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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Bellis-Perennis:

Libanon - Mon Amour

Barfuß in Tetas Garten von Aline Abboud; Nana Heymann

Wann immer in den Nachrichten vom Libanon die Rede ist, denkt man an die verheerende Explosion im Hafen von Beirut im Jahr 2020, an Korruption und Vetternwirtschaft, an die Hisbollah sowie an instabile Machtverhältnisse. Dass es auch noch einen anderen Blickwinkel auf dieses Land, das am Mittelmeer liegt und an Syrien und Israel grenzt, gibt, zeigt uns Journalistin und Autorin Aline Abboud, deren Vater aus dem Libanon stammt und zum Studium in die DDR gereist ist.

Dort hat er seine Frau kennengelernt. Als die Mauer fällt, ist Aline drei Jahre alt. Dennoch bleibt die Familie aus finanziellen Gründen im Ost-Berliner Stadtteil Pankow wohnen. Sie geht dort aufs Gymnasium, nicht gerne, wie sie schreibt.

„Dass ist ein Pfund, dass du arabisch sprichst. Bau das ruhig aus. Daraus solltest du etwas machen.“

Die Kenntnisse der arabischen Sprache öffnet ihr die Türe zu ihrem Beruf als Journalistin und Moderatorin.

Aline Abboud entführt uns in ein Land, in dem Familie über alles geht. In ein Land, das sie, obwohl sie es zunächst nur während der Sommerferien kennengelernt hat, geprägt hat. Abboud stellt uns den Libanon aus Sicht des Kindes, der Jugendlichen und als Erwachsene vor. Schmunzeln musste ich, als sie über den Besuch des berühmten Zedernwaldes als Pubertierende erzählt. Die Zeder - einst haben dichte Wälder das Gebiet bedeckt bevor Phönizier, Römer und ander Völker dieses Holz für den Schiffsbau entdeckt haben, ist zentraler Teil der libanesischen Flagge und Identität.

Aline Abboud berichtet aber auch über Ängste, die sie und ihre in ganzen Welt verstreute Familie, ausstehen, wenn sie die Schreckensnachrichten aus Radio und TV hören und, die im Libanon verbliebenen Angehörigen tagelang nicht erreichen.

Sie geht auch der Frage nach, warum so viele junge Menschen den Libanon verlassen. Gleichzeitig berichtet sie von opulenten Hochzeiten mit Stretchlimousinen und eleganten Kleidern. Und überhaupt, kleiden sich die viele Libanesinnen und Libanesen in teure Designerware. Ein Mittel des Trotzes gegen das Regime? Oder ein Statement für die Selbstachtung in schwierigen Zeiten? Das erinnert mich daran, dass sich die Pariserinnen, als ihre persönliche Art des Widerstandes, während der deutschen Besatzung chic gekleidet haben.

Aufgeben ist für viele Libanesen keine Option, obwohl zahlreiche junge Menschen das Land verlassen. So haben Dutzende Geschäftsleute nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut 2020 wenig später ihre Geschäfte an anderer Stelle wieder eröffnet.

Fazit:

Dieser sehr persönliche Einblick in den Libanon hat mich sehr beeindruckt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

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Rezensionen von Kwinsu:

Einfühlsame Auseinandersetzung mit dem Vergessen

Alte Eltern von Volker Kitz

Volker Kitz arbeitet in seinem essayistischen Buch "Alte Eltern" die Demenzerkrankung seines Vaters auf. Äußerst gefühlvoll nähert er sich anhand seiner biographischen Erfahrung dem Thema an, erzählt die Entwicklungsgeschichte der Krankheit seines Vaters, clustert dabei gewisse Themenblöcke, beispielsweise zu Erinnerungen oder Einsamkeit, und spickt sie mit fundiertem Expert:innenwissen.

Sein Text ist literarisch, emotional und ehrlich zugleich, trotz der Schwere und Traurigkeit des Themas zieht er die Leser:innen in den Bann, lässt sie mitfühlen und schafft es auf erstaunliche Weise, die Krankheit besser zu verstehen - und wie es Angehörigen im Umgang damit ergeht. Unweigerlich fühlt man mit, erahnt die innerliche Zerrissenheit, ganz besonders in jenem Kapitel, in dem es ums Loslassen geht. Ehrlich erzählt Kitz über die eigene Ungeduld und die anfängliche Unfähigkeit, die Wesensveränderung des Vaters aufgrund der Demenz zu akzeptieren. Wunderbar gelingt es dem Autor das Leben des Vaters und auch sein eigenes zu reflektieren, erkennt, wie wenig man doch über seine Eltern eigentlich weiß, besonders über jene Generation, die es nicht lernte, Gefühle zu artikulieren. Das stete Vergessen essentieller Dinge, das Zurückentwickeln macht betroffen, nichtsdestotrotz schafft es Volker Kitz einem die Angst vor der Krankheit etwas zu nehmen.



Mein Fazit: Alte Eltern ist ein einfühlsames Annähern an das Verstehen einer Demenzerkrankung anhand sehr persönlicher Erfahrungen, untermalt mit fundiertem Expert:innenwissen. Es ist für allgemein Interessierte an der Thematik ebenso informativ wie für Angehörige, die die Krankheit besser verstehen wollen, auch um erkennen zu können, dass sie nicht alleine sind. Ich hätte mir das Buch vor 20 Jahren sehnlichst gewünscht, als ich selbst Angehörige war. Es hat mich zutiefst berührt und mir die Angst vor der Krankheit ein Stück weit genommen, deshalb kann ich nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen!

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Rezensionen von Petra Sch.:

hat mir leider nur so mittelmäßig gefallen

Die Insel der Angst von Martin Griffin

Die Dokumentarfilmerin Tess Macfarlane wird von der Firma Seawild engagiert, um mit drei anderen Mitgliedern des Unternehmens (die Biologin Dr. Alex Dahlberg, Mike Woods-Hughes und der Techniker Vinny Perriera) auf der einsamen Insel Navigaceo, die zur Inselgruppe Ilhas Desertas, nahe Madeira, gehört, die Robbenpopulation zu zählen, zu dokumentieren und zu filmen, damit die Unberührtheit der Insel weiterhin erhalten bleibt.

Doch dann entdeckt Tess in einer Bucht eine fast skelettierte Leiche, die jedoch noch nicht all zu lang in dort liegen dürfte. Doch das Ungewöhnliche ist, dass diese einen Hoodie von Seawild trägt. Tess fühlt sich nun in Lebensgefahr.

Das Setting ist toll, man hat die komplette Insel, inkl. der Bucht, des Berges und des Leuchtturms ganz genau vor Augen.
Auch die düstere Atmosphäre auf der Insel kommt unheimlich rüber, sodass man Gänsehaut bekommt, v.a. als das Wetter umschlägt.
Die Dynamik zwischen den Teilnehmern war anfangs gut, man lernt sie nach und nach kennen. Leider fand ich nur Vinny so richtig sympathisch, zu den anderen habe ich keine tiefere Verbindung aufbauen können.
Man hat später auch immer jemand anderen in Verdacht und rätselt mit, wer der Täter ist.

Es gibt auch einen zweiten Handlungsstrang: Rückblenden auf Tess' Arbeit mit Gretchen Harris vor 10 Jahren, wo Gretchen ermordet wurde.
Durch diese beiden Handlungsstränge wird es abwechslungsreich und man möchte auch wissen, was damals passiert ist.

