Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daffodil:
Durchhalten
Ballet School - Der Tanz deines Lebens von Gina Mayer
Mimi ist beim Ballett. Pech für April. Aufgrund einer verlorenen Wette muss sie auch hin. Wider Erwarten gefällt es ihr, sie macht weiter, sie will tanzen. Ihre Großeltern sind dagegen, haben ihre Gründe.
Harte Zeiten folgen. Ein genau getakteter und anstrengender Stundenplan fordert viel Kraft und Durchhaltevermögen.
April tritt in große Fußstapfen. Reichen Ehrgeiz und Talent, um eine an der Schule zu bestehen, vielleicht sogar eine Primaballerina zu werden?
Obwohl ich kaum Ahnung von Ballettschritten habe, sind die Übungen so gut beschrieben, dass ich die Eleven vor mir sehen kann. Man erfährt eine Menge über die Ausbildung, eine Vielzahl von Übungen, Problemen und Aufgaben wird aufgezählt.
So lebendig, so anschaulich, so nachvollziehbar werden Aprils Stimmungen und Emotionen von Gina Mayer geschildert, dass man mit ihr mitleidet, mitfiebert. Eine Achterbahn der Gefühle, die ausgesprochen gut nachzuvollziehen ist.
Schönes Jugendbuch aus dem HarperCollins Verlag.
Das größte Tier der Welt
Der Blauwal von Andreas Tjernshaugen
Wenn ein Buch „Der Blauwal“ heißt, muss es natürlich blau daherkommen. Die ersten Seiten sehen so aus, als ob man ins Meer steigt. Das Inhaltsverzeichnis ist wellenförmig angelegt, der Untertitel < ...größtes Tier, das je gelebt hat > weckt Interesse. Wenn eine Mutter 27 Meter lang ist, sind das mehr als zwei Buslängen! Ein Baby ist immerhin noch sieben Meter, es trinkt täglich 200 Liter Milch.
Wale pusten ihre Atemluft bis 10 Meter hoch. Noch viele weitere Informationen gibt Andreas Tjernshaugen.
Wir begleiten das Waljunge ein Weilchen und erfahren in kurzen, altersgerecht aufbereitete Kapiteln etwas über Nahrung, Jagd, andere Walarten ( Delfine, Buckelwale), Forschung, Atmung, Entwicklungsgeschichte und mehr. Auch der Wal als Nutztier spielt eine Rolle. Wichtig und richtig ist der Hinweis auf dieSchäden, die die Meeresverschmutzung verursacht. Illustrationen von Line Renslebråten sind interessant und anschaulich. Eine Übersetzung aus dem Norwegischen, informativ und unterhaltsam für Kinder ab 8 Jahren. Verlegt von dtv, 96 Seiten.
Sarah, Auktionen und die Liebe
Das Auktionshaus von Amelia Martin
Wien, 1920, Sarah Rosewell arbeitet erfolgreich als stellvertretende Geschäftsführerin in einem Wiener Auktionshaus. Ihre geliebte Stelle in einem Londoner Haus hat sie nach einem folgenreichen Missgeschick verlassen. Dass sie ein schmutziges Geheimnis aufdeckt, beschert ihr mächtige Feinde, die sogar mit Mafia-Methoden gegen sie vorgehen.
In Wien begegnen ihr Hochmut, Antisemitismus, Diskriminierung. Ihren Freund und Geliebten verlässt sie. Hoffentlich endgültig.
Gelungen finde ich die Beschreibung einiger Stücke, die das Auktionshaus ankauft oder anbietet. Das ist interessant, beflügelt die Fantasie. Zeitgeschichte wurde eingebaut, bekannte Namen, Theateraufführungen, Modegetränke und derzeit angesagte Kleidung finden Erwähnung. Auch die wirtschaftliche Lage, die Inflation, die Politik spielen eine Rolle. Natürlich zieht sich auch die Liebe wie ein roter Faden durch das Buch. Ist frau allen Ansprüchen gewachsen?
Sarahs Geschichte ist interessant, das Auktionshaus, angelehnt an ein berühmtes Vorbild, ebenso. Gut und unterhaltsam zu lesender Roman von Amelia Martin , verlegt von Ullstein.
Bittersüß
Strahlemann von Fritz Schaefer
Der Ich -Erzähler berichtet locker und unterhaltsam von seiner Jugend, egal ob über erstes Verliebtsein oder die gern bei Oma Hasi mit Leberwurstbroten und dem tyrannischen Opa mit Klempnergeschichten verbrachten Jahre.
Ironisch, sich gern erinnernd. Aber auch über sehr Nachdenkenswertes berichtet „Strahlemann“ Fritz.
