Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Eternal-Hope:
Viele neue Blicke aufs Liefern
Liefern von Tomer Gardi
Insbesondere in den urbanen Ballungszentren rund um den Globus sind sie überall präsent: die Männer, manchmal auch Frauen, auf ihren Fahrzeugen, die sich durch den Verkehr schlängeln und versuchen, möglichst schnell warme Speisen oder frische Lebensmittel zuzustellen. Denn eine schnelle Lieferung sorgt für zufriedene Kunden und gute Bewertungen, und außerdem kann man dann rasch den nächsten Auftrag annehmen, denn viel bekommen sie pro Lieferung ja kaum bezahlt.
Es ist eine prekäre wirtschaftliche Existenz, oft sozial wenig abgesichert, dem Verkehr, der Wetterlage und den Gefahren der Großstadt ausgesetzt, und unter ständigem Druck zu arbeiten, in der Hoffnung auf eine gute Bewertung und ein bisschen Trinkgeld.
Der Autor Tomer Gardi hat für diesen Roman jahrelang recherchiert. Gelungen ist ihm ein vielfältiges Kaleidoskop der universalisierbaren Erfahrungen rund ums Liefern. In diesem Episoden- oder Kollektivroman lernen wir verschiedene Charaktere rund um den Globus kennen, deren Leben zum Teil lose miteinander verflochten sind. Da gibt es Filmon, der aus Eritrea nach Israel geflüchtet ist, während seine Partnerin Daniat und die gemeinsame Tochter es nach Deutschland geschafft haben. Der versucht, über Videotelefonate die Verbindung und ein bisschen Intimität mit Daniat aufrechtzuerhalten und seine bald jugendliche Tochter noch nie live gesehen hat, seit er sich von seiner schwangeren Partnerin trennen musste, um das Land zu verlassen. Um in Israel als Lieferfahrer arbeiten zu können, muss er erst einmal beim Vermittler Shai, der kräftig mitkassiert, einen gefälschten Account dafür kaufen, denn die Wartezeiten, um regulär als Fahrer aufgenommen zu werden, sind bei den Lieferdiensten lang und unkalkulierbar.
In Delhi wartet eine Familie aus einer besser gestellten Sozialschicht auf die bestellten Burger, die nicht kommen, weil die Fahrerin Sachin - eine mutige Alleinerziehende, die von ihrem Mann verlassen wurde und sich auf diese Weise durchschlägt - einen Unfall hat, der wiederum das Leben von Nina aus Deutschland, die gerade im Rahmen ihres Studiums ein paar Wochen in Indien verbringt, dauerhaft verändern wird.
Die bisher erwähnten Personen sind nur ein paar der vielfältigen Charaktere und Perspektiven, die dieses Buch prägen. So tauchen wir beim Lesen immer wieder tief in das Leben einer Person ein, begleiten sie in ihrem rasanten Lieferalltag mit ein bisschen Privatleben drumherum und beginnen, mit ihr mitzufühlen, bis es dann auch schon um die nächste Region und eine neue Perspektive geht... doch insgesamt einen sie alle die Herausforderungen dieser Tätigkeit, die rund um den Globus oft von Menschen am Rande der Gesellschaft ausgeübt wird.
