Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Waldbaden mal anders
Das Licht in den Bäumen von Patricia Koelle
Wer sich draussen gerade umschaut, merkt, wie das Licht sich ändert, klarer wird und manchmal auch schon Nebenschwaden durch die Wälder ziehen. Es wird Herbst und somit ist der ideale Zeitpunkt gekommen, um "Das Licht in den Bäumen" zu lesen.
Nele bringt auf Wunsch ihrer Grossmutter eine Kiefer in den Geschichtengarten auf Rügen.
Erst als sie ankommt, merkt sie, wie nötig diese Auszeit für sie war. Die Geschichte zu der Kiefer birgt für Nele zudem eine grosse Überraschung und sie entscheidet sich, erst mal weiter zu pausieren und mietet sich eine Wohnung in der Nähe. Nele wird kreativ (also noch kreativer als sonst), versöhnt sich mit ihrer Vergangenheit, lernt viel über den Wald und viele neue besondere Menschen kennen.
Patricia Koelle schafft es erneut, die Leserinnen mit ihrem wunderbaren Schreibstil und den tollen Ideen, die sie dieser Geschichte enthüllt, an den Roman zu fesseln. Dass man auch in dieser neuen Reihe viele Bekannte aus früheren Romanen wieder zu Gesicht bekommt, macht ebenfalls Spass.
So wie Nele sich eine Auszeit gönnt, so können sich die Leserinnen mit "Das Licht in den Bäumen" eine Auszeit nehmen. Das Lesen des Romans ist fast wie ein Wellnessaufenthalt für die Seele: man erholt sich beim Lesen und kann der Seele Raum geben, möchte am liebsten gleich selbst in einen Wald gehen und Ausschau halten und hin hören. Nach was? Nach etwas Besonderem, das man gerne mit eigenen Augen sehen und Ohren hören würde.
Dieses besondere Etwas in der Geschichte verrät noch etwas, und das quasi von alleine: es wird in dieser Reihe drei weitere Bände geben. Am Ende des Buches gibt es einen Vorgeschmack auf den zweiten Band, der im Frühling 2023 erscheinen wird und in dem Franzi, die Wirtin eines kleinen Cafés aka Imbiss, die man hier schon kennenlernen durfte, die Hauptrolle übernehmen. Ich bin schon sehr neugierig, wie Franzi da hineinpasst.
Fazit: Der Seele Raum geben und Waldbaden - für einmal braucht man dafür keinen Wald, sondern einfach nur diesen Roman.
5 Punkte.
Aufschlussreiches Finale
Das Wunder küsst uns bei Nacht von Gabriella Engelmann
Alle guten Dinge sind drei - das trifft auch auf die Lütteby-Trilogie zu, denn in diesem dritten und finalen Band werden endlich alle offenen Fragen geklärt.
"Das Wunder küsst uns bei Nacht" ist somit der spannendste Band der Reihe. Auch hier schliesst sich der neue Band nahtlos an den Vorgängerband an.
Lina, die sehr geschockt ist vom plötzlichen Auftauchen ihrer Mutter, muss sich neben der Frage, wieso ihre Mutter nun so einfach in Lütteby erscheint, in diesem Band auch noch mit vielem anderen auseinandersetzen und herumschlagen.
Lina nimmt einen neuen Job an, aber ob sie dort wirklich glücklich wird? Der Chef ist bekanntlich kein einfacher Zeitgenosse. Jonas ist beruflich oft in London, und Lina fehlt das gemeinsame Reden, sein offenes Ohr. Vor allem, weil Sinje nicht viel Zeit für einen gemütlichen Abend hat und in ihrer neuen Beziehung zudem nicht hundertprozentig glücklich ist und gewisse Spannungen auszuhalten hat. Es ist also mächtig was los in Lütteby.
Dieser Band ist der wohl emotionalste und der einzige Band, der ein bisschen tiefer geht. Auch wenn die Welt von Lina keineswegs heil ist, schon gar nicht am Anfang von "Das Wunder küsst uns bei Nacht", empfinde ich die Trilogie ein bisschen als "Heile Welt"-Lektüre. Vielleicht wirkt es anders, wenn man alle Teile direkt nacheinander liest (was aufgrund der offenen Erzählstränge besonders im ersten Band äusserst empfehlenswert ist).
