Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Meerblick und Inselflair
Café Meerblick von Christin-Marie Below
Ein Jahr ist es her, seit Monas beste Freundin Sophie gestorben ist. Der Jahrestag ist hart für Mona, doch dann entscheidet sie sich, dort Urlaub zu machen, wo sie so oft mit Sophie zusammen war: auf Norderney.
Schnell kommt Mona in Kontakt zu andern Menschen, und mit Caro versteht sie sich schnell sehr gut.
Da Mona sich eh schon lange mit Zukunftsfragen auseinandersetzt, wird sie innerlich hibbelig, als sie von einem Café hört, das neu verpachtet werden soll. Durcheinander wird Mona aber auch durch die Gefühle zu Tjark, den sie ebenfalls frisch kennenlernte - aber ob sie ihm auch vertrauen kann?
Christin-Marie Belows erster Roman "Pension Herzschmerz" hat mir etwas besser gefallen als "Café Meerblick".
Hier ging mir alles ein wenig zu glatt und schnell vorwärts. Seien es die diversen neuen Freundschaften, die Romantik oder die sich ändernden Lebensumstände von Mona und auch von Franzi, Sophies Schwester. Nach einem Jahr voller Trauer und sich einigeln sich innert zwei, drei Wochen so stark wieder zu öffnen und das ganze Leben umzukrempeln fand ich wenig glaubhaft. Entweder wäre weniger Trauer oder eben mehr Zeit auf Norderney nötig gewesen, um ein stimmiges Gesamtbild abzugeben. Und auch Tjark ist und bleibt geheimnisvoll, da hätten einige Seiten mehr zu seinem Leben gut getan, um den Twist am Ende besser nachvollziehen zu können.
Der Roman lässt sich aber gut und schnell lesen und macht Lust Norderney selbst mal zu entdecken. Leider bleibt die Story nicht lange im Gedächtnis hängen, das war bei der "Pension Herzschmerz" anders.
Sophies Wörterliste war eine gut Idee, sie lädt zum Miträtseln ein, welche Wörter sie wohl gewählt hat. Die "Tradition" hätte Mona eigentlich konsequent täglich weiterführen können, das hätte der Story noch mehr Charme gegeben.
Fazit: Leichte Unterhaltung mit Inselflair.
Knappe 4 Punkte.
Gerne mehr!
Der Tod macht Urlaub in Schweden von Anders de la Motte; Måns Nilsson
Der landesweit bekannte Kommissar Peter Vinston soll krankgeschrieben und erholungshalber einige Wochen in Österlen verbringen, in der Nähe seiner Tochter Amanda und Ex-Frau Christine. Sein Aufenthalt passt zeitlich perfekt, denn Amanda wird 16 Jahre alt. Am übertrieben grossen Geburtstagsfest seiner Tochter lernt Peter viele Einwohner kennen - und rechnet nicht damit, dass er in Kürze gegen einige von ihnen ermittelt und eine dieser Personen tot auffindet.
Dabei handelt es sich um Immobilienmaklerin Jessie Anderson, die an einem Strandgebiet Luxusvillen bauen will. Peter, der als erster vor Ort ist, greift sofort ein, als die lokale Polizei den Tatort nicht absperren will. Die junge Kommissarin Tove Esping freut sich auf ihren ersten Fall, doch ihr Chef stellt ihr Peter Vinston als Berater an die Seite. Tove hat viele Vorurteile und ist gar nicht begeistert. Mit der Zeit muss sie aber einsehen, dass sie als Team gut harmonieren, auch wenn es von aussen nicht so aussieht: Peter immer korrekt im dreiteiligen Anzug mit handgenähten Schuhen, Tove in Jeans und Gummistiefeln.
"Der Tod macht Urlaub in Schweden" ist ein interessanter Krimi mit unterschiedlichen Charakteren. Alle verschweigen etwas, geheime Nachrichten werden nach den Besuchen der Ermittler verschickt - doch wer an wen, das bleibt lange unentdeckt.
Es gibt Krimis, da weiss man gefühlt schon auf Seite 2, lange bevor der Mörder überhaupt auftaucht, wer der Täter ist. Und dann gibt es jene, bei denen man lange zusammen mit der Polizei miträtseln kann. So ein Krimi ist dieser erste Band der "Österlen-Morde"-Reihe, der sich im letzten Drittel leider ein wenig in die Länge zieht.
