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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Clever ausgetüftelter Fall

Tod in Rimini von Dani Scarpa

Paolo hat sich entschieden: als Geschäftspartner von Lucia, die das Restaurant führen wird, das Hotel seines Bruders in Cervia zu renovieren und Hotelier zu werden. Doch noch immer (oder wieder? Ich dachte, die zwei waren am Ende des ersten Bandes bereits per Du) siezen sie sich und geraten sich immer mal wieder in die Haare.

Lucia verlangt für ihre Dolmetscherdienste, dass Paolo sie zu einem Konzert eines jungen, aufstrebenden Tenors nach Rimini begleitet. Lucias beste Freundin Chiara ist seit einigen Wochen mit Lysandro Caruso zusammen und hat Lucia und Paolo zu dessen Konzert eingeladen, mit anschliessendem gemeinsamen Nachtessen. Dieses verläuft sehr chaotisch, doch Paolo konnte sich ein Bild von Lysandro machen - was gut war, denn tags darauf lebt der junge Tenor nicht mehr und Chiara wird höchst tatverdächtig in Untersuchungshaft genommen.

Auf Lucias Wunsch hin beginnt Paolo zu ermitteln, sein Ruf eilt ihm voraus, was es ihm ein wenig einfacher macht, denn die Polizei ist ganz zufrieden mit ihrer Verdächtigen und sucht nicht weiter. Paolo kommt an seine Grenzen - und Streit mit Lucia gibts obendrauf, obwohl er sich so viel Mühe gibt.

Meine Schulkollegen, die früher jeden Sommer nach Rimini fuhren, würden sich sicher sehr wohl fühlen in diesem Krimi. Anschaulich beschreibt Dani Scarpa die Gegend, durchzogen von Paolos Erinnerungen an seine Kindheit, in der er selbst mit seiner Familie die Sommerferien in Rimini verbrachte.

Der Fall überzeugt und auch wenn ich bereits einen Anfangsverdacht hatte, ist dieser zweite Band spannend genug, denn man überlegt sich trotzdem, ob nicht doch die eine oder andere Person Täter gewesen sein könnten. "Tod in Rimini" hat sich der Autor sehr gut ausgedacht, ein clever ausgetüftelter Mordfall mit vielen Details, der Paolo aber zu lösen vermag.

Fazit: Unterhaltsamer Italien-Krimi, bei dem man öfters mal schmunzeln muss, aber auch einen interessanten Fall vorgelegt bekommt.
4 Punkte.

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Zusammen arbeiten will gelernt sein

Ganz nah bei dir von Marie Force

Beim Wiederaufbau des Admiral Butler Inn, nach dem verheerenden Feuer, ist der in den bisherigen Bänden kaum vorkommende und eher stille Noah Coleman der zuständige Bauingenieur - und muss mit der taffen Architektin Brianna Esposito zusammenarbeiten. Dass sie sich nicht mögen, ist in Butler bekannt, dabei haben sie bisher kaum miteinander gesprochen.

Als die Hotelbesitzerin ihnen einen Gutschein überreicht, müssen sie gezwungenermassen einen Abend gemeinsam verbringen - im bereits aus anderen Bänden bekannten Restaurant Schweinebauch, ausserhalb von Butler.

Die kratzbürstige Brianna, die den Auftrag in Butler nur angenommen hat, um aus Boston zu fliehen, kann gar nichts mit dem kalten Winter in Vermont anfangen und ist trotz allem froh, wenn die Renovation zu Ende ist und sie wieder weg kann, auch die Arbeitsatmosphäre behagt ihr nicht.

Noah, der seiner Familie verschweigt, wieso er sich von seiner Frau getrennt hat, ist seit der Trennung nur mürrisch unterwegs.

Bei ihrem unfreiwilligen gemeinsamen Abendessen gehen sie einen Schritt auf den anderen zu und sie merken, dass beide ähnliches durchgemacht haben. Und so kommt es wie es in dieser Reihe kommen muss, am Ende zanken Elmer und Lincoln wie üblich darüber, wer von ihnen dieses Paar zusammen gebracht hat.

