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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von cosmea:

Was für ein Wunder ist es doch, am Leben zu sein

Sommerhaus von Rachel Joyce

Im neuen Roman von Rachel Joyce geht es um den bekannten Maler Victor Kemp genannt Vic und seine Familie. Die Mutter ist früh verstorben, und die vier Kinder haben sich mehr oder weniger allein aufgezogen. Dem sehr egozentrischen Vic ging es immer in erster Linie um seine Malerei. Er ist inzwischen 76, seine Kinder Netta, Susan, Gustav genannt Goose und Iris zwischen 32 und 40.

Eines Tages bestellt er sie in ein Londoner Lokal, um ihnen mitzuteilen, dass er sich in die 27jährige Bella-Mae verliebt hat und sie heiraten wird. Die Hochzeit findet kurz darauf in Italien statt, und er lädt seine Kinder nicht ein. Wenig später ertrinkt er beim Schwimmen im Lago d´Orta, was umso erstaunlicher ist, als er den See seit Jahrzehnten sehr gut kannte, denn dort liegt die Villa Carlotta, wo die Familie immer die Sommer verbrachte. Seine Kinder verdächtigen seine unbekannte neue Ehefrau, etwas mit seinem Tod zu tun zu haben und rechnen mit Streitigkeiten um das Erbe. Sie fahren nach Italien, um Nachforschungen anzustellen und den Leichnam ihres Vaters nach England bringen zu lassen. Die Gespräche mit der Polizei und eine Obduktion ergeben keine neuen Erkenntnisse. Vor allem finden sie kein Testament und auch nicht das unbekannte Meisterwerk ihres Vaters, das er in der Villa fertigstellen wollte. Auch für Bella-Maes Schuld haben sie keine Beweise. In diesen Tagen verändert sich das Verhältnis der Geschwister zueinander grundlegend. Alle Arten von verdrängten Konflikten kommen ans Licht sowie wichtige Aspekte ihres Lebens, die sie vor den anderen geheim gehalten haben. Die Familie bricht auseinander.
Der Roman schildert nicht nur ausführlich, was dieser Familie widerfährt, sondern auch die Welt der Kunst und Landschaft und Klima am Lago d´Orta. Durch die zunächst ungeklärten Todesumstände von Vic Kemp kommen Krimielemente hinzu, wodurch es in der zweiten Hälfte etwas spannender wird, denn dieser Roman ist trotz der interessanten Thematik leider nicht frei von Längen. Insgesamt hat mir das Buch wegen der Charaktere und der gelungenen sprachlichen Qualität dennoch gefallen.

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Die Geschichte eines Neuanfangs

Truck It! von Bobby Bolton

Bobby Bolton, 30 ist psychisch und finanziell am Ende. Seine Freundin hat nach elf Jahren die Beziehung beendet, und seine Firma ist bankrott. Er gibt jedoch nicht auf, verkauft alles, was er noch besitzt und kauft einen riesigen alten Lastwagen, den er umbaut und für eine Weltreise von England bis Australien umrüstet.

Dann macht er sich mit seinem geliebten Labrador Red auf den Weg. In Südfrankreich lernt er die Französin Marie mit ihrer weißen Hündin Rubia kennen. Sie wird ihn auf der Weltreise begleiten und seine neue Liebe werden.
Bobby erzählt eine Geschichte voller Abenteuer, von Begegnungen mit fremden Menschen, die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft zeigen und bei einer geteilten Mahlzeit schnell zu Freunden werden, von technischen Problemen mit dem Laster und Gefahren und Schwierigkeiten bei den Grenzüberquerungen vor allem in Asien. Bobby und Marie verlieren nicht den Mut, geben niemals auf. Sein ungewöhnlicher, humorvoller Reisebericht ist als Buch ein Erfolg und hat ihm auch auf You-Tube viele Follower eingebracht. Er vermittelt uns die Botschaft, dass ein Neuanfang auch in einer scheinbar ausweglosen Situation möglich und es auf jeden Fall lohnend ist, ihn zu versuchen. Sehr gelungen ist die Darstellung der zahlreichen, mit Fremden geteilten Mahlzeiten, die zeigt, dass gemeinsames Essen nicht nur Nahrungsaufnahme ist, sondern Bindungen schafft. Bobbys Abenteuerreise verändert ihn grundlegend. Ein Buch, dass mit seiner positiven Botschaft eine optimistische Sicht auf das Leben vermittelt.

