Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Nicole Koppandi:
Hinter den Kulissen der 24-Stunden-Pflege
Halbe Leben von Susanne Gregor
Klara trifft die Entscheidung, dass ihre Mutter Irene, die seit dem Schlaganfall bei ihr eingezogen ist, eine Pflegerin zu Hause benötigt. Paulina bekommt sie über die Agentur vermittelt: es handelt sich um eine Krankenschwester aus der Slowakei, die dringend Geld benötigt, da sie als Alleinerziehende für ihre beiden Söhne aufkommen muss.
Die beiden Söhne, zehn und vierzehn Jahre alt, geben sich unabhängig und selbstständig. So denkt Paulina, dass das schon gut gehen wird, da die Ex-Schwiegermutter während ihrer Abwesenheit die beiden Buben versorgt. Es sind immer nur vierzehn Tage in Österreich, dann ist sie ebenso lange wieder daheim.
Paulina kümmert sich perfekt um Irene und ist eine Perle für die ganze Familie. Sie sorgt sich nicht nur um die Mutter, sondern bereitet das Essen für alle vor, putzt und versorgt auch den Hund Charlie.
Zunehmend werden immer mehr Aufgaben an Paulina übertragen – alle immer nur ausnahmsweise, zB wird sie ersucht, länger als die vierzehn Tage zu bleiben – sie bekommt ihre Sonderaufgaben zwar entsprechend monetär abgegolten. Paulina ist jedoch abhängig von diesem Job, sie kann nicht nein sagen und gleichzeitig merkt sie, dass ihre eigenen Kinder sie sehr brauchen. Immer mehr steigt der Groll gegen die Familie, schleichend und sehr subtil. Die ständigen Grenzüberschreitungen und der Umgang damit werden großartig beschrieben, sowohl das Innenleben und die Motivation von Klara, als auch das, was sich Paulina dazu denkt und wie sie für sich Konsequenzen daraus zieht. Es geht um Macht und Abhängigkeit – auf beiden Seiten.
Ein wahnsinnig toller Roman über zwei Frauen aus unterschiedlichen Lebenswelten, die hier aufeinandertreffen.
Absolute Empfehlung!
Rezensionen von Miro:
Was für eine wunderschöne Geschichte!
Für Polina von Takis Würger
Polina und Hannes lernen sich quasi im Krankenhaus kenne. Frisch geschlüpft liegen sie mit ihren Mütter in einem Zimmer. Beide bekommen keinen Besuch. Beide haben keine ordentlichen Väter vorzuweisen und Großeltern lassen sich auch nicht blicken. Da liegt es nahe, dass die beiden jungen Mütter zusammenhalten und so kommt es, dass sich Hannes und Polina ihr ganzes Leben lang kennen.
Wie Geschwister wachen sie auf und lernen sich lieben, obwohl sie sehr verschieden sind. Polina ist schlau, schnell im Denken und geschickt in der Schule. Das kann man von Hannes nicht behaupten. Er kämpft mit allem, was er zu lernen hat, ist empfindlich und fühlt sich ständig überfordert. Doch er hat ein ganz besonderes Gehör und ein ganz besonderes Talent, Klavier zu spielen.
Schon in jungen Jahren komponiert er ein Stück, dass Polinas Charakter widerspiegelt, denn Hannes denkt eher in Melodien, als in Bildern.
Doch Hannes hat wenig Glück im Leben und so kommt es, dass seine unbeschwerte Kindheit früh endet und er auch Polina verliert. Es braucht einige Jahre der Selbstkasteiung, bis Hannes begreift, dass auch er Schuld an seinem Schicksal trägt und so findet er wieder zur Musik um seine Polina wiederzufinden.
Bis jetzt mochte ich alle Romane von Takis Würger. Er konnte mich mit jedem einzelnen begeistern, doch diesen Roman liebe ich. Es ist eine wunderschöne Liebesgeschichte, ein tragischer Schicksalsroman, ein Buch über Freundschaft und ein Buch über Verluste. Die Geschichte hat mich sehr berührt und ich kann schon jetzt sagen, dass es ein Highlight in diesem Lesejahr ist. Ich fühle mich dankbar, solche Geschichten lesen zu dürfen!
