Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Wohlfühllektüre trotz Sabotageakten

Ein Sommer in den Hamptons von Karen Swan

Ein Sommer ohne ihren Freund - eigentlich ein ganzes Jahr, denn Rowenas Freund Matt offenbarte sich äusserst spontan, dass er auf Weltreise gehen will, bevor er sich endgültig für sie entscheidet. Rowena fliegt für einen Job nach New York und entschliesst sich an einer Party, den Sommer über in den Hamptons zu verbringen.

Zuhause ist ja eh niemand, also kann sie diesen Sommer ja auch für sich selbst nutzen. Der Gastgeber der Party lädt sie quasi in die WG-Villa ein. Unter anderem aus Eigennutz, den er braucht die Miete. Rowena lässt sich darauf ein, als Fotografin kann sie an jedem Ort arbeiten.

Doch so einfach wie gedacht, wird es nicht. Es dauert, bis sie ihre ersten Kunden hat. Dass sie diese Ted, einem Typen, mit dem sie an ihrem ersten Tag aneinandergeraten ist, verdankt, passt ihr nicht. Trotzdem muss sie froh darüber sein, denn durch die neue Kundschaft und Ted lernt sie die Hamptons besser kennen. Hier erlebt sie einige Abenteuer mit ihren WG-Mitbewohnern, beginnt die Dünen zu schützen und überdenkt ihr bisheriges Leben.

Der Beginn des Romans fand ich ein wenig suspekt. Kaum in New York, schon die erste Party - ich zweifelte, ob das nach meinem Geschmack ist, wenn es so weiter geht. Einige Partys gibt es später zwar auch in den Hamptons, doch die sind dann recht gut ins Geschehen gesetzt und man merkt schnell, dass es kein Party-Roman ist wie ich anfänglich befürchtete.

Rowena lebt sich einigermassen gut ein und fühlt sich wohl in der Zufalls-WG mit Hump (der immer viele originelle Ideen hat), Bobbi, die nur an den Wochenenden vor Ort ist (und zur guten Freundin wird) und Greg, der noch seltener anwesend ist.

Ro(wena) lernt sehr einfach neue Leute kennen, gerät dann aber zwischen die Fronten - einer Naturschutz-Gruppe rund um Florence, der sich Rowena anschliesst, auf der einen Seite und Politiker, die noch mehr bauen möchten, auf der anderen Seite. Dazu Ted Connor, den Rowena an einem falschen Tag kennenlernte, dadurch beide zu Vorurteilen kamen, die nur schwerlich abzulegen sind.

Es machte Spass, "Ein Sommer in den Hamptons" zu lesen. Trotz meiner anfänglichen Skepsis wurde die Geschichte gut und blieb nicht oberflächlich. Humorige Szenen wechseln sich ab mit spannungsgeladenen und emotionalen Kapiteln.

Fazit: Wohlfühllektüre mit viel Meer, Sand, Liebe und dennoch auch ernsten Themen.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Nicht nur im Sommer lesenswert

Eine Insel zum Verlieben von Karen Swan

Chloé arbeitet in einer Concierge-Firma in New York, ein Ableger derselben Firma in London - ihr Ex-Freund Tom arbeitete wie sie dort, deshalb wollte sie weg. Nachdem nun ihre Arbeitskollegin in NYC einen Unfall hat, muss Chloé deren exklusive Luxus-Kunden übernehmen. Für diese Kunden wird alles gemacht, was eigentlich unmöglich erscheint.

Ein neuer Kunde, Joe Lincoln, soll auch gleich noch aufgenommen werden.

Für ihn soll Chloé nach einer abgeschiedenen griechischen Inselvilla suchen - einfacher gesagt als gesucht. Als Tom unerwartet in New York auftaucht, nutzt Chloé die Chance und begleitet Joe nach Griechenland. Und dennoch sollte sie rund um die Uhr für ihre anderen Kunden erreichbar sein, die natürlich ausgerechnet jetzt zum Teil in Schwierigkeiten geraten oder weitere Extrawünsche adressieren.

