Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Themenreicher und unterhaltender 50er-Jahre-Roman
Der Salon. Wunder einer neuen Zeit von Julia Fischer
Ein neuer Roman von Julia Fischer - aber er spielt nicht in Italien, sondern in einem Coiffeursalon. Als ich das sah, war ich skeptisch. Gerne hätte ich mich von Julia Fischer wieder ins Piemont oder nach Florenz entführen lassen, aber nach München?
Lesen wollte ich ihn dann doch. Schliesslich muss ich ja wissen, ob meine Skepsis begründet war und ich die Autorin mit gutem Grunde bitten könnte, nächstens wieder eine Geschichte im Nachbarland handeln zu lassen ;-) Wie ich beim Lesen dann feststellte, kann Julia Fischer doch nicht ganz ohne Italien auskommen, auch wenn es letztendlich nur eine Wunschreise blieb.
Vorerst zumindest.
Denn anscheinend wird es von "Der Salon" einen zweiten Band geben, was ich aber gerne vor dem Lesen gewusst hätte, denn zu dem im Klappentext erwähnten Traum von Leni, dem eigenen Salon, kam es nicht. Der Klappentext fasst in etwa den ersten Band zusammen und ist wohl für beide Bücher geschrieben worden, was beim Lesen leicht verwirrt.
1951 beginnt "Der Salon" mit einem Prolog: Leni macht eine Lehre als Coiffeuse bei ihrer Mutter im Salon. Ihr Bruder Hans beginnt bald zu studieren. Mutter Käthe hofft noch immer, dass ihr Mann Otto nach Hause kommt.
1956 hofft die Mutter noch immer, sehnt sich der studierende Hans als Musiker anstatt als Arzt arbeiten zu können und Leni möchte den altersschwachen Coiffeursalon zuhause umkrempeln. Sofern ihre Mutter sie lässt. Die tut das nicht, weshalb sich Leni in München heimlich in einem angesehenen Coiffeursalon bewirbt.
In München trifft Leni auf die Clique von Hans. Sie studieren Medizin wie er selbst. Doch sie alle kommen aus unterschiedlichen Elternhäuser: die kluge Frieda, die neben dem Studium als Schaffnerin arbeitet; Karl, der Ärztesohn und Gigolo; Georg genannt Schorsch, ein mitfühlender Fotograf, der sich unter Wert verkauft und Landarzt werden will. Sie alle suchen ihren Platz im Leben, was bei einigen von Ihnen auch das Loslösen von den Eltern beinhaltet. Je nach Elternverhältnis gelingt dies unseren Figuren mal besser, mal schlechter.
Neben diesen jungen Figuren stehen die eher älteren Kundinnen von Leni: die ehemalige Tänzerin Sasa Sorell und die gemeinnützige Arbeit tuende Miss Randall, aber auch Lenis Chef und diverse Mitarbeiter. Im Heimatdorf Herbertshausen sind es Mutter Käthe sowie einige Dorfbewohner. Insbesondere zu erwähnen ist, die ebenfalls junge, aber unglücklich verheiratete Charlotte, ebenfalls eine Kundin von Leni, aber gleichzeitig auch eine Bekannte von Hans.
Sie alle tragen dazu bei, dass dieser Roman sehr vielfältig erscheint und die Autorin viele der damaligen aktuellen Themen behandeln konnte. Es sind so viele, dass ich gar nicht mit Aufzählen beginne (und ich jetzt doch schnell sagen muss, dass ich das Thema Seifensieden und Naturkosmetik toll fand) - Julia Fischer hat wahnsinnig viel reingepackt in diesen Roman. Ihr Rechercheaufwand muss enorm gewesen sein! Trotz all dieser Themavielfalt erstickt die Geschichte nicht in unnötigen Details - alles wird perfekt in die Geschichte mit eingewebt.
Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, zwischendurch durch einige bayrische und englische Ausdrücke garniert. Schorsch ist übrigens meine ganz klare Lieblingsfigur in dieser Geschichte! Über ihn hätte ich gerne noch so viel mehr erfahren.
