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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Tolle Krimireihe, leider der letzte Band
Das verschwundene Fräulein von Elsa Dix
Christian Hinrichs will Viktoria von der Fähre abholen, doch da kommt ihm ein Zwischenfall dazwischen - und kaum ist Viktoria von Bord, werden beide von Badekommissar von Treptow zum Ferienhaus des Flottenadmirals Manteuffel gerufen. Seine jüngste Tochter Ilse ist spurlos verschwunden. Der Admiral denkt, Ilse wäre aufgrund seines Berufes entführt worden und will Christian daran hindern in alle Richtungen zu ermitteln - was er auch trotz Verbot tut.
Die Frau des Admirals hat eine andere Vermutung als ihr Mann. Die teilt sie Viktoria mit. Und so ermitteln Christian und Viktoria getrennt, informieren sich aber mehr oder weniger (ihr könnt euch ja vorstellen, auf wen sich das "weniger" bezieht) über ihre Ergebnisse. Viktoria ist froh, kann sie sich detektivisch betätigen, denn ihre Tante Rosamunde hat sie in die Sommerfrische begleitet und will Victoria unbedingt mit - in ihren Augen - heiratsfähigen Männern bekannt machen. Victoria verbringt ihre Zeit lieber anders, am Ende ist dann die Tante doch noch versöhnt.
Einmal mehr wartet Elsa Dix mit einem spannenden und vielseitigen Kriminalfall auf. Wie in den Vorgängerbänden ist man sofort im Geschehen dabei und hofft zusammen mit Christian und Viktoria auf baldige Ermittlungserfolge. Humorige Szenen wechseln sich mit aktionsreichen Szenen ab, langweilig wird es nie, auch wenn Victoria "nur" im Café sitzt und Kuchen isst.
Wie ich erst nach dem Lesen dieses vierten Bandes erfahren habe, ist "Das verschwundene Fräulein" der leider letzte Band dieser Reihe. Ich hätte gerne erlebt wie Victoria noch einmal ermittelt, es wäre äusserst interessant geworden zu sehen, wie sie das in ihrer neuen Rolle meistern wird. Immerhin wissen nun neue Leser, dass es sich bei der Reihe um einen Vierteiler handelt und man die dafür sehr schnell nacheinander durchsuchten kann, denn die Seebad-Reihe ist echt gut und verbindet historische Begebenheiten an einem wunderbaren Schauplatz mit einer kreativen Krimihandlung.
Fazit: Danke, Elsa Dix, für die schönen Lesestunden, die ich nicht nur mit dem "verschwundenen Fräulein" sondern auch mit den drei vorherigen Bänden verbringen durfte - eine tolle und äusserst lesenswerte Krimireihe!
4 Punkte.
Kreativ und spannend
Dunkle Verbindungen von Gil Ribeiro
Nach dem fünften und schwächsten Band war ich gespannt, wie es in Fuseta weiter geht. Während in Band 5 der Anfang sehr langsam und harzig beginnt, überstürzen sich hier in Band 6 gleich zu Anfang die Ereignisse.
Erst wird auf einer Golfanlage eine tote Frau gefunden, dann ein Geldtransporter überfallen.
Der mutet ähnlich an, wie viele Jahre zuvor bereits ein ähnlicher Überfall, bei dem Graciana ihren Bruder verlor und seitdem ihr Vater im Rollstuhl sitzt. Graciana denkt, sie sei die Einzige, die richtig kombiniert hat - alle andern aber kommen auf dasselbe Ergebnis und lassen sie ermitteln, im Wissen, wie wichtig die Erfassung dieser Täter für die Familie Rosado ist.
Leander Lost wird immer besser im Chiffrieren der Verhaltens- und Sprechweise seiner Kollegen. Soraya kann mit ihrem Fachwissen in der Therapie für Miguel helfen, auch Leander spielt eine ungewöhnliche Rolle in der Heilung von Miguel. Und Carlos? Ist einfach Carlos und unterstützt Graciana auch im Stillen.
"Dunkle Verbindungen" ist um einiges besser als "Einsame Entscheidung" und ich hätte fast 5 Punkte vergeben, doch ich habe doch einige Kritikpunkte, die ich erwähnen muss: als klar war, weshalb die Frau sterben musste, wird dies gleich abgehakt. Ich hätte mir auch einige weitere Sätze gewünscht, bei anderen Tatsachen, die als Kollateralschaden abgelegt werden.
