Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Katto:
Leise, schlicht und voller Gefühl
Wirf einen Schatten von Elena Fischer
„Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer ist ein Roman, der leise erzählt wird und trotzdem lange nachhallt. Im Mittelpunkt steht Joseph, ein Bauer in den 1960er-Jahren, dessen Leben aus den Fugen geraten ist, nachdem seine Frau ihn verlassen hat. Er muss sich mit seiner Vergangenheit, seiner Familie und der Frage auseinandersetzen, wie sehr uns unsere Herkunft prägt.
Dabei geht es um Verlust, Liebe und den schwierigen Weg, den eigenen Platz im Leben zu finden.
Mir hat sehr gefallen, wie einfühlsam Elena Fischer ihre Geschichte erzählt. Anfangs habe ich mich etwas schwer getan mit dem Schreibstil des Romans. Er ist sehr zurückhaltend und lässt vieles zwischen den Zeilen stehen. Nach und nach hat mir aber genau das sehr gut gefallen, weil dadurch sehr viel Raum für Gedanken und Gefühle blieb. Auch die wechselnden Zeitebenen haben mir sehr gut gefallen, weil sich dadurch Stück für Stück erschließt, wie Joseph zu dem Menschen geworden ist, der er heute ist.
Ich mochte, wie Elena Fischer die Figur des Joseph zeichnet: Joseph ist kein Held, der große Entscheidungen einfach trifft, sondern ein Mensch mit Ängsten, Zweifeln und alten Wunden. Dadurch wirkte er auf mich unglaublich authentisch. Die Figuren Birdie und Ada bringen im Gegenzug viel Wärme und Tiefe in die Geschichte. Gerade diese unterschiedlichen Pole unter den Charakteren mochte ich sehr.
Der Roman ist keine flüchtige und oberflächliche Unterhaltung. Die Geschichte nimmt sich Zeit und beschäftigt sich intensiv mit ihren Figuren und deren Vergangenheit. Vieles wird nicht groß erklärt, sondern entwickelt sich eher leise und manchmal auch schmerzhaft. Gerade diese ruhige Art hat die Geschichte für mich besonders gemacht.
„Wirf einen Schatten“ ist eine besondere, ganz eigene Geschichte, die sowohl leise und schlicht, als auch gleichzeitig tief emotional und berührend erzählt wird. Für mich lebt der Roman vor allem von seinen leisen Momenten, seinen Figuren und den vielen Gefühlen, die zwischen den Zeilen liegen. Eine Geschichte, die nicht laut sein muss, um etwas auszulösen, und die bei mir noch eine Weile nachgewirkt hat.
Rezensionen von KersG:
Wohlfühlroman
Wirf einen Schatten von Elena Fischer
Dieses Hörbuch lädt zum Träumen ein. Die Insel Helgoland ist etwas ganz besonderes. Am Tag voller Leben und Touristen und kaum legt die letzte Fähre Richtung Festland ab, kehrt wieder Ruhe auf der Insel ein. Die Stimme der Sprecherin empfand ich als sehr angenehm und ich habe ihr gerne gelauscht.
Lotta reist zur Hochzeit ihrer Freundin nach Helgoland. Eine Insel mit ganz eigenem Charme. Es wurde alles so gut beschrieben, dass ich mich fühlte, als wäre ich selbst dort. Richtiges Urlaubsfeeling aber auch ein Gefühl von nach Hause kommen. Genauso geht es auch Lotta als sie auf die Insel kommt. Sie spürt direkt eine Verbindung zu der Insel und ihren Bewohnern. Als ihr dann auch noch die Bäckerei Wagner auffällt ist es um sie geschehen. Sie ist selbst gelernte Bäckerin und will es nicht hinnehmen, dass dieser Traditionsbetrieb seine Pforten schließt.
Eine schöne Story rund um Hoffnung, Liebe und Gefühl. Plötzlich steht Lotta zwischen zwei Männern. Dann kommt noch dazu, dass ihr ihr aktueller Job keine Erfüllung bringt. Viel lieber würde sie wieder etwas mit Herz und Sinn machen. Fragen über Fragen, denen sich Lotta nun stellen muss.