Das Zeitgeschehen hat die Autorin auf jeden Fall perfekt und sehr bildlich rübergebracht. Von daher ist "Der Salon" ein sehr informativer Roman für alle, die sich für das Leben in den 1950ern in Deutschland interessieren und unterhält bestens.
Neben dem, dass ich von einem Einzelband ausging, störte mich noch etwas: ich empfand die Studentenverbindungs-Szenen als zu ausführlich geschildert. Wegen mir hätte die Autorin sogar gänzlich darauf verzichten können - auch wenn ich verstehe, dass damit die Vitamin-B-Schiene der High Society gezeigt werden sollte.
Fazit: Der Roman ist eine unterhaltsam verpackte 50er-Jahre-Zeitgeschichtsreise mit berührenden Szenen.
4 Punkte.
Nicht überzeugend
Der Club der Bücherfeen von Thomas Montasser
Der Klappentext hörte sich vielversprechend an, doch nach, bzw. schon während dem Lesen stellte sich bei mir Ernüchterung ein.
Die Geschichte um den Paketboten, der übrigens nicht Patrick wie im Klappentext, sondern Victor heisst, beginnt noch gut. In einem Wohnblock auf seiner Tour bestellt eine Frau mit wohlklingeden Namen sehr oft Bücher - und auf einmal trägt er ein Paket mit Dessous hoch.
Neugierig geworden, macht Victor sich so seine Gedanken und möchte Bianca kennenlernen, seiner Meinung nach eine junge bücherlesende Frau mit schönen Dessous.
Im Gegensatz zu Victor lernen die Leser Bianca bereits auf den ersten Seiten kennen. Es kommt zu einen lustigen Situationen, an denen sich beide nur knapp verpassen oder sehen könnten, wenn sie es nur wüssten, wer der andere ist. In Folge seiner Neugier beginnt Victor selbst zu lesen, erst wählt er mit Hilfe einer Buchhändlerin seine Bücher aus, dann selbst. Seine Bücher stellt er in seinen Lieferwagen und manchmal auch Bianca vor die Türe. Sie kennenzulernen gelingt aber lange nicht, dafür macht Victor andere Bekanntschaften.
Um nicht zu Spoilern und die Überraschungen nicht zu nehmen, sage ich dazu nichts Weiteres. Das Buch ist einfach viel zu kurz, um mehr zur Handlung zu verraten.
Trotz den guten Voraussetzungen - z.B. das Thema Bücher oder witzige Situationen btr. Kennenlernversuchen - hat mich die Geschichte nicht berührt. Sie kommt ein bisschen märchenhaft daher. Einige Dinge sind realitätsfremd, sie würden zumindest zu einer Kündigung führen. Kommt dazu, dass ich über das Thema Bücherbus und Buchhandlungen einfach schon viel stimmigere Romane gelesen habe. In "Der Club der Bücherfeen" kamen mir deshalb viele Szenen als abgekupfert vor.
Fazit: Zwar eine nette Idee, die für mich aber nicht überzeugend umgesetzt wurde und sehr aufgesetzt wirkt.
3 Punkte.
Flüssiges Gold ist ein Goldstück
Flüssiges Gold von Paolo Riva
Eigentlich wollte ich nur schnell den Prolog lesen und später in meiner aktuellen Lektüre weiter lesen. Doch ich blieb an "Flüssiges Gold" kleben, der Schreibstil überzeugt mit einer interessanten Handlung, weshalb ich den Krimi am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Das kleine toskanische Montegiardino ist die Heimat des alleinerziehenden Commissario Luca, der hier als Gemeindepolizist arbeitet und die Ruhe und das gemütliche Dorfleben geniesst.
Einen Espresso an der Bar trinken, dabei den neuesten Tratsch zu hören, über den Markt flanieren und gleichzeitig nach dem Rechten sehen, ab und an ein Bussgeld verhängen - das mag er an seinem Job. In seinem kleinen, im Sommer sehr heissen Dachbüro im Rathaus ist er nur selten anzutreffen, ausser wenn er beispielsweise gerade die fehlenden Buchstaben für die Ortsbeschriftung bestellen muss.