Seine geliebte, aber gehandicapte Schwester Martha nahm immer eine Sonderrolle ein, bekam mehr Aufmerksamkeit. Das tat ihm - völlig zu recht- weh. Sein komplizenhaftes Verhältnis zu ihr trübte das aber keinesfalls.
Skurrile Erlebnisse in der Grundschule wechseln mit Momentaufnahmen aus der Jetztzeit. Horrormäßige Schulerlebnisse machen traurig, sorgen für Entsetzen.
Fritz Schaefer tut recht daran, darüber ein Buch zu schreiben. So viel Erzählenswertes gibt es! Und auch noch mit genau passenden, emotional anrührenden Worten, treffsicher eingefangenen Stimmungen.
Lebendige und interessante Lektüre aus dem Ullstein Verlag, die ich sehr mochte.
Sie könnens noch
Der Donnerstagsmordclub und der Mann, der zweimal starb von Richard Osman
Der wohlbekannte Donnerstagsmordclub beschäftigt sich immer noch gern mit alten Kriminalfällen. Joyce, Ron, Ibrahim und Elizabeth leben in dieser verschlafenen Seniorenresidenz in der Grafschaft Kent, bilden eine respektlose, neugierige Gemeinschaft. Sie unterhalten sich mit mitunter boshaften, aber stets originellem Zungenschlag, nehmen sich selbst auf die Schippe, untersuchen aber auch hartnäckig und überlegt Kriminalfälle.
Daran und an ihren Spitzen haben nicht nur sie selber Spaß. Ihre Retourkutschen sind einfach genial. Altersmilde sind sie in keinster Weise und wehe, Jemand tut Einem von ihnen etwas zu leide. Sie möchte man nicht zum Feind haben. Zumal sie ihre Prioritäten in eher ungewöhnlicher Weise sehen. „... unterm Strich muss man sagen, die Leichen laufen nicht weg, und keine Pizza zu essen hilft auch niemandem.“
Richard Osman berichtet pointiert und spannend über eine sehr muntere und sympathische Rentnertruppe, clever, gut vernetzt und liebenswert. Würde ich alle gern zu meinen Bekannten zählen. Unbedingt lesen, ist noch besser als der erste Teil des Donnerstagsmordclubs.
Unterhaltsamer Kriminalroman aus dem Englischen von Sabine Roth, verlegt von Ullstein.
Die Feuerwehr kommt!
Wieso? Weshalb? Warum? junior AKTIV - Feuerwehr von
Jedes Kind ist von einer vorbeisausenden Feuerwehr fasziniert. Das Tatü-Tata wird gern nachgemacht, Neugier ist geweckt. Warum? Wohin? Was macht ein Feuerwehrmann? In diesem Kinderbuch von Ravensburger findet das Thema ausreichend Raum.
Mitmachen ist angesagt: Auf der jeweils linken Seite findet sich die entsprechende Zeichenvorlage, auf der rechten wird ausgemalt.
Die Bilder sind in klaren Formen gestaltet, einfach und farbenfroh.
Das Frage- und Ausrufezeichen in den oberen Ecken weist auf Rätsel- und Denkaufgaben hin. Hoffentlich denkt Niemand, dass ein Feuerwehrmann Suppentöpfe transportiert!
Das Scherensymbol fordert zu weiterer Aktivität auf: ausschneiden, einkleben.
Zudem wird kindgerecht erklärt, was denn nun Feuerwehrleute genau machen, wie sie trainieren, was ein Notruf auslöst, warum sie manchmal sogar mit dem Boot kommen und was in einem Feuerwehrwagen alles drin ist.
Noch Fragen? Nein, wir wissen Bescheid.
Tolles Mitmachbuch für Zwei- bis Vierjährige.
Influencerin 1816
#London Whisper - Als Zofe ist man selten online von Aniela Ley
In einem Moment ist Zoe glücklich in einem angesagten Internat in London und -Plopp- ist sie zwar noch in derselben Stadt, aber in längst vergangener Zeit, 1816. Aus Zoe, Schülerin, wird Traudelwald, Zofe. Am besten eine Zofe von Ehre. Toll! Wie originell, wie Insta-tauglich, wenn, ja wenn es das schon gäbe.
Dann trifft sie auch noch den gut aussehenden und charmante Hayden, der allerdings auch ein Geheimnis hat.
