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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Das fast perfekte Verbrechen
Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar von Robert Thorogood
Judith Potts kennt man in Marlow - im Laufe dieses Krimis wundert sie sich noch öfters darüber, wenn sie mal wieder erkannt wird. Sie selbst kennt nicht sehr viele Leute, denn sie ist gerne alleine in ihrem von der Grosstante geerbten grossen Haus. Judith liebt es abends zu puzzeln, ein Glas Whisky zu trinken und in der Themse schwimmen zu gehen.
Eine bequeme Sache, da ihr Grundstück direkt an der Themse liegt - Bootshaus und Stechkahn inklusive. Als sie eines Tages ihr Bad im Fluss wieder einmal geniesst, hört sie komische Geräusche vom Haus auf der anderen Flussseite. Sie macht sich Sorgen um ihren Nachbarn Stefan und schaut nach. Überzeugt davon, Ohr-Zeuge eines Mordes gewesen zu sein, ruft sie die Polizei, die ihr aber nicht glaubt.
Judith denkt, ihrem Nachbarn schuldig zu sein herauszufinden, wer ihn getötet hat. Sehr schnell findet sie einen Verdächtigen, der allerdings ein stichfestes Alibi hat. Judith lässt das alles keine Ruhe und beginnt, weiter zu ermitteln - mit der Hilfe von Hundesitterin Suzie und Pfarrersfrau Becks, die sie bei ihren Ermittlungen kennenlernt. Ein schwieriger Fall für die drei Frauen, aber gemeinsam schaffen sie es, das Geheimnis zu lösen.
Dabei verärgern sie das eine oder andere Male die Polizei, insbesondere DS Tanika Malik. Doch selbst Tanika muss zugeben, dass der "Marlower Mordclub" gute Hinweise liefert.
Bei Krimis mit eigenwilligen Figuren ist es manchmal schwierig eine Mitte zu finden, damit das Ganze nicht zu lustig wird. Oder die Figuren so speziell sind, dass die Beschreibungen darüber zu viel Platz brauchen und der Kriminalfall dabei in den Hintergrund gerät. Klar, dass die drei Frauen mit ihren Eigenheiten im ersten Band noch genau beschrieben werden, doch der Autor versucht diese Dinge immer in den Zusammenhang mit dem Mordfall bzw. den Ermittlungen zu stellen.
Mit Leichtigkeit, wie es scheint, ist es Robort Thorogood gelungen, uns Lesern einen ausgewogenen Krimi, eindeutig mit Tendenz zum sich Amüsieren, aber mit solider und stimmiger Aufklärungsarbeit, vorzulegen.
Stellenweise erinnert "Mrs Pott's Mordclub und der tote Nachbar" natürlich, und vielleicht auch bewusst, an "Mrs Marple". Es macht riesigen Spass die drei englischen Ladys bei ihrer Detektivarbeit zu begleiten und man darf gespannt sein, was sie in weiteren Fällen noch zu leisten vermögen.
Fazit: Erfrischender Auftakt zur neuen Krimireihe - der Mörder hat definitiv nicht mit diesen drei exzentrischen Frauen gerechnet, sonst wärs das perfekte Verbrechen geworden.
5 Punkte.
Reis mit Mord
Acqua Mortale von Giulia Conti
Klar ist es toll, wenn Krimi-Reihen von Anfang an überzeugen. Schön ist aber auch, wenn sich Reihen von Band zu Band steigern.
Genau das ist hier, bei der "Simon Strasser"-Reihe, die sich im Piemont rund um den Lago d'Orta abspielt, der Fall. Der erste Band noch nicht überzeugend, der zweite bedeutend besser und spätestens der vorliegende dritte Band kann mit anderen Krimiserien durchaus mithalten.
Thematisch erinnert "Acqua Mortale" an die "Xavier Kieffer"-Fälle eines deutschen Autors: Pfusch beim Lebensmittelanbau. Hier ist es u.a. das Thema Reis, der wird, was viele nicht wissen, auch im Piemont angebaut. Doch die Autorin baut auch regionale und geschichtlich interessante Details mit ein, so dass für alle Leser etwas dabei ist.