Dafür fand ich es toll, Duarte mal ganz klein und ruhig, fast schon sensibel, zu erleben. Diese Szenen wurden super gut beschrieben - eine ganz tolle Idee, dass der eitle Pfau sein Gedächtnis verliert. Die schönste Szene ist die, in der Leander, Miguel und Duarte gemeinsam an einem speziellen Ort entspannen. Da spürte man einen Hauch von Freundschaft.
Kreativ gehen auch die Raubüberfälle vonstatten. Gil Ribeiro hat sich da einiges einfallen lassen und zudem gut recherchiert. Die Psychologie und Wesen der Gangsterbande hat der Autor gut beschrieben, natürlich wie immer auch die Konflikte zwischen Portugiesen und Spanier. Wie gewohnt ist auch viel Lokalkolorit mit dabei, gerne würde man sich bei Rosados mit an den Tisch setzen und dem neuesten Klatsch und Tratsch lauschen.
Fazit: Dieser Band punktet mit kreativen Ideen und ist erneut sehr spannend.
4 Punkte.
Eine Geschichte mit Tiefgang
Das Glück in den Wäldern von Patricia Koelle
Das Lesen von "Das Glück in den Wäldern" (und auch alle anderen Bücher von Patricia Koelle) wirkte auf mich wie ein entspannter Urlaub, der einen sofort mit bereits wenig gelesenen Sätzen vom Alltagsstress runter holt. Buchen sind es diesmal, die im zweiten Teil der Sehnsuchtswald-Reihe eine Rolle spielen.
Im ersten Band waren es Kiefern.
Als Franzi erfährt, dass sie schwanger ist, getraut sie sich endlich, Kontakt zu ihrer älteren Schwester Luna aufzunehmen. Luna schob dies auch schon lange vor sich hin und als sie sich endlich vorgenommen hat, dies im Sommer zu tun, kommt ihr Franzi zuvor. Nach fast 30 Jahren der Trennung haben sie sich viel zu erzählen, und vor allem auch Luna kann Franzi endlich erzählen, weshalb sie und ihr Vater Stellan sich nahe standen.
Der Roman ist eine Reise in die Vergangenheit der beiden Schwestern, erzählt aber auch vom hier und jetzt, vom Annähern der beiden, die ihren Vater und seine Art liebten und im Laufe des Romans weitere Leute kennenlernen, die Stellan und seine besondere Art gekannt haben.
Es ist eine eher ruhige Geschichte, geschuldet der Aufarbeitung der Kindheit der Protagonistinnen, aber auch dem Thema "Hochsensibilität". Es gibt weniger Schauplatzwechsel als üblich, trotzdem gibt es ein Wiedersehen mit dem Geschichtengarten. Auf dieser "Reise" kommen Franzi und Luna auch dem Geheimnis des zweiten Windes aus Band 1 auf die Spur.
Patricia Koelle findet immer wieder spezielle Dinge oder Begebenheiten, die sie in ihren Romanen unterbringt. Wenn ich beim Lesen solche "Dinge" entdecke, freue ich mich direkt schon beim Lesen auf ihre Erklärung im Nachwort, wo sie die gefunden oder wie sie sich real zugetragen habe.
Fazit: Wie immer sorgen ein idyllisches Setting, interessante Figuren und eine Geschichte mit Tiefgang für schöne Lesestunden.
5 Punkte.
Schlaflose Zeiten
Kretische Nacht von Nikos Milonás
Schlafen? Wird überbewertet. Die "Bösen" auf Kreta agieren aktuell gerne Nachts. Weshalb Michalis Charisteas und Pavlos Koronaios in ihrem fünften Fall viel zu wenig Schlaf bekommen. Zuerst zerschellt ein Boot an einem Felsen, mitten in der Nacht, und nicht nur die beiden Kommissare werden zum Tatort gerufen, auch Jorgos und sogar Karagounas erscheinen vor Ort.
Dass der Polizeihef himself hinkommt ist schon sehr speziell - auch einige andere Dinge, die er in diesem Fall macht.