In Zwischenkapiteln wird von einer unbekannten Frau erzählt. Ich war gespannt, wie diese Nebenstory in die Hauptgeschichte reinpasst, doch bis es soweit war, passiert extrem viel. Chloé merkt erst in Griechenland unter welch enormen Druck sie steht. Ausserdem verfällt sie dem Charme von Tom, obwohl sie ihr Privatleben strikt vom Job trennt.

Dieser eigentlich typische Sommer-Roman, den man aber rund ums Jahr geniessen kann und wird, wartet mit überraschenden Twists auf, bringt das aus Kriminalromanen bekannte "Whodunit"-Gefühl mit und besticht mit tollen, teilweise recht geheimnisvollen Charakteren.

Es ist zudem eine Reise um die Welt. Neben Amerika, London und der griechischen Insel Hydra geht es auch nach Südfrankreich.

Über die Themen möchte ich nichts verraten, damit es für alle spannend bleibt. Spannend ist "Eine Insel zum Verlieben" sehr, auch wenn es zwischendurch eine oder zwei Längen gibt - aber wahrscheinlich war ich einfach zu ungeduldig auf die Lösung des Rätsels - und ich war froh, dass ich den Roman nicht aus der Hand legen musste und ihn somit an einem einzigen Tag auslesen konnte. Aber auch wenn man den Roman an mehreren Tagen liest, wird die Geschichte die Leserinnen begeistern.

Fazit: Toller Pageturner - nicht nur im Sommer lesenswert!
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Sieben Jahre im Koma

Sommerträume am Meer von Karen Swan

Bell ist Nanny bei Familie Mogert in Stockholm. Sie mag ihre Arbeit, und auch ihre WG, in der sie mit ihren Freunden lebt. Alles total easy. Doch als sie eines Morgens einen Anruf bei den Mogerts entgegen nimmt, verändert sich alles. Denn Hanna und Max haben Bell verschwiegen, dass Hannas Ehemann seit 7 Jahren im Koma liegt.

Nun ist er erwacht - und das Leben wird kompliziert für alle.

Vor allem, als er kurz darauf seinen Sohn Linus sehen möchte. Nach langen Gesprächen einigen sie sich darauf, dass Hannah und Max im Sommer, den sie mit der Familie traditionell auf einer Schäreninsel verbringen, den Kontakt zu Linus Vater langsam ermöglichen wollen, müssen.

Es ist keine leichte Kost, die Karen Swan uns mit "Sommerträume am Meer", im Original "The Hidden Beach", vorgelegt hat. Dieser Strand spielt eine wichtige Rolle im Buch - der nichtssagende deutsche Titel beschönigt den Inhalt und wird der Geschichte nicht gerecht.

Die Emotionen aller Beteiligten sind stark, die Situation überfordert und die Geheimnisse und Gefühle müssen endlich ans Licht kommen und ausgesprochen werden. Linus wird zum Spielball beider Seiten. Bell als relativ neutrale Person versucht das in Grenzen zu halten. Doch auch sie hat in diesem Kontext zu kämpfen - nun erfährt man ihre Vergangenheit, die auch nicht ohne ist.

Die Gefühle von Emil, der sieben Jahre verpasst hat, während das Leben um ihn weiter ging, und alles Weitere, was so ein langes Koma mit sich bringt, hat die Autorin eindrücklich geschildert. Als Leserin fragt man sich unweigerlich, wie man selbst in der entsprechenden Situation - nicht nur als Emil, auch als Hanna, Max oder Bell - handeln würde. Manchmal versteht man die eine oder andere Entscheidung der Figuren nicht und steht mehr auf der Seite des Gegenübers, einige Seiten später versteht man den anderen Charakter besser.

Diese Geschichte lässt sicher niemanden kalt, aber man muss sich darauf - und all die Emotionen, die sie mit sich bringt - einlassen. Ausgleichend wirken die Beschreibungen der schönen schwedischen Schären-Landschaft: das perfekte Ambiente für diesen Roman.

