Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lesebegeisterte:
Ein toter Tierarzt und ein Buchhändler der ermittelt
101 Schlawiner von Jürgen Seibold
Eigentlich war das Cover ausschlaggebend, dass ich diesen Krimi lesen wollte. Ich kannte diese Serie vorher noch nicht. Es geht um einen Buchhändler namens Robert Mondrian, der vor ein paar Jahren eine Buchhandlung eröffnet hat. Über seine Vergangenheit weiß man nicht viel, klar ist, dass er ermittlungstechnisch Vorkenntnisse hat.
Es passieren immer wieder Mordfälle in der Nähe von Robert, er ermittelt auf seiner Art und Weise und löst damit die Fälle.
Alle Bewohner rund um die Buchhandlung werden beschrieben, fand ich schon mal nett, jeder hat so seine Eigenheiten, jeder seine eigene Sicht. Da sind ziemlich schräge Charaktere dabei. Als dann im gerade neu eröffneten Hundesalon für Dalmatiner ein Tierarzt erdrosselt wird, gerät die Besitzerin Ella Reitermann in Verdacht. Sie bezirzt Robert, dass er das Gegenteil herausfindet.
Spannender Schreibstil, total liebenswerte Protagonisten und viele Dalmatiner. Ein Krimi, der sich auch gut als Fernsehkrimi eignen würde. Beim Lesen wird einem nie langweilig, die Spannung hält sich das ganz Buch durch. Ideal für all jeden Leser:innen die einen unterhaltsamen, unblutigen, packenden Krimi suchen. Wem Glennkill, Miss Merkel oder dergleichen gefällt, ist hie genau richtig.
Ich fühlte mich gut unterhalten und werden mir die anderen Teile schnellstmöglich besorgen, da ich sehr gespannt bin, was in den vorigen Fällen schon alles passiert ist.
Rezensionen von Wolfgang Suschnig:
"Word zum Muisig machä"
Aanä von Jul Dillier
Julian Dillier (1922 - 2001) war jahrelang als Verwaltungsbeamter in Obwalden, einem zentralschweizerischen Kanton tätig, bevor er nach Basel zog, um dort als sog. Programmredaktor für den Schweizer Rundfunk zu arbeiten. Bekannt wurde er allerdings als Mundartschriftsteller; nicht nur in Obwalden, sondern in der entspr.
Szene im gesamtdeutschen Raum. Daneben wirkte Julian Dillier als Mentor für junge Künstler:innen, Musiker:innen oder Dichter:innen.
Auch sein Neffe blieb von seinem Onkel nicht unbeeindruckt. Der mittlerweile in Wien lebende Klangkünstler, Pianist und Komponist Jul Dillier setzt sich seit etlichen Jahren mit den Gedichten seines Onkels auseinander, hat nun zu neun Gedichten Noten gesetzt und präsentiert diese Gedichte in Buchform mit den entsprechenden Codes und Links zur Musik, "Aanä". Glücklicherweise finden sich im ansprechend gestalteten Bändchen auch die deutschen und englischen Übertragungen aus dem Obwaldnertyytsch , sonst wären die Nichtschweizer:innen einigermaßen ratlos. "Täifi" ist beispielsweise nicht der Teufel, sondern die Tiefe.
Als Interpretation des Buch- bzw. Albumtitels, "Aanä", bieten sich drei Möglichkeiten an – ahnen, die Ahnen und akzeptieren. Die instrumentale Begleitung ist einerseits recht sparsam gestaltet, dann aber entwickeln die drei Musiker:innen ganz schnell eine überraschende Dynamik, wie in der fünften Nummer "Nid Alls". Spannend, wie man mit akustischen Instrumenten einen Sound wie seinerzeit das Esbjörn Svensson Trio entwickeln kann. Überraschend ist die Verwendung eines Hackbretts zur Fabrizierung einer ziemlich aggressiven Musik in "Bsitzstandwahrig", was auch an der Art und Weise der Bearbeitung des Instruments liegt. Nicht nur dass für Dillier praktisch jeder Alltagsgegenstand für eine Klangerzeugung Verwendung finden kann, bearbeitet er seine Instrumente, Klavier, Harmonium und Hackbrett fallweise auf unorthodoxe Weise. Auch der Autor der Texte selbst, Julian Dillier, kommt in zwei "Interludes" und einem "Postskriptum" als archivierte Stimme zu Wort.