Schön finde ich, dass es in dem Buch um die Rettung eines Traditionsbetriebes geht. Eine Bäckerei in der wirklich noch gebacken wird. Mit Herz und Seele. Das Herz dieser Bäckerei spürt man in jedem Wort und jedem Satz.
Rezensionen von gabiliest:
Dunkellicht
Über vier Leben von Pauline Hatscher
Pauline Hatscher hat mit “Über vier Leben” ihren Debütroman vorgelegt – eine beeindruckende Schilderung über das Schicksal von vier Frauengenerationen. Auf dem künstlerischen Hardcover im Stil eines Ölgemäldes symbolisiert ein farbenfroher Himmel über düsterer Landschaft Gefahr ebenso wie Hoffnung.
Ab dem Jahr 2023 beginnt die Geschichte von Mirabell. Als Ich- Erzählerin schildert sie ihr tristes Leben in Leipzig: kein Job, keine sozialen Kontakte, Einsamkeit und Verzweiflung. Zwar hat sie eine Ausbildung, eine Wohnung und ein bisschen Geld, dessen Herkunft nicht näher erläutert wird, doch Mirabell ist in Therapie. Nur ihre Freundin Franzi scheint seltsamerweise immer genau dann da zu sein, wenn sie gebraucht wird. Vielleicht lässt sich Mirabells Traurigkeit aus der Vergangenheit erklären?
Über ihre Mutter Sabine wird ab dem Jahr 1994 erzählt. Sie ist Gymnasiallehrerin und von der Angst getrieben, alleine zu bleiben. Daher erträgt sie eine von Gewalt geprägte Ehe. Um die Tochter Mirabell vor den Launen des Vaters zu schützen, ist sie zu schwach. Und so erlebt Mirabell eine Kindheit, in der sie auf jeden Atemzug ihres Vaters lauscht, um nur ja nichts falsch zu machen.
Mirabell hat Sabines Mutter Lisa nicht mehr kennengelernt. Sie zerbrach trotz eines Lebens in guten wirtschaftlichen Verhältnissen und einer liebevollen Ehe an dem Gefühl, nie zu genügen. Neben dieser familiären Tragödie, unter der Sabine gelitten hat, wird noch von Lisas tragischer Kindheit berichtet. Urgroßmutter Hannchen, eine Kohlenhändlerstochter, wurde im Jahr 1930 durch ein Verbrechen mit Lisa schwanger und konnte ihre Tochter nicht aufwachsen sehen.
Pauline Hatscher hat allen Generationen eine immense Lebenslast aufgebürdet, die Mirabell zu begreifen sucht. Ist sie aus diesem Grund geworden, wie sie ist? Wirkt das Unglück früherer Generationen in ihr weiter? Was Mirabell über ihre Vergangenheit nicht in Erfahrung bringen kann, füllt sie mit erfundenen Situationen. So schreibt sie ihre eigene Geschichte, erschafft sich ihre eigene, traurige Welt.
Der Tenor des Romans ist dunkel und schmerzhaft, die Sprache eindringlich und so detailliert, dass sie die Manie der handelnden Personen erlebbar macht. Die Autorin schreibt fragmentarisch, schon nach wenigen Absätzen wechseln die Protagonistinnen und Zeitebenen. Manchmal ergeben sich Parallelstrukturen, meist aber erscheint dieser Wechsel willkürlich. Dennoch zieht er die Lesenden in einen fast voyeuristischen Sog – vergleichbar mit Gaffern, die ein Unfallgeschehen beglotzen.
Verwundern mag das egozentrische Weltbild, das Mirabell den Ereignissen überstülpt. Obwohl die Generationen von Hannchen und Lisa den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, kommt dieser nur in wenigen flapsigen Sätzen vor. Ist dieser Weltenbrand, dieses Töten, dieses Leid, dieser Hunger, dieses Elend wirklich vernachlässigbar? Der verengte Blickwinkel von Mirabell spart dieses Trauma aus, sie konzentriert sich nur auf den Mikrokosmos der Familie, auf toxische Männer und die Moralvorstellungen der jeweiligen Epoche. Realität und Fiktion verschwimmen.