Fazit: Friede, Freude, Eierkuchen - ein nettes Finale der Lütteby-Reihe mit Happy End.
4 Punkte.
Was wäre, wenn.... du diesen Roman einfach liest?
Sonnenblumentage von Frieda Bergmann
Auf Frieda Bergmanns neuen Roman war ich sehr gespannt, erst recht als ich sah, dass er statt die in der Vorschau angegebenen 450 Seiten plötzlich 640 Seiten umfasste. Bei solch einer hohen Seitenzahl können sich leicht Längen ergeben, doch das war in "Sonnenblumentage" zum Glück nicht der Fall.
Die vielen Seiten lasen sich leicht und es braucht tatsächlich fast alle Seiten, um beide Varianten der Geschichte zu erzählen.
Vielleicht habt ihr euch auch schon manchmal selbst gefragt, was wäre, wenn ihr euch in dieser oder jenen Situation anders entschieden hättet. Wäre mein Leben ganz anders verlaufen? Wo würde ich jetzt sein? Mit wem?
Und vielleicht habt ihr euch auch beim Lesen von Romanen auch schon mal vorgestellt, was wäre, wenn die Protagonistin sich ganz anders entschieden hätte. Manchmal ist man als Leserin ja nicht so einverstanden mit den Entscheidungen der fiktiven Figuren in den Büchern.
Frieda Bergmann hat nun genau eine solche "Was wäre, wenn"-Geschichte vorgelegt. Ihre Protagonistin Marie lebt nach dem Tod ihrer Mutter in einem kleinen Dorf. Sie arbeitet als Floristin in der Gärtnerei ihrer Schwiegermutter in spe und bewohnt theoretisch eine kleine Mansarde, ist aber öfters eine Etage tiefer bei ihrem Freund anzutreffen. Als Marie sich mit ihren Tanten zu einem Wellnesswochenende trifft und dabei einiges nicht wie geplant klappt, stellt sie sich die Frage: bleiben oder doch nach Hause fahren?
Ab diesem Zeitpunkt verläuft der Roman in zwei Ebenen - der "bleiben" und der "gehen"-Strang. In der einen Geschichte lernt sie neue Leute in ihrem Leben kennen, die ihr eine Perspektive geben könnten. Hoffnung und neue Inspiration, die sie nach dem Trauerjahr wieder willkommen heisst. Im anderen Strang arbeitet sie weiter für ihre Schwiegermutter und baut sich mit ihrem Freund eine Zukunft auf.
Ich wusste schnell, welche Geschichte ich lieber für Marie hätte - meine Sympathiepunkte habe ich ganz schnell vergeben - aber ich war auch sehr gespannt, wie beide zu Ende gehen. Ich dachte erst, dass die beiden Geschichte ein gemeinsames Ende haben, zwei Wege, ein Ende. Aber es läuft auf zwei Wege und zwei Enden raus. Dies ist auch mein einziger Kritikpunkt, denn das eine Ende war gar nicht nach meinem Geschmack. Beim anderen Ende hätte man aber auch auf etwas verzichten können. Kurz gesagt: in beiden "Ende"-Varianten war mir zu viel Drama mit dabei. Die Wege dahin fand ich aber gut - beide.
Dieser "Was wäre, wenn"-Ansatz finde ich klasse und es war interessant, sich auf die beiden Wege einzulassen. Das war mal ein total anderes Leseerlebnis. So was würde ich wieder lesen mögen, vielleicht dann nicht so ausführlich, aber generell würde mich sicherlich nochmals auf einen "Was wäre, wenn"-Roman einlassen. Ganz toll fand ich zudem, dass das Bild auf dem Cover und der Titel inhaltlich extrem wichtig sind und deshalb auch perfekt zum Inhalt passen.
