Kunden em pfehlungen
Rezensionen von S.:
Fantastische Geschichten
Bücher und Barbaren von Travis Baldree
Viv ist eine große Ork. Zwerg Rackam als ihr Befehlshaber ist keineswegs erfreut, als sie im Kampf gegen eine Knochenarmee aus Skeletten verwundet wird. Während der Genesung begegnet sie sehr interessanten Gestalten; weiteren Orks, einer Reptilienfrau, einer Rättin, die eine Buchhandlung führt oder einer verliebten Bäckerzwergin.
Alle wunderbar beschrieben, ihr Äußeres ist gut vorstellbar. Natürlich geht es auch in dieser netten Stadt Murk nur nicht gemütlich zu, ein mysteriöser Fremder taucht auf. Was er wohl für Absichten hat? Eine hübsche Idee ist, dass Fern, die Buchladenrättin, Viv Bücher empfiehlt, aus denen der Leser einige Auszüge kennenlernen kann. Buch im Buch sozusagen. Sehr originell auch der Homunkulus.
Travisˋ Baldrees Schreibstil gefällt mir gut: gewohnt flüssig, lakonisch, abwechslungsreich, spannend und unterhaltsam. Manche Gespräche sind urkomisch, „Wahrlich spektakulär“.
Eindeutige Leseempfehlung!
Rezensionen von CanYouSeeMe:
langatmig
Mein Name ist Lilith von Nikki Marmery
Mein Name ist Lilith (Was uns verschwiegen wurde: die rebellische Erzählung des christlichen Mythos) von Autorin Nikki Marmery verspricht eine sehr feministische Erzähung über Lilith, die erste Frau im Garten Eden. Ich habe mich gefreut mehr über Lilith zu erfahren - meine Erwartungen konnten jedoch nicht erfüllt werden, dabei habe ich mir wirklich Mühe gegeben dieses Buch zu mögen.
Schon auf den ersten Seiten hatte ich Schwierigkeiten mit der teils sehr platten Darstellung der Geschlechter: Adam, der böse, streitwillige, dumme Mann; dem Gegenüber Lilith, die weitsichtige, gute und ehrenwerte Frau. Dieses Muster überträgt sich relativ uneingeschränkt auf alle weiteren männlichen und weiblichen Charaktere in diesem Buch. Einzig Samael soll eine Ausnahme darstellen aber auch er ist sehr eindimensional geschildert und zeigt sich zunächst auch nur an Liliths Äußerem interessiert. Diese Eindimensionalität der Charaktere hat mich an diesem Buch am meisten gestört. Denn es fällt dadurch nicht nur schwer eine Beziehung zu den Protagonist:innen aufzubauen, es schmälert in meinen Augen auch ein realistisches Abbild der Menschen und rückt männliche Personen verallgemeinernd in ein extrem schlechtes Licht. Ich hätte mir etwas weniger starres schwarz-weiß-Denken gewünscht.
Darüber hinaus habe ich als Leserin sehr wenig über Lilith selbst erfahren. Sie scheint mehr eine Beobachterin zu sein, beschreibt den Lauf der Dinge über Jahrtausende hinweg. Es ist wenig Raum für ihre Persönlichkeit, dafür umso mehr für die der von ihr begleiteten Personen. An diesem Punkt haben Buchtitel und Klappentext mich in die Irre geführt, denn ich dachte Lilith steht mehr im Fokus der Erzählung. Stattdessen war sie eher eine Berichterstatterin.
Sprache und Schreibstil haben mir am Anfang gefallen, wurde mit Verlauf des Buches jedoch sehr zäh, irgendwie auch nicht ganz stimmig und haben phasenweise auch nicht mehr recht zum Setting des Buches gepasst.
Insgesamt bin ich durchaus enttäuscht, denn der Plot und das Setting haben viel Potenzial, was in meinen Augen durch die viel zu einseitige und stereotype Mann = schlecht, Frau = gut Darstellung extrem gelitten hat.
Auch inhaltlich gab es einige Längen und als nicht bibelfeste Person hatte ich zum Teil arge Probleme dem Plot zu folgen. Da haben mir die historischen Anmerkungen zum Schluss des Buches geholfen, allerdings trübt es das Lesevergnügen eines Romans, wenn ich mir seitenlange historische Erläuterungen durchlesen muss, um die Handlung zu verstehen.