Im Mittelpunkt des Krimis steht der bei einem Halbmarathon vergiftete Chef einer Reisplantage. Dessen Reis soll mit Herbiziden verunreinigt sein, wie u.a. Gianluca Simon berichtet. Gianluca ist ebenfalls Journalist wie Simon, der seit Band 2 zusätzlich zu seinem Job offiziell als Dolmetscher bei der italienischen Polizei zugelassen ist. Als solcher wird er bei diesem Mord herbeigezogen.
Wie bisher immer belässt es Simon aber nicht beim Übersetzen, sondern will der Sache auch als Journalist entgegentreten und so ermittelt er auf eigene Faust. Dieses Mal wird er oft von Gianluca begleitet, aber der ungeduldige Simon unternimmt auch den einen oder anderen Alleingang, der ihn in Schwierigkeiten bringen könnte.
Privat steht Simon immer noch zwischen zwei Frauen, zwischen Kommissarin Carla und seiner Lebenspartnerin Luisa. Letztere bleibt mal wieder in Frankfurt und schiebt Arbeit vor - weswegen Simon ins Zweifeln kommt. Am Ende des Krimis hofft man, dass sich Luisa ein für alle Mal entscheidet, denn Simon kann das nicht wirklich (obwohl er da sicher anderer Meinung wäre). Zum Glück ist er im Ermitteln besser als in Liebesentscheidungen!
Gegessen wird - wir sind in Italien - natürlich auch oft, und öfters mal, dem Thema entsprechend, regionaler Reis. Man könnte meinen, beim Leben würde einem der Appetit auf Risotto vergehen, doch da kann ich klar abwinken: an den zwei Tagen, an denen ich in Acqua Mortale gelesen habe, habe ich zweimal genüsslich italienischen Risotto verspeist. Für alle, die skeptisch sind: spätestens nach der Lektüre ist die Lust auf Risotto wieder hergestellt.
Fazit: Unterhaltender Krimi mit tollem Ambiente und interessantem Thema.
4 Punkte.
Krimi und historischer Roman: 2 in 1
Die Hafenärztin. Ein Leben für die Freiheit der Frauen von Henrike Engel
Die Autorin kenne ich unter einem anderen Pseudonym von anderen Büchern, einem anderen Genre. Nach der Lektüre des ersten Bandes der Hafenärztin muss ich sagen, dass sie auch dieses Genre gut beherrscht.
Dieser Roman ist quasi zwei in eins. Historischer Roman, aber auch historischer Krimi. Beides verbindet Henrike Engel zu einer tollen Geschichte.
Auf der einen Seite ist da die "Hafenärztin" Doktor Anne Fitzpatrick, die in Frauenhäuser arbeitet und versucht den Arbeiterfrauen und im Milieu zu helfen. Selbst hat Anne aber auch ein Geheimnis inne, sie hat einen neuen Namen angenommen, um möglichst unerkannt zu bleiben. Wieso, bleibt lange ein Rätsel.
Helene Curtius, eine junge Pastorentochter, weiss nicht was sie will, aber auf jeden Fall, was sie nicht will: nämlich eine Haushaltsschule zu besuchen und früh heiraten. Falls überhaupt. Sie versucht im Frauenhaus mitzuhelfen, was aber doch nicht so einfach ist wie gedacht.
Auf der anderen Seite, der Krimiseite, steht Kommissar Berthold Rheydt, der einen Mord im Milieu aufklären soll. Froh, endlich alleine einen Fall zu bearbeiten, kommt er bald an seine Grenzen. Auch körperlich, dies merkt er vor allem beim Fussballspielen. Ab und zu holt ihn seine Vergangenheit ein, der Verlust seiner Frau und seines Sohnes macht ihm immer noch zu schaffen.
