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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Tobias Kallfell:

Förderung der Faszination für große Zahlen

Voll verzählt? von Melvin Burgess

Es gibt Kinderbücher, denen liegt manchmal einfach nur eine schöne, kreative Idee zugrunde. So auch hier. Melvin Burgess, vermutlich vielen durch „Billy Elliot“ bekannt, legt mit „Voll verzählt“ ein Buch vor, in dem er der Faszination großer Zahlen „huldigt“. Es ist ein unterhaltsames Buch.

Paul, ein Angeber, behauptet, er könne bis 10 Millionen zählen. Und dann legt er los und hört nicht mehr auf. Und diese Idee erzeugt bei den jungen Leser:innen bzw. Zuhörer:innen Neugier. Denn sie wollen wissen, ob Paul es wirklich gelingt, so weit zu zählen, oder ob er vorher abbricht.
Noch dazu interessieren sich Kinder meiner Erfahrung nach spätestens ab der Einschulung für Zahlen und wollen wissen, wie weit man zählen kann. Diese Idee wird hier kreativ aufgegriffen. Auf diese Weise werden beiläufig die Lust am Zählen und die Faszination für große Zahlen gefördert. Immer wieder werden Zahlen in die Handlung eingeflochten, die beim Nachwuchs durchaus auf Interesse stoßen. Noch dazu wird das Vorstellungsvermögen für die Größe des Zahlenraums angeregt. So ist es schon sehr beeindruckend, wie der Lehrer, Mr. Clark, vorrechnet, wie lange man benötigt, um bis 10 Millionen zu zählen.
Einige wenige Leerstellen regen auch zum Nachdenken an. So kann man beispielsweise fragen, warum Paul so handelt, wie er es tut. Hier bieten sich einige Textstellen an. Im Buch gibt es z.B. einen schönen erzählerischen Wendepunkt, der zur Diskussion einlädt.
Sprachliche ist das Buch nicht schwierig zu verstehen, so dass man es auch schon Kindern ab 7 Jahren vorlesen kann. Es gibt lediglich einige abstraktere Passagen, die tatsächlich eher für ältere Kinder ab 9 bis 10 Jahren geeignet sind. Hier ist man dann schon als erwachsener Vorleser gefordert, Dinge zu erläutern. Auch die Kritik am Schulsystem, die immer wieder sehr deutlich wird, ist wohl eher etwas für Ältere.

Fazit: Ein kreatives, unterhaltsames Kinderbuch mit einer tollen Grundidee. Es werden die Lust am Zählen und die Faszination für große Zahlen gefördert. Auch das Vorstellungsvermögen für die Größe des Zahlenraums wird angeregt. Einige Inhalte sind noch etwas abstrakt, so dass die Altersangabe des Verlags durchaus gerechtfertigt ist (ab 9 Jahren). Sprachlich ist das Buch aber prinzipiell auch für jüngere Kinder gut zu verstehen und als Vorleselektüre geeignet.

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Starker Beginn, dann deutlicher Qualitätsverlust

Bekenntnisse eines Betrügers von Rahul Raina

Das Debut „Bekenntnisse eines Betrügers“ von Rahul Raina startet vielversprechend, die ersten 130 Seiten haben mir gut gefallen. Leider lässt das Werk dann nach meinem Dafürhalten aber stark nach. Nachdem Rudi durch die Hilfe des Bildungsberaters Ramesh ein rekordverdächtig gutes Ergebnis bei den Aufnahmeprüfungen der Universität erzielt, „driftet“ die Handlung für mich zu sehr in Richtung Gangster-Komödie ab.

Dabei wird die scharfzüngige und bissige Gesellschaftskritik immer mehr zur Nebensache und rückt zu sehr in den Hintergrund. Stattdessen verändert sich die Handlung mehr in Richtung eines unrealistischen Trips im Stil einer Komödie wie „Hang Over“. Das entsprach nicht meinem Geschmack. Und leider empfand ich die Darstellung auch nicht als sonderlich witzig, anders als im Klappentext versprochen.
Das ist sehr schade, denn der Beginn dieses Romans ließ etwas anderes erwarten: eine satirische Aufsteigergeschichte. Die lieblose Beziehung zum Vater wird gut dargestellt, ebenso die Begegnung mit der Nonne Claire, die Ramesh fördert und ihm eine Aufstiegschance ermöglicht. Hinzu kommt ein grober, emotional-expressiver und teils vulgärer Erzählton, der Rameshs Wut aufs System sehr gut deutlich werden lässt. Man spürt die Verachtung des Ich-Erzählers gegenüber seinem eigenen Heimatland. Zu viele Enttäuschungen hat er erlebt, zu viele Ungerechtigkeiten mitangesehen. Dementsprechend drastisch sind die Worte, mit denen Ramesh Indien beschreibt. Er hadert mit den Zuständen im Land, er beklagt vor allem die soziale Ungleichheit, die Korruption und kritisiert das Bildungssystem. Das alles ist erzählerisch gut gemacht und interessant zu lesen. Lediglich ein Nachwort mit Informationen zum indischen Bildungssystem und zu den Aufnahmeprüfungen an den Universitäten hätte ich mir noch gewünscht. So habe ich mich beispielsweise schon gefragt, ob das Ansehen eines erfolgreichen All-India-Kandidaten tatsächlich so immens ist.
Leider entwickelt sich die Handlung dann nach 130 Seiten in eine Richtung, die ich längst nicht mehr so fesselnd und aufschlussreich fand. Die Tiefgründigkeit geht verloren, facettenreich geschilderte Beziehungsverhältnisse gibt es nicht mehr. Die Aufsteigergeschichte verliert an Bedeutung. Das fand ich sehr schade. Stattdessen: Wenig Ernsthaftes, wenig Gesellschaftskritisches.

Fazit: Ein Roman, der interessant und gesellschaftskritisch startet, dann aber ab Seite 130 in meinen Augen enorm an Qualität verliert. Aus der anfangs noch tiefgründigen Gesellschaftskritik wird eine turbulente und oberflächliche Gangster-Komödie. Leider entsprach das nicht meinem Geschmack, deshalb nur 3 Sterne und eine eingeschränkte Leseempfehlung.

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Freundschaft durch Sport

Leserabe 2. Lesestufe - 1:0 für Paul - Eine Fußballgeschichte von Manfred Mai

Das Erstlesebuch „1:0 für Paul. Eine Fußballgeschichte“ aus der Reihe „Leserabe“ vom Ravensburger Verlag ist eine Geschichte, die eine schöne Botschaft vermittelt: Durch die gemeinsame Ausübung des Sports lassen sich sprachliche Barrieren überwinden, es entstehen Freundschaften, unabhängig von der Herkunft.

Das finde ich sehr gelungen. Schließlich soll man mit Hilfe eines Erstlesebuchs nicht nur das Lesen trainieren, sondern im Idealfall auch noch eine bereichernde Geschichte lesen. Hier sind es nun Amir und Paul, die zusammenhalten und Freundschaft schließen.
Vom Anspruchsniveau ist das Buch geeignet für Leser in der 2. Klasse. Für geübte Leser kann es aber auch schon am Ende der ersten Klasse zum Einsatz kommen. Ergänzend zum Text findet man am Ende jedes Kapitels auch nachbereitende Fragen zum Textinhalt und auch noch sog. Leserätsel am Ende der Lektüre.
Hierzu ein paar Anmerkungen: Die nachbereitenden Fragen zum Textinhalt sind ausschließlich recht geschlossen gehalten, das finde ich etwas schade. Mit Hilfe dieser geschlossenen Fragen wird das selektive Verstehen trainiert, d.h. die Kinder suchen gezielt nach der Antwort auf die gestellte Frage. Dafür dürfen sie natürlich auch ruhig noch einmal in das Kapitel schauen, sonst ginge es ja nur um die Überprüfung einer Gedächtnisleistung. Das ist ein absolut zulässiges Übungsformat! Alternativ dazu hätte man aber auch noch durch W-Fragen das Globalverstehen trainieren können.
In den Rätseln im Anschluss an die Geschichte wird dann durch eine Text-Bild-Zuordnungsübung die Lesekompetenz auf Satzebene gefördert, in Form eines Silben-Salats wird die korrekte Schreibung eines Worts trainiert („Schienbeinschoner“) und mit Hilfe eines Gitterrätsels wird die Identifikation von Wörtern gefördert. Nicht zuletzt gibt es noch einen recht simplen multiple-choice-Test, in dem Sätze vervollständigt werden müssen. Die Aufgaben sind insgesamt recht simpel, in meinen Augen keine wirkliche Herausforderung für eine:n Zweitklässler:in, denn die Übungen sind auf Wort- und Satzebene angesiedelt, nicht auf der Ebene des Textverstehens. Gut gefunden hätte ich z.B. Richtig-falsch-Aufgaben zum Textinhalt.
Abschließend möchte ich mir auch noch einen Bemerkung zur gendergerechten Gestaltung des Buchs erlauben. An einer Stelle des Buchs kommt die Schwester von Paul vor, über die gesagt wird, dass sie meistens nicht mit ihm Ball spielen will. Ich finde, hier wird ein typisches Klischee bedient. Man hätte an dieser Stelle z.B. auch schreiben können, dass sie lieber mit ihren Freundinnen Ball spielt o.ä.

Fazit: Eine Geschichte mit einem schönen „Völkerverständigungs-Gedanken“, die vom Niveau gut für Zweitklässler:innen geeignet ist. Bei den Aufgabenformaten sehe ich aber Verbesserungspotential! Deshalb vergebe ich „nur“ 4 Sterne!

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Kinder-Sachbuch mit Leseaufgaben

Wieso? Weshalb? Warum? Erstleser, Band 8 - Ozeane von Carola von Kessel

Ich beschränke mich bei meiner Rezension zum Erstleser-Buch „Ozeane“ aus der Reihe „Wieso, weshalb, warum?“ auf die Betrachtung der inhaltlichen Kohärenz der zu lesenden Informationstexte und die Beurteilung der Aufgabenformate.
Das Kinder-Sachbuch ist in vier große Kapitel unterteilt, zu denen jeweils sogenannte Leserätsel im Anschluss gelöst werden müssen: 1.

Kapitel „Was sind Ozeane und Meere“, 2. Kapitel „Warum sind Ozeane so geheimnisvoll“, 3. Kapitel „Wer lebt in den Ozeanen“, 4. Kapitel „Weshalb sind die Ozeane in Gefahr?“.
Nach meinem Dafürhalten ist die inhaltliche Kohärenz der Kapitel 1, 2 und 4 gewährleistet. Lediglich beim dritten Kapitel hatte ich den Eindruck, dass die Inhalte recht unverbunden nebeneinander stehen. Hier würde ich die Übergänge zwischen den einzelnen Fragestellungen „glatter“ gestalten, indem eine stärkere inhaltliche Verknüpfung vorgenommen wird. Ein roter Faden sollte erkennbar sein. Sonst wirkt die Darstellung zwischen den einzelnen Unterkapiteln etwas sprunghaft.
Im Anschluss an Kapitel 1 findet man zwei Aufgaben, in denen vor allem die Identifikation von Wörter gefördert wird. Die Leser:innen sollen in einem Gitter Wörter erkennen und danach Buchstaben zu Wörtern sortieren und sie Bildern zuordnen. Klassische Aufgabenformate, die gelungen sind. Lediglich beim Gitterrätsel hätte die Arbeitsanweisung etwas verständlich ausfallen können, in dem noch die Leserichtung angegeben wird („waagerecht und senkrecht“). Die Aufgaben zu Kapitel 2 sind hingegen nicht so gelungen. So ist bei dem Labyrinth verwirrend, dass dort zwei Delfine abgebildet sind. Einer hätte gereicht, und zwar der untere. Das Aufgabenformat der Silbenschreibung in Form eines Gitters fand ich verwirrend und unlogisch, vor allem weil mir nicht klar geworden ist, in welcher Reihenfolge die Silben anzuordnen sind. Die Aufgaben, die sich an Kapitel 3 und 4 anschließen, sind hingegen wieder gelungen und durchdacht: z.B. ein Kreuzworträtsel als inhaltliche Nachbereitung des Gelesenen und die Verknüpfung von Substantiven zu inhaltlich korrekten Komposita. Auch das Lesequiz in Form von multiple-choice-Aufgaben am Ende ist gelungen, wenn auch etwas zu einfach. Lobenswert ist auch, dass auf den letzten Seiten die Lösungen angegeben werden, so dass eine Überprüfung möglich ist und kein Frust aufkommt. Und was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat: Das sogenannte Leselotto. Hier wird Lesekompetenz durch Text-Bild-Zuordnung gefördert. Klasse!

Fazit: Ein weitestgehend gelungenes Kinder-Sachbuch. Lediglich die inhaltliche Kohärenz des dritten Kapitels sowie die Aufgaben am Ende des zweiten Kapitels hätten durchdachter sein können. Wegen dieser „kleineren“ inhaltlichen Schwächen vergebe ich 4 Sterne.

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Offenlegung eines "kranken" Systems

Dieser Beitrag wurde entfernt von Hanna Bervoets

Gute Literatur schafft es in meinen Augen, zum Reflektieren anzuregen und Fremdverstehen zu fördern. Noch dazu mag ich es, wenn sie eine gesellschaftspolitische Relevanz hat. Hanna Bervoets legt mit ihrem Werk „Dieser Beitrag wurde entfernt“ einen Roman vor, der diese Anforderungen erfüllt. In einer verdichteten Schreibweise mit hoher Intensität schildert sie am Beispiel von Kayleigh und ihrer Freundin Sigrid die belastende Tätigkeit im Bereich der Content-Moderation und zeigt auf, wie sich die Beschäftigung mit gewalthaltigen Inhalten auf die Betroffenen auswirkt.

