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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Lilli33:

Geniale Story mit leichten Längen

Der letzte Mord am Ende der Welt von Stuart Turton

Geniale Story mit leichten Längen

Inhalt:
Irgendwo im griechischen Mittelmeer befindet sich die letzte bewohnte Insel der Welt. Alles andere Leben wurde durch einen ominösen Nebel ausgelöscht. Hier auf der Insel haben es drei Wissenschaftler*innen geschafft, eine Barriere gegen den Nebel hochzuziehen.

Doch dann geschieht ein Mord, und die Barriere fällt. In 107 Stunden wird auch diese Insel verschlungen werden und die Menschheit endgültig aussterben - es sei denn, der Mörder wird gefunden. Dann wird Abi, eine künstliche Intelligenz, die das Leben der Dorfbewohner*innen steuert, die Barriere wieder hochziehen.

Meine Meinung:
Die Bücher von Stuart Turton sind immer etwas ganz Besonderes und lassen sich nicht einfach in eine Schublade stecken. Auch mit „Der letzte Mord am Ende der Welt“ berührt er diverse Genres. Am ehesten würde ich den Roman als dystopischen Krimi mit viel Gesellschaftskritik bezeichnen.

Die Handlung beginnt langsam, und zunächst waren mir viele Hintergründe absolut unklar. Ich kam mir beim Lesen vor, als würde ich im Nebel stochern. Das ist aber nicht negativ gemeint, sondern macht das Lesen umso spannender. Mit jedem neuen Kapitel steigt man mehr durch - oder auch nicht. Denn die Geschichte entwickelt sich nicht geradlinig. Unvorhersehbare Wendungen werfen einen (bzw. die Ermittlerin Emory) bei der Ermittlung des Täters immer wieder zurück. Dass Emory mit Sherlock Holmes verglichen wird, fand ich dabei etwas übertrieben, denn ganz so haarscharf sind ihre Schlussfolgerungen nicht. Trotzdem habe ich mich gerne darauf eingelassen, mich an ihrer Seite durch diesen Wirrwarr an Ereignissen zu wühlen und schließlich die Symbiose zwischen Wissenschaftler*innen und Dorfbewohner*innen zu verstehen.

Emory war mir gleich sehr sympathisch, unterscheidet sie sich doch von den übrigen durch ihre leicht rebellische Art. Während die anderen brav alles tun, was ihnen gesagt wird, hinterfragt Emory die Dinge und gibt keine Ruhe, bis sie Antworten hat. So lag es nahe, ihr die Ermittlungen zu dem Mord zu übertragen. Und Emory gibt ihr Bestes, gegen alle Lügen und Widerstände.

Von ein paar Längen im Mittelteil abgesehen, fand ich dieses Buch richtig gut. Die Hintergründe sind interessant und der Schreibstil fesselnd. Empfehlenswert für alle, die das Besondere suchen.

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Rezensionen von Frechdachs:

Vom Aufstieg und Fall des "Tausendjährigen Reichs" - Uns allen zur Mahnung

Ginsterburg von Arno Frank

Arno Franks aktueller Roman "Ginsterburg" greift ein hochaktuelles Thema unserer dunkelsten Stunde in unserer jüngeren Geschichte auf.

Franks Roman kommt meiner Meinung nach genau zur richtigen Zeit. Aktuell erhält nationalistisches, faschistisches und rassistisches Gedankengut wieder immensen Auftrieb in unserem schönen Deutschland.

Gesellschaftsgruppen werden gegeneinander ausgespielt und vorschnell sind jeweils die (vermeintlich) Schuldigen ausgemacht.

Mit Frank reisen wir zurück ins letzte Jahrhundert und betrachten dabei das fiktive Örtchen Ginsterburg ins all seinen Facetten. Das NS-Regime hat längst die Zügel in der Hand und Frank nimmt uns mit zu den Anfängen des aufblühenden NS-Regimes anno 1935. Im weiteren Zeitstrahl begleiten wir dann die Protagonisten während der Blütezeit anno 1940 und während des Niedergangs im Jahr 1945.