Diese beiden Seiten verknüpft Engel nun auf eine tolle und vor allem glaubhafte Art und Weise. Sie bringt auch unheimlich viel Zeitgeist mit rein, sei es die Arbeit der Polizei und den Möglichkeiten der damaligen Forensik, das Leben der Frauen verschiedener Gesellschaftsschichten in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts, aber auch die Politik und das Leben in Hamburg allgemein.
Ganz nebenbei erfährt man noch über die Anfänge der Fussballclubs, da Rheydt bei St. Pauli spielt. Aufgenommen in die Clubs wurden damals noch die Männer aus der besseren Gesellschaft, unabhängig davon, ob Talent vorhanden war oder nicht. Vielleicht erlebt man in den weiteren Bänden ja noch den Umschwung zur Öffnung für alle Schichten mit.
Mit all diesen Themen und interessanten Figuren macht es enorm viel Spass diesen historischen Romankrimi zu lesen.
Fazit: Ein toller Serieneinstieg, bei dem man sich direkt nach dem Lesen danach sehnt, im nächsten Band weiter lesen zu können.
5 Punkte.
Familiengeheimnisse
Der Tod bleibt über Nacht von Molly Flanaghan
Der erste Band hat mir gut gefallen, weshalb ich mich auf diesen zweiten Band und ein Wiedersehen mit den bereits bekannten Bewohnern von Ballinwroe freute.
Fionas B & B ist ausgebucht. Eine Hochzeitsgesellschaft, bzw. die Familie der Braut hat sich eingemietet. Die beiden Familien stammen ursprünglich von Ballinwroe und sind im Dorf gut bekannt.
Zwischen den Familien muss vor etlichen Jahren etwas vorgefallen sein. Man sagt, ein Landkauf steht im Zentrum für den Streit, der immer wieder entfacht wird. Nicht nur der Wirt des Pubs und der Dorfparrer Michael müssen das eine oder andere Mal beruhigend eingreifen.
Der Krimi beginnt gut, doch ab einem gewissen Zeitpunkt ging alles viel zu schnell. Bis hin zum Mord wurde alles genau erzählt, aber die Ermittlungen fanden praktisch kaum und nur mit Auslassungen statt. Zum Beispiel wird Aidans Mitarbeiter irgendwo abgesetzt und danach liest man von ihm nichts mehr, er wird dann mehr in einem Nebensatz noch erwähnt, dass er dies und jenes herausgefunden haben soll bei seinen Gesprächen.
Es fühlte sich auch mehr so an, dass sich in diesem zweiten Band alles mehr um Aidans Undercover-Einsatz dreht, der erneut lang und breit geschildert, aber, einmal mehr, nicht aufgelöst wird. Der Mordfall in Ballinwroe ist da eher Beiwerk.
Fazit: Unterhaltender 2. Band, nicht schlecht, aber mir ging alles zu schnell - bzw. wurde einiges ausgelassen, deshalb nur 3.5 Punkte.
3.5 Punkte.
Eine passive Ariadne
Ich, Ariadne von Jennifer Saint
Nach den beiden einzigartigen Romanen von Madeleine Miller erwartete ich von "Ich, Ariadne" von Jennifer Saints ähnlich Gutes. Vor allem, da ich schon mehrere ältere Romane über Ariadne und Theseus las, die mir alle gut gefallen haben.
Doch leider kann dieser Roman bei weitem nicht mithalten.
Ganz oft hab ich das Buch abends weggelegt und was anderes gelesen. Es waren einige Bücher, die ich diesem hier vorzog.
Schon der Anfang las sich schwierig, man wird überschwemmt mit Sagen, die nebensächlich sind. Der Schreibstil ist langweilig, es wird aus Sicht von Ariadne erzählt, aber man könnte ebensogut einfach die ursprüngliche griechische Sage in einem Mythologie-Buch nachlesen.
Ariadne und auch die anderen Figuren blieben blass. Die Autorin hat der Protagonistin keine Persönlichkeit zugestanden, die man auf irgendeine Weise besser verstehen oder besonders mögen oder wenigstens gar nicht mögen hätte können. Ariadne macht nämlich genau nichts, sie wird mehr als Zuschauer beschrieben, denn als aktive Protagonistin.