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Kein unheimlich guter Mensch

Ein unheimlich guter Mensch von Kirsten King

Lillian O´Malley, Ende 20, ist seit vier Monaten mit dem charmanten Henry Davis zusammen und glaubt, dass er das Potential für eine dauerhafte Beziehung hat. Sie versucht, ihrem Partner zu gefallen und lässt alles mit sich machen, was Henry will. Henry ist jedoch nicht daran interessiert, aus der „situationship“ eine „relationship“ zu machen und serviert sie überraschend ab.

Lillian betrinkt sich und beschließt, sich zu rächen. Sie belegt ihn mit einem im Internat gefundenen Schadenzauber. Wenig später wird Henry erstochen aufgefunden. Für die Polizei ist sie dringend tatverdächtig, und sie hat kein solides Alibi. Weil sie mehrfach verhört wird, nimmt sie sich einen Anwalt. Dann findet Lillian heraus, dass Henry seit 10 Jahren in einer festen Beziehung war. Sie trifft Nora und spricht mit ihr. Lillian versucht herauszufinden, wer Henry umgebracht hat und warum. Sie steckt in Schwierigkeiten, auch an Ihrem Arbeitsplatz in einer Marketing Firma und gerät mit ihrer Vorgesetzten Candice aneinander.
Kirsten Kings Debütroman liest sich zügig. Ich fand ihn allerdings nicht so witzig, wie in vielen Kommentaren behauptet. Der Roman hat eine Protagonistin, mit der man sich wohl kaum identifizieren kann. Lillian ist egozentrisch und narzisstisch, hält sich für einen unheimlich guten Menschen und erwartet, dass alle Welt sie liebt und bewundert. Manches an ihrem Verhalten ist ausgesprochen abstoßend. Mich stören auch etliche recht derbe Stellen und die Darstellung von Henrys sexuell übergriffigem Verhalten, das nicht kommentiert oder und erst recht nicht kritisiert wird. Deshalb spreche ich keine absolute Leseempfehlung aus.

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Leo Koski in der Zwickmühle

In den Fängen der Verräter von Tuomas Oskari

Der ehemalige finnische Ministerpräsiden Leo Koski lebt inzwischen in den USA und zieht dort seine Tochter Daniela, 3 allein auf. Eines Tages wird Daniela entführt, und er kann sie nur retten, wenn er sein Land verrät. Die Russen erpressen ihn, damit er dafür sorgt, dass die Vereinigten Staaten die NATO verlassen.

Er wird ins Weiße Haus eingeladen, wo Präsident Chester Tyler vor seinen Augen vergiftet zusammenbricht. Koski gehört neben der mit ihm befreundeten Journalistin Ashley Pegula zu den Hauptverdächtigen. Es gelingt ihm, aus dem bewachten Gebäude zu entkommen, und er flieht, um sich einer Festnahme zu entziehen und weiter alles für die Freilassung seiner geliebten Tochter zu tun. CIA, FBI, der Sicherheitsapparat des Weißen Hauses und ausländische Geheimdienste beeinflussen das wendungsreiche Geschehen dieses Thrillers, der teilweise so kompliziert konstruiert ist, dass man als Leser kaum noch folgen kann.
Der spannende Thriller über Loyalität, persönliche Verantwortung und die gefährdete Freiheit ist ausgesprochen aktuell, ist doch die Figur des Präsidenten in enger Anlehnung an Donald Trump mit seinem Credo „America First“ und seinen Bestrebungen gestaltet, sich aus der beschützenden Rolle der NATO mit ihrer Verpflichtung zum Beistand für bedrohte Mitgliedsstaaten zurückzuziehen. Ich kenne die beiden ersten Romane der Serie nicht, finde aber die Figur des Leo Koski im Zwiespalt zwischen persönlicher Moral und den Belangen seiner Familie und der Verantwortung für die Allgemeinheit, vor allem für Finnland und die durch einen Natoaustritt ebenfalls bedrohten baltischen Staaten sehr gelungen.
Ein lesenswerter, realitätsnaher Thriller.

