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Rezensionen von gaby2707:
Die wunderschöne Geschichte einer großen Liebe
White Christmas - Das Lied der weißen Weihnacht von Michelle Marly
Israel Isidore Baline ist mit seinen Eltern als russisch-Jüdischer Einwanderer in Amerika angekommen. Er hat es weit gebracht und ist jetzt unter dem Namen Irving Berlin ein gefragter Komponist in Hollywood. Auf einer Party lernt er Ellin Mackey kennen, eine junge Dame aus der Upperclass. Bei beiden ist es Liebe auf den ersten Blick.
Aber es dauert seine Zeit, bis Irving seine Ellin endlich um ihre Hand bittet. Ihr Vater und ihre Großmutter sind absolut nicht einverstanden mit ihrer Wahl…
Für mich gehört „White Christmas“ einfach zu Weihnachten dazu. Und da mich die Geschichte hinter diesem Lied interessiert hat, musste ich das Buch einfach lesen.
Michelle Marly nimmt mich in ihrer Geschichte mit ins Amerika der 1930 Jahre. Ich darf Irving Berlin auf seinem Weg zum Selfmade-Komponist, der keine Noten lesen kann und auf dem Klavier nur die schwarzen Tasten bedient, ein paar Jahre begleiten. Vom Zeitungsjungen über den Job eines singenden Kellners bis hin zum gefeierten Hollywoodstar, der immer neue Lieder und ganze Musicals schreibt.
Ellin Mackey sieht recht schnell in Irving Berlin die Liebe ihres Lebens. Sie stört weder der Altersunterschied von 15 Jahren noch die jüdische Konfession ihres Liebsten. Ich bewundere die junge Frau die im Reichtum aufgewachsen ist, die manchmal etwas naiv agiert, die sich gegen den Willen vor allem ihres Vaters stellt und sogar enterbt wird. Aber auch das kann dieser Liebe, die alles zu überdauern scheint, nichts anhaben.
Der leichte, sehr gefühlvolle und ausdrucksstarke Schreib- und Erzählstil der Autorin macht es mir leicht mich in diese andere Zeit zurückzuversetzen. Ich fühle mich sofort angekommen, Bilder entstehen in meinem Kopf und ich bin immer an Ellins Seite. Durch die bildhaften Beschreibungen z.B. aus Israel, wo Ellin dem Glauben ihres Geliebten näher kommen will oder aus Paris, wo sie sich ihr Brautkleid aussucht, fliegen die Seiten nur so dahin. Aber ich habe auch immer eines der Lieder im Kopf, die Irving geschrieben hat und die hier erwähnt werden.
Ellin und Irving sind mir schnell ans Herz gewachsen und da ich mir bei Frau Google Fotos der Beiden angeschaut habe, hatte ich gleich ein Bild im Kopf. Aber auch die anderen Personen, denen ich hier begegnen, sind so menschlich mit ihren Ecken und Kanten dargestellt und kommen absolut glaubhaft bei mir an.
„White Christmas – Das Lied der weißen Weihnacht” entführt mich in eine Welt voller Liebe und Romantik. Die Geschichte hat mich tief berührt und ich habe zusammen mit Ellin den Kampf um ihre große Liebe aufgenommen. Ich habe mit gehofft, mit gebangt, mich mit gefreut und mit gelitten. Eine wunderbare Geschichte über die Entstehung eines der schönsten Weihnachtslieder überhaupt. Ab jetzt werde ich immer, wenn ich das Lied höre, auch Bilder dazu im Kopf haben.
Danke für diesen wunderschönen teilbiografischen Roman, den ich sehr gerne weiter empfehle.
Voller Spannung mit einem bisserl Romantik
Leise rieselt der Tod von Uli Aechtner
Jennifer Meyer hat in diesem Jahr gar keine Lust auf Weihnachten Ihr Freund Nick hat sie verlassen und seine letzten Sachen abgeholt. Ihr Sandkastenfreund Tom Kramer hat gerade seine Landarztpraxis eröffnet und nun wird sie mit ihm zusammen, ganz in Ruhe, die Feiertage dort auf dem Land verbringen. Aber daraus wird nichts werden, denn Toms Familie hat sich angesagt.