Das bunte Kaleidoskop an Perspektiven, das dabei entsteht, zeigt sehr gut die Universalität der Erfahrung prekärer Arbeit in diesem Bereich auf, genauso wie Klassenunterschiede, die oft von den Mächtigeren ausgenützt werden, und aber auch, was die Arbeit für manche "Rider" und insbesondere "Riderinnen" noch schwieriger oder gefährlicher macht als für andere: beispielsweise für solche ohne legalen Aufenthaltsstatus oder für Frauen, die noch einmal mehr den Gefahren gewalttätiger Übergriffe ausgesetzt sind, wie sich z.B. hier an Sachins Beispiel in Delhi zeigt:
"Alle Riders wussten, welches die gefährlichen Orte waren, und keiner wollte dorthin. Die Bestellungen wurden von einem Algorithmus an die Lieferanten verteilt, es war also reine Glückssache, eine Art Russisch Roulette. Technisch war es möglich, eine Lieferung abzulehnen, und ab und zu tat Sachin das auch, wenn sie die Gefahr manchmal nicht ertragen konnte oder wenn sie spürte, dass Vivaan an dem Tag besonders verletzlich war und sie ihn nicht in noch größere Ängste stürzen wollte. Aber jede Ablehnung einer Bestellung bedeutete einen automatischen Punktabzug auf der Bonanza-App und eine mögliche Senkung ihres Rankings. Für dieselbe Fahrt bekam ein Gold Status Rider dreimal so viel Geld wie einer auf Blue." (S. 99)
Interessant ist, dass sich in der Mitte des Buches ein längeres Kapitel findet, das der Autor im Gegensatz zum Rest des Buches ursprünglich in seiner Muttersprache Hebräisch verfasst hat und das für dieses Buch übersetzt wurde: dieses spielt in Istanbul und es geht unter anderem um Haartransplantationen, aber auch hier findet sich natürlich wieder ein Bezug zu den Riders und zu prekären Arbeitsbedingungen im Allgemeinen.
Insgesamt ist ein großes Kunstwerk entstanden, in dem es gelingt, so vielfältige und dabei oft universalisierbare Erfahrungen rund ums Liefern zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzuweben. Es ist aber durchaus ein anspruchsvolles Buch, das auch aufgrund der vielen Charaktere und Ortswechsel einiges an Aufmerksamkeit beim Lesen braucht. Geendet hat es für mich etwas abrupt und offen, hier hätte ich mir eine stimmigere Zusammenführung einiger offener Stränge gewünscht, aber das war vielleicht gar nicht die Intention des Autors.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und auch einige Wochen nach der Lektüre schwingt es bei mir emotional nach und hat meinen Blick auf die "Riders" und deren Lebensrealitäten stark erweitert. Ich kann das Buch allen, die bereit sind, Zeit und Energie in ein interessantes, aber durchaus forderndes Werk zu investieren, um ihre Perspektive aufs Liefern zu verändern, jedenfalls empfehlen.
Rezensionen von S.L. :
Im Gemälde
Zwei in einem Bild von Morgan Pager
Aus anderer Perspektive gesehen: tagsüber erscheinen die Personen in jedem Gemälde der Galerie bewegungslos und starr, nachts dürfen sie agieren, ein eigenes Leben führen. Der Leser kann an ihren Gedanken teilhaben. Besonders an denen eines jungen Mannes aus einem Gemälde von Matisse. Dieser wirkt eigenartig auf Claire.
Sie liebt gemalte Bilder und ist glücklich über ihren Job, nächtens die Museumsräume zu putzen und die Gemälde nahezu ungestört betrachten zu können. Dabei geschieht das Unglaubliche: Claire kann hinein ins Gemälde klettern. Sie lernt Jean, einen Sohn Matisses, näher kennen und entdeckt auch die Welt anderer Kunstwerke. Ihr offenbart sich Ungeahntes.
Morgan Pager beschreibt ein Welt hinter Glas. Wie geht es den Figuren, wie leben sie, was fühlen sie und vor allem: was machen sie, wenn keine Besucher anwesend sind? Interessant, unerwartet - Gedankenspiele, die ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Andererseits aber auch ein wenig traurig stimmen …
Mit einigen Längen, jedoch phantasievoll und sogar mit einem Kriminalfall mitunter spannend.
Rezensionen von S.:
Im Gemälde
Zwei in einem Bild von Morgan Pager
Aus anderer Perspektive gesehen: tagsüber erscheinen die Personen in jedem Gemälde der Galerie bewegungslos und starr, nachts dürfen sie agieren, ein eigenes Leben führen. Der Leser kann an ihren Gedanken teilhaben. Besonders an denen eines jungen Mannes aus einem Gemälde von Matisse. Dieser wirkt eigenartig auf Claire.
Sie liebt gemalte Bilder und ist glücklich über ihren Job, nächtens die Museumsräume zu putzen und die Gemälde nahezu ungestört betrachten zu können. Dabei geschieht das Unglaubliche: Claire kann hinein ins Gemälde klettern. Sie lernt Jean, einen Sohn Matisses, näher kennen und entdeckt auch die Welt anderer Kunstwerke. Ihr offenbart sich Ungeahntes.
