Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Achtung, die Senioren kommen!
Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman
Joyce, ehemaliger Krankenschwester, lebt jetzt in einer noblen Seniorenresidenz. Dank ihrer Tagebucheinträge weiß der Leser, was dort abgeht.
Immer Donnerstags treffen sich also vier der alten Leutchen und ermitteln in Cold Cases oder aktuellen Fällen. Zum Beispiel in diesem:
Der Mitarbeiter eines skrupellosen Bauunternehmers wird ermordet.
Eine Riesenchance für den Donnerstagsmordclub!
Eine Verbündete gewinnen sie in Police Constable Donna de Freitas, die bisher nicht nur unterfordert, sondern auch unterschätzt wurde. Mit viel Cleverness, Raffinesse und Tücke finden die älteren Herrschaften Interessantes heraus.
Richard Osman lässt seine Joyce zur perfekten Berichterstatterin werden. Sie schildert unterhaltsam, wie die Rentnergang manipuliert, ermittelt, nicht immer gesetzestreu agiert. Meine Sympathien sind ihr sicher. Der Humor kommt auch nicht zu kurz, viel Herzenswärme und Schalk finden sich in Coopers Chase. Schwächen des Alters werden registriert, humorvoll hingenommen und mitunter sogar gezielt eingesetzt.
Untrhaltsamer Krimi mit Britischem Humor vom Feinsten, verlegt von List.
Morgen ist ein neuer Tag
Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman
Regeln sind wichtig. Es fällt Zelda manchmal schwer, das Richtige zu tun. Sich an Regeln zu halten hilft ihr, sich sicher zu fühlen. Sie hat eine kognitive Einschränkung, bei ihr wurde eine Fetale Alkoholspektrumsstörung (FASD)festgestellt. Sie ist 21, träumt von Wikingern, weiß alles über sie, kennt sich in deren Welt sehr gut aus, überträgt deren Leben und Bräuche in ihre Welt und kann sich dadurch besser zurecht finden und Dinge einordnen.
Zelda ist eine ausgezeichnete Beobachterin, wertet nicht, verurteilt nicht, äußert ihre Meinung direkt, hat Vorbilder, weiß, was sie möchte, ist hilfsbereit, erfrischend direkt, fragt ohne Scheu.
Andrew David MacDonald hat seine Zelda sehr feinfühlig beschrieben, lässt uns an allen ihren Gedanken teilhaben. Sogar ihre strategische Planung des ersten Liebesabends zeigt sie von einer bewundernswerten Seite. Sexszenen sind oft etwas peinlich, hier überhaupt nicht. Der Leser erkennt ihre Stärken, erfährt einiges über ihre originellen Ideen bei der Umsetzung ihrer Pläne ( nötigenfalls wird der Freund zur holden Maid ernannt) und lernt weitere, authentisch beschriebene Persönlichkeiten nicht nur kennen, sondern auch verabscheuen oder lieben. Letzteres besonders bei AK47.
Sehr emotional, sehr beeindruckend und überaus empfehlenswert ist die Geschichte von Zelda, einer besonderen Heldin, deren Handeln ich so nicht erwartet habe.
Herausgegeben von dtv.
Das allsehende Auge
Dem Tod verpflichtet von Mark Franley
Großflächig ist das frische Tattoo auf dem Rücken der Ermordeten. Ein allsehendes Auge. Genauso eines hatte auch eine vor einiger Zeit gefundene Wasserleiche. Die Ermittlungen bringen die zwei Alphatiere Hauptkommissar Ruben Hattinger, Sonderermittler bei der Bundespolizei und Kommissar Mike Köstner zusammen.
Beide gut in ihrem Job, beide mit speziellen Eigenheiten. Reibereien sind vorprogrammiert. Mit im Team sind Hauptkommissarin Eva Langer ( sehr sympathisch), Kommissar Schober ( ewig hungrig) Spezialist für Kriminaltechnik, Spurenleser und Internetforensiker Thomas Habermann clever). Alle sind so gut beschrieben, dass man sie sich bestens vorstellen kann.
Die andere Seite: zwei Brüder, knapp über 18, einer kognitiv eingeschränkt. Sie entführen und foltern ihre Opfer, aber können sie das allein durchgezogen haben? Und vor allem: Warum? Rache? Geldgier? Religiöse Gründe?