Leider kommt Spannung erst ab der zweiten Hälfte auf, v.a. gegen Schluss, als Tess im Unwetter den Weg zum Leuchtturm sucht.
Insgesamt fand ich die Auflösung eher unglaubwürdig, auch wenn mich der Täter bzw. Drahtzieher dann doch überrascht hat. Die Figuren, allen voran Tess, haben sich manchmal unlogisch verhalten und teilweise kam es zu konstruiert rüber. Und ich konnte - zumindest Anfangs - absolut nicht nachvollziehen, warum Tess solche Angst vor ihren Kollegen hatte? Selbst, wenn einer der Mörder dieser Leiche war, hätte sie doch nichts zu befürchten gehabt. Erst später natürlich, als sie nicht aufhört zu schnüffeln und zu filmen.
Das war das nächste, was ich unlogisch fand - die Vier waren doch auf der Insel, um die Robben zu markieren, zu filmen und zu zählen usw. Das kommt genau einmal ganz kurz vor. Was machen die bitteschön den ganzen Tag lang? Ja, Tess geht heimlich die Leiche filmen. Völlig unglaubwürdig das Ganze.
Somit hat mir das Buch leider nur so mittelmäßig gefallen, auch wenn es Überraschungen hab.


Fazit:
Ein tolles, atmosphärisches Setting auf einer einsamen Insel; doch leider eine Protagonistin, die sich unlogisch verhält und auch die Auflösung konnte mich nicht so ganz überzeugen.

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Rezensionen von gerlisch:

Wie gut kennst du deine Familie

Nachtwald von Tríona Walsh

Nachdem Lizzie aus der Entzugsklinik entlassen wird, fährt sie mit ihrer Familie in den Westen Irlands. Es gibt etwas zu feiern, ihre Mutter hat wieder geheiratet und Butler Hall, ein etwas verfallenes Herrenhaus in einem düsteren einsamen Wald gehört ihrem neuen Ehemann George. Nachdem lange Funkstille zwischen ihrer Mutter und ihr herrschte, hofft Lizzie an diesem Wochenende den Familienfrieden wieder zu kitten.

Doch als plötzlich ein unerwarteter Gast vor der Tür steht, eskaliert die Situation und es gibt weit und breit keine Hilfe.
Mit einem fesselnden Schreibstil wurde ich sofort in die Story hineingesogen, auch die Atmosphäre in dem in die Jahre gekommenen Herrenhaus sowie der düsteren Umgebung versprachen einen nervenaufreibenden Thriller.
Die Zeichnung der Charaktere ist ganz gut gelungen, sie wirken lebendig und greifbar, allerdings keiner wirklich sympathisch. Gefallen hat mir hier die Entwicklung des in letzter Zeit gelittenen Verhältnisses zwischen Lizzie und ihrer Mutter.
Durch interessante Wendungen wird immer wieder Spannung aufgebaut und nach und nach treten immer mehr Geheimnisse ans Tageslicht. Leider wirkten manche Handlungen der Protagonisten unrealistisch, abgehoben und überzogen.
Ich habe lange überlegt, wie ich diese Story bewerten soll. Aufgrund des Unterhaltungswerts habe ich mich letztendlich für 4 Sterne entschieden, obwohl das Buch doch etwas von einem Thriller-Klamauk hatte.

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Rezensionen von clematis:

Prägung

Staffellauf von Joachim Zelter

Eine junge Frau malt, bekommt mit einem skurrilen Nebensatz einen Heiratsantrag und bald darauf drei Kinder. Ihr fröhliches Wesen weicht einer Depression, bevor im zweiten Teil des Buches der älteste Sohn in den Mittelpunkt rückt.

Von Episode zu Episode springend erzählt sich Joachim Zelter durch diesen Roman, was davon autobiografisch ist und was Fiktion, das darf sich der Leser selbst zusammenreimen.