Insgesamt ist Mein Name ist Lilith leider kein Buch gewesen, dass mich mitnehmen konnte und schwächelt meiner Meinung nach durch Langatmigkeit und zu einseitigen Darstellungen.
Rezensionen von Petra:
Magisch
Bücher und Barbaren von Travis Baldree
Viv muss nach einer Kampfverletzung eine Pause in der verschlafenen Küstenstadt Musk einlegen. Was kann man dort außer Essen nur machen. Die Auswahl ist nicht groß, ein etwas herunter gekommener Trödelladen der nie geöffnet hat und eine ebenso aussehende Buchhandlung. Also lesen, gehört nicht unbedingt zu den Lieblingsbeschäftigungen der Kämpferin.
Die Buchhändlerin Fern weiß aber genau was ihre Kunden lesen wollen oder sollten. Sie empfiehlt Viv Bücher im Gegenzug hilft sie ihr den Laden wieder herzurichten. Eine Freundschaft bahnt sich an. Genau so ergeht es Viv mit der sehr talentierten Bäckerin Maylee.
Die Figuren sind herrlich, Viv ist eine Ork ( sofort hatte ich die Orks aus Herr der Ringe vor Augen ) aber Viv ist dermaßen liebenswert, sie schämt sich sogar als sie wegen ihrer Schmerzen den Feenarzt angegangen ist. Fern ist eine Rätin und Maylee eine Zwergin man stellt sich automatisch die Größenunterschiede vor.
Nicht nur das ist amüsant. Auch was die Bewohner und Gäste des Ortes gern lesen und ihre Reaktionen auf die Bücher brachte mich öfter zum schmunzeln. Natürlich bleibt es nicht bei Essen und Lesen obwohl beides eine Hauptrolle in diesem Buch spielen, es gibt auch noch unheimliche Elemente die für Spannung sorgen. Jede Seite birgt eine Überraschung, es hat unendlich viel Spaß gemacht das Buch zu lesen.
Rezensionen von Tara:
Ein kritischer Blick auf die Literaturbranche
Yellowface von R. F. Kuang
„Yellowface“ ist ein fesselnder und kritischer Roman der Autorin Rebecca F. Kuang, der gesellschaftskritisch und spannend zugleich ist.
June Hayward und Athena Liu sind Schriftstellerinnen. Allerdings ist Athena deutlich erfolgreicher als June, was direkt heftigen Neid bei dieser hervorruft. Entsprechend abfällig äußert sie sich über Athena.
Als Athena - nachdem sie gerade einen Vertrag über eine Verfilmung unterschrieben hat - plötzlich verstirbt, sieht June ihre Chance. Sie nimmt Athenas unvollendetes Manuskript an sich, um es zu überarbeiten und als eigenes auszugeben.
Der Schreibstil von Rebecca F. Kuang ist einfach genial, da er sich leicht lesen lässt, unterhaltsam, kritisch, bissig und spannend zugleich ist.
Die Ereignisse werden aus der Perspektive von June geschildert. June ist eine schwierige Protagonistin. Sympathisch ist sie nicht, ganz im Gegenteil, ihre Missgunst gegenüber Athena, ihre Gier nach Erfolg und ihr skrupelloses Handeln haben es mir unmöglich gemacht sie zu mögen.
Der Roman gibt einen interessanten Einblick in die hart umkämpfte Literaturbranche und gleichzeitig auch in die Tiefen der menschlichen Abgründe.
Außerdem kommen hier eine Vielzahl aktueller und brisanter Themen zusammen, es geht um Neid, Rassismus, soziale Medien, Druck, Identität, Cancel-Culture und vieles mehr.
Das Cover – meiner Meinung nach absolut gelungen und passend – muss ich nicht erwähnen, das sieht jeder. Aber hier lohnt es sich wirklich einen Blick unter den Schutzumschlag zu werfen, mehr verrate ich aber nicht.
Das Ende ist offen und lässt Raum für eigene Gedanken, was ich für einen gesellschaftskritischen Roman, der zum Nachdenken anregen soll, als durchaus passend empfunden habe.
Rezensionen von froschman:
Gefährliche Wanderung
Der Ausflug - Nur einer kehrt zurück von Ulf Kvensler
Seit Jahren fahren die Freunde Anna mit Partner Henrik und Milena zum Wandern in die Berge im Norden Schwedens. So auch dieses Jahr, allerdings hat Milena einen neuen Freund, den sie mitnehmen will. Schließlich wird Henrik davon überzeugt, dass sie heuer zu viert wandern gehen. Noch während der Anreise mit dem Zug schlägt Jakob vor, nicht in den für ihn schon langweiligen Fjäll zu wandern, sondern das wilde Naturschutzgebiet Sarek zu durchqueren.
