Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Marie aus E.:
Witzig, böse und zu lang
Very Bad Widows von Sue Hincenbergs
Pam, Nancy, Shalisa und Marlene sind dicke Freundinnen. Zusammen mit ihren Männern sind sie eine eingeschworene Clique, die sich schon ewig kennt. Gut situiert, die Kinder aus dem Haus bzw. ohnehin kinderlos.
Doch dann hat eine Fehlinvestition ihre Ersparnisse vernichtet und sie müssen nun ganz kleine Brötchen backen und auch für die Rente sieht es schlecht aus.
Nachdem ihre Ehen auch nicht mehr so toll laufen (um es mal vorsichtig auszudrücken), schmieden sie einen fiesen Plan.
Das Buch ist so witzig und böse, ich habe mich anfangs köstlich amüsiert.
Achtung: das ist ein "Frauenbuch" - Männer kommen hier über weite Strecken gar nicht gut weg, ich kann mir nicht vorstellen, dass Männer Freude daran haben.
Die Charaktere sind völlig überzeichnet, aber das macht es gerade aus. Neben den vier Paaren gibt es auch noch ein überaus interessantes Umfeld. Ob das der Friseur mit dem erweiterten Repertoire ist oder die Chefin des Spielkasinos und ihre Unterwelt-Mom aus Indien, einfach köstlich.
Irgendwann hat das Buch aber Ermüdungserscheinungen - zumindest hat es diese bei mir ausgelöst. Ihm hätte eine Straffung gutgetan, es hat sich dann auch mal abgenutzt.
Und das Ende, ja, passt schon, aber so ganz meines war es das nicht. Mehr will ich dazu auch nicht schreiben, um nicht zu spoilern.
Für USA-Urlaubsfans ist das Buch übrigens auch fein, weil man so viel wiedererkennt.
Und optisch natürlich ein Träumchen, das erfrischende Pool-Blau kombiniert mit dem tollen Farbschnitt, hach.
Den deutschen Titel finde ich allerdings nur so mittel, da ist das Original "Rentirement Plan" besser. Warum man englische Titel anders englisch übersetzt, das ist mir sowieso ein Rätsel. Vielleicht weil sich Rentenplan nach einem Ratgeber in D angehört hätte?
Fazit: Erstes Viertel 6 Sterne, dann aber etwas verloren, insgesamt 4,5.
Rezensionen von Schlafmurmel:
ein fesselnder Thriller mit Gänsehautgarantie
Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein von Rebecca Russ
Schon das Cover von "Der Weg" hat mich magisch angezogen. Der Zickzack-Pfad durch eine scheinbar unberührte Landschaft hat direkt meine Neugier geweckt. Als ich dann den Klappentext gelesen habe, war klar: Das klingt nach genau meinem Genre. Und nach der Leseprobe war es endgültig um mich geschehen – ich musste dieses Buch lesen!
Und was soll ich sagen: Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen.
"RatziFazi" war ich durch – so spannend war die Geschichte, dass ich nicht aufhören konnte, bis ich die ganze Wahrheit erfahren hatte.
Im Mittelpunkt steht das Paar Julia und Lars, die kurz vor der Hochzeit stehen. Anstelle einer klassischen Junggesellenparty gibt es jedoch etwas völlig Ungewöhnliches: eine Wanderung in Schweden, organisiert von Julias ehemaliger Studienfreundin Nicki. Die Idee ist spontan, ungewöhnlich – und genau deshalb so reizvoll.
Nicki war früher die lebenslustige, unternehmungslustige Freundin, die jedes Abenteuer mitgemacht hat. Jetzt wirkt sie verändert: dünner, in sich gekehrt, gerade arbeitslos, und ständig mit einem Notizbuch unterwegs. Julia hingegen ist eher angepasst, lebt in geordneten Bahnen – ein starker Kontrast zur impulsiven Nicki. Dennoch lässt sie sich auf das Abenteuer ein – vielleicht auch aus alter Verbundenheit.
Was folgt, ist eine intensive, bildgewaltige Wanderung durch die Wildnis Schwedens. Die Autorin schafft es meisterhaft, die Landschaft lebendig werden zu lassen. Ich hatte das Gefühl, die feuchten Wiesen unter meinen Füßen zu spüren, die Kälte der Regenschauer auf der Haut und den Wind, der durch die Bäume pfeift. Wer selbst schon mal in Skandinavien war, wird die Atmosphäre sofort wiedererkennen.
Doch schon in der ersten Nacht nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung: Julia wacht auf – und Nicki ist spurlos verschwunden. Ab da beginnt ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit, gegen die Natur – und gegen die eigene Hilflosigkeit. Julias Suche ist verzweifelt, intensiv, emotional – man fiebert, leidet und rätselt mit.
Die Geschichte entwickelt sich rasant weiter, bleibt dabei aber glaubwürdig und psychologisch dicht. Die Spannung hält bis zur letzten Seite – und das Ende hat mich komplett überrascht. Es war emotional so stark, so unerwartet, dass ich noch lange darüber nachdenken musste. Die Auflösung von Nickis Verschwinden war heftig – im positiven Sinne!
Mein Fazit:
"Der Weg" ist ein intensiver Thriller, der nicht nur mit Spannung, sondern auch mit starken Emotionen und atmosphärischer Dichte überzeugt. Wer psychologische Spannung liebt, dazu bildhafte Naturbeschreibungen und starke weibliche Charaktere schätzt, wird dieses Buch genauso verschlingen wie ich.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung – unbedingt lesen!
Rezensionen von bine525:
Psychiatrie Cold Case mit erschreckendem Hintergrund
Eisenblume von Frida Skybäck
Das Buch hat mich seelisch doch recht aufgewühlt. Schon das Vorwort der Autorin hat bei mir eine Gänsehaut auf dem ganzen Körper verursacht. Ich weiss, ein Buch ist in erster Linie fiktiv aber macht mir auch bewusst, welch animalische Therapieversuche in früherer Zeit bestialisch ausgeführt wurden.
Bei diesem 2.Fall der schwedischen Thriller Serie mit der mir sympathischen Personen Frederika Storm und Henry Calment geht es um einen überraschenden Leichenfund in einer verlassenen Psychiatrie. Trotzdem damals zwei vermisster Personen wurde jetzt jedoch nur eine Leiche entdeckt. Dennoch wird es in diesem Krimi war nicht nur eine Leiche bleiben. Besonders gut gefiel mir in diesem Krimi die Unvorhersagbarkeit dass sich das Buch anders als ich dachte, entwickelt hat. Auch bei meiner Vorliebe zu privaten Komponenten. In einem Buch kam ich voll auf meine Kosten. Kurz um: es hat mir gefallen.
Rezensionen von Bücherfreundin:
Die heilende Kraft der Musik
Strandgut von Benjamin Myers
Im Mittelpunkt von "Strandgut", dem neuen Roman des britischen Autors Benjamin Myers, steht Earlon Bronco, genannt Bucky. Er ist über siebzig und lebt seit dem Tod seiner Frau Maybellene vor fast einem Jahr allein und zurückgezogen in Chicago. Sein Leben lang hatte er zahlreiche Gelegenheitsjobs, aber keine Krankenversicherung, er konnte sie sich nicht leisten.
Nun, im Alter, wird er von unerträglichen Arthroseschmerzen geplagt. Starke Schmerzmittel verschaffen ihm für ein paar Stunden Erleichterung und haben zur Abhängigkeit geführt.
Mit 17 Jahren schrieb Bucky einige Songs und erhielt für die Plattenaufnahmen ein kleines Honorar. Weitere Einnahmen hatte er mit den Liedern nicht, er hat sie nie wieder gesungen und ist auch nie mit ihnen aufgetreten.
Zu seiner Überraschung erhält er eine Einladung, seine alten Lieder, die in den USA längst vergessen sind, auf einem Soul-Festival in der englischen Küstenstadt Scarborough zu singen. Am Flughafen Yorkshire wird er von der Mittfünfzigerin Dinah Lake abgeholt, die ihn kontaktiert hatte und seit langem ein großer Fan von ihm ist ....
Die Geschichte ist in ganz wunderbarer, teilweise poetischer Sprache erzählt und hat mich von Beginn an gefesselt. Mit viel Empathie und Liebe beschreibt der Autor seine beiden Protagonisten und blättert dabei nach und nach insbesondere Buckys Vergangenheit auf, die von Leid und Verlust geprägt ist.
Während Buckys Welt nach dem Tod seiner Frau klein geworden ist und er in erster Linie zwischen seinem Zuhause und der Apotheke pendelt, um sich seine Opiate zu besorgen, lebt die Supermarktkassiererin Dinah ein trostloses und unglückliches Leben an der Seite ihres alkoholkranken Mannes Russell, der keiner geregelten Arbeit nachgeht. Dem gemeinsamen Sohn Lee fehlt jeglicher Ehrgeiz, er nimmt Drogen und verbringt seine Zeit mit Computerspielen.
Buckys und Dinahs Schicksale haben mich sehr berührt, ich konnte mich gut in ihre unterschiedlichen Lebenswelten hineinversetzen und habe die beiden schnell in mein Herz geschlossen. Ganz besonders mochte ich die herzliche und bisweilen auch schroffe Dinah, die sich um Bucky kümmert, auf seine Sorgen eingeht und ihm neues Selbstvertrauen gibt. Ich mochte auch Shabana, die Reinigungskraft aus Afghanistan, die Bucky im Hotel kennenlernt, und natürlich habe ich seit Buckys Flug über den Großen Teich seinem Auftritt ungeduldig entgegengefiebert.
"Strandgut" hat mir sehr gut gefallen, es ist ein leises und bewegendes Buch, in dem es um Trauer und Verlust, das Altwerden, Drogen- und Alkoholsucht geht. Es ist aber auch ein Buch über Freundschaft und Hoffnung, Neubeginn - und die heilende Kraft der Musik.
Absolute Leseempfehlung!
Rezensionen von Bücherwurm78:
Spannender Thriller
Eine von uns von Samantha Hayes
Durch die Inhaltsbeschreibung bin ich neugierig auf dieses Buch geworden und ich wurde auch nicht enttäuscht. Dieser Thriller war ab der ersten Seite an spannend und dies ist er auch bis zum Schluss geblieben. Gina und ihre Familie ziehen nach einem Brand in ihrem Haus vorübergehend in die Villa ihrer Freundin, die gerade auf Reisen ist und plötzlich steht die Haushälterin Mary vor der Tür.
Doch irgendetwas stimmt nicht. Die Story war sehr gut durchdacht und umgesetzt im Buch. Es gab zwischendurch immer wieder Kapitel vom „Damals“, so dass man mehr und mehr verstehen konnte. Es ist sehr flüssig geschrieben und es gab keine langweiligen Passagen im Buch. Ich bin immer neugierig geworden wie es wohl ausgehen wird.
Das Cover des Buches ist etwas düster gestaltet, aber genau passend zum Inhalt.
Fazit: Ein bis zum Schluss sehr spannender Thriller.
Rezensionen von clematis:
Würger von Graz
Grüne Mark und Weißer Tod von Gudrun Wieser
In der schönen Steiermark ereignen sich jüngst bizarre Mordfälle, ohne erkennbaren Zusammenhang werden Männer in Graz erwürgt neben blauen Glasscherben aufgefunden. Untersuchungsrichter Franz Stahlbaum und sein Schulfreund Dr. Titus Pyrner stehen etliche Wochen lang vor einem schier unlösbaren Rätsel, können den „Würger von Graz“ nicht dingfest machen.
Da haben Resi Eder und Salome Grün, die beiden Verlobten der Ermittler, eine grandiose Idee: weil mehrere Zeichen Richtung Lungensanatorium Eichenheim im Wienerwald deuten, schleusen sich die unternehmungslustigen Damen dort einfach als Pflegerinnen ein.
Mit einem wunderbaren Einstieg rund um die Kraft von Kräutern an Mariä Himmelfahrt im Jahre 1897 zeigt der junge Untersuchungsrichter Stahlbaum, wie schnell er ein Verbrechen aufklären kann. Umso schwerwiegender erscheinen daher die alsbald beginnenden Mordfälle in Graz, deren Lösung er trotz sorgfältigster Recherche nicht voranzutreiben vermag. Darüber hinaus steht er in direkter Konkurrenz zu Polizeiagenten Anton Meisl, mit dem er noch aus einem früheren Fall eine Rechnung offen hat. Mit ihrem sorgfältig gewählten Sprachgebrauch erweckt Gudrun Wieser die damalige Zeit zu neuem Leben, versetzt den Leser alsbald in eine Epoche, in der die Frau kaum etwas anderes zu tun hatte, als sich Kochen, Kindern und Kirche zu widmen. Umso mehr bestechen die beiden scharfsinnigen und hartnäckigen Fräulein Resi Eder und Salome Grün, wie sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen und im aktuellen Fall sogar auf gewitzte Art und Weise die Polizeiarbeit unterstützen. Auch die anderen Charaktere sind liebevoll und detailreich gezeichnet.
Mit interessanten Einblicken in die damalige Ermittlungskunst und Heilkunde beginnt jedes Kapitel, die flüssige Erzählweise, durchaus mit Humor versetzt, lässt einen gerne ohne größere Unterbrechungen im Buch verweilen. So erfährt man in wenigen Stunden viele spannende und bestens recherchierte Einzelheiten zur medizinischen Forschung rund um die Tuberkulose, zu akademischen Geheimbünden und schlussendlich natürlich zum Motiv des Grazer Würgers, der nur durch gemeinsamen Krafteinsatz entlarvt werden kann.
Mit Franz, Titus, Resi und Salome ist die Lesezeit wie im Fluge vergangen, die wochenlangen Irrwege bei den Ermittlungen sind kurzweilig und unterhaltsam geblieben, die realen Orte der Handlung kenne ich selbst und kann mir daher auch die damaligen Gegebenheiten und dazu erdichtete Lungenheilanstalt nahe St. Andrä bestens vorstellen. Ich empfehle diesen historischen Krimi also sehr gerne weiter!
Rezensionen von Martje:
Wichtiges Thema
Am Meer ist es schön von Barbara Leciejewski
In dem Buch „Am Meer ist es schön“ von Barbara Leciejewski geht es um ein sehr wichtiges Thema, was lange aus Scham nicht angesprochen wurde. Doch in diesem Buch wird das Thema der Verschickungskinder echt toll aufgearbeitet. Deswegen geht es einem auch sofort unter die Haut. Alles beginnt mit Susi.
Das kleinste Kinder der Familie darf ans Meer auf Kur. Die Familie freut sich total. Sogar die Krankenkasse bezahlt alles, was für eine tolle Möglichkeit!
Denkt man zuerst, leider erlebt Susi die bittere Realität, aus harten Regeln, viel Gewalt und traumatischen Erlebnissen. Jeder Hilfeversuch scheitert, da die „Tanten“ des Heims jeglichen Kontakt zur Außenwelt kontrollieren. Daher kommt auch der Titel des Buches, Tante Ernas Lieblingsspruch in den gezwungen Briefen.
Als Susi wieder zurück nach Hause kommt, glaubt ihr keiner. Alle dachten, sie hätte da schöne Erholung erlebt. Das traumatisiert natürlich noch sehr, selbst als erwachsene Frau hat sie immer noch mit starken Angstzuständen und Albträumen zu kämpfen. Dies bricht auch am Todesbett ihrer Mutter aus ihr raus. So kann sie endlich etwas mehr mit dem Thema abschließen.
Die ganze Zeit während des Lesens fiebert man daraufhin, dass man erfährt, was Grausames alles passiert ist, dass sie so stark traumatisiert ist und ob sie in der Gegenwart mit dem Thema abschließen kann.
Ich fand das Buch sehr gut zu lesen, sehr bedrückend, aber aufgrund des Themas definitiv nötig. Klare Leseempfehlung.
Rezensionen von Lydia_Te:
3 Frauen - 3 Schicksale
Die Hummerfrauen von Beatrix Gerstberger
Beatrix Gerstberger erzählt in ihrem Debütroman „Die Hummerfrauen“ gleich drei Geschichten die sich alle auf der Insel Stone Harbor verknüpfen. Herzstück des Romans: die drei Frauen Ann, Julie und Mina. Die drei landen aus ganz unterschiedlichen Gründen auf der Insel und haben alle mit ihrer eigenen Einsamkeit zu kämpfen.
Doch mit der Zeit entwickelt sich aus ihnen eine kleine Familie die sich gegenseitig unterstützt und antreibt.
Durch den Schreibstil von Beatrix Gerstberger erhält der Roman eine wunderbare Lesbarkeit. Dementsprechend leicht lässt sich auch eine Beziehung zu dem Trio aufbauen und man fühlt sich fast wie ein Teil der kleinen Gemeinschaft. Die Art wie die Geschichte erzählt wird ist wirklich vieles: wunderschön, herzzerreißend, lustig und absurd (ich feiere Linda!!). Ich habe mir wirklich überhaupt nichts erwartet und wurde stark überrascht, die Geschichte ist viel tiefgründiger als es der Klappentext hergibt.
Rezensionen von Martje:
Wie immer ein gutes Buch
Ihr werdet sie nicht finden von Andreas Winkelmann
In dem Buch „Ihr werdet sie nicht finden“ von Andreas Winkelmann geht es um Franca, eine Privatermittlerin, die einen neuen Fall annimmt. Auf den ersten Blick scheint es ein einfacher Fall zu sein: Sie soll Fotos von einem Mädchen machen, von Silvia, der Enkelin der Auftraggeberin. Doch es ist schwerer als gedacht, Silvia zu finden, und dabei stößt sie auf einen viel älteren ungelösten Fall eines vermissten Mädchens.
Silvia hat anscheinend Informationen zu dem ungelösten Fall und traut sich nicht, davon zu erzählen. Erschwerend kommt hinzu, dass Silvia das Asperger-Syndrom hat und ganz anderes denkt als Franca.
Deswegen entscheidet sie sich, den Vater, Jonas, des damals verschwundenen Mädchens hinzuzuziehen. Dieser ist gerade erst aus dem Gefängnis gekommen, da er damals den vermeintlichen Täter ermordet hat. Zusammen fangen sie an zu ermitteln.
Was hat Silvia damals gesehen? Können sie sie finden? Hat Jonas den falschen Mann getötet? Oder saß er sogar unschuldig im Gefängnis?
Das Buch war wie immer von Andreas Winkelmann sehr spannend geschrieben und hat mich sofort in den Bann gezogen.
Ich würde es sofort weiterempfehlen, der Schreibstil lässt einen das Buch nur so verschlingen.
Rezensionen von gabiliest:
Schweigen und Schuld/ Trauma und Lust
Wie sehr ich dich finde von Lea Söhner
“Wie sehr ich Dich finde” der Autorin Lea Söhner ist ein nachdenklich machender Roman, der verdient, dass sich die Lesenden Zeit zur Reflexion nehmen. Er umfasst nicht nur drei Generationen und ihre teils furchtbaren Schicksale, sondern stellt dem Glauben und dem Hadern mit Gott immer wieder das weibliche Prinzip der Mutter und Geliebten gegenüber, in deren warmen Armen die Protagonisten des Buches Zuflucht suchen.
Die Handlung wird getragen von zwei Stammelternpaaren, die beide den Krieg und die Nachkriegszeit erlebt haben, einem Elternpaar und deren Tochter, die langsam ihren Wurzeln auf den Grund gehen:
Das erste Stammelternpaar: Paul und Helene/ Sohn: Wolfgang
Das Buch beleuchtet das Schicksal von Helene, einem halbjüdischen Mädchen, das im Jahr 1942 gerade noch vor den Nazis in die Schweiz in Sicherheit gebracht werden kann. Doch die Eltern kommen nicht wie versprochen nach, die Sechsjährige, versehen mit neuer Schweizer Identität, verstummt. Ihr Schicksal wendet sich erst, als sie zu singen beginnt, ihr Traum, Opernsängerin zu werden geht in Erfüllung. Auch ihre Ehe mit Paul, einem Arzt und dem gemeinsamen Sohn Wolfgang scheint glücklich, doch Paul kennt ihre wahre Identität nicht. Helene öffnet sich erstmals, findet Briefe der Eltern, doch das Schicksal erlaubt keine Bewältigung.
Wolfgang leidet unter dem Tod der Mutter und liebt seine Großeltern. Doch hier gibt es dunkle Verbrechen, die Paul seinen Eltern entfremden. Erst spät wird Paul Wolfgang über die Gräueltaten seines Opas aufklären,
Das zweite Stammelternpaar: Hanna und Hans/ Tochter: Bettina
Hans hat die Gräueltaten des Krieges und die Brutalität seines Vaters erlebt. Ihm ist klar geworden, dass für ihn Gewalt und Lust eng verbunden sind. Doch gibt er Gott das Versprechen, nie jemandem zu schaden. Er heiratet Hannah, die tief gläubig ihr Leben und ihre lang ersehnte Tochter Bettina Gott weiht.
Das Elternpaar: Bettina und Wolfgang/ Tochter: Sarah
Bettina, eine Mathematikerin, aber eher schüchtern und farblos, heiratet Wolfgang, den Frauenhelden und bekannten Pianisten. Ihre Ehe ist geprägt von den Seitensprüngen Wolfgangs. Die gemeinsame Tochter Sarah leidet darunter, dass sich die Mutter der Familie immer wieder entzieht. Trotz schwerer Schicksalsschläge scheint die Beziehung zwischen Wolfgang und Bettina unverbrüchlich. Tochter Sarah, angehende Dirigentin, jedoch hadert lange mit ihrem Schicksal, besonders mit der Mutter, und erkennt erst durch Yvonne, dass jeder selbst für sein Liebesleben verantwortlich ist.
Versöhnlich und als Prinzip des Weiblichen wird Yvonne beschrieben, eine ehemalige Edelprostituierte, die Wolfgang zum Mann und Paul zum Ehemann gemacht hat. Yvonnes Klugheit und Gespür für menschliche Abgründe ermöglichen langsam Heilung.
Dieser von der Kriegszeit bis in die Gegenwart reichende Roman zeichnet Lebenswege und Schicksalsschläge nach, die als Traumata in den Figuren bis in die Jetztzeit fortwirken. Der Widerstreit zwischen Glauben und Lust ist ebenso Thema wie Inzest, sexuelle und psychische Gewalt und das schnelle Entstehen von Liebe und Beziehungen. “Wie sehr ich dich finde” ist ein kluger und menschlicher Roman. Auch wenn die Schicksale der Protagonisten einander gleichen, muss doch jeder die Frage nach individueller Schuld stellen. Doch steht am Ende Versöhnung und Verzeihen.
Der Schreibstil von Lea Söhner ist manchmal poetisch, manchmal unerwartet und direkt, immer jedoch lebendig und gut lesbar. Dazu trägt auch das Personenverzeichnis am Buchanfang bei. Außerdem steht am Beginn jedes Kapitels, das einer Person zugeordnet ist, ein Schlagwort, das den Inhalt des Geschriebenen charakterisiert. Auch wenn das Buch menschliche Abgründe behandelt, bietet es doch einen positiven Schluss. Lesenden, die Interesse an Zeitgeschichte und dem Nachwirken des Lebens der Vorfahren in der eigenen Geschichte haben, möchte ich dieses Buch besonders empfehlen. Oft sind es, wie in der Musik, die leisen Töne, die überzeugen.











