Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Ein radikaler Text
Das weiße Blatt Papier von Oskar Roehler
Im ersten Abschnitt seines autobiografischen Romans erzählt Oskar Roehler von seinen Eltern, die beide Schriftsteller waren. Es war nicht einfach in so einem toxischen Elternhaus aufzuwachsen, doch sie trennten sich schon früh.
Roehlers Vortrag hat die Form einer Tirade. Diese bildet der literarisch aus.
Roehler wächst auf in einem linksradikalen Umfeld. Rettung und Trost bieten ihm Filme und Literatur der extremen Natur: Cioran wie Heidegger, von Pasolini zu Faßbinder.
Nur wer sich auf Roehlers assoziatives Spiel einlässt, wird diesen Roman genießen können.
Rezensionen von Kwinsu:
Großartiges Gesellschaftsportrait mit Krimielementen
Die Auster von Yael Inokai
Wie seit über 40 Jahren will Leonora bei ihrem Chef Dr. Bronstett diesen Morgen sein Haus auf Vordermann bringen. Blöderweise liegt dieser aber tot und ohne Hände in seinem Haus. In Schockstarre erledigt sie trotzdem ihre Arbeit als Putzfrau und gerät so vorerst in den näheren Kreis der Verdächtigen der Mordermittlung.
Doch wer nun meint, einen kurzweiligen Krimi in Händen zu halten, muss enttäuscht werden. Die restliche Geschichte ist eine intelligente und schwarzhumorige Milieustudie, die am Ende auch eine Auflösung des Mordes mit sich bringt.
Was für ein geniales Buch ist Autorin Yael Inokai da gelungen! Sie portraitiert die Reinigungsdame und Kaufhausaufhilfe Leonora Bloch in einer derart unsentimentalen und authentischen Art und Weise, dass man sofort glaubt, sie könnte die Nachbarin von nebenan sein. Und das mit Sätzen, die so nachvollziehbar sind, dass man es manchmal schade findet, dass sie einen nicht selbst eingefallen sind. Wenn sie sich einfach nur wegdenken möchte, schreibt sie beispielsweise:
Leonora drehte sich um und sah auf den Wäscheständer. Sie sehnte sich danach, ein Ding zu sein, ein Möbelstück, ein langweiliges Buch, dieser Wäscheständer, behangen mit Unterhosen, Unterhemden und Socken, frei von Mord und Totschlag, Steuererklärungen, verwöhnten Töchtern, die nicht mehr in ihre winzigen Kleider passten. (S. 109)
Leonora ist eine Person, die einfach nur Leben will, ohne Pomp und vor allem - ohne viel Kontakt zu anderen Menschen. Deshalb schätzt sie ihre Arbeit als Reinigungskraft so sehr, weil sie mit den Schmutzverursachern so wenig wie möglich zu tun hat. Trotzdem weiß - oder glaubt zu wissen - erstaunlich viel über ihren getöteten Chef Dr. Bronstett. Deshalb ist sie auch nur mäßig überrascht, als er sie testamentarisch dazu beauftragt, sein Begräbnis zu organisieren. Bedauerlicherweise will da aber auch noch seine Tochter Amande - widerwillig aber doch - ein Wörtchen mitreden.
Es ist einfach so schön zu lesen, wie die Autorin die Protagonistin beschreibt. Leonora ist schrullig, zurückgezogen, menschenabgewandt, zutiefst genügsam, aber auch eine Person, die schwere Schicksalsschläge erlebt hat. So hat sie ihren Sohn früh an eine schwere Krankheit verloren, ein Ereignis, dass sie tief geprägt hat. Trotzdem war und ist sie immer noch äußerst pflichtbewusst und versucht, allen alles recht zu machen. Im Laufe der Geschichte finden wir heraus, dass Leonora viel wusste, aber auch viel intuitiv ahnte. Besonders schön fand ich, ihre Gedanken mitverfolgen zu können - sie sagt Dinge und führt sie im Gedanken weiter, ohne sie auszusprechen - wer kennt es nicht?