Die Kreter mögen es zu tratschen, reden aber gar nicht gerne mit der Polizei. In diesem Fall haben es Michalis und Koronaios mit schwierigen Zeitgenossen zu tun: zum einen schützt Revierleiter Christos Minotis seine Dorfbewohner eher, als dass er den Kommissaren etwas preisgibt, zum anderen hauen Zeugen immer wieder ab, und niemand erzählt wirklich etwas Bedeutendes. All das, plus weitere Nachtruhestörungen, erschweren die Ermittlungen der beiden Kommissare aus Chania.
In all dem Gewirr schaffen es Michalis und Pavlos dann doch noch Licht in die dunkle Nacht zu bringen. Privatleben ist kaum drin. Dabei hat Michalis etwas im Sinn. Leider hat seine Familie Wind davon bekommen. Und, erraten, die Familie gibt kaum Ruhe, bis Hannah wieder im Land ist.
Thematisch geht es in "Kretische Nacht" unter vielem anderen um Archäologie und Tourismus, auch um Korruptionsverdacht (warum darf der eine an bester Strandlage bauen und der andere nicht?), ein bekanntes Thema an Urlaubsdestinationen weltweit und leider immer wieder aktuell. Nikos Milonas nähert sich dem Thema an und umrahmt damit seinen neuesten Kriminalroman.
Mit diesem fünften Fall hat der Autor erneut einen intensiven und fesselnden Fall geschaffen. Oftmals gibt es in Krimi-Reihen so um den vierten oder fünften Band herum schwächere Fälle, doch Nikos Milonas hält bisher den Spannungsbogen konstant hoch. Vielleicht gibt es im nächsten Band auskunftsfreundlichere Zeugen, so dass für Abwechslung gesorgt ist. Obwohl ihm die Ideen für weitere Fälle wohl nicht so schnell ausgehen.
Eine schlaflose Nacht haben vielleicht auch die einen oder anderen Leser - nicht weil sie wie Charisteos aus dem Schlaf gerissen wird, sondern weil sie erst gar nicht ans Schlafen denken, solange dieser Band nicht ausgelesen ist.
Fazit: Auch diesen kniffligen Fall lösen Charisteas und Koronaios gekonnt!
5 Punkte.
Grandios - emotional und bodenständig
Die Bibliothek der Hoffnung von Kate Thompson
Dass Menschen vor Bombenangriffen Schutz in U-Bahn-Stationen suchen, ist uns heutzutage spätestens seit den Bildern von letztem Jahr aus der Ukraine bekannt. Nicht nur Schutz, sondern auch eine Zuflucht und eine Art Wohnungsersatz bot im zweiten Weltkrieg auch eine Londoner Tube-Station.
In der Haltestelle Bethnal Green gab es neben Schlafmöglichkeiten und anderem auch eine kleine Bibliothek.
Bücher, das wissen wir seit der Pandemie, sind keine Luxusgegenstände, sondern tägliche Notwendigkeit. Buchhandlungen und Bibliotheken können den Menschen viel Gutes tun. Nicht nur für Kinder, die lesen lernen und denen damit eine ganz neue Welt eröffnet wird, sind Bücher ein grosser Segen. Dies denkt auch Clara Button, die Leiterin der Bibliothek in der Station Bethnal Green, um die es in "Die Bibliothek der Hoffnung" geht. Zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Ruby Munroe unternehmen sie alles Mögliche und Unmögliche, um den Kindern und Frauen im Shelter und draussen in den Fabriken das Lesen zu ermöglichen.
Clara hat ihren Mann im Krieg verloren, sie liebt ihre Arbeit, aber ihre Mutter und ihre Schwiegermutter gängeln Clara immer wieder. Die beiden wollen, dass Clara aufhört zu arbeiten. Ruby hat ihre Schwester verloren und fühlt sich schuldig. Hilflos fühlt sie sich gegenüber ihrer Mutter Netty, die von ihrem zweiten Mann Victor, einem Alkoholiker, geschlagen wird. Ihre Mutter kommt nicht los von ihm.
Eines Tages sucht ein Ami-Soldat Ruby - sie hat Eindruck hinterlassen und er gäbe alles, damit sie erneut mit ihm ausgeht. Doch Ruby stellt Forderungen. Nach allem was sie sah, glaubt sie nicht an die Liebe. Als eines Abends Clara auf dem Heimweg belästigt wird, hilft ihr Sanitäter Billy. Der Pazifist leidet enorm unter der Kriegszeit, verliebt sich in Clara. Doch ist sie bereit?
