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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Spannend wirds erst gegen Ende
Bella Donna. Die Herrin von Mantua von Catherine Aurel
Nach dem ersten Band der "Bella Donna" bzw. "Die Töchter Italiens"-Trilogie war ich sehr begeistert (eins meiner 2021-Jahreshighlights) und freute mich auf die vorliegende Fortsetzung - die man übrigens auch ohne Vorwissen des ersten Bandes gut lesen kann.
Camilla del Giocondo (genannt Calla) und Samuele Bellani lieben einander, doch die Standesunterschiede sind zu gross, weswegen sich die beiden nur heimlich treffen können.
Als Unerwartetes geschieht, fliehen die beiden aus Florenz und arbeiten fortan beide am Hof von Isabella d'Este, der Herzogin von Mantua. Samuele, Erbe des Florenzer Kosmetikhauses Bellanis, mischt Cremen, Salben und allerlei andere Schönheitsmittel zusammen und möchte Calla heiraten. Calla dachte bisher zwar auch, dass sie Samuele liebt, doch sie hat einen geheimen Wunsch, den sie Samuele erzählen möchte, aber sie verpasst den richtigen Zeitpunkt und zudem ist sie sich bald ihrer Liebe zu ihm nicht mehr so sicher.
Calla fühlt sich nach einem Vorfall immer mehr bedroht, was sie erst noch für sich behält, doch die Gefahr wird immer grösser. Bis Calla endlich herausfindet, wer dahinter steckt, schweben einige andere Personen in Lebensgefahr. An dieser Stelle wird der Roman spannend, leider erst jetzt, denn bis dahin, also fast bis zum Ende, plätschert die Geschichte ein bisschen vor sich hin, auch wenn viel passiert. Ein bisschen Dramatik hier, ein bisschen knisternde Atmosphäre da, aber leider keine durchgehende Spannung.
Ich hätte es besser gefunden, wenn das, was Isabella am Ende schildert, schon früher, gerne häppchenweise, erzählt hätte. So bleibt Isabella eine launische Frau, bei der niemand weiss, ob man ihr trauen kann oder nicht. Die Gründe für die diversen Anschläge und die Täterschaft derselben werden erst am Ende bekannt, für mich kam das ziemlich unerwartet. Da hätte ich gerne früher schon Andeutungen erfahren, damit ich den Roman spannender empfunden hätte. So wusste ich nur, dass einige Leute in Gefahr waren, einige eine konfuse Rolle spielten und es zum Teil um ein Bild ging, um das sich Legenden ranken. Mir fehlte darin der rote Faden, der sich erst am Ende, bei Isabellas Rede und noch später, zeigte.
Samuele, in seinem Arbeitswahn alles vergessend, fand ich gut dargestellt, auch Federico, der als Sohn von Isabella d'Este seinen Platz nicht gefunden hat und obwohl oft grossspurig daherkommend, zutiefst unsicher und unglücklich ist. Calla, die oft sofort sagt, was sie denkt, fand ich in einem Punkt, nämlich, dass sie Samuele aus ihrem Herzen oft aussperrte, nicht so glaubwürdig. Morgantino nervte mich praktisch immer - aber ich glaube der Autorin, die für genaue Recherchen bekannt ist, dass Hofnarren genauso sein müssen, wie sie Morgantino gezeichnet hat.
Fazit: "Die Herrin von Mantua" kommt leider bei weitem nicht an die "Die Schöne von Florenz" heran. Am Ende macht zwar alles Sinn, aber da sehr vieles viel zu lange in der Schwebe ist, empfand ich diesen historischen Roman stellenweise langatmig.
3.5 Punkte.
Zwischen Lehrerzimmer, Garten und Küche
Wo dein Herz zuhause ist von Jana Lukas
Es gibt wieder eine neue Trilogie von Jana Lukas! Schauplatz dieses Mal ist das alte Schulhaus am Starnberger See, in dem Felicia mit ihrer verstorbenen Grosstante eine Kochschule aufgebaut hat und auch dort wohnt. Ihre Familie will, dass sie "den alten Kasten" verkauft, doch Felicia hängt dran.
Nun sucht sie Mieter, um das Schulhaus zu halten und den Cousin auszubezahlen. Ein Inserat soll ihr die passenden ruhigen Mieter bringen - doch dann kommt alles anders und Ben zieht als Erstes ein.
Ben war mir vom ersten Moment an sehr sympathisch - in ihn könnte man sich glatt verlieben. Doch Felicia ist sehr zurückhaltend. Und ausserdem hat sie ja noch ihren Freund und andere Sorgen. Felicia nimmt das Leben schwer und tut sich auch selbst schwer mit Veränderungen. Ihre neuen Mitbewohner aber kümmern sich und holen Felicia aus ihrer Komfortzone, so dass Felicia auch mal etwas wagen muss.
Und wir wissen ja alle, wer wagt gewinnt. Dass Ben, Jule und Lina ins alte Schulhaus eingezogen sind, ist definitiv ein Gewinn, denn die vier ergänzen sich mit ihren Talenten gegenseitig perfekt. Ben, der Landschaftsarchitekt, ist meine Lieblingsfigur. Jule, die einen Concierge-Service ins Leben gerufen hat und Lina, die fliegende Kinderbetreuerin, sind auch super interessante Charaktere, weshalb ich mich sehr auf die zwei weiteren Bände freue. Felicia ist liebenswert, aber mir war sie manchmal zu naiv. An ihrer Stelle hätte ich Martin schon längst auf den Mond geschossen.
Jana Lukas überzeugt in "Wo dein Herz zuhause ist" einmal mehr, der Schreibstil ist flüssig und die Geschichte interessant, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen will. Die Idee, als Wohnhaus ein altes Schulhaus zu nehmen, finde ich ganz toll. Jeder von uns verbindet mit diversen Klassen- oder Lehrerzimmer Geschichten, weshalb man bei den Szenen im Schulhaus so manches Mal schmunzeln muss. Ein grosses Plus - und was nicht jedes Schulhaus zu bieten hat - ist die Lage am See mit Privatstrand und grossem Garten. Würde ich je wieder in eine WG ziehen wollen, dann liebend gerne zu Felicia, Ben, Lina und Jule!
Fazit: Eine tolle WG hat sich in diesem ersten Band zusammengefunden. Die kurzweilige Geschichte um Felicia und Ben unterhält bestens, und ich bin nun schon mega gespannt auf Linas und Jules Geschichte.
4 Punkte.
Überarbeitung wäre besser gewesen
Die Toten von Fleat House von Lucinda Riley
Auf Lucinda Rileys letzten Schubladenroman (mehr darüber in meiner Rezension zu "Das italienische Mädchen") "Die Toten von Fleat House" war ich sehr gespannt, denn ich war neugierig, wie Lucinda Riley sich als Krimiautorin macht.
Vorausschicken möchte ich, dass ihre anderen alten Romane von ihr bearbeitet wurden, ehe sie zum Teil neu oder erstmalig veröffentlicht wurden.
Doch bevor sie sich über diesen Krimi Gedanken machen konnte, verstarb sie viel zu früh. Ihr Sohn entschied sich, ihn so zu belassen wie der Krimi 2006 geschrieben wurde. Ich verstehe das, doch ich denke, der Geschichte hätte eine Überarbeitung gut getan.
Nicht, weil es 2006 noch keine automatische Spracherkennung bei Telefonen gab oder aufgrund anderen technischen Errungenschaften der letzten 16 Jahre (manchmal stutzte ich und dachte, das müsste man doch sehen oder einfacher sein herauszufinden, aber dann musste ich mir vor Augen halten, dass der Krimi vor diesen Zeiten geschrieben wurde). Sondern weil die erzählte Geschichte zu ausufernd geschildert wird. Viele Figuren sind mit dabei und von allen wird viel persönliches erzählt - und dabei trotzdem noch viel geheim gehalten. Dies alles geht auf Kosten der Spannung.
Diese war nämlich nicht sehr gross, obwohl die Täterschaft bis am Ende verborgen blieb und man erst gegen Ende zu raten vermochte, wer für den Tod von Charlie und anderen verantwortlich ist.
DI Jazz Hunter als Ermittlerin gefiel mir sehr gut, ich könnte mir sehr gut weitere Fälle mit ihr vorstellen. Sehr schade, dass das nun nicht möglich ist, jetzt, wo man Jazz kennen gelernt hat und sie ready für neue Ermittlungen wäre.
Die Geschichte an sich, der tote Junge in Fleat House, und alles was damit zusammen hängt, war per se nicht schlecht. Bei so vielen Beteiligten ist klar, dass es seine Zeit braucht, bis Jazz mit allen gesprochen hat und einigermassen durchblickt. Auch der Schauplatz in Norfolk, insbesondere auch das Ansetzen des Falls in einem englischen Internat, gefiel mir. Doch mir fehlte der Spannungsbogen - ich hatte nie das Bedürfnis so schnell wie möglich weiter lesen zu wollen, wie das bei interessanten und spannenden Büchern der Fall ist. Ja, ich habe mich beim Lesen gelangweilt, obwohl so viele Hintergrundgeschichten geboten wurden - wahrscheinlich genau wegen diesen unzähligen Nebengeschichten.
"Die Toten von Fleat House" erinnerte mich stark an J.K. Rowlings "Ein plötzlicher Todesfall", das aber viel unsympathischere Figuren (und eine hier zum Glück nicht vorhandene vulgäre Sprache) beheimatet. Gemeinsam haben die beiden Bücher viele Längen und viel zu viele Charaktere mit zu vielen Dialogen. Bei beiden wäre weniger mehr gewesen.
Fazit: Als Auftakt einer Reihe wäre ich okay mit "Fleat House" und könnte die Längen, auch wenn ich sie nicht gut finde, verzeihen. Als Stand Alone müsste dieser Krimi viel fesselnder sein. Und deshalb wäre eine Überarbeitung meiner Meinung nach (trotz allem Verständnis wieso man sich dagegen entschieden hat) dringend nötig gewesen.
3.5 Punkte.
Eine geheimnisvolle Beobachtung
Bretonische Nächte von Jean-Luc Bannalec
Ich nehm es vorweg: dieser elfte "Kommissar Dupin"-Band, "Bretonische Nächte", hat mich bestens unterhalten. Lediglich zwei Begegnungen gab es, von denen ich ich am Ende noch etwas Aufklärendes oder einen Zusammenhang erwartet hätte, doch mit soviel Tempo blieb dafür wohl keine Zeit mehr - oder ich hab schlichtweg zu viel hinein interpretiert.
Denn auch wenn die Truppe es am Anfang noch sehr gemütlich nimmt, sobald bekannt ist, dass Kadegs Tante verstorben und er kurz darauf selbst in ihrem Garten verletzt aufgefunden wird, gibt es keine ruhige Minute mehr für Dupin, Riwal, Nevou und Nolwenn. Verstärkt werden sie vor Ort durch Anne Carman und ihrem Team.
Der Schauplatz, eine alte umgebaute Abtei mit einigen Nebengebäuden hat viel Atmosphäre. Der dazugehörige grosse gepflegte Garten mit einigen seltenen Pflanzen und unverstelltem Meerblick ebenso. Dort unten am Meer und auf den umliegenden kleinen Inseln leben viele Vogelarten, deren Bestand von mehreren Personen beaufsichtigt wird. Einige spezielle Beobachtungen diesbezüglich hat die Tante von Kadeg wohl gemacht, aber Genaueres bleibt unklar. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren und nimmt alle und alles genau unter die Lupe.
Es bleibt nicht viel Zeit für Kaffee und Essen, so rasant ist dieser neue Fall in "Bretonische Nächte". Dennoch bleibt Zeit um die lokalen Spezialitäten zu geniessen. Da möchte man sich als Leserin gerne dazu setzen.
Dies ist mittlerweile ja der elfte Band und oft ist es so, dass die Qualität bei Reihen ab dem sechsten oder siebten Band weniger wird und die Fälle an Spannung verlieren. Bei der "Kommissar Dupin"-Serie ist das Gegenteil der Fall und ich habe das Gefühl, dass der Autor jetzt erst so richtig tief im Dupin-Universum angekommen ist und seit dem neunten Fall total in seinen Ideen aufgeht - das beweist auch dieser tolle elfte Band, der spannend und geheimnisvoll ist, und dessen Auflösung stimmig präsentiert wird.
Fazit: "Bretonische Nächte" - ein anderer Titel hätte zwar weit besser gepasst, aber zu viel verraten - ist fesselnd, super unterhaltend und überzeugt vollends.
5 Punkte.
Tapetenwechsel für Thin Lizyy
Schottenkomplott von Gordon Tyrie
Im ersten Band "Schottensterben" wurde ich total überrascht - ich hätte nicht mit so viel schwarzem Humor gerechnet. Und auch nicht mit Thin Lizzy, dem Hochlandrind, das mir damals schon ans Herz gewachsen ist. Deshalb wusste ich bereits, was mich mit "Schottenkomplott" erwarten könnte - und wurde erneut überrascht.
Auch dieses Mal positiv.
Den ehemaligen Profikiller Hinch oder Howard Currie, wie er sich aktuell nennt, kennt man ebenfalls bereits aus "Schottensterben", er lebt nicht mehr auf Gigha, sondern auf Colonsay - und staunt, als eines Tages Thin Lizzy auf die Insel gebracht wird. Sie soll den "Zoo" der Hermitage erweitern. Doch unter den Tieren herrscht eine Hackordnung und die arme Thin Lizzy wird gemobbt. Einen Freund findet sie im Esel Iago. Bald wird Lizzy öfters mit Howard zu tun haben, doch bis dahin gehen noch einige Theater- und Datingproben über die Bühne.
Denn der einäugige Scharfschütze Howard hat sich der PDBDC-Theatergruppe angeschlossen. Helen, die Lehrerin auf der Insel leitet die Gruppe. Mit dabei sind auch noch Crissa, die für die Fährgesellschaft arbeitet, Rossalyn, die im einzigen Hotel auf der Insel angestellt ist, Bootsführer Graeme und Gärtner Doug. Howard fühlte sich einsam, deshalb hat er sich den Theaterleuten angeschlossen. Da er ja nun Frührentner ist und viel Zeit hat, wünscht er sich aber auch eine Frau und hat sich deswegen auf Datingseiten umgeschaut. Nun hat er drei Frauen, die er in der Online-Kontaktbörse kennengelernt hat, für jeweils ein Wochenende auf seine Insel eingeladen.
Ein schlechter Zeitpunkt, denn seine frühere Arbeit holt ihn ein. Nun steht Howard auf einer Todesliste und wird gewarnt, dass er dran ist. Langweilig wird es also nicht - Theaterproben, Datingweekends und immer alles mit Vorsicht und aufmerksam geniessen, denn man weiss ja nie...
Gordon Tyrie hat in "Schottenkomplott" erneut seinen scharfzüngigen Humor verbreitet. Sein Schreibstil ist gewohnt flüssig, so dass man den spannenden Krimi sehr schnell ausgelesen hat.
Ich habe mich bestens amüsiert und wurde wunderbar unterhalten, stellte mir am Anfang schon in etwa das Ende vor, das dann doch ganz anders und überraschend kam. Am Ende war ich ein wenig traurig, aber ich denke, der Autor bereitet auf diese Weise schon den dritten Band vor. Mich hat auch dieser Band vollends überzeugt, die Geschichte ist einfach toll durchdacht und mit den immer wieder überraschenden Elementen wird es absolut nie langweilig.
Zum Glück gibt es viele Hebrideninseln - man könnte also noch ganz viele Krimis aus der Feder von Gordon Tyrie erwarten.
Fazit: Tapetenwechsel für Thin Lizzy und ein Krimispass sondergleichen.
5 Punkte.
Hühner und Liebe
Das kleine Cottage in Irland von Julie Caplin
Bereits im letzten Band "Das kleine Chalet in der Schweiz" hörte man ab und zu von Minas Schwester Hannah, und erfuhr, dass die Britin in Irland einen Kochkurs absolvieren möchte. Hannah ist die ruhigere der beiden Schwestern, die nicht so wilde und spontane Adoptivtochter. Dass sie sich diese Auszeit gönnt und den Kurs gebucht hat, ist fast schon zu viel Spontanität für sie, sie geht sonst lieber auf Nummer sicher.
Als Hannah ihren ersten Abend in Irland in der gemütlichen Hotelbar verbringt, springt sie über ihren Schatten und flirtet mit einem anderen Gast, Conor. Am nächsten Tag fährt sie zu ihrem Kurs und möchte den Flirt eigentlich vergessen. Doch das Schicksal hat andere Pläne und überrascht Hannah schon bald.
Dieser Band ähnelt ein wenig dem Kopenhagen- und Paris-Band: in allen drei Romanen geht es um eine Gruppe, deren Teilnehmer*innen man im Laufe der Geschichte besser kennenlernt.
In "Das kleine Cottage in Irland" sind die Kochkursteilnehmenden ganz unterschiedliche Charaktere: im Gegensatz zu der total unromantischen und eher klaren Hannah redet Meredith ohne Strich und Faden; Jasons Vokabular kommt ihn teuer zu stehen; Fliss nimmt es nicht mit Worten aber Taten kompetitiv mit ihm auf; Lizzy ist lernwillig und Alan sehr freundlich und umgänglich. Auch ihre Kochkünste könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch bei Kursleiterin Adrienne, eine bekannte Köchin, lernen alle - selbst Hannah - die Grundlagen des Kochens.
Das titelgebende Cottage spielt eine grosse Rolle, aber wir dürfen Hannah auch zu musikalischen Pub-Besuchen und anderen Ausflügen begleiten - viel Irland-Flair wird damit geboten. Und wahrscheinlich bin ich nicht die einzige Leserin, die Hannah um ein ganz besonderes Flussabenteuer beneidet.
Julie Caplin legt mit "Das kleine Cottage in Irland" wieder einen sehr gut unterhaltenden Roman vor. Ich wurde überrascht und erlebte eine Hannah, die sich treu bleibt, aber dennoch neue Wege beschreitet.
Fazit: Auch Irland mit seiner Slow Food-Bewegung war ein herrliches Reiseziel und "Reiseführerin" Julie Caplin sorgte mit der Belegschaft vor Ort, insbesondere Hannah sei erwähnt, für einen angenehmen und erinnerungswürdigen Aufenthalt.
4 Punkte.
Gift und Galle - spannend!
Die Hafenärztin. Ein Leben für das Glück der Kinder von Henrike Engel
Im zweiten Band der Hafenärztin-Reihe wird abwechselnd erzählt, wie es Anne Fitzpatrick, Helene Curtius und Berthold Rheydt geht und was sie gerade erleben. Helene macht ein Lehrerinnen-Praktikum in den Auswandererhallen auf der Veddel. Anne ist dort als Ärzte-Urlaubsvertretung tätig, zusätzlich zu der Arbeit in ihrer eigenen Praxis.
Auf der Veddel häufen sich plötzlich Krankheits- und Todesfälle, was Anne (entgegen dem, was im Klappentext steht) stutzig macht. Nein, nicht die Cholera geht um, sondern Gift.
Berthold hat nicht wirklich viel zu tun in der Arbeit, bzw. findet er seine letzten Fälle alle zu unspektakulär, da sie innert Tagen leicht zu lösen sind. Als her mitten in der Nacht zu einem Tatort gerufen wird, ändert sich das schnell, denn das, was in der Wohnung des Opfers gefunden wird, ist gefährlich interessant. Und natürlich - das merken die Leser*innen sofort - könnte das Gefundene etwas mit den Vorgängen in den Auswandererhallen zu tun haben.
Nun greifen die drei Erzählstränge immer mehr ineinander. Bis es soweit war, dauerte es ein wenig, aber das lang sicher nur an meiner Ungeduld. Je mehr die Ermittlungen fortschreiten, verdächtigen sich fast alle Protas gegenseitig, bis endlich das klärende Licht auf die Fälle geworfen wir.
Henrike Engel legt mit "Das Leben für das Glück der Kinder" ab dem zweiten Drittel einen sehr spannenden historischen Kriminalroman vor. Dieser zweite Band ist genau nach meinem Geschmack und mehr noch als der erste Band ein "richtiger" Krimi. Wer aber gerne "nur" historische Romane liest, wird dennoch nicht enttäuscht, denn die Autorin baut auch hier wieder viel Wissenswertes aus der damaligen Zeit mit ein. Henrike Engel bietet Auswandererschicksale, die einem nahe gehen und das Aufkommen von Fernsprechgeräten, die eine schnelle Kommunikation einfacher machen, an. Sie erzählt aber auch von gewalttätigen Frauengruppen und beschreibt gegen Ende eine mit Pausen gespickte, dennoch oder gerade deshalb, spannende Verfolgungsjagd.
Da man die Protagonisten bereits aus dem ersten Band kennt, ist man als Leser nicht nur gespannt, wie der Fall aufgelöst wird, sondern auch wie sie sich entwickeln. Besonders bei Helene, die sich im ersten Band Freiheit in ihrer Berufswahl erkämpfte, ist deutlich eine Entwicklung zu sehen, plötzlich stehen ihr mehrere Möglichkeiten offen und sie denkt weiter. Anne muss sich mit ihrer Familie auseinander setzen, wobei sie meiner Meinung nach weniger Vorurteile haben und definitiv mehr nachhaken sollte. Berthold weiss mit den Geistern seiner Vergangenheit besser umzugehen als noch im ersten Band und ist auf gutem Wege mit dieser abzuschliessen und offen für die Zukunft zu sein.
Am Ende blieben für mich einige Fragen zu dem gefundenen Gegenstand und zu den Todesfällen auf der Veddel, wie auch zu bestimmten Briefen, die immer noch ungelesen in einer (zum Glück) anderen Schublade als bisher liegen, offen, aber ich gehe stark davon aus, dass sich im nächsten Band dann alles geschmeidig auflöst.
Nach einem Blick auf den Klappentext des dritten Bandes, wird auch dieser sicher wieder mega interessant werden. Meine Vorfreude ist jedenfalls gross.
Fazit: Ein sehr spannender zweiter Band, in dem es ab dem zweiten Drittel temporeich vorwärts geht.
5 Punkte.
Krimi, Kunst und Pastis
Schatten über Saint-Tropez von Sabine Vöhringer
Ich wollte schon lange mal einen Krimi von Sabine Vöhringer lesen, schaffte es jedoch nie. Als ich gesehen habe, dass die Autorin nun bei Goldmann eine neue Reihe veröffentlichen wird und diese erst noch in Frankreich angesiedelt ist (ich liebe Frankreich-Krimis!), dachte ich, dies ist der richtige Zeitpunkt um mit dem Auftakt in diese Reihe zu starten.