Und irgendeinmal muss man entscheiden: Kommt "Aanä" ins Bücherregal oder zu den Musikalben?
Rezensionen von Meli:
Unsympathisch, wenig überraschend und einigermaßen spannend
Woman Down von Colleen Hoover
Bestsellerautorin Petra steckt seit einem Shitstorm in einer Schreibflaute und braucht neue Motivation und Inspiration. Sie mietet sich wie schon oft zuvor eine Hütte am See, um in Ruhe zu arbeiten und lernt ihre Muse kennen: Detective Nathaniel Saint. Aber nicht alle Erfahrungen, von denen sie sich inspirieren lassen kann, sind schön und romantisch.
Petra macht sich sofort an den attraktiven Detective ran, obwohl sie an seinem Ehering erkennt, dass er verheiratet ist – aber das ist ja eigentlich auch genau das, was so gut zu ihrer Buchidee passt und warum sie ihn besonders anziehend findet. Sie ist einfach egoistisch und bemitleidet sich selbst, weil ihr Leben gerade nicht so perfekt ist, wie sie es gern hätte.
Ich fand die Geschichte teilweise schon spannend, aber da ich erwartet habe, dass es Plottwists geben wird, hatte ich beim Lesen einige Theorien und die tatsächliche Auflösung konnte mich dann gar nicht mehr überraschen. Das lag auch daran, dass ich die Charaktere alle so unsympathisch fand, dass ich ihnen auch alles Mögliche zugetraut hätte.
Durch unsympathische Charaktere allein wird ein Buch nicht unbedingt automatisch schlecht, aber sie taten mir dann nicht leid, wenn mal was passierte, und die Wendungen fand ich dann nicht mehr spannend, weil sie nicht so unerwartet waren. Was noch übrig blieb, war dann eher die Reaktion von Petra oder von anderen Charakteren auf die Ereignisse, aber die fand ich dann auch eher enttäuschend und oberflächlich. Da hätte auch mehr passieren können.
Am Ende hatte ich vielleicht zu hohe Erwartungen, jedenfalls konnte mich das Buch nicht ganz überzeugen, aber immerhin kam ich schnell durch die Geschichte.
Rezensionen von Linelovesreading :
Highlight
Rules of the Game, Band 1 - Offside von Avery Keelan
Dieses Buch war ein absolutes Highlight für mich.
Die Handlung beschreibt sehr gut die Liebesgeschichte zwischen Bailey und Chase. Die ganze Geschichte ist sehr stimmig und die Probleme und Wendungen sind sehr realistisch. Dazu kommt dann noch das Thema Eishockey, was ich sehr gerne mag. Die Mischung zwischen Sport und romantischer Liebesgeschichte war für mich perfekt.
Der Schreibstil ist sehr angenehm und auch humorvoll. Vor allem die Dialoge haben mir sehr gut gefallen, weil sie authentisch und zum Teil auch sehr lustig waren.
Der Wechsel der Perspektiven hat mir sehr gut gefallen, weil man dadurch Einblicke in die Gefühle von Bailey und Chase bekommen hat. Toll fand ich auch die Epiloge, durch die man die Geschichte von den beiden weiterverfolgen kann.
Ich mochte Bailey und Chase sehr gern. Die beiden sind sehr realistisch angelegt und ich konnte ihre Gedanken und Gefühle sehr gut nachvollziehen. Beide waren mir absolut sympathisch und die Dynamik zwischen den beiden war einfach nur perfekt. Auch die Jungs aus der WG und Shiv mochte ich sehr gerne. Auch die eher nicht so netten und toxischen Charaktere hat die Autorin sehr gut beschrieben und hat sie durch ihre Beschreibungen nur noch unsympathischer gemacht. Stellenweise hatte ich das Bedürfnis, Bailey zu helfen.
Insgesamt war das Buch ein absolutes Highlight für mich und ich freue mich schon auf die nächste Geschichte aus dem Hockeyteam.
Rezensionen von Linelovesreading :
Absolut genial
OTTO fährt los - Eine Reise nach England von Madlen Ottenschläger
Dieses Bilderbuch erzählt mal wieder eine tolle Reise mit Otto dem Bus.
