Kunden em pfehlungen
Rezensionen von _ich.lese_:
Liebe in Schottland
Skye In Our Hearts von Elliot Fletcher
April ist Schauspielerin, aber ihre Karriere ist nicht mehr so florierend. Also Kehr sie zurück nach Schottland, auch um sie um die Whiskeybrennerei ihres Vaters zu kümmern. Was sie nicht wusste, Mal, den sie seit ihrer Kindheit kennt, kümmert sich um die Brennerei und hat nur einen Wunsch, diese auch zu Erfolg zu führen
Das Cover fand ich hier etwas nichtssagend, dafür hat mich die Geschichte umso mehr unterhalten können.
Alleine schon das wunderschöne Setting auf der Isle of Skye in Schottland, ein Traumziel von mir. Aber auch Mal und April haben es in sich und die Geschichte wurde ganz schön heiß. Mich hat es jedenfalls sehr gut unterhalten, ich mochte die Chataktere, das Setting und auch den Fortgang der Story. Ich mag es wenn der männlichen Part ein wenig mürrisch ist, aber im Herzen ein Teddybär, genauso wie Mal es war. Die Dynamik zwischen April und Mal war von Beginn an da, mit hat die Story schon sehr gefallen, auch wenn die prickelnden Momente manchmal fast ein bisschen zuviel wurden.
Rezensionen von Anno:
Tolle Buchidee- sehr kreativ
Wishkeeper, Band 1 - Das Land der verborgenen Wünsche von Barbara Laban
Obwohl dieses Hörbuch von Julia Nachtmann wundervoll eingelesen wurde, hatte ich zu Anfang etwas Probleme in die Handlung zu finden. Recht schnell wechselt das Geschehen nach Everwish, dem Land der verborgenen Wünsche, wo dem Hörer wundersame Wesen mit sehr speziellen Namen begegnen. Diese alle einzuordnen fiel mir erst etwas schwer.
Doch ist die Handlung so kreativ und abwechslungsreich erzählt, dass auch ich mich rasch für sie erwärmt hatte. Die Idee, dass unerfüllte Wünsche von Kindern als Schmetterlinge oder Falter und mit Hilfe von sogenannten Wishkeepern nach Everwish übersiedeln um sich dort zu verwandeln, gefiel mir außerordentlich gut. Gemeinsam mit Lexi und Milo taucht man immer tiefer in diese ungewöhnliche Welt ein, erfährt von deren Zauber, den Aufgaben der Wishkeeper und der Heilkraft der Wunschgänger. Überschattet wird das Geschehen jedoch durch das Verschwinden des vorherigen Wishkeepers. Wodurch Lexi und Milo in dessen Fußstapfen steigen und seine Aufgaben übernehmen um irgendwann tatsächlich auf ihn zu stoßen. Doch was bewog ihn in Everwish zu bleiben, wenn zu Hause seine Eltern Krankheit Sorge um ihn sind?
Dieses Rätsel wird im Band gelüftet, doch freue ich mich auch jetzt schon sehr auf weitere Abenteuer der Wishkeeper.
Rezensionen von Anno:
Warmherzig
Wie man einen Bammel auf Hosentaschengröße schrumpft von Josefine Sonneson
Entgegen den Empfehlungen des Verlags empfinde ich dieses Hörbuch perfekt für Kinder im Grundschulalter. Elli und Jaro, beide 11 Jahre, Nachbarn (wohnend im selben Haus) und beste Freunde erleben darin allerlei Alltagsabenteuer und helfen sich dabei gegenseitig ihren Bammel zu überwinden. Bis beide sich verkrachen.
Ist Tami daran schuld? Will sie etwa Elli ihren Freund wegnehmen? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?
Friedel Morgensterns ruhige Art vorzutragen ist voller Intensität, die mitreißt und fesselt. Für mich ist diese jugendliche Stimme die perfekte Besetzung für dieses tolle Buch. Gegebenheiten und Emotionen werden dadurch sehr gut vermittelt, dazu können Kinder sich durch die alltagsgetreuen Situationen sehr gut in die Handlung und Personen hineinversetzen und lernen dabei, dass Angst etwas ganz natürliches ist.