Aniela Ley beschreibt ausgesprochen unterhaltsam und witzig, wie Zoe gegen Konventionen angeht, als eine Art Influencerin jungen Damen hilft, besser zu recht zu kommen und in ihren Flüster-Briefen praktische Tipps gibt. Schade nur, dass die Errungenschaften der Neuzeit wie Handys, Fotoapparate und Ähnliches noch nicht erfunden wurden. Amüsant zu lesen, frisch, originell und locker geschrieben, ein Spaß mit einigen interessanten Lebensweisheiten. Sehr unterhaltsames Lesevergnügen, dessen nächstem Teil man entgegenfiebern darf.
Herausgegeben von dtv.
Manchmal kommt es anders
Ende in Sicht von Ronja von Rönne
Ein Road-Trip. Entstanden aus einer Zufallsbegegnung. Zwei Menschen wollen ihr Leben beenden, die ältliche, dem Alkohol sehr zugeneigte und nicht mehr berühmte Sängerin und die 15-jährige, zu Depressionen und Panikattacken neigende Juli. Deren Sturz von einer niedrigen Brücke führt nicht zum erwünschten Erfolg, dafür erfährt der Leser viel von ihren Gedanken und Gefühlen.
„...die Sorgen, das Unwissen, die Fünf-Gänge-Panikattacken, das unendlich penetrante Am-Leben-Sein. Selbsthass, Verzweiflung, ...“ Widerwillig lässt sich Juli von Hella mitnehmen, versorgen und bleibt, da ihr nichts anderes einfällt. Aber auch Hella ist nicht begeistert, fühlt sich aber irgendwie verantwortlich. Die Zwangsgemeinschaft funktioniert. Wie, das beschreibt Ronja von Rönne. Julis Depression greift auch auf den Leser über, ihr Lebensüberdruss wird spürbar. Hella erscheint eher enttäuscht und gelangweilt vom Leben. Ob sie sich gegenseitig helfen können?
Ein nachdenklich machender Roman, verlegt von dtv.
Der Schleifenmörder
Perfect Day von Romy Hausmann
Berlin, 2017. Ann fällt in ein tiefes Loch, als ihr Vater verhaftet wird. Ihm wird vorgeworfen, für die seit 13 Jahren andauernden Mordserie, bei der neun Mädchen getötet wurden, verantwortlich zu sein. Kann nicht sein, doch nicht ihr liebevoller Papa! Ann versucht, ihren Vater zu entlasten. Polizei und Anwalt nehmen sie nicht ernst.
Wer kann helfen?Es gibt einige Überraschungen. Wem kann man trauen? Vieles ist anders, als es scheint. Es ist kompliziert.
Eingeschoben sind Abschnitte, in denen der Killer zu Wort kommt. Erst lange nach seiner Verhaftung bricht er sein Schweigen. Krank, einfach nur krank.
Romy Hausmann macht es wieder aufregend. Vielversprechende Ansätze erweisen sich als unnütz. Der Leser erlebt Anns Hochs und Tiefs, bewundert ihre Hartnäckigkeit, wundert sich aber auch über erstaunliche Zufälle. Wie würde man selbst entscheiden und handeln? Der Spannungsbogen wird konstant gehalten, erneut ein Pageturner aus bewährter Feder.
Herausgegeben von dtv.
Kurerlebnisse aus erster Hand
"...nehmen Sie doch schwarze, Herr Professor, die sind erotischer..." von Hans-Helmut Decker-Voigt
Mit schweren Brandverletzungen trifft Professor Decker-Voigt im Kurheim ein. Seine Tischnachbarn sind hilfsbereit, teilweise sehr neugierig, aber nett. Der Prof, der keinen Wert auf seinen Titel legt, beschreibt seine Eindrücke und Erlebnisse. Dabei berichtet er Erstaunliches, Alltägliches und Dinge, an die man normalerweise keinen Gedanken verschwendet.
Wie lange braucht ein Fahrstuhl von unten nach oben, wie erwehrt man sich ungewollter Fürsorge, und besonders typisch und oft selbst erlebt: „ ... ich ... bei meiner Oberärztin und es geht fünf Minuten um mich und die weiteren fünfundzwanzig Minuten ...um die Kümmernisse einer Oberärztin ...“ .
Der Erzähler erklärt, wie wichtig Stimmmodulation ist und wie sie wirken kann. Das ist aufschlussreich. Sehr bezeichnend seine Selbsteinschätzung: „Ich erzähle nun mal gern.“
Das tut er mit mitunter leicht ironischer und lockerer Sprache, manchmal etwas hochgestochen. Und manche Sätze muss man mehrfach lesen, um spitzfindige Gedanken nachvollziehen zu können. Allerdings scheint er mitunter die Punkte über Ä, Ö und Ü am Wortanfang nicht zu mögen.
Unterhaltsamer Bericht über Reha-Erlebnisse, authentisch und nachvollziehbar.