Morgan Pager beschreibt ein Welt hinter Glas. Wie geht es den Figuren, wie leben sie, was fühlen sie und vor allem: was machen sie, wenn keine Besucher anwesend sind? Interessant, unerwartet - Gedankenspiele, die ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Andererseits aber auch ein wenig traurig stimmen …
Mit einigen Längen, jedoch phantasievoll und sogar mit einem Kriminalfall mitunter spannend.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat mich gut unterhalten
Giovanni, du stinkst! von Christian Klinger
Dieser Krimi spielt an einem künstlichen See im Burgenland. Der See ist gilt jenen Menschen, die in den 1970er-Jahren mit ihrer eigenen Hände Arbeit kleine Häuser auf dem Pachtgrund errichtet haben, als Paradies. Doch nun ist das Paradies aus mehreren Gründen in Gefahr. Erstens hebt der Grundeigentümer zum wiederholten Male den Pachtzins an, zweitens gibt es unter den Paradiesvögeln, wie die Einheimischen die Siedlungsbewohner nennen, die eine oder andere Liaison dangereux, also ein Gspusi und drittens liegt Herbert Wolk tot am Strand.
Für die Gründe eins und zwei ist Abteilungsinspektor Giovanni Sinovats nicht zuständig, für den toten Wolk schon. Auf Grund der sommerlichen Hitze wirkt alles ein wenig retardiert, ausgenommen Traudl Sinovats, die mit ihrem Italien-Fimmel sowohl ihrem Sohn als auch ihrer Umgebung schwer auf die Nerven geht. Doch aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen, ist auch keine Option. Also beißt er die Zähne zusammen und lässt sich, von ihren Worten „Giovanni, du stinkst. Geh duschen“ mehrmals täglich ins Badezimmer scheuchen.
Wenig später muss Sinovats abermals zum See ausrücken, weil man dort ein Brodeln im See und Gasgeruch wahrgenommen hat. Die Feuerwehr, Rettung und das Bundesheer mit einer Kompanie von der ABC-Abwehr-Truppe sind schon vor Ort.
Das Gerücht, auf ein Erdgasvorkommen gestoßen zu sein, ruft nicht nur einen Mitarbeiter der Landesregierung auf den Plan sondern auch den Eigentümer des Sees sowie dir Pächter der Seegrundstücke...
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist das neueste Buch des österreichischen Autors Christian Klinger, der sowohl für seine Krimis rund um den Privatdetektiv Marco Martin als auf für seine historischen Triest-Krimis rund um Ispettore Gaetano Lamprecht bekannt ist.
Gleich vorweg, in diesem Krimi werden Insider in dem einen oder anderen Charakter reale Personen erkennen. Daher finden vielleicht nicht-österreichische bzw. nicht-burgenländische Leserinnen und Leser nicht ganz so interessant, spielen doch Landespolitik und herrschaftliche Attitüden eine große Rolle.
Jedenfalls, zeigt Autor Christian Klinger seine Protagonisten nicht immer von ihrer besten Seite. Da dürfen sich schon mal lang gehegte Rachegefühle ihren Weg bahnen. Dass davor auch der Abteilungsinspektor nicht gefeit ist, gibt dem Ganzen ein ziemlich humorvolle, wenn auch tragische Note, denn letzten Endes gehört auch Giovanni Sinovats nicht mehr zu den Guten.
Der Autor lässt seine Leserinnen und Leser hinter die Kulissen eines vermeintlichen Paradieses blicken, in dem sich Ehepaare auseinandergelebt haben, sich langweilen und der eine oder andere wenig Sinn im Leben findet.
Der Schreibstil ist fein, immer wieder mit Hinweisen auf burgenländische Eigenheiten gespickt. Es herrscht keine Hochspannung, sondern ein besonderes Flair, auf das man sich einlassen muss.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der ich gut unterhalten 5 Sterne.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Interessanter Ansatz zur Neubetrachtung der eigenen Work-Life-Balance
Work Life Remix. von Carsten Meier; Nina Meier-Hahasvili; Gregor Kalchthaler
Die Autoren, zwei Männer und eine Frau, kennen sich noch aus dem Studium und betreiben seit Jahren erfolgreich die New-Work-Agentur "Intraprenör" in Berlin, mit der sie Organisationen zu modernen Arbeitsmodellen beraten. Nun haben sie, basierend auf ihrer Leidenschaft zur Musik, dieses unkonventionelle Arbeitsbuch zur Neubetrachtung der eigenen Work-Life-Balance herausgebracht.