Vöhringers Ermittlerin ist die Journalistin Conny von Klarg. Ganz frisch arbeitet sie bei einem Reisemagazin, welches Conny nach Saint-Tropez schickt um dort ihren ersten Artikel zu schreiben. Geplant ist, dass Conny im Hotel ihres Mutterersatzes Simonette Bandelieu unterkommt, das Leben mit ihr und den Verwandten geniesst und dabei ihren Artikel locker vom Hocker wie nebenbei schreibt. Doch bereits die Ankunft ist nicht so, wie sich Conny das ausgemalt hat. Die Rezeption verwaist - kein Pastis, der auf sie wartet.
Conny erfährt, dass Simonette in Untersuchungshaft gesteckt wurde, weil sie verdächtigt wird, den Milliardär und Kunstmäzen Henri Moreau erstochen zu haben. Conny ist sich sicher, dass Simonette unschuldig ist und versucht Bekannte über den Fall auszufragen und beginnt daraufhin zusammen mit Simonettes Partner Jaques zu ermitteln.
Immer wieder kommt Simonette, bzw. ihre Gedanken, zum Zuge, wobei man erfährt, dass vor 40 Jahren etwas geschehen sein muss, das aus dem Ruder lief. Doch was genau, bleibt bis zum Ende unklar. Klar ist aber schnell, dass der aktuelle Fall etwas mit den Geschehnissen in der Vergangenheit zu tun haben müsste. Oder doch nicht?
Es wird viel erklärt und erzählt in der ersten Hälfte, was zwar hilfreich für die Handlung ist, die Spannung bleibt dabei aber auf der Strecke. Die gibt es erst nach dem zweiten Drittel, dafür dann aber richtig viel.
Der Mordfall ist geschickt geplottet und eigentlich war es ein recht interessanter Fall, der uns Leser in die Kunstszene mitnimmt.
Die vielen Rückblicke aber ermüdeten, Simonette blieb mir zu stumm, das Aufdröseln der Beziehungsgeflechte von so ziemlich allen Beteiligten war vertrackt und wiederholte sich zu oft. An Connys Stelle hätte ich nicht mehr gewusst, wem ich trauen könnte und wem nicht.
Auch die Beziehung von Conny und Felix finde ich recht kompliziert. Dadurch, dass alle anderen Beziehungs- und Familienverhältnisse auch nicht einfach sind, war mir das ein Tick zu viel. Deshalb wünsche ich mir für Connys zweiten Band einen aktuellen Fall, der nichts mit der Vergangenheit und auch nichts mit ihrer Familie zu tun hat.
Man spürt, dass sich die Autorin in Südfrankreich auskennt. Vöhringer gibt die Atmosphäre wunderbar wieder, so dass man Lust hat, sich ins Maison des Pêcheurs zu setzen und einen Pastis zu trinken. Natürlich erst, nachdem Conny dem Lärm den Garaus gemacht hat.
Fazit: Wer Kunst und Krimis liebt, der sollte unbedingt einen Blick auf "Schatten über Saint-Tropez werfen.
4 Punkte.
Schöner Schauplatz
Das Glück schmeckt honigsüß von Persephone Haasis
In "Das Glück schmeckt honigsüss" wird die Geschichte von Lena, die, um die Beerdigung ihrer Grossmutter vorzubereiten, zurück auf die Hallig Hooge fährt, erzählt. Vor Jahren hat Lena mit ihren Eltern die Insel verlassen, ihre Mutter im Streit mit der Grossmutter, Lena selbst total enttäuscht von ihrem damaligen Freund Jacob.
Seither liess sich Lena nicht mehr auf der kleinen Insel blicken, obwohl sie ihre Grossmutter gerne öfters besucht hätte. Aktuell ist Lena in ihrem Leben in der Stadt nicht glücklich, ihre Beziehung zu Mats steht auf der Kippe, nur die gemeinsame Schreinerei hält sie noch dort. Auch wenn Lena trauert, tut ihr die Ruhe auf der Hallig Hooge gut. Doch dann steht sie Jacob gegenüber, der wie sie einen Teil des Hauses geerbt hat. Auch jetzt reagiert sie ihm gegenüber hart. Jacob versteht nicht, wieso sie damals einfach abgereist ist und sich nicht mehr bei ihm gemeldet hat.
