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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Snookie:

Atmosphärisch, warmherzig und gefühlvoll

Tokyo Seasons von Anne Pätzold

In „Tokyo Season“ geht es um Caitlyn, die auf einer Geschäftsreise in Japan ist. Eines Abends landet sie auf einer Dating-App, die anders funktioniert als andere Dating-Apps, nämlich ohne Fotos, sondern nur mit einer Antwort auf eine Frage. Danach muss jede Nachricht mindestens 75 Wörter umfassen.

Auf diesem Weg lernt sie Jude und seine Freunde Emma und Will kennen. Caitlyn begibt sich außerdem auf die Suche nach ihrem Vater, der in Japan lebt und zu dem der Kontakt vor 10 Jahren abgebrochen ist. Auf diesem Weg wird sie von Jude begleitet.

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Man verfolgt in diesem Buch nicht nur die Handlung, sondern taucht auch richtig in die Atmosphäre ein. Die Beschreibungen der verschiedenen Stadtviertel, der winterlichen Beleuchtungen, kleiner Dekorationen, japanischer Speisen und alltäglicher Gepflogenheiten haben bei mir sofort ein richtiges Tokio-Gefühl ausgelöst. Ich konnte mir die Schauplätze wunderbar vorstellen und hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, selbst ein kleines Stück durch Japan zu reisen. Gut gefallen hat mir dabei, dass Tokio nicht einfach nur eine Kulisse für die Geschichte ist. Die Stadt und das japanische Leben werden zu einem wichtigen Teil der Atmosphäre und verleihen dem Roman etwas ganz Besonderes.
Die Charaktere haben mir auch sehr gut gefallen. Sie waren sehr vielschichtig und authentisch. Besonders gefallen hat mir Caitlyn. Sie wirkte auf mich sehr nahbar und ihre Gedanken und Gefühlswelt waren sehr gut beschrieben, sodass ich einen direkten Bezug zu ihr hatte und ihre Entscheidungen nachvollziehbar waren. Auch die Beziehung zwischen Caitlyn und Jude hat mir unglaublich gut gefallen. Ihre Begegnung entwickelt sich auf eine ruhige und für mich sehr schöne Art und Weise. Zwischen den beiden stehen vor allem Respekt, gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis im Mittelpunkt. Ich mochte sehr, dass sie einander auf Augenhöhe begegnen und sich nicht einfach von überstürzten Gefühlen alles andere ausblenden lassen. Stattdessen lernen sie sich nach und nach kennen, öffnen sich füreinander und geben sich gegenseitig den Raum, den sie brauchen.
Eine Liebesgeschichte steht hier keinesfalls im Mittelpunkt. Für mich ging es im Wesentlichen um Stärke, Mut, Vertrauen und Freundschaft. Um den Mut, sich seinen Ängsten und seiner Vergangenheit zu stellen. Um die Stärke, seinen eigenen Weg zu suchen, auch wenn man noch gar nicht weiß, wohin dieser führt. Und um Menschen, die einem das Gefühl geben, nicht allein zu sein.
Gerade hier wird gezeigt, dass Freundschaft unter anderem durch Zusammenhalt geprägt wird und dass Familie nicht immer nur durch Verwandtschaft definiert wird. Manche Menschen werden zu einem Zuhause, obwohl man sie ursprünglich gar nicht gesucht hat.
Gleichzeitig mochte ich die Geschichte rund um die Suche nach ihrem Vater und Caitlyns eigener Identität. Ihre Reise nach Tokio ist dadurch nicht nur eine Reise an einen anderen Ort, sondern auch eine Reise zu sich selbst. Die Suche nach Antworten verbindet sich mit der Frage, wer man eigentlich sein möchte und wo man hingehört.

Insgesamt ist das Buch für mich eine warmherzige Geschichte mit viel Gefühl, einer wunderschönen Tokio-Atmosphäre und großartigen Charakteren. Für mich eine rundum gelungene Geschichte, die mich berührt und mit einem warmen Gefühl zurückgelassen hat.

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Spannender Kriminalfall mit historischem Hintergrund

Four Heads Missing von Thorsten Schleif

In Four Head Missing geht es um den Torso-Mörder, der die Köpfe seiner Opfer entfernt und die anderen Körperteile entsorgt. So taucht auch eines Tages ein Torso im sich im Bau befindlichen neuen Hauptquartier der Metropolitan Police in London auf. Bald geschehen auch noch weitere Morde. Nachdem Will Berger der Polizei schon im Fall von Jack the Ripper geholfen hat, wendet diese sich nun wieder an ihn.

Irene Adams geht zunächst selbst auf Spurensuche und tut sich dann mit Will zusammen, um zu ermitteln. Es handelt sich hier um einen historischen Kriminalroman, der teilweise auf Tatsachen beruht.