Als an einem Markttag plötzlich Schüsse vor der Bar fallen und eine Olivenbäuerin getroffen wird, ist die Welt im Dorf nicht mehr in Ordnung. Montegiardino wird zu Montecatastrofe - und Luca macht alles, damit es bald wieder zu seinem "Monte Dino" wird. Eigentlich wollte die Vice-Questora Aurora Mair von der Polizia die Strato, die aus Florenz angefahren kommt, den Fall an sich reissen, doch sie merkt schnell, dass sie ohne den Commissario nicht an die Bewohner rankommt. So ermitteln sie gemeinsam - was nach einiger Zeit auch gut gelingt - , dabei aber klar Luca die richtigen Schlüsse zieht und Hauptermittler ist.
Es macht Spass diesen Krimi zu lesen, kein Wunder bei dieser tollen Kulisse und all den sympathischen Figuren. Egal, ob es sich dabei um den erfahrenen Kommissar Luca, seine Tochter Emma, die Barbetreiber Francesco und Fabio, den Bürgermeister Martinelli und vor allem Dottoressa Chiara Chigi handelt. Sogar die Vice-Questora ist gar nicht so barbeissig, sobald man sie besser kennt.
Einzig gegen Ende konnte ich ihrem Charakter mit ihrem Hintergrund zwei Handlungen nicht abnehmen. Ansonsten ist es ein sehr stimmiger Krimi, der mit einem teilweise überraschenden Ende hervorsticht.
Da nicht alles erzählt wurde, was Luca dazu geführt hat, von Venedig wieder in seinen Heimatort zu ziehen, gehe ich davon aus, dass es einen zweiten Band geben wird.
Nicht nur das leckere Essen, bei dem man sich sofort mit an den Tisch setzen und mitessen möchte, auch das wohl erst im zweiten Band richtig beginnende "Gschleick" mit den Frauen erinnert ein bisschen an "Bruno, chef de police". Doch Commissario Luca ist besser - und viel sympathischer. Der Schreibstil von Paolo Riva - so flüssig wie das titelgebende Olivenöl - erinnert mich jedoch an zwei, drei andere Autoren als den Schöpfer von Bruno: viele Leser von Pierre Martin, Pietro Bellini und Alexander Oetker werden Commissario Luca und Montegiardino genauso mögen wie ich, da bin ich mir sicher.
"Flüssiges Gold" zu lesen macht richtig Spass. Es die perfekte Ablenkung in Tagen wie diesen und ich hab jetzt richtig Lust auf Spaghetti al oglio e peperoncino - natürlich mit bestem Olivenöl.
Fazit: "Flüssiges Gold" ist ein Goldstück unter den unterhaltenden Kriminalromanen. Gerne mehr mehr von Commissario Luca, Doctoressa Chiara und Vice-Directore Aurora!
5 Punkte.
Macht Lust aufs Gärtnern
Querbeet ins Glück von Lisa Kirsch
Maddie lebt noch nicht lange in Berlin und kennt nicht viele Leute. Zum Glück versteht sie sich gut mit ihrer Wand-an-Wand-Wohnungsnachbarin, der Frührentnerin Gabi samt deren Kaninchen Opa. Als Gabi ins Spital mit anschliessender Reha muss, bittet sie Maddie, für sie zweimal die Woche im Gemeinschaftsgarten mitzuarbeiten.
Der Frühling steht vor der Türe und im Garten gibt es einiges zu tun. Doch etwa gleichzeitig beginnen die Proben zum neuen Musical, in dem Maddie mit zwei anderen Darstellerinnen eine der Hauptrollen ergattert hat.
Maddie ist scheu - erstaunlich, dass sie sich auf der Bühne wohl fühlt. Umso weniger in der "grünen Freiheit", wie der Garten genannt wird: alles ist neu für Maddie, doch sie getraut sich immerhin nachzufragen. Auch ohne grünen Daumen fühlt sie sich bald wohl in der Gemeinschaft. Nicht nur mit Inge, dem Huhn, hat sie Freundschaft geschlossen, auch mit dem attraktiven Mo, derem Sohn Elvis, Lila, Hanna und vielen mehr. Aber auch mit der Gartenkonkurrenz - die Schrebergärtner von nebenan, Rainer, Cordula, Jürgen usw. Hier, in den beiden Gärten, kann Maddie auch von ihren Problemen im Musical erzählen, sie fühlt sich von einer der anderen Darstellerinnen gemobbt. Aber wohin mit ihren Gefühlen für Mo?
Die Sache ist kompliziert - der Roman aber nicht, im Gegenteil. Er ist unterhaltsam und lädt regelrecht zum Schmökern ein. Am Schönsten wär er wohl lesend in einem Garten zu geniessen, aber dazu ist es jetzt im Februar ja noch zu kalt.
Mir hat "Querbeet ins Glück" gut gefallen und noch mehr, dass die Autorin an einer bestimmten Stelle kein Drama folgen lässt. Ich hätt auf Drama getippt, zum Glück blieb es aus! Mir fehlte aber, dass ein Thema, das Maddies Mutter betrifft, nicht wirklich zu Ende erzählt, sondern nur angedeutet war. Für mich jedenfalls kam nicht richtig raus, wie stark Maddie tatsächlich davon beeinflusst ist oder nicht und einige Sätze mehr dazu wären für mich stimmiger gewesen.
Etwas, was mit der Geschichte an sich nichts zu tun hat, aber was ich generell in Büchern nicht sehr mag, nahm meiner Meinung nach in "Querbeet ins Glück" überhand: dass fast alle Figuren Übernamen oder Abkürzungen von ihren tatsächlichen Namen haben. Egal ob Maddie (Madita), Mo (Moritz), Elvis (Elias) oder Lila (Liselotte), Hinnert und viele mehr. Man könnte doch gleich von Anfang an kurze Namen für seine Figuren wählen, aber nicht noch solche Namen nehmen, die dann stetig in abgekürzter Form verwendet werden, aber eben auch immer mal wieder mit Klarnamen.
Abgesehen davon konnte ich den Roman sehr geniessen, insbesondere die Gartenszenen. Ich mag Gartenromane und hab schon einige gelesen, aber oft wird das Gärtnern zur Nebensache erklärt. Zum Glück nicht hier in "Querbeet ins Glück". Hier gefällt mir ausserordentlich gut, dass sogar ausführlich über das Gärtnern berichtet wird. Zum einen über die Schrebergärten-Szenerie, zum andern geht es ums Biogärtnern. Diese Kombination fand ich toll. Maddie versteht sich mit beiden Parteien, die die jeweils anderen aufgrund Vorurteilen nicht mögen. Gegen Ende jedoch müssen sie alle gegen Aussenstehende wehren und sich zusammenraufen. Nebenbei erfährt man viel über die Hühnerhaltung, dies nicht nur informativ, sondern auch auf witzige Art.
Der neue Roman von Lisa Kirsch macht Lust auf Frühling und aufs Gärtnern und fast beneidet man die grüne Freiheit um ihre Hühner.
Fazit: Ein schöner Frühlings-Garten-Roman mit Wohlfühlgarantie.
4 Punkte.
Wenn das Pendlerherz höher schlägt
Das Glück in vollen Zügen von Lisa Kirsch
Eigentlich wollte ich den Roman während einer Zugsreise lesen, doch zu längeren -Bahnfahrten ist es aufgrund der Pandemie nicht gekommen und so las ich ihn halt zuhause auf meinem Lesesessel. Auch ohne Zug: als frühere jahrzehntelange Pendlerin konnte ich mir die Szenen bildlich vorstellen.
Die Geschichte ist schnell erzählt: zwei Menschen, die sich fast täglich in der Bahn von Herrsching nach München und umgekehrt sehen, sich irgendwie gut finden.
Sie wollen sich ansprechen, getrauen sich aber beide nicht.
Und wenn sie sich mal trauen würden, kommt garantiert etwas dazwischen. Zum Beispiel belauschte Telefongespräche, die die das Gedankenkino auf Vollbetrieb laufen lassen, aber total missverstanden werden, weil aus dem Zusammenhang gerissen und sie die jeweiligen Hintergrundgeschichten ja nicht kennen. Marie meint, Jo wäre verheiratet, dabei spricht er nur mit seiner Nachbarin, die bei seinem Vater ist. Jo denkt, Marie hätte ein Baby, denn er sieht sie Babyzeugs kaufen, das aber für ihre Welpen ist. Trotz allem sind sie voneinander fasziniert und möchten den jeweils anderen gerne kennenlernen.
Marie wohnt in ihrem Wohnwagen am See, im Garten ihrer Mutter. Johannes, Jo genannt, in seinem Elternhaus, zusammen mit seinem dementen Vater. Beides sind sympathische Figuren.
Die Autorin erzählt ihre Geschichte aus abwechselnder Perspektive, einmal aus Sicht von Marie, einmal aus Sicht von Jo. So lernt man die Protagonisten besser kennen als sie sich gegenseitig. Man kann sich vorstellen, dass die beiden gut zusammen passen würden, aber ich hätte mir trotzdem mehr gemeinsame Zeit gewünscht und weniger gegenseitiges Umkreisen.
"Das Glück in vollen Zügen" ist ein toll gewählter und äusserst passender Titel, und beinhaltet eine Story, die wahr sein könnte.
Fazit: Ein amüsant verpackter und stimmiger Roman, aber mir dauerte das "bis sie sich endlich kriegen" viel zu lange.
4 Punkte.
Hawaii mit Mord und Luft nach oben
Aloha. Tod im Paradies von Debra Bokur
Romane, die auf Hawai spielen, hab ich schon gelesen. Krimis bisher noch nicht, aber mit "Aloha. Tod im Paradies" hat sich das geändert.
Das Nichte-Onkel-Gespann, bestehend aus Police Capitain Walter Alaka'i und Detective Kali Mahoe ermitteln in ihrem ersten Fall den Tod eines jungen Surfers, der auf den zweiten Blick eben doch kein Unfall, sondern klar ein Mord war.
Ein Haifischzahn in einer Wunde gibt den beiden Ermittlern Rätsel auf. Da sie hier gefühlt nicht weiterkommen, kümmert sich Kali um Solarpaneel-Diebstähle, die rätselhaft sind - einige der Bestohlenen sprechen von einem gesichtslosen Geist, den sie gesehen haben.
Eigentlich der perfekte Fall für Kali Mahoe, die nicht nur Polizistin ist, sondern auch einen Doktortitel in Kulturanthropologin hat und zudem noch durch ihre Grossmutter, eine spirituelle Leiterin, bestens mit der hawaiianischen Tradition vertraut ist.
In diesem Auftaktband erfährt man einiges über Kali und ihre Vergangenheit. Zum Beispiel, dass ihr Partner getötet wurde und sie sich stellenweise immer noch für dessen drogensüchtige Tochter Makata verantwortlich fühlt.
Onkel Walter scheint eine nette Familie zu haben: eine Frau, die gerne kocht und drei Töchter. Mehr erfährt man von ihnen (noch) nicht. Walter ist gemütlich, arbeitet aber effizient. Er kennt Maui sehr gut, inklusive kleinkriminelle Taschendiebe wie Polunu, auf den man in diesem Band öfters trifft. Sein erst 23jähriger Officer David Hara ist übereifrig, weshalb Walter ihn gerne mit Arbeiten wie Auto wachsen beschäftigt. David Hara muss noch einiges lernen, ist aber ein Frauenschwarm - mal sehen, ob ihm das bei weiteren Ermittlungen zum Vorteil gereicht.
Im Laufe der Geschichte werden viele scheinbar nebensächliche Dinge thematisiert und ebenso viele Personen, die man nicht einordnen kann, treten auf. Sind sie bloss Nebenfiguren, oder sind sie wichtig für den Verlauf?
Aufgrund des Schreibstils ist das überhaupt nicht eindeutig, auf mich wirkte das leicht langatmig und spannungslos, obwohl sehr gute Ermittlungsarbeit geleistet wird. Ich musste erst in diesen Schreibstil einfinden, doch "Aloha. Tod im Paradies" macht Lust auf mehr. Ich war neugierig zu erfahren, wie alles zusammen hängt und wurde am Ende durch überraschende Twists belohnt.
Der Pluspunkt dieser Krimireihe ist der Schauplatz Hawai und die Verbindung der Fälle mit der hawaiianischen Urkultur. Diesbezüglich fand ich es in diesem Band unglaubwürdig, dass die Tatwaffe so spät bekannt, bzw. erkannt, wird. Aber die Kombination hat Potential, weswegen ich schon jetzt gespannt bin, wie sich die Serie entwickelt und lese auf jeden Fall weiter - und hoffe, dass Band 2 und 3 auch bald übersetzt werden.
Fazit: Ein Auftakt mit Luft nach oben - der Schauplatz plus die kulturelle Verbindung ist höchst interessant.
3.5 Punkte.
Erben will gelernt sein
Der Rabbi und der Kommissar: Du sollst nicht morden von Michel Bergmann
Krimis mit Ermittler, die eigentlich Pfarrer, Nonnen, Mönche oder eben Rabbis sind, mochte ich immer schon gerne, sie gehören zu meinem Beuteschema. Deshalb kam ich auch nicht an "Der Rabbi und der Kommissar - Du sollst nicht morden" vorbei.
Es war eine total kurzweilige Lektüre, denn (nicht nur) die Hauptfiguren sind toll gezeichnet.
Ihre Bekanntschaft schliessen Rabbi Henry Silberbaum und Kommissar Robert Berking auf eine spezielle Weise. Sie erwischen einander jeweils auf dem falschen Fuss und in einer blöden Situation und sind von einander total genervt, doch mit der Zeit nähern sich die beiden an - eine lockere, aber interessante Zusammenarbeit entsteht.
Der Mord an Ruth Axelrath erscheint Silberbaum kurios, denn erst vor wenigen Tagen war die alte Dame bei ihm und erzählte, wie sie sich ihr weiteres Leben vorstellt. In diesem Kontext scheint ihr Todesfall höchst verdächtig, erst recht als der Ehemann der Dame gegen eine Obduktion ist und seine Frau so schnell wie möglich beerdigen will. Der hat die Rechnung aber ohne den Rabbi gemacht. Silberbaum gibt nämlich nicht so schnell auf und lässt sich so einiges einfallen, damit der Tod von Frau Axelrath geklärt wird.
Vieles "klärt" er alleine, bei einigen Dingen benötigt er die Hilfe von Berking und jene eines befreundeten Arztes. Eine anfänglich undurchsichtige Rolle spielt die Altersheimleiterin Esther Simon, wogegen Buchhändler Jossi Singer dem Rabbi die eine oder andere Hilfestellung bietet. Ebenso seine Sekretärin Kimmel, an der nicht jede/r vorbeikommt.
Ich mag Rabbi Silberbaum. Er ist witzig, nicht aufs Maul gefallen und zitiert gerne aus der Literatur. Kein Wunder, hat er doch neben Mathe auch Philosophie, Literatur und Psychologie studiert - erst später folgte sein Judaistikstudium. Silberbaum hat eine Freundin in New York, aber es ist eine Fernbeziehung, bzw. eher eine Telefonbeziehung, die wahrscheinlich nicht mehr lange hält.
Michel Bergmanns Schreibstil macht es einfach, den Krimi nicht mehr aus der Hand zu legen, bis er viel zu schnell ausgelesen ist. Ich mochte den leisen, teilweise ironischen Humor, die vielen passend eingestreuten Witze und das Geschehen im Umfeld des Rabbinats, welches einen guten Einblick in die vielfältige Arbeit eines Rabbiners gibt.