Jedes neue Kapitel ist mit "wenn sie bleibt" oder "wenn sie geht" und mit einem Sprichwort überschrieben. Wer wie ich die Übertitel nur schell überfliegt um im Lesefluss zu bleiben, bekommt gleich im ersten Satz mit, wo es nun gerade weiter geht, so dass man zu keiner Zeit ein Durcheinander mit den beiden Geschichten hat.
Frieda Bergmanns Schreibstil ist flüssig. Sie macht es den Leserinnen leicht, sich die diversen Gebäude, Gärten und Blumensträusse bildlich vorzustellen. Einige der Charaktere mochte ich bedeutend lieber als andere, am liebsten aber mochte ich die Tanten und die Iren. Einige Überraschungen - auch in personeller Hinsicht - die beide Geschichten verbinden, sind enthalten und sorgen für Schmunzler , deshalb:
Fazit: Was wäre, wenn... du diesen Roman einfach liest? :-)
4 Punkte.
Nicht nur in der Bahn lesenswert
Das Wunder von Bahnsteig 5 von Clare Pooley
Jeder, der öfter mal mit der Bahn unterwegs ist, weiss, dass aus fremden, sich anschweigenden Mitreisenden durch kleine spezielle Vorfälle Berührungspunkte entstehen können, sei es durch ein nachfolgendes Schmunzeln oder ein Gespräch.
So eine Szene hat Clare Pooley auserkoren als Einstieg in "Das Wunder von Bahnsteig 5".
Hier geht es um Pendler, die normalerweise stillschweigend täglich morgens und abends im selben Wagen, am liebsten am selben Platz sitzen - wehe der "eigene" Sitz ist besetzt!
Man kennt sich vom Sehen, jeder hat in Gedanken seine Mitreisenden längst begutachtet und Spitznamen verteilt. Am auffallendsten ist Iona, die an Mary Poppins heran kommt, wenn es darum geht, alles Mögliche aus der Tasche zu ziehen. Doch auch ihr Kleidungsstil, ihr Schosshündchen Lulu, das einen eigenen Platz bekommt - wogegen sich niemand laut wert - und Ionas Art fallen auf.
Jeder hat seine eigenen Sorgen, so auch der Schnösel im Anzug, Piers. Als er sich eines Morgens verschluckt, ändert sich alles. Iona ruft um Hilfe, Sanjay als Krankenpfleger hilft - und sie alle sind zukünftig keine Fremden mehr. Sie setzen sich zueinander, lernen sich kennen, erst halten alle ihre Schutzschilder noch hoch, doch bald schon lassen sich die fünf Pendler fallen und beginnen sich zu öffnen. Die scheue Martha, die in der Schule gemobbt wird, bekommt Tipps und Hilfe. Sanjay hat mit den Erlebnissen auf der Arbeit zu kämpfen und würde Emmie gerne daten. Die Endzwanzigerin arbeitet in der Werbung, sie würde aber lieber etwas Sinnvolleres machen und wird ausserdem gestalkt, was sie niemandem erzählt. Iona arbeitet bei einer Zeitschrift und wird aufgrund von ihrem Alter, 57, auf die Reservebank verfrachtet. Dabei hatte sie früher so ein aufregendes Leben und fühlt sich nicht zu alt für ihren Job.
Sie alle machen im Lauf der Geschichte einiges durch - die so unterschiedlichen Charaktere zu begleiten macht unheimlich viel Spass. Lustige, humorvolle Szenen wechseln sich mit traurigen oder nachdenklichen Szenen ab und am Ende legt man das Buch seufzend weg - gerne hätte man die inzwischen lieb gewonnen Figuren noch weiter begleitet. Aus einer Zwangsgemeinschaft hat die Autorin eine befreundete Clique erschaffen. Freunde findet man dort, wo man es nicht erwartet, das hätte wohl auch keiner ihrer Romanfiguren gedacht.
Es lohnt sich, nicht nur auf seine Mitreisenden einen zweiten Blick zu werfen, auch diesen Roman solltet ihr in der Buchhandlung nicht zurück lassen. "Das Wunder von Bahnsteig 5" gehört auf jeden Fall zu den Jahreshighlights - ruhig und warmherzig, aber eben auch sehr unterhalten und witzig.