Gut versteckt hat Persephone Haasis in ihre Geschichte zudem ein Geheimnis ihrer Grossmutter, die für wenig Würze gesorgt hat. Von mir aus hätte man da noch mehr draus machen können, noch mehr nachsalzen sozusagen, denn Lena nimmt die ersten Spuren davon sehr gelassen auf und auch Jacob sagt nichts.
Diese Würze war meiner Meinung nach bitter nötig, denn Lenas und Jacobs Story und all die Begebenheiten auf der Hallig Hooge sind zwar schön erzählt, aber trotz aller Beschreibungen der wundervollen Gärten und Wiesen, dem Bienensummen überall, dem tollen Meerblick und den immer mal wieder erfrischende Windhauch, fehlte mir im Roman das gewisse Etwas.
Mir haben die ersten beiden Romane der Autorin viel besser gefallen, besonders die "Küsse im Aprikosenhain" - dagegen ist diese Geschichte hier ziemlich blass. Ich konnte den beiden Protagonisten auch nicht abnehmen, dass sie sich nie ausgesprochen haben. Zumindest über die Grossmutter hätte da mal ein Wink kommen können. Eine gute Idee aber waren die zwischen den Kapiteln stehenden Mailentwürfe. Mails, die Lena und Jacob einander schicken wollten, aber nie abgeschickt wurden.
"Das Glück schmeckt honigsüss" liest sich flüssig und überzeugt mehr durch den sehr schönen Schauplatz und der gut eingefangenen Atmosphäre als über die Handlung. Auf jeden Fall lernt man etwas über Bienenhaltung dazu.
Fazit: Ein ruhiger Roman mit Schwächen in der Handlung, der mit seinem Schauplatz auf der Hallig Hooge aber trotzdem für gemütliche Lesestunden sorgt.
Knappe 4 Punkte.
Von einem Extrem ins andere
UN-VERHÜLLT von Julia Haart
Ich schaue selten Netflix, aber als ich von "mein unorthodoxes Leben" hörte, schaute ich mir die erste Staffel an. Da die Folgen anders als erwartet waren, nahm ich mir vor Julia Haarts Buch zu lesen, denn ich war neugierig, ob sie hier endlich ihre echte Geschichte erzählt oder ob es bei oberflächlichen Plaudereien bleibt, wie man sie in der Staffel nur zu oft gehört hat.
Ich war gespannt, ob Fragen, die bei der Sendung offen bleiben, im Buch beantwortet werden - ja, das werden sie zum Teil. Aber vieles wird am Ende auch übergangen.
Von der Tellerwäscherin zur Millionärin - der alte amerikanische Traum - ungefähr so kann man Julia Haarts Leben überschreiben. Die Show will uns glauben lassen, dass Julias Weg von einem armen streng orthodox aufgewachsenen Mädchen zur berühmten Modedesignerin und ihr Ausstieg aus dem engen religiösen Umfeld sehr hart waren.
Doch beim Lesen merkt man schnell, dass nicht alles so extrem war, wie Julia es uns glauben lassen wollte. Sie verbrachte nämlich bis zum Alter von 6 Jahren eine ganz normale Kindheit und erst später wurde ihr Leben eingeschränkter. Ihre Eltern flüchteten aus der UdSSR nach Rom, als sie drei Jahre alt war. Von dort ging es in die USA, wo die Eltern langsam fromm wurden. In ihren Anfangsjahren in den Staaten hatten sie Kontakte zu sehr reichen Leuten, sogar auf ihrer ersten jüdischen Schule wurde Designerkleidung getragen. Erst etwa mit 12 wurde ihr Umfeld enger und danach auch Julia so richtig frum.
Davon und auch von ihrer Hochzeit mit 19 und den anschliessenden Jahre erzählt die erste Hälfte des Buches. Darin ist auch gut erklärt, was Gebote und was Verbote sind - die enorm einschränkenden Verbote sind eine zusätzliche Auflastung. Pragmatisch erzählt Julia, wie schwer es ist, sich an alle Verbote zu halten, also quasi alles zu tun, aber doch nie züchtig genug zu sein in der fundamentalistischen Welt. Der Alltag dort war sicher nicht einfach, insbesondere auch was die Bildung der Frauen betraf. Dies schildert Julia Haart ausführlich, als Leserin fühlt man mit ihr in vielen Situationen mit.
Positiv herauszuheben ist auch, dass alles chronologisch erzählt wird, das macht es einfach ihrer Geschichte zu folgen. Denn für einige Leser kommen vielleicht zu viele jüdische Begriffe vor, von daher ist wenigstens der chronologische Ablauf einfach gehalten.