Rezensionen von ReiShimura:
Der Funke sprang nicht so richtig über
Burning Crown Die Dragonbound-Trilogie von Marie Niehoff
Ich bin mir noch immer nicht sicher, was ich so genau von Burning Crown halten soll. Die Geschichte an sich klang interessant und die Mischung aus verbotener Liebe und Drachen versprach so einiges an Spannung. Leider sprang der Funke bei mir aber nicht so richtig über. Woran das genau lag, kann ich aber nur schwer in Worte fassen.
Bereits der Einstieg in das Buch fiel mir nicht besonders leicht und ich brauchte einige Zeit, bis ich mich zu recht gefunden habe. Die Charaktere waren zwar gut beschrieben, aber mir fehlte ein wenig die Tiefe, um mich wirklich in sie hineinversetzen zu können. Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist für mich noch immer ein Rätsel. Zwar gibt Autorin Marie Niehoff einige Anhaltspunkte auch, was die Politik betrifft, aber für meinen Geschmack fehlen die Details. Gerade weil es sich nicht um einen Einzelband, sondern um den Auftakt einer Trilogie handelt, hätte ich mir hier mehr erwartet.
Ein zentrales Element und auch der Hauptpunkt, warum ich mich für dieses Buch entschieden habe, waren die Drachen bzw. die Drachenwandler. Leider haben die Drachen für meinen Geschmack nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Natürlich ist Cassim einer der beiden Hauptpersonen, aber den Großteil der Zeit nimmt er diese Rolle in seiner menschlichen Gestalt ein und man vergisst dadurch öfters mal, dass er eigentlich auch ein Drache ist. Auch in seiner Drachengestalt war Cassim für meinen Geschmack zu menschlich.
Das Beziehungen zwischen Drachen und Menschen verboten ist, wird bereits am Anfang des Buches deutlich. Warum dies allerdings der Fall ist, ist mir bis jetzt noch nicht klar. Auch hier fehlen mir wieder einige Details, die die Geschichte für mich lebendiger und auch verständlicher gemacht hätten.
Ich persönlich lese gerne romantische Szenen, aber bin kein großer Fan von allzu expliziten Beschreibungen oder Spice/Smut wie man das neumodern sagt. Leider bestand gerade der letzte Teil des Buches gefühlt nur mehr aus spicy Szenen. Wer es mag, wird seine Freude haben, für mich zog sich das ganze leider ein wenig und ich war froh, als es denn endlich vorbei war.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Yessa und Cassim erzählt. Daher befürworte ich die Entscheidung des Verlages, auch das Hörbuch abwechseln von einer weiblichen und einer männlichen Stimme lesen zu lassen. An sich gefallen mir die Stimmen von Leonie Landa und Sven Macht sehr gut. Die Stimmmelodien sind schön und Betonung und Geschwindigkeit haben auch gepasst. Allerdings fehlte mir auch hier die Emotion.
Burning Crown ist keine komplette Enttäuschung, aber auch absolut kein Highlight für mich. Ich denke nicht, dass ich die weiteren Bände der Trilogie lesen werde.
Rezensionen von _ich.lese_:
Sehr berührend
Alles, was ich geben kann – The Last Letter von Rebecca Yarros
Ella wollte eigentlich nur ihrem Bruder einen Gefallen tun als sie den ersten Brief an Chaos schrieb. Chaos ist zusammen mit Ellas Bruder in einer Spezialeinheit bei der Army und so beginnt eine ganz besondere Brieffreundschaft sie auf eine harte Probe gestellt wurde.
Ich mag die Bücher der Autorin sehr gerne.
Angefangen habe ich mit Fourth Wing, aber sie kann auch ganz wunderbare Realitätsromane schreiben, die ans Herz gehen. So auch dieses. Ella, alleinerziehende Mam von Zwillingen, hat es nicht leicht und trotzdem nimmt sie sich die Zeit Chaos zu schreiben. Bald schon sind seine Briefe eine große Hilfe für sie, aber nicht so wie bei Chaos. Bekett, Chaos richtiger Namen, erlebt bei der Army schreckliche Dinge und braucht Ellas Briefe. Alleine schon dieses hat mich so sehr berührt, ich hatte im zweiten oder dritten Kapitel schon Tränen in den Augen. Was die beiden alles durchmachen mussten und trotzdem über ihren Schatten springen, davor hatte ich großen Respekt. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es hat mich tief berührt und nachdenklich gestimmt. Gerne möchte ich mehr von der Autorin lesen.