Gesamtheitlich betrachtet ist Leonoras Schicksal zutiefst traurig, aber die Autorin schafft es, sie so realistisch darzustellen, dass man erkennt: solch eine Geschichte gibt es Zuhauf, wir mögen nur nicht hinschauen. Hier gibt es das immer-wieder-auf-das-Geld-schauen-müssen, eine Genügsamkeit ohne den geringsten Funken an Neid, die nur Menschen kennen, die weit von Luxus entfernt sind und einen Schicksalsschlag, der durch gesellschaftliche Konventionen zu einer tiefen, unberechtigten Scham führen. Die Charakterzeichnung ist der Autorin einfach nur genial gelungen. Außerdem portraitiert sie die ehemalig wichtige Bedeutung der Lebenswelt eines Großkaufhauses in all seinen hierarchischen Aspekten.
Nebenher läuft die Aufklärung des Mordfalles, die wirklich nur eine Nebenrolle spielt. Der Mord wird geklärt und man mag dem Buch anlasten, dass diese Aufklärung konstruiert ist - dann verkennt man aber, dass es vordergründig nicht um das Tötungsdelikt geht - sondern um eine Alltagsheldin, die trotz Schicksalsschlägen immer an ihrem Verantwortungsbewusstsein festhält. Was "die Auster" damit zu tun hat: außer dass das Tier regelmäßig gegessen wird, gibt es viele Bezüge, die ihm und den handelnden Personen angelastet werden können.
Mein Fazit: "Die Auster" ist für mich zweifelsohne ein Highlight des diesjährigen Lesejahres, dass durch Tiefgründigkeit, hervorragende Menschenbeobachtung und schwarzem Humor besticht. Einen handelsüblichen Krimi darf man sich aber nicht erwarten, sondern ein gelungenes Gesellschaftsportrait, das lange nachhallt!
Rezensionen von Kwinsu:
Ein Abschied mit vielen Facetten
Abschiedssommer von Jochen Missfeldt
Während Gustav Hasse sich vor einer OP langsam in den narkotisierenden Dämmerschlaf begibt, keimen in ihm Erinnerungen an jenen Sommer auf, der für ihn von zentraler Bedeutung zu sein scheint: jener an der Geltinger Bucht im Jahre 1959. Der damals 18-Jährige durchlebte zahlreiche Emotionen, die durch Musik, seiner ersten Liebe und dem Verdrängen der nationalsozialistischen Vergangenheit geprägt sind.
Soweit das Grundgerüst der Story. Die Geschichte adäquat zusammenzufassen, ist schier unmöglich, zu viele Schnipsel, Textformen und Begegnungen werden in dem Buch verarbeitet, um das große Ganze klar herausfiltern zu können. Zentral ist jedenfalls seine Beziehung mit der Jugendliebe Johanna, die jäh endet, nachdem ihr der Protagonist aus Eifersucht eine Ohrfeige verpasst. Dass die Liebesbeziehung damit ins Aus geschossen wurde, sickert aber nur ganz langsam in Gustavs Gehirn, langatmig werden seine Gedanken und Rechtfertigungen dazu ausgebreitet. Dazwischen passiert ganz viel und der Autor entschloss sich dazu, das Geschehene nicht linear und konventionell zu erzählen, sondern in Form von unterschiedlichen Textsorten und -Bausteinen. So können die Lesenden u.a. Theateraufführungen von Fluchttagebüchern oder imaginierte Flüge mit einer reimenden Möwe mitverfolgen. Hier immer den Zusammenhang zu erkennen, fällt wahrlich nicht leicht. Zweifelsohne ist diese Herangehensweise originell, führt aber mitunter zu Verwirrung und folglich auch zur Frustration. Passend dazu ist auch die verwendete Sprache, die zwischen literarischer, alltagstauglicher und ans Ordinäre anmutender Erzählweise schwankt.