Der versöhnliche Schluss des Romans wirkt unpassend und konterkariert die bisherige Erzählung. Als Sabine Mirabells Ausführungen liest und sie dafür lobt, entspricht das nicht dem Scheinbild, das Sabine über ihre glückliche Ehe mit aller Macht aufrechterhalten wollte. Aber vielleicht ist dieses Happy End auch nur Fiktion – ein letzter, verzweifelt ersehnter Lichtblick im erzählerischen Dunkel.
Rezensionen von Anjulia :
Vergiftete Küsse
The Poison Daughter von Sheila Masterson
Harlow Carrenwell ist die jüngste Tochter der mächtigsten Familie der Stadt Linameade. Wer ihre Lippen berührt, stirbt. Nachts nutzt sie ihre Gabe, um misshandelte Frauen von ihren Peinigern zu befreien. Nur ihr eigener Verlobter ist immun gegen ihr Gift. Henry Havenwood hat den Fall der Feste Mountainheaven überlebt.
Zehn Jahre später will er sich an den dafür verantwortlichen Carrenwells rächen. Doch Harlow macht ihm die Sache schwieriger als erwartet.
The Poison Daughter von Sheila Masterson ist düstere Romantasy mit einem ziemlich hohen Spicelevel. Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist tödlich. Mauern und Magie halten in der Nacht vampirähnliche Wesen von Angriffen ab. Die magischen Begabungen, die von verschiedenen Göttern verliehen werden, fand ich besonders interessant. Für die Familie Carrenwell steht Macht über alles. Gerade unglückliche Ehen der jüngeren Töchter werden dafür in Kauf genommen. Verständlich, dass Harlow aus diesem Familiengefüge ausbrechen will. Die Geschichte wird sowohl aus Harlows als auch aus Henrys Perspektive erzählt. Beide Charaktere sind eher morally grey. Die Pläne von Henrys Familie sind nicht leicht zu durchschauen. Trotzdem hat mir diese Enemies-to-Lovers-Beziehung gut gefallen. Leider konzentriert sich das Buch ab der Mitte zu sehr auf die spicy Szenen. Hier wäre für mich weniger mehr gewesen.
Fazit: Wer gerne düstere, spicy Geschichten liest, ist hier richtig.
Rezensionen von Shilo:
Berührend
Goodbye, Honeysuckle von Tayari Jones
Vernice und Annie sind zwei junge Frauen, die schon früh mit einer großen Lücke in ihrem Leben leben müssen. Beide kennen ihre Mütter nicht. Trotzdem gehen sie ganz unterschiedliche Wege. Während Vernice zum Studium nach Atlanta geht, verschlägt es Annie nach Memphis. Ihre Freundschaft bleibt dabei bestehen und die Briefe zwischen ihnen sind ein schöner Teil der Geschichte.
Besonders Annie hat mich beschäftigt. Sie arbeitet in einem Nachtclub und wartet gleichzeitig darauf, dass ihre Mutter eines Tages auftaucht. Diese Hoffnung lässt sie nicht los. Auch Vernice macht ihre eigenen Erfahrungen und beginnt, ihr Leben mehr und mehr selbst in die Hand zu nehmen. Beide Frauen entwickeln sich weiter, ohne dass ihre Freundschaft dabei verloren geht.
Die Geschichte spielt in einer Zeit, in der Schwarze Frauen in Amerika mit vielen Einschränkungen leben mussten. Das wird nicht nur nebenbei erwähnt, sondern gehört ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag. Dadurch wird verständlich, warum manche Entscheidungen für Vernice und Annie nicht so einfach sind.
Die Briefe zwischen den beiden haben der Geschichte für mich etwas Besonderes gegeben. Sie zeigen, was sie voneinander wissen und was sie sich vielleicht nur gegenseitig erzählen können. Man merkt, dass diese Freundschaft für beide wichtig ist, auch wenn sie ihr Leben weit voneinander entfernt führen.
