch in kürzester Zeit verschlungen haben und feiern. Unbedingt lesen!

«Yellowface»» ist einfach umwerfend galant geschrieben und absolut mitreißend. Es geht um June Hayward, eine Frau voller Selbstzweifel, Missgunst und Verachtung. Sie geht völlig darin auf, Schriftstellerin zu sein, aber ihr Erfolg bleibt aus.

Deswegen blickt sie voller Neid auf Athena Liu, eine ehemalige Kommilitonin aus dem Studium, mit der sie sich hin und wieder trifft. Als sie den Abend mit ihr verbringt und ein Unglück geschieht, nimmt sie im Affekt Athenas neues, gerade vollendetes Manuskript über die Heldentaten chinesischer Arbeiter während des ersten Weltkriegs an sich. Aufkeimende Gewissenskonflikte werden im Keim erstickt, denn Ausreden, finde June viele. Schließlich gelingt ihr damit der ersehnte Durchbruch als ernstzunehmende Autorin, die jetzt unter dem Künstlernamen Juniper Song publiziert. Doch die kulturellen Berührungspunkte werden zum Problem.

Die lebensnahe Betrachtung ist packend, die moralisch Fragen, die sich aufdrängen, gehen tief. Es fühlt sich so real an, dass ich mich nicht gewundert hätte, würde es auf wahren Begebenheiten beruhen. Gleichzeitig ist es beinahe satirisch. Besonders die Ich-Perspektive war eine gute Wahl und unterstreicht die Glaubwürdigkeit. Hinzukommen eingeschobene Rückblenden, die passendes Hintergrundwissen zum aktuellen Geschehen liefern. Außergewöhnlich ist auch der Einblick in die gnadenlose Literaturwelt und der Einfluss von sozialen Medien, dem sich June nicht entziehen kann, obwohl ihr Gegenteiliges geraten wird. Enthüllend ist auch die Vorstellung vom Verlagswesen und den Stars der Literaturszene, branchenüblichem Rassismus, Ausgrenzung und der Umgang mit kritischen Stimmen. Endlich mal wieder ein Buch, das mich rundum überzeugen konnte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Tolles Gesamtkunstwerk

Die sieben Türen von Adrian Draschoff

Vorweg: Ich liebe dieses Buch! Möglicherweise wurde es für mich geschrieben. Jedenfalls fühlt es sich so an, als hätte man ein persönliches Geschenk erhalten.
Es beginnt mit einem Leuchten im Nichts. Es ist wissensdurstig und unbedarft, gerufen von der Sehnsucht, trifft es auf eine Raupe namens Yara.

Diese führt das Leuchten zu den sieben Türen. Gemeinsam gehen sie durch jede Tür und begegnen dem Licht und der Dunkelheit, der Liebe und dem Hass, der Angst und dem Mut, dem Glück und der Trauer, dem Jetzt und der Unendlichkeit und hinter der letzten Tür dem Leben und dem Tod. Es entstehen Gespräche mit dem Glück, der Trauer oder der Liebe und sie reden auch über die Menschen, die so klein sind, aber durch die Liebe riesig werden können. Auf fantasievolle Art bringen sie dem kleinen Leuchten ihr Sein näher, beantworten viele tiefgründige Fragen („Wie verliere ich den Glauben an die Liebe nicht?“) und fassen in wenigen Sätzen zusammen, was eigentlich schwierig zu erklären ist. „Wenn du es sagst, klingt es so einfach.“ Diese kindliche Neugier und allwissende Vereinfachung ist so tröstlich und liebenswert, dass manch einer denken könnte, es handelt sich um ein Kinderbuch. Allerdings ist es eher ein Ratgeber in Form einer Geschichte. Diese Magie zwischen Wort und Bild, von der Christian Huber unter dem Klappentext spricht, ist sehr spürbar und führt Kopf und Herz zusammen. Ich bin sehr begeistert von dem Spiel aus Hell- und Dunkelheit. Die Text-und-Bild-Gestaltung ist durchdacht und kreiert ein besonders Leseerlebnis. Alle Türen waren auf ihre Art inspirierend, aber die dritte Tür hat mir am besten gefallen. Es geht nicht nur um Liebe und Hass, sondern auch um Akzeptanz, Hoffnung, Zuversicht - alles in einem illustrierten „Meer voll von prächtigen Blumen“. Ganz oft dachte ich: „Das klingt wunderschön“. Poetisch, sanft und harmonisch. Es sind Sätze, die im Kopf bleiben und weiter arbeiten. Es ist eins der Bücher, das bleibt.

Fazit: Ein wertvolles Buchgeschenk, für sich selbst und andere. Hier ist alles vereint, was ich sehr mag: eine angenehme Tiefgründigkeit, eine fantasievolle und berührende Geschichte voller Wunder, und kunstvolle Illustrationen zum Staunen. Außerdem durchzieht eine spannende Frage die Handlung, die erst zum Schluss beantwortet wird. Das Leben ist kompliziert. Deshalb ist diese Geschichte so schön, die einen ähnlichen Effekt hat, wie die Bilderbücher, die man als Kind immer und immer wieder lesen wollte. Ein besonderes Gesamtkunstwerk, das ich sehr empfehlen kann.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Es ist nie zu spät

Wort für Wort zurück ins Leben von Beth Miller

«Wort für Wort zurück ins Leben» erzählt die Geschichte der zweiundfünfzigjährigen Pearl, die sich nach einem tragischen Verlust mit ihrem Mann Danny in einem abgelegenem Stück Wald in Frankreich „versteckt“ und alle Kontakte abbricht. Längst von der Familie entfremdet meldet sich überraschend ihr Bruder und sagt Pearl am Telefon, dass ihr Vater im Sterben liegt.

Pearl erfasst eine ungeahnte Mutwelle, weshalb sie ihre gehütete Komfortzone verlässt und nach England reist. Kann sie ihrem Vater verzeihen? Durch seine stenografierten Tagebücher werden Wahrheiten enthüllt, die nur Pearl entziffern kann. Wort für Wort, wie der Titel verrät, findet sie zurück ins Leben, dem sie sich viele Jahre aus Angst, Reue und Schuldgefühlen nicht gestellt hat.

Das unbeschwerte Cover lässt an einen kurzweiligen Roman voller Leichtigkeit und Humor denken. Der Schreibstil ist passenderweise einfach lesbar. Erzählt wird aus zwei Perspektiven, unterbrochen von Tagebucheinträgen. Tatsächliche ist diese warmherzige Geschichte voller tiefgehender Themen und erzählt von tragischen Verlusten, einer toxischen Beziehung, verstecktem Potenzial und zweiten Chancen. Es geht noch um weitere Themen, die ich hier nicht nenne, um Spoiler zu vermeiden. Fest steht: es ist nie zu spät, für einen Neuanfang. Darüberhinaus sind die Charaktere interessant und wirken authentisch. Das ist die große Stärke des Romans, denn man fühlt sehr mit den Figuren mit und wird zum Nachdenken angeregt. Ich hatte keine Erwartungen und war von der Komplexität und Themenvielfalt überrascht. Insgesamt eine gute Unterhaltung für Zwischendurch mit schöner Botschaft.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina