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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Leserin:

Eva geht ihren Weg

Tage des Wandels von Ulrike Renk


Mit diesem Buch führt uns die Autorin zum zweiten Mal ins Münsterland, auf den Hof Kalmule.

Die nächste Generation Generation der Familie steht hierbei im Mittelpunkt, die Zwillinge Eva und Adam. die Kinder von Hans und Immeke. Durch die Besonderheit ihrer Geburt ist Adam, der zweite Zwilling, ein freier Mensch.

Eva hingegen wächst als Eigenbehörige auf. Doch als der Krieg weiter wütet, beschließt der Vater, dass Eva und Adam ihren Status tauschen. So kann Adam als Eigenbehöriger den väterlichen Hof übernehmen und ist vor dem Dienst an der Waffe sicher.

Nachdem auf dem Hof die Frauen von , zieht Eva weg und arbeitet arbeitete in einem Pfarrerhaushalt als Hauserin

Zu den bekannten Figuren aus dem ersten Teil kommen einige neue hinzu, einige gehen für immer. Jede passt sehr gut in ihre Rolle.und spiegelt dadurch auch den Zeitgeist gut wider.

Der historische Hintergrund wurde wieder gut in diese Geschichte integriert, der 80jährige Krieg, die Religion und der normale Alltag ebenso wie Krankheiten und politische Machenschaften.

Ein sehr unterhaltsamer Roman, der seine ruhigen und seinen spannenden Momente hatte. Die Mischung gefiel mir gut, so konnte man zwischendurch auch mal durchatmen. Die Autorin eine Atmosphäre geschaffen, die autjhentisch wirkt und einen direkt an die Orte versetzt.

Ich bin schon sehr gespannt, was der dritte Teil bereithält!

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Rezensionen von Bisco:

Anstrengend, widersprüchlich und zu verzettelt

Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell

Am 27.08.1992 war der 4. Geburtstag der Eve Shaw. Ein Tag welcher der kleinen Eve Freude bringen sollte, welcher sie jedoch Ihr ganzes Leben lang negativ verfolgt und ihr unentwegt Schuldgefühle vermittelt. An diesem Tag starb ihre nicht mal zweijährige Schwester, weil diese durch das offene Gartentor auf die Straße gelaufen ist.

Die heute 27-jährige Kunstsachverständige hat in der Vergangenheit zwischenzeitlich ihr Studium abgebrochen, sich therapieren lassen und für sich die Liebe zu Oktopussen gefunden. Sie zeichnet diese Tiere und sie beginnen auf ihren Papieren zu leben. So wie ihr Tattoo, welches sich über ihren Körper bewegt.

Das Verhältnis zu Ihrer Mutter ist sehr schwierig, da die niemals den Verlust ihrer Schwester überstanden hat.

Eines Tages taucht dann aufs Eve Arbeit ihr Lieblingsmusiker Max. Dieser wäre heute über 100 Jahre alt und kann es nicht sein. Aber warum sieht er aus wie auf den Fotos von damals? Warum ist er so erschrocken sie zu sehen? Er gibt ihr einen Oktopus aus Holz und erzählt ihr von dem mysteriösen Hotel. Eve recherchiert und erfährt von den drei Zimmerschlüsseln der Zimmer 7, 17 und 27 und das man mit diesen in dem heutigen verlassenen Hotel zurück in dessen Vergangenheit reisen kann. Dort will sie ein Briefpapier des Hotels erhaschen, mit dem Sie einen Brief schreiben kann und sich selbst in die Vergangenheit schickt, um dann das Unglück zu verhindern.

Wir erleben recht kurz die heutigen 2016 und dann hauptsächlich die Vergangenheit von 1918 und 1934. In beiden Fällen findet die Geschichte im Hotel statt, aber auch in Teilen an der Front, wo wir das Geschehen durch Max erleben.

Der magische Teil im Hotel, mit besonderen Spiegeln, lauschenden „Menschen?“, Telefonen mit Toten am anderen Enden, Geisterhafte Begegnungen usw. war echt interessant zu lesen. Wir lesen von Menschen, welche uns sehr ähnlich sind, aber wir nicht zuordnen können. Wir versuchen den Gründer des Hotels zu erwischen, der uns immer wieder entwischt. Wir reisen mit Hilfe der Türen und der speziellen Zimmerschlüsseln durch die Zeit.

Bis hierhin hört sich das richtig gut an. Und bis etwa 30% im Buch, kam ich auch noch gut mit. Und dann wurde es wild. Durch die Wechsel zwischen den Zeiten und das man erfährt, dass in 1918 Dinge geschehen, welche noch gar nicht passieren können und ebenso in 1934 Erinnerungen existieren, die nicht möglich sind, machte es mir schwer den Faden nicht zu verlieren.

Ich konnte mir mit der Zeit zusammenreimen, was es mit der ein oder anderen Person im Hotel auf sich hat, und viele Vermutungen wurden auch bestätigt. Aber leider verrennt sich die Autorin hier in den nicht immer stimmigen Zusammenhängen einer Zeitreisegeschichte. Es kann in der Vergangenheit nun mal etwas nicht stattfinden, wenn die Zukunft dafür erstmal geschaffen wurden sein muss. Und sehr störte mich die folgende Aussage: „Wenn man mit dem Schlüssel in eine andere Zeit zurückgeht, verliert man sämtliche Erinnerungen“ und genau das passierte im gesamten Buch nicht und ermöglicht somit auch nicht das Ende.

Es ist eine interessante Geschichte, mit viel Selbstdrama, weil Eve ständig depressiv und niedergeschlagen wird. Sich selbst kein Glück zuspricht und das Gefühl hat, sie dürfe niemals glücklich werden, weil sie am Tod ihrer Schwester schuld ist. Das aber die Aufsicht in der Verantwortung der Eltern liegt, wurde nie mit einem Wort gesagt und man lies sie somit im Glauben, der sich so heftig in sie reingefressen hat, dass sie ihr eigenes Leben für ihre Schwester hergeben würde. Mir ist das Buch daher etwas zu melodramatisch gewesen, mit einer zu sehr fehlerhaften Zeitreiseidee, welche zu überladen war.

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Rezensionen von Bisco:

Mit der Abhänigkeit kommt die Gewalt - ein starkes Debüt

Gelbe Monster von Clara Leinemann

„Gelbe Monster“ enthält eine Geschichte, wo wir sehen wie eine zunächst perfekt wirkende Beziehung nach und nach eine zerstörerische Dynamik entwickelt. Die Mathematik-Studentin Charlie mit dem Weg zum Doktortitel lebt neben dem Studium in den Tag hinein. Ihre Wohnung nur rudimentär eingeräumt und eher vom Alltag überfordert, hat nur Elan, wenn es um ihr Studium geht.

So ist es kein Zufall das sie noch den Bolzenschneider vom Baumarkt bei sich hat, welcher nur eine Leihgabe ist. Sie trifft bei ihrem Stammkiosk in Köln-Ehrenfeld (der Bezirk wird zwar nicht erwähnt, aber am Ende vom Buch erwähnt das Buch die Stadt Köln und die Venloer Straße ist in Ehrenfeld) den jungen Literaturstudenten Valentin. Das ist der Beginn einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte mit sehr schwierigen Zeiten für beide Protagonisten.

Wir lesen auf zwei Zeitebenen die Gegenwart, wo sie bei ihrer besten Freundin Ella wohnt. Weil ihre Wohnung ein Trümmerhaufen ist. Warum dem so ist, dass wird erst später im Buch geklärt.

Ihre beste Freundin drängt sie zu einem Anti-Aggressionstraining für Frauen und einer therapeutischen Behandlung. Aber wie kommt es, dass diese intelligente Frau mit gebrochener Hand und blauen Auge dahin soll. Immerhin sagt sie immer wieder, dass sie das Opfer in dieser Beziehung sei.

In Rückblenden enthüllt die Geschichte die Entwicklung der Beziehung zu Valentin und warum Charlie gewalttätig wurde. Die Beziehung entwickelte sich von einer normal beginnenden zu einer obsessiven, emotional abhängigen Geschichte. Es treffen Charlies Unsicherheit, Wut und Verlustangst auf die Beziehung und setzen somit auch Valentin unter Druck. Dies schlägt mit der Zeit in eine physische und psychische Gewalt um. Nich immer ist für den Leser sofort ersichtlich wer von wem abhängig ist und wer von beidem wem „mehr“ antut.

Das Frauen in Beziehungen Gewalt, psychisch und physisch ausüben, ist nicht untypisch wird aber als Thema noch sehr selten behandelt. Die Autorin hält sich dabei sehr zurück, wenn es um moralische Wertung geht und überlässt es uns zu entscheiden, wer die Fehler hier macht und wer sein Verhalten hätte ändern müssen.

Man liest immer nur am Rande, dass Charlie große Schwierigkeiten in ihrer Kindheit erlebt hat. Das Verhältnis zu ihrer Mutter muss immens gestört sein. Diese gab Charlie immer zu verstehen das sie hässlich sei und zu nichts nützlich. Tief scheinen hier die Wunden aus dieser Zeit zu sein, werden aber nur am Rande thematisiert, um den Lesern keine „Grundlage“ für ihr Verhalten zu geben, sondern Charlie selbst einzusortieren.

Und hier bekommt sie nicht den Preis für die Sympathieträgerin des Jahres. Man versteht in Teilen ihr Verhalten und teilweise hasst man sie regelrecht für ihr Verhalten. Symbolisch spiegelt sich Charlies innerer Zustand auch im Titel wider. Die „gelben Monster“ erinnern an das Blumenmuster der alten gelben Tapete in ihrer Wohnung, dessen Formen wie kleine Monster wirken – ein Bild für die inneren Konflikte, Erwartungen und Ängste, die Charlie begleiten. So sitzt sie in der Gruppe und sieht um sich herum nur Schwerverbrecherinnen und präsentiert ihre gebrochene Hand, als Zeichen dafür, dass sie das Opfer ist.

Sprachlich erzählt Frau Leinemann in einer klaren und flüssigen Sprache, welche das Buch sehr schnell lässt. Es ist kein leichtes Buch und hat nicht das klassische Happy End was man erwartet. Es hinterlässt einen faden Beigeschmack. Denn alleine schon die Ereignisse der Anti-Aggressionsgruppe, welche zeigen warum die Frauen dort gelandet sind, zeigen wie unterschiedlich Gewalt ist und wie oft in dieser Geschichte Frauen es als Rechtfertigung nutzten.

Es ist intensiv und ungewöhnlich und somit ein Debüt, welches lange nachwirkt.

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Rezensionen von Bisco:

Eine Erzählung voller Gewalt, Drama und Längen. Kein Fantasy, mehr historische Geschichte

The Poet Empress von Shen Tao

Yin Wie aus Lu´an, aus dem Bezirk Guishan. Tochter von Yin Hunag, Reisbauer, Sechzehn Jahre lebt ein hartes Leben. Ihre Geschwister sterben an Krankheit oder Hunger, ihre Eltern haben selbst kaum zum Überleben und es geht Ihnen nicht gut. Dabei leben sie in einem Kaiserreich, dem es an sich überhaupt nicht schlecht geht.

Aber wie überall wird hier unten geschuftet und oben geschlemmt.

Der Kaiser mit seinen 5 Söhnen, von seiner Kaiserin und Konkubinen, geboren. Der zweite Thronfolger Terren soll nun verheiratet werden und Kinder zeugen. Denn er gilt als derjenige Sohn, welcher den Thron besteigen soll. So wird im Kaiserreich nach einer passenden Frau für ihn ausgeschrieben und alle kommen in die Hauptstadt.

Wei macht sich selbst keine Hoffnung das zu schaffen. Doch gegen aller Hoffnung, wird sie auserwählt. Gegen den absoluten Unwillen der aktuellen Kaiserin und nur weil Prinz Terren für sich seinen eigenen Kriegszug darin sieht. Verständnis fehlt dafür am politisch schwachen Kaiserhoff und auch die anderen Anwärterinnen zur Konkubine und somit künftigen Kaiserin können diese Entscheidung nicht nachvollziehen.