Gerade solche Bücher sind es wert, unsere jüngere unheilvolle Geschichte weiterhin präsent zu halten, damit solche Zeiten nie mehr geschehen mögen.

Gleich zu Beginn holte mich Franks Erzählung komplett ab, als er mich direkt in die Szenerie eines Absturzes eines britischen Lancaster-Bombers hineingeworfen hatte. Diese Szenerie rund um den Briten Alfie, einer aus der Bomber-Crew, taucht dann immer wieder bruchstückhaft während der weiteren Erzählung auf.

Ich hätte damit gerechnet, dass Arno Franks Erzählung komplett fiktiv erzählt wird, allerdings verwebt Frank dann doch real existierende Personen (Lothar Sieber und Erich Bachem) von damals mit dem fiktiven Ort Ginsterburg, ohne dass der Autor darauf speziell in einem dafür geeigneten Nachwort näher darauf eingeht. Genau diese Aufklärung hätte ich persönlich dann doch vorausgesetzt und auch erwartet.

Die Stilistik von Franks Roman ist durchweg geprägt von sehr bildhaften Beschreibungen und eher sanften leisen Tönen. Er arbeitet dabei auch sehr viel mit Metaphern und lässt die damalig menschenverachtende und grausame Zeit auf ganz eigene Art und Weise wiederauferstehen, als ich es mir persönlich vorher ausmalte.

Die Bindung zu den Hauptcharakteren hätte meiner Meinung nach sehr viel enger sein dürfen. Mitunter kam es mir persönlich so vor, dass man auch bei den Haupthandelnden Lothar und Merle dann nicht wirklich die zeitliche Entwicklung gut nachvollziehen konnte. Der Halbwaise Lothar, zunächst abgeneigt von der Hitlerjugend, wird dann über ein Jugendlager zum wahren Fliegerass und Helden des NS-Regimes. Genau diese Entwicklung hätte ich persönlich sehr viel ausführlicher lesen wollen. Gerade seine Mutter Merle war eigentlich alles andere als eine Befürworterin des NS-Regimes und dessen braunen Gedankenguts.

Durch die eher leisen Töne und die sprunghafte Erzählung, ohne die Entwicklung der Charakteren gut nachvollziehen zu können flacht der Roman nach meiner Meinung leider viel zu schnell ab und kann dies auch bis zum dramatischen Finale hin auch nicht mehr aufholen.

Das Thema selbst, wie eine zivilisierte Gesellschaft für die Ideen der damaligen Rattenfänger eigenommen werden konnte und wer welche Rollen darin übernahm, ist unheimlich wichtig, um zu erkennen, dass wirklich jeder ein kleines Zahnrad im damaligen Regime darstellte. Leider und spreche hier wirklich von leider spricht mich persönlich die stilistische Umsetzung von Arno Frank viel zu wenig an.

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Rezensionen von yellowdog:

Klara und Paulina

Halbe Leben von Susanne Gregor

Halbe Leben ist ein bei Zsolnay erschienener zeitgenössischer Roman mit relevanten Thema.
Nachdem Klaras Mutter Irene einen Schlaganfall hatte und pflegebedürftig ist, stellt sie die aus der Slowakei stammende Pflegerin Paulina ein. Schon bald ist Paulina unverzichtbar für die Familie, die neben Irene aus Klara, ihren Mann Jakob und der 11jährige Ada besteht.

Da bereits auf der ersten Seite erzählt wird, wie Klara durch Sturz von einem Berg ums Leben kommt, ist man als Leser gespannt, wie die Zusammenhänge sind.
Paulina, die zwei Söhne hat, fährt regelmäßig nachhause, wird aber immer mehr von Klara vereinahmt, besonders nachdem Irene einen zweiten Schlaganfall erlitten hat.
Paulina steht immer mehr unter Druck. Stets pendelnd muss sie immer mehr leisten.

Susanne Gregors Sprache ist dicht und stimmungsvoll. Sie kann einfühlsam erzählen und gibt den Figuren eigene Stimmen. Das macht Halbe Leben neben dem zwingenden Plot zu einem großartigen Roman.

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Rezensionen von Frechdachs:

Verloren im rätselhaften unterirdischen Bücherlabyrinth

Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen von Alina Metz

Das aktuelle Kinderbuchdebüt "Tinte, Staub und Schatten - Das Buch der Verlorenen" von Alina Metz klang für mich alleine vom Teasertext und der Leseprobe her sehr spannend.

Metz große Stärke ist es, die Lesenden direkt in das beschriebene Szenario hineinzuziehen. Ohne großes Vorgeplänkel wähnt man sich direkt an der Seite der sechzehnjährigen Minna, die "notgedrungen" in die Fußstapfen ihrer verschollenen und totgeglaubten Mutter tritt und beim kauzigen Antiquar Raban Krull eine Ausbildung zur Büchersucherin antritt.

Die verschiedenen Charakteren in der Story sind gut greifbar, auch wenn ich mir persönlich hier noch mehr Tiefe gewünscht hätte.

Die Story selbst ist vielleicht passend zum eher unübersichtlichen unterirdischen Bücherlabyrinth meiner Meinung nach eher ausbaufähig. Hier hätte ich mir persönlich zur Büchersucher-Ausbildung selbst mehr Informationen erwartet. Dazu gibt es quasi leider nahezu nichts zu lesen.

Phasenweise war für mich die Erzählung auch etwas langatmig, ohne dass man relevante Details erfahren hat. Zum Ende hin überschlagen sich dann einige Dinge und es bleiben für mich persönlich viel zu viele Fragen offen, als diejenigen, welche beantwortet werden. Dies ist vielleicht dann allerdings auch dem Tatbestand geschuldet, dass der abschließende zweite Band im Herbst 2025 erscheint.

Die verschiedenen Charakteren lassen leider eine gewisse Tiefe und auch Nähe vermissen und so bleibt immer eine gewisse Distanz zu den entsprechend Handelnden.

Für mich wirkt der erste Band der neuen Jugend-Fantasystory leider nicht ganz so ausgeklügelt wie von mir zunächst erwartet.

So ist es zwar noch ein solider Auftakt, der allerdings auch sehr klar seine Höhen und Tiefen zeigt. Ich persönlich weiß leider aktuell noch nicht, ob ich dann ein weiteres Mal mit Minna und ihren Gefährten in die Katakomben zum Bücherlabyrinth absteigen werde.

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Rezensionen von PeLi:

Träumen alleine reicht nicht

Achtzehnter Stock von Sara Gmuer

In "Achtzehnter Stock" von Sara Gmuer geht es um die alleinerziehende Mutter Wanda und ihre kleine Tochter Karlie. Die beiden leben im Achtzehnten Stock eines Berliner Plattenbaus. Wandas größter Wunsch ist es, aus diesem Problemviertel rauszukommen, sie träumt von einem glamourösen Leben als Schauspielerin, doch, außer ab und zu mal einen kleinen Werbefilm, hat sie noch nichts gedreht.

 

Die Wohnung oder eigentlich das ganze Haus eine Bruchbude, der Aufzug nicht zu nutzen, weil er ständig von den Mietern als Müllhalde benutzt wird und im Kühlschrank herrscht gähnende Leere. 

Doch Wanda ist sich zu fein, einen ganz normalen Job zu suchen, um sich und ihr Kind ernähren zu können. Hartz 4 will sie auch nicht beantragen, sie schaut eher auf die anderen Mütter im Haus herab, die von Hartz 4 leben. Andererseits ist sie sich aber nicht zu fein, von diesen Müttern, auf die sie herabschaut, immer wieder was zu schnorren oder ihr Kind bei der Nachbarin unterzubringen, wenn sie selbst unterwegs ist zu irgendwelchen Castings. 