Rezensionen von Morten:
Flugabenteuer mit leichten Turbulenzen
Earhart von Torben Kuhlmann
Vielleicht ist es wichtig: „Earhart“ ist unser erstes Mausabenteuer. Der Stil daher erst einmal ein bisschen ungewohnt. Kurze Kapitel mit einer halben Seite wechseln sich mit Abschnitten über zwei, drei Seiten ab. Manches passiert Comic-artig mit großen, schönen Bildern ohne Text zwischendurch.
Eine Art des Erzählens, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Als Vorlesender und Zuhörende. Ist man dann mal drin, macht es größtenteils Spaß.
„Earhart“ erzählt aus den Augen einer kleinen Wühlmaus die Geschichte der Pilotin Amelia Earhart nach. Die kleine Maus entdeckt eine Briefmarke und so, dass die Welt größer ist als der rechteckige Heimatgarten. Und sie macht sich auf Entdeckungsreise, baut sich ein Flugzeug, umrundet die Welt und …
Wer die Geschichte von Amelia Earhart kennt, der weiß, dass sie mit allerlei Widerständen zu kämpfen hatte. Pilotinnen gab es zu ihrer Zeit nicht viele, das Fliegen war wie vieles eine Männerdomäne und Pionierinnen wie Earhart wurden kritisch beäugt, verspottet und angefeindet. So wie die kleine Wühlmaus es erlebt als ihre Wühlmauskamerad:innen von ihren Flugplänen erfahren. Und dennoch hat sich Earhart durchgesetzt und mit einem Flugzeug die Welt fast umrundet bis sie auf mysteriöse Weise kurz vor dem Ziel verschwand. Ist sie abgestürzt? Hat sie sich versteckt? Bis heute ungeklärt, das Flugzeug wurde nie gefunden. Und auch das Buch von Torben Kuhlmann endet mit einem gewissen Interpretationsspielraum.
Es ist schön, dass eine Biografie wie die von Amelia Earhart auf eine solch erzählerische Weise für Kinder aufbereitet wird. Das Buch hat zwar ein paar Längen, gerade in der ersten Hälfte, und der Stil ist ein bisschen anders als der anderer Kinderbücher, aber sobald man sich daran gewöhnt hat, entwickelt sich ein schönes Abenteuer über das Ausbrechen aus Konventionen und die Entdeckung der Welt. Die Reise selbst nimmt zwar wenig (Text-)Platz ein, aber mit schönen Bildern bietet sie den Vorlesenden Spielraum, die Geschichte selbst auszuschmücken.
Aber was ist das Wichtigste? Genau, die Meinung des Kindes. Und das fragte: Gibt’s noch mehr Bücher davon? Holen wir uns die auch? Es hat also gefallen. Auf ins nächste Mausabenteuer!
Rezensionen von jam:
Gut aufgearbeitet, sehr verständlich und hilfreich.
Die Lösung für alle deine Probleme: Gibt's nicht von Verena Fiebiger; Sina Haghiri
"»Es geht im Leben darum, dass man ein bisschen zu sich passt, nur ein bisschen.«
Während andere Ratgeber eine einfache Lösung für alle Probleme der Ratsuchenden versprechen, ist der Titel dieses Buches eine ehrliche, glaubwürdige Ansage: "Die Lösung für all deine Probleme - Gibt´s nicht".
Authentisch und liebenswert widmet sich die Autorin den gängigsten Herausforderungen, die das Leben an uns stellt. Dabei unterteilt sie das Buch in zwei Teile, in "Lassen", also Dinge, Tätigkeiten, schlechte Gewohnheiten, die man vermeiden sollte. Und in "Machen", also Aktivitäten, die einem guttun und denen man in Zukunft mehr Zeit widmen sollte.