Gezeigt wird eine abschreckende und verstörende Arbeitswelt.
Die Darstellung der Arbeitsbedingungen wirkt sehr realistisch. Der unglaubliche Leistungsdruck und die übergriffige Überwachung der Mitarbeiter:innen wird gut deutlich. Psychologische Unterstützung fehlt weitestgehend. Ich war geschockt und habe mich darüber gewundert, dass die Angestellten das mit sich machen lassen und so wenig hinterfragen. In ihrem Nachwort macht die Autorin deutlich, dass sie sorgfältig für ihren Roman recherchiert hat. Sie führt weiterführende Literatur zu dem Thema an. Auf diese Weise wirkt ihr Werk fast dokumentarisch, der Inhalt bleibt aber natürlich fiktiv. Im Zentrum steht nicht die Charakterzeichnung und -entwicklung, im Zentrum steht die Offenlegung eines „kranken“ Systems, in dem jeder einzelne leidet. Der Roman ähnelt eher einer soziologischen Studie, in der die Missstände aufgezeigt werden.
Auch die erzählerische Gestaltung verleiht dem Ganzen ein hohes Maß an Authentizität. Die Ich-Erzählerin adressiert in einer Art Erlebnisbericht in Form eines Briefs einen Anwalt. Das fand ich sehr passend und gelungen! Auch wenn die näheren Umstände des Falls und was letztlich daraus wird im Dunkeln bleiben. Das fand ich zwar schade, kann aber nachvollziehen, dass die Autorin hier lieber eine Leerstelle entstehen lassen wollte.
Der Einstieg in den Roman erfolgt unmittelbar, man ist sofort mittendrin im Geschehen. Und man wird auch sofort mitgerissen, weil man wissen will, was der Protagonistin passiert ist, was sie erlebt hat, warum sie gekündigt hat. Und ich habe das Buch mit einer großen Anspannung gelesen. Immer wieder musste ich innehalten, um das Gelesene zu verarbeiten. Man ist als Leser sehr gefordert, viele Stellen verstören durch die konkrete Erwähnung von gewalthaltigen Inhalten. Es gibt immer wieder Schockmomente beim Lesen. In diesem Zusammenhang habe ich mich schon gefragt, ob das wirklich sein muss, ob diese Drastik gerechtfertigt ist. Oder bedient die Autorin gar mit den schockierenden Beispielen den Voyeurismus der Leser:innen? Ist das bedenklich? Meiner Meinung nach wäre eine Schonung der Leserschaft hier fehl am Platze. Denn erst durch die Erwähnung dieser Beispiele wird der Kontrast zu den absurden Richtlinien richtig deutlich.
Als verstörend habe ich beim Lesen empfunden, dass es bei der Beurteilung von gewalthaltigen medialen Inhalten als Content-Moderator weniger um den Inhalt selbst geht, als vielmehr um das Überprüfen von Richtlinien. Und diese Richtlinien sind nicht unbedingt in sich konsistent und logisch. Offensichtlich gewalthaltigen Inhalten wird die Anstößigkeit abgesprochen, weil sie den absurden Richtlinien noch entsprechen.
Gleichzeitig wird deutlich, wie sich die moralischen Maßstäbe und die Wirklichkeitswahrnehmung der Mitarbeitenden verschieben. Der innere Kompass gerät aus dem Gleichgewicht. Eine Verrohung in der Belegschaft ist die Folge. So wird z.B. deutlich, dass Sprache aus dem zu sichtenden Material in den eigenen Sprachgebrauch übernommen wird. Einige glauben plötzlich an Verschwörungstheorien. Gleichzeitig ist beängstigend, dass die Protagonistin so wenig in Frage stellt. Ihr geht es in erster Linie darum, Ziele zu erfüllen und die Richtlinien korrekt anzuwenden. Sie scheint das Gesehene gar nicht groß an sich heranzulassen, verdrängt es lieber und flüchtet sich stattdessen in Alkohol und Sex. Ihre Freundin Sigrid reagiert da anders. Ihr psychischer Zustand verschlechtert sich zusehends. Und es ist gut, dass die Autorin hier einen Kontrast zwischen den beiden Figuren angelegt hat, um zu einer differenzierteren psychologischen Darstellung der Folgen der Tätigkeit zu gelangen.
Zum Ende hin werden die Handlungsweisen der Figuren zunehmend irrationaler. Man ist als Leser:in sehr gefordert, sich den Sinn und den Zusammenhang zu erschließen. Vieles bleibt nebulös und unausgesprochen. Das wird nicht jede/r mögen. Auch bleibt viel offen, am Ende hatte ich mehr Fragen als Antworten im Kopf, mit denen ich mich allein gelassen fühlte. Das hat mich aber nicht so gestört, dass ich dafür einen Stern abziehen würde.

Fazit: Ein Roman, der seine Leserschaft fordert. Es ist ein schwieriges Thema, dass die Autorin hier behandelt, aber sie macht es in meinen Augen sehr gut. Ich empfehle das Buch solchen Leserinnen und Lesern weiter, die bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen, wie der Konsum gewalthaltiger Medien sich auf Betroffene auswirkt, und die sich auch von einigen schockierenden Beispielen, die zur Veranschaulichung dienen, nicht abschrecken lassen. Auch sollte man sich darauf einlassen können, die Offenheit des Werks auszuhalten. Ich vergebe 5 Sterne und spreche eine Empfehlung aus. Denn ich mag Literatur mit gesellschaftspolitischer Relevanz, die zum Nachdenken anregt.

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Motivierendes Erstlesebuch mit geringem Anspruchsniveau

PAW Patrol Erstlesebuch von Hanna Bervoets

Die „Paw Patrol“ ist aktuell eine der beliebtesten Kinder-Fernsehserien. Fast jedes Kind kennt diese kanadische Action-Abenteuer-Serie mit den niedlichen Welpen, die in mehr als 160 Ländern weltweit ausgestrahlt wird. Und sie spricht beide Geschlechter gleichermaßen an. Aus diesem Grund halte ich das Erstlese-Buch „Die Fellfreunde retten den Tag“ vom Carlsen Verlag für besonders motivierend, um das Lesen zu üben.