Als Karlie sehr krank wird, macht sie sich zwar Vorwürfe, weil sie sich dann doch ein bisschen schuldig fühlt, dass es so weit kommen konnte, sie kümmert sich dann auch um ihre Tochter, doch irgendwann läuft alles wie immer, sie träumt vom großen Durchbruch, von einem Luxusleben , ganz am anderen , besserem Teil von Berlin. 

Und tatsächlich bekommt sie dann ganz überraschend eine große Chance, alles läuft super für sie, endlich ist sie ihrem Traum ganz nah und sie sieht sich bereits als berühmten Star auf dem roten Teppich. 

Doch das Leben ist kein Wunschkonzert und manchmal findet man sein Glück auch dort, wo man es nie vermutet hätte.


Mir fällt es gar nicht so leicht, dieses Buch zu bewerten, denn die Grundidee und der Schreibstil gefielen mir sehr gut. Doch leider wurde ich überhaupt nicht warm mit den meisten Personen im Buch. Wanda und auch ihre Nachbarinnen waren mir alle sehr unsympathisch. Wanda hat mich wütend gemacht, weil sie immer nur darauf wartete, dass endlich ihr Traum, eine große Filmkarriere zu machen, in Erfüllung geht. Um das zu erreichen, vernachlässigte sie immer wieder ihre kleine Tochter. Ich hatte einfach nur Mitleid mit der kleinen Karlie, fand es traurig, dass sie so ein Leben führen muss. Aylins Mama war mir auch unsympathisch, doch zu Karlie war sie wenigstens (einigermaßen) lieb.

Die Männer in der Geschichte kamen allerdings besser weg ( jedenfalls zwei davon), die waren mir sympathisch und ich hatte eigentlich auch auf ein anderes Ende gehofft. Leider muss ich sagen, im Großen und Ganzen war mir das Buch zu deprimierend und es hat kein positives Gefühl bei mir hinterlassen.

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Rezensionen von Lies_ein_Buch:

Überraschend, aber nicht so mein Fall

LAKE - Das Haus am dunklen Ufer von Riley Sager

Ich kannte bisher nur „Night“ von Riley Sager, das hatte ich aber so begeistert, dass ich nun auch „Lake“ sehr gerne lesen wollte. In Sachen Atmosphäre weiß Sager einfach, was er tut, storytechnisch hat er mich aber hier nicht erreichen können.

Über die erste Hälfte hat mich das Buch doch sehr stark an „Girl on the train“ erinnert, inklusive Alkoholproblem und Stalkertendenzen.

Die Geschichte springt zeitlich immer etwas hin und her, beleuchtet sowohl Caseys Erinnerungen, wie auch gegenwärtige Ereignisse, die ebenfalls nochmal in Präsenz und ein „davor“ unterteilt sind. Aber in der zweiten Hälfte nimmt es eine sehr unerwartete Wendung.

Ich mochte Protagonistin Casey vor allem am Anfang wirklich gern und fand sie durch ihre ganze Situation, ihren Verlust und die offen zur Schau getragene Verletzlichkeit sehr einnehmend. Doch dann wurde sie im Handlungsverlauf einfach zunehmend obsessiv und anstrengend, auch bereits vor Katherines Verschwinden. Ich habe sie an vielen Stellen als übergriffig empfunden und die Selbstsabotage, die sich an sich selbst betrieb, war einfach nur traurig zu verfolgen.

Für meinen Geschmack gibt es in der ersten Hälfte vor allem viel Suspense aber wenig Handlung. Und gegen Ende wirds dann richtig wild, spätestens als die vermeintliche Katherine gefunden wird. Da hat die Handlung mich dann irgendwie verloren. Ich mag ja Mystery/ Gothic Novels, aber das hier hat für mich nicht funktioniert, war mir zu irrwitzig. Nicht nur wegen potentieller Geistererscheinungen, sondern auch als die Wahrheit übers Caseys Ehe und Len offenbart wird.