Sonst hat mir dieser Auftakt, geschrieben vom Duo Anders de la Motte und Mans Nilsson, gut gefallen. Haufenweise Figuren, die man nicht so schnell vergisst, jeder mit einem Alleinstellungsmerkmal versehen. Dazu das spontan zusammengewürfelte Team mit Tove und Peter. Der tolle Schauplatz in Südschweden. Das macht Lust auf weitere Fälle.
Fazit: Gerne mehr von diesem Kommissar-Gespann in dieser wundervollen Gegend!
4 Punkte.
Ein Krimi voller Störche - sprich Überraschungen
Elsässer Machenschaften von Jean Jacques Laurent
Seit Band 5 spielt die Reihe nicht mehr im beschaulichen Rebenheim sondern in Colmar. Hier arbeitet Major Jules Gabin in der Mordkommission, die aktuell unterbesetzt ist. Deshalb wird spontan die im Betäubungsmittel-Dezernat arbeitende Sandrine Ungerer ins Team geholt - die hervorragend dazu passt, wie man im Laufe der Ermittlungen sehen wird.
Doch von Anfang an: Jules und seine Partnerin, Untersuchungsrichterin Joanna Laffarque, werden auf einer Velotour Zeuge eines Autounfalls. Am Steuer sass Yves Morel, ein stadtbekannter Journalist. Schnell stellt sich heraus, dass es kein Unfall war, sondern nachgeholfen wurde. Die grosse Frage: was wollte Morel bei der Storchenfarm? Dort hält sich seit kurzem eine bekannte Youtuberin auf, die so gar nicht zu dem ländlichen Park passt.
Während Jules und Sandrine nun in alle Richtungen zu ermitteln beginnen, will ein Rebenheimer nicht untätig zuschauen: Lino, der pensionierter Gendarm, will sich Undercover auf der Farm umsehen, doch er wäre viel zu auffällig, denn Jules soll nichts von der Rebenheimer Unterstützung mitbekommen. Aber ob Clotilde, Jules ehemalige Vermieterin und Wirtin, unauffälliger ist?
Beide Teams finden einiges über die Beteiligten heraus, alle scheinen Geheimnisse zu haben und so gibt es jede Menge Verdächtiger. In Folge gibt es viele Twists, bis nicht mehr viele Verdächtige übrig bleiben (oder alle doch wieder?) und Jules in Feinarbeit ermitteln muss. Ich hatte Kopfkino beim Lesen, somit hätte ich mit ganz anderen Zusammenhängen und weiteren Twists oder Fundorten gerechnet.
Dennoch ist "Elsässer Machenschaften" ein interessanter Fall, schliesst er gleich etwas mit ein, für das das Elsass steht: die Störche. Mit gefiel auch, dass es in Colmar nicht ohne die Rebenheimer aus den ersten vier Bänden geht. Diese "Unterstützung" birgt einige Schmunzler, aber nicht nur, sie hilft auch tatsächlich.
Dieser Band macht Lust, wieder einmal ins Elsass zu fahren und durch Colmars Gassen zu spazieren und die eine oder andere regionale Spezialität zu geniessen. Es ist die passende Lektüre für ein gemütliches Wochenende - sie unterhält und das Wiedersehen mit bekannten Figuren macht Spass.
Fazit: Ein Krimi voller Störche - die sorgen ja bekanntlich für die eine oder andere Überraschung.
4 Punkte.
Geschickt ausgetüftelt
Madame le Commissaire und die Villa der Frauen von Pierre Martin
Endlich kann Thierrys umgebaute Villa ihrem neuen Zweck huldigen: es soll ein Ferienort für Frauen werden, die an anderen Orten in Frauenhäusern leben. Eine Gruppe Frauen und Kinder aus Paris, sind die ersten, die einige Wochen in dieser Villa in Fragolin verbringen dürfen. Nicht alle Einwohner des Dorfes sind begeistert über diese temporären Mitbürgerinnen, aber alles in allem ist es eine friedliche Zeit.
Bis Manon, eine Frau aus der Villa, mit ihrem Sohn verschwindet.
Isabelle heftet sich an ihre Fersen, sucht bei Verwandten und anderswo und findet schliesslich auf der Insel Porquerolles die mittlerweile tote Frau. Doch wo ist Manons Sohn Noa?