Der Cliffhanger am Ende von "Du sollst nicht morden" lässt darauf schliessen, dass dies der Auftakt zu einer Reihe ist. Das freut mich, denn ich glaube, das Rabbi-Kommissar-Gespann könnte noch einige tolle Fälle gemeinsam lösen und die möchte ich auf jeden Fall verfolgen.
Die einzige Sache, die man hätte ausbauen können, ist die Sache mit dem anfänglich von einem Altersheimbewohner geerbten "Ding". Am Ende kommt dieses "Ding" nochmals vor, hätte aus meiner Sicht aber besser eingegliedert werden können. Vielleicht kommt da ja auch noch was im nächsten Band, wer weiss.
Fazit: Ein tolles Team, der Kommissar und der Rabbi - gerne mehr davon!
5 Punkte.
Tolle Protagonistin, fragliches Ende
The Maid von Nita Prose
Molly ist nicht wie andere Leute. Sie ist bei ihrer Grossmutter aufgewachsen, mit der sie bis zu derem Tod zusammen lebte und hat einen Job in einem Londoner Hotel als Zimmermädchen. Molly arbeitet sehr genau und gut. Aufgrund ihrer Persönlichkeit, die wohl irgendwo im Autismus-Spektrum anzusiedeln ist, merkt sie aber sehr oft nicht, dass andere Leute sie ausnutzen und Freundschaft nur vorgaukeln.
Als ein Stammgast tot in seinem Bett aufgefunden wird, wird sie verdächtigt - vor allem auch deshalb, weil Molly sich anders verhält als andere Menschen. Ihre Unschuld zu beweisen gilt es jetzt.
Die Geschichte, die Nita Prose zu Papier gebracht hat, macht Spass zu lesen.
Die Vorgänge im Hotel, die interessanten Nebenfiguren mit all ihren unterschiedlichen Eigenheiten und vor allem Mollys Persönlichkeit - alles ist toll beschrieben und man fliegt beim Lesen nur so durch die Seiten.
Vor allem in der zweiten Hälfte, wenn der Krimi Fahrt aufnimmt, merkt man, wie toll die Autorin ihre Story aufgebaut hat.
Nur die finale Auflösung am Ende passt da nicht wirklich rein, passt auch nicht recht zu Mollys Art, damit umzugehen und kommt vor allem aus heiterem Himmel. Mit der Auflösung kann ich so zwar leben, hätte es aber besser gefunden, wenn irgendetwas davon zu erwarten gewesen wäre. Da das Buch verfilmt werden soll, bin ich gespannt, wie diese Schlussszenen in der Verfilmung gelöst werden.
Auf jeden Fall ist es mal ein etwas anderer Krimi. Aber vielleicht sollte man ihn nicht gerade während eines Hotelaufenthalts lesen ;-)
Fazit: Auch wenn man sich aufgrund des fraglichen Endes streiten kann, nur schon allein wegen der originellen Protagonistin lohnt sich dieser gemütliche Krimi zu lesen.
4 Punkte.
Morde wie aus dem Buch
Eine verdächtig wahre Geschichte von Antoine Laurain
Wenn ihr "Eine verdächtig wahre Geschichte" lesen wollt, beginnt dann, wenn ihr eine Stunde, noch besser zwei Stunden, am Stück dran lesen könnt. Wer es unterwegs anfängt, und nur jeweils so 10 Minuten lesen kann, kommt nicht richtig rein. So ist es jedenfalls mir ergangen. Ich kam auf den ersten etwa 50 Seiten nicht rein in diese verdächtig wahre Geschichte und hatte lange auch nicht wirklich den Drang Dinge liegen zu lassen und stattdessen zu lesen.
Denn die Geschichte baut sich an einem Punkt auf, geht von da zurück und macht eine Schleife, bis man wieder am anfänglichen Punkt ist und die Vorgeschichte versteht.
Antoine Laurain baut dazwischen immer wieder neue überraschende Dinge mit ein, und je weiter man kommt, je neugieriger ist man auf das Ende. Da hab ich dann Dinge liegen gelassen und weiter gelesen.
