Kunden em pfehlungen
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Drachen in allen Lebensgrößen
Ich fürchte, Ihr habt Drachen von Peter S. Beagle
Eine Königreich und seine Drachenplage. Dazu ein Held Widerwillen und eine verwöhnte Prinzessin. Das klingt schon märchenhaft, fantasievoll und sehr unterhaltsam. Peter S. Beagle schreibt bildlich, poetisch und mit amüsanter Ironie. Also eher ein Buch zum Genießen, statt schnellem Weglesen. Mühelos und unaufdringlich bringt er seine Weisheiten unter und kreiert herrlich überzeichnete Charakter.
Einige Sätze davon sind zitierwürdig. Mit steigender Seitenzahl ändert sich der Grundton ein bisschen, denn das gefährliche und düstere Abenteuer gibt nicht immer Anlass zur Freude. Es ist ein kurzweiliger Fantasy-Roman nach meinem Geschmack, mit einer guten Mischung aus Überraschungen und Vorhersehbarkeit. Roberts Entwicklung und das Zusammenraufen der drei Hauptfiguren war unterhaltsam, konnte jedoch nicht durchweg die Spannung halten. Das illustrierte Vor- und Nachsatzpapier wird jeden erfreuen, der Drachen mag, auch wenn mit ihnen hier nicht zimperlich umgegangen wird.
Zog eindruckslos an mir vorüber
Neun Tage Wunder von Kristina Moninger
Dieser Roman erzähl von Anni aus Glückstadt, einer angehenden Liebesbeziehung vor zehn Jahren und ihrem gegenwärtigen Leben mit Ben.
«Neun Tage Wunder» ist für alle, die eine sehr leicht zu lesende Liebesgeschichte für Zwischendurch suchen, die tragisch, sehr romantisch und gefühlvoll ist. Es bereitet Vergnügen von all den Verstrickungen zu wissen, während sich Schriftsteller Ben ahnungslos mit Inspirationsquelle Lukas trifft, der ihr von Nika erzählt, und seine Anni nicht ahnt, dass ihr Freund unwissend ihre große Liebesgeschichte aufschreibt, die sie verheimlicht hat.
Bis Ben schließlich Zusammenhänge zwischen Anni und Nika erkennt und fürchtet, sie für immer zu verlieren. Denn „mit Fehlern aus der Vergangenheit ist es vermutlich so wie mit Postern, die zu lange an der Wand hängen. Selbst wenn man sie endlich beseitigt, bleibt ein Abdruck zurück.“ Das ergibt eine abgerundete Geschichte ohne Ecken und Kanten, zugunsten der Wohlfühlatmosphäre. Das war eins der Dinge, die diese Erzählung eindruckslos an mir vorüberziehen ließ. Mir fehlte der Humor, der die Tragik abschwächt, die sich einfach zu ernst nimmt. Deshalb gefiel mir auch die Perspektive von Ben noch am besten, während Gegenwarts-Anni und Vergangenheits-Anni zwei andere Erzählstränge bildeten. Eher eine Romanze in einer Romanze zum Abschalten, die sicher ihren Anklang findet.
Himari und das kleine Café
Das kleine Café der zweiten Chancen von Shiori Ota
Hauptfigur ist Himari, die einst ein Wunderkind am Piano war, aber nach einem Unfall nicht mehr spielen kann. Die Enttäuschung ihrer Mutter ist groß. Sie setzt ihre Tochter unter Druck, ihr Talent nicht zu verschwenden und Himari fühlt sich Zuhause zunehmend unwohl. Auf ihrem Schulweg lernt Himari eine Frau kennen, die ihr Mut macht, am nächsten Tag jedoch verschwunden ist.
Stattdessen findet sie das erwähnte Café am Rand eines wunderschönen Parks und die Wächterin der Zeit und Besitzerin Frau Hayari. Sie ermöglicht allen eine kurze Reise in die Vergangenheit, die ihr Café besuchen und eine Entscheidung in ihrem Leben bereuen. Himari lernt verschiedene Menschen und ihre Geschichten kennen, lernt guten Kaffee zu schätzen und erhält einige Lektionen. Als sie die Zwillinge Tsukko udn Ryuta kennenlernt, verändert sich ihr Leben.