Ich kann nicht verstehen, wieso man diesen Roman als ebenbürtig zu Millers Romanen einordnet. Oft hab ich daran gedacht, abzubrechen, doch ich hielt durch, damit mir niemand sagen kann, "aber nach dem zweiten Drittel, nach der Hälfte, etc., wurde es besser". Wurde es nicht. Im zweiten Teil hat eindeutig Ariadnes Schwester Phädra die Nase vorn und wird mehr zur Protagonistin als Ariadne es je in diesem Roman war.
Fazit: Leider konnte ich mich so gar nicht anfreunden mit "Ich, Ariadne". Vielleicht waren meine Erwartungshaltung nach den genialen Werken von Madeleine Miller auch einfach zu hoch.
2.5 Punkte.
Auf Familienbesuch in Schweden
Der süße Himmel der Schwestern Lindholm von Andrea Russo
Andrea Russo (auch bekannt von ihren Anne Barns- und Anne Töpfer-Romanen) begibt sich mit "Der süsse Himmel der Schwestern Lindholm" auf neue Pfade.
Neu ist Schweden anstatt Deutschland Schauplatz ihres neuen Romans und neu ist auch die Zeit, in der der Roman angesiedelt ist. Nicht Gegenwart mit ein paar Rückblicken in die Vergangenheit, sondern Vergangenheit mit einem Prolog in der Gegenwart.
Alt bekannt für Leserinnen der Autorin, dass meistens Schwestern die Protagonistinnen ihrer Romane sind. So auch hier. Deshalb startet der Roman im Jahr 1936 im damals kriegsneutralen Schweden und erzählt von einer im südschwedischen Fischerort Arild wohnhaften Familie, vor allem von den fünf Töchtern der Lindholms.
Hauptsächlich geht es um die drei älteren Schwestern, alle drei plus minus 20 Jahre alt. Ingrid (21), Matilda (19) und Hannah (23). Matilda arbeitet im Nachbarort Mölle in einem Hotel, Hannah und Ingrid arbeiten in der familieneigenen Bäckerei, zusammen mit ihrer Mutter und Grossmutter. Die beiden jüngeren Schwestern, Ebba und Ulla, gehen noch zur Schule. Der Vater arbeitet aus wirtschaftlichen Gründen in der nördlichsten Stadt Schwedens, in Kiruna.
Während wir der Umsetzung der Idee der Schwestern der Bäckerei ein Café anzugliedern zusehen, erleben wir auch, wie sie alle drei versuchen, sich ein neues Leben neben der engen Familiengemeinschaft aufzubauen.
Hannah zum Beispiel, eine begnadete Bäckerin, ist eigentlich mit Gunnar liiert, verliebt sich aber in den Deutschen Karl. Die Familie ist skeptisch über diese mögliche Verbindung in diesen unsicheren Zeiten, allen voran der Grossvater, der die Deutschen nicht mag.
Ingrid muss sich eingestehen verliebt zu sein, aber diese Liebe scheint nicht erwidert zu werden - und überhaupt, alles gerade schwierig.
Matilda, der Freigeist unter den Schwestern, möchte Schauspielerin werden, und beginnt eine Affäre mit einem verheirateten Künstler, obwohl vor ihrer Nase jemand sitzen würde, der sie liebt.
Es ist sehr spannend und interessant der Geschichte zu folgen, so flüssig wie sie geschrieben ist, sowieso. Man möchte den Roman auch nicht aus der Hand legen, bevor man nicht genau weiss, wie alles ausgegangen ist. Denn natürlich ist das, was ich oben zu den Schwestern geschrieben habe, nur ein winzig kleiner Ausschnitt von dem, was im Roman alles passiert.
Die Frauen der Familie muss man einfach mögen, aber auch der grummlige Grossvater, der mehr mitbekommt, als die Schwestern denken, wächst einem irgendwie ans Herz. Deshalb freu ich mich auch sehr auf die Fortsetzung, denn es wird mindestens noch ein Lindholm-Roman folgen, Ende 2022 soll es vermutlich so weit sein.