Doch dazwischen geht es nicht nur um Noah und Brianna, sondern auch noch um Noahs Schwester Lizzy (deren vollständige Geschichte im nächsten Band erzählt wird) und am Rande um Megan - natürlich bekommt man auch immer mal etwas über den Rest der grossen Sippe mit und auch Stadtelch Fred, das Maskotten von Butler, taucht wie immer - von den Leserinnen sehnlichst herbei gewünscht - und für die Protagonisten total unerwartet auf.

Mir hat "Ganz nah bei dir" sehr gut gefallen. Es ist ein emotionaler dreizehnter Band und wie immer ist ein bisschen von allem enthalten: Liebe, Drama, Freundschaft, Zusammenhalt. Dieses Mal ist sogar ein bisschen mehr als üblich von all dem dabei, besonders was das Drama angeht. Denn obwohl das Ende schon von Anfang an bekannt ist, ist dazwischen mit einigen Twists und grossen Überraschungen zu rechnen.

Fazit: Ich liebe diese Besuche in Butler bei der Abbott-Coleman-Family! Dieser Besuch ist einer der schönsten bisher.
5 Punkte.

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Farben, Kunst und die Suche nach Wurzeln

Die Hoffnung der Marienkäfer von Patricia Koelle

Ich finde es immer ein wenig traurig, wenn man den letzten Band einer Reihe liest. Man muss Abschied nehmen von lieb gewordenen Charakteren und im Fall dieser "Inselgärten"-Reihe auch von wunderbaren Gärten, die man am liebsten all besuchen würde.

Zwei Gärten kommen nun noch dazu. Zum einen der eine Garten, von dem Leonie schon als Kind träumte.

Sie wohnte gleich daneben, doch die Besitzer erlaubten ihr nicht, den geheimnisvollen Garten zu entdecken. Sie müsse Geduld haben, meinte ihr Vater, Geduld, so wie die Marienkäfer.

Viele Jahre später, nach einer tollen Karriere in der Finanzbranche und wohl kurz vor dem Burnout, wird sie bei einer Kur an diesen Garten erinnert. An die Farben, die sich ihr einprägten. Zudem ist sie von einer Weberin und ihren gewebten Schaustücken begeistert und macht kurzerhand einen Kurs am Webstuhl. Sie möchte Farbverläufe, die sich ihr einprägten, nachweben - und weiss: sie muss ihr Leben ändern und endlich ihren eigenen Garten haben.

Derweil schickt Remy Kaia auf die Insel Poel. Remy hat von einer Leserin von "Mervins Garten" ein Haus mit Garten geerbt und Kaia soll dort nach dem Rechten sehn und das Haus in einen verkaufsbereiten Zustand bringen. Kaia, die sich nach Wurzeln und Heimat sehnt, fühlt immer mehr, dass Rapakiwi ihr eine Heimat sein könnte, doch wie bisher immer in ihrem Leben, muss sie auch dieses Mal bald wieder Abschied nehmen, spätestens wenn das Haus verkauft wird. Sie hadert mit ihrer Doktorarbeit, will etwas Künstlerisches tun, ist auf der Suche nach sich selbst.

Dieser fünfte Band ist den Farben, der Kunst und der Suche nach Heimat, nach einem Ort, an dem man sich wie die Pflanzen in den Gärten verwurzeln kann, gewidmet. Alle Charaktere, nicht nur Leonie und Kaia, sind auf dem gleichen Pfad unterwegs und es ist sehr interessant ihre Wege auf diesen 512 Seiten zu begleiten.

Patricia Koelle beeindruckt in "Die Hoffnung der Marienkäfer" erneut mit ihrem einzigartigen und einfühlsamen Schreibstil. Ihre Liebe zur Natur spürt man in jedem Wort. Man weiss gar nicht, über was man mehr begeistert sein soll, etwa vom Pfirsichbaum Robin, den Marienkäfern, über die man Wissenswertes lernt oder über Szenen, die im Moor spielen oder wenn die Protagonistinnen in ihren Gärten Geheimnisvolles entdecken, dabei denke ich aktuell an farbige Blumen und Bodenmosaike.