Fazit: Herzliche und humorvolle Unterhaltung - nicht nur in der Bahn lesenswert. Für jeden Pendler unbedingt empfohlen.
5 Punkte.
Was ein Wunschbaum mit einem Radiosender verbindet
Mein einziger Wunsch bist du von Jen Gilroy
"Der Wunschbaum in Irish Falls", so der Originaltitel übersetzt, steht in der Nähe von Annies Zuhause in der Gegend der Adirondack Mountains, in Irish Falls. Da, wo jeder jeden kennt. Annie glaubt nicht mehr an Wünsche, weshalb sie auch schon lange keine weiteren Wünsche an den Baum hängt.
Der in Irish Falls beliebte Radiobesitzer und -moderator Jake ist verstorben, nun warten alle, dass Jakes Neffe nach Irish Falls kommt und sein Erbe antritt. Annie, für die Jake wie ein Vater war, ist erstaunt, als der Neffe eines Tages überraschend in der Bäckerei steht und sie in ihm den bekannten Songwriter Seth Taggart erkennt.
Seth hat keine Ahnung, was er alles erbt und ist überrascht, dass er von seinem Onkel, zu dem der Kontakt bereits in seiner Kindheit abbrach, überhaupt etwas vererbt bekommt. Sein Erbe ist an eine Bedingung geknüpft, die ihm nach einigem Überlegen gut gelegen kommt.
Misstrauisch beäugt von den Einwohnern, hilft Annie ihm, sich zurecht zu finden. Sie freunden sich an und merken, dass da noch andere Gefühle mit im Spiel sind. Doch es ist kompliziert. Beide sind alleinerziehend: Seths Sohn studiert und hält kaum Kontakt; Annie hat eine 16jährige Tochter, die nichts anderes will, als Sängerin werden. Annie möchte aber, dass Hannah erst noch die Schule zu Ende bringt oder etwas lernt, um ein zweites Standbein zu haben, falls das mit der Musik nicht hinhauen sollte. Hannah versteht das nicht, doch Annie hat ihre Gründe, wie ihre Geschichte zeigt.
Freundschaft, Familie, Gemeinschaft und Liebe sind zentrale Themen. Aber, wie könnte es anders sein, wenn ein Songwriter die Buchbühne betritt und einen Radiosender übernehmen soll, steht auch die Musik im Vordergrund. Und längst nicht nur wegen Seth oder Hannah...
"Mein einziger Wunsch bist du" ist eine bezaubernde Kleinstadt-Romanze, ein schöner und stimmiger Auftakt zu der "Irish Falls"-Reihe. Die Charaktere sind allesamt liebeswürdig, haben nachvollziehbare Probleme und hoffen auf zweite Chancen. Das Setting des fiktiven Irish Falls nahe der Grenze zu Kanada überzeugt und man könnte sich selbst vorstellen dort zu leben oder zumindest mal eine Reise dorthin zu unternehmen und sich den Wunschbaum und andere Sehenswürdigkeiten in der Nähe mit eigenen Augen anzusehen. Natürlich würden tägliche Besuche in der Bäckerei dazu gehören, damit man sich durch alle Spezialitäten durch probieren könnte. Vielleicht, wenn man Glück hat, käme man noch in den Genuss eines spontanen ad hoc, könnte ja sein. Dieser Auftakt macht auf jeden Fall Lust, auch den nächsten Band zu lesen, in dem es um Annies Schwester, die jung verwitwete Tara geht.
Wer noch nie einen Roman von Jen Gilroy gelesen hat, sollte hier zugreifen. Ich selbst mochte schon die "Firefly Lake"-Reihe der Autorin, aber erst ab dem zweiten Band so richtig, doch diesen ersten Band der "Irish Falls-"Reihe gleich schon von Anfang an. Der Roman hätte, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, mehr als 4 Punkte verdient. Aber den einen Punkt mehr spare ich mir für den zweiten Band auf.