Dieses andere Setting, diese andere Zeit - ja, auch das kann und beherrscht Autorin Andrea Russo und beweist sie mit "Der süsse Himmel der Schwestern Lindholm". Wie immer sind einige Rezepte enthalten. Für die Chokladbollar braucht es nicht mal einen Backofen, sind kinderleicht nachzumachen - und perfekt geeignet, sie immer mal wieder während der Lektüre zu geniessen. Oder, als süsse und passende Beigabe, wenn man das Buch verschenken möchte.
Fazit: Eine tolle, sympathische und vor allem lecker-süsse Geschichte - Andrea Russo at her best, von ihrer besten Seite.
5 Punkte.
Ein Blick hinter die Schlagzeilen
Wallis und Edward. Eine Liebe, stärker als die Krone von Wendy Holden
Fast 100 Jahre ist es her seit der grössten Krise des englischen Königshaus. Was damals die Krise auslöste, ist aus heutiger Sicht schwer verständlich: der britische Thronfolger liebt eine bürgerliche, geschiedene Frau und möchte sie heiraten, doch die Regierung ist dagegen. Edward VIII., von allen David genannt, zieht die Konsequenzen und tritt nach nur zehn Monaten als König ab.
Wendy Holden hat sich dieser Frau angenommen und legt mit "Wallis & Edward" einen Roman vor, der über diese grosse Liebe erzählt. Bereits in ihrem Buch "Teatime mit Lilibet" lässt sich erahnen, dass Wallis Simpson eine grosse Faszination auf die Autorin ausübt.
Diese Faszination bringt sie nun auch uns Leserinnen näher. Plastisch schildert Wendy Holden Wallis Leben: ihre tragische Vergangenheit, der Wunsch Fuss in der britischen High Society Fuss zu fassen und das Kennenlernen des Prince of Wales sowie die daraus entstehende Freundschaft, die bald zur tiefen Liebe wurde. Eine Liebe, die nicht gern gesehen wurde und schlussendlich wider gängigem Erwarten der damaligen Gesellschaft bis zum Tode Davids hielt.
Mit seinem Tod beginnt "Wallis & Edward". Ab diesem Zeitpunkt in ihrem Haus in Paris bis zu seinem Begräbnis, eine Woche später in Windsor, begleiten die Leserinnen Wallis. Von hier aus wird immer wieder chronologisch zurück geblickt auf die Lovestory der beiden. Oder umgekehrt: die chronologische Erzählung wird öfters durch die Begräbniszeremonie unterbrochen. Es ist aber keine störende Unterbrechung, sondern eher ein Atemholen - man weiss gar nicht, ob man von der Zeremonie und dem Verhalten der Royals eine Atempause braucht oder von der fesselnden Erzählung über Wallis und Co.
Sofort ist man in die Geschichte vertieft, bedauert Wallis, findet sie manchmal anstrengend, hofft mit ihr, bis man sie bewundert für ihr Aushalten, ihre Geduld und ihre Liebe. Beide, Wallis wie auch Edward, werden aber nicht verklärt, sondern mit ihren Fehlern dargestellt.
Mit ihren beiden Büchern über Frauen, die mit dem britischen Königshaus in Verbindung standen, hat mich Wendy Holden begeistert. So sehr, dass ich auch ihre zukünftigen Bücher sicher lesen werde, denn ihr Schreibstil ist enorm packend. Ich mag, dass Holden ihre Heldinnen nicht auf einen erhöhten Thron setzt, sondern ihre Protagonistinnen mit all ihren Seiten und mit all ihren Fehlern zeigt und zudem nicht auf den Tränenkanal drückt.
Einzig die Titel einiger damals lebender, aber inzwischen verstorbener Royals waren manchmal irritierend zu lesen, denn dieselben Titel tragen zur Zeit andere Mitglieder des britischen Könighauses.