Nicht alles hat mich gleich stark erreicht. Manches hätte für meinen Geschmack etwas schneller erzählt werden können. Trotzdem waren mir die beiden Frauen beim Lesen nicht gleichgültig. Gerade ihre unterschiedlichen Lebenswege und die Frage nach ihren Müttern haben mich immer wieder zur Geschichte zurückgeführt.
Am Ende bleibt vor allem eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die Menschen, die uns fehlen. Sie zeigt, dass die Vergangenheit nicht einfach verschwindet, nur weil man sein eigenes Leben beginnt. Insgesamt war es für mich ein bewegender Roman, der mir trotz kleiner Längen gut gefallen hat und für den es von mir 4 Sterne gibt.
Rezensionen von April1985 :
Wie ein Ghibli-Film zwischen Bubble Tea, Sonnengeistern und gesellschaftlicher Schieflage
The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro
Worum geht es?
Rainshadow City ist eine Stadt voller Gegensätze. Während am Kaiserhof Reichtum und Privilegien herrschen, kämpfen viele Menschen außerhalb des Palastes gegen Armut, Korruption und Ungerechtigkeit.
Mittendrin leben Toshiko, Jun und Mei – Wahlgeschwister, die sich selbst zu einer Familie gemacht haben und als Rainshadow Orphans für Gerechtigkeit kämpfen.
Gleichzeitig versucht Theo, der auf illegalem Weg in die Stadt gekommen ist, irgendwie zu überleben, während Haru als Sohn der Kaiserin in einer vollkommen anderen Welt aufwächst und eine besondere Verbindung zu magischen Sonnengeistern entwickelt.
Als Toshiko dem Anführer der Lucky Crows eine geheimnisvolle Drachenperle stiehlt, beginnen sich ihre Geschichten miteinander zu verweben – und plötzlich steht weit mehr auf dem Spiel als nur ihr eigenes Überleben. Die Geschichte spielt innerhalb eines eng gefassten Zeitraums und führt die verschiedenen Perspektiven zunehmend zusammen.
Meine Gedanken:
Ein Buch wie ein Ghibli-Film? Bin ich dabei!
Und tatsächlich war genau das für mich die größte Stärke von The Rainshadow Orphans.
Naomi Ishiguro hat eine faszinierende Welt geschaffen, in der sich Alt und Neu miteinander vermischen. Traditionen treffen auf futuristische Technologien, Sonnengeister auf Bots und Kaiserpaläste auf Bubble Tea. Diese Gegensätze funktionieren erstaunlich gut zusammen und geben Rainshadow City einen ganz eigenen Charakter.
Besonders stark fand ich dabei die gesellschaftliche Ebene. Zwischen dem prunkvollen Kaiserhof, den Lucky Crows und den Menschen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen, wird die enorme Kluft zwischen Arm und Reich immer wieder sichtbar. Korruption, politische Ungerechtigkeit und die Frage, wer in einer Gesellschaft überhaupt eine Stimme bekommt, ziehen sich durch die Geschichte. Genau dadurch war die Welt für mich nicht nur hübsche Kulisse, sondern hatte wirklich etwas zu erzählen.
Und ja: Während des Lesens habe ich mir tatsächlich meinen ersten Bubble Tea gegönnt. ???? Wenn ein Buch das schafft, muss die Atmosphäre schon irgendetwas richtig gemacht haben.
Die Rainshadow Orphans:
Auch die kleine Gruppe rund um Toshiko, Jun und Mei mochte ich richtig gerne.
Sie sind nicht durch Blut miteinander verbunden, sondern haben sich gegenseitig als Familie gewählt. Diese Found-Family-Dynamik hat für mich wunderbar funktioniert.
Ich konnte mit ihnen mitfiebern und fand besonders spannend, wie sich die verschiedenen Handlungsstränge nach und nach annähern. Theo startet zunächst vollkommen außerhalb ihrer Gruppe und trotzdem merkt man immer stärker, dass seine Geschichte mit ihrer verbunden ist.