Wei sieht nun ihre Hoffnung mit der Auswahl ihrer Person ihrem armen Dorf und gerade ihrer Familie zu helfen. Doch es soll anders kommen als sie sich dies überlegt hat.

Sie kommt an einen Hof wo sie schnell den Hass und Neid der anderen Konkubinen zu spüren bekommt. Im Rangsystem der Konkubinen steht sie nun ganz oben. Was nicht bedeutet, dass sie die alleinige Frau ist, welche Terren´s Bett teilen wird. Zumindest nicht wenn man die Planung der Gelehrten betrachtet, welche die Nächte nach den Mondphasen einteilen. Aber so viel Angst Wei vor dem ersten Akt hat, entwickelt sich eine ganz andere Furcht. Jede Nacht wird sie von Terren misshandelt. Er schlägt sie, malträtiert sie mit seinen Messern und im Anschluss heilt er mit Magie ihre Wunden.

„Ich muss aufhören, wie ein Dorfmädchen zu denken. Ich muss anfangen wie eine Kaiserin zu denken.“

Terren mit seiner Affinität zu Klingen, dessen Grausamkeit keiner Logik folgt und der schon in jungen Jahren erst Fische und dann Bedienstete tötete. Als Kind mit seinem Bruder Maro noch lieb und begeistert für die Welt war, auf Bäume kletterte und gute Laune hatte. Familiärer Entzug, keine Liebe, Entzug von seinem Bruder brachte ihn dazu immer verschlossener zu werden und nach und nach zu einem Tyrannen werden ließ.

Sein Bruder Maro, der Erstgeborene, der mit seiner Fähigkeit Flüsse, Wege und Tunnel durch Berge erschafft, um die Hauptstadt und die Wirtschaft anzukurbeln, ist jedoch nicht für einen Krieg gedacht und wird vom Kaiser daher auf den zweiten Platz degradiert. „Wir sind eine Familie. In der Familie gibt man aufeinander acht“ waren in jungen Jahren die Worte zu seinem Bruder Terren und wir erfahren was passiert ist, dass dies nicht mehr der heutigen Zeit entspricht.

Das Buch lebt von seiner Grausamkeit, viel Blut, Manipulation und einer in sich traurigen Geschichte von Familienentzug und Bestrafung an Kindern. Kinder, die mit gerade mal 10 Jahren davon reden, dass sie nun erwachsen sind und ein Land verändern sollen. Kinder, die im gegenseitigen Kampf miteinander stehen, angestachelt von den Erwachsenen. Viele Opfer von Tieren über Menschen stehen zwischen den Fronten und müssen täglich um ihr Leben bangen.

Die Geschichte spielt in der Gegenwart aber auch in der Vergangenheit. Wir erleben Weis Alltag am Hofe, wie sie ihre Rolle als Konkubine zu leben hat und jede Nacht der Folter ausgesetzt ist. Wie sie versucht sich aus dieser Situation zu retten. Im Wechsel lesen wir aus der Erzählerperspektive, was in der Vergangenheit vorgefallen ist, dass zwei Brüder, die sich über alles liebten, sich auf einmal tödlich gegenüberstehen.

Das Buch ist im Genre Fantasy eingereiht, was für mich jedoch absolut nicht passend ist. Der Magieanteil ist eher gering. Wir lesen von Katzen mit Blättern, erleben Heilung durch Magie und die Siegel, welche die Prinzen schützen. Ihr persönliche Magie und die der Schriften ist mir zu wenig präsent gewesen. Es ist zwar Teil der Geschichte, aber die Politik, die Gewalt, das Drama stehen absolut im Vordergrund. Für mich wäre das Buch daher eher im Bereich „Historisches Drama“ einzuordnen, basierend auf einer fantastischen Geschichte.

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Rezensionen von Bisco:

" Happy Head - Happy wirst du jedoch nicht sein" - Ein sensationell gutes Buch mit psychologischer Spannung

Happy Head von Josh Silver

„Happy Head- hier gelten Verantwortung, Wachstum und Dankbarkeit“

Wer möchte nicht seinen 17-Jährigen und viel zu sensiblen Sohn, der keine großartigen Freunde hat, nicht der Klassenbeste ist und sonst auch nichts vorzuweisen hat, nicht in ein Camp stecken, welches helfen wird. Das die Tabletten gegen Angst, dass Asthmaspray und die Unsicherheiten in Zukunft alle nicht mehr gebraucht werden.