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Das Leben eben

Die Straße von Robert Seethaler

Im neuen Roman von Robert Seethaler geht es um das Leben von Menschen in einer namenlosen Stadt. Sie alle leben in der Heidestraße, die Unternehmer profitabel verändern wollen, nachdem es ihnen gelungen ist, die Mieter zu vertreiben, die hier jahrzehntelang gewohnt haben. Der Autor portraitiert das Leben dieser Menschen, von denen die meisten bis zum Schluss namenlos bleiben, über einen Zeitraum von einem Jahr, von einem Heidestraßenfest zum nächsten.

Da gibt es einen Jungen, der unzählige Tauben mit Hilfe einer Steinschleuder tötet, einen völlig überarbeiteten Arzt, einen sehr gewaltbereiten jungen Mann, der bei der kleinsten Provokation ausrastet, die Heimleiterin eines Seniorenheims, eine Nichte, die in die Wohnung ihrer Tante eingezogen ist, eine verliebte Blumenhändlerin, einen Pfarrer, der in den Ruhestand geht und einen überforderten Kommissar mit zu wenig Personal. In Hunderten von kurzen Texten wird aus ständig wechselnder Perspektive erzählt, was ihnen widerfährt, was sie denken und wovon sie träumen.
Der Verzicht auf eine stringente Handlung erschwert die Lektüre, bis man sich an den ständigen Perspektivwechsel gewöhnt hat und die Figuren anhand ihrer Äußerungen und Gedanken identifizieren kann. Es ist ein Ausschnitt aus dem Leben, wie es nun mal ist, weitgehend ohne herausragende Ereignisse. Der Roman ist von der Struktur und vom Inhalt her ungewöhnlich und insgesamt gar nicht schlecht, gefällt mir aber längst nicht so gut wie andere Bücher des Autors, zum Beispiel “Ein ganzes Leben“ oder “Der Trafikant“.

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Drei Versionen eines Lebens

Die Namen von Florence Knapp

Cora ist mit Gordon verheiratet, einem beliebten und angesehenen Arzt. Sie haben eine 9jährige Tochter namens Maia. Lange bleibt ihr Wunsch nach einem weiteren Kind unerfüllt. Dann wird ein kleiner Junge geboren. Gordon will, dass Cora den Jungen entsprechend der Familientradition Gordon nennt. Aber als Cora und Maia auf dem Weg zur Meldestelle sind, möchte Cora das Kind Julian nennen, während Maia Bear vorschlägt.

Cora fürchtet, dass ein Gordon genannter Sohn die Tradition der dominanten Männer fortsetzt und genauso wird wie sein Vater. Die Autorin hat die originelle Idee, aus den drei Namen unterschiedliche Lebensgeschichten zu entwickeln. In drei Handlungssträngen in Zeitabschnitten von jeweils sieben Jahren wird die 35 Jahre umfassende Familiengeschichte von 1987 bis 2022 aus der Perspektive des Sohnes mit den Namen Bear, Julian und Gordon erzählt. Cora, Tochter Maia und Coras Mutter sind in allen drei Geschichten präsent. Ansonsten gibt es deutliche Unterschiede. In einer Version wird Cora getötet, als ihr Sohn fünf Jahre alt ist, in einer anderen bleibt sie 40 Jahre bei ihrem Mann. Die wichtigste Konstante ist jedoch, dass Gordon dominant und übergriffig ist und Cora in dieser Ehe kein selbstbestimmtes Leben führen kann. Sie darf keine eigenen Freunde haben, hat keinen Zugang zum Fernseher und Telefon und besitzt nicht einmal einen Hausschlüssel. Beim geringsten Fehlverhalten nach Ansicht des Mannes wird sie grausam bestraft. Sie kann ihn nicht anzeigen, denn niemand würde ihr glauben und sie würde das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren.
Die Autorin beschreibt in ihrem packenden Debütroman, welche Folgen eine einzelne Entscheidung wie die Wahl eines Namens für das eigene Kind haben kann, aber vor allem ist es eine schreckliche Geschichte von brutaler Gewalt und kompletter Entmündigung einer Frau in ihrer Ehe, auf die der Klappentext den Leser nicht wirklich vorbereitet. Ein bemerkenswerter und wichtiger Roman, der lange nachwirkt.

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Wer bin ich, und wer darf ich sein?

John of John von Douglas Stuart

Nach einem vierjährigen Kunststudium in Edinburgh kehrt der 22jährige John Calum MacLeod genannt Cal auf Bitten seines Vaters nach Hause zurück, um sich um seine Großmutter Ella zu kümmern. Zu Hause bedeutet für ihn Lewis, eine Insel der Äußeren Hebriden. Cal hat enorme Schulden angehäuft und keine Zukunftsperspektive außer so zu leben wie sein Vater und Generationen vor ihm: mit schwerster Arbeit als Tweed-Weber und Schafzüchter, immer am Rande des Existenzminimums.