Durch die wohl bewusst gewählten Text- und Erinnerungssprünge, weist das Buch auch einige Brüche auf, die durchaus herausfordernd sind. So ist im letzten Viertel des Romans die Geschichte um Gustavs einst hochverehrten Kunstlehrer Hensel - einer real existierenden Person mit nationalsozialistischer Vergangenheit - zentral. Gustav (oder Missfeldt?!) erforscht hier, inwieweit der Maler Gerhard Fritz Hensel im Regime verankert war und muss zu seinem Entsetzen feststellen, wie tief diese reichte. So war Hensel regelmäßiger Gast bei seinem Schwager Rudolf Höß, dem Kommandanten des KZs Ausschwitz und portraitierte Gefangene. Die Frage, ob ein Bild von dem NS-Künstler offen ausgehängt werden soll oder nicht, entwächst sich zu einem verwirrenden Schlussakkord in der Geschichte.
Die Figuren, die in "Abschiedssommer" auftauchen, sind allesamt recht unzugänglich. Besonders blass erscheint die Jugendliebe Johanna, die der Protagonist erzählenderweise nur sehr wenige und recht geistlose Worte in den Mund legt. Mehr Charakter weist da schon ihre Mutter Claude auf, die immer wieder eine wichtige Rolle spielt. Zurecht nervig sind jene, die von allem nichts gewusst haben wollen und die durch humorige Bemerkungen einen fahlen Beigeschmack hinterlassen. Ansonsten trifft der Autor den Zeitkolorit der endenden 1950er Jahre recht gut, besonders durch die Schilderungen über die Auftritte von Gustavs Band "Die Flamingos", ebenso die stets schwelenden Nachwirkungen des Dritten Reichs auf jene, die es miterlebt haben. Und dann ist da noch das Miederbusiness, das immer wieder Erwähnung findet - aus welchen Gründen auch immer - informativ ist es jedenfalls.
Abschiede spielen, wie der Titel vermuten lässt, eine Rolle, in unterschiedlicher Weise: seien es Abschiede von Personen, von verdrängten Erinnerungen, von Verehrungen, von lebenslangen Beziehungen, von kurzen Begegnungen, von konventionellen Erzählsträngen, von Ignoranz und schließlich auch von einem Sommer, der im Angesicht von narkotisierenden, medizinischen Drogen kurzzeitig das Gedächtnis wiedererreichte. Ein hundertprozentig zufriedenstellendes Leseereignis war das Buch für mich nicht, aber das kann auch daran liegen, dass ich keinen anderen Teil der "Solsbüll"-Reihe von Jochen Missfeldt kenne, dessen Abschluss vorliegendes Buch darstellt. Einige interessante und originelle Ideen kann es aber durchaus auch ohne Vorkenntnisse vorweisen.
Rezensionen von Meli:
Neues Abenteuer, neue Magie - wieder spannend
The Sea Spinner von Julie Johnson
Ich konnte mich kaum noch an die Ereignisse des ersten Bandes erinnern, daher hat es mir direkt gut gefallen, wie die Handlung fast direkt an den Vorgänger anschließt. Es geht erstmal darum, wie sich Rhyas Beziehungen zu Penn und zu ihren anderen Freunden entwickelt haben, sodass es gleichzeitig auch eine neue Situation ist und man da auch wieder direkt dabei ist.
Bei einer Reise durch ein Portal landet sie dann bald aus Versehen bei König Soren, was auch zu ganz neuen Eindrücken und magischen Lektionen führt. Den Einstieg in die Geschichte fand ich also sehr gut gelungen und ich fand es auch direkt spannend und interessant, weil es auch ein neues Abenteuer für Rhya ist.
Rhya ist ziemlich verunsichert, weil Penn sie auf Abstand hält, und verbringt ihre Tage mit der Behandlung kranker Patienten, um ihrem Dasein einen Sinn zu geben und nicht nur auf Penn zu warten. Als sie bei Soren landet, will sie eigentlich nach Caeldera zurückkehren, doch Sorens magische Fähigkeiten haben Ähnlichkeiten zu ihren und sie kann viel von ihm lernen. Außerdem hat der charmante König auch viel mehr zu bieten, als Rhya zunächst erwartet hätte.