Nicht nur die einzelnen Romane sind sehr stimmig in sich, auch die Reihenabschlüsse überzeugten mich bisher immer. So auch hier, denn zum Finale gibt es eine kurze Reise durch alle bisherigen Gärten und Remys Geschäftsidee, alle Gärten miteinander zu verbinden. Da wünscht man sich einmal mehr, man könnte eine Reise durch alle Gärten einfach so buchen.

Fazit: Ein würdiges Reihen-Ende, bei dem mit Emotionen und wunderschönen Natureindrücken nicht gespart wurde.
5 Punkte.

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Summer in the City

Das Glück riecht nach Sommer von Meike Werkmeister

Ina bewirbt sich auf eine Stelle in einer Hamburger Klinik. Dort, wo sie vor Jahren ein Praktikum absolvierte und dort, wo immer noch ihr damaliger Mentor Tim arbeitet. Unterkommen kann sie bei ihrer Freundin Filiz in deren WG.

Letzteres glaubt Ina zumindest, doch es wird nicht so einfach. Weder was diese Stelle noch die WG betrifft.

Aber Ina kommt in einem Gartenhäuschen an der Alster unter und da sie viel Zeit hat, beginnt Ina zu gärtnern. Dabei helfen ihr einige andere Schrebergartenbesitzer. Doch wer jetzt einen Gärtner-Roman erwartet, liegt falsch. Die Gartenszenen sind zwar toll und ich mochte die auch am liebsten, denn das unkomplizierte Miteinander dieser unterschiedlichen Charaktere fand ich schön beschrieben.

Hauptsächlich dreht sich alles um die Stellen- und Wohnungssuche - und um Männer. Davon gibt es nämlich zwei: einer, der Ina mag, und einer, den Ina mag. Ein dritter interessiert sich für Filiz. Doch bei allen drei muss sich erst noch herausstellen, welcher davon für wen die grosse Liebe sein könnte oder nicht.

Meike Werkmeister hat mit "Das Glück riecht nach Sommer" erneut einen unterhaltenden Roman vorgelegt und dabei sehr viele Themen mit eingebaut. Es passte zwar alles, aber irgendwie fand ich es zu überladen. Vielleicht nur "Sophie" oder nur "Ecuador"? Dann war ja auch noch Merle - das alles zusammen war mir zu viel Tränendrüsendrücken bzw. Charity.

Sebastian und Tim bekommen viele Szenen, aber sie wirken leicht distanziert, als ob beide trotz allem auf Abstand gehalten werden. Filiz als beste Freundin hat selten Zeit, in ihrem Modeladen würde ich mich aber gerne umsehen. Anfangs hab ich mich gefragt, ob Filiz sich wirklich wohl fühlt in der WG mit Esther und Vicky. Doch die beiden bekamen später mehr Platz um sich zu erklären. Diese Szenen fand ich gut gelungen.

Auch für gut und wichtig befunden, hab ich neben Inas Selbstfindungssuche, die plausibel daher kommt, die Fragen nach Heimat und richtiger Berufswahl. Insgesamt ist es ein leichter, ruhiger und sehr netter Roman.

Fazit: Summer in the City - gemütliche Sommer-Lektüre, die bei heissen Temperaturen gut unterhält.
4 Punkte.

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Ein Mädchen namens Ronja

Das Glück kommt in Wellen von Gabriella Engelmann

Im ersten Band wurde nichts zu Ende erzählt, in diesem zweiten Band ist es nicht viel mehr - und auch er endet mit einem Cliffhanger. Deshalb mein Tipp: wenn ihr mit der Trilogie noch nicht begonnen habt, wartet bis September und lest dann alle Bände nacheinander, dann hat man das Gesamtbild und sieht, ob die Geschichte stimmig ist oder nicht.

Momentan kann man nur die bisherige Handlung, vielleicht noch die Stimmung und einzelne Figuren bewerten, nicht aber das ganze Konstrukt.

Es geht aber nahtlos dort weiter, wo Band 1 endet. Band 2 beginnt am Folgetag, an dem wir Linas Gefühlschaos über den Fund einer Karte, die ihre Grossmutter ihr verschwiegen hat, mitbekommen. Im Büro sitzt Thorsten statt Jonas und streitet sich gerade. Es ist keine gute Idee, dass er sich selbst aus der Reha entlassen hat. Zeit, mit Thorsten in Ruhe zu sprechen, Jonas danach zu finden oder ihre Grossmutter auf die Karte anzusprechen, hat Lina nicht, denn eine weitere Hiobsbotschaft weht durch Lüttebys Gassen: Helmut, Ankas Mann, ist unerwartet an Herzversagen verstorben, zusammen will die Markt-Gemeinschaft einen Gedenkgottesdienst abhalten.

Auch Sinje ist vielbeschäftigt und hat daher keine Zeit sich um ihr Gefühlsleben zu kümmern, eigentlich wollte sie Gunnar heiraten, aber ein anderer Mann geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Leider beginnt sein Name nicht mit L, irgendwie glaubt sie nämlich noch immer an das, was ihr eine Wahrsagerin mal sagte.

Amélie soll ihr Café abends öffnen, so wird es vom Vermieter gewünscht. Doch sie arbeitet jetzt schon zu viel - wie soll sie das nur stemmen?

Anstatt die Sage von 1634 wie im ersten Band, wird nun zwischen den Kapiteln eine Geschichte eines Mädchens vor 48 Jahren erzählt. Diese Zwischengeschichte fand ich interessanter zu lesen als die alte Sage. Diese neue Vergangenheitsstory um "Ronja und Björk" hat mir am besten gefallen in diesem zweiten Band. Schnell ist klar, wer das Mädchen sein soll, offen bleibt lediglich der männliche Part, wobei man spekulieren kann - ich hab meine zwei Verdächtige, zu einem davon tendiere ich stärker. Aber mal sehen, ob es dann tatsächlich einer von denen ist und ich mit meiner Vermutung richtig liege.

Irgendwann schafft es Lina ihre Grossmutter mit der Karte zu konfrontieren und erfährt danach - nicht nur von Henrikje sondern auch über andere Charaktere - einiges über ihre Mutter. Das hat mir in diesem Band mit am besten gefallen.

In diesem zweiten Band ist viel los, langweilig wird es nicht. Auf die offenen Handlungsstränge aus dem ersten Band werden noch weitere gesetzt. Daher erscheint am Ende von "Das Glück kommt in Wellen" vieles - vor allem einige Begegnungen - oberflächlich. Man liest zwar schnell und flüssig durch die Seiten, aber merkt am Ende, dass Thorsten nach der Eröffnungsszene keine Rolle mehr spielt, dass Amelies Café eigentlich auch nur kurz Thema ist, dass Michaela mehr erzählen hätte können und dass Jonas Freunde, die Lina bei einem Essen kennenlernt, sehr plötzlich, zu plötzlich, wieder Kontakt nach Lütteby aufnehmen. Auch Jonas und Lina haben nicht viel gemeinsame Zeit, aber ich hoffe für die beiden, dass nun alles geklärt ist, so recht will ich noch nicht dran glauben.

Fazit: Rasanter zweiter Band, interessanter als der erste, aber noch immer ist alles offen.
4 Punkte.

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80er-Jahre-Sommerlagerfeeling

Vier Frauen und ein See von Viola Shipman

80er-Jahre-Sommerlagerfeeling - nicht immer nimmt man Positives aus den Ferienlagern mit. Das müssen auch die Clover Girls erfahren, die sich als Freundinnen zwar in so einem Sommercamp kennengelernt, sich dann aber untereinander auch aufs Tiefste verletzt haben.

Der Einstieg in den Roman gelang mir nicht so gut.