Als kleinen Hinweis vorab: Ich habe den ersten Band nicht gelesen und kenne daher die Personen und Hintergründe nicht.
Zunächst hatte ich Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Man wird direkt in mehrere Szenarien hineingeworfen und kann das Ganze am Anfang nicht so richtig zuordnen. Auch mit den vielen Charakteren hatte ich zunächst ziemliche Schwierigkeiten. Am Anfang des Buches gibt es zwar eine Liste der vorkommenden Personen, allerdings war es gerade beim E-Book stellenweise mühselig, immer wieder dorthin zurückzublättern. Dadurch bin ich auch immer wieder aus dem Lesefluss geraten. Als ich schließlich bei den Personen durchgestiegen war und in die Geschichte hineingefunden hatte, hat sie mir dann doch ganz gut gefallen.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, wodurch man Einblicke in unterschiedliche Perspektiven und Handlungsstränge bekommt. Die Perspektivwechsel haben dabei auch die Spannung gesteigert. Besonders gut gefallen haben mir die kurzen Kapitel, durch die sich der Roman insgesamt recht kurzweilig lesen ließ. Auch der Schreib- und Erzählstil haben mir prinzipiell gut gefallen. Der Schreibstil war flüssig und gut verständlich.
Will Berger fand ich als Charakter besonders spannend. Ich mochte den Ermittler und seine Handlungsweise. Auch Irene und Will ergänzen sich durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten gut, wodurch ihre Zusammenarbeit interessant ist. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden, die zum Glück nicht allzu sehr im Fokus steht, hätte es für mich allerdings nicht unbedingt gebraucht. Sie wirkte auf mich eher etwas unpassend und konnte mich nicht wirklich überzeugen.
Spannend fand ich, dass der Fall auf wahren Begebenheiten beruht, während die Geschichte drumherum erfunden ist. Dadurch bekommt das Ganze noch einmal einen besonderen Reiz.
Auch die Atmosphäre hat mir gut gefallen. Sie wirkte teilweise düster, mysteriös und authentisch. Allerdings hat mir die Atmosphäre des viktorianischen Zeitalters etwas gefehlt. Hier hätte ich mir stellenweise noch mehr dieses typische Zeitgefühl gewünscht.

Insgesamt eine sehr spannende Geschichte, die mich trotz der anfänglichen Schwierigkeiten abholen konnte. Eine Empfehlung für alle, die gerne historische Kriminalromane lesen und Interesse an Fällen haben, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Wer außerdem düstere und mysteriöse Ermittlergeschichten mit verschiedenen Perspektiven mag, könnte hier durchaus auf seine Kosten kommen.

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Starke Charaktere, viel Potenzial und ausbaufähiges Worldbuilding

Reap & Sow von Charlotte B. Plumb

In Reap & Sow – Dämonenpakt geht es um Eda. Ihr Vater hat einen Pakt mit einem Dämon geschlossen und ist dazu verpflichtet, für ihn Lebensjahre zu beschaffen. Nach dem Tod ihres Vaters gehen die Schulden des Pakts auf Eda und ihre Brüder über. Um diese zu begleichen, beschaffen sie die benötigten Lebensjahre, indem sie andere Menschen dazu bringen, Pakte mit dem Dämon zu schließen.

Da alles, was mit Dämonen zu tun hat, streng verboten ist, müssen Eda und ihre Brüder ihr Geschäft im Verborgenen betreiben. Eines Tages gerät ihr Geschäft jedoch in Visier. Daraufhin werden Edas Brüder verhaftet. Eda kann fliehen, wird aber von nun an gesucht. Sie sieht nur eine Möglichkeit, ihre Brüder zu befreien: Sie muss selbst einen Pakt mit einem anderen Dämon schließen und dafür einige ihrer eigenen Lebensjahre opfern. Reap & Sow – Dämonenpakt ist der erste Band einer Dilogie und wird aus Edas Perspektive erzählt.

Zunächst einmal zum Positiven: besonders gut gefallen haben mir die Charaktere. Eda machte auf mich einen sympathischen Eindruck. Sie ist sehr auf ihre Familie bedacht und würde für ihre Brüder alles tun. Sie ist liebenswürdig und einfühlsam, auch wenn sie manchmal mit dem Kopf durch die Wand will. Gleichzeitig ist sie mutig, willensstark und keine klassische Heldin.

Kit wirkt zu Beginn eher kühl, abweisend und rücksichtslos. Im Laufe der Geschichte macht er jedoch eine schöne Entwicklung durch und zeigt zunehmend auch seine liebenswürdige Seite. Generell fand ich die Entwicklung der Charaktere gelungen und sie wirkten auf mich authentisch und passend zu ihren jeweiligen Rollen. Allerdings kam mir Edas Entwicklung teilweise etwas übereilt vor und wurde für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt.