Fazit: Packendes Drama um einen Mann, der jahrelang im Koma lag.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Unterhaltender als Vorgängerbände

Mondlichtzauber von Debbie Macomber

In diesem 6. Band ist einiges los - Beziehungskrisen en masse. In der Beziehung zwischen Justine und Seth kriselt es seit dem Brand im Restaurant. Obwohl sie es besser wüsste, trifft sich Justine mit Warren, weil er immer gerade da ist, wenn sie jemanden zum Reden braucht. Mit Seth sprechen geht nicht, er ist so in der Idee verfangen, den Aufbau des Restaurant so schnell wie möglich voranzutreiben.

Allison hat Angst, dass Anson, der verschwunden ist und sich nur sehr selten bei ihr meldet, etwas mit dem Brand zu tun hat.

Linette versteht nicht, dass Cal immer weniger Zeit für sie hat und eine wichtige Entscheidung nicht erst mit ihr bespricht, sondern sie in einer grossen Runde kund tut.

Rachels Freund, der in der Armee ist, ist eifersüchtig, dass Rachel nicht einfach so zur Verfügung steht, wenn er mal frei hat, und sie sich oft mit Jolene und deren Vater Bruce trifft.

Die einzige Unbekümmerte in Cedar Cove ist Friseurin Terri, die dem Schach-Champion Bobby Polgar auf spontane und ungewöhnliche (aber legale) Weise hilft, zu gewinnen. Bobby, der sich den Umgang mit anderen Menschen nicht gewohnt ist, möchte daraufhin Terri kennenlernen.

Auch hier wird am Anfang wieder einiges wiederholt aus den Vorgängerbänden, das ist bei dieser Reihe leider schon Usus. Doch zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, nicht alle Figuren schon zu kennen und alles zu wissen.

Inhaltlich fand ich das Verhalten einiger Charaktere reichlich einfältig. Besonders jenes von einigen der Männer wie Jon und Cal beispielsweise. Das Handeln von Justine (am Anfang) und Linette (am Ende) zeugte nicht wirklich von Reife. Dagegen wirkten Allison und Anson geradezu richtig erwachsen.

Spass hingegen machte die Geschichte um das sehr gegensätzliche Paar Terri und Bobby. Dank diesen beiden lohnt sich die Lektüre von "Mondlichtzauber".

Fazit: Unterhaltender als die Vorgängerbände.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Nett, für mehr reichts nicht

Ein Lied für Molly von Claudia Winter

Claudia Winters Romane gefielen mir eigentlich immer sehr gut. Doch hier, mit "Ein Lied für Molly" tat ich mich sehr schwer einen Einstieg zu finden. Die Kapitel, und somit die Erzählperspektive, wechseln oft, so dass ich mich nicht an einem der beiden Erzählstränge festlesen konnte. Zudem fesselten mich beide Geschichten überhaupt nicht.

Erst nach einem Viertel der Seiten, gerade an dem Zeitpunkt, an dem ich den Roman nicht mehr weiterlesen wollte, gab es eine - räumliche - Entwicklung. Da wusste ich, dass es von nun an besser wird.

Bonnie, die in einem Dubliner Bus Musiknoten findet, verspricht ihrem Sohn Josh den Besitzer zu finden und die Noten zurück zu geben. Doch die Suche endet nicht bei Professor Robert Brenner, sondern führt sie weiter an die Westküste Irlands. Hier in Ballystone werden die Reisenden nett aufgenommen, von den meisten Einwohnern jedenfalls.

Es war von da an nett, aber mehr auch nicht, obwohl ich Polizist Dan, Wirtin Eireen, Nachbarin Brenda und den Priester mit ihren Eigenheiten mochte. Trotz Wendepunkt ab den Geschehnissen in Ballystone konnte mich dieser Roman nicht begeistern.