So wird der frisch gewordene 17-jährige Sebastian, den alle nur Seb nennen, von seinen Eltern überrascht, wie es heißt: „Ab zu Happy Head – da machen sie dich happy“

Begeisterung braucht man da natürlich nicht erwarten, vor allem wenn der Abend mit der einzigen und besten Freundin anders geplant war. Aber Wiederworte helfen hier nicht und schon geht es mit der nervigen kleinen Schwester, welche alles in den Popo geschoben bekommt, auf dem Rücksitz und einer mehreren Stunden andauernden Fahrt ins Spieleparadies für Schwererziehbare.

Vor Ort erfreut er sich direkt mal zu hören, dass er auf seine Kleidung verzichten soll und nur ein Lieblingsteil mitdarf. David Bowie darf für Seb nicht fehlen. Sein Jugendschwarm, der ihn versteht und ihm mit seinen Liedern Kraft gibt.

Vor Ort einer von 100 Jugendlichen, alle wenig begeistert, wird man direkt mal in Teams gesteckt. Die Farbe grün in allen Nuancen sind das Kennzeichen.

Und wer nun denkt es gibt Gesprächstherapien, Gruppenkuscheln und Wohlfühlzeiten, der irrt. Und zwar gewaltig. Das Cover und der giftige Farbschnitt sprechen ihre eigene Sprache.

Schnell erkennt man, was hier wirklich los ist. Die Zimmer, die von 1 bis 100 sehr unterschiedlich sind, die Überwachungskameras, die „netten“ Betreuer und die psychologischen Gespräche treffen auf harte Aufgaben, Schmerz und Psychoterror. Aber wer was werden will, der muss halt ein bisschen leiden.

Seb findet für sich halt in seinem Mitmenschen Finn, der genauso wenig da sein möchte und welcher schneller erkennt was vor sich geht als Seb. Beide entwickeln zueinander eine eigene Dynamik und versuchen gemeinsam dem Horror vor Ort zu entkommen. Dabei haben beide keine Ahnung wie groß das Ganze noch werden wird.

Ich persönlich bin so dermaßen angetan von der Geschichte. Es ist zwar als Jugendbuch eingeordnet, aber für Erwachsene genauso geeignet. Der Teils unterschwellige und der Teils sehr direkte manipulative Psychoterror, welcher vor Ort angewendet wird, ist so gutgeschrieben. Die Aufgaben, die Gespräche, die kleinen Aktionen. Als lesende Person sieht man sofort mehr als die Protagonisten und dennoch sehen wir nur Bruchstücke. Diese verbinden sich bis zum Ende, lassen aber in der Mitte des Bildes noch ein großes Loch, welches mit dem zweiten Teil gefüllt werden wird.

Die Charaktere waren super beschrieben. Dabei geht es nicht mal um Sympathie, sondern wie gut sie ihre Rollen in der Geschichte widerspiegeln. Die Schreibweise lässt einen durch die Seiten fliegen und man möchte immer mehr erfahren. Man leidet mit den jungen Menschen mit und ist fassungslos, wie weit Gewalt an einen Menschen gehen kann.

Für mich eines der besten Jugendbücher der letzten Jahre. Es muss kein überzogenes Romantikdebakel in einem Fantasysetting sein, wenn es auch eine Dystopie in unserer realen Welt sein kann mit Menschen, die den Kontakt zur Normalität verloren haben und ihre Ideologie mit Gewalt einbringen wollen, auch wenn sie dafür über Leichen gehen müssen.

Ein Highlight durch und durch und eine Rezension welche hoffentlich neugierig macht ohne das ich zu viel gespoilert habe und dennoch zeige, wie tiefgründig das Buch ist.

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Rezensionen von spozal89:

Nessy und Nils

Where We Belong von Wiktoria A. Wieczorek

Schon die Leseprobe von "Where We Belong" hat mich überzeugt und ich wurde auch vom Rest des Buches nicht enttäuscht.