Die Beziehung zwischen Eda und Kit kam für mich etwas abrupt. Die beiden haben sich zwar bereits vorher immer wieder geneckt, trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass ihre Annäherung etwas besser eingeleitet wird. Davon abgesehen hat mir ihre Beziehung sehr gut gefallen. Sie ist liebevoll und von Respekt, Zuneigung und gegenseitigem Verständnis geprägt. Auch die Interaktionen zwischen den beiden mochte ich sehr gerne. Sie haben sich häufig geneckt und ihre Späße miteinander gemacht, was auf mich locker und authentisch wirkte. Die Tension zwischen ihnen war deutlich zu spüren, ohne dass dafür viel Spice notwendig war.

Bei der Handlung hatte ich leider einige Schwierigkeiten. Die Geschichte entwickelt sich sehr langsam und gerade die erste Hälfte des Buches empfand ich häufig als langatmig und repetitiv. Erst gegen Ende kam für mich wirklich Spannung auf. Das eigentliche Finale wurde dann allerdings wieder relativ schnell abgehandelt. Hier hätte ich mir noch etwas mehr Ausarbeitung und Spannung gewünscht. Insgesamt hat mich die Geschichte deshalb leider nicht so gepackt, wie ich es mir erhofft hatte.

Auch beim Worldbuilding gab es für mich einige Schwächen. Gerade die Welt der Dämonen sowie die Pakte und ihre Hintergründe wurden meiner Meinung nach nur oberflächlich behandelt. Immer wenn bei mir Fragen aufkamen, wurden diese relativ schnell beantwortet oder gar nicht weiter vertieft. Dadurch blieb für mich vieles eher oberflächlich und ich hätte mir an diesen Stellen deutlich mehr Details gewünscht.

Auch die Atmosphäre konnte meine Erwartungen leider nicht ganz erfüllen. Zwar empfand ich die Geschichte durchaus als etwas düsterer, die Gothic-Atmosphäre, mit der das Buch beworben wurde, kam für mich jedoch nicht wirklich auf. Gerade hier hatte ich mir etwas mehr erhofft.

Insgesamt hat das Buch eine interessante Grundidee und sympathische Charaktere. Besonders Eda sowie die Beziehung zwischen Eda und Kit konnten mich überzeugen. Gleichzeitig hätte ich mir mehr Worldbuilding, eine stärkere Atmosphäre und eine etwas spannendere Handlung gewünscht. Die Geschichte entwickelt sich sehr langsam und konnte mich dadurch leider nicht immer fesseln.

Wer eine eher leichte Fantasy-Geschichte mit einer etwas düstereren Atmosphäre sucht und mehr Wert auf Tension als auf Spice legt, könnte mit der Geschichte durchaus seine Freude haben.

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Unterhaltsam mit Schattenseiten

Wir jagen Schatten von Richard Osman

„Wir jagen Schatten“ handelt von einem ungewöhnlichen Ermittlerteam, die eine Detektei namens „Wir finden Mörder“ führen. Sie ermitteln diesmal für einen vermögenden Halbkriminellen, dessen Bodyguard ermordet wurde und welcher eine mysteriöse Notiz bei sich hat. Es ist der zweite Fall des Trios.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt.
Ich habe den ersten Band von „Wir finden Mörder“ nicht gelesen und habe das Ermittlerteam daher erst in diesem Buch kennengelernt. Mir hat dabei zwar die Vorgeschichte gefehlt, wie das Team überhaupt zusammengefunden hat, wirklich gestört hat mich das allerdings nicht. Die drei Figuren werden ausreichend vorgestellt, sodass man auch ohne Vorkenntnisse gut in die Geschichte findet.
Leider konnte ich mit keiner der drei Figuren wirklich warm werden. Rosie wirkte auf mich häufig zu überheblich, und ich habe mich während der Geschichte immer wieder gefragt, was sie eigentlich zum Team beiträgt – abgesehen davon, dass sie über das nötige Geld verfügt. Amy blieb für mich eher auf Distanz. Sie wirkte abgeklärt und kühl, wodurch ich ebenfalls keinen richtigen Zugang zu ihr gefunden habe. Und auch mit Steve konnte ich nicht viel anfangen. Er wirkte auf mich einfach etwas seltsam, ohne dass ich eine wirkliche Verbindung zu ihm aufbauen konnte.
Auch die Konstellation des Ermittlerteams hat für mich insgesamt nicht so richtig funktioniert und war meiner Meinung nach nicht stimmig. Aber das ist eben Geschmackssache. Gerade diese ungewöhnliche Zusammensetzung kann für andere Leser:innen den Reiz der Geschichte ausmachen.
Der Kriminalfall selbst hat mich leider ebenfalls nicht vollständig überzeugt. Dabei beginnt er durchaus spannend, aber im weiteren Verlauf wurde mir die Handlung zunehmend zu konstruiert und wirkte für mich auch zu ziellos. Der Fall wirkt mit seinen vielen Charakteren, Schauplätzen und Gesprächen ziemlich überladen, von denen für mich nicht alles tatsächlich etwas zur eigentlichen Handlung beigetragen hat.
Besonders die vielen Ortswechsel haben meinen Lesefluss gestört. Die Ermittlungen führen das Team quer durch die Welt, und zwischendurch geht es immer wieder mit dem Privatjet von einem Schauplatz zum nächsten – von Italien über Barcelona und England bis nach Palm Springs. Grundsätzlich habe ich nichts gegen internationale Schauplätze, hier hatte ich allerdings zunehmend das Gefühl, dass die Geschichte dadurch vor allem größer und spektakulärer wirken sollte. Für mich hat es eher dazu geführt, dass die Handlung zerfasert und sich teilweise mäandernd angefühlt hat.
Auch logisch konnte ich nicht alle Entwicklungen nachvollziehen. Die Auflösung ergibt zwar grundsätzlich Sinn, der Weg dorthin war für mich aber von zu vielen Zufällen und einigen wenig überzeugenden Wendungen geprägt. Dadurch hat sich die Aufklärung für mich am Ende nicht ganz befriedigend angefühlt.
Trotz meiner Kritik gibt es aber auch einiges, das mir gefallen hat. Osman schreibt gewohnt flüssig und mit viel Humor, wodurch sich das Buch schnell lesen lässt. Langweilig war es definitiv nicht. Ich kann daher durchaus nachvollziehen, warum das ungewöhnliche Ermittlerteam und die internationale Jagd bei vielen Leser:innen gut ankommt.
Insgesamt hat das Gesamtpaket für mich diesmal nicht ganz gepasst. Ein durchaus unterhaltsamer Krimi, bei dem mir sowohl das Ermittlerteam als auch der Aufbau und die Logik des Falls zu viele Schwächen hatten.