Die Atmosphäre des Café ist wirklich gelungen. Frau Hayari ist wertschätzend und nachsichtig mit ihren Gästen, während Hund Mokka die Leute anzieht. Wenn man Kaffee liebt, dann werden die Beschreibungen richtig Lust auf die nächste Tasse machen. Die Geschichte war viel zu kurz und hörte leider abrupt auf. Zu einer Fortsetzung konnte ich jedoch nichts finden. Die eingebaute Bedeutung von Michael Endes Klassiker «Die unendliche Geschichte» fand ich richtig schön und auch Himaris Entwicklung, auch wenn die Vorstellung eines Kindes für mich an manchen Stellen nicht passte, profitiert von den Erfahrungen im Café. Hier fehlte mir allerdings ein passender Abschluss für Himari. Insgesamt blieb die Geschichte hinter meinen Erwartungen zurück. Die Idee und einige Details sind toll, aber die dramatische Umsetzung konnte mich gar nicht verzaubern.
Spannender Krimi für die kalten Tage
Blutbuße von Viveca Sten
«Blutbuße» entführt in ein winterliches Bergdorf in Schweden, wo Hanna Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog in einem Mordfall in einem Hochgebirgshotel ermitteln. Charlotte Wretlind wurde brutal getötet. Zurück bliebt ihr trauernder Sohn Filip und viele offene Fragen. Einige sind auch erleichtert, dass die unsympathische Immobilienentwicklerin mit ihren ambitionierten Plänen keine Unruhe mehr stiften kann.
Erzählerisch bekommt man viele Sichtweisen, wobei nicht bei allen klar ist, welche Rolle sie in dem Fall spielen. Es bleibt also mysteriös, unvorhersehbar und spannend, auch wenn sich erahnen lässt, in welche Richtung es gehen könnte. Da wäre beispielsweise Ida, die Lebensgefährtin von Daniel, die sich nicht mehr von ihm angezogen fühlt, Anton, der seine Homosexualität verheimlicht oder Aadas, die im Hotel arbeitet und der Polizei etwas verheimlicht, weil sie ihr nicht vertraut. In der Vergangenheit lernt man Monica kennen, die im Dezember 1973 stolz ihren neuen Job im Hochgebirgshotel in Storlien antritt. Mir hat gefallen, dass die Handlung vor dem Mord ansetzt und gleich zu Vermutungen einlädt. Das Finale ist hochspannend und zwischendurch gibt es immer wieder Ablenkungsmanöver.
Die gemütliche Winteratmosphäre, der schwedische Charme und die persönlichen Facetten der Hauptfiguren, machen den Krimi letztlich zu einer gelungenen Unterhaltung für die kalten Tage.
Die Welt hat ein Loch- und Hirnkoboldproblem
The Hollow Places von T. Kingfisher
«The Hollow Places» war mein erstes Buch von T. Kingfisher alias Ursula Vernon, aber sicher nicht mein letztes. Es beginnt beinahe cozy und nimmt sich Zeit Kara und ihre neue Lebenssituationen vorzustellen, bevor das schaurige Szenario sich seinen Weg bahnt. Denn diese Geschichte überrascht mit einigen Horror-Elementen, die ich am Anfang so nicht vermutet hätte.
Die 34-jährige Kara ist frisch geschieden, finanziell knapp bei Kasse und zieht bei ihrem Onkel Earl ins Wundermuseum ein. Nebenan verwöhnt sie der exzentrische Barista Simon mit gutem Kaffee und beide freunden sich an. Ihre humorvollen Dialoge schaffen eine Distanzierung zu schaurigen Momenten, die gerade denen hilft, denen es schnell zu gruselig wird. Dieser witzige und sehr flüssige Schreibstil, hat mich richtig mitgezogen, wenn es gruselig oder actionreich wurde. Manchmal war es nicht so leicht, dem, mitunter temporeichen Geschehen, zu folgen, aber Kingfischer ist es gelungen, ihren Figuren echtes Leben auf den Leib zu schreiben und eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen, die mir immer noch Schauer über den Rücken jagt. Deshalb mochte ich auch die ruhigen Passagen, weil im Hintergrund immer etwas Unheimliches war.