Ich denke, ich wäre besser mit der Geschichte zurecht gekommen, wenn man nach einem kurzen Prolog mit Bonnie, die die Noten findet, die gesamte Molly-Geschichte an einem Stück erzählt hätte. Und wenn dann, ebenfalls an einem Stück, die weiteren Ereignisse in der Gegenwart gefolgt wären. Wahrscheinlich wäre ich in dieser Form eher in der Geschichte drinnen gewesen.

Mich hätte aber das "Ding" um Liams "Porsche" auch so gestört. Diese Episode war zum Ende hin zwar super versöhnlich, aber dieses "Ding" hätte es für mich nicht gebraucht. Ich hätte lieber eine Entwicklung von Liam gesehen. Auch Bonnies Getue betreffend dem Schuleintritt von Josh hätte man entweder gar nicht oder ausführlicher behandeln können. Ich hab das Problem echt nicht begriffen.

Für mich sehr unüblich, sass ich über eine Woche an diesem Roman, bzw. am ersten Viertel, den Rest hab ich in zwei Tagen gelesen, aber ich hatte nie wirklich Lust um weiter zu lesen, mir fehlte der gewisse Kick in der Geschichte.

Fazit: Der erste Teil des Romans konnte mich nicht packen, der zweite Teil war nett, mehr aber nicht.
3.5 Punkte

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Liest sich ganz gut

Der Tote im Netz von Frauke Scheunemann

Der erste Band der neuen Krimireihe um Radioreporterin Franziska Mai und Kommissar Kay Lorenz liest sich ganz gut.

Damit Stellen im Bäderland-Radio erhalten bleiben, wenn es bald von einer grossen Kette übernommen wird, denkt sich Franziska ein neues Format aus: Einwohner können sich über Ungerechtigkeiten beschweren, über die das Radio dann berichten wird.

Hiermit erfindet Franziska Mai zusammen mit Praktikant Jannis quasi die Grundlage der weiteren Kriminalfälle, die in Zukunft auf die beiden und Kommissar Lorenz warten.

So eine Ungerechtigkeit meldet auch ein Fischer, der sich vom Amt kontrolliert und drangsaliert fühlt. Kurz nach der ersten Kontaktaufnahme ist der Fischer tot. Als Zeugin und Reporterin fühlt sich Franzi berechtigt, selbst zu ermitteln und dem neuen Kommissar unter die Arme zu greifen.

Dies sorgt natürlich für einige Schmunzelmomente, wenn Kay und Franziska sich in die Haare bekommen, oder wenn sich Praktikant Jannis auch noch einmischt.

Wie meistens in einem Reihenauftakt dauert es ein wenig, bis alles in Fluss kommt. So auch hier, doch sobald Franzi und Jannis sich an des Fischers Sohle heften, läuft es rund.

So rund, wie es mit einer nicht sehr einfachen Protagonistin halt laufen kann. Manchmal wirkt Franzi sehr überambitioniert und egoistisch, doch sie hat das Herz am rechten Fleck. Kay Lorenz hingegen ist ein eher verschlossener Typ, der es mit der Zeit in Kauf nimmt, sich helfen zu lassen - die Reporter kommen an Dinge ran, die er als Kommissar nicht so komplikationslos herausfinden könnte. Der eher ruhige Jungsporn Jannis trumpft oft mit guten Ideen auf. Somit ergänzt sich das Ermittler-Team dieser Reihe gut.

Den Fall an sich fand ich gut aufgebaut. Es gab einige Verdächtige, viele Verdachtsmomente und bis die wahren Täter verhaftet werden können, hat man mit den Ermittlern einige Kilometer auf Usedom und Umgebung hinter sich gebracht und fast auch ein wenig Sightseeing betrieben.

Nun bin ich gespannt auf den zweiten Band; darauf, wie sich das alles entwickelt.

Fazit: Kurzweiliger und "Lust auf mehr"-machender Krimi-Auftakt.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Blitzschnell ausgelesen

Töchter des Glücks von Maria Nikolai

Nach dem ersten, sehr gelungenen Band freute ich mich auf die Fortsetzung der Bodensee-Saga. Nachdem Helena die Hauptfigur im ersten Band war, ist es hier die zweitälteste Schwester: Lilly.