Fazit: Das tolle Setting und die sympathischen Figuren sorgen für gemütliche und unterhaltende Lesestunden - vielleicht hängt Annie am Ende ihrer Geschichte ja wieder einen Wunsch an den Baum, wer weiss.
4 Punkte
Grandiose Kulisse und tolle Lovestory
Neuanfang auf Whale Island von Miriam Covi
In "Heimkehr nach Whale Island", dem ersten Band der Trilogie, lernten wir Aidan, den Bruder von Duncan bereits kennen - auch Stella ein wenig, aber nur am Telefon. Nun kommt sie endlich auf die Insel. Der neue Job als Restaurantmanagerin in der Cameron Lodge kommt ihr gerade gelegen, denn aus Bangkok mussten sie weg - ihrer Tochter Feli zuliebe.
Doch Feli zickt bei der Anreise rum, verständlicherweise, nochmals neu irgendwo beginnen ist nicht einfach. Erst recht nicht nachdem was in der alten Schule passierte. Sie muss erst wieder vertrauen lernen.
Dasselbe gilt für ihre Mutter Stella, aber auch für Aidan. Die beiden gifteln sich ständig an, unnötig oft, aber ebenfalls ihrer Vergangenheit geschuldet. Doch unter der ganzen schlechten Laune brodelt es - die zwei haben sich ineinander verguckt und gestehen es sich nicht ein. Beide haben eine Teenietochter, sie stehen damit am selben Punkt im Leben, aber einfach ist es nicht. Erst recht nicht, als Popstar Jackson sich mit Stella und Feli anfreundet. Aidan ist eifersüchtig und Stella muss erst mal ihre Gefühle ordnen.
Obwohl es eine Playlist zum Roman gibt, hatte ich bei den Szenen um Aidan und Stella immer einen anderen Song im Ohr: "Kiss the Girl".
Dazwischen treffen wir auf Bekannte aus dem ersten Band: Rae, die fahrende Bibliothekarin und Aidans Schwester Sky, natürlich auch Greta und Duncan und einige mehr. Höhepunkt dieses Romans ist neben dem Finale auf jeden Fall auch sie Szene, als die beiden Wale im neu eröffneten Whale Sanctuary ankommen.
Ich hab diesen zweiten Band in in einem Tag ausgelesen - das sagt glaub alles! Miriam Covi hat mich mit "Neuanfang in Whale Island" zum Lachen, Schmunzeln und Geniessen gebracht. Die Figurenauswahl, vor allem Jackson, fand ich toll gewählt, er ist der richtige Mensch in dieser Situation für Feli.
Die kleine Insel und seine Bewohner*innen sind mir sowas von sympathisch. Beim Lesen fühlt man sich, als ob man selbst für einige Tage vor Ort ist und alles live mitverfolgen kann. Zum Glück darf man dies alles noch einmal geniessen, im Herbst, wenn der dritte Band um den dritten Cameron-Bruder, der bisher noch unbekannte Glenn, der auf die Insel zurück kehrt, erscheint. Auch seine Schwester Sky wird dann hoffentlich ihr Glück finden. Ihr wisst ja, Rae hat immer Recht!
Fazit: Grandiose Kulisse vereint mit einer tollen Lovestory und tollem Schreibstil. Gerne immer wieder mehr davon.
5 Punkte.
Spannend wirds erst gegen Ende
Bella Donna. Die Herrin von Mantua von Catherine Aurel
Nach dem ersten Band der "Bella Donna" bzw. "Die Töchter Italiens"-Trilogie war ich sehr begeistert (eins meiner 2021-Jahreshighlights) und freute mich auf die vorliegende Fortsetzung - die man übrigens auch ohne Vorwissen des ersten Bandes gut lesen kann.
Camilla del Giocondo (genannt Calla) und Samuele Bellani lieben einander, doch die Standesunterschiede sind zu gross, weswegen sich die beiden nur heimlich treffen können.