Fazit: Der Blick hinter die Schlagzeilen der 30er Jahre gelingt Wendy Holden perfekt. Sie schuf einen mitreissenden Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen mag.
5 Punkte.
Eine zähe Lektüre
Jane Austen und die Kunst der Worte von Catherine Bell
Vielleicht romantisieren wir Jane Austen, aber die Vorstellung, wie Jane gegen alle damaligen Konventionen an ihr Talent glaubte und schrieb und schrieb, ist schon sehr eindrücklich. Deshalb eignet sich ihr Leben auch gut als Vorlage für Romane oder Verfilmungen.
Catherine Bell hat diese Vorlage genommen und daraus eine Romanbiografie gestrickt.
Im ersten Teil beginnend um 1795, kurz nach Janes 20. Geburtstag, war ich noch begeistert, doch kurz vor dem zweiten Teil begann das Verheerende: einerseits springen die Zeiten hin und her, es ist also nicht mehr chronologisch erzählt. Und andererseits baut die Autorin immer wieder Texte aus Jane Austens Bücher ein.
Diese Zeitensprünge fand ich anstrengend und ich möchte gar nicht wissen, wie dies Leserinnen empfinden, die Janes Biografie nicht kennen. Die seitenfüllenden zitierten Stellen aus Austens Büchern passen zwar zu dem, was gerade im Roman passiert, aber sie sind viel zu umfangreich.
Beides zusammen, Zitate und Zeitensprünge, rissen mich aus dem Lesefluss. Ich kam nur schleppend voran und verlor immer mehr mein Interesse. Schade, denn der Start war vielversprechend.
Fazit: Prolog und Epilog fand ich gut gewählt. Leider überwiegte für mich der zähe zweite und dritte Erzählteil, weshalb mich "Jane Austen und die Kunst der Worte" nicht zufrieden stellen konnte und enttäuschend zurück liess.
3 Punkte.
Alice in Griechenland
Die vergessene Prinzessin von Eva-Maria Bast
Auf diesen Roman hab ich mich gefreut, da ich über Prinz Philips Eltern gar nichts wusste. Eva-Maria Bast hat sich seiner Mutter angenommen, Alice von Battenberg.
Die Autorin erzählt in "Die vergessene Prinzessin" die Geschichte seiner Eltern, wie sie sich kennen und lieben lernten, wie Alice zu Andreas nach Athen zog und wie ihr Leben durch den Griechenland-Krieg geprägt wurde.
Anstatt die Zeit mit ihren kleinen Töchtern zu geniessen, hilft Alice mit, Lazarette aufzubauen und Kriegsverletzte zu pflegen. Doch auch nach dem Krieg ist ihr keine Ruhe gegönnt, die Unruhen dauern an. Zudem gibt es schlechte Nachrichten von ihren Familienmitgliedern in Russland.
Es war eindrücklich, was Alice alles geleistet hat. Das wurde sehr gut wieder gegeben. Doch dass die taube Alice angeblich normal verständlich reden konnte, kann ich der Autorin aber nicht abnehmen. Auch wenn Alice und ihr Umfeld mit ihrer Taubheit gut umzugehen wusste, sind die vielen Dialoge für mich in dem Masse nicht glaubwürdig.
Interessant war die Geschichte des griechischen Königshaus. Wie stark die Verbindungen zum russischen Zarenhaus und dem britischen Königshaus ist, war mir nicht bewusst. Seit der Lektüre weiss ich nun auch, woher der Name Mountbatten stammt.
Aus historischer Sicht war die Lektüre der vergessenen Prinzessin zwar lehrreich, aber der Roman war mir zu detailreich und ausschweifend und vermochte mich deshalb leider nicht zu fesseln. Lieber hätte ich stattdessen noch mehr zu Alices späterem Leben gelesen. Der Prolog versprach in dieser Hinsicht zu viel.