Die Autorin hat einen wunderbar ruhigen, aber trotzdem einfühlsamen und emotionalen Schreibstil. Es werden einige wichtige Themen behandelt, was Ausländerfeindlichkeit oder Schubladendenken betrifft.

Ich finde das ist aber sehr gut umgesetzt worden und regt eindeutig zum Nachdenken an. Gerade im Jugendbuchbereich finde ich sowas sehr gelungen.

Die Geschichte von Nessy und Nils mochte ich sehr gerne. Das die Kapitel immer mal wieder abwechselt in der Gegenwart und in der Vergangenheit erzählt wurden fand ich grandios, weil man sich so in beide Charaktere gut einfühlen konnte und sich auch die Beziehung bzw. der Konflikt der beiden viel besser verstehen lies. Die Geschichte lies sich so auch sehr gut lesen. Nessy fand ich eine sehr starke Protagonistin, sie hat viel erlebt, positives, als auch negatives. Von Nils hätte ich mir gerne noch ein wenig mehr gewünscht. Er blieb in meinen Augen trotz allem ein wenig oberflächlich.

Dennoch habe ich die Geschichte sehr gerne gelesen und würde sie auch weiterempfehlen.

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Rezensionen von LeserinLu :

Zurück nach Bullerbü

Mirabellentage von Martina Bogdahn

Nachdem mir der erste Roman der Autorin schon wie ein Bullerbü-Roman für Erwachsene vorkam, habe ich mich sehr gefreut, dass „Mirabellentage“ in diese Welt zurückkehrt. Im Mittelpunkt steht dieses Mal Anna, die nach dem plötzlichen Tod ihres Freundes und Chefs Pfarrer Josef aus der Bahn geworfen wird.

Während sie den neuen Priester Fridtjof empfängt und sich schließlich auch noch um Josefs letzten Wunsch kümmern soll, stellt sie ihr eigenes Leben zunehmend infrage.

Besonders schön fand ich kleinen Rückblenden und Anekdoten, die den Roman prägen und die in die Rahmenhandlung eingestreut werden. Erinnerungen an frühere Sommer, an den Duft reifer Mirabellen und an ein anderes, vielleicht freieres Leben schieben sich immer wieder in die Gegenwart. Der Schreibstil hat mir wie schon beim Vorgänger sehr gut gefallen. Die Autorin erzählt ruhig, warm und mit viel Gespür für Stimmungen. Im Vergleich zu „Mühlensommer“ fand ich allerdings die Rahmenhandlung etwas weniger stark. Die eigentliche Entwicklung rund um Anna bleibt stellenweise etwas im Hintergrund, während die vielen kleinen Episoden zwar schön zu lesen sind, aber nicht immer gleich viel zur Gesamtgeschichte beitragen.

Trotzdem ist „Mirabellentage“ ein kurzweiliger Roman, der mit seiner ruhigen Erzählweise und seinen liebevoll gezeichneten Figuren überzeugt. Für mich wieder ein Ausflug in eine literarische Welt, die ein bisschen an Bullerbü erinnert, nur eben für Erwachsene.

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Rezensionen von readpassion9:

Fredkrika verrennt sich

Schattenmädchen von Frida Skybäck

"Schattenmädchen" von Frida Skybäck ist der dritte Teil für die Ermittler Fredrika Storm und Henry Calment. Ich habe die ersten Beiden Teile gelesen und war begeistert, leider kann "Schattenmädchen" das Niveau meiner Meinung nach nicht halten. Ich habe sogar überlegt abzubrechen, habe mich dann aber doch durchgekämpft.

Fredrika Storm und Henry Clament ermitteln in einem Vermisstenfall. Die Studentin Isabelle Karlsson besucht die Party eines erfolgreichen Technologieunternehmens und wird danach nicht wieder gesehen. Alles deutet darauf hin, dass der CEO Martin Zenberg etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat. Parallelen gibt es zu einem Jahre zurückliegenden Fall, bei dem eine junge Frau ermordet wurde. Fredrika verbeißt sich in diesen Fall und den Verdächtigen, macht es irgendwie zu ihrem persönlich Kampf, obwohl Zenberg seine Unschuld beteuert.