Die offenen Fragen, die schlussendlich bleiben, können unbefriedigend sein oder die eigene Fantasie beflügeln. Letztlich passt es sehr gut zum mysteriösen Ton des Buches. In jedem Fall hat mich das Finale gefesselt und berührt. War ich doch zeitweise etwas ahnungslos, in welche Richtung die Story möchte, als vorübergehend die Spannung dem Mysteriösen weichen musste. Das spricht sehr für die Unvorhersehbarkeit der Geschichte - wenn auch eine Sache die ganze Zeit klar schien. Kara wirkt nahbar und durchläuft ohne große Skills dieses Abenteuer. Sie beweist viel Stärke und geht auch mit den großen Veränderungen ihres Lebens anschließend selbstbewusster um. Es gab zwar Momente, wo ich Karas Entscheidungen nicht nachvollziehen konnte, aber im Ganzen ist sie eine zutiefst menschliche Figur mit Entwicklungspotenzial. Zudem stellt sie in ihrer Gedankenwelt viele Fragen und versucht (mitunter verrückte und sarkastische) Antworten auf alles zu finden. Wer Spaß am Spekulieren und popkulturellen Bezügen hat, ist hier genau richtig. Es gab ein paar Punkte, die hätte ich mir anders gewünscht, aber ich kann damit leben, dass Kingfisher hier ihren eigenen Vorstellungen gefolgt ist, die dieses Buch besonders machen. Dazu gehört auch, dass man hier vergebens nach Romantik sucht, was ich sehr erfrischend fand.
Ich habe als Nervenbündel mitgefiebert, gruselte mich vor dieser verstörend rätselhaften Welt und erfreute mich an dem herrlich absurden Zusammenspiel von Kara und Simon, von dem ich mir gern noch mehr gewünscht hätte. Ich kann nur empfehlen, dieses Buch möglichst erwartungsfrei zu lesen und sich einfach mitziehen zu lassen. Es hat mich wirklich gut unterhalten und noch immer nicht ganz losgelassen.
Schatzjägerin & Superheldin
Amanda Black - Die Mission beginnt von Juan Gómez-Jurado; Bárbara Montes
Das Buch beginnt mit einem extrem dramatischen ersten Kapitel, indem die zwölfjährige Amanda Black aus einem 180. Stock in den Abgrund stürzt und mit der Offenbarung schockiert, wer ihr Seil durchgeschnitten hat. Eine vielversprechende Aussicht. Danach geht das Tempo erstmal runter, denn bis es dazu kommt, ist einiges passiert.
Amanda ist ein Waisenkind und lebt bei ihrer Tante Paula. Ihr Leben ist von Armut geprägt, denn das Geld reicht kaum, weshalb Amanda ein verlockendes Angebot wahrnimmt und ihr Erbe in der Black Villa antritt. Allerdings hat das Angebot seinen Preis und könnte ihr Leben kosten. Ihre Tante bildet sie zur Diebin aus und Amanda lernt an ihre neuen Schule Erik, ihren ersten besten Freund, kennen.
Dieser Reihenauftakt ist vor allem am Ende richtig spannend, aber die vielen neuen Eindrücke auf Amanda, packen trotzdem, weil man von Anfang an dabei ist. Ob das stimmungsvolle Entdecken der renovierungsbedürftigen Villa oder die Pläne für die erste Mission und die Galerie der Geheimnisse. Die Heldin verfügt nämlich auch über Superkräfte, die sich erst zeigen, als sie ihr Vermächtnis antritt. Das macht die Hauptfigur noch interessanter, abgesehen, von dem komplizierten Leben, das sie schultern muss. Geschrieben ist das Buch aus der Ich-Perspektive von Amanda, aber es gibt auch ein paar wenige Ausnahmen, die andere Sichtweisen einbringen. Zum Schluss offenbart sich, dass es noch richtig spannend werden könnte. Was ideal ist: die Fortsetzung ist schon erschienen und man kann direkt weiterlesen.
Originell, komplex und spannend
Das Parfüm des Todes von Katniss Hsiao
Das Buch teilt sich in drei Hauptabschnitte und erzählt die Geschichte von Yang Ning, die im Norden Taiwans lebt und über eine Hundenase verfügt, die sie aber nur bei ihrer Arbeit als Tatortreinigerin nutzen kann - ansonsten riecht sie nichts mehr. „Leichengeruch war ihre Medizin, ihr einziges Mittel gegen den Geruchsverlust, den kein Arzt zu heilen verstand.