Cal muss weiter sein Geheimnis vor seinem Vater John und der ganzen Gemeinde wahren, wo jeder alles über die anderen wissen will. John spielt eine wichtige Rolle in der strenggläubigen calvinistischen Gemeinde, wo es üblich ist, einen jungen Mann wie Cal wegen eines angeblichen Fehlverhaltens öffentlich zu stoßen und zu schlagen. Auch sein Vater verliert öfter die Kontrolle und traktiert ihn mit schmerzhaften Fausthieben. Cal hatte vor seinem Weggang einen Geliebten, den jungen Doll Macdonald, der aber nichts mehr von ihm wissen will. Darauf freundet er sich mit Innes MacInnes an, dem besten Freund seines Vaters, der unverheiratet geblieben ist und sich um seinen alten gebrechlichen Vater kümmert. Jeder hat hier ein Geheimnis, wie Cal im Laufe der Geschichte herausfindet. Er erfährt, warum seine Mutter Grace einst seinen Vater und ihn verließ und mit ihrem Schwager eine neue Familie gründete. Er hat sich so nach seiner Heimat gesehnt, aber kann er hier überhaupt leben, ohne sich selbst zu verleugnen und zu verbiegen, nur um die Wärme der vertrauten Gemeinschaft nicht zu verlieren? Wird er in einer solchen Enge ein selbstbestimmtes Leben führen können?
Mir hat dieser atmosphärisch dichte Coming-of-Age-Roman trotz deutlicher Längen gefallen. An äußerer Handlung passiert nicht viel, aber man begleitet Cal gern auf seinem schweren Weg. Den Booker Prize wird der Autor für diesen Roman nicht bekommen, aber eine Leseempfehlung spreche ich trotzdem aus.

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Wer wäre Nadim Suri ohne die Frauen?

Das Mosaik der Frauen von Rafik Schami

Said Mardini, ein junger Literaturstudent, flieht aus Damaskus, nachdem er sich durch eine kritische Rede gegen die Diktatur in Lebensgefahr gebracht hat. Er bekommt ein Visum in Deutschland und eine Zulassung an der Universität Heidelberg. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er zunächst mit zahlreichen Jobs.

Später arbeitet er aufgrund seiner vielfältigen Sprachkenntnisse als Simultandolmetscher und wird sehr gut dafür bezahlt. Außerdem schreibt er Romane. Eines Tages bittet ihn ein befreundeter deutscher Arzt um Hilfe. Nadim Suri, ein schwerkranker Patient mit syrischen Wurzeln, der nicht mehr lange zu leben hat, möchte ihm seine Lebensgeschichte erzählen. In der Folge besucht Said den alten Mann an zehn Tagen und hört die Geschichte seines Lebens. Es ist vor allem die Geschichte seiner Beziehungen zu Frauen. Immer wieder verliebt er sich, erlebt großes Glück, aber auch Enttäuschung, Verlust und Trauer. Die Frauen in seinem Leben haben ihn geprägt. Jede von ihnen hat etwas in ihm hinterlassen, das zu einem Mosaiksteinchen als Teil seiner Persönlichkeit wird. Alle zusammen machen das fertige Bild dessen aus, der er am Ende seines Lebens ist.
Neben den Geschichten über die Frauen seines Lebens erzählt Nadim jedoch auch witzige Episoden und Ereignisse, die er von anderen gehört hat. Ein wichtiger Teil dieses Romans ist das Thema Flucht und Vertreibung, die grausame Herrschaft der Diktatoren mit Tausenden von Toten, z.B. in Syrien und dem Irak, wo ein falsches Wort zu Folter und Tod führen kann. Es geht jedoch auch um das Leben der Immigranten in Deutschland, die Reaktion der Deutschen auf die Zuwanderer und ein Plädoyer für mitmenschliches Verhalten. Mir hat Rafik Schamis meisterhaft erzählter Roman im Roman sehr gut gefallen und ich empfehle ihn gern weiter.