Treffend in seiner Wortwahl, scharfzüngig und pointiert reiht sich ein Bild ans andere, wechseln die Themen scheinbar zusammenhanglos und verschwimmen in Gefühlen und Gedanken. Warum stimmt die Frau der Heirat zu, wie weit prägt das Verhalten der Eltern die drei Kinder? Weshalb flüchtet sich der Sohn in Lügen, oder sind es derer gar keine? Fragen über Fragen wirft der Autor auf, schildert Irrwege auf Schienen und Sackgassen im Berufsleben, schwirrt hin und her zwischen Fehlentwicklungen und flüchtig getroffenen Entscheidungen. Zeitweilig ist es schwierig, den roten Faden nicht aus den Augen zu verlieren, dann wiederum spiegeln sich Sohn und Mutter ineinander wider. Kunst ist ein zentrales Thema, prägt die Menschen in der Geschichte, wertvoll und vergänglich, so wie jeder Moment im Leben kostbar und zerbrechlich ist.

Wie kostbar dieses Büchlein ist, muss jeder selbst beurteilen, trotz der gewaltigen Eindrücke bleibe ich ein wenig ratlos zurück ob der Vielfalt an angerissenen Themen.

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Rezensionen von Lilli33:

Kein Vergleich zu Band 1 der Reihe

Eisiges Glas von Anders de la Motte


Kein Vergleich zu Band 1 der Reihe

Inhalt:
Leo Asker wurde gerade offiziell zur Leiterin der „Abteilung für hoffnungslose Fälle und verlorene Seelen“ ernannt, als sich ihr verhasster Vater nach vielen Jahren Funkstille bei ihr meldet und sie um Hilfe bittet. Er wird des Mordes verdächtigt, ist aber nicht bereit, sich kampflos auszuliefern.

Um das drohende Blutbad zu verhindern, macht Leo sich zähneknirschend auf die Suche nach dem Täter.

Leos Jugendfreund Martin Hill, ein Urban Explorer, wird auf ein privates Anwesen eingeladen, Stjärneholm, wo sich seit langer Zeit alles um UFOs dreht. Er soll ein Buch über den Patriarchen Gunnar und dessen erfolgreiches Unternehmen Alfacent schreiben, was ihm wie ein Traum vorkommt, aber schon bald zum Albtraum wird.

Meine Meinung:
„Eisiges Glas“ ist der 2. Band der Reihe um die Kommissarin Leonore Asker. Er setzt nahtlos dort ein, wo Band 1, „Stille Falle“, endete. Insofern erleichtern Vorkenntnisse den Einstieg; für den weiteren Verlauf sind sie aber nicht unbedingt notwendig. Nachdem ich vom 1. Band dieser Reihe, restlos begeistert war, freute ich mich umso mehr auf die Fortsetzung. Leider konnte diese mich nicht so mitreißen wie der Vorgängerband. Am Anfang, besser gesagt, die erste Hälfte oder sogar zwei Drittel des Buches, zieht sich die Handlung doch sehr in die Länge und kommt nicht recht voran. Wenn man sich extrem für UFOs, Außerirdische und Urban Exploration interessiert, sieht man das vielleicht anders, aber ich persönlich empfand die Story einfach nicht als interessant genug, um mich über so viele Seiten mit diesen Themen zu beschäftigen.

Außerdem hatte ich zunehmend den Eindruck, hier nichts wirklich Neues zu lesen - alles irgendwie schon mal da gewesen. Die „Abteilung für hoffnungslose Fälle und verlorene Seelen“ erinnert mit seinen skurrilen Mitarbeitern und Kompetenzrangeleien mit den angesehenen Abteilungen der Polizei immer mehr an das Sonderdezernat Q von Adler-Olsen. Und soziopathische Figuren gibt es in der Literatur natürlich auch schon en masse. Aber klar, man kann das Rad nicht ständig neu erfinden, und wenn der Krimi von Anfang an die nötige Spannung aufgewiesen hätte, wäre das auch gar nicht so schlimm gewesen.

So war „Eisiges Glas“ in meinen Augen aber einfach nur mittelmäßig. Trotzdem werde ich die Reihe weiter verfolgen, weil mich die Protagonistin Leo Asker mit ihren Ecken und Kanten fasziniert.