Dieses langsame Zusammenlaufen der einzelnen Wege hat mir richtig gut gefallen.
Auch Harus Perspektive bringt noch einmal eine ganz andere Seite Rainshadow Citys hinein. Plötzlich betrachtet man dieselbe Welt nicht nur von unten, sondern auch aus der Nähe des Kaiserhofs.
Eine Welt zwischen Tradition und Zukunft:
Für mich bleibt das Worldbuilding ganz klar das Highlight.
Diese Mischung ist ungewöhnlich: futuristische Technik, traditionelle Strukturen, Magie, Geisterwesen und eine Stadt, deren soziale Unterschiede man beinahe an jeder Straßenecke spürt.
Das Buch wird offiziell als Mischung aus japanischer Folklore, Ghibli-artiger Fantasy und Cyberpunk beschrieben – und genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen auch. Rainshadow City fühlt sich gleichzeitig alt und futuristisch an. Und gerade dadurch wollte ich immer wieder wissen, was sich hinter der nächsten Ecke dieser Stadt verbirgt.
Ein Einstieg mit etwas Geduld:
Ganz reibungslos war mein Leseerlebnis allerdings nicht.
Gerade am Anfang musste ich erst einmal herausfinden, wer eigentlich wer ist und wie die einzelnen Figuren miteinander verbunden sind. Durch die verschiedenen Perspektiven bekommt man zwar einen breiten Blick auf Rainshadow City, aber bis ich alle Charaktere richtig eingeordnet hatte, brauchte es etwas Zeit und Geduld.
Auch später bringt der Roman einige Längen mit. Es gab Passagen, in denen die Geschichte für mich deutlich langsamer wurde und ich mir etwas mehr Tempo gewünscht hätte. Gerade bei einem Buch mit 640 Seiten merkt man solche ruhigeren Abschnitte natürlich umso stärker. Die deutsche Ausgabe umfasst tatsächlich 640 Seiten.
Trotzdem hat mich die Welt immer wieder zurückgeholt. Denn selbst wenn die Handlung zwischendurch etwas durchhängt, wollte ich Rainshadow City nicht verlassen.
Was bleibt?
The Rainshadow Orphans war für mich vor allem eines: eine außergewöhnliche Reise in eine faszinierende Welt.
Die Mischung aus futuristischen Elementen und Tradition, Magie und Technik, Kaiserhof und Untergrund hat mich richtig begeistert.
Dazu kommt eine sympathische Found Family, deren einzelne Geschichten sich immer stärker miteinander verweben, und eine Handlung, die neben all der Fantasy auch gesellschaftskritische Fragen zu Macht, Armut, Korruption und Ungerechtigkeit aufwirft.
Der Einstieg braucht etwas Geduld und auch später gibt es einige Längen.
Aber die Welt? Die ist hängen geblieben. Und manchmal reicht genau das, damit ich wissen möchte, was noch in ihr steckt.
???????????????? / 5
Vier Eulen für eine ungewöhnliche Mischung aus Ghibli-Vibes, Cyberpunk, Found Family und Gesellschaftskritik – mit einer Welt, die für mich eindeutig der Star der Geschichte ist. ????????????
Rezensionen von April1985:
Wie ein Ghibli-Film zwischen Bubble Tea, Sonnengeistern und gesellschaftlicher Schieflage
The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro
Worum geht es?
Rainshadow City ist eine Stadt voller Gegensätze. Während am Kaiserhof Reichtum und Privilegien herrschen, kämpfen viele Menschen außerhalb des Palastes gegen Armut, Korruption und Ungerechtigkeit.
Mittendrin leben Toshiko, Jun und Mei – Wahlgeschwister, die sich selbst zu einer Familie gemacht haben und als Rainshadow Orphans für Gerechtigkeit kämpfen.
Gleichzeitig versucht Theo, der auf illegalem Weg in die Stadt gekommen ist, irgendwie zu überleben, während Haru als Sohn der Kaiserin in einer vollkommen anderen Welt aufwächst und eine besondere Verbindung zu magischen Sonnengeistern entwickelt.