Rezensionen von Gaby 2707:
Ein toller Debütroman
Middletide - Was die Gezeiten verbergen von Sarah Crouch
Elijah, der mit seinem Vater in einer Hütte im Wald lebt und Nakita vom Stamm der Squalomah verbindet nicht nur eine innige Freundschaft. Als Elijah seine Heimatstadt Point Orchid verlässt um seinen Schulabschluss zu machen, verspricht er Nakita nach vier Jahren zu ihr zurück zu kommen. Aber darauf wartet Nakita vergebens.
Elijah jagt seinem Traum, ein erfolgreicher Schriftsteller zu werden, nach. Nach vielen Jahren kehrt er, der mit seinem Buch keinen Erfolg hatte, voller Versagensängsten in seine Heimat zurück. Hier fängt ihn Chitto Begay, der Freund seines verstorbenen Vaters auf und er lernt die Ärztin Erin Landry kennen. Als Erin an einem Baum hängend auf seinem Grundstück gefunden wird und der inszenierte Selbstmord sich als Mord herausstellt, gerät Elijah schnell in den Fokus der Ermittlungen.
Das Cover, das eine bewaldete Landzunge zeigt, macht einen ruhigen Eindruck. Und genau so ruhig empfinde ich die ganze Geschichte. Aufgeteilt in zwei Erzählstränge, die sich dann immer weiter annähern, erlebe ich die Rückkehr von Elijah nach Point Orchid in das Haus seines Vaters, das nun ihm gehört. Allein die Beschreibungen der Umgebung und des ruhigen Lebens, das Elijah hier führt, haben einen hohen Wohlfühlfaktor. Auf der anderen Seite bin ich bei den Ermittlungen zum Tod von Ärztin Erin Landry dabei, die sich äußerst spannend gestalten.
Die Menschen, die ich hier kennenlerne, haben alle ihre Ecken und Kanten, ihren ganz eigenen Charakter. Durch die bildhaften Beschreibungen kann ich mir sie und auch die Umgebung in der sie leben, sehr gut vorstellen.
An die dauernden Zeitenwechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart musste ich mich erst gewöhnen. Durch die genauen Daten, die vor jeden neuen Kapitel stehen, bin ich aber schnell in die jeweilige Zeit rein gerauscht.
Ein Debütroman so voller Liebe, Freundschaft, Sehnsucht, Enttäuschung, Hass, Hoffnung, Misstrauen Verrat, Trauer und Spannung, der aber trotzdem ein wohliges Gefühl von Heimat und Zusammenhalt vermittelt. Einfach, weil man hier immer an das Gute glauben kann.
Eine Liebe, an die sie nicht mehr glaubten und eine Tat, die alles zu zerstören droht. Die Geschichte einer Liebe, ein spannender Thriller und interessante Gesellschaftsstudien machen dieses Buch für mich zu einem einmaligen Leseerlebnis. Ich hoffe, dass ich bald mehr von Sarah Crouch zu lesen bekomme.
Rezensionen von Nicole Koppandi:
Die Geschichte von Davos
Der Zauberberg, die ganze Geschichte von Norman Ohler
Norman Ohler fährt 2023 mit seiner 14-jährigen Tochter Suki und Freunden zum Schifahren nach Davos. Anstatt sich dem Schifahren zu widmen, geht er der Historie des weltberühmten Ortes nach.
Zu Beginn des Romans wird der Frage nachgegangen, wie Davos im 19. Jahrhundert zu einem Luftkurort wurde.
Wie es dazu kam, dass reiche Menschen sich dort über Monate hinbegaben, um sich von der Tuberkulose, damals auch als Schwindsucht bezeichnet, Heilung erhofften. Norman Ohler erzählt, wie Hotels und Sanatorien sich auf ihr Klientel einstellten und die Fachärzte in Davos „regierten“. In der Nacht wurden die Toten heimlich abtransportiert – mit einem Schlitten ins Tal verbracht.