Mir hat gut gefallen, dass man tiefer in die Magie der Welt eintaucht und dass Rhya sich auch weiterentwickelt, sowohl mit ihren magischen Fähigkeiten als auch als Person; sie gewinnt langsam mehr Selbstbewusstsein, obwohl sie am Anfang noch so viel zweifelt und viele Sorgen hat. Ich fand das Abenteuer spannend, es gab auch genug Romance und nach dem Cliffhanger bin ich auch schon sehr gespannt auf die Fortsetzung!
Rezensionen von Snookie:
Eine gute Idee, die mich nicht ganz überzeugen konnte
Theo in Golden von Allen Levi
Theo in Golden handelt von einem älteren Mann, der eines Tages in die Stadt Golden kommt. Er sieht in einem Café Porträts einiger Bewohner hängen und beschließt, diese zu kaufen und an die entsprechenden Personen zu verschenken. Dabei lernt man die Geschichten einzelner Charaktere kennen und erfährt, wie Theo eine Verbindung mit diesen aufbaut.
Ich bin ein wenig zwiegespalten. Ich mag zwar die Botschaft, die die Geschichte vermitteln soll, allerdings finde ich die Handlung stellenweise sehr langgezogen. Ich habe das Buch über mehrere Tage hinweg gelesen, für mich war es kein Buch, das ich am Stück lesen wollte. Es war leider nicht so spannend oder emotional packend, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Für mich war das Buch teilweise schwer zu lesen, weil es stellenweise unstrukturiert wirkte und es oft viele Sprünge gab. Die Handlung wirkte zudem oft repetitiv. Für mich wäre es daher schöner gewesen, wenn Theo nur wenigen Personen ihre Porträts übergeben hätte und man dafür stärker in deren Geschichten eingetaucht wäre. Teilweise wurden ihre Geschichten nur angerissen, obwohl ich denke, dass man diese durchaus hätte vertiefen können.
Besonders schwer bin ich wegen der vielen Charaktere in die Handlung gekommen. Vor allem am Anfang werden viele Figuren eingeführt. Da ich nicht so gut darin bin, mir Namen zu merken, konnte ich dann manchmal eine Person nicht mehr zuordnen. Erst später im Verlauf des Buches konnte ich die Figuren etwas besser zuordnen. Jedoch sind die Charaktere grundsätzlich sehr gut gestaltet. Sie sind auch alle sehr unterschiedlich und bieten somit ein großes Spektrum, von der obdachlosen Frau über den Künstler bis hin zur erfolgreichen Geschäftsfrau. Und jeder hat natürlich mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Es wird nur die Hintergrundgeschichte einiger ausgewählter Charaktere erzählt, jedoch nicht von allen im gleichen Maße. Von Theo allerdings erfährt man im Verlauf des Buches sehr wenig. Was ich gerade auch an dem Buch gemerkt habe, ist, dass jeder seine Geschichte erzählen will, aber niemand fragt beim anderen nach. Theo will von allen die Geschichte hören, aber keiner fragt bei Theo nach (auch wenn er sehr geschickt ist und nichts so richtig von sich preisgeben will). Sie erleben Theo nur als gutmütigen und freundlichen Menschen, kennen ihn und seine Hintergrundgeschichte aber nicht. Die Frage, die sich da stellt, ist: Wie gut kennen wir die Menschen eigentlich wirklich?
Die Botschaft, die uns das Buch meiner Meinung nach vermitteln will, ist, dass wir allen Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Alters, welchen Geschlechts, welcher finanziellen und sozialen Lage und welchen Hintergrunds mit Respekt, Güte, Freundlichkeit und Gnade begegnen sollten. Es soll aber auch zeigen, dass jeder Mensch eine Chance verdient. Das Leben ist zu kurz, um unfreundlich zu sein. Außerdem will jeder Mensch gesehen und gehört werden. Jeder hat seine Geschichte zu erzählen und hat seine Erfahrungen gemacht, die ihn geprägt haben. Es soll aber auch zeigen, dass in jedem Menschen Potenzial steckt. Und manchmal braucht es nur eine Person, die an dich glaubt, um etwas zu verändern.