Manche Szenen empfand ich auch als kitschig und dass Alice Nichte um 1902 eine Schneewittchenkette trug, wenig glaubwürdig. Die Kette entsprang zwar der Fantasie der Autorin, wie sie im Nachwort schreibt, aber da wars längst zu spät, weil ich mich auf den verbleibenden Seiten über diesen Anhänger ärgerte und die Kette immer mal wieder erwähnt wurde. Das Märchen von Schneewittchen war damals bekannt, aber gab es damals tatsächlich solche Anhänger? Merchandising im 19. Jahrhundert? Ein stinknormaler Tieranhänger hätte es doch auch getan, das wäre viel glaubhafter.
Fazit: Die historische Seite war zwar interessant geschildert, wenn auch zu ausführlich. Unter anderem ein Grund, weshalb mich "Die vergessene Prinzessin" nicht überzeugte.
3 Punkte.
Winterstimmung in Amsterdam
Der Zauber eines Wintertages von Karen Swan
Karen Swan suchte sich für "Der Zauber eines Wintertages" eine mal etwas andere Stadt als die üblichen Verdächtigen wie London aus, nämlich Amsterdam mit seinen vielen Grachten und den allgegenwärtigen Velos, denn in Amsterdam wimmelt es von Velofahrern.
Eine dieser Amsterdamer Velofahrerinnen ist die Britin Lee, preisgekrönte Fotografin mit eigenem Studio und Assistenten.
Man merkt schnell, dass Lee übervorsichtig ist, insbesondere wenn es um ihren fünfjährigen Sohn Jasper geht. Aktuell fotografiert sie für ein Magazin zwölf ausgewählte Personen, darunter sind u.a. bekannte Sänger und Schauspieler. Doch Lee kann mit dem Promigehabe nichts anfangen und knipst lieber ehrenamtlich im Kinderspital. Dort lernt sie den diesjährigen Samichlaus kennen - der Augen hat, die man nicht vergisst. Sie treffen sich später privat, doch Lee will keine feste Beziehung, sie will bloss One Night Stands.
Dass Lee eine posttraumatische Belastungsstörung hat, liest sich schnell aus ihrem Verhalten heraus. Da man weiss, dass sie früher als Kriegsfotografin gearbeitet hat, wundert es überhaupt nicht. Man spürt aber auf jeder Seite, dass da noch viel mehr verborgen liegt - denn auch andere Augen als die von Sam kann sie nicht vergessen.
Die Autorin deckt Lees Geschichte nur sehr langsam auf, was Lee am Anfang oft unsympathisch und kaltherzig rüber kommen lässt. Doch spätestens nach den ersten beiden Rückblicken beginnt Lees Schicksal die Leserinnen zu berühren und trotz ihrer Härte nach aussen, versteht man wieso sie so wirkt und man nimmt schnell wahr, dass Lee eine herzensgute Person ist.
In "Der Zauber eines Wintertages" ist aber noch so viel mehr dabei als nur das. Auch andere Schicksale werden mit eingewoben, einige regen zum Rätseln an, andere sind eher tragisch. Ich mochte die - etwa zwei Handvoll - Nebenfiguren, sie hatten alle ihre Berechtigung. Einige davon sorgten für Unterstützung, dienten als Motivation für die Romanfiguren, andere boten den Leserinnen den einen oder andern Schmunzler.
Der Roman wäre fast ein 5-Sterne-Read geworden. Aber mir fehlte, ob all der erzählten tragischen Geschichten ein wenig der weihnachtliche Zauber. Obwohl das winterliche Amsterdam wunderschön gezeichnet wurde und ganz viele niederländische Traditionen eingebettet wurden, die ich hier mit grösstem Vergnügen kennenlernte, sowas mag ich ja sehr.
Es ist aber zweifellos einer der besten Romane, die Karen Swan jemals erzählt hat. Am besten zu lesen ist das Buch Anfangs Dezember, damit man etwa zeitgleich auf ist mit der Geschichte um Lee und Sam und vielen anderen.
Fazit: Winterstimmung in Amsterdam mit ganz ganz vielen Emotionen.
4 Punkte.