Ich würde jetzt mal sagen, der Weg dahin, also zum Ende, ist das Ziel. Diesen Weg zu lesen macht Spass. Das Ende selbst kommt plötzlich und wirkt deshalb auf mich ambivalent. Aber der Aufbau des Romans ist schon sehr stimmig und die Auflösung Ergebnis guter Polizeiarbeit. Es ist halt ein typischer Laurain-Roman - immer ein toller Aufbau, auf den ein Ende folgt, mit dem man nicht gerechnet hat.
Ausserdem hat bei Laurain immer jede Figur seinen Platz in der Geschichte, niemand ist überflüssig. Hier ist es das Verlagsteam, die beiden Polizisten, sowie Violaines Umfeld. Jede Figur wird vorgestellt und besonders im Verlag spürt man, dass sich das schon sehr familiär anfühlt.
Das Rätsel um die Morde, die genau so ablaufen, wie der für den Literaturpreis nominierte Spitzentitel aus dem Verlag, geben allen grosse Rätsel auf. Die Suche nach dem Autor, der auch Violaine unbekannt ist,
Fazit: Ein Roman mit Krimi-Elementen - der immer wieder überraschende Details an Licht bringt.
4 Punkte.
Mit Lesen reisen
Aloha im Herzen von Sabine Lay
"Hibiskustage", der erste Roman, den Sabine Lay in Hawai spielen liess, hat mich zwar unterhalten, aber aufgrund von unrealistischen Szenarien und einem eher einfachen Schreibstil nicht überzeugt. Dennoch wollte ich "Aloha im Herzen" lesen, der Klappentext hörte sich zudem reizvoller an als die Freundinnen-Geschichte in "Hibiskustage".
Dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Der Stil der Autorin hat sich entwickelt. Der vorliegende Roman ist nicht nur spannender, sondern auch sprachlich besser zu lesen.
Das Foto der Frau aus dem Königspalat, die Lauras Ebenbild zu sein scheint, lässt Laura nicht mehr los. Doch erst muss sie den plötzlichen Tod ihres Mannes überstehen. Bevor sie ihr Leben neu startet, fliegt sie noch einmal nach Hawai und erforscht nach und nach die bemerkenswerte Geschichte der Frau vom Foto aus dem Palast.
Diese Entdeckungsgeschichte hat mich gefesselt, ich wollte unbedingt wissen, welche Zusammenhänge zur Gegenwart bestehen. Die Gegenwartsgeschichte läuft gemütlich ab, als Leserin fühlt man sich zusammen mit Laura sehr wohl auf Hawai.
Für mich war es die absolut richtige Lektüre im kalten Januar - dem ich durch Lauras Geschichte und der ihrer Doppelgängerin wunderbar entfliehen konnte. Gerne hätte ich mit ihren Gastgebern zusammen gegessen, wäre mit einigen Figuren auf Inseln-Entdeckungstour gefahren und hätte Stunden in den wunderbaren Gärten verbracht.
Sabine Lay bringt in "Aloha im Herzen" aber nicht nur Fernwehstimmung mit, sondern auch kleine Happen geschichtlicher Details. Es werden nebenbei die letzten Jahre des Königreichs beschrieben, das fand ich interessant.
Klar gibt es bei Lauras Geschichte einige praktische Zufälle (wie zum Beispiel der Tod von Lauras Mann), aber die wurden klar und logisch aufgebaut, so dass mich das nicht störte. Irgendwie musste er ja weg, andere Lösungen wären auch nicht eleganter gewesen. Da hab ich in andern Büchern (auch in "Hibiskustage") schon viel schlimmere Begebenheiten gelesen, über die man sich aufregen kann.
Fazit: Ein Roman, der den Urlaub ersetzt. Es ist eine interessante Reise nach Hawai - mit Sonne, gutem Essen, Ausflugszielen, bisschen Inselgeschichte und netten Charakteren. Was will man mehr, ausser real hinzureisen?
4 Punkte.