Kann man machen, man verpasst aber auch nichts, wenn man dieses Buch aussetzt. Man sollte beim Lesen auf jeden Fall aufgeschlossen sein.

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Rezensionen von HEYN Leserunde, Barbara Maria Angerer:

Mehr Drehbuch als Roman

Honey von Victor Lodato

Die Idee einen Roman über eine außergewöhnliche 82-jährigen Protagonistin - Honey - zu schreiben, ist hervorragend. Aus einer Mafiafamilie kommend, zimmert sich Honey ein Pseudo-Leben im Kunstbetrieb und wird selbst zur Kunstfigur. Im Alter kehrt sie an ihren Ursprung zurück und versucht ihr Leben zu ordnen.

Irgendwie bleibt dieser Roman "künstlich" und klingt für mich eher wie das Drehbuch zu einem Film.

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Rezensionen von nil_liest:

Ein Balanceakt.

Halbe Leben von Susanne Gregor

Der Roman beginnt mit Klaras Tod, einem mysteriösen Absturz beim Wandern, der im Verlauf der Geschichte als unausgesprochener Katalysator wirkt. Dieser erzählerische Kunstgriff – die Umkehrung von Anfang und Ende – verleiht dem Werk eine dichte Atmosphäre, die von Beginn an Spannung aufbaut. Susanne Gregor meidet spektakuläre Wendungen zugunsten eines subtilen Spiels aus Andeutungen, Rückblenden und leisen Beobachtungen, die viel Raum für eigene Deutungen lassen.

Muss man nicht mögen, ich fand es super gemacht.
Die Stärke des Romans „Halbe Leben“ liegt in der psychologischen Ausgestaltung seiner Figuren. Klara und Paulína werden in all ihrer Widersprüchlichkeit und Ambivalenz gezeichnet. Klara, die in der Illusion lebt, alles unter Kontrolle zu haben, wirkt einerseits bewundernswert zielstrebig, andererseits distanziert und emotional unzugänglich. Paulína hingegen, die scheinbar selbstlos den Haushalt übernimmt, trägt eine Last, die in jeder Geste und jedem unausgesprochenen Gedanken spürbar wird. Es ist ein Gleichgewicht, das ständig zu kippen droht – zwischen Nähe und Abhängigkeit, Dankbarkeit und Ausbeutung. Ein Balanceakt.
Gregor seziert mit beeindruckender Präzision die soziale Ungleichheit zwischen den Frauen und deren Lebensrealitäten. Dabei stellt sie unbequeme Fragen: Was bedeutet es, wenn Fürsorge zur Dienstleistung wird? Welche emotionalen und gesellschaftlichen Kosten birgt ein System, das familiäre Verantwortung auslagert? Besonders eindringlich ist Gregors Blick auf die unsichtbaren Opfer dieses Arrangements – Paulínas Kinder, die von ihrer Mutter nur aus der Ferne betreut werden, während sie sich um Fremde kümmert.
Die Sprache des Romans ist unaufgeregt und prägnant, und gerade in ihrer Reduktion entfaltet sie eine enorme Intensität. Susanne Gregor gelingt es, ohne Pathos oder moralische Urteile die innere Zerrissenheit ihrer Figuren spürbar zu machen. Ihre Worte wirken wie feine Nadelstiche, die den Leser immer wieder zum Innehalten zwingen.
Halbe Leben ist ein Roman, der weit über die individuelle Geschichte hinausgeht und den Finger auf eine der drängendsten Fragen unserer Zeit legt: die Last und Verteilung von Care-Arbeit. Dabei bleibt das Buch wohltuend unsentimental, fast dokumentarisch, ohne dabei an Emotionalität zu verlieren.
Fazit: Mit ihrem Roman Halbe Leben legt Susanne Gregor ein vielschichtiges Werk vor, das sich der feinen Vermessung zwischenmenschlicher Abgründe und gesellschaftlicher Verwerfungen widmet. In einer klaren, nüchternen Prosa erzählt sie von Klara, einer erfolgreichen Architektin, die für das Leben ihrer Mutter Irene nach deren Schlaganfall eine Pflegerin engagiert: Paulína, eine Frau aus der Slowakei, deren eigene Familie unter ihrer Abwesenheit leidet.