Außerdem findet Jenny nach einer Joggingrunde eine Frau in einem Nikolauskostüm tot auf den Treppenstufen des Hauses. Durch sein Hobby rückt Tom in den Kreis der Verdächtigen. Na dann, frohe Weihnachten.
Jenny, neugierig wie sie nun mal ist, lässt dieser Tod, der sich als Mord herausstellt, keine Ruhe. Neben Kriminalhauptkommissar Urs Waldner beginnt sie auf eigene Faust die Hintergründe zu ermitteln.
Ich liebe Weihnachtsbücher und erst recht, wenn es sich um einen Weihnachtskrimi handelt. Auf dieses Buch bin ich durch das weihnachtliche Cover aufmerksam geworden. Kleine rote Häuschen in einer verschneiten Winterlandschaft – das passt perfekt in diese Jahreszeit. Dazu noch 25 Kapitel, so dass man den Krimi auch als Adventskalender lesen kann, was ich nicht getan habe. Ich habe das Buch in einem Rutsch weg gelesen und fand es klasse.
Uli Aechtner hat einen sehr leichten, flüssigen Erzählstil, der es einem leicht macht, an der Lektüre dran zu bleiben. Dazu die Spannung, die zwar nicht steil nach oben schießt, die aber unterschwellig immer da ist. Außerdem Weihnachtsstimmung und ein kleines bisserl Romantik. So lässt es sich im Winter auf der Couch gut kuscheln und lesen. Die Zutaten sind in diesem Buch vorhanden.
Jenny, einfach nur liebenswert, neugierig, ein bisserl planlos mit einem riesengroßen Herz, hat sich meine Sympathien sofort gefangen. Genauso wie Tom, den ich auch von Anfang an gern mochte. Auch die meisten der anderen Mitwirkenden könnte ich mir gut als Freunde vorstellen. Aber auch hier gibt es Menschen, die ich nicht mag. Genau wie im richtigen Leben.
Ich bin sehr schnell in der Geschichte angekommen, schaue Jenny über die Schulter und habe bald einen Täter gefunden. Aber leider hält sich mein Verdacht nicht lange. Das macht Uli Aechtner sehr gut – alles erscheint plausibel und logisch, da kommt eine kleine Wendung und ich kann alles über den Haufen schmeißen und von vorne beginnen. Und das nicht nur einmal. Denn es bleibt ja nicht bei der einen Toten.
Zum Schluss hin wird es nochmal richtig dramatisch. Jenny, die ganz nah dran ist an der Auflösung, begibt sich in Gefahr, aber alles geht noch mal gut. Das wieso, weshalb, warum der Täter getan hat, was er getan hat, lässt sich sehr gut nachvollziehen und löst sich klar auf. Die menschlichen Abgründe sind halt tief.
Ein Krimi, der alles hat, was ich bei einem guten Krimi brauche oder mag: eine gute Geschichte, eine überschaubare Anzahl an Leichen, einge Verdächtige, ein nachvollziehbares Motiv, eine Prise Humor, ein bisserl Liebe und Romantik und sympathische Protagonisten. Hier bekomme ich dies alles und noch einiges mehr.
Reale Kriminalfälle, bei denen ich manchmal habe schlucken müssen
Mörderisches Sachsen von Eveline Schulze
Karl Morche zeigt beim Volkspolizeikreisamt Zittau einen Mord an und stellt sich selbst als der Mörder. Später widerruft er dann sein Geständnis wieder. Es ist irre, wenn man liest, wie viel Arbeit Morche den Ermittlern gemacht hat. Der Mord an Anni Hölzel wurde bis heute nicht aufgeklärt.
Beim nächsten Fall lerne ich Siegbert Schöller, 45, kennen.
Was ihm im Kopf fehlt, gleicht er mit den Fäusten aus. Schon immer, so lange er denken kann. Was er noch nicht kann und weiß, lernt er im Erziehungsheim. Dann kommt der Tag an dem er die Frau erschlägt, die ihn bei sich und ihren Kindern aufgenommen hat.
Norbert Brückners Vater ist ein Säufer, ein Schläger und stets auf Krawall gebürstet. Aber nur innerhalb der Familie. Nach außen hin gibt er den fürsorglichen netten Nachbarn, der sich jedes Problems annimmt. Als innerhalb der Familie ein Problem eskaliert, sticht Norbert zu.
In Görlitz verschwindet die 11-jährige Roswitha Buder. Nach langem Suchen und Ermittlungen wird Kuno Peschel festgenommen. Was seine Ex-Frau bei ihrer Vernehmung erzählt, hat mir den Atem verschlagen und eine Gänsehaut auf meinem Rücken erzeugt.
Martha und Ernst K. haben schon 6 Kinder. Nun ist Martha wieder schwanger, aber Ernst will dieses Kind unter gar keinen Umständen haben. Martha versteckt ihre Schwangerschaft und nach der Geburt lässt Ernst das Kind verschwinden. Das kommt bei Marthas 8. Schwangerschaft auf. Was ist mit dem damals geborenen Kind passiert?
Als letztes lerne ich noch Simone kennen. Eine junge Frau, die schon in der Schule nicht die hellste Kerze auf der Torte ist. Mit einer alleinerziehenden Mutter, die es von Geburt an versäumt hat, der kleinen Simone „Zucht und Ordnung“ beizubringen. So landet sie ein ums andere Mal im Knast.
Seit 13 Jahren schon schreibt Eveline Schulze über authentische Kriminalfälle aus Sachsen. Hier nun bekomme ich die 6 spannendsten und interessantesten Kriminalfälle zusammengefasst in einem Buch. Man sollte nicht meinen, welch tiefe Abgründe sich hinter so mancher Fassade eines rechtschaffenen Bürgers oder einer Familienidylle verbergen.
Mit ihrer eingängigen Schreib- und Erzählweise zieht mich die Autorin sofort in ihre Geschichten hinein. Es sind aber nicht nur die Kriminalfälle in und um Görlitz, die sich so interessant lesen. Ich persönlich finde es sehr spannend auch sehr viel über die jeweiligen Täter/innen und ihr persönliches Umfeld zu lesen. Auch erfahre ich hier sehr viel über das Rechtssystem der ehemaligen DDR.
Ein Buch, das nicht nur Sachsen oder Leser aus den neuen Bundesländern lesen sollten. Diese Fälle sind für alle interessant, die Krimis vorzugsweise TrueCrime mögen.
Schrecklich, was dort im Wald passiert
Der Mädchenwald von Sam Lloyd
Zusammen mit ihrer alleinerziehenden Mutter Lena fährt die 13-jährige Elissa Mirzogan zu einem Jugendschachturnier nach Bournemouth. Als sie aus dem Wagen ihrer Mutter noch etwas holen will, wird sie entführt. Wach wird sie in einem dunklen Keller. Hier entdeckt sie der 12-jährige Elijah, der ganz in der Nähe mit seinen Eltern und seinem 14-jährigen Bruder Kyle in einem kleinen Cottage mitten im Wald lebt.
Heimlich beginnt er Elissa zu besuchen...
Elijah ist der erste der drei Hauptpersonen, denen ich in dieser Geschichte immer wieder begegne. Er lebt in dieser hinterwäldlerischen Abgeschiedenheit und weiß, dass es absolut nicht richtig ist, dass Elissa hier gefangen gehalten wird. Er kann aber auch niemandem Bescheid geben, denn Elissa ist nicht die erste, die er im Mädchenwald kennengelernt hat.
Elissa, die durch das Schachspielen gelernt hat, Schritte vorauszuplanen, erkennt recht bald, dass ihr nur durch Elijah die Flucht gelinge kann. Sie versucht ihn auf ihre Seite zu ziehen. Sie beginnen ein Spiel. Aber der Retter, den sie sich so sehnlichst herbei sehnt, scheint Elijah nicht zu sein.
Detective Superintendent Mairéad MacCullagh, die in diesen Tagen gesundheitlich nicht auf dem Damm ist, bekommt zusammen mit ihrem Kollegen Detective Sergeant Jake Halley diesen Fall an die Hand. Kann sie, wenn sie ein Kind, in diesem Falle Elissa, rettet, ihr Ungeborenes ebenfalls retten?
Aufgrund des Klappentextes glaubte ich zu wissen, was auf mich zukommt. Aber was ich dann vorgesetzt bekomme, damit habe ich nicht rechnen können. Gänsehaut pur, ab der ersten Seite, bis zum Schluss. Ich habe lange keinen so spannenden und verstörenden Thriller mehr gelesen.
Ich lerne Elijah, Elissa und Mairéad kennen. Zwischen diesen Dreien springt die Geschichte immer hin und her. Ich bin in ihren Gedanken und ihrem Tun immer mitten drin und erlebe die Geschichte aus der Perspektive dieser Drei. Das macht die Story unheimlich rasant und nimmt mich total gefangen. Hatte ich geglaubt, dass es da war, setzt mir Sam Lloyd eine Wendung vor, bei der ich erst geglaubt habe, ich habe mich verlesen, etwas verkehrt verstanden. Aber nein, ich bin total geplättet von dem, was ich da zu lesen bekomme.
Ein faszinierendes Debüt, das mich gefesselt und einfach nicht mehr losgelassen hat. Es geht ans Herz, macht mich wütend, traurig, fassungs- und sprachlos und ich finde es grandios, mit welcher Fantasie der Autor die Geschichte für mich real werden lässt. Ein Thriller der Spitzenklasse.
Der 4. Fall im Hamburger Viertel
Todesengel im Viertel von Cord Buch
Auf dem Nachhauseweg nach einer Kneipentour auf dem Kiez finden Rainer, Erik und Corinna auf der Treppe der Katholischen Pfarrei Sankt Joseph eine leblose Frau. Ein paar Tage später steht vor der Pfinstgemeinde eine Schubkarre mit den Überresten einer verbrannten Frau. Weitere Tage später findet man vor der Rindermarkthalle eine Frau, die gesteinigt wurde.
Ist hier ein Frauenhasser am Werk?
Kriminalhauptkommissar Werner Jensen und seine Kollegin Kriminaloberkommissarin Wiebke Maurer haben es wegen der sehr dürftigen Spurenlage nicht leicht bei ihren Ermittlungen. Die Journalistin Nele, die kurzfristig ihre Freundin Birte und deren Freund Jan in ihrer Wohnung aufgenommen hat, beteiligt sich an der Suche nach dem Mörder. Denn Frauke Perlen, die erste Tote, war eine Freundin ihrer Freundin Birte. Sie kann allerdings nicht ahnen, dass sie den Todesengeln noch sehr nahe kommen wird.
Was ich bei Reihen wie dieser für Neueinsteiger immer ganz wichtig finde: Man kann auch dieses Buch ganz ohne Vorkenntnisse lesen. Mir persönlich macht es allerdings mehr Spaß, wenn ich die persönliche Entwicklung der Protagonisten mit verfolgen kann.
Dies ist nun schon der 4. Fall für Jensen und Maurer, bei dem mich der Autor Cord Buch ins Hamburger Viertel, nach St. Pauli und den Kiez mitnimmt.
Ich mag solche Reihen, bei denen ich Menschen, die ich schon kenne und die ich mag, wieder begegne. Wie hier Nele und ihrem Freund Tjark, ihrem Sohn Cairo und seiner Freundin Isa, KHK Martin Jensen und KOK Wiebke Maurer, die diesmal zur Hauptkommissarin befördert wird. Mit ihnen habe ich mich in den letzten drei Fällen angefreundet und ich mag es, wenn ich wie hier immer auch etwas mehr Privates erfahre.
Besonders Nele mit ihrem riesengroßen Herz, mit ihrer Katze Berta und einer immer wieder verdurstenden Geranie auf der Fensterbank habe ich richtig ins Herz geschllossen. So eine Frau als Freundin wünscht Frau und auch Mann sich.
Obwohl die Morde sehr grausam sind, überlässt es der Autor mir, Bilder dazu im Kopf entstehen zu lassen. Was mir sehr zugute kommt, da ich es nicht so gerne blutig mag.
Genau so ratlos wie die Kommissare, denen lange ein Ansatz für die Ermittlungen fehlt, geht es mir auch. Außer dass bei allen drei Morden ein grauer Lieferwagen im Spiel ist, weiß ich, genau wie die Kommissare lange Zeit sehr wenig über die Zusammenhänge. Aber genau so ist es ja auch im richtigen Leben. Bis eine junge Polizistin im Darknet einen Hinweis findet. Ab dann steigt die Spannung, die Geschichte nimmt richtig Fahrt auf und zum Schluss hin muss ich noch mal richtig um eine mir lieb gewordene Person bangen.
Das Thema Frauenhass und Religionsverfehlungen von oder durch Frauen wird thematisiert. Hier hätte ich mir noch etwas mehr Einsichten und Klarheit durch den geständigen Mörder gewünscht. Ein Thema, bei dem ich nicht wissen will, wie viele Frauen unter ihren Männern leiden müssen, weil sie nicht deren religiöse Ansichten teilen bzw. sich in den Augen ihrer Männer falsch benehmen.
Dieser Ausflug ins Hamburger Viertel hat mir wieder gut gefallen und Nele & Co. haben mir unterhaltsame Stunden geschenkt. Dafür bekommt der Krimi von mir 4,5 von 5 Sternen.
Auch auf Amrum wird gemordet
Der Seenebelmord von Ulrike Busch
Spätsommer auf Amrum. Kriminalhauptkommissar Kuno Knutsen und seine Partnerin Bente Johannson sitzen gemütlich mit ein paar Freunden im Restaurant „Seeräuber“ und wollen ihre Verlobung feiern, als die Tür auf geht und eine Frau stürzt herein. Hilka Staab berichtet, dass ihre beste Freundin Finja Herder von einem Badeausflug nicht zurück gekommen ist.
Die Krux bei der Sache: Es war Seenebel als Finja verschwand.
Dies ist nun schon der 6. Fall für die Kripo Wattenmeer, den ich lese und Kuno Knudsen und Arne Zander sind schon so etwas wie gute Freunde geworden. Trotzdem finde ich es sehr gut, dass Ulrike Busch mir die Hauptakteure in ihrem Krimi auf den ersten Seiten nochmal vorstellt. So finden sich auch Erstleser sehr gut in die sympathische Mannschaft um die Kripo Wattenmeer ein.
Schnell lerne ich Finja Herder, die im Ort als sehr sensibel und zurückgezogen gilt, etwas näher kennen. Ihre Kindheitsgeschichte, die viel mit Geistern aus dem Meer zu tun hat, hat mich sofort berührt. Hat sie nun ihrem Leben in ihrem Angstort, dem Meer, ein Ende gesetzt?
KHK Kuno Knudsen und KK Arno Zander werden schnell in die Ermittlungen mit einbezogen. Unfall? Mord? Oder Selbstmord? Die Kommissare tun sich in diesem Fall sehr schwer bei den Ermittlungen, die in die verschiedensten Richtungen laufen. Lange Zeit gibt es nur Vermutungen und Spekulationen und ich konnte mir wieder meine eigenen Gedanken zum Fall machen und mit ermitteln. Ulrike Busch hat wieder ein paar sehr gute Wendungen eingebaut, und ich musste mehrmals einsehen, dass mein Täter nicht der wahre Täter war bzw. sein konnte, wie ich es mir ausgemalt hatte. Erst ganz zum Schluss lichtet sich der Nebel und durch einen Tipp rückt die Lösung ganz nahe.