Trotz der tollen Botschaft bin ich doch ein wenig enttäuscht. Dafür, dass das Buch so gehyped ist (gerade auch im englischsprachigen Raum), hatte ich mir ein bisschen mehr erwartet. Es hat mich zwar zum Nachdenken angeregt und ich habe mich auch hinterfragt, wie ich täglich den Menschen begegne und ob ich an meinem eigenen Verhalten etwas ändern könnte. Aber es hat mich dennoch nicht komplett in den philosophischen Gedankenstrudel gerissen, wie ich es mir erhofft hätte.
Rezensionen von CanYouSeeMe:
The Poison Daughter
The Poison Daughter von Sheila Masterson
The Poison Daughter hat mich vor allem deshalb neugierig gemacht, weil es sich um einen Einzelband handelt. Gerade im Fantasy- und Romantasy-Genre sind abgeschlossene Geschichten inzwischen gefühlt eher die Ausnahme – umso schöner, nicht direkt zu wissen, dass noch mehrere Bände auf einen warten.
Die Grundidee und die Geschichte haben mich von Beginn an abgeholt. Ich wollte wissen, wie sich die Handlung entwickelt, und insgesamt hat mir die Story gut gefallen. Allerdings gab es zwischendurch einige Längen, durch die sich das Tempo für mich etwas gezogen hat. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass einige für mich interessante Handlungsstränge zugunsten des Spice zu kurz gekommen sind. Hier hätte ich mir teilweise etwas mehr Tiefe und Raum für die eigentliche Geschichte gewünscht.
Besonders gut gefallen haben mir die Hauptcharaktere. Sie waren gut ausgearbeitet und wirkten in ihren Motiven und ihrer Entwicklung nachvollziehbar. Es gab durchaus Charakterentwicklung, allerdings hatte ich auch hier stellenweise das Gefühl, dass sich bestimmte Gedanken, Konflikte oder Verhaltensweisen wiederholten und dadurch etwas redundant wirkten. Die Nebenfiguren konnten mich dagegen weniger überzeugen. Sie blieben im Vergleich zu den Hauptcharakteren eher blass und hätten für meinen Geschmack gerne etwas mehr Tiefe bekommen dürfen.
Der Spice ist sehr explizit und nimmt durchaus einen größeren Raum ein. Dabei steht insbesondere die Unterwerfung der Frau im Mittelpunkt, was sicherlich nicht jedermanns Geschmack sein dürfte. Grundsätzlich fand ich den Spice gut in die Handlung eingebunden, allerdings wirkte er für mich an einigen Stellen nicht ganz passend und hat dadurch teilweise eher von der eigentlichen Geschichte abgelenkt. Gerade weil mich einige der anderen Storylines interessiert hätten, hätte ich mir hier stellenweise eine andere Gewichtung gewünscht.
Unterm Strich konnte mich The Poison Daughter mit seiner Grundidee, den gut ausgearbeiteten Hauptcharakteren und der Handlung gut unterhalten. Trotz einiger Längen, blasser Nebenfiguren und gewisser Redundanzen bei der Charakterentwicklung hatte das Buch für mich genug spannende Elemente, um dranzubleiben. Besonders positiv bleibt für mich dabei der Einzelband – eine abgeschlossene Geschichte, die nicht direkt in einer weiteren Reihe endet. Für Leser, die expliziten Spice und eine deutliche Dominanz-/Unterwerfungsdynamik mögen, könnte das Buch durchaus interessant sein.
Rezensionen von Lesestern:
Wenn Zukunft eine Stimme findet
Ich finde meine Stimme in dir von Nicole Deese
Nicole Deese neuer Roman " Ich finde meine Stimme in dir " reiht sich wunderbar in die Fog Habour Serie ein und lässt sich unabhängig von ihren Vorgängern lesen.
Er ist wie alle von der Autorin bisherigen Romane wieder bei Francke-Buch erschienen.
Sophie Wilder kehrt nach einer gescheiterten Broadway Karriere ins elterliche Weingut nach Kalifornien zurück.
Dort möchte sie nur vorübergehend bleiben, bis sich ihre finanzielle Situation etwas entspannt hat ,um dann wieder neu durch zu starten.