Nur widerwillig können sich die vier auf die neue Route einigen, müssen aber bald bemerken, dass diese Wanderung alles andere als ein Spazierweg wird. Die Herausforderungen werden immer stärker, aber auch gruppendynamisch tut sich einiges. Lang unterdrückte Geheimnisse und Vorwürfe kommen ans Licht, Streitigkeiten werden immer heftiger.
Da im Buch immer wieder Protokolle von Vernehmungen mit Anna eingefügt sind, kann man sich vorstellen, dass etwas Furchtbares geschehen ist. Ist Anna die einzige Überlebende dieser Wanderung?
Ulf Kvensler ist mit diesem Debutroman ein fesselnder Thriller mit einem überraschenden Ende gelungen, die Charaktere sind sehr gut dargelegt, man kann sich gut in ihre Gefühlslagen einfühlen. Eine eindeutige Leseempfehlung!
Rezensionen von Das Echo vom Alpenrand:
Der Querschläger
Die Tote am Kai (WaPo Cuxhaven 2) von Bente Storm
Agatha Christensen ist eine junge engagierte Wasserschutzpolizistin, die voll in ihrem Job aufgeht. Umso erschütterter ist sie, als ihr Kollege Ingmar, ausgerechnet an dem Abend, an dem sie den Dienst mit ihm getauscht hat, angeschossen und schwer verletzt wird. Während sie noch um das Leben des Kollegen bangt, beginnt sie zu recherchieren.
Dabei kreuzt sich erneut ihr Weg mit dem von Victor Carvalho, der als zuständiger Kriminalbeamter für den Fall eingeteilt ist. Dies führt zu einigen, vor allem gefühlsmäßigen Turbulenzen, da beide ein gewisses Interesse aneinander haben. Nichts desto trotz, steht die Suche nach dem Schützen im Vordergrund, die sich jedoch dadurch verkompliziert, dass sie zusätzlich den Mord an einer jungen Frau aufklären müssen, der mit dem Fall in direktem Zusammenhang zu stehen scheint.
FAZIT
Eine nur mittelmäßig spannende Story, in der die persönlichen Gefühle und Verbindungen zu viel Raum einnehmen und damit den eigentlichen Fall zu stark in den Hintergrund drängen.
Rezensionen von Marie aus E.:
Die Kraft der Freundschaft - und für mich eine große Buchliebe
The Fort von Gordon Korman
Das Buch war völlig unerwartet eines meiner Kinderbuchhighlights des Jahres.
Einmal angefangen, konnte ich es gar nicht mehr aus der Hand legen - obwohl ich der empfohlenen Altersangabe von elf Jahren schon längst entwachsen bin.
Aber für gute Bücher ist man ja nie zu alt - ein Unterschreiten der Altersgrenze würde ich hier aber nicht empfehlen, denn das Buch hat schon einige Themen, die jüngere Kinder verstören könnten.
Es geht um fünf Freunde - aber im Gegensatz zu Enid Blytons Freunde haben unsere hier alle ein Päckchen zu tragen.
Ein gewalttätiges Familienmitglied, drogenabhängige Eltern und einen Bruder, der ebenfalls abzudriften droht, eine Zwangsstörung, Hochbegabung und damit einhergehendes Außenseitertum und Scheidungsrosenkriegseltern.
Das ist teilweise ganz schön heftig, was die Fünf da aushalten und mitmachen müssen.
Sie entdecken aber einen alten Bunker im Wald und er wird ihr Geheimversteck. Und ja, das war und ist doch der Traum aller Kinder, ich habe mich jedenfalls sofort wieder erkannt und wäre im Himmel gewesen, wenn wir damals so einen Freundestreffpunkt gehabt hätten.
Die Geschichte wird immer abwechselnd aus der Ich-Perspektive der fünf Freunde geschildert. Das macht es besonders nahbar und man kann sich in jeden hineinfühlen.
Das Buch hat aus meiner Sicht alles, was eine gute Geschichte braucht: Spannung, Abenteuer, Drama, Witz und vor allem die Kraft der Freundschaft.
Absolute Empfehlung!
