Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
So steht es im Kirchbuch geschrieben
Die Hebamme von Edvard Hoem
Marta Kristine Andersdatter Nesje lebt im kargen Norwegen. Ihre Kindheit verläuft unspektakulär. Ein Entschluss reift in ihr, sie möchte Hebamme werden. „Eine Tätigkeit, von der zweier Menschenleben abhängt.“ Sie absolviert einen sechswöchigen Lehrgang und erwirbt grundlegende Kenntnisse. Hebammen-Stina wird allerdings nicht wirklich anerkannt, sie möchte also auf eine Hebammenschule in Christiana.
Zu Fuß wandert sie dorthin und legt 1822 ihr Examen ab. „So steht es im Kirchbuch von Veøy geschrieben.“
Eine harte Zeit folgt, Armut ist allgegenwärtig. Ihr Ehemann liebt sie, 11 eigene Kinder kommen auf die Welt, doch trotz härtester Arbeit ist die Not ständiger Gast. Als ihr Mann erkrankt, wird es nicht leichter. Selbst die kleinsten Kinder müssen mitarbeiten, auch der Dreijährige wird eingespannt. Aber Marta Kristiane gibt nie auf. Über 1000 Kinder holt sie in über 50 Jahren auf die Welt, hilft, tröstet, impft gegen Kinderlähmung. Auch als Witwe, der fast alles genommen wurde, lebt sie so, wie „Menschen es zu allen Zeiten taten“, aufrecht, mutig, stolz.
Diese Biografie musste erzählt werden. Wunderbar, wie Edvard Hoem berichtet. Seine Sprache ist klar, präzise, bilderreich, emphatisch. Seine Hebamme lebt. Er weckt Verständnis für das unsagbar schwere Leben vor noch nicht so langer Zeit.
Muss man gelesen haben!
Baggerführer sein
Meine Schiebebahn-Pappe: Fahr mit auf der Baustelle von Edvard Hoem
Ein neues Haus wird gebaut. Dafür wird eine Grube gebaggert, Beton geliefert, mit dem Kran Material transportiert, Boden planiert und ein Umzug durchgeführt. Für alles braucht man Fahrzeuge.
Realistisch gezeichnete Baufahrzeuge und die dazugehörigen Arbeiter zeigen die Abläufe. Schön, dass die Kinder jeweils ein Auto mit einem Finger vorwärts schieben können.
Leider geht das für kleine Finger schwer, das entsprechende Fahrzeug steht oft ungewollt Kopf oder kullert weg.
Die Bilder jedoch sind anschaulich, gut erkennbar, detailreich und in kräftigen Farben. Es gibt viel zu entdecken, Sprechanlässe sind reichlich vorhanden, die Thematik ist interessant und spricht Kinder an. Die Texte sind leicht verständlich und erklären den Baufortschritt in einfachen Worten.
Stabile Seiten halten eine Menge aus und lassen sich angenehm greifen.
Empfohlen ab 18 Monaten, ich würde einige Monate drauflegen.
Illustrationen von Lena Heger und Text von Julia Klee, herausgegeben vom Thienemann-Esslinger Verlag.
Einfach zauberhaft!
Dreh hin - Dreh her 2: Aufgewacht, kleiner Bär! von Sylvia Tress
Selten war meine Kleine von einem Buch so begeistert! Der kleine Bär ist nicht nur sehr niedlich, er scheint auch alles das zu machen, was bei ihr morgens angesagt ist. Aufwachen im Kinderzimmer mit Kuscheltier im Arm ( nur ein Mäuschen krabbelt nicht unter ihrer Decke hervor, aber verstreute Spielsachen gibt es auch), am Küchentisch warme Milch bekommen, Zähne putzen, sich anziehen und in den Kindergarten gehen .
.. . All das passiert, sie kann durch Ziehen an der Schlaufe Aktionen initiieren. Das gefällt ihr ( mir auch). Vorbild, Beispiel, Sprechanlässe und Aktivität bietet der Bär. Farbenfroh, mit angemessen wenig Text und liebevoll gestaltet ist dieses Mitmachbuch mit Bildern von Carola Sieverding und Text von Sylvia Tress aus dem Thienemann-Esslinger Verlag. Rundum gelungen, sehr gut geeignet für Dreijährige und älter.
Das Geheimnis des Saugroboters
Instagrammatik von Herr Schröder
Schröder unterrichtet Deutsch und Englisch am Gymnasium. Mit neuer Schulleiterin kommt frischer Wind ans HFG. Frau Anne Windkamp, 38 Jahre jung, Single, humorbefreit. In Schrödis Schule wird jetzt Digitalisierung und Online- Unterricht durchgesetzt. Aus dem Lehrerzimmer wird eine Begegnungslounge ohne Türen.
Statt Schlüsseln gibt es Chips. Für ihn nicht immer einfach. Schrödi selbst kann zwar einigermaßen mit dem Internet umgehen, ist aber so ein typischer Lehrer-Lehrer. Belehrend, klugscheißerisch, peinlich, mit Witzen, die er selbst am lustigsten findet, gern haarscharf am guten Geschmack vorbei. Positiv: Selbstironie kann er auch. Ob ihm das hilft, Klickmillionär zu werden? Wie die Schüler darüber denken, wird geschickt in diversen Chatverläufen offenbart.
Herr Schröder hat aber klammheimlich noch mehr zu bieten: höchst Kriminelles spielt sich an seiner Schule ab! So manches wirklich böses Geheimnis wird aufgedeckt. Welches? Wie? Wer? Selber lesen!
Humorvolles aus dem Ullstein Verlag, nicht nur für Lehrer unterhaltsam.
Entscheidungen
Wir für uns von Barbara Kunrath
Josefine Pankratz, einundvierzig Jahre alt, unerwartet schwanger. Ihr verheirateter Dienstagsfreund Bengt will das Kind nicht. Unglaublich , was sich manche Frauen bieten lassen.
Kathi, fast 50 Jahre verheiratet, wurde kurz vor der Goldenen Hochzeit Witwe. Eine gute, jedoch nicht immer glückliche Ehe liegt hinter ihr.
Sohn Max ist ihr keine Hilfe, hat eigene Probleme. Wehmütig kramt sie in Erinnerungen. Viel Arbeit war zu verrichten, Vieles kam zu kurz. Aber es hilft ja nichts, das Leben geht weiter.
Was zählt jetzt? Kann man verpasste Chancen zurückholen? Unabhängig leben und das auch gut? Welche Entscheidungen sind richtig? Sollte man mit über 40 sein erstes Kind bekommen? Sollte man mit über 70 einen Lebensmittelladen eröffnen?
Barbara Kunrath lässt ihre Protagonistinnen genau diese und mehr Fragen durchdenken. Einfühlsam und kritisch werden sie abwechselnd beantwortet. Nicht immer so, wie es andere erwarten.
Ein nachdenklich machender, gut zu lesender Roman, herausgegeben vom FISCHERKrüger Verlag.
Mord in Kentucky
Unbarmherziges Land von Chris Offutt
Mick Hardin, knallhart. Er ist bei seinem Großvater im Wald aufgewachsen, war 14 Jahre in der Armee, leitete strafrechtliche Ermittlungen beim Militär, ist spezialisiert auf Mordfälle. Er ist mehr so der Typ einsamer Wolf, familiäre Enttäuschungen trugen dazu bei. In Kentucky bist du ohne familiäre Bindungen nichts.
Man steht füreinander ein. Mick kann sich auf seine einheimischen Vorfahren berufen, das öffnet ihm Türen. Besonders, als er seine Schwester Linda, hier Sheriff, unterstützt. Ein weiblicher Cop ist einigen Machomännern ein Dorn im Auge. Ein Mordfall soll ihre Karriere beenden. Nicht mit Mick!
Chris Offutt hat einen packenden Abenteuer- und Kriminalroman geschrieben, der einen harten und raubeinigen, aber selbstlosen und für Gerechtigkeit eintretenden Mann in den Mittelpunkt stellt. Unterhaltsam, gut zu lesen.
Ein Kentucky-Krimi aus dem amerikanischen Englisch von Anke Caroline Burger, Tropen Verlag.
Hund am Tag, Katze in der Nacht
Unbarmherziges Land von Chris Offutt
Ein fröhlicher Hund lacht den Leser an, abenteuerlustig und gut gelaunt. Ihn dürfen wir durch seinen Tag begleiten. Niedliche Bilder, übersichtlich, trotzdem detailreich und mit kleinen Texten. Zu Hause, auf dem Markt, im Park - Spannendes für Wuffi. Bis er schlafen geht. Buch umdrehen! Macht Spaß.
Jetzt kommt die Katze und stromert durch die Nacht. Durch dunkle Ecken auf Mäusejagd, nachtaktive Tiere treffen. Auch auf die Umwelt wird geachtet: herumliegender Schmutz kann ausgewertet werden.
Es gibt viel zu entdecken, viel zu kommentieren und ein gemütliches Abschlusskuscheln. Schönes, robustes Kinderbuch für die Kleinen. Der große eingedruckte Aufkleber auf der Rückseite ist allerdings häßlich.
Geschrieben und illustriert von Kathrin Wessel und Katja Reider, Edition Piepmatz von Ravensburger.