Ein ausführlicher Teil des Buches widmet sich dann dem Zauberberg von Thomas Mann und dem Aufenthalt von Katia Mann in Davos.
Er berichtet, dass Hans Christian Anderson, der Schriftsteller Klabund und Robert Louis Stevenson dort waren, und Sir Arthur Conan Doyle hier das Schifahren erlernte. Interessant fand ich, wie aus dem kleinen Bergdorf eine Destination der Reichen wurde – aufgrund der Sanatorien, die dort um viel Geld Heilung von der damals tödlichen Tuberkulose versprachen.
Auch von den Nazis blieb Davos nicht verschont. Es wurde dort das erste Attentat auf einen Nazi verübt, dass weitere Konsequenzen für die Schweiz nach sich zog und die Schweiz so nazifrei blieb.
Viel Neues habe ich erfahren, so zB dass eine Forschungseirichtung zu Lungenerkrankungen dort eingerichtet wurde, um wissenschaftlich zu beweisen, dass der Luftkurort wirklich half (leider gelang dieser Beweis nicht). Es wurden auch jährliche Konferenzen veranstaltet, zu denen unter anderem Einstein und Heidegger eingeladen waren.
Erst Jahre später fanden die Weltwirtschaftskonferenzen dort statt, die Davos den elitären Anstrich verliehen, der heute als bekannt gelten kann.
Nicht zuletzt setzt sich der Roman auch mit der Frage auseinander, wie sich Schifahren und Klimaschutz zueinander verhalten.
Ich fand dieses Buch großartig, kurzweilig, informativ und interessant.
Rezensionen von Lesendundspielenddurchsleben :
The Fake Mate - Die Liebe ist eine Bestie für sich von Lana Ferguson
Das Trope Fake dating / Fake Beziehung gemischt mit Werwolf- Setting stellte ich mir spannend vor. Deshalb wollte ich das Buch auch lesen. Ich fand, dass beide Aspekte die Geschichte auch über weite Teile bestimmten. Es geht um 2 Werwölfe, die beide unter Menschen leben und ihren Status auch nicht geheimhalten, dass sie grundsätzlich Werwölfe sind.
Ihren Status innerhalb der Werwolf-Hierarchien hielten sie aber schon geheim, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen. Nun kommen beide Parts in die Situation, einen Partner zu brauchen. Was dabei herauskommt, liest man dann im Buch.
Der Schreibstil ist sehr locker und lustig zu lesen fand ich das Buch auch. An manchen Stellen wurde es mir etwas zu abgedreht und auch zu viel Spice - da sind die Geschmäcker aber bekanntlich sehr verschieden. Mein Eindruck war einfach, dass die grundherum-Geschichte manchmal ein wenig mehr Platz einnehmen hätte können, etwa auch die Szenen bei den Eltern oder die Gespräche mit Freunden und dafür andere Szenen hätten etwas gekürzt werden können. Insgesamt jedenfalls sehr unterhaltsam, wenn man sich auf die Werwolfsgeschichte einlassen kann und da ein paar schräge für mich neue Aspekte kennenlernen möchte!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine Leseempfehlung!
Wie Diktatoren stürzen von Marcel Dirsus
Als Milizionäre am 8. Dezember 2024 die Einnahme von Syriens Hauptstadt Damaskus verkünden, ist eine langjährige Diktatur kollabiert. Während über dem Palast von Bashar al-Asad dunkle Rauchwolken hochstiegen, feierte am anderen Ende von Damaskus eine Menschenmenge die Flucht des verhassten Diktators.
Vor der fahnengeschmückten Umayyaden-Moschee tönt es aus einem Lautsprecher:
«Wir verkünden euch den Sieg der großen syrischen Revolution! Der Sieg nach dreizehn Jahren Geduld und Opfer!»