Lilly, die im ersten Band den Lindenhof Richtung Stuttgart verliess, ist nicht lange die glückliche Braut - Arno muss kurz nach der Hochzeit an die Front und bald darauf wird er vermisst.

Mit Hilfe von Arnos Onkel Fritz kümmert sie sich um die Seifenfabrik und beginnt sogar an einer eigenen Kosmetiklinie zu arbeiten.

Lilly wurde sehr gut dargestellt. Ihre Ängste, die ersten Schritte in der Fabrik zu machen, ihre Schwangerschaft, die Ungewissheit, ob sie nun eine Kriegswitwe ist oder nicht, bis hin zum Mut einen neuen Geschäftszweig zu gründen und nicht zu wissen, was die Zukunft für sie bereit hält. Ihre Entwicklung von der etwas naiven jungen Frau im ersten Band, die geblendet von der ersten Liebe, sofort heiraten wollte in diesen unberechenbaren Kriegsjahren zu einer Frau und Mutter, die sich für das Weltgeschehen interessiert und ihre Wünsche ausformulieren kann, hat mir sehr gut gefallen.

Während wir Leserinnen Lilly in Stuttgart begleiten und auch immer wieder mitbekommen, was in Meersburg vor sich geht, erleben wir in einem anderen Erzählstrang wie Felix Benthin in Stuttgart ankommt und sich um eine Stelle in der Seifenfabrik bemüht - um einen ganz bestimmten Auftrag zu erfüllen. Felix ist ein ganz besonders interessanter Charakter und all das was er in seinem Berufsleben erlebt, ist spannend geschildert und man erfährt einiges über die Verbindungen der damaligen Zeit.

Während Band 1 "Töchter der Hoffnung" sich innerlich und äusserlich (abgesehen von Russland) hauptsächlich in Meersburg und der näheren Umgebung abspielte, öffnet und weitet sich der zweite Band äusserlich nach Europa aus und auch die Charaktere lassen die Weite der Welt in ihre Gedanken und inneren Überzeugungen ein.

Fazit: Und auch dieser Band war wieder blitzschnell ausgelesen - dieser historische Roman bietet beste Unterhaltung mit extra vielen Spannungselementen.
5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Mitreissende 592 Seiten

Töchter der Hoffnung von Maria Nikolai

"Töchter der Hoffnung" lag schon lange auf meinem SuB-Stapel, doch als ein Spaziergang in Begleitung der Autorin am Schauplatz in Meersburg am Bodensee stattfand, mit späterer abendlicher Lesung im Rosengarten-Museum in Konstanz (welches im zweiten Band eine kleine Rolle spielt) zu Band 2, hab ich am Vorabend endlich angefangen darin zu lesen.

Ich sträube mich immer dagegen, dicke Bücher zu lesen und verschiebe sie immer auf später. Aber wenn ich ich dann mal dran bin, dann sind sie im Nullkommanix ausgelesen, besonders wenn die Autorin Maria Nikolai heisst.

Die Geschichte um den Lindenhof und die Schwestern hat mich von Anfang an gepackt. Dass ich dann mittendrin noch den Schauplatz mit eigenen Augen sehen konnte, motivierte natürlich gleich noch mehr, den Roman auf der Rückreise zu Ende zu lesen.

Helena versteht sich nicht gut mit ihrer Stiefmutter Elisabeth - aber auch ihre Halbschwestern haben Mühe mit der Art, wie Elisabeth mit der Situation umgeht. Diese will den Lindenhof verkaufen, weil das Gasthaus kriegsbedingt leer steht. Doch die Schwestern, allen voran Helena, weigern sich und stellen sich Elisabeth in den Weg. Ihr traut sie nicht über den Weg. Und ausserdem möchte Helena später das Gasthaus wieder beleben, Torten backen, ein Grandhotel eröffnen. Davon träumt sie zumindest, doch in der aktuellen Zeit haben es Träume schwer, erfüllt zu werden.