Dieser neunte Band startet toll, ich hab die ersten Seiten im Nullkommanix gelesen - und auch durch die restlichen Seiten hab ich mit Vergnügen geblättert. Isabelle und Apollinaire sind in ihrem Element. Apollinaire besonders, denn Isabelle ist fast zu unvorsichtig unterwegs. Etwas Privates, das mit Nicolas zu tun hat, beschäftigt sie sehr.
Während der achte Band für mich langweilig war, weil ich dort sehr schnell um den Täter wusste, war "Die Villa der Frauen" für mich viel fesselnder und interessanter. Es gibt einige Verdächtige und Apollinaire und Isabelle müssen schon ganz genau hinsehen, um den Täter am Ende zu entlarven.
Einmal mehr kommt man in den Genuss gemeinsam mit den Ermittlern die Gegend zu erkunden. Wenn ich einmal in Toulon bin, würde ich mir die idyllische Insel, die mir bisher nicht bekannt war, gerne ansehen. Ein Reiseführer mit all den Orten, an dem Madame le Commissaire bereits ermittelt hat, könnte man mittlerweile gut füllen.
Dieser Band ist einer der besseren dieser Reihe. Ich wurde einmal mehr sehr gut unterhalten, einige Details machen enorm viel Spass - Isabelles Pistole, die... nein, das verrate ich nicht. Und während man mit dem sympathischen Inselgendarm und Apollinare die Aufzeichnungen der Überwachungskameras anschaut, ist man gespannt, wer darauf zu sehen sein wird. Bis zum Schluss ist fast alles offen, das macht den Fall spannend.
Fazit: Geschickt ausgetüftelter und gelungener neunter Band!
4.5 Punkte.
Leben lernen in wundervoller Umgebung
Das kleine Cottage in Cornwall von Jane Linfoot
Ich weiss noch, als ich Linfoots ersten übersetzten Roman, den ersten Teil der Wedding-Shop-Reihe gelesen habe: die Protagonistin nervte und die Story war sehr oberflächlich. Dennoch hab ich die Reihe durchgelesen und auch ihre weiteren Cornwall-Romane gelesen - die Entwicklung der Autorin ist beachtlich.
Hier in ihrem neuesten Roman, "Das kleine Cottage in Cornwall", ist so viel Tiefe mit dabei, die Linfoot luftig-weich verpackt.
Auf den ersten Seiten war ich jedoch erst noch ein wenig verwirrt. Ich wusste nicht, wie ich Edie einordnen soll, so dusselig wie sie sich benahm. Doch dann war schnell klar: Edie hatte einen Schlaganfall, genau vor 133 Tagen - weshalb auch jedes Kapitel mit dem nummerierten Tag seit Tax X überschrieben ist, dazu Edies heroische Leistung, die sie im entsprechenden Kapitel macht. Edie hat keinen Geruchsinn mehr und vergisst Wörter und Namen. Nun soll sie sich in St. Aidan bei ihrer relativ frisch verwitweten Tante Josie erholen.
Es ist eine Zweckgemeinschaft, denn Josies Cottage muss dringend renoviert werden. Das kann Edie noch - nicht mehr so ausdauernd wie früher, aber gelernt ist gelernt. Josie schleppt Edie zu Kursen wie Kalligrafie, Spass mit Stoffen und einigen anderen mehr - Edie soll so langsam wieder schreiben lernen und Josie Leute kennenlernen. Edie schämt sich für ihr Gekripsel, ihre Ausfälle und dass ein schlecht lesender Sechsjähriger besser liest als sie, obwohl ja der Schlaganfall schuld ist. Sie nimmt aber Hilfe an, sobald ihre Krankheit öffentlich wird, was in St. Aidan bekanntlich ja nicht lange dauert. Und so wird sie unterstützt, von Nachbar Barney, vom sechsjährigen Cam, den Kursleiterinnen Loella und Beth und vielen mehr. Alle helfen mit. Sowohl Josie wie auch Edie beginnen sich immer mehr wohl zu fühlen im Periwinkle Cottage. Doch nach dem Sommer soll es wieder in Edies "richtiges" Leben zurückgehen, nach Bath.
Der Roman handelt von Freundschaft und Selbstfindung, ist berührend, witzig und herzerwärmend zugleich. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte, doch zusammen kommen sie da durch, stehen einander bei.
Handwerklich (basteln, nähen, malen, renovieren) interessierte Leserinnen kommen auf ihre Kosten. Liebesgeschichten-Leserinnen nur zum Teil, denn Romantik findet dezent und nebenbei statt - wunderbar stimmig erzählt. Der Fokus liegt klar auf dem Thema Freundschaft und gegenseitiger Hilfe, was mir sehr gut gefallen hat.
"Das kleine Cottage in Cornwall" ist ein gut geschriebener Roman mit wundervollen Figuren, voller Wärme und Freundschaft.
Fazit: Eine sehr schöne und emotionale Geschichte mit tollen Charakteren!
4.5 Punkte.
Na ja...
Der Geschichtenbäcker von Carsten Henn
Nach all dem Lob für "Der Buchspazierer" war ich sehr gespannt auf "Der Geschichtenbäcker". Leider wurde ich enttäuscht.
Protagonistin Sofie kann nicht mehr als Ballerina arbeiten, ihr wurde nach einem Unfall gekündigt. Damit kann sie nicht umgehen und sie hat nichts verarbeitet.
Tänzerinnen, die sich noch nie überlegt haben, was sie nach ihrer Karriere machen, sind weltfremd und wirken absolut arrogant. So kommt Sophie für mich auch rüber. Nun soll sie sich eine neue Arbeit suchen, sonst wird ihr das Arbeitslosengeld gekürzt. Deshalb bewirbt sie sich für die ausgeschriebene Stelle in einer Bäckerei ganz in ihrer Nähe - und will nach drei Tagen wieder aufhören, sie hätte sich dann ja bemüht.
Doch Bäcker Giacomo bäckt nicht nur Brot, er knetet seine ganze Weltsicht in den Teig. Sofie spürt das, doch sie kann sich nicht öffnen und ist längst nicht bereit für ein neues Leben abseits der Bühne. Ihr Mann Florian liebt sie, zeigt das und gibt sich jegliche Mühe. Doch Sofie blockt ab.
Sofies Art fand ich sehr anstrengend, ich mochte sie nicht. Sie ist extrem egoistisch, denn sie lässt alle an die Wand fahren, allen voran Florian. Die Geschichte wäre für mich glaubhafter gewesen, wenn Sofie sich ihm richtig mitgeteilt hat - seine Bemühungen schätze sie zwar, brauche es aber im Moment nicht, weil sie erst mit sich selbst im Reinen sein muss. Sowas in der Art. Der ganze Erzählstrang um Sofie, Florian uns ihrer Nachbarin Marie hat mir nicht gefallen. Auch die Sache mit ihrer Nichte, die anfangs noch zum Schmunzeln war, wurde überbeansprucht.
Die Geschichte rettet zum Glück Giacomo, der wahre Held in diesem Roman. Er und die Verkäuferin Elsa haben zwar auch einige Ecken, aber die kann man nachvollziehen. Die Leidenschaft und Lebensgeschichte von Giacomo aus Kalabrien fand ich eindrücklich. Die Szenen in der Bäckerei sind sehr schön erzählt, ebenso gefiel mir der Bezug zu den italienischen cantautori.
Fazit: Für mich hätte "Der Geschichtenbäcker" ohne Sofie viel besser funktioniert. Und nur weil ich den Bäckerei-Strang gut mochte, gibt es 3.5 Punkte.
Leander in Top-Form, aber der schwächste Band bisher
Einsame Entscheidung von Gil Ribeiro
Auf diesen neuesten und fünften Band der "Lost in Fuseta"-Reihe hab ich mich sehr gefreut, doch leider hat er mich enttäuscht.
Nach einem anderen Krimi, den ich erst aus der Hand legte, als er ausgelesen war, griff ich zu "Einsame Entscheidung". Doch es war ein harziger Einstieg, denn die ersten Kapitel berichten von diversen Situationen mit unterschiedlichen Personen.
Man hat also ein paar Anfänge, aber ganz lange keine Ahnung, wie die miteinander verbunden sind. Diese vielen Szenenwechsel machen es im 1/3 Drittel nicht leicht in den Krimi hineinzufinden.