Die Geschichte erzählt viele Dinge, die in England sehr wichtig sind und gibt einen guten Einblick in die britische Kultur. Auch Personen und Geschichten, die für England eine große Rolle spielen, werden erwähnt.
Die Texte sind relativ lang, aber gut verständlich. Durch die Aufgaben, die zum Mitmachen und nachdenken anregen, wird die Geschichte aufgelockert.
Die Gestaltung ist wunderschön. Direkt innen im einband erwartet eine Karte die Kinder. Diese zeigt grob, welche Orte in der Geschichte vorkommen.
Die Zeichnungen sind sehr bunt und kindgerecht. Es gibt auf jeder Seite viel zu entdecken, was das Buch immer wieder aufs Neue spannend macht.
Ich persönlich fand es auch gut, dass die Familie, die die Reise unternimmt, nicht der typischen Konstellation entspricht, die oft in Büchern noch gezeigt wird und nicht der Realität vieler Kinder entspricht. Durch die getrennten Eltern in der Geschichte können sich Kinder, die ebenfalls getrennte Eltern haben, sich besser damit identifizieren.
Ich mochte es, dass in dieser Geschichte eine Tante und ihr Hund auftauchen. Tiere in Büchern sind immer ansprechend für Kinder.
Auch das Lied, das in der Geschichte verändert wird, ist gut gewählt. Viele Eltern kennen das Original und können es ihren Kindern vorsingen. Das Original kann man auch gemeinsam anhören, wodurch erneut eine Verknüpfung zu England entsteht.
Für mich eine sehr tolle Geschichte, nicht nur, wenn der nächste Urlaub nach England gehen soll.
Rezensionen von Linelovesreading :
Ziemlich wirr
Aftermyth – Penelope und die Prüfung der Götter von Tracy Wolff
Diese Geschichte konnte mich leider gar nicht überzeugen.
Die Geschichte klang sehr interessant, aber leider wurde ich enttäuscht.
Die Handlung begann zunächst gut, aber ab der Brücke war alles nur noch wirr. Ich musste erst mal nachschauen, ob das Buch nicht eine Reihenfortsetzung ist.
Die Handlung war irgendwie durcheinander und nichts wurde so richtig erklärt. Nach 150 Seiten wusste ich ungefähr so viel wie nach 10 Seiten. Die Szenen wurden nur aneinandergereiht und es blieb alles sehr undurchsichtig und wirr. Teilweise hatte ich das Gefühl, es würden Teile der Geschichte fehlen.
Auch die Charaktere waren sehr blass und ich konnte nicht wirklich mit ihnen mitfiebern. Penelope war mir einfach nur unsympathisch und ich konnte ihre Verhaltensweise nicht nachvollziehen. Paris war auch nicht sonderlich sympathisch.
Insgesamt war dieses Buch absolut nichts für mich, auch wenn ich bisher die Bücher von Tracy Wolff immer geliebt habe. Das ist definitiv eine Reihe, die ich nicht weiterlesen werde.
Rezensionen von Tara:
Veränderungen und Neuanfänge in ländlicher Idylle
Mirabellentage von Martina Bogdahn
„Mirabellentage“ ist nach „Mühlensommer“ der zweite Roman der in München lebenden Autorin Martina Bogdahn. Auch dieser spielt in dem fiktiven kleinen bayrischen Ort Blumfeld ist aber unabhängig von dem vorherigen Roman.
Die 54-jährige Anna Nass ist die Haushälterin des Dorfpfarrers Josef.
Als dieser überraschend stirbt steht sie direkt vor mehreren Herausforderungen. Das Dorf ist ihre Heimat, die sie noch nie wirklich verlassen hat, deswegen ist es für sie schwierig dem letzten Wunsch des Pfarrers nachzukommen. Auch sein junger Nachfolger Fridjof, stellt ein Problem da, weil er von einer Hallig kommt und nur plattdeutsch spricht.
Der Schreibstil von Martina Bogdahn liest sich leicht und ist sehr lebendig. Sie hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, mich in den beschaulichen Ort Blumfeld mitzunehmen. Ihre Beschreibungen sind authentisch und durch die Landschaftsbeschreibungen hatte ich alles direkt vor Augen.
Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Anna berichtet. Anna ist eine sympathische Protagonistin, die ihre eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten anstellt, sich einsetzt und die für die Dorfgemeinschaft da ist. Ihr fällt es schwer mit den neuen Veränderungen zurechtzukommen und ihre Gedanken schweifen häufig in die Vergangenheit, wodurch es zahlreiche Episoden aus der Vergangenheit gibt. Ich habe diese durchaus gerne gelesen, hätte aber auch gerne mehr aus der Gegenwart erfahren, dieser Handlungsstrang kam mir ein wenig zu kurz. Das Ende kam ein wenig plötzlich, war aber für mich rund und stimmig.
Es ist ein ruhiges Buch mit einem atmosphärischen Setting, authentischen Charakteren, Momenten die berühren aber auch vielen humorvollen Augenblicken. Ich mag die Idylle von Blumfeld und hoffe, dass Martina Bogdahn dieses Setting in weiteren Romanen verwendet.
Rezensionen von verhei:
der längste Sommer des Lebens
Little Hollywood von Inga Hanka
Es ist Mai 1999 und Leonie, Leo, ist gerade in den letzten Zügen ihrer Schulkarriere – nämlich den Abschlussprüfungen. Vor ihr steht eine Zeit der Chancen, der Unbeschwertheit. Doch leider ist nicht alles einfach und leicht: Herzschmerz, trifft auf familiäre Sorgen und die Angst vor dem Ungewissen.
Denn Leo hat es nicht leicht, sind ihre Eltern doch getrennt und ihre Mutter verfällt immer wieder in depressive und zerstörerische Phasen, speziell wenn es Probleme mit Leos Vater gibt. Jener droht nun da er zu Unterhaltszahlungen verpflichtet wurde. Leo versucht gleichzeitig Ben, ihren jüngeren Bruder zu unterstützen und Bezugsperson zu sein. Doch eben auch die Liebe hat ihre Tücken, hat Olli ein Freund seit Kindertagen sie doch geküsst und geht nun auf Distanz. Doch zum Glück gibt es Filme und die Videothek „Little Hollywood“ in die sich Leo flüchten kann und mit der Zeit lernt sie auch die Gesellschaft von Jo, Mitschüler und Angestellten, schätzen.
Ein Roman, der es schafft, dass man sich an die Zeit erinnert, in der man die vertraute Umgebung Schule verlässt, um in die weite Welt der Erwachsenen aufzubrechen. Alles scheint möglich, alles leicht, aber doch sind da die Zweifel. Ich war wirklich fasziniert, wie gut dies der Autorin gelang, und fühlte mich an meinen eigenen längsten Sommer zurückerinnert. Der atmosphärische Schreibstil lässt einem dabei auch einfach keine Wahl.
Leos Sinnkrise und Zweifel sind nachvollziehbar und realistisch und man merkt zwischen all den Gefühlen und Problemen, dass sie ein Stück erwachsener wird. Man kann die familiären Probleme ausreichend erahnen, auch wenn die Autorin dies nur andeutet und man so zwischen den Zeilen auch erkennt, dass der Roman tiefere Probleme wie häusliche Gewalt und psychische Belastungen anprangert.
Gut gelungen fand ich die eingestreuten Filmzitate, eben auch um dem Buchtitel gerecht zu werden. Doch man würdigt damit auch einfach die großen Filme der Zeit.
Ein Roman der lange nachhallt und den ich auch immer wieder lesen würde um mich an die Zeit der Unbeschwertheit zu erinnern.
Rezensionen von Nicole (Abby1810):
Tolle Erzählung-ideal für Leseanfänger
David und seine Geschichte mit Gott von Katrin Grieco
David und seine Geschichte mit Gott ist aus der Brillenbär-Reihe, die meine Tochter und ich lieben. Die Art der Darstellung, die Erzählungen und die tollen Bilder dazu, sind hinreißend und talentiert transportiert.
David ist ein Hirte. Er beschützt seine Herde. Zuerst vor einem Bären, dann vor einem Löwen.