Auch die beiden anderen Schwestern träumen sich ihre Zukunft schöner, als die Gegenwart gerade ist. Katharina würde gerne Medizin studieren, Lilly, die mittlere Schwester, Kosmetik herstellen. Beide sehen, dass noch einige Zeit vergehen wird bis sich ihre Träume eventuell erfüllen werden. Sie stehen mit beiden Füssen auf den Boden - naja, Katharina mehr als Lilly. Denn Katharina hilft im Krankenhaus mit, weshalb die drei Schwestern auf die Idee kommen, den Platz im Lindenhof als Lazarett zu nutzen. Bis auf Elisabeth sind alle angetan und helfen tatkräftig mit, sogar Lilly und Pater Fidelius.

Neben den Ereignissen in Meersburg wird noch die Geschichte vom russischen Adligen Maxim erzählt, der im Laufe des Romans auch deutschen Boden betritt. Sein Erzählstrang bringt ein wenig Kriminalfall-Touch mit in den Roman. Irgendwann ahnt man den Zusammenhang der beiden Erzählungen und freut sich noch mehr auf den Ausgang dieses ersten Bandes.

Die Charakter sind wunderbar beschrieben, deren Handlungen passen zu den Figuren. Auch historische Figuren kommen vor. Im Nachwort wird erwähnt, welche Szenen für den Roman angepasst wurden und welche historisch belegt sind. Meine Lieblingsfigur ist ganz klar Pater Fidelius, der oft mit nur einem kurzen Spruch alle aufmuntern kann.

Es machte mir viel Spass "Töchter der Hoffnung" zu lesen, Maria Nikolais Schreibstil ist, wie aus der "Schokoladenvilla-Saga" bereits bekannt, fesselnd. Immer wieder überrascht sie mit zeitgeschichtlichen Details, die sie wie nebenbei einfliessen lässt.

"Töchter der Hoffnung" ist geprägt von den Entbehrungen des 1. Weltkriegs und damit verbundener harter Arbeit. Es bleibt aber immer ein Hoffnungsschimmer, der sich wie ein roter Faden durch den Roman schlängelt.

Fazit: Die 592 Seiten lesen sich weg wie nichts, so mitreissend ist dieser erste Band einer Trilogie.
5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Leise und laute Nachbarn

Ein neuer Sommer in der kleinen Bäckerei von Jenny Colgan

Unerwartet für mich ging es mit der kleinen Bäckerei am Strandweg weiter. Dieses Mal stehen aber andere Charaktere im Vordergrund. Deshalb könnte man diesen Band auch ohne Vorkenntnisse der Vorgänger lesen. Interessanter ist es aber auf jeden Fall, wenn man die Hintergründe der Bäckerei, die Geschichte mit dem Leuchtturm, die diversen Turbulenzen auf der Gezeiteninsel und "Neil, the Puffin" bereits kennt.

Marisa Rossi, die sich nach dem Tod ihres Grossvaters in einem Loch befindet, lässt sich auf einen Tausch mit ihrem WG-Genossen ein. Marisa soll nach Cornwall in einen Bungalow ziehen, der seiner Familie gehört, damit seine Freunde bei ihm in der Londoner WG wohnen können. Marisa lässt sich darauf ein. Da sie kaum mehr rausgeht, kommt es ja nicht drauf an, wo sie wohnt.

Die Ruhe, die sie wollte, findet sie in Mount Polbearne allerdings nicht, denn nebenan wohnt der laute russische Klavierlehrer Alexei. Tagsüber spielen seine Schüler, abends und nachts er selbst. Marisa getraut sich nicht, etwas zu sagen, nur langsam nimmt sie Kontakt zu ihm auf. Und dies auch nur auf Druck ihrer italienischen Grossmutter, mit der sie oft telefoniert.