Durch das ganze Buch ziehen sich konsequent Metaphern aus der Musik: so heißen die Kapitel etwa Sound, Break, Mischpult, Remix oder Synthesizer. Inhaltlich beginnt es zuerst mit einer Einführung in Konzepte der New Work und den Einfluss aktueller Zeittrends und der Pandemie-Zeit.
Nach dem ersten Drittel des Buches geht es mit "Mischpult" praktisch weiter und die Einladung zur Analyse der eigenen Work-Life-Balance beginnt. Die Dimensionen, anhand denen diese analysiert wird, heißen "Raum" (hier geht es um Arbeits- und Lebensorte, einen oder mehrere oder mobiles Arbeiten), "Takt" (etwa die Grade an Freiheit und Selbstbestimmung bei der Einteilung der Arbeit oder des Alltags), "Arrangement" (Routinen und Struktur), "Bass" (Verpflichtungen und Abläufe) und "Echo" (Sozialkontakte und Resonanzquellen).
Dazu gibt es jeweils Tabellen, um sich einzuordnen und der eigenen Arbeit und dem eigenen Leben eine Stufe zuzuordnen. Basierend darauf kann dann in späteren Kapiteln analysiert werden, wie die jeweiligen Stufen zueinander passen und ob und welche Veränderungen man im eigenen Leben, beruflich wie privat, gerne vornehmen würde.
Dafür finden sich weiter hinten im Buch noch viele praktische Übungen, die in ähnlicher Form auch aus anderen Coachingformaten bekannt sind, z.B. ein Work-Life-Journal oder der Song des Tages, sowie, nach Analysekategorie eingeteilt, Ideen für kleine Schritte zur Veränderung des beruflichen und privaten Alltags.
Es ist ein ungewöhnlicher und neuartiger Ansatz, Arbeit und Leben auf diese Art und Weise zu betrachten. Das hat mir einerseits gefallen, weil es dadurch Möglichkeiten für ganz neue Blickwinkel darauf öffnet.
Andererseits hat es mir aber auch beim Lesen einiges an Konzentration abgefordert, dass die Musikmetaphern so omnipräsent waren - vielleicht hat das aber auch mit mir als Leserin zu tun, die mit der Musikwelt sicher weniger vertraut ist als die Autoren. Ich finde, man merkt dem Buch auch ein bisschen an, dass die Autoren vermutlich meistens mit Gruppen in Organisationen arbeiten und weniger mit Einzelpersonen.
Bei vielen der Übungen hatte ich das Gefühl, dass ich diese zwar alleine machen könnte, mich aber vom Buch nicht so richtig dazu eingeladen fühle, und sie angeleitet in einer Gruppe stärker ihre Wirkung entfalten würden. Gefehlt hat mir auch ein bisschen der tiefere Blick abseits der Strukturen, z.B. auf die Werte, die einen im Leben anleiten.
Insgesamt ist es aber jedenfalls ein originelles und interessantes Buch, das ich jenen empfehlen kann, die einen unkonventionellen und gleichzeitig analytischen Zugang schätzen und für sich selbst oder für die berufliche Arbeit mit Gruppen neue Tools zur Analyse und Veränderung der eigenen Work-Life-Balance suchen.
Rezensionen von Ruth:
Vom Ende der Kindheit
Schwarzer September von Sandro Veronesi
Sandro Veronesi ist einer der angesehensten Schriftsteller Italiens, dessen Werk mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet wurde.
Auch in seinem neuesten Roman „Schwarzer September“ beweist er sein Können.
Wir sind im Sommer 1972 im toskanischen Badeort Fiumetto. Hier verbringt der zwölfjährige Gigio mit seiner Familie wie jedes Jahr die Sommerferien.