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Rezensionen von Lies_ein_Buch:

Ein Detektiv empfiehlt sich

Campion. Tödliches Erbe von Margery Allingham

Schande über mich, dass mir Margery Allingham bisher kein Begriff war. Umso besser, dass ihre Werke jetzt nochmal neu aufgelegt werden. Denn sie und ihren Meisterdetektiv sollten Liebhaber klassischer Kriminalromane definitiv auf dem Schirm gaben.

Ich mag den altenglischen Charme der Geschichte, die gesellschaftlichen Umgangsformen und das ländliche Setting sehr gerne.

Für mich ist das die Zauberformel für Cozy Crime, dazu eine mystische Antiquität, um die es einige Geheimnisse gibt, und kauzige Figuren- geniale Kombi.

Champion mit seiner charmant gaunerhaften Art ist für mich das Herzstück der Geschichte. Natürlich gerät er dadurch auch immer wieder in prekäre Situationen, aus denen er sich aber meisterhaft herauswindet.

Die Geschichte rund um den wertvollen, mystischen Kelch birgt einiges an Tricks und Täuschungen, wodurch das Buch sehr kurzweilig ist. Der Spannungsaufbau ist eher gemächlich, nicht zu nervenaufreibend. Insgesamt lässt sich das Buch einfach angenehm lesen, ist unterhaltend, ohne den Leser zu sehr zu fordern. Also das perfekte Buch für ein paar gemütliche Schmökerstunden. Miträtseln in meinen Augen aber nur bedingt möglich.

Ich würde auf jeden Fall auch weitere Fälle von Campion lesen.

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Rezensionen von Lies_ein_Buch:

Richtig starker Krimi

Der Gourmet von M. W. Craven

Die Washington Poe Reihe von M.C. Craven gefällt mir einfach richtig gut, denn sie ist clever, originell, nerdig und unendlich cool. Und dieser zweite Band ist ein unfassbar perfider, stark geplotteter Thriller. Ich habs ab der ersten Seite absolut geliebt und war während des Lesens wie im Tunnel. Suchtgefahr!

Zum Inhalt: vor sechs Jahren hat Washington Poe den Sternekoch Jared Keaton für den Mord an seiner Tochter ins Gefängnis gebracht.

Doch nun marschiert Elizabeth Keaton, aufgewühlt aber scheinbar lebendig in die Polizeisprechstunde. Für Poe beginnt dir Uhr zu ticken bevor Keaton freikommt und er selbst zur Verantwortung gezogen wird.

Das Ermittler-Duo Poe/ Bradshaw ist unkonventionell, aber genau darin liegt seine Stärke. Während Tilly hier wieder ihren analytischen, wachen Verstand und ihre bezaubernd naive Art spielen lässt, hat Poe was von der rohen Coolness und Badass-Attitüde von Antihelden und Einzelgängern wie Jack Reacher.

Der Fall ist absolut spektakulär und die Durchführung aufsehenerregend. Ich hab versucht mitzurätseln, aber mit diesen Wendungen und Täuschungen konnte ich nicht mithalten. Das liebe ich so an der Reihe von Craven: sie ist überraschend und die Fälle eher skurril, aber alles wird wissenschaftlich aufbereitet und logisch geplottet. Das lässt mein nerdiges Wissenschaftler-Herz höher schlagen.

Die Auflösung bewegt sich zwischen makaber und brutal, passt hier aber absolut ins Szenario. Hat mir tatsächlich wieder richtig gut gefallen und mich mit seiner Sogwirkung in den Bann geschlagen. Und dass Poe mit seiner Art aneckt und für Ärger sorgt, sich aber wie eine Schlange aus der Misere windet, war für mich die Sahnekirsche.

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