Rezensionen von Kwinsu:
Grenzen und Wege
Das andere Tal von Scott Alexander Howard
Odile ist 16 Jahre alt und lebt in einem begrenzten Tal - es ist abgeschirmt durch strikte Grenzzäune und keinem ist es erlaubt, diese zu überschreiten. Außer die Bewohner:innen stellen einen Antrag - meist im Trauerfall. Denn im Westen existiert das selbe Tal, nur 20 Jahre in der Vergangenheit, wohingegen sich im Osten das Tal 20 Jahre in der Zukunft befindet.
Alleinig die jeweiligen "Conseils" entscheiden, ob der oder die Antragssteller:in reisen darf. Odile entscheidet sich, an der Aufnahmeprüfung für die Schule der Conseils teilzunehmen, um ihren beruflichen Weg in dieser hochangesehenen Tätigkeit zu bestreiten. Doch ein folgenschweres Ereignis verändert ihre Pläne - und somit auch Zukunft und Vergangenheit...
Der kanadische Autor und Philosoph Scott Alexander Howard präsentiert mit "Das andere Tal" sein literarisches Erstlingswerk. Er besticht durch eine atmosphärische, bildgewaltige Sprache, die einen umgehend in diese ganz besondere Welt versetzt. Howard beherrscht die Kunst, die Erzählung voranschreiten zu lassen, ohne dass geahnt werden kann, in welche Richtung sie sich entwickelt. Dabei begleiten einen stets philosophische Denkanstöße über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Gut und Böse, Recht und Unrecht. Erst im Laufe der Zeit wird einem bewusst, dass es sich bei der hier geschaffenen Welt wohl um eine Diktatur handelt, die unbarmherzig mit ihren Bewohner:innen umgeht. Alle haben ihren vorbestimmten Weg, haben sich an die Regeln zu halten, haben keine zweite Chance verdient. Erstaunlich ist, dass sich scheinbar keiner mit diesem strikten Regelwerk auseinanderzusetzen und widersetzen zu scheint, (fast) alle nehmen ihre Lebensumstände als gegeben hin.
Ein besonderes Highlight ist die Hauptprotagonistin Odile. Sie erzählt in der Ich-Form, man bekommt viele Einblicke in ihre Gedankengänge, bis zum Schluss ist es jedoch nicht möglich, sie zu charakterisieren, geschweige denn einzuordnen. Sie scheint ein sehr regelkonformer Mensch zu sein, der sich seinem Schicksal ergibt - allerdings täuscht man sich hier, wie in einigen anderen Aspekten auch. Was aber feststeht ist, dass sie zäh ist. Ihr Leben entwickelt sich in Richtung Hölle auf Erden, aber aufgeben tut sie nie.
Der Roman spielt in unterschiedlichen Zeitabschnitten. Erst begleiten wir die jugendliche Odile, die mit üblichen jugendlichen Problemen kämpft - Schüchternheit, Freundschaft, komplizierte Beziehung zu den Eltern. Der zweite Abschnitt reist 20 Jahre weiter und zeigt eine hoffnungslose Odile, die sich ihrem Schicksal, das von grauenhaften Begegnungen mit den hässlichsten Seiten der Menschheit geprägt ist, fügt. Doch wie erwähnt kommt es immer wieder zu unerwarteten Wendungen in der Geschichte, die einem die Hoffnung nach dem Guten nie gänzlich nimmt.
In den Diskussionen über den Roman wird immer wieder angemerkt, dass die geschaffenen Zeitebenen - die verschiedenen Täler - und der geregelte Umgang damit, unlogisch seien, vom Autor zu wenig erklärt werden. Für meine Wahrnehmung waren die Erklärungen ausreichend, ich habe mich mit dem vorgegebenen Konstrukt zufrieden gegeben. Viel spannender waren für mich die damit einhergehenden philosophischen Auseinandersetzungen, die mir auch viel Stoff gegeben haben, um Parallelen mit der realen Welt herzustellen.
"Das andere Tal" war für mich ein absolutes Lesehighlight, dass mich auch in den Lesepausen immer wieder fest in Gedanken bei der Geschichte sein ließ. Es ist ein fesselndes Werk, dass immer wieder mit unerwarteten Wendungen aufwartet und die Gehirnwindungen ordentlich arbeiten lässt. Die Atmosphäre - Märchenhaftigkeit gepaart mit trister, grauenhafter Realität, wird mir dieses Buch nicht so schnell vergessen lassen. Gespannt warte ich auch weitere Werke des Autors!