Dabei startet sie ihre Abschnitte mit persönlichen Erfahrungen, teils aus ihrem eigenen Leben oder dem von Ratsuchenden. Gerade diese Einblicke lockern dieses Buch enorm auf und halfen mir, einen klaren Blick auf ungesundes Verhalten zu bekommen. Verena Fiebinger stützt sich dabei laut eigener Aussage auf Gesprächen mit Expert:innen, sowie aktuellen Erkenntnissen aus den kognitiven Neurowissenschaften, der Verhaltenstherapie, Bindungsforschung und systemischen Familientherapie. Locker und leicht verständlich fasst sie diese für den Leser zusammen.
Ein besonderes Highlight für mich: Es gibt immer wieder Abschnitte mit der Überschrift "Kleine Lösungen für ..." ein Problem, das im letzten Kapitel besprochen wurde. Darunter finden sich Denkanstöße und praktische Ratschläge.
Und diese sind ganz einfach: Zum Beispiel, bei Einschlafproblemen den Fokus zu verschieben. Nicht grübeln, warum man heute NICHT einschlafen kann, sondern überlegen, wann man das letzte Mal rasch eingeschlafen ist und sich zu überlegen, was man da anders gemacht hat als heute und - wenn möglich - etwas davon zu tun.
Dieses Buch hält genau das, was es verspricht: Es ist kein universeller Ratgeber, denn den kann es nicht geben, so individuell wie unsere Probleme sind auch die Lösungen dafür. Aber manche Themen beschäftigen viele von uns, und genau diesen widmet sich die Autorin sehr fundiert, aber auch verständlich!
Fazit: Gut aufgearbeitet, sehr verständlich und hilfreich.
Rezensionen von Harakiri:
Eine üble Vergangenheit
Todeskeller. Das Cold-Case-Team Berlin ermittelt von Nica Stevens; Andreas Suchanek
Der Beginn einer neuen Reihe?
Ein Teenager verschwindet, eine Leiche taucht auf und ein Keller voller Skelette wird gefunden. Die Lösung des Falls liegt weit in der Vergangenheit und ist schwer zu finden.
Bereits die Reihe Rachejagd von den Autoren hat mir sehr gut gefallen. Mit Todeskeller startet ein neues Ermittlungsteam mit Sophie Steinbach und David Martin.
Beide blieben noch etwas an der Oberfläche und ich frage mich, warum man mit Martin wieder einen Quoten-Homosexuellen bedienen muss.
Aber das ist quasi schon mein einziger Kritikpunkt. Die Handlung startet rasant und schaurig. Mit dem Fund des Leichenkellers und den weiteren Morden bleibt der Spannungsbogen recht hoch. Durch den Bezug des Täters zu Sophie wird das Ganze noch persönlicher. Die Schreibweise der Autoren ist fesselnd und durch die wechselnden Kapitel bleibt die Spannung auch weit oben.
Und was dann ans Licht kommt, ist kaum zu glauben. Mit dieser Wendung hatte ich nicht gerechnet und ich finde es positiv, dass die Autoren mich so überraschen konnten. Das Ende wird dann noch sehr dramatisch und mit dem Epilog gelingt den Autoren ein Schlusspunkt, der es in sich hat.
Fazit: Ich mag Cold Cases und hoffe, dass die Reihe fortgesetzt wird.
Rezensionen von brauneye29:
Schöne Geschichte
Wie man einen Bammel auf Hosentaschengröße schrumpft von Josefine Sonneson
Zum Inhalt:
Elli und Jaro sind beste Freunde seitdem sie denken können und wohnen zum Glück auch noch im gleichen Haus. Sie wollen keine Angst mehr haben und fangen an zu überlegen, wie man es schaffen könnte, den Bammel zu besiegen. Doch bevor es so richtig losgehen kann, zerstreiten die beiden sich.
Liegt es an dem neuen Mädchen? Ist Jaro in sie verliebt?