Die Kapitel widmen sich abwechselnd Ruby oder Clara. Die zwei Frauen sind sehr gegensätzlich und doch wurden sie schnell zu besten Freundinnen. Neben ihnen beiden werden noch viele weitere Schicksalsgeschichten erzählt, die erstaunlich gut in die Hauptgeschichte eingewebt sind. Etwa die von Tubby und Sparrow, die der Shelter-Leiterin Mrs Chumbley, Mr Pepper, Beatty und Marie und viele weitere mehr. Neben Victor gibt es noch weitere "Bösewichte": besonders in der Figur von Mr Pinkertone-Smythe, ein Vorsitzender des Bibliothekenausschusses und Chef von Clara.
Die Autorin erzählt im Nachwort, belegt mit Fotos, was damals genau passierte mit der Bibliothek und Bethnal Green und was sie daraus für ihren Roman verwendet hat, ebenso was fiktiv ist.
Es sind enorm intensive fünfhundert Seiten. Ich musste das Buch immer mal wieder weglegen. Nicht weil es langweilig war, im Gegenteil, sondern nur, um das Gelesene zu verdauen. Denn Kate Thompson schildert anschaulich die Brutalität des Alltags normaler Menschen während dem Kriegsgeschehen und dies auf eine enorm eindrückliche Art und Weise. Es war nicht nur bloss eine Bibliothek, nicht nur Unterkunft, sondern eine enge Gemeinschaft, die viel miteinander erlebten und alle einander halfen. Die Autorin nimmt die Leser*innen mitten hinein nach Bethnal Green und lässt sie ganz nah an Clara und Ruby das Geschehen miterleben.
Für mich war auch der Ausflug nach Jersey sehr interessant, denn was damals auf den Kanalinseln ablief, hab ich bisher noch nie mitbekommen.
Fazit: Ein grandioser Roman - emotional, und doch sehr bodenständig. Jetzt schon eins meiner Jahreshighlights im Jahr 2023!
5 Punkte.
Eine verschwundene Halskette gibt Rätsel auf
Der Tote auf der Treppe von Anne Glenconner
Obwohl es von Anne Glenconner bereits einen anderen übersetzten Roman gibt, der bei mir subt, hab ich zuerst zu ihrem aktuellen Krimi gegriffen.
Genremässig kann man "Der Tote auf der Treppe" zu Romanen oder zu Krimis einordnen, denn die Geschichte, die Glenconner erzählt, ist mit vielen autobiografischen Erinnerungen gespickt.
Die Geschichte spielt in den 50er Jahren in England, als sich das Land von den Kriegsjahren erholt.
Es gibt aber Rückblenden, die von Annes Kindheit erzählen, als sie während dem Krieg alleine bei ihrem Grossvater lebte. Alleine als Kind, aber leider nicht unbeaufsichtigt. Die Dienstboten waren gut zu Anne, doch die Gouvernante, die extra für Anne eingestellt wurde, war ein Drachen der übelsten Sorte. Vor dem Grafen super nett, hintenrum alles andere als nett. Und zwar so böse, dass man beim Lesen hofft, dass diese Szenen nicht autobiografisch sind.
Die Autorin erzählt in der Vergangenheitsschiene, was damals auf dem Anwesen und im Dorf vor sich ging und versucht damit, die Ereignisse in der Gegenwart, also um 1950, zu erklären und eine Verbindung herzustellen.
Zusammen mit dem jungen Maler Charles, "ermittelt" Anne, wer für den Tod ihres Grossvaters verantwortlich ist, denn für sie ist klar, dass es sich dabei nicht um einen Unfall handelt.
Mir gefiel nicht nur die Mischung zwischen realen Geschehnissen und der erfundenen Krimi-Handlung, sondern auch der spezielle, etwas langsamere Erzählstil. Viele geheimnisvolle Episoden sorgen für Spannung und halten das Interesse an der Aufklärung hoch.
Auch ohne den Plan des Anwesens am Anfang des Buches konnte ich mir das Haus mit seinen vielen Räumen und Stockwerken wie auch die Umgebung sehr gut vorstellen. Anne Glenconner erzählt bildlich und lebendig, bei den Szenen mit Annie und ihrem Kindheitsfreund Johnnie auf ihren Fahrrädern musste ich oft lachen. Aber auch die Gefühle der Charaktere konnte sie mir gut vermitteln.
Fazit: "Der Tote auf der Treppe" hat mir gut gefallen, so gut, dass "Lady Blake und das Grab im Meer" nicht mehr lange auf meinem SuB bleibt.
4 Punkte.
Einbruchserie beschäftigt Franzi und Kay
Mord am Haff von Frauke Scheunemann
Im zweiten Fall für Franzi Mai und Kay Lorenz geht es um eine Serie von Einbrüchen in Ferienwohnungen. Die Polizei kommt nicht vorwärts, da die Täter keinerlei Hinweise hinterlassen. Erst als es bei einem weiteren Einbruch ein Todesopfer gibt und Kay Lorenz übernimmt, nehmen die Ermittlungen Fahrt auf.
Franzi ist durch einen Einbruch bei einer ihr bekannten Person auf eine interessante Spur gestossen, die sie weiter verfolgt - und sogar Unterstützung von einem Journalisten aus Polen bekommt. Was sie davon an Kay weiter gibt und was nicht, hängt von der jeweiligen Beziehungsstimmung ab. Und auch davon, was Volontär Janis für besser hält, denn auch er liegt nicht auf der faulen Haut. Auf ihn kann sich Franzi verlassen.
"Mord am Haff" ist unterhaltend, der Humor ist allgegenwärtig und die Charaktere haben sich weiter entwickelt. Wie bereits im ersten Band erfährt man auch hier einiges über das Privatleben der drei Hauptfiguren. Die Anziehungskraft zwischen Franzi und Kay ist allgegenwärtig, nur das mit einigen ruhigen Stunden zu zweit will einfach nicht klappen. Die Arbeitsbeziehung zwischen Janis und Franzi steht auf gleicher Höhe, obwohl Janis nur Volontär ist und manchmal dann doch die von Franzi ungeliebten Arbeiten übernehmen muss.
Es machte Spass, den Krimi zu lesen. Trotzdem musste ich an einigen Stellen über Franzi den Kopf schütteln. Ermitteln muss sie noch ein bisschen üben, jedenfalls was Hintergrundrecherchen betreffen. Diesbezüglich macht sie in jugendlicher Übermut einige Fehler. Ich hätte ihr gerne von Anfang an zurufen wollen, dass sie sich vielleicht doch selbst mal den Computer setzen sollte (oder Janis mit gewissen Abfragen beauftragen) und erst nach getaner kurzer Recherche aufbrechen soll. Doch wie immer ist sie schneller aus ihrem Büro raus und vor Ort am ermitteln als dass "Amen" gesagt ist. Vielleicht lernt sie ja für ihren nächsten Fall etwas dazu. Die Kombination Journalistin - Kriminalkommissar finde ich jedenfalls immer noch gut.
Fazit: Gute Krimi-Unterhaltung an einem tollen Schauplatz - nicht nur im Usedom-Urlaub lesenswert.
4 Punkte.
Grossartig erzählt
Die Töchter von Kew Gardens von Posy Lovell
Etwa zwanzig Jahre nach den Geschehnissen in Band 1 ("Die Gärtnerinnen von Kew Gardens") ist dieser zweite Band angesetzt. Ivys Tochter Daisy weiss nichts mit sich anzufangen, nachdem ihr frisch angetrauter Ehemann Rex einberufen wird. Sie entscheidet sich, sich in Kew Gardens zu melden, um dort zu arbeiten.
Dort soll sie zusammen mit Beth einen Schaugarten errichten, als Vorbild für die Einwohner Londons, die so sehen, wie sie auf kleinstem Raum eigenes Gemüse anbauen können.