Als Toshiko dem Anführer der Lucky Crows eine geheimnisvolle Drachenperle stiehlt, beginnen sich ihre Geschichten miteinander zu verweben – und plötzlich steht weit mehr auf dem Spiel als nur ihr eigenes Überleben. Die Geschichte spielt innerhalb eines eng gefassten Zeitraums und führt die verschiedenen Perspektiven zunehmend zusammen.
Meine Gedanken:
Ein Buch wie ein Ghibli-Film? Bin ich dabei!
Und tatsächlich war genau das für mich die größte Stärke von The Rainshadow Orphans.
Naomi Ishiguro hat eine faszinierende Welt geschaffen, in der sich Alt und Neu miteinander vermischen. Traditionen treffen auf futuristische Technologien, Sonnengeister auf Bots und Kaiserpaläste auf Bubble Tea. Diese Gegensätze funktionieren erstaunlich gut zusammen und geben Rainshadow City einen ganz eigenen Charakter.
Besonders stark fand ich dabei die gesellschaftliche Ebene. Zwischen dem prunkvollen Kaiserhof, den Lucky Crows und den Menschen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen, wird die enorme Kluft zwischen Arm und Reich immer wieder sichtbar. Korruption, politische Ungerechtigkeit und die Frage, wer in einer Gesellschaft überhaupt eine Stimme bekommt, ziehen sich durch die Geschichte. Genau dadurch war die Welt für mich nicht nur hübsche Kulisse, sondern hatte wirklich etwas zu erzählen.
Und ja: Während des Lesens habe ich mir tatsächlich meinen ersten Bubble Tea gegönnt. ???? Wenn ein Buch das schafft, muss die Atmosphäre schon irgendetwas richtig gemacht haben.
Die Rainshadow Orphans:
Auch die kleine Gruppe rund um Toshiko, Jun und Mei mochte ich richtig gerne.
Sie sind nicht durch Blut miteinander verbunden, sondern haben sich gegenseitig als Familie gewählt. Diese Found-Family-Dynamik hat für mich wunderbar funktioniert.
Ich konnte mit ihnen mitfiebern und fand besonders spannend, wie sich die verschiedenen Handlungsstränge nach und nach annähern. Theo startet zunächst vollkommen außerhalb ihrer Gruppe und trotzdem merkt man immer stärker, dass seine Geschichte mit ihrer verbunden ist.
Dieses langsame Zusammenlaufen der einzelnen Wege hat mir richtig gut gefallen.
Auch Harus Perspektive bringt noch einmal eine ganz andere Seite Rainshadow Citys hinein. Plötzlich betrachtet man dieselbe Welt nicht nur von unten, sondern auch aus der Nähe des Kaiserhofs.
Eine Welt zwischen Tradition und Zukunft:
Für mich bleibt das Worldbuilding ganz klar das Highlight.
Diese Mischung ist ungewöhnlich: futuristische Technik, traditionelle Strukturen, Magie, Geisterwesen und eine Stadt, deren soziale Unterschiede man beinahe an jeder Straßenecke spürt.
Das Buch wird offiziell als Mischung aus japanischer Folklore, Ghibli-artiger Fantasy und Cyberpunk beschrieben – und genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen auch. Rainshadow City fühlt sich gleichzeitig alt und futuristisch an. Und gerade dadurch wollte ich immer wieder wissen, was sich hinter der nächsten Ecke dieser Stadt verbirgt.
Ein Einstieg mit etwas Geduld:
Ganz reibungslos war mein Leseerlebnis allerdings nicht.
Gerade am Anfang musste ich erst einmal herausfinden, wer eigentlich wer ist und wie die einzelnen Figuren miteinander verbunden sind. Durch die verschiedenen Perspektiven bekommt man zwar einen breiten Blick auf Rainshadow City, aber bis ich alle Charaktere richtig eingeordnet hatte, brauchte es etwas Zeit und Geduld.