Meine Meinung:
Das ist so eine Geschichte, die man genauso als Kind erlebt. Man zerstreitet sich aus unsinnigen Gründen und braucht dann erst einmal so richtig, um wieder zusammen zu finden und es tut weh, wenn der beste Freund oder Freundin eben nicht mehr immer da ist. Aber es zeigt dann auch, dass man Wege finden kann, wieder Freunde zu sein. Dabei wird dann gleich noch erlernt, wie man Ängste überwinden kann. Das Hörbuch ist auch gut gelesen und sehr kurzweilig anzuhören.
Fazit:
Schöne Geschichte
Rezensionen von Ruth:
Denkmal für eine unkonventionelle und widerstandsfähige Frau
Man kann auch in die Höhe fallen von Joachim Meyerhoff
Mit seinem neuesten Buch ist Joachim Meyerhoffs ambitioniertes Erzählprojekt „ Alle Toten fliegen hoch“ auf mittlerweile sechs Bände angewachsen. Die treue Leserschaft ist vertraut mit der skurril-liebenswerten Familie des Autors. In seinem erfolgreichsten, auch verfilmten Buch „ Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ ( 2013 erschienen ) erfuhr man von seinem Aufwachsen auf dem Gelände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, da sein Vater dort leitender Direktor war.
Danach konnte man ihn begleiten auf seinen schauspielerischen Lehrjahren in München. Hier wohnte der Autor bei seinen geliebten Großeltern, einem exzentrischem Paar mit ungeheurem Alkoholkonsum. Es folgten Geschichten über seine ersten turbulenten Liebschaften und in seinem letzten Buch verarbeitete Meyerhoff den Schlaganfall, der ihn Anfang Fünfzig ereilte.
Waren die ersten Bücher, getreu dem Motto „ Alle Toten fliegen hoch“, liebevolle Erinnerungen an verstorbene Familienmitglieder, seinen Vater, seinen früh tödlich verunglückten Bruder, seine Großeltern, so steht nun im Zentrum seines neuesten Bandes die quicklebendige 86jährige Mutter des Autors.
Zu ihr ist Joachim Meyerhoff geflüchtet. „ Ich redete mir ein, sie bedürfe dringend meines Beistands, dabei war sie kerngesund, offensiv vital, …und kam bestens allein zurecht. Ich hingegen war derjenige, der nicht mehr klarkam und dem viele Fäden gerissen waren.“ Der Neustart nach dem Schlaganfall war gründlich misslungen. Dabei ist Meyerhoff mit viel Optimismus aus Wien weggegangen und wollte in der deutschen Hauptstadt neue Wege gehen -neues Umfeld, neues Theater, neue Kollegen. Doch bald muss er feststellen, dass ihn die Krankheit verändert hat und das nicht zum Besseren. Dünnhäutiger ist er geworden, empfindlich, leicht reizbar. Da ist Berlin mit seiner latenten Aggressivität das falsche Pflaster für ihn. Den traurigen Höhepunkt bildet dann der neunte Geburtstag seines Sohnes. Sein dortiges Verhalten ist unentschuldbar und so beschließt er, eine Auszeit zu nehmen.
Er fährt zu seiner Mutter, die in einem Haus mit parkähnlichem Garten an der Nordsee lebt. Hier will er zur Ruhe kommen, seine Schreibblockade überwinden.
Und das gelingt erstaunlich gut. Die Mutter spannt ihn ein bei Gartenarbeiten, die bei der Größe des Grundstücks nie abnehmen. Er hilft ihr, die Unmengen an Äpfel zu ernten und zu verarbeiten. Und Meyerhoff stellt fest, wie unglaublich heilsam körperliche Arbeit an der frischen Luft sein kann. Er geht mit Mutter in der Ostsee schwimmen, wobei sie sich weitaus beherzter in die Fluten stürzt als ihr zögerlicher Sohn. Gemeinsam pflegen sie ein altes Familienritual: um 18.00 Uhr ist Zeit für einen Whiskey.
Wir lesen hier nun abwechselnd vom Heilungsprozess, den diese Wochen mit der Mutter zusammen für den Autor bedeuten, und dazwischen Geschichten aus Meyerhoffs Leben.