Anspruchsniveau und Zielgruppe
Vom Anspruchsniveau halte ich es für leichter als die mir bekannten Lesebücher aus der Leserabe-Reihe für die 1. Klasse vom Ravensburger Verlag. Es ist also gut geeignet für Leseanfänger, die eher noch am Anfang des Leseerwerbs stehen. Das liegt daran, dass auf einer Seite nicht so viele Zeilen zum Selbstlesen abgedruckt sind. Meistens sind es nur zwei bis drei Zeilen, maximal sind es fünf Zeilen, die auf einer Seite präsentiert werden. Umfangreiche Seiten mit fünf Zeilen kommen aber nur selten vor. Auch sind die Zeilen nicht zu lang geraten, meist sind es drei bis vier Wörter pro Zeile, die erlesen werden müssen. Das kommt gerade Leseanfängern zu Beginn des Leseerwerbs entgegen. Auch wurde vom Verlag darauf geachtet, dass die Sätze knapp ausfallen. Oft umfasst ein Satz eine Zeile, maximal zwei Zeilen. Kurzum: Das Buch ist so gestaltet, dass Lesebeginner:innen nicht von zu viel Text frustriert werden. Das ist gut! Für Leser:innen, die schon fortgeschrittener sind (z.B. am Ende von Klasse 1) ist dieses Buch aber ebenfalls motivierend, weil die Kinder merken, dass sie zügig viele Seiten schaffen. Ich finde eine solche Herangehensweise sinnvoller, als Kinder zu Beginn des Leseerwerbs zu überfordern. Nach meiner Erfahrung sind Lerner:innen gerade mit solchen Texten, die über fünf Zeilen pro Seite hinausgehen, noch etwas überfordert.

Bebilderung und Sprachgestaltung
Zum Bildmaterial muss ich nicht viel sagen, es handelt sich um großformatige Bilder aus der Serie. Schon allein dieser Umstand ist ebenfalls motivierend. Die zu lesenden Satzkonstruktionen sind alle sehr einfach gehalten, auch der Wortschatz ist sehr simpel. Es gibt also keine Stellen mit langen, schwer zu erschließenden Wörtern. Das garantiert den Leser:innen schnelle Erfolgserlebnisse. Und auch an die Ausspracheproblematik wurde gedacht: So wird auf den ersten beiden Seiten die Aussprache der englischsprachigen Namen geübt. Auf diese Weise wird einem möglichen Stolpern vorgebeugt, vor allem weil die Namen im zu lesenden Text auch andersfarbig markiert sind.

Verbesserungsvorschläge
Kürzere Kapitel wären sinnvoll. Auch die Unterteilung eines Kapitels in kürzere Unterkapitel wäre denkbar. Kinder lesen gerne ein ganzes Kapitel zu Ende und sind stolz auf sich, wenn sie ein ganzes Kapitel gelesen haben. Hier finde ich die beiden Geschichten mit einem Umfang von 28 Seiten und 17 Seiten zu lang geraten. Am Ende fände ich andere Aufgabenformate zur Nachbereitung des Textes besser. Auch dürfen es nach meinem Dafürhalten ruhig mehr Aufgaben sein.

Fazit:
Ein sehr motivierendes Erstlese-Buch mit Paw Patrol Setting, das vom Anspruchsniveau v.a. solchen Kindern entgegenkommen dürfte, die noch am Beginn ihres Leseprozesses stehen. Die Sprach- und die Zeilengestaltung sind bewusst einfach gehalten und durchdacht. Sie ermöglichen beim Lesen rasche Erfolgserlebnisse. Klare Empfehlung und 5 Sterne!

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Dezente Science-Fiction-Literatur

Der Mann, der vom Himmel fiel von Walter Tevis

Der Autor Walter Tevis ist spätestens seit dem „Damengambit“ wieder in aller Munde. Sein Werk wird aktuell wiederentdeckt und neu übersetzt. Dazu gehört nun auch der Roman „Der Mann, der vom Himmel fiel“, der ursprünglich 1963 erschienen ist. Und man merkt dem Werk den Zeitgeist der 60er Jahre an, z.

B. wenn die Hauptfigur Thomas Jerome Newton über die Gefahr der Kriegsführung spricht. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man das Buch liest.
Was das Buch in meinen Augen auszeichnet, ist die starke Hauptfigur des Außerirdischen Newton, der mysteriös wirkt. auf der einen Seite besitzt er eine den Menschen überlegene Intelligenz, doch auf der anderen Seite ist er körperlich so verletzlich und gebrechlich. Von Beginn an fragt man sich bei der Lektüre, was er vorhat, was sein Plan ist, welches Ziel er verfolgt. Das treibt die Handlung gut voran. Seine Fremdartigkeit wird nur recht dezent angedeutet, hin und wieder erfahren wir auch vage etwas über seine Heimatwelt. Das finde ich gut gemacht. Auch die psychischen Auswirkungen seines Aufenthalts auf der Erde kommen gut zum Ausdruck. Er vermisst seine Heimat, fühlt sich einsam, gibt sich dem Alkohol hin und wirkt in dieser Phase orientierungslos. Kurzum: Die Figur ist nicht statisch angelegt, sondern entwickelt sich. Das ist ebenfalls gelungen.
Auch die Figur des Nathan Bryce fand ich interessant angelegt, er schöpft schon früh Verdacht, dass es sich bei Newton um eine außergewöhnliche Person handeln muss. Später überschneiden sich dann auch die Wege von Newton und Bryce. Was mich während des Lesens aber etwas gestört hat, ich habe nie ganz ergründen können, was er denn nun eigentlich vorhat. Gleichzeitig treibt aber diese Uneindeutigkeit wieder die Handlung voran. Als Highlight des Buchs habe ich das Gespräch zwischen den beiden Protagonisten empfunden, in dem Newton Bryce seine Ziele offenlegt. Und hier zeigt sich, dass die Botschaft des Buchs durchaus Aktualitätsbezug aufweist.
Betty Jo hingegen blieb mir insgesamt zu blass. Wird das Kennenlernen mit Newton noch ziemlich ausführlich beschrieben, tritt sie danach für mich zu sehr in den Hintergrund. Das fand ich schade, hier wäre mehr drin gewesen.
Dass man wenig über das Innenleben der Figuren erfährt, liegt an der gewählten Erzählperspektive. Die Handlung wird aus einem distanzierten personalen Blickwinkel berichtet. Dadurch ist man nicht so nah dran an den Figuren und an ihren Gedanken und Gefühlen. Und gerade das lässt Leerstellen entstehen. Als Leser:in steckt man eher in der Beobachterrolle. Wie man das nun empfindet, muss jede/r für sich selbst beantworten. Für den einen mag genau das den Reiz beim Lesen ausmachen, ich hätte hingegen gern mehr über die Beweggründe von Newton und vor allem auch Bryce erfahren.
Das Ende des Buchs war für mich überraschend und zugleich irritierend. Der Umgang mit Newton und auch Newtons Handlungen waren nach meinem Dafürhalten nicht gänzlich plausibel. Das fand ich etwas schade.