Er weiß, Gott ist bei ihm. Er beschützt und unterstützt ihn. Eines Tages soll der musikalisch talentierte David auf seiner Harfe vor dem König Saul spielen. Dieser ist sehr beunruhigt, denn Feinde wollen gegen sein Volk kämpfen. Der größte Feind heißt Goliat. Er lacht das Volk Israel aus. David vertraut Gott und besiegt Goliat. Der Hirte wird König.
Die Geschichte ist kurz und dennoch detailliert erzählt. Zu Beginn des Buches werden die Eltern über die Leseart der Brillenbär-Reihe informiert. Die Hauptwörter werden hierbei von Bildern ersetzt. Die Auflösung dazu befindet sich hinten im Buch. Außerdem gibt es noch Leserätsel.
Mir gefällt Davids Erzählung wunderbar. Katrin Grieco schreibt wunderbare biblische Geschichten für Kinder und Erstleser. Arabell Watzlawik illustriert passend und lebendig. Insgesamt ein sehr gelungenes Buch. Daher eine klare Leseempfehlung meinerseits.
Rezensionen von askyfullofpages:
Wie gefährlich Machtstrukturen sein können
Warum du schweigst von Martin Schäuble
Ich lese wirklich viel und aus ganz unterschiedlichen Genres, aber ich habe noch nie eine so gut ausgearbeitete Triggerwarnung VORNE in einem Buch gelesen.
Besonders möchte ich daran hervorheben, dass sie nicht nur klar und hilfreich, sondern unglaublich respektvoll formuliert ist. Es werden konkrete Anlaufstellen und Hilfsangebote für Deutschland, Österreich und die Schweiz genannt.
Das finde ich extrem wichtig und alles andere als selbstverständlich.
Genauso möchte ich auch die Danksagung am Ende des Buches erwähnen. Die ist so wertschätzend gegenüber Betroffenen sexualisierter Gewalt geschrieben, wie ich es wirklich noch nie gelesen habe. Und ich habe schon einige Bücher zu diesem Thema gelesen. Das hat bei mir einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen und verdient für mich ein großes, ehrliches Lob.
Zum Inhalt selbst möchte ich gar nicht so viel sagen. Es geht um Lena und Tim und es wird aus diesen beiden Perspektiven erzählt.
Was ich sehr stark fand, war Tim. Er hat dieses Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Dieses feine Gespür, dass etwas falsch ist, aber er kann nicht greifen was genau nicht stimmt. Daraus entsteht eine große Hilflosigkeit, weil Lena immer mehr abblockt und er nicht mehr an sie ran kommt.
Und dann ist da Lena, die völlig mit dieser abnormen Situation überfordert ist. In ihr herrscht völliges Chaos und sie bemüht sich nach außen hin „normal“ zu wirken.
Ich schreibe das jetzt bewusst persönlich: Als Überlebende sexualisierter Gewalt kann ich sagen, dass sich die Empfindungen und Reaktionen von Lena sehr real anfühlen. Ich konnte mich in der Protagonistin absolut wiedererkennen. In ihrem inneren Gefühlschaos, aus zu wenig und zu viel fühlen und in ihren extremen Verhaltensweisen. Im Wunsch nach Nähe wollen und dem gleichzeitigen Unvermögen, sie zulassen zu können. In der Dynamik mit Tim, diesem Wechselbad der Gefühle und dem total getriggerten Kontrollverlust.
Was ich auch sehr stark fand, war das Thema Nähe, wie widersprüchlich es für Betroffene sexualisierter Gewalt ist. der Wunsch nach Nähe und Geborgenheit ist oft sehr groß, aber gleichzeitig herrscht im Inneren Panik und es braucht viel Vertrauen, dass Nähe überhaupt möglich ist.
Auch fand ich die äußerst manipulativen Strategien des Täters, nicht nur dem Opfer gegenüber, sehr glaubwürdig und gut beschrieben.
Für mich ist das ein wirklich unglaublich gut geschriebenes Buch. Man merkt, dass es gut recherchiert ist, aber vor allem merkt man, wie respektvoll hier über Betroffene sexualisierter Gewalt und der schweren Thematik umgegangen wird.
Ich finde, das wäre eine sehr gute Schullektüre. Gleichzeitig ist es, wenn man gut auf sich achtet und die Triggerwarnung berücksichtigt, ein Buch, das viele lesen sollten. Von mir gibt es 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!