Als Unerwartetes geschieht, fliehen die beiden aus Florenz und arbeiten fortan beide am Hof von Isabella d'Este, der Herzogin von Mantua. Samuele, Erbe des Florenzer Kosmetikhauses Bellanis, mischt Cremen, Salben und allerlei andere Schönheitsmittel zusammen und möchte Calla heiraten. Calla dachte bisher zwar auch, dass sie Samuele liebt, doch sie hat einen geheimen Wunsch, den sie Samuele erzählen möchte, aber sie verpasst den richtigen Zeitpunkt und zudem ist sie sich bald ihrer Liebe zu ihm nicht mehr so sicher.
Calla fühlt sich nach einem Vorfall immer mehr bedroht, was sie erst noch für sich behält, doch die Gefahr wird immer grösser. Bis Calla endlich herausfindet, wer dahinter steckt, schweben einige andere Personen in Lebensgefahr. An dieser Stelle wird der Roman spannend, leider erst jetzt, denn bis dahin, also fast bis zum Ende, plätschert die Geschichte ein bisschen vor sich hin, auch wenn viel passiert. Ein bisschen Dramatik hier, ein bisschen knisternde Atmosphäre da, aber leider keine durchgehende Spannung.
Ich hätte es besser gefunden, wenn das, was Isabella am Ende schildert, schon früher, gerne häppchenweise, erzählt hätte. So bleibt Isabella eine launische Frau, bei der niemand weiss, ob man ihr trauen kann oder nicht. Die Gründe für die diversen Anschläge und die Täterschaft derselben werden erst am Ende bekannt, für mich kam das ziemlich unerwartet. Da hätte ich gerne früher schon Andeutungen erfahren, damit ich den Roman spannender empfunden hätte. So wusste ich nur, dass einige Leute in Gefahr waren, einige eine konfuse Rolle spielten und es zum Teil um ein Bild ging, um das sich Legenden ranken. Mir fehlte darin der rote Faden, der sich erst am Ende, bei Isabellas Rede und noch später, zeigte.
Samuele, in seinem Arbeitswahn alles vergessend, fand ich gut dargestellt, auch Federico, der als Sohn von Isabella d'Este seinen Platz nicht gefunden hat und obwohl oft grossspurig daherkommend, zutiefst unsicher und unglücklich ist. Calla, die oft sofort sagt, was sie denkt, fand ich in einem Punkt, nämlich, dass sie Samuele aus ihrem Herzen oft aussperrte, nicht so glaubwürdig. Morgantino nervte mich praktisch immer - aber ich glaube der Autorin, die für genaue Recherchen bekannt ist, dass Hofnarren genauso sein müssen, wie sie Morgantino gezeichnet hat.
Fazit: "Die Herrin von Mantua" kommt leider bei weitem nicht an die "Die Schöne von Florenz" heran. Am Ende macht zwar alles Sinn, aber da sehr vieles viel zu lange in der Schwebe ist, empfand ich diesen historischen Roman stellenweise langatmig.
3.5 Punkte.
Zwischen Lehrerzimmer, Garten und Küche
Wo dein Herz zuhause ist von Jana Lukas
Es gibt wieder eine neue Trilogie von Jana Lukas! Schauplatz dieses Mal ist das alte Schulhaus am Starnberger See, in dem Felicia mit ihrer verstorbenen Grosstante eine Kochschule aufgebaut hat und auch dort wohnt. Ihre Familie will, dass sie "den alten Kasten" verkauft, doch Felicia hängt dran.
Nun sucht sie Mieter, um das Schulhaus zu halten und den Cousin auszubezahlen. Ein Inserat soll ihr die passenden ruhigen Mieter bringen - doch dann kommt alles anders und Ben zieht als Erstes ein.
Ben war mir vom ersten Moment an sehr sympathisch - in ihn könnte man sich glatt verlieben. Doch Felicia ist sehr zurückhaltend. Und ausserdem hat sie ja noch ihren Freund und andere Sorgen. Felicia nimmt das Leben schwer und tut sich auch selbst schwer mit Veränderungen. Ihre neuen Mitbewohner aber kümmern sich und holen Felicia aus ihrer Komfortzone, so dass Felicia auch mal etwas wagen muss.