Die bange Frage, die sich zahlreiche Minderheiten und vor allem die Frauen stellen ist: Was kommt danach? Eine Demokratie, wie wir sie aus West- und Mitteleuropa kennen, vermutlich nicht.
Ist der Fall des Diktators wirklich überraschend? Wieso geschieht der Fall meist abrupt? Und weshalb ist das brutalste Regime der Welt (Nordkorea) nach 77 Jahren immer noch an der Macht?
Marcel Dirsus zeigt in diesem Buch, wovon es abhängt, dass eine Alleinherrschaft implodiert. Dazu hat er akribisch geforscht und unter anderem mit Anführern von Revolutionen, mit Rebellen und Soldaten auf der ganzen Welt Gespräche geführt.
In den folgenden zehn Kapiteln gewährt er seinen Lesern einen Blick in das Innere der Machtstrukturen von Diktaturen. Gleichzeitige erklärt er, welche Faktoren den Sturz eines Diktators auslösen.
Einleitung: The Golden Gun
Die Tretmühle des Diktators
Der Feind im eigenen Haus
Das Militär schwächen
Rebellen, Waffen und Geld
Feinde im In- und Ausland
Wer schießt, verliert
Keine andere Option
Vorsicht vor dem, was man sich wünscht
Wie man Diktatoren stürzt
Anhand von Beispielen aus der Gegenwart und der Geschichte entwickelt er eine Systematik, die es erlaubt, den Mechanismus der Macht zu verstehen.
Für Diktatoren gibt es kaum Ausstiegsszenarien: Macht oder deren Verlust, der häufig mit Exil oder Tod endet. Dass ein autoritärer Machthaber gefangen genommen wird wie Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic, kommt eher selten vor. Beide wurden unter anderem wegen Völkermords vor Gericht gestellt. Hussein verurteilt und hingerichtet. Milosevic erlebt das Ende des Prozesses nicht mehr.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem interessanten Sachbuch, das sich eingehend mit dem Sturz von Diktaturen beschäftigt, 5 Sterne.
Rezensionen von Veronika:
Nett für Zwischendurch
Degrees of Engagement von Jennifer Hennessy
Nach dem Klappentext konnte ich es kaum erwarten das Buch zu lesen, leider wurde ich nicht komplett überzeugt. Die Idee hinter der Geschichte finde ich einfach so toll, denn Frauen haben es doch oft noch schwer, wenn sie Karriere machen wollen anstatt oder bevor sie sich der Familienplanung widmen. Auch das Trope Fake Dating habe ich sehr gerne, aber anscheinend überzeugt mich nicht jedes Buch.
Die Geschichte ist aus der Erzählperspektive geschrieben, dabei geht es abwechselnd um das Leben von Bianca und Xaver. Bianca lädt alle ihre Freunde zu ihrer Feier zur Verleihung ihres Doktortitels ein, doch es kommt nur ihre Unibetreuerin und ihr Kommilitone Xaver. Bianca selbst war bei allen Junggesellenabschieden, Hochzeiten und Babyparties im für ihre Freunde da. Nach eine paar Shots beschließen die beiden eine Fake Verlobung öffentlich zu machen und prompt sind alle Freunde Feuer und Flamme für den Mann an ihrer Seite. Doch bald schon können die beide nicht mehr unterscheiden ob echt oder Fake.
Eigentlich hätte das Buch so gut Ansätze, doch mir gefiel die Umsetzung nicht so ganz. Den Protagonisten fehlt es an Tiefe und Stärke, sie stehen sich oft viel zu sehr selbst im Weg. Durch die Erzählperspektive ist immer eine gewisse Distanz entstanden und man konnte sich schwer in denjenigen einfühlen. Die Liebesgeschichte an sich finde ich gut gelungen, ich mag es, dass es sich eher langsam entwickelt. Alles in allem ein nettes Buch für zwischendurch aber kein Muss es zu lesen.