Auch wenn sich die Ermittler in diesem Fall sehr schwer tun, bringt das die Spannung, die sich langsam aufgebaut hat, nicht zum erliegen. Im Gegenteil. Gerade weil es so schleppend weiter geht, sich die Hinweise in viele Richtungen bewegen, bleibt es höchst spannend.
Da Ulrike Busch mich auch diesmal mit ihrer spannenden und wendungsreichen Geschichte richtig gut unterhalten hat, ich mitfiebern und mit ermitteln konnte und sie mir großes Blutvergießen erspart hat, bekommt dieses Buch von mir eine absolute Leseempfehlung.
Der Lebensweg einer bewundernswerten Frau
Die Frau zwischen den Welten von Hera Lind
In ihrem Buch erzählt Hera Lind die Geschichte der kleinen Ella Vojanová. Zu Beginn ist Ella 11 Jahre alt und lebt bei Oma Auguste und Tante Bertl in Hillemühl, einer kleinen deutschen Gemeinde in Tschechien. Mama Maria, eine Deutschen, und Papa Jakob, ein Tscheche, leben in dem kleinen Dorf Zahořany in der Nähe von Prag und erwarten die Geburt ihres zweiten Kindes.
Ende April – Anfang Mai 1945, der Krieg ist verloren, verlieren Oma Auguste und Tante Bertl ihr Haus und ihren kleinen Gemischtwarenladen in Hillemühl. Die Revolutionsgarden wollen nur eins: Rache an den Deutschen. An allen Deutschen. Ella geht zurück nach Prag zu ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder Alex.
Wie diese emotionale und teilweise grausame Geschichte weitergeht, dass muss Jeder selbst lesen.
Ich bin immer noch erschüttert, wenn ich mir ausmale, was die kleine Ella schon von Kindheit an hat immer wieder erleiden müssen. Nach den Kriegswirren bei der Schwester ihres Vaters, mit 14 Jahren im Kloster Kutná Hora, mit ihrem ersten Mann, der sie nur ausgenutzt und betrogen hat, in der Psychiatrie, auf der Flucht vor dem Geheimdienst. Und das nur, weil sie mit der falschen Nationalität im falschen Land unter dauernd wechselnden Regierungen gelebt hat. Aber sie hat auch immer wieder Menschen um sich herum, die sie geschätzt haben, für sie da waren und sie geliebt haben. Bramboračka = Kartoffelsuppe - werde ich so schnell nicht vergessen.
Hera Lind schafft es auch mit dieser Geschichte mich sehr stark zu berühren und in mir die verschiedensten Emotionen freizulegen. Ich habe mich mit Ella gefreut, war neugierig, habe mit ihr gelitten und gebangt. Ich finde es immer noch unfassbar, wie grausam Menschen miteinander umgehen, nur weil sie eine andere Nationalität haben und für die Greueltaten Anderer büßen müssen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als am Ende doch noch alles gut wird und sie mit ihrer großen Liebe glücklich werden kann.
Ein wunderbares Buch mit der wahren Geschichte einer Frau, die ich mit 11 Jahren kennenlerne und bis ins hohe Alter auf ihrem meist sehr schweren Weg begleiten darf. Es ist für mich immer wieder erstaunlich und unvorstellbar, was ein Mensch alles erleiden und aushalten kann. Ich habe große Hochachtung vor dieser Frau.
Eine Krimödie mit einzigartigem Humor
Die dunkle Seite des Dackels von Gabi Neumayer
Sein Name hat ihm bisher nichts als Unglück gebracht. Na klar, was will man auch von einem „Kevin“ erwarten. Er hat ein großes Vorbild und möchte gerne ein genau so toller Arzt werden wie sein Vorbild Dr. Hendrik von Sonderbergh aus den Groschenromanen, die er heimlich liest. Als er für seinen Traum eine Bank überfällt und ihm dann ein dicker Dackel folgt, hat er plötzlich richtige Probleme.
Denn die Besitzer von Dackel Darth Vader, den sie auch Darcy nennen, tun alles um ihren Liebling wieder zu finden.
Ganz schnell bin ich mitten drin in der Geschichte, lerne Kevin Kaminski besser kennen und erfahre, wie es ihm mit diesem Namen in seiner Kindheit und Jugend ergangen ist. Also Eltern, Augen auf bei der Vergabe der Kindernamen.
Neben Kevin, der trotz seines Namens so ein liebenswerter Kerl ist, lerne ich eine ganze Menge anderer Menschen kennen. Gabi Neumayer verpasst ihnen solch ausgefallene, eigenwillige und originelle Charaktereigenschaften und Persönlichkeiten, die sie einfach unverwechselbar machen. Die meisten von ihnen haben das Herz am rechten Fleck, was man nur nicht gleich erkennt. Ich habe die meisten von ihnen schnell liebgewonnen.
Auch die Geschichte selbst, die nicht nur aus der Suche nach Dackel Darcy besteht, ist etwas ungewöhnlich, aber ungewöhnlich gut. Alles ist stark überzeichnet und bei vielen Textstellen habe ich schmunzeln oder auch mal laut lachen müssen. Die Autorin hat einen so klasse Humor, dass ich hätte noch stundenlang weiter lesen können. Ich hoffe so, dass ich Darcy oder auch nur Daniel und Annika recht bald wiederlesen darf.
Es findet hier nicht, wie in einem „normalen“ Krimi üblich, Polizeiarbeit statt. Nein, hier geht es um die Jagt nach dem Dackel, den seine Besitzer unbedingt wiederhaben wollen. Aber auch nicht direkt um den Dackel, sondern eher um die Beiden, die den Dackel finden sollen. Auch hat der Dackel nicht direkt etwas mit dem Banküberfall oder dessen Aufklärung zu tun. Das klingt alles etwas abstrus? Dann müsst ihr das Buch ganz schnell selbst lesen.
Obwohl ich etwas anderes erwartet hatte, z.B. mehr Hunde-Ermittlung etc., hat mich die Geschichte ganz schnell eingefangen und gepackt. Gabi Neumayer hat mich einfach nur sehr gut unterhalten und ich hätte gerne mehr von diesen skurrilen Personen und ihrem einzigartigen Humor.
„Mit diesem Ratgeber wird jede Mahlzeit perfekt“
Das „So kocht Südtirol“-Getränkebuch von Christine Mayr
So wirbt das Buch auf der Rückseite. Und da ich oft nicht weiß, was ich zu welchem Essen an Getränken besonders an Wein anbieten soll, wollte ich das nun genauer wissen.
In seiner Farbgestaltung, seiner Aufmachung und seinem Aufbau hat mich das Buch sofort für sich eingenommen.
Über Reben und Trauben, Standort und menschliche Einflüsse, das Weinland Tirol, verschiedene Weinstile, Wissenswertes rund um den Wein, die Art der Gläser, der Ausstattung für Weinliebhaber, über das Öffnen einer Weinflasche, kleinen Benimmregeln, der Weinverkostung hin zu wie passen Wein und Speisen zusammen, erfahre ich so viel Wissenswertes über dieses Getränk, was ich bisher nicht wusste.
Bier, Grappa & Co. Tee und weitere Getränke runden den Ausflug in die Getränkewelt ab.