Dazu werden einmal mehr sehr viele bereits bekannte Informationen über die einzelnen Personen des Fuseta-Team geschildert. Fasst diese Infos doch lieber in einem Personenregister zusammen, dann haben neue Leser, die partout nicht mit dem ersten Band beginnen wollen, ihre Infos und treue Leser werden nicht erneut damit gelangweilt.
Enttäuscht bin ich auch von der Polizei-Arbeit. Das Team, das sonst ja sehr gut miteinander arbeitet und auch mal skeptisch ist, vergisst hier an vielen Stellen genauer nachzufragen und es scheint, als nehmen sie den Fall am Anfang gar nicht ernst und als seien sie mehr mit ihren persönlichen Befindlichkeiten beschäftigt.
Das alles verlangsamt den Aufbau sehr. Erst zum Ende hin nimmt die Geschichte (wortwörtlich) Fahrt und Tempo auf und beginnt Spass zu machen.
Leander rockt diesen Fall fast alleine. Hätte Leander nicht immer wieder die Schuhe erwähnt, wären sie ganz schön aufgeschmissen gewesen. Als er später seine Komfortszene verlassen muss, agiert er toll.
Fazit: Für mich leider bisher der schwächste Band der Reihe.
3.5 Punkte.
Cold Cases am Sunset Beach
Sommerglück zum Frühstück von Mary Kay Andrews
So gemütlich wie es auf dem Cover aussieht, sieht das Cottage von Drue nicht aus. Es gehörte zwar ihren Grosseltern und sie verbrachte viel Zeit bei ihnen, doch dass sie es nun erbt ist einerseits ein Glücksfall - sie hat wieder ein Dach über dem Kopf, wenngleich auch ein kaputtes -, andererseits ist das Cottage in einem erbärmlichen Zustand, der Vormieter hat es verschandelt und nichts repariert.
Doch Drue ist gewillt, es zu renovieren und zieht ein, kurz nachdem sie bei ihrem Vater Brice in der Anwaltskanzlei zu arbeiten beginnt. Das Verhältnis zum Vater ist schlecht, denn Drue ist bei ihrer Mutter aufgewachsen. Diese ist kürzlich verstorben, Drue muss aus der gemeinsamen Wohnung raus und den Kellnerjob ist sie auch los, aufgrund ihres kaputten Knies - vor einigen Monaten beendete sie aufgrund eines Unfalls ihre Karriere als Knitesurferin.
Drue ist in ihren 30ern, sympathisch und witzig. Man fragt sich, wieviel Pech jemand haben kann. Aber es geht noch schlimmer: im Büro erwartet sie eine weitere Überraschung. Drue lässt sich jedoch nicht einschüchtern und will diesen Job behalten. Als eines Tages eine Mutter in die Kanzlei kommt und Gerechtigkeit für ihre vor zwei Jahren verstorbene Tochter fordert, beginnt Drue zu recherchieren. Sie hat es im Gefühl: irgendetwas ist hier gehörig schief gelaufen, weswegen Drue ihren Vater verdächtigt, unsauber zu arbeiten. Als sie im Cottage dann noch eine alte Akte über eine anno 1976 verschwundene Frau findet - Brice war damals Polizist -, ist ihr Detektiv-Gen aktiviert und sie will in beiden Fällen unbedingt herausfinden was passiert ist.
Den Einstieg in den Roman, die ersten paar Seiten, fand ich ein bisschen holprig. Drue kam komisch und zerstreut rüber, doch das legte sich zum Glück blitzschnell. Die Figuren und die Geschichte haben mich fortan begeistert.
Der Roman beinhaltet zwei Cold Cases und ist eigentlich mehr Cosy Krimi als Roman, aber sowas ist man sich von der Autorin ja bereits gewohnt. Mary Kay Andrews hat eine Art zu schreiben, die einen an die Buchseiten fesselt. "Sommerglück zum Frühstück" mit seinen 512 Seiten habe ich deswegen an einem Sonntag durchgelesen.
Ich mag an Andrews Romanen vor allem, dass ihre Protagonistinnen allermeistens ganz normale Berufe haben und nicht, wie bei anderen englischsprachigen Autorinnen oft üblich, prestigeträchtige Berufe. Ihre Figuren, hier ist es Drue, bekommen nichts geschenkt - ausser vielleicht ein altersschwaches Häuschen - und müssen kräftig mit anpacken, um ihren Platz im Leben zu finden. Auch die Nebenfiguren haben ihren Platz verdient, keiner ist überflüssig.