Und wir wissen ja alle, wer wagt gewinnt. Dass Ben, Jule und Lina ins alte Schulhaus eingezogen sind, ist definitiv ein Gewinn, denn die vier ergänzen sich mit ihren Talenten gegenseitig perfekt. Ben, der Landschaftsarchitekt, ist meine Lieblingsfigur. Jule, die einen Concierge-Service ins Leben gerufen hat und Lina, die fliegende Kinderbetreuerin, sind auch super interessante Charaktere, weshalb ich mich sehr auf die zwei weiteren Bände freue. Felicia ist liebenswert, aber mir war sie manchmal zu naiv. An ihrer Stelle hätte ich Martin schon längst auf den Mond geschossen.
Jana Lukas überzeugt in "Wo dein Herz zuhause ist" einmal mehr, der Schreibstil ist flüssig und die Geschichte interessant, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen will. Die Idee, als Wohnhaus ein altes Schulhaus zu nehmen, finde ich ganz toll. Jeder von uns verbindet mit diversen Klassen- oder Lehrerzimmer Geschichten, weshalb man bei den Szenen im Schulhaus so manches Mal schmunzeln muss. Ein grosses Plus - und was nicht jedes Schulhaus zu bieten hat - ist die Lage am See mit Privatstrand und grossem Garten. Würde ich je wieder in eine WG ziehen wollen, dann liebend gerne zu Felicia, Ben, Lina und Jule!
Fazit: Eine tolle WG hat sich in diesem ersten Band zusammengefunden. Die kurzweilige Geschichte um Felicia und Ben unterhält bestens, und ich bin nun schon mega gespannt auf Linas und Jules Geschichte.
4 Punkte.
Überarbeitung wäre besser gewesen
Die Toten von Fleat House von Lucinda Riley
Auf Lucinda Rileys letzten Schubladenroman (mehr darüber in meiner Rezension zu "Das italienische Mädchen") "Die Toten von Fleat House" war ich sehr gespannt, denn ich war neugierig, wie Lucinda Riley sich als Krimiautorin macht.
Vorausschicken möchte ich, dass ihre anderen alten Romane von ihr bearbeitet wurden, ehe sie zum Teil neu oder erstmalig veröffentlicht wurden.
Doch bevor sie sich über diesen Krimi Gedanken machen konnte, verstarb sie viel zu früh. Ihr Sohn entschied sich, ihn so zu belassen wie der Krimi 2006 geschrieben wurde. Ich verstehe das, doch ich denke, der Geschichte hätte eine Überarbeitung gut getan.
Nicht, weil es 2006 noch keine automatische Spracherkennung bei Telefonen gab oder aufgrund anderen technischen Errungenschaften der letzten 16 Jahre (manchmal stutzte ich und dachte, das müsste man doch sehen oder einfacher sein herauszufinden, aber dann musste ich mir vor Augen halten, dass der Krimi vor diesen Zeiten geschrieben wurde). Sondern weil die erzählte Geschichte zu ausufernd geschildert wird. Viele Figuren sind mit dabei und von allen wird viel persönliches erzählt - und dabei trotzdem noch viel geheim gehalten. Dies alles geht auf Kosten der Spannung.
Diese war nämlich nicht sehr gross, obwohl die Täterschaft bis am Ende verborgen blieb und man erst gegen Ende zu raten vermochte, wer für den Tod von Charlie und anderen verantwortlich ist.
DI Jazz Hunter als Ermittlerin gefiel mir sehr gut, ich könnte mir sehr gut weitere Fälle mit ihr vorstellen. Sehr schade, dass das nun nicht möglich ist, jetzt, wo man Jazz kennen gelernt hat und sie ready für neue Ermittlungen wäre.