Die Reihe:
1. Stille Falle
2. Eisiges Glas

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Rezensionen von gabiliest:

Fulminant und bereits verfilmt: Der Kamof gegen die Organisierte Kriminalität

Finsteres Herz von Holger Karsten Schmidt

Zwei Handlungsstränge, vier Leben. So stellt uns der dreifache Grimme-Preisträger und Spiegel-Bestseller-Autor Holger Karsten Schmidt die Hauptcharaktere seines Kriminalromanes “Finsteres Herz” vor. Lona Mendt und Frank Elling sind das Ermittlerpaar, bei dem diese Geschichte beginnt. Erst als die beiden Polizisten niedergestreckt mit dem Tod ringen, treten die Sonderermittler Maja Kaminski und Hagen Dudek auf, um festzustellen, dass sie im Fall um das verschwundene bulgarische Waisenmädchen Sarah wieder ganz am Anfang stehen und in menschliche Abgründe blicken, die Mord, Menschenhandel und Kindesmissbrauch im ihrem Dunkel verbergen.

Zwei Handlungsstränge, vier Leichen. Darunter zwei Kinder. Nachlässig vergraben in einem Waldstück und als Illegale identifiziert, die niemand vermisst. Das gilt auch für die zwölfjährige Sarah, die jedem misstraut, sowohl der Polizei als auch den Menschenhändlern, die sie von Bulgarien nach Deutschland geschleust haben. Sarah ist Waise, sie sucht ihre bereits vor einem Jahr nach Deutschland geschleuste Schwester. Und nur Sarah kann helfen, den Hintermännern des Schleuserringes das Handwerk zu legen. Doch dafür müsste sie vor Gericht aussagen. Also kommt Sarah mit zwei weiteren Zeugen in ein Safe House, bewacht von Mendt und Elling- aber das Versteck wird verraten, Mendt und Elling sind lebensgefährlich verletzt. Sarahs Flucht beginnt aufs Neue, denn nun jagen sie nicht nur die Menschenhändler, sondern es ist klar- bei den Ermittlungsbehörden gibt es einen Maulwurf. Staatsanwalt Rost hat einen Verdacht und Maja Kaminski ermittelt nicht nur gegen die Verbrecher sondern auch in den eigenen Reihen.

Zwei Handlungsstränge, vier Schicksale:
Kommissarin Lona Mendt lebt angstbefreit- ihr ist das Schrecklichste widerfahren, das einem Menschen passieren kann. Sie hat ihre zwei Kinder und ihren Mann bei einem Flugzeugabsturz verloren. Nunmehr sind ihr die Folgen ihres Handelns gleichgültig, sie lebt in ihrem Wohnwagen, immer auf der Suche. Wonach? Die Antwort liegt bei Sarah und in Mendts Herz, das langsam wieder zu fühlen beginnt.

Frank Elling ist ein Polizist, der nicht immer den geraden Weg geht und Recht und Gerechtigkeit unterscheidet. Er liebt seine Tochter und sein Leben, das aber ohne sein Wissen schon lange Zeit an einem seidenen Faden hängt. Und ohne Zögern stellt er sich den Angreifern entgegen, die das Safe House überfallen, im Bewusstsein, dass das wahrscheinlich seinen Tod bedeuten wird.

Als Kommissarin Maja Kaminski von der Bundespolizei und Kommissar Hagen Dudek vom LKA den Fall übernehmen, geht es nicht nur um die Suche nach Sarah, sondern vor allem auch um die Suche nach den Hintermännern, einem verbrecherischen Clan, dessen Netzwerk sich über Bulgarien nach Polen und Deutschland erstreckt. Mafiaähnliche Strukturen sind der Hintergrund von geschleusten und ausgebeuteten Arbeitskräften sowie Kindern, die direkt aus Waisenhäusern kommen, gekennzeichnet nur mit einem Ring als “besondere Kinder“, solche, die verschwinden und nie in das Waisenhaus zurückkehren.