"Sommerglück zum Frühstück" spielt am Sunset Beach in Florida. Man spürt beim Lesen die flirrende Hitze und den Sand in den Schuhen. Zusätzlich zur gut eingefangenen Atmosphäre enthält dieser Roman ein bisschen von allem: Familiendrama, sehr dezente und erst am Ende ein wenig Romantik, dafür ganz viele Geheimnisse und eine tolle Krimihandlung.
Die beiden Cold Cases sind super interessant und besonders im Fall der vermissten Colleen habe ich absolut alle verdächtigt, abwechselnd natürlich. Andrews baut so viele Twists ein, damit macht sie es superspannend.
Fazit: Brilliante Kombination von Roman und Cosy Krimi - macht süchtig und mega viel Spass.
5 Punkte.
Temporeich unterwegs auf Kretas Strassen
Kretische Ehre von Nikos Milonás
Spannend! Aber so was von! Ich konnte diesen vierten Band gar nicht mehr aus der Hand legen, so packend war das neue Abenteuer von Michalis Charisteas und seinem Partner Pavlos Koronaios.
Zudem ist Hannah, die Verlobte von Michalis, in Gefahr. Und das kurz bevor ihre Mutter zu Besuch auf Kreta erwartet wird.
Auf einem Ausflug wollen Michalis und Hannah in Anoghia in einer Taverne Abendessen, doch im Dorf wird gefeiert und so sitzen sie länger als geplant. Bis einer der bekanntesten Sänger von Kreta von einem Freudenschuss getroffen wird - was sich schnell als feiger Mord herausstellt. Hannah scheint die Verdächtigen gesehen zu haben. Jene sind aber auch zu gut erkennbar. Ein grosser Pluspunkt für die Kommissare, die sofort zu ermitteln beginnen.
Trotzdem keine einfache Sache, denn die Dörfler schweigen über jahrelange Rivalitäten und anderes. In den oft schlecht zugänglichen Dörfern in den kretischen Bergen wird Tradition hoch geschrieben, die Diskrepanz zu den eher modern eingestellten Stadtbewohner in Küstennähe ist gross. Letztendlich sind Charisteas und Koronaios aber geduldig und beharrlich und kombinieren die Ergebnisse richtig. Besonders Charisteas beweist Fingerspitzengefühl.
"Kretische Ehre" ist so richtig temporeich, und das nicht nur, weil Pavlos Koronaios so rasant auf den Strassen unterwegs ist. Erneut hat es enorm viel Spass gemacht, mit Koronaios und Charisteas auf Kretas Strassen unterwegs zu sein, Neuigkeiten aus den beiden Familien zu erfahren und altbekannte Figuren aus dem Kommissariat in Chania wiederzusehen.
Bisher fanden alle vier Bände an einem anderen Schauplatz auf Kreta statt - zum Glück ist die Insel gross genug, so dass sich Autor Nikos Milonas noch viele weitere noch unbenutzte Orte für Charisteas nächste Fälle aussuchen kann.
Ein Pageturner durch und durch - alles andere muss warten, solange man diesen Fall nicht ausgelesen hat. Stände diese Serie nicht schon längst auf meiner Lieblingskrimireihen-Liste, würde sie allerspätestens mit diesem Fall einen Platz im oberen Viertel meiner Liste bekommen.
Fazit: Temporeich und mega spannend!
5 Punkte.
Der Himmel hängt voller Geigen
Tod im Olivenfass von Renato Pozzi
Der Titel "Tod im Olivenfass" deutet auf ein Oliventhema hin - doch das ist nur Beiwerk. Tatsächlich geht es im Grossen und Ganzen ums Thema Geigen: Geigenbauer und Geigensammler, gelegentlich auch Violionistinnen - das ist das wahre Umfeld dieses Krimis.
Ich mag Krimis, die mit klassischer Musik bzw.
Instrumenten zu tun haben, deshalb hat mir "Tod im Olivenfass" sehr gut gefallen. Eventuell werden aber Leser*innen, die mit dem Thema nichts anfangen können, nicht warm mit diesem Krimi, dennoch sollte man ihm eine Chance geben.