Die Geschichte an sich, der tote Junge in Fleat House, und alles was damit zusammen hängt, war per se nicht schlecht. Bei so vielen Beteiligten ist klar, dass es seine Zeit braucht, bis Jazz mit allen gesprochen hat und einigermassen durchblickt. Auch der Schauplatz in Norfolk, insbesondere auch das Ansetzen des Falls in einem englischen Internat, gefiel mir. Doch mir fehlte der Spannungsbogen - ich hatte nie das Bedürfnis so schnell wie möglich weiter lesen zu wollen, wie das bei interessanten und spannenden Büchern der Fall ist. Ja, ich habe mich beim Lesen gelangweilt, obwohl so viele Hintergrundgeschichten geboten wurden - wahrscheinlich genau wegen diesen unzähligen Nebengeschichten.
"Die Toten von Fleat House" erinnerte mich stark an J.K. Rowlings "Ein plötzlicher Todesfall", das aber viel unsympathischere Figuren (und eine hier zum Glück nicht vorhandene vulgäre Sprache) beheimatet. Gemeinsam haben die beiden Bücher viele Längen und viel zu viele Charaktere mit zu vielen Dialogen. Bei beiden wäre weniger mehr gewesen.
Fazit: Als Auftakt einer Reihe wäre ich okay mit "Fleat House" und könnte die Längen, auch wenn ich sie nicht gut finde, verzeihen. Als Stand Alone müsste dieser Krimi viel fesselnder sein. Und deshalb wäre eine Überarbeitung meiner Meinung nach (trotz allem Verständnis wieso man sich dagegen entschieden hat) dringend nötig gewesen.
3.5 Punkte.
Eine geheimnisvolle Beobachtung
Bretonische Nächte von Jean-Luc Bannalec
Ich nehm es vorweg: dieser elfte "Kommissar Dupin"-Band, "Bretonische Nächte", hat mich bestens unterhalten. Lediglich zwei Begegnungen gab es, von denen ich ich am Ende noch etwas Aufklärendes oder einen Zusammenhang erwartet hätte, doch mit soviel Tempo blieb dafür wohl keine Zeit mehr - oder ich hab schlichtweg zu viel hinein interpretiert.
Denn auch wenn die Truppe es am Anfang noch sehr gemütlich nimmt, sobald bekannt ist, dass Kadegs Tante verstorben und er kurz darauf selbst in ihrem Garten verletzt aufgefunden wird, gibt es keine ruhige Minute mehr für Dupin, Riwal, Nevou und Nolwenn. Verstärkt werden sie vor Ort durch Anne Carman und ihrem Team.
Der Schauplatz, eine alte umgebaute Abtei mit einigen Nebengebäuden hat viel Atmosphäre. Der dazugehörige grosse gepflegte Garten mit einigen seltenen Pflanzen und unverstelltem Meerblick ebenso. Dort unten am Meer und auf den umliegenden kleinen Inseln leben viele Vogelarten, deren Bestand von mehreren Personen beaufsichtigt wird. Einige spezielle Beobachtungen diesbezüglich hat die Tante von Kadeg wohl gemacht, aber Genaueres bleibt unklar. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren und nimmt alle und alles genau unter die Lupe.
Es bleibt nicht viel Zeit für Kaffee und Essen, so rasant ist dieser neue Fall in "Bretonische Nächte". Dennoch bleibt Zeit um die lokalen Spezialitäten zu geniessen. Da möchte man sich als Leserin gerne dazu setzen.
Dies ist mittlerweile ja der elfte Band und oft ist es so, dass die Qualität bei Reihen ab dem sechsten oder siebten Band weniger wird und die Fälle an Spannung verlieren. Bei der "Kommissar Dupin"-Serie ist das Gegenteil der Fall und ich habe das Gefühl, dass der Autor jetzt erst so richtig tief im Dupin-Universum angekommen ist und seit dem neunten Fall total in seinen Ideen aufgeht - das beweist auch dieser tolle elfte Band, der spannend und geheimnisvoll ist, und dessen Auflösung stimmig präsentiert wird.
Fazit: "Bretonische Nächte" - ein anderer Titel hätte zwar weit besser gepasst, aber zu viel verraten - ist fesselnd, super unterhaltend und überzeugt vollends.
5 Punkte.