Deshalb nimmt sie neben ihrer notwendigen Tätigkeit als Helferin bei den Weinveranstaltungen ihres selbstsüchtigen Bruders noch den Job als Hörbuch - Sprecherin für einen Verlag an.
Was als schnelle zusätzliche Geldquelle geplant war, entwickelt sich zu einer komplexen Geschichte mit Vergangenheitsbewältigung.
Die Begegnung mit August Tate, dem Toningenieur der Hörbuch-Produktion und seiner gehörlosen Schwester Gabby verändert ihre Sicht auf ihre bisherigen Zukunftsvorstellungen und alle Pläne beginnen zu bröckeln....
Mein Leseeindruck:
Deese gelingt es auch hier wieder mit ihrem fließend angenehm fesselnden Schreibstil zu überzeugen.
Ihe Protagonisten wachsen dem Leser ans Herz und faszinieren und berühren durch ihre persönlichen Glaubens- und Lebens -Geschichten.
Insbesondere die gehörlose Gabby mit ihrer natürlichen Begabung und ihrem unerschütterlichen Gottvertrauen hinterlässt ihre Spuren und bewirkt Bewegung und Veränderung.
Mit ihr entdeckt Sophie ihre alten Glaubenswurzeln wieder und auch August wird mit Familien Erinnerungen neu herausgefordert.
Mein Fazit:
Inspirierende, emotionale und in die Tiefe gehende Geschichte, die schwere Themen in eine fesselnde Geschichte packt und ein bewegend und sehr berührendes Leseerlebnis schenkt, das lange nachhallt.
Rezensionen von Snookie:
Zwischen Potenzial und zu viel Spice
The Poison Daughter von Sheila Masterson
In Poison Daughter geht es um Harlow, die eine magische Göttergabe hat: ihr Kuss ist tötlich. Während sowohl ihre eigene als auch eine weitere mächtige Familie ihre ganz eigenen Pläne und Intrigen spinnen, soll Harlow in die andere Familie einheiraten. Doch ausgerechnet ihr neuer Verlobter Henry ist immun gegen ihr Gift.
Was als arrangierte Ehe beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Spiel aus Geheimnissen, Macht und Intrigen, bei dem nichts so zu sein scheint, wie es zunächst wirkt. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Harlows und Henrys Perspektive.
The Poison Daughter hatte für mich eine wirklich interessante Ausgangsidee, bei der ich direkt neugierig geworden bin. Harlow ist eine erwachsene Protagonistin, die einen starken Willen hat, für ihre Freiheit kämpft und zudem eine interessante Hintergrundgeschichte mitbringt. Gerade das hat mir an ihr gut gefallen. Gleichzeitig war ich mit ihr aber auch häufig zwiegespalten. Einerseits wird sie als sehr unabhängig und kämpferisch dargestellt, andererseits unterwirft sie sich in bestimmten Situationen, was für mich nicht immer zu dem Bild gepasst hat, das zuvor von ihr vermittelt wurde.
Generell hatte Harlow für mich unglaublich viel Potenzial. Ihre Vergangenheit und die Dinge, die sie erlebt hat, hätten meiner Meinung nach eine viel emotionalere Geschichte ermöglicht. Ich hätte mir hier deutlich mehr Einblick in ihre Gedanken und ihre innere Zerrissenheit gewünscht. Vieles wurde für mich eher angerissen, anstatt wirklich in die Tiefe zu gehen. Dadurch konnte ich manche ihrer Handlungen und Entscheidungen nicht immer nachvollziehen.
Auch Henry ist mir als Charakter leider nicht wirklich nahbar geworden. Zwar ist zwischen ihm und Harlow von Anfang an eine gewisse Spannung vorhanden, aber gerade die emotionale Verbindung zwischen den beiden hat mir gefehlt. Bei den Charakteren allgemein blieb ich deshalb eher auf Distanz. Mir fehlte häufig das Verständnis dafür, warum sie bestimmte Dinge tun oder was emotional tatsächlich in ihnen vorgeht.