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Stolz, Vorurteil und ein wenig Enttäuschung

Stolz, Vorurteil und Hexerei von Melinda Taub

In „Stolz, Vorurteil und Hexerei“ steht Lydia Bennet, die jüngste Tochter der Familie Bennet, im Mittelpunkt. Wie viele andere Frauen in der Geschichte hat sie magische Fähigkeiten und ist eine Hexe. Sie verwandelt ihre Katze in ihre Schwester Kitty. Ein Dämon will sie allerdings verschlingen, und Lydia will dies verhindern, dabei begibt sie sich auf eine abenteuerliche und gefährliche Reise.

Zunächst einmal fand ich die Grundidee von „Stolz, Vorurteil und Hexerei“ durchaus spannend. Mich haben sofort das Cover (inkl. Farbschnitt) und der Titel angesprochen. Der Ansatz ist kreativ, jedoch konnte mich die Umsetzung leider nicht vollständig überzeugen.

Schon am Anfang fand ich den Einstieg schwierig. Der Schreibstil ist erstmal gewöhnungsbedürftig. Ich hatte kurz Schwierigkeiten mit der Sprache, da diese auch der Zeit angepasst ist (was an sich sehr passend ist; ich konnte mich auch schnell daran gewöhnen). Allerdings stolperte ich des Öfteren über Formulierungen, die einen aus dem Lesefluss brachten. Schwierig fand ich anfangs auch die vielen nicht ersichtlichen Zeitsprünge und Gedankensprünge, durch die die Handlung stellenweise verwirrend wurde. An die Zeitsprünge konnte ich mich im Laufe des Buches gewöhnen. Manchmal war es schwer nachzuvollziehen, warum bestimmte Dinge passieren oder wie einzelne Ereignisse miteinander zusammenhängen. Auch die große Anzahl an Charakteren hat es nicht leichter gemacht, den Überblick zu behalten. Vielleicht liegt das aber daran, dass ich Stolz und Vorurteil nicht gelesen habe und ich daher die Figuren nicht kannte. Allerdings gibt es auch keinen Hinweis darauf, dass man das Original kennen muss, bevor man das Buch liest. Wer „Stolz und Vorurteil“ im Original kennt, hat vermutlich einen Vorteil, da viele Zusammenhänge und Anspielungen leichter verständlich sind. Ohne diese Vorkenntnisse bleiben manche Beziehungen zwischen den Figuren und bestimmte Entwicklungen jedoch unklar.

Leider konnte ich auch keine Verbindung zu den Charakteren aufbauen. Für mich hatten sie keine Tiefe und sie wirkten oberflächlich. Dadurch konnte ich mich nicht wirklich in sie hineinversetzen und mitfiebern. Auch die Entwicklung der Charaktere über das Buch hinweg, konnte ich nicht erkennen. Auch die Geschichte an sich wirkte ziemlich oberflächlich und hätte meiner Meinung nach mehr Tiefe vertragen können.

Dennoch war die Handlung als solches spannend und hatte einige interessante Ansätze. Die Grundidee eine bekannte Geschichte mit Magie-Elementen zu verbinden, hat durchaus Potenzial.

Das Buch ist eine nette Idee mit einem interessanten Ansatz, aber es konnte mich nicht vollständig überzeugen. Oft war ich einfach verwirrt, da ich Zusammenhänge oder Gedankensprünge nicht nachvollziehen konnte. Es fehlte vor allem an Tiefe, um wirklich herausragend zu sein. Für LeserInnen, die ungewöhnliche Neuinterpretationen mögen, kann es trotzdem einen Versuch wert sein.