“ Der Tod ihres kleinen Bruders war ein traumatisches Erlebnis für Yang Ning, das immer wieder eine Rolle spielt, denn sie will Vergeltung. Letztlich wird sie reingelegt und reinigt einen nicht freigegebenen Tatort, womit sie in die Ermittlungen rückt. Um ihre Unschuld zu beweisen, geht sie ungewöhnliche Wege. Besonders unheimlich ist Chang Chunjin, ein brutaler Serienmörder, den Yana Ning als Mentor aufsucht. Ihre Gespräche, und immer häufigeren Treffen, haben etwas Bedrohliches, wie Yang Ning in einem längeren Monolog zum Ausdruck bringt, indem sie Chang Chunjin analysiert. Generell bleibt die Hauptfigur aber unnahbar, was auch an dem Erzählstil liegen wird. Geschrieben ist das Buch in einem nüchternen Stil aus mehreren Perspektiven in der dritten Person Präsens. Eine Ausnahme bilden die kursiv geschriebenen Kapitel in der Ich-Perspektive. Welche Besonderheit es damit auf sich hat, bleibt lange ungewiss. Mit zunehmender Seitenzahl wird das Buch immer besser und spannender. Aufgrund einiger Längen zwischendurch, fiel es mir zwischendurch schwer, dranzubleiben, aber es hat sich gelohnt. «Das Parfüm des Todes» ist ein ungewöhnlicher, düsterer und komplexer Thriller, der ein bisschen Anlaufzeit braucht. Mir hat außerdem gefallen, dass man nebenbei auch viel über die taiwanischen Lebensgewohnheiten und die Bedeutung des Geruchssinns lernen kann. Am Ende gibt es ein Personenverzeichnis, was durchaus hilfreich ist, wenn man mit den taiwanisch-chinesischen Namen durcheinander kommt. Letztlich hält sich die Menge der vorkommenden Figur aber in einem zumutbaren Rahmen. Eine originelle Wahl für Thriller-Fans.
Vorsicht, ansteckend!
Moralische Ambition von Rutger Bregman
Ich wollte eigentlich nur mal kurz in das Hörbuch reinhören und war dann richtig gefesselt. Man wird herausgefordert, dieses Sachbuch wegzulegen, wenn man nicht die Vorraussetzungen erfüllt. Klar, das sich da Widerstand regt. Ist man vielleicht die angesprochene Ausnahme? Verschwendet man sein Talent? Wie kann man etwas schaffen, das wirklich zählt? Rutger Bregman versteht es, packend zu schreiben, aufzurütteln und umfassend zu recherchieren.
Es geht unter anderem um die abgeschaffte Sklaverei, und gegenwärtig um die Bekämpfung von Armut, die Entwicklung wichtiger Medikamente, die Bedienungen in der Massentierhaltung und auch um die Klimabewegung.
Der Stil erinnert mich an Dale Carnegie, der ebenso unterhaltend inspirierende Pioniere/Pionierinnen, Widerstandsheldinnen/-helden oder innovative Menschen der Geschichte als Beispiele heranzog, um seine Lektionen zu veranschaulichen. Beispielsweise diese wilde Geschichte von einem australischen Professor, einem deutschen Politiker und einem chinesischem Unternehmer, die die Energiewende ebneten. Rutger Bregman setzt noch oben einen drauf und erklärt einen möglichen Aufbau, indem er die vier Häuser der Zauberschule Hogwarts aus den Harry Potter Büchern heranzieht. Er schreibt über die Verschwendung von Talent in fragwürdigen Berufen, die verlorenen Ambitionen und die massive Verschwendung von Geld. Die Lösungsansätze präsentieren sich auch mit zahlreichen Zitaten, die man (auch gedanklich) einrahmen könnte, wie diesen hier: „Es geht nicht darum, gut dazustehen, sonder darum, Gutes zu tun.“ und Momenten der Geschichte, die es wert sind, sich ihrer zu erinnern, wie das Foto der Voyager. Seine Gedanken dazu, in der Gesellschaft etwas Bedeutendes beizutragen, finde ich wichtig, denn nur leidenschaftliche Idealisten können die Welt verändern. Veränderung, die jeder einzelne bewirken kann, was Rutger Bregman klar machen möchte, indem er sogar einen provokativen Aufruf startet, eine Sekte zu gründen - die Erklärung dazu folgt im Buch und nach dem Epilog wird’s noch ambitionierter. Gleichzeitig macht uns Bregman unsere Privilegien bewusst, regt zum Nachdenken an und verlangt viel ab, dabei ist der Mensch nicht „in der Lage, sich ständig mit dem Elend dieser Welt abzugeben.“ Ja, da schwirrt der Kopf, so besorgniserregend und faszinierend sind die Zukunftsvisionen aus dem Kapitel „Seien sie ein guter Vorfahre“.