Mein größter Kritikpunkt war allerdings der Spice. Die Szenen waren für meinen Geschmack sehr häufig und haben die eigentliche Handlung immer wieder in den Hintergrund gedrängt. Vieles drehte sich um körperliche Anziehung, Dominanz und Unterwerfung, wodurch die Geschichte für mich stellenweise sehr oberflächlich wirkte. Dazu kam, dass sich die entsprechenden Szenen irgendwann sehr repetitiv angefühlt haben.
Besonders bei Harlow konnte ich das teilweise überhaupt nicht mit ihrer Hintergrundgeschichte in Einklang bringen. Gerade aufgrund ihrer Vergangenheit wirkten manche Situationen für mich nicht authentisch und ich konnte ihr Verhalten an diesen Stellen nicht wirklich nachvollziehen.
Auch die Beziehung zwischen Harlow und Henry empfand ich überwiegend als sehr körperlich. Die körperliche Anziehung war definitiv vorhanden, aber der Aufbau einer emotionalen Bindung kam für mich viel zu kurz. Erst gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass sich in dieser Hinsicht langsam etwas entwickelt. Dadurch hat mir leider genau die emotionale Tiefe gefehlt, die ich mir für die beiden gewünscht hätte.
Die eigentliche Handlung empfand ich als durchaus spannend. Die Geschichte hat interessante Ansätze und grundsätzlich einiges an Potenzial. Allerdings wurde die Handlung für mich immer wieder vom Spice überlagert. Außerdem hatte ich stellenweise das Gefühl, dass sich bestimmte Inhalte wiederholen und die Geschichte dadurch unnötig in die Länge gezogen wird. Meiner Meinung nach hätte man das Buch gut um etwa 30 % kürzen können, ohne dass dabei etwas Wesentliches verloren gegangen wäre.
Auch das Worldbuilding konnte mich leider nicht vollständig überzeugen. Es gab interessante Ideen, aber für mich blieb vieles eher oberflächlich und ich hätte mir an einigen Stellen mehr Ausarbeitung gewünscht.
Und dann wäre da noch der Bonus-Epilog, der für mich wirklich den Vogel abgeschossen hat. Den fand ich ehrlich gesagt eher makaber und hätte ihn nicht gebraucht.
Insgesamt bin ich deshalb ziemlich zwiegespalten. Ich mochte die Grundidee und fand es schön, endlich einmal eine erwachsene Protagonistin mit einer interessanten Hintergrundgeschichte und einem starken Willen zu haben. Auch die Handlung selbst hatte für mich durchaus spannende Elemente. Gleichzeitig wurde für mich aber viel Potenzial verschenkt, weil die emotionale Ebene der Charaktere und der Beziehung zu kurz kam und der sehr hohe Spice-Anteil die eigentliche Geschichte häufig überlagert hat.
Rezensionen von ekiam:
Ein turbulenter Ausflug mit wichtigen Lektionen
Ups, viel los im Straßenverkehr von Katharina Spangler
Mit Ups, viel los im Straßenverkehr ist ein weiteres Buch aus der Ups-Reihe bei uns eingezogen. Simon und seine Eltern wollen eigentlich nur zu einer Hochzeit; doch auf dem Weg dorthin geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Auto kaputt, Bus vor der Nase weggefahren, falsche Adresse im Navi und schließlich noch Stau.
Die dadurch entstehende Hektik und der Stress werden sehr gut vermittelt und waren für uns alle spürbar.
Besonders schön fand ich dabei, dass die Geschichte zwar vor allem Simons Perspektive zeigt, aber auch die Situation der Eltern verständlich dargestellt wird. Erwachsene kennen die Situation nur zu gut: Man muss dringend los, darf nicht zu spät kommen und irgendwie scheint alles schiefzugehen. Gleichzeitig erleben Kinder dieselbe Situation natürlich ganz anders und fühlen sich durch die Hektik schnell überfordert. Die Geschichte hilft hier dabei, die gegenseitige Wahrnehmung zu verstehen und führt insbesondere auch uns Eltern noch einmal vor Augen, wie wir in einer solchen Situation auf unsere Kinder achten können.