Sein Vater, ein angesehener Strafverteidiger, kann wegen beruflicher Verpflichtungen nur an den Wochenenden zu Frau und Kinder kommen. Dann aber verbringt er mit seinem Sohn viele Stunden auf dem Meer, denn er ist ein leidenschaftlicher Segler. Die Woche über ist Gigio mit seiner jüngeren Schwester Gilda und seiner schönen Mutter am Strand. Die ist Irin und zieht mit ihren roten Haaren die Blicke der Männer auf sich.
Das beschauliche Einerlei von Gigios Alltag verändert sich durch die Ankunft von Astel , die mit ihrer Mutter die benachbarte Strandkabine bezieht. Eigentlich kennt er das Mädchen schon von früher, doch dieses Jahr sieht er sie mit anderen Augen. Und er verliebt sich in sie. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, sie hören Musik und Gigio übersetzt für Astel die englischen Songtexte.
Dann aber geschieht etwas Furchtbares, was auf einen Schlag die sommerliche Idylle zerstört. Astels Vater, ein reicher Mann aus Fiumetto, wird ermordet und unter dringendem Tatverdacht steht seine Ehefrau, eine schöne elegante Äthiopierin.
Ich-Erzähler der Geschichte ist Gigio; der Autor wählt aber nicht die kindliche Perspektive. Stattdessen erinnert sich der 60jährige Gigio an jenen Sommer, in dem seine Kindheit so jäh endete. Und er holt weit aus, um die Vergangenheit heraufzubeschwören, beschreibt genau, was für ein Kind er damals war. Ein Kind, das sich behütet und beschützt gefühlt hat von seinen Eltern, ein Junge, der sich für Sport interessierte, sich auf die Olympischen Spiele freute und seltsame Gewohnheiten pflegte. Und er schildert, wie sehr ihn die Begegnung mit der reiferen Astel veränderte.
Veronesi beschreibt in vielen Szenen detailreich jene Wochen, schwelgt im Geruch des Sommers, lässt die Musik der Siebziger erklingen und bekannte Sportler der Zeit aufleben.
Diese Erzählung wird aber immer wieder unterbrochen von düsteren Vorausdeutungen, die die Spannung steigern.
Der Sommer 1972 endete aber auch für die Welt mit einer Tragödie, darauf verweist schon der doppeldeutige Titel des Romans „Schwarzer September“. So nannte sich die palästinensische Terrororganisation, die bei den Olympischen Spielen in München ein Attentat verübten, das 17 Menschenleben kostete.
Veronesi verknüpft hier ein traumatisches historisches Ereignis mit einem privaten. Danach ist die Unbeschwertheit der Kindheit ebenso Vergangenheit wie die Illusion von den „heiteren Spielen“.
Man sollte keinen plotgetriebenen Roman erwarten und sich stattdessen auf den ruhigen und melancholischen Erzählstil einlassen. Veronesi gelingt es, die Atmosphäre der 1970er Jahre einzufangen und seine Figuren nuancenreich zu zeichnen. Jede einzelne bekommt Tiefe, sogar Nebenfiguren wie Onkel Giotti bleiben dem Lesenden im Gedächtnis.
Immer wieder finden sich Sätze, die zum Nachdenken einladen, so z.B. „Wir wissen genau, wann wir etwas zum ersten Mal tun, haben aber keinen blassen Schimmer, wann es das letzte Mal ist.“
Mit einer wunderschönen parabelhaften Geschichte über einen Olivenhain endet der Roman.
Rezensionen von Petra:
Eine starke Frau
Der Gesang der See von Trude Teige
Kristiana ist eine starke junge Frau, sie hat ihrem Vater versprochen dass das Lotsenamt immer in ihrer Familie bleibt. Ein schweres Versprechen denn als Frau obwohl sie die Fähigkeiten hat, darf sie es nicht ausüben. Als sie Witwe wird muss sie bald wieder heiraten und dieser Mann muss die Lotsenprüfung ablegen.
Gegen alle Widerstände erfüllt sie ihre Aufgabe.