Zwei Handlungsstränge, die zum Jahreswechsel 2006/2007 in einander übergehen. Mendt und Elling kämpfen um ihr Leben, Kaminski und Dudek verfolgen den Fall weiter. Das Ermittlerduo hat gewechselt, Not und Elend sind gleich geblieben: Kinder, die in Waisenhäusern sehnlichst darauf warten, adoptiert zu werden. Geschleuste Kinder und Erwachsene, ausgebeutet von einem verbrecherischen System und von der Gesellschaft weitgehend unbemerkt. Abhängig und erniedrigt. Und doch zu verängstigt, um gegen ihre Peiniger auszusagen.

Holger Karsten Schmidt hat nicht nur einen eindringlichen, berührenden und Entsetzen auslösenden Kriminalroman vorgelegt, sondern er legt den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft, die gerne wegsieht, wenn es sich um Ausbeutung und Missbrauch handelt. Im Roman “Finsteres Herz” kommen die Täter auch aus den höchsten gesellschaftlichen Schichten und sind so sehr in staatlichen Strukturen und Beziehungen verwoben, dass ihre Entdeckung und Verfolgung schwer möglich ist, da sie einen Skandal bedeuten würde. Macht und ihr Missbrauch sind hier wichtige Themen, Abhängigkeit und falsche Loyalität sowie Gewalt schützen verbrecherische Netzwerke. In einem Roman, der den Spannungsbogen bis zum “bitteren” Ende hält und das Geschehen in authentischer und bildhafter Sprache darstellt, kann man sich sowohl den Gefahren der Situation, den Gefühlen der Protagonisten sowie der Szenerie des Rostocker Umlandes nicht entziehen. Schon das genau zum Thema passende Cover zeigt: “Hier bist Du, Mensch, alleine und Dein Weg führt ins Ungewisse”.

In diesem Szenario nimmt der Autor die Lesenden nicht nur in menschliche Abgründe mit, sondern wirft sie in einigen Passagen auf die Kernpunkte ihres Seins zurück. Da ist kein Sinn und kein Trost im Tod, vor allem, wenn dieses Schicksal Kinder betrifft. “Das Universum war, und der Mensch verging. Es ging nur darum, es auszuhalten”. Und darum, einen Moment inne zu halten, um diesen Worten nachzuspüren.

“Finsteres Herz” ist ein nachdenklich machendes Buch, eine vielschichtige, realitätsnahe und zeitgemäße Bestandsaufnahme der dunkelsten Seiten unserer Gesellschaft und einfach ein großartiger Roman. Daher von mir eine absolute Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.

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Rezensionen von CanYouSeeMe:

atmosphärisch

Unmöglicher Abschied von Han Kang

Nachdem ich über "Die Vegetarierin" auf Autorin Han Kang aufmerksam geworden bin, war ich sehr gespannt auf ihr aktuellstes Werk. Dabei wird schon im Klappentext deutlich, dass hier reale koreanische Geshichte mit einer fiktiven Geschichte verknüpft wird.
Die Sprache in Übersetzung durch Ki-Hyang Lee liest sich flüssig, ist jedoch auch durchaus umschreibend und poetisch.

Der Storyaufbau gliedert sich in drei Teile, wobei mich die Konstruktion um die beiden Freundinnen Inseon und Gyeongha doch teils verwirrt hat. Unklare Handlungsverläufe und Zwischentöne kannte ich bereits von Autorin Han Kang, dennoch bin ich hier an meine persönlichen Grenzen gestoßen: Wer lebt und wer ist tot? Die Erzählung bewegt sich fließend auf der Grenze zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit. Diese Frage (Was ist real?) hat mich mitunter mehr beschäftigt als die eigentlich zugrundeliegende Story: die Aufarbeitung der Massaker auf Jeju.
Trotz der Schilderung brutaler Morde legt Kang den Fokus auf die zwischenmenschlichen Ebenen, auf persönliches Leid, Wachstum und Entwicklung. Das hat mir gefallen. Ich hatte zwischenzeitlich das Bedürfnis mich zu den historischen Kontexten belesen zu mmüssen, um besser zu verstehen. Andererseits sind Kriegsverbrechen oft unverständlich, egal wie viele Fakten man kennt.
Insgesamt hat mir das Buch gefallen, es hat mir aber auch Fragezeichen hinterlassen und wirkt mehr durch die besondere Atmosphäre, die es zu schaffen vermag.

