Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Echt jetzt?
The Stranger Times von C. K. McDonnell
In einer alten Kirche in Manchester geht es extrem turbulent und chaotisch zu. Dazu Männer, die irgendeine mysteriöse Umwandlung planen. Eine Milf, die nach Rachefeldzug und Scheidung dringend einen Job sucht. Eine irrsinnige Zeitungsredaktion, in der ein Mitarbeiter montäglich mit Selbstmord droht.
Chef Banecroft ist ein Ekel, selbstherrlich, vermeckert, politisch inkorrekt. Herrlich. Die Zeitung berichtet also über die merkwürdigsten Dinge. UFO-Sichtungen, Entführungen, Ehen mit Mähdreschern ... . Könnten sich die geschilderten Begebenheiten wirklich so zugetragen haben? Woher weiß man etwas darüber? Der „Irren-Tag“ ist eine wahre Fundgrube.
C. K. McDonnell hat eine blühende Fantasie, schreibt ausgesprochen unterhaltsam und bietet viele erheiternde Dialoge. Seine Helden sind ein wenig merkwürdig, aber schlagfertig und sehr speziell. Ein unterhaltsamer Lesespaß mit vielen originellen Ideen.
Grace auf dem Weg
Grace – Vom Preisträger des Booker Prize 2023 ("Prophet Song") von Paul Lynch
Samhain, Herbst, 1845. In sperriger Sprache, nicht leicht zu lesen, wird
Grace letzter Tag im ärmlichen Zuhause beschrieben. Sie wird von der Mutter fortgeschickt, soll ihren Unterhalt selbst verdienen. Fast unmöglich im gebeutelten, von Missernten und Schlechtwetterperioden heimgesuchten Irland.
Paul Lynch lässt sich Zeit beim Erzählen. Jedes Detail findet Erwähnung, jeder Gedanke, jedes Gespräch wird dargelegt. Aberglauben spielt eine Rolle. Bildhafte, vergleichende Sprache kennzeichnet seinen Schreibstil, philosophische Betrachtungen fließen ein.
Grace erlebt Schreckliches, verliert viel, klaut, wird beklaut, erkennt die Abgestumpftheit der notleidenden Bevölkerung. Durch Männerkleidung getarnt schlägt sie sich durch. Unter anderen als Viehtreiber, Hofhelfer, beim Straßenbau. Zwiegespräche mit ihrem Bruder, der ihr in simpler Sprache nützliche Lebensweisheiten vermittelt, helfen ihr, durchzuhalten. Sie zieht vorbei an Dörfern, Weiden, Straßen und findet keinen neuen Ort zum Bleiben, schließt viele Bekanntschaften und wird erwachsen. Hoffnung auf die neue, bessere Ernte im August wird jäh zerstört, als sich die Kartoffelfäule wieder zeigt. Was tun? Ich bin Grace lange gefolgt, aber irgendwann war es genug.
Schwere, bittere Lektüre liegt vor. Eine emotionale Schilderung von Irlands schlimmster Zeit.
Aus dem Englischen von Christa Schuenke, herausgegeben von
Oktaven, ein Imprint des Verlags Freies Geistesleben.
Unendliche Weiten
Universum von Phillip P. Peterson
Mike Warnock, unehrenhaft entlassener Bomberpilot, verlässt in einem Shuttle die Erde Richtung Omicron. Zusammen mit Frau und Sohn. Insgesamt sind es 17 Passagiere inclusive eines Ex-Knackis + Crew. Die Warnocks erwartet ein karges Kolonistenleben auf einem fernen Planeten. Auf dem Weg dorthin gerät ihr Schiff vom Weg ab.
Beträchtlich.
Passagierflugschiffkapitänin Christine Dillinger ist erfahren und gewissenhaft, jedoch nicht wirklich sympathisch. Ihr Schiff ist alt und sollte abgeschrieben werden. Natürlich kommt es zu einer Katastrophe. In jeder Sekunde, die das Schiff mit rasanter Geschwindigkeit durch das All rast, vergeht auf der Erde viel Zeit; Jahre, Jahrzehnte und mehr. Zurück? Aber wie? Wie werden die Eingeschlossenen reagieren? Einige vielversprechende Rettungsansätze scheitern. Philipp P. Peterson fügt zahlreiche technische Erklärungen, die nicht derart ausführlich sein müssten, ein. Trotzdem verfolgt man die Handlung gebannt.
Spannende Science-Fiction Lektüre mit vielen packenden Momenten, unerwarteten Ereignissen, ein wahres Fest für Zeitreisefans.
Herausgegeben von Tor/Fischer.
In einem abgelegenen irischen Dorf ...
Der Sucher von Tana French
In einem abgelegenen irischen Dorf ...