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Taktik, Spannung und jede Menge Spielspaß zu zweit

Scotland Yard Duel - Gesellschaftsspiel & Brettspiel ab 8 Jahre von Matthias Prinz; Thorsten Schlotterbeck

Ich habe Scotland Yard Duel mit meinem Partner gespielt und wir hatten sehr viel Spaß. Ich persönlich mag sehr gerne Strategie- und Detektivspiele, in denen man versucht taktisch zu agieren, daher hat mir das Spiel sehr gut gefallen. Mein Partner ist nicht der größte Spielefan, aber selbst er war begeistert.

Wir wollten das Spiel nur mal ein paar Runden testen, daraus wurde dann ein Spielenachmittag zu zweit, weil es uns so gut gefallen hat.
Es hat mir gut gefallen, dass jede Rolle (Detective, Mr.X) anders agieren und taktisch denken muss, dadurch kann jeder immer mal wieder in eine andere Rolle schlüpfen und es wird nicht so schnell langweilig. Die Runden sind relativ kurz, wir haben pro Runde ca. 5-10 Minuten gebraucht. Also ideal geeignet, wenn man nur wenig Zeit hat.
Die Gestaltung des Spiels finde ich ganz schön, allerdings nicht außergewöhnlich. Besonders die Spieleanleitung hätte für mich besser gestaltet sein können. Diese ist zwar strukturiert, wirkt aber an manchen Stellen für mich unübersichtlich. Die Spielregeln sind schnell und leicht verständlich. Die Beispielbilder der Anleitung waren hilfreich, sodass man die Regeln besser und schneller versteht. Die Spieleanleitung war funktional, aber hätte das Design des Spiels besser aufgreifen können.
Der Spielkarton ist doch recht groß. Ich hätte mir gewünscht, dass er nur etwa halb so groß ist, damit man das Spiel besser mitnehmen kann. Gerade für den Urlaub mit meinem Partner hätte ich mir das Spiel sehr gut vorstellen können, aber zum Mitnehmen ist es für mich in dieser Größe dann aber doch zu unpraktisch.
Insgesamt hat uns das Spiel sehr gut gefallen. Wir hatten eine tolle Zeit und werden das Spiel auf jeden Fall jetzt öfter mal zur Hand nehmen. Das Spiel ist sehr gut für Einsteiger geeignet. Die Runden sind nicht allzu lang und damit sehr kurzweilig.

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Eine gute Idee, die mich nicht ganz überzeugen konnte

Theo in Golden von Allen Levi

Theo in Golden handelt von einem älteren Mann, der eines Tages in die Stadt Golden kommt. Er sieht in einem Café Porträts einiger Bewohner hängen und beschließt, diese zu kaufen und an die entsprechenden Personen zu verschenken. Dabei lernt man die Geschichten einzelner Charaktere kennen und erfährt, wie Theo eine Verbindung mit diesen aufbaut.

Ich bin ein wenig zwiegespalten. Ich mag zwar die Botschaft, die die Geschichte vermitteln soll, allerdings finde ich die Handlung stellenweise sehr langgezogen. Ich habe das Buch über mehrere Tage hinweg gelesen, für mich war es kein Buch, das ich am Stück lesen wollte. Es war leider nicht so spannend oder emotional packend, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Für mich war das Buch teilweise schwer zu lesen, weil es stellenweise unstrukturiert wirkte und es oft viele Sprünge gab. Die Handlung wirkte zudem oft repetitiv. Für mich wäre es daher schöner gewesen, wenn Theo nur wenigen Personen ihre Porträts übergeben hätte und man dafür stärker in deren Geschichten eingetaucht wäre. Teilweise wurden ihre Geschichten nur angerissen, obwohl ich denke, dass man diese durchaus hätte vertiefen können.

Besonders schwer bin ich wegen der vielen Charaktere in die Handlung gekommen. Vor allem am Anfang werden viele Figuren eingeführt. Da ich nicht so gut darin bin, mir Namen zu merken, konnte ich dann manchmal eine Person nicht mehr zuordnen. Erst später im Verlauf des Buches konnte ich die Figuren etwas besser zuordnen. Jedoch sind die Charaktere grundsätzlich sehr gut gestaltet. Sie sind auch alle sehr unterschiedlich und bieten somit ein großes Spektrum, von der obdachlosen Frau über den Künstler bis hin zur erfolgreichen Geschäftsfrau. Und jeder hat natürlich mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Es wird nur die Hintergrundgeschichte einiger ausgewählter Charaktere erzählt, jedoch nicht von allen im gleichen Maße. Von Theo allerdings erfährt man im Verlauf des Buches sehr wenig. Was ich gerade auch an dem Buch gemerkt habe, ist, dass jeder seine Geschichte erzählen will, aber niemand fragt beim anderen nach. Theo will von allen die Geschichte hören, aber keiner fragt bei Theo nach (auch wenn er sehr geschickt ist und nichts so richtig von sich preisgeben will). Sie erleben Theo nur als gutmütigen und freundlichen Menschen, kennen ihn und seine Hintergrundgeschichte aber nicht. Die Frage, die sich da stellt, ist: Wie gut kennen wir die Menschen eigentlich wirklich?