"Vier Frauen und ein See" fesselte mich zu wenig, so dass ich über eine Woche an dem Buch gelesen habe. Mich konnte das Thema aktuell gerade nicht wirklich abholen. Es lag aber nicht am Schreibstil, sondern wirklich beim Thema. Denn Shipman schreibt bekanntlich sehr gut, das ist hier nicht anders. Doch für mich war die Lektüre dieses eher ruhigen Romans der falsche Zeitpunkt zum Lesen.

Abwechselnd wird erzählt, wie drei Frauen Briefe bekommen - von einer Freundin aus der Vergangenheit. Die Briefe treffen die Frauen im Innersten, denn gefühlt wurde jede von den anderen enttäuscht. Die Absenderin, Emily, bittet ihre drei Freundinnen ins Camp Birchwood zu kommen, dahin, wo sie in ihrer Kindheit viel Zeit gemeinsam verbracht haben. Sie waren ein Kleeblatt, Freundinnen - doch sie haben sich gegenseitig alle öfters enttäuscht und verletzt.

Nie haben sie darüber gesprochen, obwohl es bitter nötig gewesen wäre, die Verletzungen sitzen tief. Stattdessen hatten nur zwei untereinander noch gelegentlich Kontakt. Bis der Brief von Em kam. Nun steht sich das mittlerweile nur noch dreiblättrige Kleeblatt im Camp gegenüber: Liz, V und Rachel, alle drei äusserst misstrauisch, doch Em zuliebe ziehen sie es durch. Erstmal nur für eine Nacht.

Das Buch ist in zehn Teile aufgeteilt, jeder davon überschrieben mit einem für das Camp typische Ereignis, sei es ein Mottoabend, ein Spiel, eine Übung oder eine andere Tätigkeit. Zuerst wird erzählt, was damals in den 80ern im Camp bei so einem Ereignis ablief, dann folgt die Gegenwart, in der sich die drei Frauen mit diesem Ereignis auseinandersetzen müssen. Dabei kommen viele Fragen auf. Nach den Gründen, wieso damals etwas genau so passierte, wieso sich jemand so und nicht anders verhielt und was das mit der einen oder mit allen Freundinnen machte. Diese Aufarbeitung der Clover-Girls fand ich eigentlich sehr gut und authentisch erzählt, für mich war das dieses Mal aber einen Ticken zu nachdenklich.

Viola Shipman schreibt gewohnt sehr gefühlvoll und gräbt ganz tief an den Emotionen und manchmal trifft man dabei an eine Frage, die man sich selber vielleicht auch schon gestellt hat, zum Beispiel, wieso ehemalige Freunde politisch plötzlich das Lager aufs Extremste wechseln.

Doch insgeheim dachte ich mir bei einigen Dingen auch, wieso die sich die Girls damals noch immer als Freundinnen bezeichnet haben - da waren einige sehr extreme Dinge, die man am besten gleich anspricht oder dann wirklich getrennte Wege geht. Das ist somit auch mein Kritikpunkt an der Umsetzung des Plots.

Am liebsten mochte ich Liz. Ich hoffte so sehr, dass in der Gegenwart etwas passiert und freute mich, dass Shipman mich nicht enttäuschte. Toll fand ich auch den Bericht, in dem Em schreibt, dass sie mit ihrem Leben voll und ganz zufrieden war - es muss nicht immer die grosse weite Welt oder das viele Geld sei, man kann auch mit wenig absolut glücklich sein.

Fazit: Ein sehr nachdenklicher und ruhiger Roman - für mich war es der falsche Lese-Zeitpunkt, aber Shipman hat die Idee gut umgesetzt.
4 Punkte.

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Nicht in der Öffentlichkeit lesen, denn:

Liebe, schmetterlingsbunt von Hannah Juli

Was hab ich geheult auf den vorletzten Seiten! Blöderweise sass ich im Zug und schniefte vor mich hin, während ich verstohlen meine Tränen wegwischte. Mein Tipp: das Buch, zumindest das letzte Drittel, also lieber zuhause lesen.

Schon auf den ersten Seiten merkt man wie feinfühlig Hannah Juli schreibt.