Auch später bringt der Roman einige Längen mit. Es gab Passagen, in denen die Geschichte für mich deutlich langsamer wurde und ich mir etwas mehr Tempo gewünscht hätte. Gerade bei einem Buch mit 640 Seiten merkt man solche ruhigeren Abschnitte natürlich umso stärker. Die deutsche Ausgabe umfasst tatsächlich 640 Seiten.
Trotzdem hat mich die Welt immer wieder zurückgeholt. Denn selbst wenn die Handlung zwischendurch etwas durchhängt, wollte ich Rainshadow City nicht verlassen.
Was bleibt?
The Rainshadow Orphans war für mich vor allem eines: eine außergewöhnliche Reise in eine faszinierende Welt.
Die Mischung aus futuristischen Elementen und Tradition, Magie und Technik, Kaiserhof und Untergrund hat mich richtig begeistert.
Dazu kommt eine sympathische Found Family, deren einzelne Geschichten sich immer stärker miteinander verweben, und eine Handlung, die neben all der Fantasy auch gesellschaftskritische Fragen zu Macht, Armut, Korruption und Ungerechtigkeit aufwirft.
Der Einstieg braucht etwas Geduld und auch später gibt es einige Längen.
Aber die Welt? Die ist hängen geblieben. Und manchmal reicht genau das, damit ich wissen möchte, was noch in ihr steckt.
???????????????? / 5
Vier Eulen für eine ungewöhnliche Mischung aus Ghibli-Vibes, Cyberpunk, Found Family und Gesellschaftskritik – mit einer Welt, die für mich eindeutig der Star der Geschichte ist. ????????????
Rezensionen von spozal89:
magische Gemeinschaft
Die Schule der magischen Tiere - Das offizielle Lexikon von Margit Auer
Mein Sohn ist schon länger Fan der Schule der magischen Tiere. Er liebt die Hörbücher dazu, sowie die Filme und die Bücher haben wir auch alle gelesen. Ich muss gestehen, dass ich mit den neuen Illustrationen aber noch nicht ganz warm werde. Auch mein Sohn fand die alten Illustrationen besser. Das gesamte Lexikon ist aber im neuen Stil, wie man von außen ja bereits erkennt.
Es ist zwar sehr detailiert gezeichnet, aber ich finde die Figuren haben nicht so den Charakter wie die Alten und sind ziemlich verniedlicht. Das ist aber nur persönliche Geschmackssache, denn das gesamte Buch ist wirklich trotzdem toll umgesetzt. Es werden die einzelnen Personen und Tiere vorgestellt. Dabei wurde kurz und knapp alles wichtige zu dem jeweiligen Charakter zusammen gefasst. Toll finde ich auch, dass auch Figuren vorkommen, die nicht so oft vorkommen z.b. die Wattwürmer und Frau Bergmann. Es wurde alles alphabetisch geordnet, so kann man auch schneller danach suchen, wenn man eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Tier sucht. Zwischendrin gibt es noch andere tolle Infos über den Schwur, die unterschiedlichen Länder oder auch Infos zur Autorin und zu den Illustratoren. Fans der magischen Gemeinschaft kommen hier voll auf ihre Kosten, aber auch Neueinsteiger sind mit dem Buch sicher gut bedient. Es hat eine gute, handliche Größe und eignet sich meiner Meinung auch gut als Geschenk. Daher vergeben wir fünf Sterne.
Rezensionen von Reiseweise:
Über Demenz
In die Schweiz von Emma Cline
„In die Schweiz“ ist ein beeindruckender und zugleich bedrückender Roman über das langsame Verschwinden der eigenen Identität. David weiß, dass sein Verstand ihn aufgrund seiner Demenz zunehmend im Stich lässt und reist deshalb zu einer Sterbehilfe in die Schweiz. Während die Gegenwart für ihn immer schwerer zu greifen ist, drängen Erinnerungen an seine Kindheit, seine Familie und vergangene Beziehungen an die Oberfläche.