Joachim Meyerhoff nimmt für sich nicht den Anspruch heraus, große Literatur schreiben zu wollen. Er weiß, dass das, war er schreibt, in der literarischen Hierarchie weit unten angesiedelt ist. „ Unter Literaturgattungen herrscht eine brutale Hierarchie. Es gibt Versepen, Gesänge und tausendseitige Gesellschaftsromane, die alles überdauern. Es gibt unsterbliche Dramen, deren Personal unverwüstlich durch die Zeiten schreitet. Und natürlich Lyrik, die dem Wort unsterblich einen tieferen Sinn verleiht. …Was wäre nun in einer Geografie der literarischen Formen die Anekdote? Ich wage zu behaupten: eine winzige Quelle, aus der ununterbrochen, seit Anbeginn der Zeit, das klarste Wasser sprudelt. Müde und ausgelaugt vom Besteigen literarischer Achttausender kann man sich hier erfrischen und kurz verweilen. Und natürlich war das Theater der verlässlichste Anekdotenlieferant, der sich nur denken ließ.“
Als alter Theaterhase weiß Meyerhoff unzählige Anekdoten, die er pointiert zu erzählen versteht. So z.B. von den gar nicht glamourösen Anfängen beim Kindertheater. Er kennt aus seiner Laufbahn überambitionierte Regisseure, die auch noch im „ Dschungelbuch“ ihre politische Botschaft unterbringen möchten oder Bühnenbilder, die zu einer Gefahr für Schauspieler werden können. Er schildert, wie nur durch das beherzte Auftreten einer Souffleuse, ein Stück zu Ende gebracht werden konnte. Er besucht einen Applaussammler, der mit seinem Tonband den Applaus im Gorki- Theater jahrzehntelang dokumentiert hat und einen Schauspieler, der seine Datscha nach und nach mit ausrangierten Bühnenbildern ausstaffiert und zu jedem Bauteil noch das jeweilige Theaterstück parat hat.
Auch aus seiner Kindheit steuert Meyerhoff noch das ein oder andere Erlebnis bei, so z.B. die Fahrradprüfung in der Grundschule. Sogar seinen ersten Schreibversuche aus alten Schulheften sind abgedruckt und legen ein beredtes Zeugnis ab vom Legastheniker Meyerhoff. Denn der Autor ist gnadenlos ehrlich und schont sich selbst am wenigsten.
Für den Leser ist das höchst unterhaltsam. Schon lange nicht mehr musste ich so oft und laut lachen beim Lesen wie bei diesem Buch.
Doch neben aller Komik, bei aller Absurdität werden die schmerzlichen Punkte des Lebens nicht ausgeklammert. Das macht das Buch so lesenswert.
In erster Linie ist „ Man kann auch in die Höhe fallen“ eine Liebeserklärung an die Mutter. Auf sie passe das Hölderlin- Zitat, wie der Autor in einem Interview erklärt. „ Sie wurde über einen langen Teil ihres Weges immer glücklicher.“
Obwohl es das Schicksal ihr nicht immer leicht machte, hat diese Frau nie ihren Lebensmut verloren. Ihre Vitalität, auch noch im hohen Alter, ist erfrischend und ansteckend. Wenn Meyerhoff beschreibt, wie sie auf Bäume klettert, oder wie sie mit Elan ihren Rasen mäht, ob mit Balkenmäher oder ganz bequem auf dem Aufsitzrasenmäher, dann möchte man den Hut ziehen vor ihr. Beifahrer bei ihren halsbrecherischen Autofahrten mag man dagegen nicht sein, denn laut Sohn fährt sie „ wie eine besengte Sau“.
Wie beglückend für uns Leser, dass Joachim Meyerhoff den Ratschlag seiner Mutter befolgt hat. „ Schreib doch über mich. …Ich würd mich nämlich freuen, wenn ich es lesen kann, bevor ich sterbe.“ Auch wenn sie meinte, ihr Leben sei wenig interessant, so wird das hier aufs Beste widerlegt. Mit diesem Denkmal für eine unkonventionelle und widerstandsfähige Frau ist Meyerhoff zur ganz großen Form aufgelaufen.
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