Fazit: Ein Science-Fiction-Roman mit Aktualitätsbezug, in dem die Fremdartigkeit des Außerirdischen Thomas Jerome Newton nur sehr dezent thematisiert wird. Durch die gewählte Erzählperspektive ergeben sich einige Leerstellen. Klare Stärke des Werks: die Konzeption der Figur Newton. Es ist ein sehr gutes Buch, aber kein herausragendes. Deshalb vergebe ich 4 Sterne.

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Das Gesetz - ein Segel?

Die sieben Schalen des Zorns von Markus Thiele

In seinem sehr lesenswerten Roman „Die sieben Schalen des Zorns“ widmet sich der Autor dem sehr schwierigen Thema der Sterbehilfe und beleuchtet es vor allem unter Einbezug juristischen Wissens. Schon in seinem Vorwort macht Markus Thiele klar, dass es bei der Sterbehilfe verschiedene Formen gibt: „die aktive und passive Begehungsweise sowie die Beihilfe zur Selbsttötung“ (vgl.

S. 9). Genau in diesem Spektrum von Möglichkeiten der Sterbehilfe siedelt der Autor den fiktiven Fall an. Und was ich toll finde: Der Autor ist selbst Fachmann. Als Rechtsanwalt versteht er es hervorragend, rechtliche Grauzonen erzählerisch angemessen und interessant aufzubereiten. Das macht er richtig gut. Man könnte im ersten Moment vielleicht befürchten, dass die Lektüre trocken ist oder die Figuren nur als Mittel zum Zweck herhalten, um juristische Sachverhalte zu veranschaulichen. Doch so ist es nicht! Im Gegenteil. Die Lektüre ist zwar fordernd und man lernt jede Menge dazu, aber der Erzählton ist nie langatmig. Und auch die Gestaltung der Figuren und ihrer Beziehungsverhältnisse zueinander ist gelungen. Die Charaktere wirken lebensecht, ihr Handeln ist plausibel, sie sind nicht flach, sondern mit Tiefe gezeichnet. Ich war positiv überrascht. Vor allem die Freundschaft zwischen Max und Jonas ist facettenreich und mit dramatischem Geschick gestaltet worden. Beide sind durch ein tragisches Schicksal auf besondere Weise miteinander verbunden. Und Jonas befindet sich in einer erheblichen Dilemma-Situation und man fragt sich, wie er sich in seiner Rolle als Staatsanwalt seinem Freund gegenüber verhalten wird. Auch die familiären Unterschiede zwischen Max und Jonas kommen gut zum Ausdruck: Während Max eine triste und lieblose Kindheit mit einem Vater erlebt hat, der ihn emotional vernachlässigt hat, ist Jonas in einem reichen und eher karrieristisch geprägten Elternhaus groß geworden. Die soziale Herkunft zwischen beiden könnte unterschiedlicher nicht sein. Und als Leser stellt man sich die Frage: Wird die Freundschaft zwischen Max und Jonas womöglich an dem Fall zerbrechen? Wie wird sich Jonas positionieren?
Auch Agnes ist eine reizvolle Figur, die der Handlung zusätzliche Spannung verleiht. Zwischen Max und Agnes wird Rivalität und Antipathie deutlich. Zwischenzeitlich fragt man sich, inwieweit auch die leibliche Tochter ihre Finger im Spiel hat. Will Sie Max möglicherweise etwas anhängen und ihn in ein schlechtes Licht rücken?
Was mich noch überzeugt hat: Thiele ist am Puls der Zeit. Durch sein Nachwort wird deutlich, dass der Hohe Rat von Den Haag eine vielleicht richtungweisende Entscheidung zum Thema „Sterbehilfe“ getroffen hat. Er erwähnt, dass einzelne Fraktionen im Deutschen Bundestag Gesetzesvorschläge eingebracht hätten, um die Sterbehilfe neu zu regeln (vgl. S. 389-391). Das verleiht dem Inhalt des Buches nicht nur Aktualität, sondern noch dazu einen hohen Grad an Realismus. Und ich fand bei der Lektüre v.a. solche Passagen interessant, in denen auch einmal strafrechtliche Grundsatzdebatten erzählerisch ansprechend vermittelt wurden. So wird gut deutlich, dass das Recht nicht statisch ist, sondern gesellschaftlichen Wandlungsprozessen unterliegt.
Auch den Einblick in die Arbeit des Staatsanwalts habe ich mit Interesse gelesen (vgl. Kap. 16). Und die Darstellung des Prozesses ab S. 265 war für mich das Highlight des Buchs. Mir war nicht klar, welche Spielräume ein Staatsanwalt zur Verfügung hat. Hier merkt man einfach, dass der Autor vom Fach ist. Die Darlegungen wirken auf mich sehr realistisch. Und mich stimmte hoffnungsvoll, dass der Staatsanwalt das Ziel verfolgt, mit dem Angeklagten fair umzugehen, und im Zentrum des Interesses die Wahrheitsfindung steht. Das fand ich differenziert dargelegt.
Das einzige, was ich kritisch anmerken kann, ist der Umstand, dass dieses Buch bei der Lektüre schon fordernd ist. Es ist kein Buch, das man mal eben so herunterliest. Mich hat das aber überhaupt nicht gestört.