Eine absolut emotionale und gefühlvolle Geschichte, die mit einem wunderschönen Cover aufwartet - das wird sicher mein Cover-Highlight des Jahres 2022! Die Geschichte findet auf jeden Fall aber auch einen Platz auf meiner Lieblingsbücher-Liste.

Ebenfalls bereits auf den ersten Seiten wird die Bedeutung des Covers klar, das fand ich genial. Mir gehen jetzt schon die Adjektive aus, dabei hab ich noch kaum was geschrieben, aber "Liebe, schmetterlingsbunt" ist so wahnsinnig schön erzählt, aber die Story ist auch traurig und super emotional.

Ella ist eine enorm feinfühlige Person, verständnisvoll wie weiss nicht was, obwohl sie manchmal allen Grund zum Ausrufen hätte. Nachdem sie gebeten wird, ihren Vater - zu dem sie seit ihrer Kindheit keinen Kontakt mehr hatte - in England zu besuchen, reist sie zu ihm. Mittlerweile liegt er im Spital und Ella weiss nicht, ob sie zu spät kommt. Das nagt an ihr, denn sie ist neugierig geworden und will unbedingt wissen was damals wirklich passierte, weil ihre Mutter nie darüber gesprochen hat.

Da Ella nicht rund um die Uhr im Spital sein kann, schaut sie sich auch die Gegend an und lernt dabei Jacob kennen, der in einem Wohnwagen an einem kleinen See haust. Über ihn erfährt sie kaum etwas, er ist sehr verschlossen, hilft aber mit, wo er nur kann. Fast ebenso wortkarg wie Jacob ist Edward, der Verwalter, der mit seiner Mutter Agnes im Haus ihres Vaters wohnt. Doch auch sie sind herzliche Menschen, die sich um alles und jeden kümmern. Und noch weitere Personen tauchen auf, die nicht viel sagen - bis Ella eines Tages entdeckt, weshalb ihr Vater damals wegging.

Zwischen Schafen, Mooren und Schmetterlingen begleiten wir Ella und die anderen Charakter durch den Lake District, wechseln zwischen Kummer und Auf- und Durchatmen und geniessen die tolle Landschaft, die wie gemacht scheint für diese tolle Geschichte. Die Figurenzeichnung ist gelungen, es ist keine Person zu viel und keine zu wenig. Die verschiedenen Stimmungen und Gefühlswelten wirken echt und machen "Liebe, schmetterlingsbunt" zu einem absoluten Lesegenuss.

Fazit: Wunderschöner Roman, der zu Herzen geht und noch lange nachhallt, dank dem einfühlsamen Schreibstil der Autorin.
5 Punkte.

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Gummistiefel und Farbe

Mit dir ist alles schöner von Kristina Günak

Ich bin in meinem Leben oft zelten gewesen, doch seit vielen Jahren kann man mich damit jagen. Seit "Mit dir ist alles schöner" könnte ich es mir vielleicht nochmals überlegen. Aber wenn, dann müsste das im Camp der glücklichen Camper sein. Und nicht mehr im Zelt, sondern standesgemäss im Wohnmobil, wie es dort Sitte ist - und auch erst nach der Renovation, denn:

Der Campingplatz von Franziskas Vater hat schon besser Tage gesehen, alles ist renovierungswürdig.

Dies muss Franziska mit eigenem Augen sehen, nachdem sie die Nachricht vom Tod ihres Vaters erhalten hat. Sie hat vor, den Platz so schnell wie möglich zu verkaufen, doch vor Ort merkt sie, dass es in diesem Zustand unmöglich ist - und Geld ist keines da. Dennoch tut sie alles um den Platz auf Vordermann zu bringen, mit viel Hilfe der teilweise sehr skeptischen Jahrescamper.

Eine grosse Verantwortung und viel Schulden hat sie vererbt bekommen, weshalb man Franziska, die beinahe am Verzweifeln ist, total gut verstehen kann. Die Camper sind aber eine verschworene Gemeinschaft, die sich untereinander viel mehr unterstützen, als von aussen sichtbar wird. In diesen "Genuss" wird auch Franziska kommen, aber erst müssen beide Seiten ihre Vorurteile überwinden.