Die Botschaft, die uns das Buch meiner Meinung nach vermitteln will, ist, dass wir allen Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Alters, welchen Geschlechts, welcher finanziellen und sozialen Lage und welchen Hintergrunds mit Respekt, Güte, Freundlichkeit und Gnade begegnen sollten. Es soll aber auch zeigen, dass jeder Mensch eine Chance verdient. Das Leben ist zu kurz, um unfreundlich zu sein. Außerdem will jeder Mensch gesehen und gehört werden. Jeder hat seine Geschichte zu erzählen und hat seine Erfahrungen gemacht, die ihn geprägt haben. Es soll aber auch zeigen, dass in jedem Menschen Potenzial steckt. Und manchmal braucht es nur eine Person, die an dich glaubt, um etwas zu verändern.

Trotz der tollen Botschaft bin ich doch ein wenig enttäuscht. Dafür, dass das Buch so gehyped ist (gerade auch im englischsprachigen Raum), hatte ich mir ein bisschen mehr erwartet. Es hat mich zwar zum Nachdenken angeregt und ich habe mich auch hinterfragt, wie ich täglich den Menschen begegne und ob ich an meinem eigenen Verhalten etwas ändern könnte. Aber es hat mich dennoch nicht komplett in den philosophischen Gedankenstrudel gerissen, wie ich es mir erhofft hätte.

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Zwischen Potenzial und zu viel Spice

The Poison Daughter von Sheila Masterson

In Poison Daughter geht es um Harlow, die eine magische Göttergabe hat: ihr Kuss ist tötlich. Während sowohl ihre eigene als auch eine weitere mächtige Familie ihre ganz eigenen Pläne und Intrigen spinnen, soll Harlow in die andere Familie einheiraten. Doch ausgerechnet ihr neuer Verlobter Henry ist immun gegen ihr Gift.

Was als arrangierte Ehe beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Spiel aus Geheimnissen, Macht und Intrigen, bei dem nichts so zu sein scheint, wie es zunächst wirkt. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Harlows und Henrys Perspektive.

The Poison Daughter hatte für mich eine wirklich interessante Ausgangsidee, bei der ich direkt neugierig geworden bin. Harlow ist eine erwachsene Protagonistin, die einen starken Willen hat, für ihre Freiheit kämpft und zudem eine interessante Hintergrundgeschichte mitbringt. Gerade das hat mir an ihr gut gefallen. Gleichzeitig war ich mit ihr aber auch häufig zwiegespalten. Einerseits wird sie als sehr unabhängig und kämpferisch dargestellt, andererseits unterwirft sie sich in bestimmten Situationen, was für mich nicht immer zu dem Bild gepasst hat, das zuvor von ihr vermittelt wurde.
Generell hatte Harlow für mich unglaublich viel Potenzial. Ihre Vergangenheit und die Dinge, die sie erlebt hat, hätten meiner Meinung nach eine viel emotionalere Geschichte ermöglicht. Ich hätte mir hier deutlich mehr Einblick in ihre Gedanken und ihre innere Zerrissenheit gewünscht. Vieles wurde für mich eher angerissen, anstatt wirklich in die Tiefe zu gehen. Dadurch konnte ich manche ihrer Handlungen und Entscheidungen nicht immer nachvollziehen.
Auch Henry ist mir als Charakter leider nicht wirklich nahbar geworden. Zwar ist zwischen ihm und Harlow von Anfang an eine gewisse Spannung vorhanden, aber gerade die emotionale Verbindung zwischen den beiden hat mir gefehlt. Bei den Charakteren allgemein blieb ich deshalb eher auf Distanz. Mir fehlte häufig das Verständnis dafür, warum sie bestimmte Dinge tun oder was emotional tatsächlich in ihnen vorgeht.
Mein größter Kritikpunkt war allerdings der Spice. Die Szenen waren für meinen Geschmack sehr häufig und haben die eigentliche Handlung immer wieder in den Hintergrund gedrängt. Vieles drehte sich um körperliche Anziehung, Dominanz und Unterwerfung, wodurch die Geschichte für mich stellenweise sehr oberflächlich wirkte. Dazu kam, dass sich die entsprechenden Szenen irgendwann sehr repetitiv angefühlt haben.
Besonders bei Harlow konnte ich das teilweise überhaupt nicht mit ihrer Hintergrundgeschichte in Einklang bringen. Gerade aufgrund ihrer Vergangenheit wirkten manche Situationen für mich nicht authentisch und ich konnte ihr Verhalten an diesen Stellen nicht wirklich nachvollziehen.
Auch die Beziehung zwischen Harlow und Henry empfand ich überwiegend als sehr körperlich. Die körperliche Anziehung war definitiv vorhanden, aber der Aufbau einer emotionalen Bindung kam für mich viel zu kurz. Erst gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass sich in dieser Hinsicht langsam etwas entwickelt. Dadurch hat mir leider genau die emotionale Tiefe gefehlt, die ich mir für die beiden gewünscht hätte.
Die eigentliche Handlung empfand ich als durchaus spannend. Die Geschichte hat interessante Ansätze und grundsätzlich einiges an Potenzial. Allerdings wurde die Handlung für mich immer wieder vom Spice überlagert. Außerdem hatte ich stellenweise das Gefühl, dass sich bestimmte Inhalte wiederholen und die Geschichte dadurch unnötig in die Länge gezogen wird. Meiner Meinung nach hätte man das Buch gut um etwa 30 % kürzen können, ohne dass dabei etwas Wesentliches verloren gegangen wäre.
Auch das Worldbuilding konnte mich leider nicht vollständig überzeugen. Es gab interessante Ideen, aber für mich blieb vieles eher oberflächlich und ich hätte mir an einigen Stellen mehr Ausarbeitung gewünscht.
Und dann wäre da noch der Bonus-Epilog, der für mich wirklich den Vogel abgeschossen hat. Den fand ich ehrlich gesagt eher makaber und hätte ihn nicht gebraucht.
Insgesamt bin ich deshalb ziemlich zwiegespalten. Ich mochte die Grundidee und fand es schön, endlich einmal eine erwachsene Protagonistin mit einer interessanten Hintergrundgeschichte und einem starken Willen zu haben. Auch die Handlung selbst hatte für mich durchaus spannende Elemente. Gleichzeitig wurde für mich aber viel Potenzial verschenkt, weil die emotionale Ebene der Charaktere und der Beziehung zu kurz kam und der sehr hohe Spice-Anteil die eigentliche Geschichte häufig überlagert hat.