Kurz nachdem Commissario Andreotti, der Chef-Carabinieri von Salò, eine Leiche aus einem Olivenfass bergen musste, trifft er auf Sophia Lange, deren Portemonnaie gestohlen wurde. An ihr riecht er einen Duft, den er auch beim Toten wahrnahm - Als Geigenbauerin kann Sophia ihm sagen, woher dieser Duft kommt und alsbald wird sie zu Andreottis Gehilfin in diesem Fall. Viola Ricci, Carabinieri und in Salò für die Spurensicherung zuständig, unterstützt das Hinbeiziehen von Sophia.
Sophia würde aber liebend gerne noch stärker einbezogen werden, doch Andreotti mauert. Auch wenn Sophia die Fachfrau ist, die erste Geige in Sachen Ermittlung spielt Andreotti. Deshalb macht sich Sophia selbst auf den Weg und holt sich anderweitig Hilfe um eine Spur zu verfolgen. Dies aber nicht bei ihrem Freund aus Kindheitstagen Luigi und seinem Vater Guiseppe, bei dem sie neuerdings in der Geigenwerkstatt arbeitet, auch nicht bei ihrer Tante Marta und Onkel Antonio, in deren Gasthaus sie ein Zimmer bewohnt.
Bis ungefähr zu ihrem 15. Lebensjahr lebte Sophia in Salò und zog dann mit ihren Eltern nach Deutschland. Den Kontakt nach Salò wurde aus diversen Gründen unterbrochen, doch nun hofft sie bei Giuseppe noch das eine oder andere dazu zu lernen und neue Heimat in ihrer alten Heimat zu finden.
Salò scheint mir auf der Karte weniger kleine Gassen zu haben, als im Krimi vorkommen. Aber egal, es machte enorm viel Spass mit Sophia und Andreotti durch die Gassen und Strassen von Salò zu laufen und mit ihnen zu ermitteln. Ich mochte die Charaktere, die alle einige Kanten und Ecken haben. Sogar über das Schlitzohr Freddo muss man oft schmunzeln.
Der Fall um den Toten im Olivenfass wird interessant geschildert, so dass man bis zum Ende hin kaum ahnt, wer dafür verantwortlich ist. Man lernt von Seite zu Seite mehr über den Wert von Geigen und alles was damit zusammenhängt. Das macht den Krimi somit auch sehr lehrreich.
Mich hat "Tod im Olivenfass" bestens unterhalten und irgendwie hoffe ich, dass man zukünftig noch mehr Fälle mit dem ungewöhnlichen Ermittlerpaar erleben kann. Was vielleicht aber schwer zu schreiben ist, denn so viele Gelegenheiten, wo eine Geigenbauerin ihre spezifischen Sachkenntnisse als Detektivin anwenden kann, gibt es wahrscheinlich nicht, aber ich lasse mich gerne überraschen.
Das bringt mich auf meinen einzigen Kritikpunkt, der nichts mit dem Inhalt zu tun hat, denn die Geschichte ist wirklich toll erzählt, fast zu gut schon, weshalb meine Kritik mit dem Drumrum zu tun hat: mir fehlte im Minimum ein Nachwort. Wer sich in dem Thema dermassen detailliert auskennt, um so ein Buch zu schreiben, muss entweder vom Fach sein - oder extrem gut recherchiert haben. Da aber ein Nachwort fehlt, in dem etwaige Recherchen angegeben werden, und man auch sonst nirgendwo etwas über einen "Renato Pozzi" findet (auch nicht zum angeblich gewonnenen Krimi-Wettbewerb), denke ich, dass es sich um ein Pseudonym handelt und auch die damit verbundene Biografie so nicht stimmt. Gerne hätte ich über die wahren Hintergründe des Autors (vielleicht ist es sogar eine Autorin, die womöglich selbst Geige spielt, wer weiss) erfahren, denn so etwas zu schreiben ohne jeglichen Bezug zur Welt der klassischen Musik zu haben, scheint mir fast nicht möglich - ansonsten bräuchte man viel Hilfe bei der Recherche, für die man sich in einem Nachwort bedanken müsste.
Fazit: Für Krimifans hängt beim Lesen von "Tod im Olivenfass" der Himmel voller Geigen - toll und interessant erzählt.
4 Punkte.











