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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Wenn aus einem Traum ein Albtraum wird

Von Miramare nach Mexiko von Birgit Kofler-Bettschart; Roland Bettschart

In dieser Doppelbiografie, die rechtzeitig zum 100. Todestag von Charlotte im Jänner 2027 erscheint, zeichnen Birgit Kofler-Bettschart und Roland Bettschart das Leben eines Paares nach, das wohl als das glamouröseste seiner Zeit gegolten hat: Maximilian von Habsburg und Charlotte von Belgien. Ausgangspunkt dieses Sachbuches ist Triest, in dem das Autoren-Duo einen Wohnsitz hat, ein Heimspiel gewissermaßen also.

Wer sind Maximilian und Charlotte nun?

Er, Maximilian, mit vollem Namen Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich, geboren 1832 als zweitältester Sohn von Erzherzog Franz Karl, einem Sohn von Kaiser Franz I. und Prinzessin Sophie von Bayern. Maximilian ist der jüngere Bruder von Franz Joseph (1830-1916), der ab 1848 bis zu seinem Tod 1916 als Kaiser Fran Joseph I. regieren sollte. Während Franz Joseph von seiner ehrgeizigen Mutter Sophie zum perfekten Thronfolger erzogen, ja man muss sagen gedrillt wird, und ihre ganze Aufmerksamkeit genießt, ist Maximilian nur die Reserve. Das kann, wie man an Hand zahlreichen Beispielen(Elizabeth und Margaret, William und Harry) zu Konflikten führen, die kaum bewältigbar sind. Dieser Aspekt der Zweitgeborenen ist meiner Meinung nach ein bisschen zu wenig beleuchtet worden.

Marie Charlotte Amélie Augustine Victoire Clémentine Léopoldine von Belgien (1840-1927) ist die einzige Tochter neben drei Brüdern des belgischen König Leopold I. und seiner zweiten Frau Louise von Orléans. Charlotte ist überdurchschnittlich gebildet, mehrsprachig und hat, im Gegensatz zu Maximilian, einen messerscharfen Verstand sowie einen starken Willen.

Beide unterliegen den strengen Heiratsgesetzen des Hochadels in denen Gefühle keine Rolle spielen, sondern eher eine geschäftliche Transaktion ist, wie man über die Feilscherei zu Charlottes Mitgift lesen kann. Auch hier gibt es moderne Entsprechungen. Dass sich die hübsche Charlotte in Maximilian verliebt, scheint eine glückliche Fügung zu sein, ihm ist das Finanzielle wichtig. Da hätte ich mir für alle jene, die mit diesen komplexen Heiratsgesetzen nicht vertraut sind, ein oder zwei Sätze gewünscht.

Das Paar wird mehr oder weniger nach Triest abgeschoben, denn Franz Joseph kann den schwelenden Bruderzwist, der sich auch auf Elisabeth und Charlotte überträgt, in Wien nicht brauchen. Leider beweist Franz Joseph damit weder Fingerspitzengefühl was die italienische Politik, die nach einer Loslösung von Habsburg strebt, noch was die Pläne der ehrgeizige Schwägerin betrifft.

Jedenfalls tritt Frankreichs Kaiser Napoleon III. auf den Plan und umschmeichelt das sichtlich gelangweilte Paar, um Maximilian die Kaiserkrone von Mexiko anzubieten. Wie dies genau vor sich gegangen ist, und welchen Täuschungen sowie falschen Versprechen Maximilian und Charlotte erlegen sind, hat das Autoren-Duo in zahlreichen Archiven akribisch recherchiert. Trotz zahlreicher Warnungen, die es von mehreren Seiten gibt sagen sie zu. Jene aus Wien, werden als Neid und Missgunst von Franz Joseph ausgelegt und ignoriert.

Es scheint, dass Maximilian keine Ahnung von den Regierungsgeschäften eines Monarchen hat. Auf S. 127 kann dazu gelesen werden:
"Wenn er [Maximilian] wieder auf Reisen ist, gerade keine Lust zum Herrschen hat oder dazu nicht in der Lage ist, springt Charlotte ein und übernimmt die Regierungsgeschäfte."
Ebenso schlüssig ist erklärt, wie es zur Hinrichtung Maximilians gekommen ist und eine allfällige Begnadigung durch Mexikos Präsidenten Benito Juarez nicht möglich gewesen ist.

Das Kapitel „Eingesperrt im Märchenschloss“ widmet sich Charlotte, die schon vor der Hinrichtung nach Europa zurückgekehrt ist und vergeblich um Hilfe für ihren Mann gebeten hat. Nach einem Zusammenbruch stellt sich die Frage, was mit ihr geschehen soll. Man macht das, was man für missliebige weibliche Verwandtschaft immer macht: Man sperrt sie weg. Während Erzherzoginnen in Damenstifte „verräumt“ werden, ist die Lage bei einer Ex-Kaiserin wesentlich komplizierter. Wohin mit ihr? Könnte sie ausländische (?) Anhänger um sich scharen? Oder gar eine unpassende Liebschaft eingehen? Also bleibt sie bewacht in Triest, in einem Nebengebäude von Schloss Miramare.

Als Charlotte von Belgien am 19. Jänner 1927 stirbt, hat sie alle überlebt: ihren Mann, ihre Schwägerin Elisabeth, Kronprinz Rudolf, Thronfolger Franz Ferdinand, Franz Joseph, seine beiden anderen Brüder, den letzten Kaiser der Donaumonarchie Karl, ihre eigenen Brüder, Napoleon III. und Benito Juarez sowie die Monarchien in Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn und das Zarenreich.

Im letzten Kapitel dürfen wir das Autoren-Duo auf einem Spaziergang, der sich den Spuren von Maximilian und Charlotte widmet, durch Triest begleiten. Bezeichnend ist, dass man sich in Triest an das Paar erinnert, in Wien nicht. Ich gehe davon aus, dass dem offiziellen Österreich und vermutlich auch der Familie Habsburg der 100. Todestag einer ehrgeizigen Frau keine Zeile wert sein wird.

Das Buch ist als Hardcover in gediegener Aufmachung im Verlag Ueberreuter erschienen und enthält zahlreiche Abbildungen sowie ein ausführlichen Literaturverzeichnis.

Fazit:

Mit hat diese Doppel-Biografie dieses höchst unterschiedlichen Paares sehr gut gefallen, weshalb ich sie mit 5 Sternen bewerte.

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Fesselnd bis zur letzten Seite

Das Weigel-Paradoxon von Rolf Sakulowski

Dieser 4. Fall für den Historiker Jonas Wiesenburg, der uns in das Jena des 17. Jahrhunderts sowie in das der Gegenwart entführt, entwickelt eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann.

Das Buch beginnt mit der Ermordung von Elisabeth Weigel, der Frau des Mathematikers, Astronomen, Pädagogen, Philosophen und Erfinders Erhard Weigel (1625-1699), um dann den großen Sprung in die Gegenwart zu machen, in der der pensionierte Uhrmacher Anton Fröbe von einem Unbekannten bedroht wird, weshalb er sich an KHK Anne Vareel vom LKA Thüringen wendet.

Als Fröbe, der als verschrobener Eigenbrötler gilt verschwindet und seine Wohnung aufgebrochen wird, holt Vareel den Historiker Jonas Wiesenburg in die SOKO. Gemeinsam gehen sie den wenigen Spuren, die Fröbe hinterlassen hat, nach und finden ihn ermordet in einer Schutzhütte. Der sterbende Fröbe hat ihnen, mit seinem eigenen Blut geschrieben, einen letzten Hinweis hinterlassen, der auf eine mögliche Erfindung von Erhard Weigel deutet.

Nun beginnt Jonas‘ Jagd auf diese Erfindung durch zahlreiche Archive und Bibliotheken. Doch jedes Mal scheint ein anderer vor ihm da gewesen zu sein und mögliche Hinweise entwendet zu haben. Wie kann das sein? Denn seitens LKA Thüringen ist eine absolute Nachrichtensperre verhängt worden. Gibt es einen Maulwurf im Bereich der Ermittler?

Meine Meinung:

Von Rolf Sakulowski habe ich „Die Atompriester“ gelesen, ein spannender wie gruseliger Krimi. Auch dieser Krimi hat mich, wenn auch auf andere Weise, bis zur letzten Seite gefesselt. Zum einen bringt uns der Autor die thüringische Städte wie Jena oder Erfurt näher und zum anderen befasst er sich mit einem Thema, das die Menschheit schon lange beschäftigt: Sind Zeitreisen möglich? Dazu bedient sich Sakulowski der Bemühungen des realen Erhard Weigel, den Gregorianischen und Julianischen Kalender, die um zehn Tage auseinander klaffen, zu vereinheitlichen, während der fiktive Weigel dieses Zeitloch für Experimente heranzieht, in den Lauf der Geschichte einzugreifen - mit durchaus fatalen Folgen, so dass er das Geheimnis seiner Forschungen für immer begraben wissen will.

Man sollte meinen, dass das völlig egal sein könnte. Es gibt ja auch den jüdischen oder islamischen Kalender. Ist es aber nicht! Denn jene Fürstentümer Deutschlands, die damals protestantisch sind, verwenden den Julianischen Kalender, die katholischen den Gregorianischen. Diese unterschiedlichen Kalender innerhalb weniger Kilometer führen zu umständlichen Umrechnungstabellen, die Kaufleute und Reisende bei ihren Reisen durch die deutschen Lande beherzigen müssen. Man erinnere sich an die unterschiedlichen Längen- oder Hohlmaße, die den Handel zwischen den deutschen Städten ziemlich kompliziert machen.

Rolf Sakulowski lässt uns Leser abwechselnd in die beiden Zeitebenen abtauchen und eigene Ideen verfolgen. Während das Team um Anne Vareel mit allen modernen technischen Methoden nach dem Täter sucht, heftet sich Jonas Wiesenburg auf die Spuren des Erhard Weigel und kommt dem Täter gefährlich nahe.

Stilistisch ist dieser Krimi großartig. Die Charaktere sind hervorragend ausgefeilt. So hat man zunächst mit dem eigenbrötlerischen Anton Fröbe ein wenig Mitleid. Doch im Laufe der Ermittlungen scheint er dieses, im Streben nach Weigels Geheimnis, immer weniger verdient zu haben.

Am Ende bin ich fast versucht zu sagen: Wissen ist Macht, aber Nicht-Wissen schadet vielleicht manchmal weniger.

Dieser Krimi lässt sich sehr gut unabhängig von den drei Vorgängern lesen. Allerdings hat er mich angefixt, weshalb ich diese auch lesen werde.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der sich um den ewigen Wunsch der Menschheit durch Eingriffe in den Lauf der Geschichte selbige verändern zu können, dreht, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Eine Leseempfehlung

Frau Cernys Instinkt für Verbrechen von Rotraut Schöberl

Wer aufmerksam Berichte in Wiener Medien verfolgt, kann sich vielleicht an die Bürgerinitiative „Rettet den Khleslplatz“ erinnern, der vor einiger Zeit, die Verbauung desselben zu verhindern versucht hat und eine Ausweitung des Denkmalschutz fordert. Genau diese nach wie vor diffuse, weil noch schwebende Situation, hat Autorin und ehemalige Eigentümerin der Buchhandlung „Leporello“, Rotraut Schöberl als zentrales Element für diesen Cosy Krimi verwendet.

Nun, zentrales Element vielleicht nicht ganz, denn Katze Chili, Gaumenfreuden und der Meidlinger Robin Hood, Johann „Schani“ Breitwieser (1891-1919) sowie ein engagierter Enkel, der Detektiv werden und den Marktstand seiner Großmutter retten will, spielen auch eine große Rolle.

Was als scheinbarer Streit um den Marktstand auf dem Meidlinger Markt beginnt, wächst sich recht bald zu einer veritablen Immobilienspekulation aus, in der die pensionierte Buchhändlerin Josefine, von allen nur Josy genannt, Cerny die Rolle der Miss Marple übernimmt. Josy, durch jahrelangen Konsum von Krimis aller Art geschult, ist sich sicher, den Filz aus Korruption, Bestechung, Einschüchterung und Sabotage zu durchdringen sowie den Tod des Handlangers der beteiligten Baufirma aufzuklären.

Nun ja, das Krimi-lesen allein, ersetzt keine fundierte Polizeiausbildung und deshalb schlittert Josy in die eine oder andere gefährliche Situation.

Ob es Josy Cerny gelingt, der Baufirma das Handwerk zu legen, müsst ihr schon selbst lesen.

Meine Meinung:

Ich mag Krimis, die in meiner Heimatstadt Wien spielen. Es müssen nicht immer die touristischen Hotspots sein, die Schauplätze der Verbrechen sind. Es gibt genügend Ecken in Wien, die sich als Kulisse von kriminellen Handlungen eignen. Diesmal dürfen wir im ehemaligen Arbeiterbezirk Meidling auf Verbrecherjagd gehen. Der Meidlinger Markt besteht seit über 150 Jahren und ist mehrmals modernisiert worden. Wie es in Wien üblich ist, gibt es gemauerte Dauermarktstände und meiste in der Mitte des Marktplatzes den sogenannten „Bauernmarkt“ mit temporären Ständen. In der letzten Zeit hat sich auch einiges an Gastronomie angesiedelt wie man hier im Krimi an Hand des Marktcafé lesen kann.

Gut gefällt mir, die historische Figur des Johann „Schani“ Breitwieser (1891-1919), einen berüchtigten Einbrecher und Kassenschränker, eingeflochten zu sehen. Das macht diesen Krimi so richtig lebendig. Geschickt wird der Bogen vom historischen Einbrecher zur Marktfrau Breitwieser und ihrem Enkel Timo gespannt. Da lässt sich vortrefflich das Marktgeschehen mit allen Sinnen erleben.

Wovon mir ein wenig zu viel ist, ist das Gewese rund um die Katze Chili sowie das lädierte Knie der Josy. Ja, Frau Autorin ist eine ausgesprochene Katzenliebhaberin und hat hier Chili, die inzwischen verstorben ist, ein Denkmal gesetzt. Vorbildlich macht Josy ihre Physio-Übungen, die das altersbedingt ramponierte Kniegelenk in Schwunge halten soll. Aber muss das so episch ausgewalzt werden?

Josy selbst ist keine Superheldin, sondern eine g’standene, patente Frau, die ihren Ruhestand mit Tee und Büchern genießen könnte, wenn man sie nur ließe. Doch Neugier, Menschenkenntnis sowie das untrügliche Gespür, dass etwas faul ist, machen aus der Pensionistin eine Wiener Miss Marple.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser wunderbaren Mischung aus Lokalkolorit, Verbrecherjagd, Büchern und Humor, 4 Sterne.

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Eine messerscharfe Analyse ohne Panikmache

Das Ende der Demokratie, wie wir sie kannten von Hans Vorländer

Hans Vorländer widmet sich in seinem neuen Buch der Demokratie im allgemeinen und vergleicht die Demokratie der klassischen Antike mit jener „neuen" Demokratie, die Produkt der Aufklärung und der nachfolgenden Revolutionen ist. Zudem untersucht er präzise, warum die liberale und repräsentative Demokratie in ihrer bisherigen Form unter Druck geraten ist.

Dabei, das muss an dieser Stelle ausdrücklich festgehalten werden, gibt Vorländer die Demokratie nicht verloren.

Wie er zu diesem Schluss kommt, kann nach der Einleitung in acht Kapiteln gelesen werden:

Kapitel 1: Die Anfänge der liberalen Demokratie
Kapitel 2: Die Entwicklung der liberalen und repräsentativen Demokratie
Kapitel 3: Die Krisen und die Demokratie
Kapitel 4: Der Populismus und die Bruchstellen der repräsentativen Demokratie
Kapitel 5: Autokratischer Umbau der Demokratie
Kapitel 6: Auflösungserscheinungen der demokratischen Infrastruktur
Kapitel 7: Politische Polarisierung und der Strukturwandel der Öffentlichkeit
Kapitel 8: Was kommt nach dem Ende der liberalen und repräsentativen Demokratie?

Im letzten Kapitel, sucht er nach Antworten auf die Frage, wie Demokratie sich verändern, neu organisieren muss, um wieder Vertrauen gewinnen zu können. Seine Antwort, und das gibt Hoffnung, läuft auf eine „lernfähige Demokratie“ hinaus. Allerdings muss man sich täglich darum bemühen. Nicht der unbestimmte, der nebulose „man“, sondern jede/jeder Einzelne. Denn Demokratie ist kein Zustand, der, wenn er irgendwann erreicht ist, unverändert in alle Ewigkeit Bestand hat. Demokratie unterliegt einem steten Wandel. Ob dieser Wandel in geordneten und kleinen Schritten vollzogen wird oder mit einem lauten Knall, ist davon abhängig, ob genügend Menschen bereit sind, die Demokratie immer wieder neu zu verteidigen, sie anzupassen und mit Leben zu erfüllen.

Wir werden sehen, wie es nach der Abwahl des autokratisch regierenden Staatspräsidenten Aleksandar Vučić
durch den Wahlsieg der „Studentenliste“ in Serbien weitergeht. Eine Wahl zu gewinnen, heißt noch nicht, dass der Demokratie der Durchbruch gelingt. Zunächst muss ein neues Parlament und eine neue Regierung gewählt werden. Ob dafür genügend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht? Ich wünsche den Wahlgewinnern viel Glück und Durchhaltevermögen. Serbien könnte, wie Peter Magyars Ungarn, als positives Beispiel dienen, autokratische und illiberale Regierungen abzuwählen. Möge die Übung gelingen!

Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Demokratie besteht. Die Angriffe von innen und außen machen sie leider angreifbar.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser kompakten Analyse des IST-Standes und der möglichen Auswege in eine Demokratie, die auch in der Zukunft Bestand hat, 5 Sterne.,

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Eine Leseempfehlung

Engadiner Meistermord von Gabriela Kasperski

Obwohl ich Gabriela Kasperski aus anderen Krimi-Reihen kenne, ist dies hier mein erstmaliger Kontakt mit Libby Andersch, einer Pensionistin und begeisterten Winterschwimmerin, die aktuell ein paar Tage Urlaub in Pontresina verbringt.

Winterschwimmen ist gleich das Stichwort - Libby will im eiskalten Lej da Staz gemeinsam mit Gleichgesinnten ihrem eiskalten Hobby frönen, als sie eine Tote im Wasser entdeckt.

Die Polizei geht von einem selbst verschuldeten Unfall aus, zumal bei der Obduktion von Smilla Tsev, der neuen Kulturverantwortlichen der Gemeinde, ein angeblicher Herzfehler festgestellt worden ist.

Libby Andersch hegt Zweifel und beginnt selbst Erkundigungen einzuziehen. Dabei stößt sie auf alte Feindschaften, aktuelle Seilschaften, ein verschwundenes Buch sowie auf allerlei Geheimnisse, die einige Leute besser unentdeckt haben wollen.

Meine Meinung:

Da bei uns aktuell die Heizung ausgefallen ist, kann ich mich in das eisige Engadin so richtig hinein fühlen. Ich bewundere die Leute, die auch bei winterlichen Temperaturen ihrem Hobby Schwimmen in kalten Gewässern nachgehen. Für mich ist das nichts.

Mit Gabriela Kasperski verbindet mich schon länger eine Art Lesefreundschaft, die vor allem ihre Krimis im Emons-Verlag betrifft. Besonders jene um die Buchhändlerin Tereza Berger in der Bretagne oder die Zürich-Krimis mit Schnyder & Meier habe ich gerne gelesen. Jene mit Libby Andersch sind mir bislang durch die Lappen gegangen. Doch das BuchBüro von Nicole Lehmann konnte hier Abhilfe schaffen und hat mir diesen Krimi als Leseexemplar überlassen. Dass ich wie so oft mit einem letzten Band eine Reihe beginne, stört hier nicht, denn dieser Fall lässt sich sehr gut lesen, ohne die Vorgänger kennen.

Ich bewundere Gabriela Kasperski, die ihre unterschiedlichen Reihen nicht nur mit verschiedenen Protagonisten sondern auch mit differenzierte Szenarien ausstattet.

Gut gelungen ist ihr, die lokalen Eigenarten der manchmal eigenbrötlerisch wirkenden Menschen darzustellen. So lässt sie die subtile Feindschaft zwischen den Oberengadinern und Unterengadinern mitschwingen. Dazu kommen noch der Ausverkauf der Immobilien an betuchte Ortsfremde, die überall in Europa für Mangel an erschwinglichen Wohnungen sorgt, obwohl gerade in der Schweiz die Regeln für Zweitwohnsitze streng geregelt wären. Aber gegen diverse Machenschaften innerhalb eines Dorfes sowie Immobilienspekulation ist manchmal kaum beizukommen.

Geschickt baut die Autorin den speziellen Dialekt, der im Engadin gesprochen wird, in ihren Krimi ein. So ist ein offener Bücherschrank ein Bücherchesina.

Schade finde ich, dass Smilla Tsev sterben hat müssen. Diese Figur ist mir sehr sympathisch. Dass sie bei ihren Recherchen zu ihrem Buch Geheimnisse aufdeckt, die andere lieber unentdeckt gewünscht hätten, ist ihr Todesurteil.

Jedenfalls werde ich mich mit den Vorgängern dieses Krimis beschäftigen, die wenn ich die Titel richtig interpretiere, Libby Andersch in unterschiedlichen Gegenden ermitteln lassen.

Fazit:

Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Eine klare Leseempfehlung!

Mein Leben mit den Stars der Oper von Germinal Hilbert

Der Autor mit dem ungewöhnlichen Vornamen ist internationaler Agent (nein, nicht James Bond) für Sängerinnen und Sänger in der Opernwelt und erzählt hier aus seinem über 50-jährigen Arbeitsleben mit männlichen und weiblichen Diven.

In seinen Agenturen in Paris und München betreut er das Who-is-Who der Opernbühnen auf der ganzen Welt.

Ob Sopran, Mezzosopran, Bariton, Tenor oder Bass - die Namen der Sängerinnen und Sänger sind hochkarätig. Birgit Nilsson, Leonie Rysanek, Edda Moser, Edita Gruberová oder Neil Shicoff und Kurt Rydl. Auch berühmte Dirigenten wie Karl Böhm oder Carlos Kleiber gehör(t)en zu seinen Klienten.

Die Aufgaben einer Künstleragentur sind vielfältig und reichen von der Terminplanung über die Gagenverhandlung und Hotelbuchung bis hin zu Troubleshooting, wenn der jeweilige Star einmal indisponiert ist. Zudem gehört, wie Germinal Hilbert glaubwürdig versichert, auch die behutsame Lenkung (s)eines Stars, wenn sich die Karriere dem Ende zuneigt. Hilberts Credo ist, besser auf dem Höhepunkt abzutreten als unter Buh-Rufen, weil die Stimme nicht mehr trägt. Hier bedarf es sehr, sehr viel Fingerspitzengefühl. Und der eine oder andere Künstler hat ihm seinen Hinweis übel genommen.

Meine Meinung:

Ich bin weder eine ausgesprochene Liebhaberin noch Kennerin von Opern. Trotzdem habe ich das Buch, das mir einen detaillierten Einblick in die Welt von Sängerinnen und Sänger ermöglicht hat, gerne gelesen. Meine Großeltern hatten einen Plattenschrank mit diversen Opern-Schallplatten. Daher habe ich als Kind die eine oder andere Oper gehört und regelmäßig Marcel Prawy als Opernführer im TV gesehen. Apropos Schallplatten - auf dieses Thema geht Germinal Hilbert auch ein. Wenn früher Sängerinnen und Sänger Tantiemen aus dem Verkauf von Schallplatten (bzw. CDs) lukriert haben, ist dies im Zeitalter von Social Media längst passé. Wer eine Oper mit einem bestimmten Sänger/Sängerin/Dirigenten hören möchte, lädt sich die entsprechende Datei einfach auf das Abspielgerät.

Hilbert beschreibt auch, dass der Beruf einer Sängerin, eines Sängers besteht nicht nur aus glanzvollen Premieren und viel Applaus besteht. Vielmehr machen Disziplin und oft anstrengendes Arbeiten mit Dirigenten, die ihre eigene Interpretation des Werkes durchsetzen wollen, den Sängerinnen und Sängern das Leben schwer. Auch hier springt Germinal Hilbert (oder jemand aus seinem Team) kalmierend ein.

Trotzdem, so schreibt Hilbert, würden die allermeisten diesen Beruf wieder ergreifen - Auch er selbst, der nun nach über 50 Jahren seine Agentur in jüngere Hände gelegt hat.

Zahlreiche teils private Fotos ergänzen dieses durchaus humorvolle Buch, das uns die Arbeit mit Künstlerinnen und Künstlern näher bringt.

An dieser Stelle muss ich den Doyen des österreichischen Journalisten, Hugo Portisch zitieren: „Aufregend war es immer“ - Germinal Hilberts Leben mit den Stars der Oper.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem interessanten Einblick in die Welt der Opernstars, der mit zahlreichen, oft sehr privaten Anekdoten gespickt ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Rezensionen von Harakiri:

Arne Stillers schwierigster Fall

Der Leichencode von Elias Haller

Arne Stiller in seinem schwierigsten Fall.
Ein 9-jähriger Junge verschwindet spurlos. Und er ist nicht der erste. Arne Stiller ist auf der Suche nach „Dem Seher“ (hier unbedingt die Vorgängerbände lesen!), der Hinweise geben könnte. Doch der will nicht gefunden werden und hinterlässt nur kryptische Zahlen an verschiedenen Orten.

Als eine Kiste voller Knochen gefunden wird, gerät der Fall in Bewegung.
Wow, ich bin immer wieder geflasht über Arne Stillers Kryptologie. Ich liebe Zahlenrätsel auch, aber hier kann ich nicht mithalten. Umso mehr bewundere ich Elias Haller dafür, wie er es immer wieder schafft, neue Rätsel zu generieren, die am Ende logisch alles aufklären.
Stiller ist mir vom ersten Band an ans Herz gewachsen, ich mag seine Art, auch wenn er in den letzten Bänden ein wenig mehr Härte zeigt. Die Handlung ist spannend von Anfang bis Ende und entwickelt eine richtige Sogwirkung. Mit dem Ende bin ich nicht ganz so einverstanden, aber es ist gut gewählt.
Fazit: wieder ein topaktueller Fall für Kryptologe Arne Stiller, dem ich eine klare Leseempfehlung erteile.

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Rezensionen von Harakiri:

Die Fortsetzung des Weltbestsellers "Der Junge, der Träume schenkte"

Der Traum, der neue Welten schenkte von Luca Di Fulvio

Die Fortsetzung des Weltbestsellers „Der Junge, der Träume schenkte“
Natale, jetzt Christmas, ist erwachsen geworden und hat selber eine Familie. Mit Frau und Töchterchen Anna lebt er in New York – bis das Schicksal gnadenlos zuschlägt.
Vor dem Schrecken des 2. Weltkrieges entfaltet sich die Geschichte von Christmas und Ruth und deren Familie.

Dabei wird die Geschichte aus dem 1. Band weitererzählt. Ich fand es schön zu lesen, was aus dem Jungen, der Träume schenkte, geworden ist. Leider war die Erzählung im 1. Teil des neuen Buches etwas zäh und die Handlung sprang zwischen zwei Zeiten (1933 und 1942), so dass mir der Einstieg etwas schwerfiel. Die Hintergründe wurden zwar gut erklärt, aber die Handlung von Molly brachte das Buch nicht wirklich voran.
Ab dem 2. Teil des Buches klebte ich aber förmlich an den Seiten: Christmas hat kein leichtes Leben und Ruth ist in Europa und Christmas will über den Ozean fahren, um sie zu suchen. Das Abenteuer beginnt und es wird sehr spannend. Denn auch in Europa wird Christmas verfolgt und auch Ruth hat es nicht leicht, ihren Christmas zu finden.
Luca Di Fulvios großer Traum, eine Fortsetzung seines Bestsellers zu schreiben, ging nicht ganz in Erfüllung, weil er vorher verstorben ist. Seine Frau hat ihm aber posthum diesen Traum erfüllt, was ich sehr romantisch finde und ich habe mich auch sehr auf das Buch gefreut.
Fazit: 3 Sterne für den 1. Teil, 5 für den Schluss, ergibt solide 4 Sterne für „Der Traum, der neue Welten schenkte“.

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Rezensionen von Shilo:

Die Vergangenheit ist nie ganz vorbei

Ozean von Katharina Höftmann

Friedchen und Paula, zwei junge Frauen, lernen sich 1932 in Berlin kennen und verstehen sich auf Anhieb. Sie gehen zusammen tanzen und erzählen sich, was sie sich für ihr Leben wünschen. Beide glauben fest daran, dass sie immer Freundinnen bleiben werden. Friedchen verliebt sich in Paulas Cousin Max und ahnt noch nicht, was in den kommenden Jahren auf sie zukommt.

Als Hitler an die Macht kommt, ist es mit dem unbeschwerten Leben vorbei. Paula und Max sind Juden und müssen erleben, wie sich ihr Alltag verändert. Was für andere selbstverständlich ist, wird für sie immer schwieriger. Die politischen Ereignisse machen auch vor den Menschen, die ihnen nahestehen, nicht halt. Für Friedchen und Paula beginnt eine Zeit, in der vieles anders kommt als erwartet.
Die Verbindung zwischen Friedchen und Paula zieht sich durch viele Jahre. Im Laufe der Zeit müssen beide mit vielem fertig werden, das sie sich früher nicht hätten vorstellen können. Auch in der Liebe läuft nicht alles so, wie sie es sich wünschen. Ihre Lebenswege verändern sich, und nicht jede Entscheidung lässt sich später wieder gutmachen. Ich habe mit den beiden mitgefühlt und mich oft gefragt, was ich an ihrer Stelle getan hätte.
Die Geschichte führt von den dreißiger Jahren bis in unsere Zeit. Dabei bleibt es nicht bei dem, was Friedchen und Paula selbst erleben. Auch die jüngeren Generationen gehören dazu. Was in einer Familie früher geschehen ist, kann noch viele Jahre später eine Rolle spielen. Manche Dinge werden weitergegeben, andere bleiben lange unausgesprochen und kommen erst viel später ans Licht.
Mir gefällt an solchen Romanen, wenn persönliche Schicksale mit den Ereignissen der Zeit verbunden werden. Hier erlebt man, wie politische Veränderungen das Leben ganz normaler Menschen durcheinanderbringen und wie unterschiedlich sie damit umgehen. Gleichzeitig geht es um Menschen, die einander nahestehen und trotzdem nicht immer verhindern können, dass sich ihre Wege verändern.
Die Geschichte von Friedchen und Paula reicht weit über ihre gemeinsame Jugend hinaus. Aus den beiden jungen Frauen, die einst voller Pläne waren, werden Menschen, die mit den Folgen ihrer Erlebnisse leben müssen. Der Roman erzählt von Freundschaft und Liebe, aber auch davon, was Menschen verlieren und was sie über viele Jahre hinweg begleitet. 5 Sterne.

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Rezensionen von askyfullofpages:

Verbotene Liebe

Love's Anatomy von Anna Hensel

Fast wie in alten Zeiten! Dieses Hörbuch hat mich direkt zurück in meine eigene Zeit in der Klinik versetzt. Eine Romanze hatte ich dort zwar nicht, beobachtet habe ich aber so einiges.

Mit „Love's Anatomy“ ist Anna Hensel eine mitreißende Romance mit einem wirklich sehr guten Hospital-Setting gelungen.

Dazu kommen Enemies to Lovers und eine verbotene Liebe zwischen Oberarzt und Assistenzärztin. Die Autorin ist selbst Ärztin, und man merkt, dass sie weiß, wovon sie schreibt. Der Klinikalltag hat für mich wunderbar funktioniert. Als ehemalige Kollegin kann ich sagen, dass das Ganze sehr realistisch dargestellt ist.

Wir begleiten Leevke, eine junge Assistenzärztin, die seit einem Unfall große Probleme mit ihrer Hand hat. Ausgerechnet in der Unfallchirurgie eines Hamburger Klinikums muss sie sich nun beweisen. Dort hat sie es nicht nur mit dem rauen Umgangston in einer männerdominierten Abteilung zu tun, sondern auch mit ihrem überaus anziehenden Oberarzt Veith. Und gerade vor ihm will sie keine Schwäche zeigen.

Ein ganz großes Kompliment möchte ich Victoria Schätzle machen, die das bei Argon erschienene Hörbuch großartig eingesprochen hat. Leevkes Innenleben und ihre Verzweiflung, sich auf ihre eigene Hand nicht mehr verlassen zu können, konnte man richtig spüren.

Mir hat es wirklich sehr viel Spaß gemacht, dieses Hörbuch zu hören. Es hat mich in Erinnerungen schwelgen lassen und mich super unterhalten.

Wer Romance mit ein wenig Spice mag und gerne in den Klinikalltag eintaucht, dem kann ich „Love's Anatomy“ von ganzem Herzen empfehlen.

Ich habe das Hörbuch als Rezensionsexemplar von Argon und der Autorin erhalten. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst.

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