Wie immer ist Kristina Günaks Schreibstil gefällig, man ist gebannt von der stimmigen Geschichte und vor allem auch sehr gespannt, wie das alles ausgehen wird. Alles dreht sich um Trauer, um Selbstfindung und um die Angst um die persönliche Lebensgrundlage.

Denn diese Angst haben alle Figuren, nicht nur Franziska. Die Camper konnte ich mir in ihren vielen Facetten bildlich vorstellen, Harald, Gitte, Trudy, Giovanni - um nur einige zu nennen. Es sind nicht einfach nur freundliche, hilfsbereite oder misstrauische Nebenfiguren, sondern eigenständige Charaktere, deren Lebensschicksale Franziska mit der Zeit kennenlernt. Jeder trägt seinen Lebensrucksack mit sich, auch Eric, der Elektriker, der überall mit anpackt. Er wird Franziska am nächsten kommen, aber ist gleichzeitig auch sehr geheimnisvoll und zieht sich immer wieder zurück, was Franziska verwirrt.

Doch wie heisst Franziska denn nun eigentlich richtig? Die Camper nennen sie alle Heike und können mit dem Namen Franziska nicht viel anfangen. Das Getue um die Namen Heike/Franziska konnte ich zwar einigermassen nachvollziehen, also weshalb Heike vor vielen Jahren die Heike ablegte und ihren zweiten Vornamen Franziska als Rufnamen wählte. Aber das Buch hätte auch ohne das Namensgedöns, das ziemlich viel Platz einnahm und ehrlich gesagt auch nervte, funktioniert. Und wenn das Namenswirrwarr überhaupt notwendig gewesen wäre: dann hätte ich es besser gefunden, wäre es der gleiche Namen in zwei Formen gewesen. Fränzi/Franziska, oder beispielsweise Vreni/Verena oder Chrigi/Christina, da hätten wir dann auch je eine "erwachsenere" Form. Dies ist aber auch mein einziger Kritikpunkt an diesem sehr schönen Camperroman.

Fazit: Eine bewegende Geschichte mit emotionalen Szenen, aber in der immer wieder auch humorvolle Sequenzen (nicht nur wegen dem vielen Eierlikör!) aufleuchten. Schön zu lesen.
4 Punkte.

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Punktet mit viel Landleben

Kalte Blüten von Julie Dubois

Es ist Frühling im Perigord. Tante Leonie freut sich, dass ihre Nichte Marie nun bei ihr auf dem Hof wohnt und seit dem Ende des ersten Bandes das Kommissariat in Périgueux übernommen hat. Die Stelle wurde frei, weil Kommissar Michel Leblanc, der neue Partner von Marie, nach Bordeaux gewechselt hat.

Eigentlich ist es gerade ruhig, doch dann werden im benachbarten Weiler bei Bauarbeiten vergrabene Leichenteile gefunden. Die Familie, deren das Land gehört, ist nicht glücklich darüber. Aber das sind sie eh schon lange nicht mehr, seit ihr Sohn bzw. Bruder Antoine vor vielen Jahren angeblich nach Australien auswanderte und sie nichts mehr von ihm hörten. Die Eltern leben zurückgezogen in Trauer, die vier Schwestern haben sich irgendwie arrangiert.

Marie Mercier und ihr fürsorglicher Assistent Richard Martin beginnen zu ermitteln. Doch Kommissar Maurice Champion mischt sich nicht nur in die laufende Ermittlung mit ein, sondern versucht auch sonst, Marie das Leben schwer zu machen. Als herauskommt, dass Champion bei Antoines Verschwinden damals federführend in den Ermittlungen war und dabei viel zu schlampig arbeitete, reicht es Marie.