Kranke Seelen
Der Blutkünstler von Chris Meyer
Tom Bachmann, der »Seelenleser«, ist zurück in Deutschland. Dort wird er dringend vom BKA erwartet. Eine grausame Mordserie soll von ihm und seinen Kollegen aufgeklärt werden. „Die Arbeit als Profiler war für ihn wie eine Sucht, die alles Dunkle in ihm überdeckte.“ Dieses Dunkle spielt eine entscheidende Rolle bei seinem Werdegang.
Als guter Teamplayer arbeitet Tom eng mit seinen Kollegen zusammen, sammelt Spuren wie Puzzleteile und setzt sie sorgfältig zusammen. Interessant zu erfahren, wie ein Profil erstellt wird.
Geschickt, spezielle Fälle aus Toms vergangenen Ermittlungen heranzuziehen, das ist unterhaltsam. Tom selbst ist eher gefühlsarm, dafür aber sehr effizient. Der sogenannte Blutkünstler ist absolut abartig, aber ist er auch clever genug, nicht entdeckt zu werden?
Ein zweiter Erzählstrang beschreibt den Rachefeldzug eines Pädophilenjägers. Gern gebe ich zu, dass diese Handlungsweise meinen Beifall findet.
Die Kriminalisten Tom, Ira, Philipp, Nina Und Katja haben jeder eine eigene Geschichte, erscheinen nahbar, sind vorstellbar angelegt.
Ein spannender Einblick in menschliche Abgründe, Grusel und Ekel inklusive, wieder toll beschrieben von Chris Meyer.
Packender Thriller aus dem Ullstein Verlag.
An der schönen blauen Donau
Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch
Ein schlechter Anfang. Leopold von Herzfeldt mischt sich unautorisiert und unerwünscht in eine Mordermittlung ein, arbeitet ganz anders als die erfahrenen Kollegen. Und dann noch sein hochdeutscher Dialekt! Damit macht er sich unbeliebt, bekommt nur unspektakuläre Fälle. Beispielsweise den eines Selbstmörders, dessen Leiche gestohlen werden sollte.
Der Totengräber Rothmayer, ein echtes Original, weiß mehr. Auch mit Totenweckern, Verwesungsprozessen, Wiedergängern und den Berühmtheiten auf dem Wiener Zentralfriedhof kennt er sich aus und beschreibt in seinem Werk »Almanach für Totengräber« eine Reihe interessanter Fakten.
Leo wird also gemobbt, quält sich mit einem Hochrad ab, dabei gibt es schon seit längerem Sicherheitsniederräder, er legt sich mit einflussreichen Leuten an, hat Geheimnisse. Und seine Ermittlungen werden aufs heftigste sabotiert. Wie soll er so die Pfahlmorde aufklären?
Oliver Pötzsch schreibt spannend, baut die Handlung stetig auf und steigert sie zu unglaublichen Geschehnissen. Spuren führen in höchste Kreise, das ruft gewaltigen Ärger hervor. Geschickt werden Verdachtsmomente gefunden, Spuren gelegt, Puzzleteile verknüpft und trotzdem kommt alles anders.
Viele interessante Vorstellungen über die Veränderungen der Toten sind am Anfang jedes Kapitels zu finden, gut beobachtet und begründet, Kurioses wie ein Traktat von dem Kauen und Schmatzen der Toten im Grab lassen staunen.
Eine packende Mörderjagd mit sympathischen und teils kauzigen Hauptfiguren im Wien des Jahres 1893, bestens zu lesen!
Historischer Kriminalroman aus dem Ullstein Verlag.
In memoriam
Betreff: Falls ich sterbe von Carolina Setterwall
Kennenlernen Carolina-Aksel 2009, Verliebtsein, Liebe, Anpassung,
Kompromisse, so normal, so viel passt, Alltag, 2014 Baby, so gewohnt.
Bis plötzlich ... so unfassbar, so schrecklich. Nie, nie wieder du.
Carolina Setterwall gelingt es, den Tod ihres Partners, ihren Verlust,
so zu beschreiben, dass auch der Leser tief betroffen ist.
Ihr Leid
mitempfindet, ihren Schmerz nachvollziehen kann. Sie gibt sehr ehrlich
ihre Gefühle wieder, erzählt selbstkritisch von Problemen, wirkt absolut
authentisch. Carro durchlebt eine emotionale Phase der Erinnerungen,
ungeschönt, realistisch, voller Liebe, voller spätem Verständnis. Sie
erzählt die Geschichte eines riesigen Verlustes, schildert den Prozess
der Trauer so mit erlebbar, dass man glaubt, den verstorbenen Aksel
gekannt zu haben. Ein liebevolles Gedenken, mutig verarbeitet.
Mitnehmend, beeindruckend. Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann,
herausgegeben von Kiepenheuer & Witsch. Unbedingte Leseempfehlung für
nicht nur diejenigen, die einen Verlust erlitten haben.