Krankenschwester Beth hat sich eigentlich auf eine andere Anzeige gemeldet. In Kew Gardens werden Ärzte und medizinische Angestellte gesucht, um Medizin herzustellen. Da Beths Vater, ein stadtbekannter Arzt, Beth verbietet Medizin zu studieren, *das ist nichts für Frauen*, hofft sie, in Kew Gardens angenommen zu werden, um auf diesem Wege ihrem grossen Traum näher zu kommen und später doch noch studieren zu können. Im Spital lernt sie den jamaikanischen Arzt Gus kennen, der es vor Kriegsbeginn nicht mehr nach Hause schaffte, nun aber wegen seiner Hautfarbe nicht als Arzt arbeiten darf, *die Patienten könnten verstört werden*, nur in der Apotheke. Er hat sich auch auf die Anzeige beworben und wird in Kew genommen. So haben beide zwei Arbeitsplätze, im Spital und in den Gärten, und begegnen sich daher oft. Aber immer noch viel zu wenig, aus Beths Sicht gesehen.
Während Teddy sich auf dem Land um Platzierungen für evakuierte Kinder kümmert, ist seine Frau Louisa, Daisys Patentante, unruhig, sie möchte in den Kriegsjahren etwas Sinnvolles tun, und so weckt auch dieselbe Anzeige, die Beth gesehen hat, ihr Interesse.
Posy Lovell (ein Pseudonym der britischen Autorin und Journalistin Kerry Barrett) knüpft mit den "Töchtern" an die "Gärtnerinnen" an und auch diese Geschichte hat sie grossartig erzählt. Hier erzählt sie nicht nur vom Leben in der Stadt zur Kriegszeit, sondern auch vom Landleben. Erzählt von den jeweiligen Problemen, ebenso wie die Bevölkerung sich an kleinen Dingen erfreuen konnte. Sie lässt aber auch nichts aus, die Bedrohung von Bombenangriffen und das Leid, das damit verbunden ist, zum Beispiel. Aber sie schreibt auch über Vorurteile und Diskriminierung gegenüber Frauen oder Menschen aus anderen Ländern, über Verzweiflung, Mut und Mitgefühl.
Eigentlich lese ich nur noch selten Romane, die zur Kriegszeit spielen, viele ähneln sich irgendwie ja doch. Doch diese zwei "Kew Gardens"-Romane sind eine grosse Ausnahme, sie behandeln Themen, die bisher noch nicht oft erzählt wurden. Der Schauplatz, die Kew Gardens im südwestlichen Teil von London, bestehen seit 1759 und gehören heute zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Ich fand es toll, wie die Autorin aufzeigt, wie wichtig das Gärtnern und Pflanzen auch, besser gesagt, besonders während einem Krieg ist. Die Bevölkerung wurde in London anschaulich animiert, selbst Gemüse anzupflanzen, damit sie bei Lebensmittelknappheit etwas Frisches zu essen haben und auf dem Land werden Pflanzen zur Medizinherstellung angesäet und gesammelt. Eine wichtige Beschäftigung zum Beispiel auch für Kinder, die durchaus auch therapierend wirken kann.
"Die Töchter von Kew Gardens" ist eine sehr berührende, emotionale und den damaligen Zeitgeist umfassende Geschichte. Besonders gefiel mir, dass es auch hier wieder Szenen gab, die in und neben der St. Anne's-Kirche spielen. Die Figurenzeichnung ist der Autorin wie schon in Band 1 hervorragend gelungen. Die Freundschaft zwischen Daisy und Beth entwickelt sich nur langsam, aber sehr glaubhaft, denn am Anfang sind beide noch in ihren eigenen Problemen gefangen und haben Mühe sich zu öffnen. Doch am Ende wissen sie, dass sie sich in jedem Fall aufeinander verlassen können.
Spätestens wenn ich erneut mal wieder nach London reise, werde ich beide Bände nochmals lesen, und zwar direkt hintereinander. Zum Verständnis ist es zwar nicht nötig, den ersten Band gelesen zu haben, ich kann es aber nur wärmstens empfehlen. Ich glaube, man mag die Geschichte um Beth und Daisy noch mehr, wenn man die von Louisa und Ivy bereits kennt - es liegt an den kleinen Details, die Louisa und Ivy zu den Frauen machten, die sie jetzt sind, und ihre Erfahrung, die sie an die nächste Generation weiter geben und hier bei den "Töchtern" sichtbar werden.
Schade finde ich nur, dass die Cover so blass und wenig aussagekräftig gestaltet sind. Wären im Titel nicht die Kew Gardens erwähnt, hätte ich dem ersten Band (und somit auch diesem zweiten) keinen Blick geschenkt und hätte somit zwei Lese-Highlights, an die ich noch öfters denken werde, verpasst.