Insgesamt gesehen dümpelt der Fall vor sich hin, es gibt keine wirklichen Highlights, noch den Hauch von Spannung. Nach dem ersten Drittel wollte ich schon aufgeben, habe mich aber durch den Rest gequält, da ich wissen wollte wie die Story letztlich ausgeht.

Leider nimmt das "Privatgedöns" der beiden Ermittler viel zu viel Raum ein, vor allem Henrys Privatleben. Fredrika wirkt zunehmend unsympathisch, wundert sich dass ihre Beziehung scheitert und sucht die Schuld bei anderen. Es hätte der Story gut getan, sie um mindestens 100 Seiten zu straffen.

Fazit: Konnte mich leider nicht überzeugen, wird für mich der letzte Teil der Reihe gewesen sein. 2,5 Sterne, aufgerundet auf 3.

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Rezensionen von Ruth:

Erinnern, vergessen, verdrängen

Ich möchte zurückgehen in der Zeit von Judith Hermann



Dieses Buch, ein Roman ist es keiner, auch wenn es fiktionale Teile enthält, spaltet das Feuilleton und die Leserschaft. Die einen sind begeistert vom typischen Judith-Hermann- Sound, die anderen empfinden das Buch als Ärgernis. Denn die Autorin begibt sich auf Spurensuche nach ihrem Großvater, und findet …nichts.

Der Großvater, 1904 geboren, schon vor 1933 NSDAP-Mitglied, später Mitglied der SS , war als solcher in Radom, in Polen stationiert. Fast ein Drittel der damals 85.000 Einwohner waren Juden. Die Nazis haben sie in Arbeitslager und Vernichtungslager verschleppt, ins Ghetto gesperrt, erschossen, vergast oder sie starben an Krankheiten. Heute lebt nur noch ein einziger Jude in der Stadt
Nach Radom, dieser Kleinstadt zwischen Krakau und Warschau, reist nun die Autorin und bezieht dort für Wochen eine Wohnung . Im Gepäck u.a. ein Photo von ihrem Großvater, wie er auf einem Motorrad sitzt und in die Kamera lächelt. Den Platz in Radom, wo das Bild entstanden ist, wird sie später finden, viel mehr nicht. Sie liest viel in Radom, auch Mitscherlichs „Die Unfähigkeit zu trauern“. Sie macht lange Spaziergänge, sucht die Reste der alten Ghettomauer, besucht Museen und schreibt an Archivare und Historiker. Erst kurz vor ihrer Abreise bekommt sie Antwort, man lädt sie ein. Aber mehr erfahren wir dazu nicht.
Auslöser für diese Reise war nicht nur der Fund jenes Photos, sondern auch eine kurzzeitige Amnesie der achtzigjährigen Mutter. Dieses Ereignis zeigt ihr deutlich, dass die Zeit drängte, wenn sie noch Antworten bekommen wollte. Mit der Mutter telefoniert die Autorin dann auch täglich von Polen aus. Aber die Mutter kann oder will ihre Fragen nicht beantworten.
Auf diesen ersten Teil des Buches, „Radom“ tituliert, folgt Teil II. „Napoli“.
Im Anschluss fährt Judith Hermann weiter nach Neapel, wo ihre Schwester mit Mann und Kindern lebt. Die Schwester ist Archäologin, gräbt also ebenfalls in der Vergangenheit. Aber nicht in der familiären, davon will sie nichts wissen und nicht darüber reden. Sie interessiert sich dagegen für „geschlossene Fälle“, so wie die Verschütteten in Pompeji, die vor über Jahren vom Ausbruch des Vesuvs überrascht wurden. Der Großvater, der ist „ kein geschlossener Fall“.
Im kürzesten und letzten Teil des Buches , mit dem poetischen dänischen Wort „Tidslomme“- „Zeittäschchen“ überschrieben, geht es um das tagelange Verschwinden der Schwiegereltern während einer Urlaubsreise. Auch das eine Leerstelle.

Ist dieses Buch nun ein gescheiterter Versuch, eine Enttäuschung? Wenn man ein weiteren Text über einen SS-Täter lesen wollte, dann ja. Aber es geht nicht darum, was dieser Großvater im Krieg getan hat. Das ist eindeutig. Er war in Radom, als das Ghetto aufgelöst wurde, als Menschen deportiert und erschossen wurden, und ganz sicher war er als SS -Mann daran beteiligt.
Nein, es geht darum, was dieser Großvater mit der Familie gemacht hat. Welche Auswirkungen hatten seine Taten und das Schweigen darüber auf seine Familie und auf die Nachfahren? Judith Hermann hat ihren Großvater nie gekannt, er starb sechs Jahre vor ihrer Geburt. Aber als Schatten, als dunkles Loch war er präsent. „Die SS-Vergangenheit meines Großvaters ist ein offenes Geheimnis, sie existiert und wird zugleich geleugnet.“
Judith Hermann wird weder von ihrer Mutter noch von ihrer Schwester bei ihrer Suche nach der Wahrheit unterstützt. Das mag unbefriedigend sein, dürfte aber in vielen Familien ähnlich ablaufen. So zeigt dieses Buch eben auch, wie schwierig es noch immer ist, sich der eigenen Nazivergangenheit zu stellen.
Es lohnt sich, die Autorin bei ihrem Versuch, in der Zeit zurückzugehen, zu begleiten. Sie lässt uns teilhaben an ihren „Befindlichkeiten“, beschreibt präzise, was diese Zeit in Radom mit ihr macht. Ja, sie stochert im Nebel, aber das macht sie mit einer Sprache, die einem mitnimmt. Tastend und reflektierend, mit eindringlichen Bildern, erzeugt sie eine Atmosphäre, die berührt
„Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ ist eine Geschichte vom Suchen und Nichtfinden, eine Reflexion über sich und die eigene Familie, über das Erinnern, Vergessen, Verdrängen.

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Rezensionen von Marie aus E.:

Witzig mit Einschränkungen

Betreutes Morden von Fergus Craig

Das gediegene Seniorenheim Sheldon Oaks hat illustre Bewohnerinnen und Bewohner. Eine ehemalige Innenministerin, ein ehemaliger Polizist, eine ehemalige Pathologin und ganz neu: eine Serienmörderin! Oder eine ehemalige Serienmörderin? Carol, die nach 35 Jahren im Gefängnis glücklich in das Seniorenheim einzieht, beteuert es zumindest.

Dummerweise geschieht kurz darauf ein Mord in Sheldon Oaks und Carol ist natürlich höchst verdächtig.

Das Buch klang witzig und eine Serienmörderin im Ruhestand ist mal was Neues. Auch das Buchcover gefällt mir total gut.
Beim Lesen hatte ich aber sofort Assoziationen mit dem "Donnerstagsmordclub". Auch eine Seniorenresidenz, auch schräge Charaktere mit prominenter Vergangenheit, auch Morde, auch eine Polizei, die nicht die allerhellste ist. Sehr viele Parallelen, aber einfach schwierig, wenn man sich mit der Kult-Serie messen muss. Es wirkte auf mich leider wie ein billiges Plagiat.

Doch im weiteren Verlauf des Buches habe ich diese Meinung wieder ein wenig (oder etwas mehr) revidiert.
Es hat sich dann ein wenig selbst auf die Schippe genommen, das fand ich gut und auch die Handlung hatte dann was. Zeitweise fand es ich unfassbar witzig.

Der Mordfall war dann ein wenig vorhersehbar, wobei ich auch hier mit einem aber mich selbst torpediere, denn bei der Auflösung gab es dann noch einen überraschenden Side-Kick, denn ich so nicht vorausgesehen habe.

Was mich aber wirklich auf Dauer sehr genervt hat, das waren die pseudo-spicy Szenen unter den Seniorinnen und Senioren.

Insgesamt habe ich zwar immer mit dem DMC verglichen, die überzeichneten Charaktere hatten hier aber schon auch was. Das Buch hat mich stellenweise genervt, stellenweise aber auch gut unterhalten.

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