Es ist ein Buch, um sich selbst in Bewegung zu setzten. Geeignet für alle. Unbequem, inspirierend und motivierend. Eins der Sachbücher in diesem Jahr, das mich nachhaltig beschäftigen wird.
Für die ganze Familie
Lilo & Stitch: O'hana heißt Familie von Denise Shimabukuro
In der Graphic Novel « O'hana heißt Familie» präsentiert Denise Shimabukuro neunzehn positive Gedanken zum Leben, inspiriert von Kindheitserinnerungen und dem hawaiianischen Lebensgefühl „Aloha-Spirit“. Hauptfiguren sind Lilo & Stitch, die in alltäglichen Situationen humorvoll zeigen, wie wichtig es ist, anderen zu helfen, nicht aufzugeben oder Verbindungen zu pflegen.
Jede der bebilderten Kurzgeschichten endet mit einem abschließendem Text, der die tiefe Botschaft zusammenfasst. Das lädt zum Nachdenken und Gesprächen ein. Der weiche Aquarellstil und die zarten Töne beruhigen und vermitteln gute Laune, was hervorragend zum lebensfrohen Thema passt. Es eignet sich sehr gut zum gemeinsamen Lesen, Durchblättern und mit dem Buch aufwachsen.
Eine schöne Graphic Novel mit wertvollen Botschaften, bei denen Spaß und Abwechslung nicht zu kurz kommen. Ein Wohlfühlbuch für die ganze Familie im nostalgischen Disney-Stil.
Die Wissenschaft der Geschmacks-Moleküle
Flavorama von Arielle Johnson
«Flavorama» versteht sich als Handbuch für den Fachbereich der wissenschaftlichen Mechanismen von Geschmack. Es wird in vier Teilen verständlich erklärt, wie die Wissenschaft des Geschmacks funktioniert. Dabei geht es auch darum, das Wissen beim Kochen anzuwenden. Die geschmackvolle Gestaltung lockert mit farbigen Überschriften nicht nur den Text auf, sondern macht durch Illustrationen und Informationsgrafiken die Theorie anschaulicher.
Die klare Struktur macht es zudem einfach, sich zurecht zu finden. Ich habe noch lange nicht alles entdeckt, weil das Buch viel Wissen und Raum zum Ausprobieren bietet. Von der Aufmachung und der fabelhaften Welt des Geschmack bin ich jedenfalls begeistert und sicher, dass jeder von dem Buch profitieren kann. Ich verstehe jetzt die chemischen Prozesse und Zusammenhänge, die im Hintergrund mancher Kochschritte ablaufen, besser und kann gezielt (und mit spürbar mehr Sicherheit) darauf achten, wenn ich bestimmte Ergebnisse erzielen will. Die eingestreuten Rezepte laden direkt dazu ein, das neue Wissen anzuwenden. Die Rezepte lassen sich dann auch über das Register am Ende leichter wiederfinden, dienen aber in erste Linie zur Verdeutlichung der Theorie und erfordern mitunter spezielle Zutaten. Wer also Experimentierfreude, Wissensdurst und wissenschaftliches Interesse mitbringt, muss kein Profikoch sein, um in die fabelhafte Welt des Geschmacks einzutauchen. Arielle Johnson schreibt nämlich heiter, mitreißend und bildhaft, was es sehr erleichtert, in das - durchaus komplexe - Thema tiefer einzusteigen. Ihre Begeisterung ist ansteckend und ihr kulinarisches Wissen beachtlich. Ich fand das Buch sehr interessant und bereichernd. Kann es nur allen empfehlen, wie die Horizont erweitern wollen.