Fazit: Grossartig erzählte Geschichte über Frauen und Männer, die sich auf eine ruhige, aber doch aktive Art und Weise im zweiten Weltkrieg eingesetzt haben.
5 Punkte.
Pikante Details
Hochmut kommt vor dem Farn von Mona Nikolay
Manne, seine Frau Petra und Caro sitzen gerade in der Gartenlaube und diskutieren, was sie tun können, um das Projekt, für das ihre Schrebergartenanlage weichen soll, doch noch zu stoppen, als der Kassenwart sie ruft. Die Hobbygärtner haben ein Problem - schon wieder ein Mord auf ihrem Gelände. Die aufgefundene Tote ist eine Senatorin, die als Befürworterin des Projekts leider auch die perfekte Zielscheibe für wütende Kleingärtner ist.
Manne und Caro ermitteln - dieses Mal sogar offiziell mit der Polizei zusammen. Sie stehen unter Zeitdruck. Das ist bei Ermittlungen ja meistens der Fall, aber in zwei Wochen heiratet Mannes Sohn in London, bis dahin muss der Fall gelöst sein. Dieser hat es aber in sich, Ermittlungen im privaten und beruflichen Umfeld der Senatorin wie auch in der Schrebergarten-Kolonie bringen pikante Details ans Licht.
Doch wie immer bei Mona Nikolays Krimis ist die Wahrheit darunter verborgen, der Mord nicht einfach nur ein einfacher Mord, und die Ermittler müssen hart arbeiten um ans Ziel zu kommen. Der Weg dahin hat die Autorin unterhaltend geschrieben, am Ende wird es sogar noch richtig spannend.
"Hochmut kommt vor dem Farn" bietet nicht nur einen gut aufgebauten Kriminalfall, sondern sorgt mit einem humorvollen Schreibstil auch für Gute Laune.
Fazit: Ein interessanter dritter Fall für die beiden sympathischen Ermittler.
4 Punkte.
Netter Abschluss
Sterne über dem Salzgarten von Tabea Bach
Mit "Sterne über dem Salzgarten" führt uns Tabea Bach zum vierten und letzten Mal nach La Palma.
Julia spürt zum ersten Mal die Eruptionen des Vulkans auf der Insel. Und nicht nur das Gestein auf der Insel ist auf wackeligem Boden, auch die Beziehungen stehen gerade nicht unter einem guten Stern:
Naira mischt sich immer wieder in die Beziehung zwischen Alvaro und Julia ein.
Emil ist verliebt und will nicht mehr bei seinem Vater wohnen, der seinen Sohn als Schwächling ansieht. Fayna, die erst gerade ein kleines Mädchen geboren hat, will wieder arbeiten, am liebsten sofort. Doch Julia findet das viel zu früh und ausserdem kann sie nicht beide, Fayna und Amelie, bezahlen. Amelie, die damals für Fayna eingesprungen ist, stichelt immer wieder, sie ist unsicher wegen ihrem Job. Tanja ergreift jedes Mal die Flucht wenn Jens in der Nähe ist, was für alle unangenehm ist. Zudem sorgt ein neuer Mitarbeiter der Sternwarte und ein junger Koch für kleinere Turbulenzen im Flor de Sal.
Es ist also viel los auf den 352 Seiten des finalen Bandes. Die Geschichte hat mich wie die Vorgängerbände gut unterhalten, aber nicht mehr begeistert. Julia fand ich hier zu unsicher - ich hätte mir von ihr klare Ansagen gewünscht und einen kühleren Kopf bei gewissen Aktionen und bei allen Charakteren weniger "etwas sehen und falsch interpretieren".
Dass die Autorin das Thema des Vulkanausbruches von Herbst 2021 aufnahm, fand ich sehr gelungen. Damit bringt Tabea Bach den Leser*innen das Leben auf einer Vulkaninsel, dessen Bewohner nach ersten Erdbeben mit dem Schlimmsten rechnen müssen und den Umgang damit - einige der Figuren nehmen dies auf die leichte Schulter, andere sind verängstigt - näher.
Fazit: Ein netter Abschluss dieser Trilogie, leider mit einer etwas schwächeren Figurenzeichnung als noch in Band 1 und 2.
4 Punkte.