Neben der eigentlichen Geschichte werden ganz nebenbei wichtige Situationen im Straßenverkehr aufgegriffen. Kinder können so gemeinsam mit Simon überlegen, wie man sich an Ampeln, beim Überqueren einer Straße oder in unübersichtlichen Situationen richtig verhält.
Wie auch bei den anderen Büchern der UPS-Reihe gibt es zusätzlich Elterntipps und Gesprächsanregungen. Wirklich neu war für mich dabei wenig, aber die Seiten bieten eine gute Sammlung von Fragen und Anregungen, mit denen man das Thema nach dem Vorlesen noch einmal gemeinsam aufgreifen kann. Gerade für Eltern, die sich nicht sicher sind, wie sie bestimmte Alltagssituationen mit ihrem Kind besprechen können, finde ich das hilfreich.
Einen grundsätzlichen Kritikpunkt an der Reihe habe ich hier allerdings: Der Wechsel zwischen Vorlesekapiteln und Elterntipp-Seiten unterbricht den Lesefluss. Für Eltern ist diese Struktur praktisch, weil die Tipps schnell zu finden sind. Für Kinder wirkt es beim gemeinsamen Vorlesen allerdings so, als würden zwischendurch einfach einige Seiten übersprungen. Gerade jüngere Kinder können das noch nicht unbedingt einordnen. Hier würde ich persönlich das Vorleseerlebnis der Kinder höher gewichten und die Elterntipps lieber anders im Buch unterbringen.
Die Illustrationen gefallen mir wieder sehr gut. Sie sind liebevoll gestaltet und unterstützen den Text besonders dort, wo Verkehrszeichen, Karten oder Pläne erklärt werden. Gleichzeitig gibt es immer wieder kleine humorvolle Details zu entdecken. Auch die aus der Reihe bekannte Charakterkarte am Anfang ist wieder dabei und stellt Simon direkt vor.
Insgesamt ist Ups, viel los im Straßenverkehr eine gelungene Vorlesegeschichte, die Kindern wichtige Grundlagen für den Straßenverkehr vermittelt, ohne dabei wie ein trockenes Verkehrserziehungsbuch zu wirken. Die Struktur mit den Elterntipps könnte für das Vorlesen besser gelöst sein, ansonsten hatten wir aber viel Freude mit Simon und seiner ziemlich chaotischen Reise zur Hochzeit.
Rezensionen von CanYouSeeMe:
zwei Welten
Die zweitgrößte Liebe von Ruth-Maria Thomas
In Die zweitgrößte Liebe erzählt Ruth Maria Thomas von Mishelle und Henry, zwei Menschen, die aus sehr unterschiedlichen familiären und gesellschaftlichen Welten kommen. Gerade diese Gegensätze machen ihre Beziehung schwierig: Beide bringen eigene Erfahrungen und Vorstellungen mit, die der jeweils andere nicht vollständig verstehen kann.
Besonders gefallen hat mir Thomas’ Sprache. Der Schreibstil ist direkt, klar und angenehm zu lesen, wirkt dabei aber trotzdem eindringlich. Dadurch entsteht eine große Nähe zu den Figuren und ihren Konflikten.
Spannend fand ich vor allem, wie Thomas das Aufeinandertreffen dieser beiden Welten beschreibt. Mishelle und Henry sind beide verschlossen und öffnen sich dem anderen nur schwer. Obwohl sie sich näherkommen, schaffen sie es deshalb nicht, einander wirklich zu verstehen. Aus ihrer unterschiedlichen Herkunft und ihrem fehlenden Austausch entstehen immer wieder Konflikte.
Für mich zeigt der Roman sehr eindrücklich, dass Liebe allein nicht genügt, wenn zwei Menschen in völlig unterschiedlichen Lebenswelten aufgewachsen sind. Die zweitgrößte Liebe ist deshalb weniger eine klassische Liebesgeschichte als eine Geschichte über Nähe, Distanz und die Schwierigkeit, einen anderen Menschen wirklich zu verstehen.