Die zweite Hälfte des Buches dreht sich um ihr Leben in der neuen Welt - aber nicht in einer normalen Welt, sondern in einer Luxus-Welt. Es geht um ihr Business, um Dating, Sex und um Geschäftspartner, denen sie besser nicht getraut hätte. War es fehlende Menschenkenntnis oder an was lags? Könnte es sein, dass sie sich schon immer ein wenig zu wichtig nahm? Ihr Motto lautet "Dreistigkeit siegt" und "Starker Wille gleich Erfolg" - und das spürt man durch die Zeilen, denn auch wenn sie es anders wahrnimmt, kommt ihr Verhalten sehr narzisstisch rüber.
Anders als man es sich nach dem Gehörten aus der Sendung vorstellte, verlässt sie nämlich nicht eines Tages mit Sack und Pack ihr Haus und ihre Gemeinschaft und sucht sich woanders eine Wohnung und einen Job. Nein. Während einem Abendessen in Manhattan, wo sie sich oft mit Freundinnen in koscheren Restaurants traf, kriegt sie ein Job-Angebot, sie könne Schuhe für eine neue Firma entwerfen. Erst dann "geht" sie. In Folge lebt sie in der Stadt in Hotels und arbeitet an ihrer Schuhkollektion, und fährt zum Sabbat oder auch sonst immer mal wieder zurück nach Monsey. Ihr Mann und sie hatten ein grosszügiges Arrangement. Im Buch gibts aber kein Wort dazu, wie sie sich ihr Leben in der Stadt finanzierte, man nimmt also an, dass ihre Investoren auch ihren Lebensunterhalt finanziert haben. Über ihre Integration in die "reale" Welt wird leider sehr wenig erzählt - es ist mehr ein "vom kinderreichen Haushalt zum Luxushotel", dazwischen gibts nicht viel.
So gesehen führte sie tatsächlich eher immer ein unorthodoxes Leben - nämlich eins, wo Geld nie oder nur selten Mangelware war. Sie war nicht gefangen und konnte spätestens, nachdem sie aus Atlanta zurück kehrten, sich problemlos mit ihren Freundinnen in Manhattan in koscheren Restaurants zum Essen treffen. Das, was überall so aufgebauscht wird, dass sie Versicherungen verkaufte, war nur eine kurze Episode und und passierte viele Jahre bevor sie ihre Gemeinschaft verliess. Sie trug auch zu ihrer streng orthodoxen Zeit immer 12cm Absätze, sie fiel damals also schon auf.
Der allererste Hosenkauf oder der erste Cheeseburger in ihrem Leben - das sich das wie eine Sünde anfühlte, das fand ich gut und glaubhaft erzählt, ich hätte mir mehr davon gewünscht anstatt dem ganzen Luxus-Setting. Aber wahrscheinlich kennt Julia es gar nicht anders, für sie gibt es anscheinend nur das strenge Leben in Monsey oder eben Luxus.
Das Buch endet, als sie zu La Perla wechselte und ist ziemlich abrupt zu Ende. Damals jettete sie zwar schon von Fashion Week zu Fashion Week, aber hatte noch nicht wirklich Erfolg - nur viele Geldgeber - deshalb wäre es interessant gewesen, auch noch die letzten Jahre von La Perla zu EWG mitzubekommen. Erst dachte ich, dass es vielleicht einen zweiten Band geben wird, aber mittlerweile denke ich, dass sie diese letzten Teile nicht veröffentlichen wollte oder durfte, da Julia aktuell auf ihre Scheidung von ihrem zweiten Ehemann wartet und von ihm, bzw. von der EWG, entlassen wurde.
"Un-Verhüllt" ist der Bericht einer Lebensgeschichte einer wohl narzisstischen Frau, zwar interessant, aber schlussendlich doch nicht so krass wie Julia das gerne wahrhaben möchte. Ich möchte Julias Lebensgeschichte nicht schmälern, aber interessanter und sicher viel glaubhafter wäre ein Bericht einer ultraorthodoxen Frau, die auch vollständig in diesem Umfeld aufgewachsen ist und nicht in Geld schwimmt und ihren Weg raus aus der engen Gemeinschaft wirklich von Null auf erarbeiten musste, was bei Julia nicht der Fall war. Nicht nur die TV-Staffel ist ein Reality-Format mit viel Blingbling, auch im Buch ist einiges davon enthalten.
Fazit: Von einen Extrem ins andere Extrem - eine beschönigt klingende Lebensgeschichte zwischen Langarmshirts mit Rundhalsausschnitt und knapp sitzenden Tops ohne Träger.
4 Punkte.