Ist Apotheker Pohl involviert? Wohlhabend, skrupellos, mit Wissen über verschiedenste Gifte ausgestattet und mit merkwürdigen Leidenschaften. Widerlich.
Welche Rolle spielt eine lange unerkannte Person?
Die Ermittlungen, bei denen sehr unschöne und unappetitliche Dinge zum Vorschein kommen, verlaufen absolut spannend. Trotzdem menschelt es auch mitunter.
Packender Thriller von Mark Franley. Edition M.
Überlebt
Girl A von Abigail Dean
Alexandra Gracie soll als Testamentsvollstreckerin den Nachlass ihrer Mutter verwalten. Aber was für eine Aufgabe liegt da vor ihr? Wer war ihre Mutter? Es geht um etwas Geld und ein Haus plus Grundstück in Hollowfield. Eine Aufteilung zwischen Deborah Gracies Kindern wird verfügt. Der Tod der Mutter lässt Rückblicke zu.
Zunächst erfährt man nur in Andeutungen die Historie einer katastrophalen Entwicklung.
Alexandra, in der Presse und in Gerichtsverfahren Girl A genannt, möchte die Zustimmung zu ihrem Plan, das ererbte Horrorhaus ihrer Kindheit zu einer Begegnungsstätte umzugestalten und sucht ihre Geschwister auf. Ethan, Gabriel, Noah, Daniel, Evie, Delilah.
Man lernt alle Kinder kennen. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, genauso differenziert wird ihre Entwicklung geschildert. Jedes hat sein eigenes, grausames Schicksal, in der Gesamtheit unerträglich. Sie werden angekettet, hungern, Religiosität spielt eine Rolle. Harte Strafen, Verbot von Kontakten, von Bildung, von allem. Bevorzugung von Duckmäusertum. „Wir wollten euch beschützen.“, ist die ungeheuerliche Rechtfertigung durch die dem Vater absolut hörige Mutter. Wenn der Leser denkt, alle Grausamkeiten erfahren zu haben, kommt eine weitere brutale Enthüllung.
Abigail Dean wertet nicht, sie lässt das Grauen für sich sprechen. Diese Herrschsucht, Dominanz, Brutalität sind ungeheuerlich. Die irreparablen Schäden in der Psyche der Opfer ebenso. Solcherart körperliche und seelische Narben verblassen nie.
Sachlich beschrieben, umso bedrückender und emotional mitnehmend. Unfassbar, und doch möglich. Warum?
Verlegt von HarperCollins.
Traue nie einer Mangolesischen Spuckechse
Wundersame Haustiere und wie man sie überlebt von Henry Bienek; Stefan Cernohuby
Vor jeder Geschichte wird der Verfasser kurz beschrieben. Dann geht es los mit phantasievollen Geschichten solcher Art:
Im tiefen, tiefen Wald trifft man auf Mangolesische Spuckechsen in feuerfesten Terrarien, Plustervögel mit giftigen Federn, Gruselgreife und andere besondere Tiere, fantastische, magische, mythische Wesen.
Man begegnet Papatahi, das ist sehr klein, aber wenn man es streichelt, fühlt man sich wohl. Seltsamerweise verschwinden die streichelnden Personen. Was geschieht mit ihnen? Wie wäre es auch mit einem einäugigen, manipulierendem tentakligen Wesen namens Kuschel? Lesende Hamsterdamen? Pelzibub? Schmeichlern?
Besagte Tiere sind aber nicht nur Gefährten oder Seelentröster, nein, in ihnen schlummern ungeahnte Abgründe, die durchaus auch tödlich sein können. Tiere wehren sich, stehen Mobbingopfern bei, zeigen einfühlsames oder fieses Verhalten. Unterhaltsam, amüsant oder horrormäßig lesen sich die Phantastereien verschiedener Autoren. Manche verarbeiten offenbar eigene Erfahrungen.
Etwas ganz anderes von Stefan Cernohuby und Henry Bienek (Hrsg.), Lindwurm Verlag.
Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau
Lady Churchill von Marie Benedict
Winston Churchill kennt man als bedeutenden Politiker. Seine Frau hat man bisher nicht als bedeutsam wahrgenommen. Soll man das bedauern? Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. In diesem Fall stimmt das genau.