Zu über 150 Speisen aus dem Südtiroler Raum aufgeteilt in kalte und warme Vorspeisen, Fisch & Meeresfrüchte, Fleisch, Vegetarisches und Desserts bekomme ich ein Foto, das mir das Wasser im Mund zusammen laufen lässt, mit einer genauen Erklärung dazu – allerdings kein Rezept. Dazu gibt es, genau wie ich es mir gewünscht habe, einen Weinvorschlag aus Südtirol, Italien, Deutschland und International. Außerdem einen Überblick, welches andere Getränk ich zu diesen Gerichten reichen kann.
Die Rezepte zu jedem Gericht gibt es in den separaten Kochbüchern „So kocht Südtirol“, „So schnell kocht Südtirol“, „So kocht Südtirol für Diabetiker“ oder „So genießt Südtirol“. Jedes für sich die Anschaffung wert.
Die Vorstellung der Autoren, ein Glossar der wichtigsten Begriffe aus der Getränkewelt, ein Register und die Rezeptverweise runden dieses Werk ab.
Was mir an diesem Buch besonders gefällt: Man kann sich an alle Vorschläge halten. Man muss es aber nicht. Wie schreibt Sommilière und Autorin Christina Fischer so schön: Sie dürfen natürlich anstelle eines köstlich-saftigen Weißburgunders nach wie vor ein zischendes, eiskaltes Helles zu ihren Schlutzkrapfen genießen. Erlaubt ist, was gefällt.
Für mich ein Buch, das sich in meiner Küche sofort seinen Stammplatz erobert hat.
Ein Amrum-Krimi, der es in sich hat
Inseldämmerung. Inselpolizist Nils Petersen ermittel auf Föhr - sein 4. Fall von Bent Ohle
Obwohl die Kinder Joshua und Daniela nicht so richtig mitziehen, macht sich Familie Trender auf den Weg in ihr gemietetes Feriendomizil auf Amrum. Ein heftiges Unwetter fegt über das Land. Gerade noch rechtzeitig erwischen sie ihre Fähre. Nun kann ihr Weihnachtsurlaub beginnen.
Zur gleichen Zeit machen sich drei Männer in einem Motorboot auf den Weg Richtung Norden.
Zuvor haben sie einen Geldtransporter ausgeraubt, zwei Kollegen erschossen und einer der Drei hat kurz vorher seinen Untermieter erschlagen. Ihm war dessen Musik zu laut. Beim Motorboot setzt plötzlich mitten auf See der Motor. Mit letzter Kraft, leicht verletzt, nass und durchgefroren stehen die Drei vor der Tür der Familie Trender, die gerade mit der Bescherung beginnen wollten. Ein Aufeinandertreffen, das Folgen hat…
Für mich ist es der erste Krimi, den ich von Autor Bent Ohle lese. Aber um gerade den Polizisten Nils Petersen mit Frau und Tochter noch besser kennenzulernen, werde ich die ersten Bände auch noch lesen.
Bent Ohle hat einen sehr mitreißenden, packenden Schreibstil, der mich das Buch kaum aus der Hand hat legen lassen. Für mich waren gerade die Gespräche, die der Anführer der Bande mit den Familienmitgliedern führt. Da habe ich sehr tief in seine Seele hinein schauen können. Die Sprache ist oft rau und unverblümt, genau wie die Taten. Ich habe so mit der Familie Trender gebangt, dass alles gut geht.
Die Personen finde ich nicht sehr ausführlich beschrieben, was mir aber nichts ausgemacht hat. Ich bin bei der Schnelligkeit der Ereignisse gar nicht dazu gekommen, sie mir detailliert vorstellen zu wollen.
Der Spannungsbogen baut sich auf Seite 1 auf und endet erst ganz zum Schluss. Durch eine Wende, die ich nicht vorausgesehen habe, bekommt der Abschuss noch mehr Brisanz. Ich war so froh, dass meinen Lieblingsfiguren nichts weiter passiert ist.
Ein sehr spannender, packender und lesenswerter Krimi, der mich ab der ersten Seite gefesselt hat und dafür meine Leseempfehlung bekommt.