Fazit: Ein lesenswerter Roman, der sich vor allem juristisch mit dem Thema „Sterbehilfe“ beschäftigt. Man erhält interessante Einblicke in die deutsche Rechtsprechung und beiläufig werden juristische Grauzonen beleuchtet. Die Figuren und ihre Beziehungsverhältnisse zueinander sind ansprechend gestaltet worden. Die Lektüre des Buchs ist fordernd, aber es lohnt sich. Ich vergebe 5 Sterne!

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Was ist normal?

So sind Familien von Judith Allert

In dem Kinderbuch „So sind Familien“ von Judith Allert und Marie Braner aus dem Carlsen-Verlag lernen die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer im Rahmen von 14 Vorlesegeschichten verschiedene Familien und ihren Alltag kennen. Ich empfehle es zum Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren.

Konzept
In diesem Buch werden keine „typischen“ Familien präsentiert, sondern Familien, wie sie tatsächlich existieren.

Familien in ihrer bunten Vielfalt, aus dem Leben gegriffen, mit all ihren Problemen und Turbulenzen. Es wird bewusst von dem abgewichen, was als „normal“ gilt. Und das ist gut so, denn so, wie der Alltag der Figuren in diesem Buch dargestellt wird, so läuft es in der Realität ab. Da gibt es eine Familie, die sich eine Oma „borgt“, zwei Schwestern, von denen eine im Rollstuhl sitzt, eine Familie, die ein morgendliches Chaos erlebt, bevor es für die vier Kinder in die Schule und in den Kindergarten geht. Es gibt mehrsprachige Familien multinationaler Herkunft, Kinder, die bei Oma und Opa oder bei der Tante übernachten sollen, eineiige Zwillinge, die sich streiten, eine Familie mit zwei Mamas oder zwei Papas, eine Patchwork-Familie, eine Großfamilie etc. Auch der Tod wird in einigen Geschichten thematisiert. Kurzum: Wer seine Kinder für Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Familienmodellen sensibilisieren will und auf eine realistische Darstellung des Alltags Wert legt, sollte zu diesem Buch greifen. Und ich versichere, den Vorleser:innen, dass der Nachwuchs sich gut in den geschilderten Alltag hineinversetzen kann. Denn er ist realistisch und manchmal auch traurig!
Was auch sehr gelungen ist: Zu Beginn jeder Geschichte werden die Familien in Form eines Porträts namentlich mit realistischen Illustrationen eingeführt. So haben die jungen Zuhörer:innen direkt ein Bild von ihnen im Kopf und wissen, welche handelnden Figuren vorkommen. Meinen beiden hat das sehr gut gefallen, sie haben sich die verschiedenen Familien immer wieder angeschaut.
Auch haben die Geschichten eine ideale Vorleselänge, die meisten von ihnen umfassen 8 Seiten. Nur drei Geschichten weichen davon ab und sind 9 bzw. 10 Seiten lang.

Bebilderung und Sprachgestaltung
Die Bebilderung ist gelungen. Auf jeder Doppelseite gibt es mindestens eine Zeichnung. Es gibt auch zahlreiche großformatige Illustrationen, die durch ihren Realismus überzeugen (immerhin 30 Bilder, die mehr als eine halbe Seite umfassen auf 124 Seiten). Die Bilder laden zur Betrachtung ein, es gibt vieles darauf zu entdecken.
Auch die Sprachgestaltung ist lobenswert. Satzkonstruktionen und Wortschatz sind altersgerecht, wörtliche Rede sorgt für Lebendigkeit, ohne dass sie den Sprachduktus zu sehr dominiert. Beim Vorlesen bin ich nur über eine Stelle gestolpert: Auf S. 33 ist von Opa und Opa die Rede, obwohl hier Oma und Opa gemeint sind.
Und eine persönliche Randbemerkung erlaube ich mir in diesem Zusammenhang dann doch wieder: Ich mag es nicht, wenn Vokale und Konsonanten zur Intensivierung gedehnt werden und äußere mal wieder die Hoffnung, dass dieser Trend nicht immer mehr in Kinderbüchern um sich greift (z.B. „Stuuuunden“, S. 33; „Äääh, S. 34, „Suuuuper“, S. 65 etc.).