1908, London: Clementine Houzier lernt Winston Churchill kennen. Er sucht eine Frau, die ihn in all seinen Ambitionen unterstützt; sie wünscht sich ein sinnhaftes Leben.
Tatsächlich verliebt sie sich in den zehn Jahre älteren, etwas schüchternen Mann, heiratet ihn. Sie meint, ihr Leben wird sich nicht allein darum drehen, die unsichtbare Stütze ihres Mannes zu sein. Doch, genau das wird es.
Marie Benedict beschreibt sehr genau, wie kämpferisch, bissig, engagiert und unermüdlich Clemmie alles für die Karriere ihres Mannes tut. Sich nicht nur mit der aufdringlichen Schwiegermutter oder neidischen Frauen auseinandersetzt, sondern sich auch mit bedeutenden Politikern anlegt. Wahlkampf betreibt. Politische Reden schreibt und hält. Für das Frauenwahlrecht eintritt. Ständig mit finanziellen Sorgen kämpft ( auf hohem Niveau), einem repräsentativen Haushalt vorsteht und immer wieder ihren - hier als zunächst nicht sehr durchsetzungsfähig und unsensibel auftretenden, aber durchaus tyrannischen - Mann aufbaut. Bis zum Burnout. Warum nur lässt sie sich so ausnutzen?
Im Buch sagt sie: „In den Geschichtsbüchern wird höchstwahrscheinlich nur der Name meines Mannes stehen, obwohl alles, was er sagt und tut, auch meine Handschrift trägt.“
Da hat sie wohl recht.
Ein sehr interessanter Roman mit historischem Hintergrund. Aufstieg, Fall, Wiederaufstieg der Churchills. Winston wird Premier- und zugleich Verteidigungsminister, Clemmie an seiner Seite. Gut vorstellbar ist das Leben von Clementine Churchill dargelegt. Ihr Engagement, ihr Ehrgeiz, ihre Selbstaufopferung und ihre Gewissensbisse, sich nicht wirklich um ihre Kinder gekümmert zu haben.
Lesenswerter Roman mit einigen Längen, aus dem Englischen von Marieke Heimburger.
Verlegt von Kiepenheuer & Witsch.
Frauen in den 1920-ern in Berlin
Das Leben, ein ewiger Traum von Sommerfeld Helene
Frauen in den 1920-ern in Berlin
Magda, schwanger, wartet auf ihren Mann. Er wird nie nach Hause kommen, er wurde erschossen. Magda will ihrer Trauer um Mann und verlorenes Kind entfliehen, sie nimmt die Stelle einer Polizeiärztin in Berlin an. Dort mietet sie sich in einer Pension ein, lernt dort die junge Doris und die reich, aber unglücklich verheiratete Tochter der Wirtin kennen.
Um ihre Geschichten dreht sich das Buch, sehr unterschiedliche Lebenswege der Frauen, die zu Beginn der 20-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ihren Platz im Leben suchen.
Magda lernt die dunkelsten Seiten der Großstadt kennen: gewerbsmäßige Unzucht, verwahrloste, unterernährte Kinder, armselige Behausungen, Elend und Not, Mütter, die lieber ihre Kinder töten und dafür als Mörderin hingerichtet werden, als sie durch ihren Mann oder Verwandten verkaufen lassen oder die sich schwängern lassen, um das Baby für Brot für die anderen Kinder zu verkaufen.
Bei ihrer Arbeit trifft sie auf die engagierte Fürsorgerin Ina, eine Journalistin und eine Anwältin. Sie alle müssen sich in einer Welt behaupten, in der Männer das Sagen hatten und sehr oft sehr selbstherrlich über Frauen bestimmen.
Der Leser lernt mit Elke und Kulle zwei kleine Mädchen mit hartem Schicksal kennen. Doris Suche nach etwas Glück. Glitzer und Glamour der Reichen. Lokalkolorit, bekannte und historisch interessante Orte. Das und so vieles Mehr wird in diesem Roman sehr anschaulich und lesenswert beschrieben.
Verfasst von Helene Sommerfeld, verlegt von dtv.