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Ein raffinierter Coup im viktorianischen London: Clever, atmosphärisch und voller Intrigen

Die Queen von Mayfair von Alex Hay

Die „Queen von Mayfair“ handelt von Quinn Le Blanc, die „Queen of Five“. Sie ist eine außergewöhnliche und geschickte Betrügerin und verdient sich damit ihren Lebensunterhalt. Als die Schulden immer größer werden, plant sie den bisher größten Coup. Dafür muss sie innerhalb von fünf Tagen das Herz des Duke of Kendal gewinnen und an dessen Vermögen kommen.

Die Geschichte hat ein historisches Setting und spielt in London 1898. Auf der einen Seite haben wir den alten Adel mit der feinen Gesellschaft, prunkvollen Bällen und herrschaftlichen Anwesen, auf der anderen Seite die schlechteren Wohnviertel, die durch Armut und dubiosen Geschäften geprägt sind. Die Geschichte wird im Buch aus mehreren Perspektiven erzählt, sodass man viele verschiedene Sichtweisen und Blickwinkel erhält.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Das Buch ließ sich sehr gut lesen. Auch die Beschreibung des Settings konnte mich überzeugen. Das viktorianische London wird atmosphärisch dargestellt, und besonders der Gegensatz zwischen der glitzernden Welt der High Society und dem Leben der Menschen außerhalb dieser Gesellschaft hat mir gefallen.

Auch die Hauptfigur Quinn hat mir sehr gut gefallen. Sie ist mutig, intelligent, selbstbewusst und weiß genau, wie sie andere Menschen beeinflussen kann. Dabei ist sie natürlich keine klassische Heldin, da sie Menschen betrügt und manipuliert und am Ende verfolgt sie natürlich ihre eigenen Ziele. Dennoch gibt es klare Regeln, nur Personen auszunehmen, die es verdient haben bzw. moralisch verwerfliche Dinge getan haben. Wir erleben Quinn in der Geschichte hauptsächlich in ihrer erfundenen Rolle, die sie sich für den Coup ausgedacht und inszeniert hat. Wie viel von ihrer „echten“ Persönlichkeit hinter den vielen Identitäten steckt, die sie spielt, kann man nur in einzelnen Momenten erahnen, man weiß es allerdings nicht. Max Kendal blieb für mich eine sehr neutrale Person, viel hat man von ihm nicht erfahren und emotionale Tiefe war somit nicht gegeben. Auch Tor blieb eher auf Distanz für mich, wirkte sogar aufgrund ihres Verhaltens unsympathisch. Trotzdem waren alle Figuren sehr unterschiedlich, was mir gut gefallen hat. Überhaupt ist das Thema der verschiedenen Rollen für mich einer der interessantesten Aspekte des Romans. In Quinns Welt muss jeder eine Maske tragen – und das gilt nicht nur für die Betrüger. Auch die Mitglieder der feinen Gesellschaft spielen ihre Rollen und versuchen, nach außen ein bestimmtes Bild von sich aufrechtzuerhalten. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen den beiden Welten immer mehr.