Es geschieht eigentlich wenig in diesem Buch, denn das Leben auf der kargen Nordseeinsel in Norwegen bietet wenig. Außer sehr viel Arbeit die oft gerade nur zum Überleben reicht. Für die Frauen ist es noch schlimmer denn sie müssen zuhause warten bis die Männer vom Fischfang zurückkehren und oft kommen sie nicht wieder. Dann sind sie mit den Kindern allein. Angesichts dieser Umstände bleiben sie oft Witwen und haben wenig für ihren Lebensunterhalt.
Dieses Leben erzählt die Autorin atmosphärisch sehr dicht, so intensiv das man sich in diesen Ort hinein versetzt fühlt. Man riecht den Fisch, hört das Meer und hat Angst, Angst bis in die Knochen um den Mann der überfällig ist.
Beim Lesen spürt man selber die Wut, wenn man als Frau als Mensch zweiter Klasse angesehen wird, vor allem wenn die Überheblichkeit der Männer einfach nur albern wirkt.
Diese Intensität schaffen wenig Autoren, es gibt spannende Bücher die man nicht aus der Hand legen kann weil man wissen will wie es weitergeht, bei diesem Buch ist es ein ganz besonderes Gefühl: man will nicht auftauchen aus dieser so anderen Welt, man will bleiben Und Kristiana hautnah erleben und an ihrer Stärke teilnehmen, das geht nur wenn man weiterhin in diesem Buch versunken bleibt. Daraus auftauchen zurück in unserem komfortablen Alltag ist wie ein Schock.
Ich habe das Buch durch gesuchtet und bin dennoch nicht damit fertig, es wird lange nachhallen.
Rezensionen von Odina:
Zwischen Hoffnung, Schuld und Gefahr
Giftiger Grund von Thomas Knüwer
Der Krimi "Giftiger Grund“ wurde von Thomas Knüwer verfasst und erschien am 2. März 2026 im Droemer Knaur Verlag. Das Buch umfasst 336 Seiten und das Cover zieht sofort alle Blicke auf sich. In der Geschichte geht es um Joran, der nach dem Jugendknast vergeblich nach Halt sucht. Bei der Rückkehr zu einer alten Tankstelle findet er statt Geld die Leiche seines früheren Komplizen.
Dort trifft er auf Edda und Charu - gemeinsam werden sie durch den grausigen Fund miteinander verbunden. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, sodass beim Lesen lebendige Bilder im Kopf entstehen. Die angenehm kurzen Kapitel wechseln sich in der Perspektive der Protagonisten ab, was für Abwechslung und zusätzliche Spannung sorgt. Die Handlung bleibt durchgehend fesselnd - ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Charaktere sind klar und übersichtlich gestaltet, wodurch man sich schnell in der Geschichte zurechtfindet. Besonders Joran wirkt vielschichtig und authentisch; seine Gefühle und Gedanken sind nachvollziehbar und berührend. Insgesamt ist das Buch empfehlenswert für alle Krimi-Fans!
Rezensionen von Julia:
Die Totenklägerin von Greta Jung
Matilda ist Trauerrednerin – und keine, die den Hinterbliebenen ausschließlich tröstende Worte schenkt. Sie erzählt die wahre Geschichte der Verstorbenen, auch wenn diese nicht immer schön oder schmeichelhaft ist. Damit stößt sie nicht bei allen auf offene Arme. Als in Reuth Oma Resi stirbt, ist sich die zwölfjährige Jackie jedoch sicher, dass es kein natürlicher Tod war, und möchte Matilda beauftragen, der Sache auf den Grund zu gehen.
Trotz anfänglicher Zweifel beginnt Matilda schließlich, Nachforschungen anzustellen.
Die beiden Hauptfiguren Matilda und Jackie sind – im besten Sinne – speziell. Beide passen nicht in das traditionelle Bild des kleinen Bergdorfes mit seinen bodenständigen, auf Ordnung und Gewohnheit bedachten Einwohnern. Matilda ist direkt, eigenwillig und nimmt kein Blatt vor den Mund. Zudem trägt sie eine bewegende Vergangenheit mit sich, die im Laufe der Geschichte nach und nach enthüllt wird. Jackie hingegen ist eine kluge, aber im Dorf eher außenstehende Zwölfjährige, die auch in der Schule keine Freunde hat. Vielleicht ist es gerade diese Außenseiterrolle, die die beiden – trotz ihres Altersunterschieds – auf besondere Weise verbindet. Auch die Nebencharaktere sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Ermittlungen verlaufen bewusst ruhig und ohne übertriebene Dramatik – genau das passt jedoch hervorragend zur Atmosphäre der Geschichte. Das abgelegene Dorf Reuth mit seinen eingeschworenen Bewohnern wirkt stellenweise fast von der Außenwelt abgeschnitten und in manchen Ansichten sehr traditionsverbunden. Die entschleunigte Erzählweise unterstreicht dieses Setting und verleiht dem Krimi eine besondere, fast schon subtile Spannung.