Cal hat nach 25 Jahren Arbeit bei bei der Polizei von Chicago und einer Scheidung die Nase voll von Amerika und kauft im Westen Irlands ein marodes Häuschen, welches er ausbaut. Dann geschehen merkwürdige Dinge. Cal will es nicht, wird aber von einem Schützling angeheuert, eine verschwundene Person zu suchen.
Als Zivilist kann er nur sehr behutsam vorgehen.
Tana French hat einen anschaulichen, genau beschreibenden Stil. Ihre Figuren werden gut vorstellbar angelegt, haben alle Ecken und Kanten, können aber durchaus sympathisch sein. Auf Cal trifft das zu. Auch wenn er öfter den „Schwachkopf-Blick“ bekommt oder verschickt. Die Bewohner des abgelegenen irischen Dörfchens bilden eine verschworene Gemeinschaft, die Einmischung vehement ablehnt. Wer seine Nase zu tief in ihre Angelegenheiten steckt, lebt gefährlich. Derbe Späße und mehr sind an der Tagesordnung. Ob Cal sich davon abschrecken lässt?
Es geht auch um Etikette, Anstand und Manieren, zu denen Cal eine Meinung vertritt, die ich durchaus teile. Insgesamt ist er eine beeindruckende Person, über die ich gern mehr lesen würde.
Spannender und unterhaltsamer Krimi von Fischer Scherz, aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.
Schwere Zeiten
Der schwarze Winter von Clara Lindemann
Es ist das Jahr 1946. Rosemarie und Silke sind Flüchtlinge, wollen unbedingt nach Hamburg. In der kriegszerstörten Stadt ist das Leben hart. Nur wer auf dem Schwarzmarkt etwas anbieten kann, kommt durch. Das ist gefährlich, Verhaftungen, Betrug, Diebstahl sind zu erwarten. Als Frau hat man es oft doppelt so schwer.
Elternlose Kinder werden in Kinderheimen misshandelt und zur Prostitution gezwungen. Zum Glück finden die Schwestern Freunde, die ihnen helfen. Schiefhannes ist häufig Retter in der Not. Ungewöhnliche Lösungen sind ein Schritt auf dem Weg in ein besseres Leben. Eine emotionale und packende Schilderung. Leider schleicht sich ein belehrender Unterton ein, das hätte es in dieser Ausführlichkeit nicht gebraucht.
Clara Lindemann entwirft ein glaubhaftes und anschauliches Bild einer kaputten, aber dem Neuen entgegen fiebernden Stadt. Den Bensdorf-Schwestern nimmt man den Hunger aufs Leben, den Willen, ein erfülltes Dasein zu führen, unbedingt ab. So unterschiedlich sie sind, so sympathisch werden sie gezeichnet. Vor allem dürfen sie mutig, couragiert und entschlossen handeln. Das kommt gut an, liest sich spannend. Gut geschrieben ist es auch, ein interessanter historischer Roman aus dem HarperCollins-Verlag.
Grübchenface und Teufelsbraten
Vergissmeinnicht - Was man bei Licht nicht sehen kann von Kerstin Gier
Eine coole Party, ein blauhaariges Mädchen, eine rasante Verfolgungsjagd - ein fulminanter Beginn einer wahrhaft spannenden Story. Warum nur wird Quinn von einem Riesenvogel und einem Wolf gejagt? Und nebenbei: warum mag Mathilda diesen arroganten Fatzken? Dabei bezeichnet er sie als Posaunenengel, biblische Plage oder Schlimmeres.
Kerstin Gier lässt ihre Helden abwechselnd zu Wort kommen. Das tut sie in gewohnt genialer Weise: lebendig, unterhaltsam und in Jugendsprech. Das Szenario ist geschickt ausgearbeitet, detailreich, stimmig. Herrlich, wie Quinn und Grübchenface sich ergänzen. Sie erleben fantastische, spannende Abenteuer. Dabei sind sprechende Friedhofsstatuen oder lebende Tattoos noch die harmloseren Begegnungen. Und die Namen erst: Petze-Mariechen, Zwiebacktütengesicht, Karamellbäckchen.... Hilfreiche Tanten, eine beste Freundin, überaus nervige Verwandte und lebendige Wasserspeier runden die Geschichte ab. Riesenspaß und eine Liebesgeschichte dazu, bestens zu Lesendes aus dem Fischer Verlag.
Warnung: Nicht in der Öffentlichkeit lesen. Kaum zu verhindernde unvermittelte Lachflashs stoßen meist auf Unverständnis. Band zwei und drei werden ungeduldig erwartet!
Entscheidungen
Kinderklinik Weißensee - Jahre der Hoffnung von Antonia Blum
1914: Marlene Lindow setzt erfolgreich ihr Studium zur Kinderärztin fort, als ihr Verlobter Max seinen Wehrdienst als Arzt in einem Lazarettzug antreten muss. Nach dem sehr erfolgreichen Abschluss des Studiums tritt sie 1918 ein Praktikum in der Kinderklinik Weißensee an und trifft dort alte Bekannte, die sie während ihrer Schwesternausbildung kennengelernt hat.