Fazit: Ein Kinderbuch mit einem überzeugenden Konzept und interessanten Geschichten: Es wird auf Vielfalt, Authentizität und Realismus Wert gelegt. Es sollte mehr solcher Bücher geben, in denen die jungen Zuhörer:innen beiläufig Offenheit und Toleranz erleben und einen realistischen Einblick in den Alltag von anderen Familien erhalten. Von mir gibt’s 5 Sterne und eine klare Vorleseempfehlung!

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Für magieinteressierte Kinder mit grünem Daumen

Lowinda Löwenzahn und der Vergissmeinnicht-Zauber von Marikka Pfeiffer

Das Kinderbuch „Lowinda Löwenzahn“ von Marikka Pfeiffer, mit Illustrationen vom Miriam Koch, besticht mit einer warmherzigen Geschichte über eine Fee, die zusammen mit ihren menschlichen Freunden ihren Garten beschützen will.

Zielgruppe
Nach meinem Dafürhalten ist dieses Buch perfekt geeignet für Eltern und Kinder mit einem grünen Daumen, die auch dem Thema „Umweltschutz“ etwas abgewinnen können.

Auch sollte sich der Nachwuchs für magische Wesen und Magie interessieren. Wer z.B. „Petronella Apfelmus“ von Sabine Städing kennt und für gut befindet, der wird auch an diesem Buch seine Freude haben, zumal es in meinen Augen viele Parallelen gibt. Das Buch wird für junge Zuhörer:innen ab 8 Jahren empfohlen und dieses Alter halte ich auch für passend.

Inhalt
Gelungen ist, dass vor Beginn der eigentlichen Geschichte die handelnden Figuren in Form kleiner Zeichnungen und einem kurzen Porträt vorgestellt werden. So erhält man direkt eine Übersicht und kann bei Bedarf auch noch einmal zurückblättern. Die Namen der Protagonisten sind kreativ gewählt. Schöne Alliterationen kommen dabei zum Einsatz: z.B. „Berna Brombeere“, „Moro Mohn“.
Auch ist es möglich direkt mit Band 2 in die Reihe einzusteigen, weil die wichtigsten Inhalte aus dem vorherigen Band rekapituliert werden.
Im Kern geht es in diesem Band darum, dass durch ein Missgeschick ein „Vergiss-mein-doch-Zauber“ außer Kontrolle gerät und Lowinda Löwenzahn sowie die befreundeten Menschenkinder Luk und Polli Schaden vom Garten abwenden müssen. Es geht also mehr um die Gefahr des Schlafzaubers, weniger um das Mondscheinfest und die Betonierung des Gartens. Hier finde ich den Klappentext etwas irreführend. Denn Herr Birnbaum taucht erst spät auf und greift erst ab S. 98 relevant in die Handlung ein. Ich hätte es gut gefunden, wenn schon früher mehr spannungserregende Momente eingebaut worden wären. So wird es erst im letzten Drittel des Buchs richtig spannend.

Bebilderung und Sprachgestaltung
Der Text wird unterstützt durch einige schwarz-weiße Illustrationen, die textunterstützend sind, sich also auf den Inhalt des Gelesenen beziehen. Meistens sind es recht kleine Zeichnungen, großflächige Formate, die mehr als eine halbe Seite einnehmen, findet man kaum (ich habe insgesamt 7 solcher Zeichnungen auf den 144 Seiten gefunden). Das Buch ist also schon „textlastig“, es gibt auch einige Seiten ganz ohne Bild. Für Kinder ab 8 Jahren ist das aber altersangemessen. Dennoch hätte ich mehr Zeichnungen und auch mehr großformatige Illustrationen gut gefunden.
Positiv ist, dass ein Wortschatz aus Flora und Fauna vermittelt wird. Ohne überladen zu sein, findet man auch hin und wieder anspruchsvolle Lexik. Den verbalen Wortschatz empfand ich als vielfältig. Auch die Satzkonstruktionen sind punktuell mal etwas fordernd, so stößt man auch mal auf längere und komplexere Satzreihen oder Satzgefüge. Durch Sprechpausen sind diese aber gut auflös- und vermittelbar. Das finde ich grundsätzlich gut, weil die jungen Zuhörer:innen auf diese Weise beiläufig ihr sprachliches Repertoire erweitern können. Vielfältiger sprachlicher Input ist dafür hilfreich.

Fazit: Eine warmherzig erzählte Geschichte mit gut ausgearbeiteten, gutartigen Figuren, die beiläufig eine schöne Umweltschutz-Botschaft vermittelt. Ideal geeignet für solche Kinder, die sich für Magie und magische Wesen interessieren und auch noch einen grünen Daumen haben. Mehr Illustrationen und spannungserregende Momente hätten dem Buch mehr als 4 Sterne beschert.

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