Renate Bergmann auf gärtnerischer Mission
Fertig ist die Laube von Renate Bergmann
„So ein Garten ist nie fertig.“, ja, Frau Bergmann, recht ham se. Wenn der Gunter seine Parzelle nicht pflegen kann, sind sie gefragt. Ahnung hatte Gertruds Mann auch nicht so richtig, nur Gemüse und Schrott im Garten, das geht nicht. Also: Ärmel hoch, aufgeräumt und Blumen gepflanzt! Und das, obwohl Frau Bergmann die vier Gräber ihrer verstorbenen Männer pflegen muss.
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Jedenfalls weiß sie Bescheid. Neben Tipps zur Pflege der erwähnten
Kohlplantage gibt es Erinnerungen aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Erziehungsmethoden einst und heute, bauernschlaue Tricks aus DDR-Zeiten, ökologische Lebensmittelverwertung, Männer, die als Neurentner doch ein wenig störend daheim rumlungern, Veralberung durch Wortneuerungen und mehr legt uns Renate ans Herz.
Nur: Gunter hat keinen guten Ruf in der Kolonie, Schuppengunter wird er genannt. Offenbar nimmt er es mit den Vorschriften nicht so genau. „Da gibt es ja Fallstricke, Sie ahnen es nicht!“, weiß Frau Bergmann. Wenn aber sogar der olle Kurt mit raffinierten Tricks zur Mithilfe überredet wird, dann klappt das auch mit dem Parzellenglück.
Torsten Rode gibt der Online-Oma die gewohnt punktgenaue Sprache plus lebensweise Stimme, die ich seit Jahren kenne und liebe. Lernen kann man von ihr oft, Lachen mit ihr immer.
Sehr Unterhaltsames aus dem Ullstein Verlag.
Beste Freundinnen
Pension Herzschmerz von Christin-Marie Below
Dieser Wohlfühlroman ist in die fünf Phasen des Verlustes aufgeteilt, Schock, Begreifen, Wut, Trauer und Sehnsucht, Heilung. Jedem Kapitel ist ein Lösungsweg vorangestellt, alle beziehen sich auf Freundschaft. Eine schöne Idee.
Louise, Anna, Kim sind beste Freundinnen und unerwarteterweise gleichzeitig Single.
Ein Freund wurde abserviert, weil fremdgegangen, der andere, weil zu besitzergreifend. Und Kims Schwarm will von ihr nichts wissen, zudem hat sie sich den Fuß gebrochen. Ist der Whisky schuld, dass sie den Plan einer Pension für Menschen mit gebrochenem Herzen ausbrüten? Aber wie können die Hausbesuche für die Fußpflegerin organisiert werden? Wie treibt man Geld auf? Wie überzeugt man die Verpächterin, sich für ihre Idee zu erwärmen?
Christin-Marie Below liebt die Insel, das ist zu merken. Geschickt vermittelt sie Inselfeeling, beschreibt touristische Highlights. Nicht ganz so interessant ist die häufige Beschreibung der eingenommenen Speisen und einige belehrende Ratschläge.
Insgesamt ein locker, leicht und unterhaltsam zu lesender Roman aus dem Ullstein Verlag.
Kreuzfahrt mit Mörder
Dampfer ab Triest von Günter Neuwirth
Kreuzfahrt mit Mörder
Inspektor Bruno Zabini ist ein kluger und innovativer Ermittler, stattlich und den Frauen zugetan. Sehr zugetan. Zur Untersuchung der zu klärenden Kriminalfälle setzt er schon im Jahr 1907 fortschrittliche Methoden wie Daktyloskopie und Fotografie erfolgreich ein.
Als in Triest ein Anschlag auf den wohlhabenden Grafen von Urbinau verübt wird, muss er - sehr zu seinem Missvergnügen - zu dessen Schutz mit an Bord des Luxusdampfers Thalia.
Auf der drei Wochen dauernden Kreuzfahrt treffen unterschiedlichste Charaktere aufeinander. Urbinaus Tochter gelingt es sogar, ihren Liebhaber an Bord zu bringen. Eine Reiseschriftstellerin sucht Material für einen Roman, ein Steward möchte die Frauen verführen. Aber ist auch ein Mörder an Bord?
Günther Neuwirth lässt nicht nur seinen Inspektor clever agieren, er gibt ein anschauliches und gut vorstellbares Bild des damaligen Triest und flicht viele historischen Fakten ein. Gewürzt mit antiquierten Begriffen und Wiener Schmäh ein ganz besonderes Leseerlebnis.