Dank den Schwestern bekommt man einen guten Einblick sowohl in die ärztlichen als auch die pflegerischen Tätigkeiten in der Klinik. Das Schicksal der kleinen Patienten ist oft tragisch.
In den eilig errichteten Lazaretten spielen sich Dramen ab. Es gibt unzählige Tote und Verwundete, dazu die an der Spanischen Grippe Erkrankten. Auch sie werden im Kinderkrankenhaus untergebracht, chaotische Zustände brechen aus.
Antonia Blum schildert diese schwere Zeit anschaulich und eindrucksvoll. Sie beschreibt die Gefühle und das Engagement der Lindow-Schwestern glaubhaft, fügt geschickt historische Hintergründe ein. Auch die Liebe spielt eine wichtige Rolle.
Ein ausgesprochen gut zu lesender Roman aus dem Ullstein Verlag, der den dritten Teil gespannt erwarten lässt.
Kluftinger fast allein zu Haus
Morgen, Klufti, wird's was geben von Volker Klüpfel; Michael Kobr
Wenn die Frau mal weg muss, ist Klufti ein wenig überfordert. Ein bissle Chaos richtet er an, ganz knapp vor Weihnachten. Als besonderes Ereignis kündigt sich auch noch der japanische Schwiegervater an. Der liebt es ordentlich und aufgeräumt. Dann ist da noch der Wohltätigkeitsmarkt ... . Das bayerische Urgestein steckt tief in der Bredouille.
Klüpfel und Kobr lassen den Herrn Kommissar gewohnt schlitzohrig und effektiv agieren. Grantig, tollpatschig, liebevoll, jedoch immer authentisch, interagiert er mit seinen Mitmenschen. Seine Frau weiß ihn zu nehmen. Wenn sie denn da ist. Die Autoren kennen keine Gnade mit ihrem Helden. Er muss sogar Joschis Neuinterpretation der Weihnachtsgeschichte sowie eine Busladung Chinesen ertragen. Es trifft ihn hart. Ist Weihnachten noch zu retten? Wieder ein unterhaltsamer und höchst amüsanter Lesespaß aus dem Ullstein Verlag.
Gemeinsam macht es mehr Spaß
Spielst du mit, kleines Schaf? von Zedelius Miriam
Gemeinsam macht es mehr Spaß
Auf einer Wiese treffen sich viele Tiere, sie wollen zusammen spielen. Aber was? Jeder hat seine Vorlieben, aber es gibt zunächst nichts, was allen gefällt. Doch! Eine gute Idee: Wir spielen Zirkus und jeder führt vor, was er am besten kann. Tanzen, Gewichte heben, Quatsch machen oder Einrad fahren.
Nur das Schaf möchte nichts zeigen. Soll es traurig daneben stehen?
Miriam Zedelius lässt ihre Helden eine sehr schöne und gerechte Lösung finden. Es macht Spaß, dieses Buch mit den lustigen Tieren anzuschauen. Manches Kind wird eigene Verhaltensweisen oder die seiner Freunde wieder erkennen. Die Zeichnungen sind farbenfroh, witzig, übersichtlich. Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft wirken positiv auf die Kleinsten.
Für Kinder ab vier Jahren, herausgegeben vom Hummelburg Verlag.
Einsamkeit und Mut
Das geheime Leben des Albert Entwistle von Matt Cain
Einsamkeit und Chancen
Albert liebt seinen Job als Postbote im kleinen Toddington. Es ist nicht ganz das, was er als Jugendlicher wollte: Menschen mit Briefen glücklich machen. Er ist aber zufrieden, sein Leben verläuft geordnet. Kurz vor seiner unwillkommenen Pensionierung wird ihm seine Einsamkeit bewusst.
Warum hat er nie eine Familie gegründet, warum meidet er jegliche Kontakte? Albert hinterfragt sein Leben. Flashbacks blitzen auf.
Nicole Ashton ist junge Single-Mom, lebt in einer Sozialwohnung und macht eine Weiterbildung zur Kosmetikerin. Mobbing ist ihr nicht fremd, sie musste einige Enttäuschungen verkraften.
Können sie sich gegenseitig helfen?
Matt Cain zeigt seinen eigenbrötlerischen Albert sehr authentisch, schildert seine Gedanken nachvollziehbar. Man versteht seine Ängste und Empfindungen gut und nimmt teil an seinem Leben, das anders hätte laufen können, ja, sollen. Nach und nach wird alles anders. Gut zu lesen, nachdenklich machend und gleichzeitig eine Aufforderung, sich Problemen zu stellen. Manche Reaktionen auf Alberts Entscheidungen finde ich allerdings überzogen.
Interessant zu lesen, gefühlvoll geschrieben, ein Wohlfühlroman aus dem Hause Ullstein.
Übersetzt aus dem Englischen von Marie Rahn.