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Die Vergangenheit ist nicht tot

Meeresdunkel von Till Raether

Zwei Familien treffen scheinbar durch eine fehlerhafte Doppelbuchung in der renovierungsbedürftigen Finca Casa de la Vora am Ende einer Bucht auf Mallorca zusammen. Da kein anderes Quartier verfügbar ist, arrangieren sie sich miteinander und kommen zunächst ganz gut miteinander aus. Es gibt jedoch in beiden Familien Probleme.

In der Ehe von Henrike und Hans kriselt es, und deshalb hofft Henrike, dass sie sich durch den gemeinsamen Urlaub wieder näherkommen. Auch bei Marie und Samuel, dem anderen Ehepaar läuft es nicht rund, weil Marie völlig verarbeitet ist und für ihren Chef zu allen Tages- und Nachtzeiten erreichbar sein muss und weil ihr Mann durch falsche geschäftliche Entscheidungen gerade alles in den Sand gesetzt und eine Menge Geld verloren hat. Dann zieht ein Sturm auf – sozusagen im wörtlichen und im übertragenen Sinne, so dass die Situation im Ferienhaus dem klassischen Locked Room Mystery ähnelt, weil sie das Grundstück nicht mehr verlassen können. Einer von ihnen wird ermordet aufgefunden. Die Erklärung für die Ereignisse in der Gegenwart ist in der Vergangenheit zu finden, wie drei Kapitel mit der Überschrift 1995 verdeutlichen. So versteht der Leser nach immer neuen Wendungen und Komplikationen, wie alles zusammenhängt und warum es zu diesem seltsamen Zusammentreffen in der Casa de la Vora kam.
Die Geschichte liest sich eigentlich teilweise nicht schlecht, obwohl sie nicht durchweg spannend ist, aber auf mich wirkt das Ganze sehr konstruiert und teilweise so verworren, dass man den Überblick verliert. Dazu trägt auch die Personenvielfalt bei und einige Besonderheiten, die letztlich entbehrlich sind. Da ist zum Beispiel Juri, der 8jährige Sohn von Marie und Samuel, dessen wichtigste Bezugsperson seine Puppe Hedwig ist und der so frühreif ist, dass es schon wie eine Karikatur wirkt. Welcher Junge in diesem Alter beschäftigt sich denn mit Einsteins Relativitätstheorie? Für mich ist dieser Roman kein Thriller, sondern ein aus Familiendramen zusammengesetztes Puzzle. Falls es eine Fortsetzung geben sollte, werde ich diese jedenfalls nicht lesen.

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Reiche leben gefährlich

Das Gesetz der Elite von Sandrone Dazieri

Der ehemalige Fußballstar Jesús Martinez wird tot in seiner Kryosauna gefunden. Colomba Caselli, ehemalige Vizepolizeidirektorin, die inzwischen als Privatdetektivin für den Geheimdienst arbeitet, wird mit den Ermittlungen beauftragt. Als Partner steht ihr Dante Torre zur Seite, der aufgrund seiner traumatischen Kindheitserlebnisse ein besonderes Gespür entwickelt hat und Indizien sieht, die sonst keiner bemerkt.

Schon bald schließen die Ermittler einen Unfall aufgrund eines technischen Defekts aus. Martinez gehörte als Geschäftsmann zu den Superreichen, und die ganz spezielle Sauna war von seinem Unternehmen hergestellt worden. Bald kommen weitere Tote in der Gegenwart und Vergangenheit hinzu, und eine Gruppe fordert im Netz “Tötet die Reichen“. Einige der Toten kannten sich als Jugendliche. Colomba und Dante suchen deshalb nach einem Täter, dessen Motiv weit in die Vergangenheit zurückreicht.
In diesem spannenden Thriller werden nicht nur Kriminalfälle gelöst, sondern es kommen auch andere Themen zur Sprache: Macht, soziale Ungleichheit und der Kampf für Gerechtigkeit zum einen, aber auch Kinderarbeit zur billigen Produktion von Waren und die Idee, Tote nicht zu begraben oder einzuäschern, sondern einzufrieren für ein Leben in der Zukunft oder um sie zu klonen. Die Welt der Superreichen ist dem normalen Leser fremd, aber die behandelten Themen sind von aktueller Bedeutung und gehen uns alle an.
Ich kenne die Vorgänger nicht, aber der Thriller war für mich trotzdem gut verständlich. Er hat mir gut gefallen und wird nicht mein letztes Buch von Dazieri bleiben.

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