Die Handlung war gut aufgebaut und folgte auch dem Plan des Coups. Die Spannung steigerte sich erst über den Roman hinweg, was ich keinesfalls als negativ empfand. Quinn hatte immer wieder mit neuen Herausforderungen zu kämpfen und nicht immer lief alles nach Plan. Es gab auch ein paar interessante Wendungen und einen Gegenspieler. Dadurch wurde die Handlung besonders interessant und wirkte schon teilweise wie ein Krimi. In dieser Kombination habe ich auch noch kein anderes Buch gelesen, für mich war es sehr unterhaltsam und ich hatte viel Freude beim Lesen. Einziges Manko war, dass es ab und an Gedankensprünge gab bzw. ich manche Handlungen nicht ganz logisch empfand, sodass ich teilweise nicht folgen konnte.

Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten. Für mich hat die Verbindung aus historischem Setting und einem Coup, bei dem eine Betrügerin einen Herzog um sein Vermögen bringen will und dabei ungeahnt auf einen Gegenspieler trifft, die Geschichte zu etwas Besonderem gemacht. Die Figuren hätten für mich allerdings besser ausgearbeitet werden können, sodass sie mehr Charakter und Tiefe erhalten hätten. Durch Gedankensprünge war es nicht immer ganz leicht zu verfolgen, aber es hat der Spannung dennoch keinen Abbruch getan.

Eine klare Empfehlung für Leser:innen, die Geschichten mit historischen Settings, ungewöhnlicher Gaunergeschichte und sich langsam steigernder Spannung mögen.

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Fünf Schicksale, fünf Minuten, viele entscheidende Momente

FIVE - Das Ticken der Zeit von Ilona Bannister

„FIVE – Das Ticken der Zeit“ spielt an einem Bahnsteig. Dort wird eine Person innerhalb weniger Minuten sterben. Wir haben hier fünf Hauptfiguren: Emma, Gideon, Liam, Sonny und Mrs Worth. Die Charaktere könnten nicht unterschiedlicher sein. Jeder hat seine eigenen Sorgen, Geheimnisse und Probleme.

Gerade das finde ich sehr spannend und macht die Geschichte erst interessant.

Wir erleben im Buch die Geschichte immer abwechselnd auf dem Bahnsteig und dann aus der Perspektive einer Person. Dadurch lernen wir die Hintergrundgeschichte der Protagonisten kennen. Durch den tieferen Einblick bekommt man oft ein anderes Bild von ihnen, da sie so sind, wie ihre Vergangenheit und ihre Erfahrungen sie geformt haben. Alles hat zwei Seiten, manchmal ist nicht alles nur schwarz oder weiß. Die Charaktere bekommen durch diese Einblicke mehr emotionale Tiefe. Allerdings finde ich, dass nicht jede Figur gleich viel Tiefe erhält.

Durch die Geschichten wird der Blick auf die Charaktere immer wieder verändert. Menschen, die ich anfangs unsympathisch fand, konnte ich später besser verstehen, während andere immer mehr unangenehme Seiten zeigten. Das Buch zeigt auch, wie schnell wir Menschen verurteilen, ohne ihre Geschichte zu kennen. Die Meinung, die wir uns über Menschen bilden, beruht zunächst nur auf dem ersten Eindruck, und der kann oft auch täuschen. Aber genau dies macht die Geschichte nahbar, realistisch und menschlich.

Dadurch, dass man von Anfang an weiß, dass eine Personen am Bahnsteig innerhalb der nächsten fünf Minuten sterben wird, wird eine unglaubliche Spannung erzeugt. Man versucht ständig herauszufinden, wen es treffen wird und wie die einzelnen Schicksale miteinander verknüpft sind. Dennoch geht es nicht nur darum, den Ausgang der Geschichte zu erfahren, sondern auch um die Menschen selbst. Zudem wird mit den eigenen moralischen Vorstellungen gespielt. Ordnet man jemanden als gut oder böse ein? Oder hat es überhaupt jemand mehr verdient zu sterben als ein anderer?

Selten hat mich die Grundidee eines Romans so schnell in den Bann gezogen. Schon nach der Leseprobe war für mich klar, dass ich das Buch lesen muss. Besonders begeistert hat mich der ungewöhnliche Erzählstil, der den Leser direkt anspricht, Fragen stellt und ihn in moralische Bedrängnis versetzt. Leider blieb der Erzählstil nicht über das gesamte Buch hinweg bei dieser direkten Ansprache des Lesers, obwohl die Leseprobe für mich diesen Eindruck vermittelt hat.

Insgesamt ist das Buch ein ungewöhnlicher und origineller Spannungsroman mit spannenden, interessanten und unterschiedlichen Charakteren. Es steht nicht nur der Thrill am Bahnsteig im Mittelpunkt, sondern auch die persönliche und individuellen Geschichten der Protagonisten. Das Buch hat mich gut unterhalten und gleichzeitig zum Nachdenken angeregt.

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