Besonders gelungen fand ich die Perspektive. Davids Gedankenstrom ist sogartig geschrieben. Man erlebt unmittelbar mit, wie sich seine Wahrnehmung verändert, wie Erinnerungen und Gegenwart ineinanderfließen und wie er immer wieder versucht, Zusammenhänge herzustellen, die ihm zunehmend entgleiten. Gerade die Perspektive eines Menschen, der die Kontrolle über seine eigenen Gedanken verliert, fand ich sehr interessant umgesetzt. Gleichzeitig liegt genau darin auch meine Schwierigkeit mit dem Roman. Davids Gedanken kreisen immer wieder um dieselben Erinnerungen und Fragen. Was anfangs faszinierend und beklemmend wirkt, wurde für mich irgendwann wiederholend. Immer wieder verliert er sich in seinen eigenen Gedankengängen, ohne wirklich zu einem neuen Verständnis zu gelangen. Das ist natürlich auch Teil der Krankheit: David kann seine Lebensentscheidungen nicht mehr so klar hinterfragen oder einordnen, wie es eine klassische Romanfigur tun würde. Dadurch entsteht ein ungewöhnlich unmittelbarer Einblick in seinen Zustand. Gleichzeitig hat diese Erzählweise bei mir irgendwann den Reiz verloren.
„In die Schweiz“ ist deshalb für mich ein Buch, das sprachlich und konzeptionell interessant und stellenweise sehr berührend ist. Aber gerade die Wiederholungen haben mich im Verlauf immer stärker aus der Geschichte herausgebracht. Andere Bücher von Emma Cline haben mir deshalb besser gefallen.
Rezensionen von Havers:
Bravissimo!
Abfahrt ins Jenseits von Salvatore Simonetti
Und wieder wird ein weißer Fleck auf der Urlaubskrimi-Karte getilgt. Salvatore Simonetti (offenes Pseudonym) nimmt uns in seinem Cosy Urlaubskrimi mit nach Dolceacqua in Ligurien. Dort sterben nacheinander mehrere ältere Bewohner unter ungeklärten Umständen, was die resolute Mamma Marcella, vor einiger Zeit aus in ihr Heimatdorf zurückgekommen, auf den Plan ruft.
Ihr Misstrauen wird geweckt, weil die Särge beim Trauergottesdienst immer leer sind und keine/r der Verstorbenen auf dem Dorffriedhof beigesetzt wird. Sehr seltsam. Gemeinsam mit Harry, einem kreativen Alt-Hippie, der öfter psychedelischen Substanzen zuspricht, als ihm gut tut, macht sie sich daran, das Rätsel zu lösen. Auf die Hilfe ihres Sohnes Domenico kann sie dabei nicht bauen. Er ist zwar der Carabiniere im Bergdorf, aber der hat momentan nur noch Augen für seine neue Freundin…
Mit „Abfahrt ins Jenseits“ (nicht wirklich gelungener Titel) bedient der Autor gekonnt die Erwartungen, die die Leser/innen an einen Urlaubskrimi haben. Durch die detaillierten Beschreibungen vermittelt er Einblicke in das Leben im ligurischen Bergdorf, das von Gelatti, Espresso und diversen kulinarischen Köstlichkeiten geprägt ist. Angereichert mit zahlreichen eingeflochtenen Phrasen (hat mir gut gefallen) aus dem italienischen Grundwortschatz, dem ein oder anderen Klischee (siehe Fahrstil der Protagonistin), aber auch den gelungenen atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen ergibt das ein stimmiges Bild vom Dolce Vita in Italia.
Und auch den unblutigen Kriminalfall baut Simonetti logisch und in kleinen Schritten auf, sodass man bei der Stange bleibt, wenngleich geübte Krimi-Leser/innen die Zusammenhänge recht früh erahnen können. Dennoch würde ich gerne mehr von Marcella und Harry, aber auch von Joan (deren Vergangenheit mit MI5 oder MI6 verknüpft sein könnte) und Domenico lesen.
Ein gelungenes Debüt mit liebenswerten Menschen in einer wunderschönen Gegend, das jede/r, der in Ligurien Urlaub macht, im Gepäck haben sollte. Bravissimo!