Rezensionen von nil_liest:
Ein Abgrund für zwei
Geordnete Verhältnisse von Lana Lux
Wann ist eine Beziehung, die einseitige Abhängigkeiten beinhalten, noch gesund und wann wird es toxisch? Eine der vielen Fragen, die dieses Buch „Geordnete Verhältnisse“ in sich trägt.
Wir folgen zwei Personen, die sich zu Schulzeiten kennenlernen und oberflächlich wirkt es gut. Denn Philipp nimmt sich der geflüchteten Faina an und erklärt ihr die deutsche Welt in der Kleinstadt.
Eine Überlegenheit seinerseits ist deutlich spürbar, er macht sie zu seiner Faina. Eine komplizierte Beziehung, die sich aus den Augen verliert nach der Schule um dann doch wieder zueinander zu finden. Sie schwanger ohne zu wissen von wem, flüchtet in seine Obhut. Er wird zu ihrem überschattenden Kontrolleur und nimmt ihr alle Freiheiten.
Woraus entstand diese Situation? Aus zwei völlig verkorksten Kindheiten. Denn Philipp ist Sohn einer Alkoholikerin, die ihm keine „Geordneten Verhältnisse“ bieten konnte, die lernt er nur einmal bei seiner Tante kennen. Diese zerrüttete Basis macht ihm zu einem beziehungsunfähigen Mann, der Obsessionen hat. Aber auch Faina hat durch Flucht und zerrüttete Familienverhältnisse keine gute Basis und eine schräge Ausgangslage ihrer Psyche münden dann in einer bipolaren Störung.
Lana Lux schreibt gut und führt uns in die gemeinsame Spirale der Problematik und Zuspitzungen ein. Ihr gemeinsames Karussell dreht sich immer schneller und wirft beide aus der Bahn. Literarisch großartig erzählt auf so beklemmend echte Art und Weise.
Rezensionen von cosmea:
Trophäenjagd in Afrika
Trophäe von Gaea Schoeters
Ein Amerikaner mit dem sprechenden Namen Hunter White ist durch Börsen- und Immobilienspekulationen steinreich geworden. Er wurde schon als Junge von seinem Vater und Großvater zum Jagen mitgenommen und hat schon damals seine ersten Tiere erschossen. Jetzt fliegt er wieder einmal nach Afrika, wo er seinen Freund Van Heeren trifft.
Van Heeren hat ihm für eine gewaltige Summe die Lizenz für die Jagd auf ein Spitzmaulnashorn verkauft. Wenn er dieses geschützte Tier tötet, macht er die Big Five voll. Die anderen vier - Löwe, Leopard, Elefant und Wasserbüffel - hat er bereits erlegt und seiner Frau als Trophäen mitgebracht. Zusammen mit Van Heeren und den Fährtenlesern verfolgen sie das ausgewählte Tier. Doch dann kommt alles anders. Wilderer töten das Nashorn, bevor Hunter vor Ort ist. Sein Freund bietet dem enttäuschten und wütenden Hunter die Big Six an. Für 500.000 Dollar kann er einen jungen Afrikaner jagen und töten. Hunter kann diesem Angebot nach kurzem Zögern nicht widerstehen. Er lernt die ausgewählte Beute kennen und nimmt an den vorbereitenden Stammesritualen in der Siedlung der Afrikaner teil. Dann nimmt die Handlung eine dramatische Entwicklung?
Auch wenn man alles andere als ein Fan von Jagen und Töten ist, liest sich der ungewöhnliche Roman sehr spannend. Man stellt sich den mit der Jagd auf Tiere und Menschen verbundenen ethischen Fragen, liest die packenden Beschreibungen von Flora, Fauna und Klima und begreift, dass die Ausbeutung des Kontinents auch in der postkolonialen Zeit nie aufgehört hat. Für Dollars ist alles zu haben: „Die Menschenjagd ist ein Nebenprodukt der Trophäenjagd.“ (S. 93). Mit den Riesensummen, die Van Heeren einnimmt, finanziert er paradoxerweise Artenschutz und bietet der indigenen Bevölkerung Lebensraum sowie medizinische Versorgung und eine Chance auf Bildung.
„Trophäe“ fasziniert und schockiert gleichermaßen und hat zu Recht große Beachtung gefunden.