Der Fall ist interessant und regt zum Miträseln an. Es kommen zwar immer mehr Puzzlesteine zusammen, aber das Ganze bleibt lange mysteriös. Bis Marie den Fall gelöst hat, gibt es einige Spaziergänge durch die Gegend und über Märkte. Auch Zwischenmenschliches hat wieder seinen Platz. Georges zum Beispiel möchte seinem Schwein Augustine einen Partner zur Seite stellen, doch Leonie ist dagegen. Leonie steht wieder viel in der Küche, ihre Nachbarin Rose wie immer am Zaun um den neuesten Klatsch mitzubekommen. Und Marie lernt den Bürgermeister von einer ganz anderen Seite kennen.

Dieser zweite Band, dessen Titel man wortwörtlich nehmen kann, ist flüssig geschrieben und wirkt lebendig mit all den unterschiedlichen Figuren. Ob es tatsächlich ein kaltblütiger Mord war, wird bei der Auflösung klargestellt. "Kalte Blüten" ist nicht so temporeich wie der erste Band, er hat mir aber dennoch gefallen.

Fazit: Ein unterhaltsamer Cosy-Krimi, der mit viel Landleben punktet.
4 Punkte.

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Nebelbänke, Wale und authentische Charaktere

Heimkehr nach Whale Island von Miriam Covi

Ich freute mich auf diesen neuen Roman von Miriam Covi, auch dieses Mal nimmt uns die Autorin mit nach Novia Scotia. Genauer gesagt auf die Wal-Insel, auf Whale Island. Die perfektionistische 34jährige Greta Lorenz begleitet ihren wortkargen Chef Duncan Sommerset auf eine Geschäftsreise nach Kanada.

Doch Greta weiss weder, dass dies Duncans Heimat ist noch hat sie eine Ahnung, weshalb ihr Chef sie mitgenommen hat, ausser dass er ihre deutschen Sprachkenntnisse angeblich benötigt Noch weniger versteht sie, als sie vor Ort spontan Duncans Ehefrau spielen soll.

Schnell aber versteht man, weshalb Duncans Angestellte ihm den Namen Eisblock verliehen haben. Greta merkt, dass etwas im Argen liegt und hofft, dass Duncan ihr seine Geschichte erzählt. Aber Whale Island macht auch etwas mit Greta, sie fühlt sich von Tag zu Tag wohler auf der Insel, zum ersten Mal fühlt sie so etwas wie Heimat in ihr drin und sie sieht dem Ende ihres Inselaufenthaltes und der Rückkehr nach New York mit gemischten Gefühlen entgegen.

Die Zeit auf Whale Island scheint abgelaufen, aber zum Glück ist "Heimkehr nach Whale Island" der Auftaktband einer Trilogie, so dass auch wir Leserinnen noch zweimal auf die Insel zurück kehren können. Ich freue mich auf den zweiten Band, wenn es um Duncan Bruder Aidan und Gretas Freundin Stella geht. Spätestens im dritten Band werden wir den dritten Bruder, Glenn, kennenlernen. Die Wartezeit beträgt zum Glück nur wenige Monate!

Doch zurück zum vorliegenden ersten Band. Das war so ein richtig schöner Wohlfühl-Roman!

Wie immer ist der Schauplatz von Miriam Covi wundervoll gewählt und ihre Beschreibungen lassen Leserinnen schon vom Flugticket nach Novia Scotia buchen träumen. Obwohl die Autorin so bildgewaltig schreibt, als ob man selbst vor Ort ist, möchte man das Setting trotzdem gerne noch mit eigenen Augen sehen und zusammen mit den Protagonisten an der Küste nach Walen Ausschau halten.

Auch Miriam Covis authentische Charaktere würde man gerne persönlich kennenlernen. Neben Duncans Familie stehen der deutsche Aussiedler Gottlieb und die Busfahrerin Rae im Vordergrund, zwei ganz tolle Figuren. Je mehr sich die Charaktere öffnen, je mehr bekommt man die tragischen und berührenden Schicksale mit, die die Autorin in den Plot dieser enorm bewegend geschriebener Familiengeschichte gelegt hat.

Fazit: Nebelbänke, Wale, Meeresrauschen - ein emotionaler und wunderschöner Schmöker!
5 Punkte.

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