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Rezensionen von Ameland:

Ermittlungen im viktorianischen London

Der tote Antiquar von Limehouse von Ann Granger

In seinem 9. Fall verschlägt es Inspector Benjamin Ross von Scotland Yard in die gesellschaftlich nicht gerade bevorzugten Stadtteil Limehouse. Der etwas exzentrische und nebulöse Antiquar Jacob Jacobus wurde ermordet. Gleichzeitig wird er mit der Aufklärung des Diebstahls eines wertvollen Colliers betraut, der im wesentlich besser gestellten Stadtteil Hampstead stattgefunden hat.

Mir hat die akribische und unvoreingenommene Herangehensweise des sympathischen Inspectors bei seinen Ermittlungen gut gefallen. Bemerkenswert für jene Zeit ist sicherlich, dass er seine Frau Lizzie Martin nicht nur die Geschehnisse schildert, sondern auch ihre Gedanken dazu abwägt und gegebenenfalls berücksichtigt. Auch die Figur des Hehlers Jacob Jacobus fand ich trotz seiner leicht kriminellen Ader irgendwie liebenswert. Nur schade, dass er so schnell das zeitliche segnen musste. Weniger sympathisch sind da die besser gestellten Personen, die hochnäsig daherkommen und meinen, sich ihre Regeln selbst machen zu können.

Ich habe schon einige Bücher von Ann Granger gelesen und bin jedes Mal aufs Neue von ihrem Schreibstil begeistert. Sie schafft es hervorragend den viktorianischen Zeitgeist einzufangen und scheut sich auch nicht davor, bei ihren Beschreibungen ins Detail zu gehen. So bekommt man als Leser ein ziemlich genaues Bild von der Mode, den gesellschaftlichen Gepflogenheiten, aber auch von den sozialen Diskrepanzen zwischen den Gesellschaftsschichten sowie den herrschenden Missständen.

Dieser historische Krimi mit Mord, Diebstahl und Familiengeheimnissen in einem exklusiven Schreibstil verfasst, war für mich das reine Lesevergnügen.

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Rezensionen von brauneye29:

Hat mir gefallen

Still ist die Nacht (Ein Fall für Maya Topelius 2) von Sandra Åslund

Zum Inhalt:
Eigentlich will Maya nur eine Auszeit mit einem Yoga-Retreat auf einer abgelegenen Schäreninsel machen, doch es soll anders kommen. Schon am ersten Abend auf dem Mittsommerfest gibt es Streit und am nächsten Tag wird ein Toter gefunden. Die Insel wird abgeriegelt und Maya ermittelt verdeckt.

Als es einen zweiten Mordfall gibt, kippt due Stimmung auf der Insel endgültig.
Meine Meinung:
Diesmal ist Maya zunächst nicht offiziell tätig, steht aber mit ihrem Kollegen in Kontakt und das ist auch gut so, denn so hat sie die Chance unauffällig zu ermitteln und dem Kollegen damit zu unterstützen. Und mehr als einmal begibt sie sich auch damit auf dünnes Eis, doch sie geht geschickt vor und nach und nach lüftet sich das Dunkel um die Todesfälle. Mir hat der zweite Teil wieder gut gefallen, gerade auch das schwedische Setting mag ich sehr. Die Auflösung fand ich schlüssig. Der Schreibstil war wieder gut und das Buch liest sich flott weg.
Fazit:
Hat mir gefallen

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