Die Totenklägerin ist ein fesselnder Krimi, der nicht mit spektakulären Wendungen auf jeder zweiten Seite arbeitet, sondern durch Tiefgang, Charakterstärke und eine ruhige, stetige Entwicklung überzeugt.
Rezensionen von Frechdachs:
Kann der junge Silberfuchs Finn die Schatten im dunklen Wald besiegen?
Foxfighter - Rivalen des Waldes von Akram El-Bahay
Die Fortsetzung zum ersten Band "Foxfighter - Angriff der Schatten“ der Foxfighter-Buchreihe schließt für uns fast nahtlos an die Geschehnisse dort an.
Wir fanden uns gleich wieder Seite an Seite mit dem jungen Fuchs Finn ein, der quasi gegen die Schatten im dunklen Wald kämpfen muss und dabei dann auch über den eigenen Schatten springen muss.
Die düstere und vielleicht auch fast ausweglose Stimmung hat uns gleich wieder anfänglich in den Bann gezogen und quasi bis zum Schluss nie mehr losgelassen.
Für uns fühlte es sich ein wenig wie Heimkommen an und wir waren sehr froh darüber, als wir Finn aufgespürt haben und gemeinsam mit ihm abermals durch das Reich der Nachtpfoten sowie die anderen angrenzenden Waldbereiche streunen durften.
Finn muss in diesem finalen Band dann wohl oder übel an den Aufgaben wachsen, will er seine neue Familie und seinen Platz darin verteidigen. Dafür braucht er dann Mut, Courage, Zuversicht und vielleicht auch eine Portion Glück.
Wir empfinden insbesondere die unterschiedlichen Charaktere der Handelnden dann wieder superspannend. Diese sind uns Menschen dann ja noch nicht mal so unähnlich, wenn man beginnt, zwischen den Zeilen zu lesen. Und genau dies macht die Story für uns persönlich so lesenswert.
Der Plot macht so Laune zum Lesen, dass wir das Buch quasi fast in einem Rutsch durchgelesen haben. Für uns persönlich immer ein eindeutig gutes Zeichen, wenn ein Buch und die Geschichte darin so fesseln kann.
Wer hätte es gedacht? Von den Charakteren her lieben wir neben dem Hauptakteur Finn den Igel Stachel über alles. Als Sidekick zum zweifelnden "Außenseiter", dem Silberfuchs, Finn einfach perfekt besetzt. Er lockert die manchmal vielleicht ausweglosen Szenerien dann immer wieder auf.
In der Mitte des Buches wartete dann auch schon das für uns vielleicht wichtigste Highlight, das Orakel. Die Szenerie rund um dieses sehr spezielle Kapitel dort hat uns dann emotional komplett abgeholt.
Generell war für uns die zweite Hälfte noch dichter und fesselnder erzählt. Sie enthielt unserem Empfinden nach auch viel mehr Emotionen.
Das Ende kam für uns dann leider fast zu abrupt und hier hätten wir uns dann vielleicht eine noch andere Auseinandersetzung mit den bösen Mächten gewünscht. So löst sich für uns leider vieles dann zu schnell in Luft bzw. Wohlgefallen auf.
Alles in allem ist der finale Band die konsequente Fortsetzung der Foxfighter-Buchreihe. Leider ging das Lesevergnügen viel zu schnell vorüber und nun spüren wir der Geschichte rund um den Silberfuchs Finn und seinen treuen Gefährten noch nach.
Wir würden es jedoch sehr begrüßen, wenn dies doch noch nicht das Ende wäre. Es gäbe denke bestimmt noch so viel zu erzählen.