Es war schön zu sehen, wie Marisa langsam wieder Lebensmut erlangt und auch Alexei sich anderen gegenüber öffnet. Dazu trägt natürlich auch die kleine Bäckerei teil. Polly arbeitet wie immer zu viel und könnte Hilfe gebrauchen.

Langweilig wird es hier nicht - nicht nur bei den neuen Nachbarn läuft viel, auch bei Polly zuhause. Ein Leuchtturm ist ja nur bedingt geeignet um Kinder grosszuziehen, und so erleben Polly und Huckles Kinder Avery und Daisy zusammen mit Papageientaucher Neil einige Abenteuer.

Für einmal gebührt aber nicht Neil die Ehre als geheimen Star des Romans, sondern Marisas Grossmutter.

Jenny Colgan schreckt nie davor zurück, Charaktere mit wirklichen Problemen, hier eine Angststörung, einzubauen und präsentiert uns einen Roman über unterschiedliche Kulturen, Freundschaft und on the top: gutem Essen. Die Seiten sind gefüllt mit einer schönen, herzerwärmenden Story und wie immer ist alles charmant mit einer grossen Portion Humor verpackt.

Fazit: Wer eine aufmunternde Geschichte lesen möchte, und die Welt da draussen für einige Stunden vergessen will, sollte hier unbedingt zugreifen.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Twist- und dramareich

Sterne über Rom von Karen Swan

Francesca Hackett geniesst das Leben in ihrer Wahlheimat Rom ausführlich - sie bloggt darüber und wenn sie nicht zu spät kommt, führt sie Touristengruppen durch die Stadt. Eines Tages findet Cesca eine gestohlene Handtasche mit einem sehr alten ungeöffneten Brief darin und bringt beides zurück - ihrer berühmten, aber nicht oft sichtbaren Nachbarin, einer Viscontessa, die in einer versteckten Villa gegenüber der Piazza lebt.

Viscontessa Elena lebt zurückgezogen und kommt nach dem Besuch auf die Idee, dass Cesca ihre Memoiren schreiben könnte. Doch dazu müsste Elena sich öffnen, was ihr schwer fällt. Erst als Cesca Nachforschungen anstellt und sie Elena mit ersten Ergebnissen konfrontiert, beginnt sie zu erzählen.

Von Rom erlebt man nicht viel (wenn man die Stadt eh schon kennt) und erneut war es mir zu viel Getue um Luxusmarken. Für mich hätte es deshalb Cescas Gegenwartsstrang nicht haben müssen, oder nur stark gekürzt, ich fand sie etwas in die Länge gezogen. Von mir aus hätte Karen Swan nur Elenas Geschichte erzählen können, obwohl mir beide Frauen nicht sonderlich sympathisch waren.

Elenas Story fand ich aber gut erzählt und durchaus interessant, da die Autorin stückweise immer wieder Geheimnisse lüftet. Schön eins nach dem anderen. Liebe und Männer kommen darin vor, wie auch in Cescas Leben, die sehr gerne flirtet - aktuell am liebsten mit Nico, der gerade im Palazzo arbeitet und, wen wunderts, auch ein Geheimnisträger ist.

Es ist nicht der beste Roman von Swan, aber schlecht ist er auf jeden Fall auch nicht. Ich konnte ihn in den Ferien an einem Tag am Stück lesen. Ich weiss aber nicht, ob ich drangeblieben wäre, hätte ich "Sterne über Rom" im Alltag mit all den normalen Ablenkungen gelesen (mal zehn Minuten in der Bahn, mal eine Stunde zuhause, etc.), denn bis Elena und Cesca sich gegenseitig vertrauen und die Geschichte Fahrt aufnimmt, dauert es. Am Ende wird es aber in beiden Strängen spannend, dramareich und intensiv.

Fazit: Ein twistreicher Roman über Liebe und Geheimnisse und vor allem über das Leben einer amerikanischen Erbin, die bereits mit 26 Jahren mehrfach verheiratet war und später ihre Geheimnisse hinter den Mauern des Palazzos hütet.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand