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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von nil_liest:

Können wir dem Altern wirklich ein Schnippchen schlagen?

Ab morgen jünger! von Nina Ruge

Altern – normalerweise reden wir darüber wie über schlechtes Wetter: Es kommt halt, man kann nichts machen. Nina Ruge sieht das entschieden anders. In ihrem Sachbuch Ab morgen jünger! stellt sie eine provokante Frage: Was wäre, wenn wir viel mehr Einfluss auf unser biologisches Alter hätten, als wir glauben?
Schon nach wenigen Seiten merkt man: Das ist kein schnell geschriebener Lifestyle-Ratgeber mit ein paar Wellness-Tipps.

Ruge taucht tief in die Welt der Longevity-Forschung ein – in Zellbiologie, Mitochondrien, epigenetische Prozesse und neue medizinische Ansätze, die gerade erst beginnen, unsere Vorstellung vom Altern zu verändern.
Und trotzdem liest sich das überraschend zugänglich.
Der große Pluspunkt dieses Buches ist Ruges Art zu schreiben. Sie verbindet journalistische Klarheit mit wissenschaftlicher Präzision. Komplexe Forschung wird nicht vereinfacht bis zur Unkenntlichkeit, sondern Schritt für Schritt erklärt – oft so, dass man sich beim Lesen dabei ertappt, plötzlich Dinge über den eigenen Körper zu verstehen, über die man vorher nie nachgedacht hat.
Dabei fungiert sie gleichzeitig als eine Art kritische Lotsin durch den Longevity-Boom. Zwischen Nahrungsergänzungsmitteln, neuen Therapien und futuristischen Ideen filtert sie heraus, was tatsächlich wissenschaftlich fundiert ist – und wo eher Wunschdenken oder Marketing dahintersteckt.
Was mir besonders gefallen hat: Dieses Buch verlangt kein Durchlesen am Stück. Es ist so reich an Informationen, Studien und Experteneinschätzungen, dass man es fast automatisch in Etappen liest.
Ich habe es immer wieder zur Hand genommen, einzelne Kapitel gelesen, etwas nachgeschlagen, weitergeblättert. Manche sehr detaillierten Passagen sind wissenschaftlich dicht – aber genau diese Teile kann man problemlos überspringen oder später noch einmal anschauen. Das Buch funktioniert also auch wunderbar in kleinen Wissens-Happen.
Neben futuristischen Entwicklungen – etwa neuen Medikamenten oder Zelltherapien – bleibt Ruge immer wieder bei einer einfachen Erkenntnis stehen: Ein großer Teil unserer Gesundheit im Alter entsteht durch Entscheidungen im Alltag.
Damit gelingt ihr eine spannende Balance zwischen wissenschaftlicher Zukunftsmusik und ganz praktischen Gedanken über Prävention und Lebensstil.
Ab morgen jünger! ist ein ausgesprochen fundiertes, klug aufgebautes Sachbuch über das Altern – und darüber, warum wir uns damit vielleicht nicht so passiv abfinden müssen, wie wir es gewohnt sind.
Wer Lust hat, tiefer in die Wissenschaft hinter gesunder Langlebigkeit einzutauchen, bekommt hier eine faszinierende Mischung aus Forschung, Einordnung und Denkanstößen. Kein oberflächlicher Ratgeber, sondern ein Wissensbuch, das man immer wieder aufschlägt.
Und ganz ehrlich: Nach der Lektüre schaut man auf das eigene Älterwerden plötzlich mit etwas mehr Neugier – und ein bisschen mehr Hoffnung.

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Rezensionen von Lies_ein_Buch:

Wie sympathisch will man sein?

Alt genug,5 Audio-CD von Ildikó von Kürthy

Wann ist man eigentlich alt genug um so cool, charmant und witzig zu sein, wie Autorin Ildiko von Kürthy? Ich mochte ja schon die Romane der Autorin, aber dieses biografische Resümee zum Alter, Frausein, Freundschaften und ihrer Karriere war ja mal der Oberknaller. Jetzt will ich nicht nur sein wie sie, wenn ich mal Best Ager bin, sondern wäre auch gerne ihre Freundin.

Diese Frau ist ein Rockstar.

Ich glaub ich hab noch nie bei einer Biografie so viel geheult, wie bei dieser. Erst hab ich Tränen gelacht und später vor tiefem Mitgefühl schluchzen müssen. Weil die Autorin derartig nachbar, offenherzig und ehrlich von Schwächen, Ängsten, Unsicherheiten und auch Schicksalsschlägen berichtet, hatte ich das Gefühl es mitzuerleben.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, gelesen von der Autorin selbst und kann as nur wärmstens empfehlen. Fühlt sich an wie Girlfriend-Talk. Und ich habe mich tatsächlich immer wieder ertappt zu erwidern „say it louder“, „you go, girl“ und „so und nicht anders“. Hab mich gesehen und verstanden gefühlt und ein bisschen so, als hätte sie dieses Buch nicht nur für sich selbst und zur Erfüllung des Verlagsvertrags geschrieben, sondern vor allem für uns leise, oft ungesehene Frauen.

ich fands nicht nur ein absolut großartiges Hörerlebnis, sondern einfach auch inhaltlich super stark. Hab nicht nicht nur unterhalten gefühlt, sondern habe was gelernt, wurde zum Nachdenken angeregt und habe mich selbst in den Anekdoten gesehen gefühlt. Wahnsinnig tolles Buch.

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Rezensionen von Kokoloreslot:

Märchenhafte Fantasy mit Tiefgang

Flora Brimble und der verlorene Frühling von Marcus Raffel

Marcus Raffels Roman „Flora Brimble und der verlorene Frühling“ handelt von dem 13-jährigen Mädchen Flora und ihrer Suche nach der Maikönigin, um den Frühling zurückzubringen und damit die Hoffnung. Auf ihrer Reise begegnet sie fantastischen und ungewöhnlichen Wesen.

Dieses spezielle Kinderbuch kann man nicht in die klassische Fantasy für Kinder einordnen – es ist viel mehr als das.

Die Grenzen der Wirklichkeit verschwimmen zwar, und das macht es gerade so interessant, aber gleichzeitig vernetzt sich die Geschichte über den Text hinaus mit tiefgreifenden Themen, die über Mut, Freundschaft und dem Bewahren der Umwelt hinausgehen. Neben der großartig fantasievollen Handlung fällt die poetische und philosophische Erzählweise auf, die auch herausfordernd sein kann. Das macht „Flora Brimble und der verlorene Frühling“ jedoch auch für erwachsene Leser:innen interessant. Trotz auflockerndem Humor, dringt immer mal wieder die Schwere an die Oberflächliche, aber es wird nie zu finster. Kinder, die konzentriert lesen und mehr erwarten, als eine spannende Geschichte, kommen hier auf ihre Kosten. Wir hatten zwar etwas anderes erwartet, aber diese märchenhafte Zusammensetzung ist gelungen.
Perfekt, wenn man ein Kinderbuch mit Tiefgang, Naturverbundenheit und viel Fantasie sucht, dass sich vom Rest abhebt und anregend fordernd ist.

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Rezensionen von Kokoloreslot:

Wohlfühlroman mit Tiefgang

Eine Maus namens Merlin von Simon Van Booy

Simon Van Booys Roman „Eine Maus namens Merlin“ erzählt von einer Witwe, die durch eine unerwartet tierische Begegnung einen Neuanfang wagt.

Das Leben hält auch im hohen Alter noch Überraschungen bereit. Helen lebt seit kurzem zurückgezogen in einem kleinen Ort in der Nähe von Oxford. Plötzlich gerät ihr einsamer Alltag durcheinander, als sie versucht, eine Maus loszuwerden und dafür Kontakt zu anderen Menschen aufnimmt, den sie sonst vermeidet.

Hier darf man sich auf niedliche Momente, eine sanfte Annäherung zwischen Helen und Merlin und auch die ein oder andere Überraschung freuen. Diese außergewöhnliche Freundschaftsgeschichte zeigt, dass das Schicksal manchmal ungewöhnliche Wege geht und es nie zu spät für eine Wendung ist. Das macht das Buch zu einer warmherzigen Kost mit wohltuendem Unterhaltungswert, toll geschrieben und voller liebenswerter Figuren. Durch das harmonische Zusammenspiel von Nachdenklichkeit und Zuversicht entsteht eine Geschichte, die sowohl tröstet als auch inspiriert.

Perfekt, um der Realität zu entfliehen, wenn man etwas Wärme und Zuversicht nötig hat. Deswegen würde ich sagen, für alle, die gefühlsvolle und positive Mensch-Tier-Geschichten lesen möchten, die tief gehen und ohne Kitsch auskommen. Danach sieht man Mäuse mit anderen Augen.

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Rezensionen von Kokoloreslot:

Mitreißend geschrieben

Die Namen von Knapp Florence

Florence Knapps Roman „Die Namen“ erzählt mit starker Sogkraft, wie prägend der eigenen Name ist und von den kleinen Entscheidungen, die über Generationen hinweg Einfluss nehmen, während mit schonungsloser Offenheit häusliche Gewalt thematisiert wird.

Die vielseitige und gut durchdachte Struktur, die tief in die komplexen Beziehungen eintauchen lässt, haben mir sehr zugesagt.

Drei völlig unterschiedliche Leben werden eindringlich beleuchtet und stimmige Persönlichkeiten gezeichnet, die überzeugen, denn Knapp beobachtet genau und findet dafür klare Formulierungen. Sie schreibt mitreißend, erschütternd und gleichzeitig fesselnd. Ich fand den Erzählstil feinfühlig und reich an eindrucksvollen Bildern, was „Die Namen“ zu keiner leichten aber lesenswerten Kost macht, gerade weil sie so fesselnd und bereichernd ist. Dennoch verliert der Roman im letzten Drittel an Spannung, was die emotionale Wucht der vorherigen Kapitel etwas abschwächt, aber ich würde das nicht zu negativ bewerten wollen, weil das gesamte Werk mich so unterhalten hat, dass ich nicht nur weiterlesen wollte, sondern auch emotional abgeholt wurde. Die Gedanken, die mir über Namen dazu kamen, waren ein netter Zusatz.

Obwohl oder gerade weil die Geschichte wenig Optimismus aufbaut, einen aber trotzdem abholt, bleibt sie lange im Gedächtnis – ein Buch über familiären Zusammenhalt, das herausfordert und tief geht.

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Rezensionen von jori1020:

Kurzweilig, witzig, wunderbar

Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo

„Einatmen. Ausatmen.“ – das ist nicht nur der Titel des neuen Romans von Maxim Leo, sondern auch das Mantra vieler Achtsamkeitsübungen, die die Protagonistin Marlene Buchholz im Laufe der Geschichte absolvieren muss.

Marlene ist eine äußerst erfolgreiche CEO-Anwärterin, doch auf dem Weg an die Spitze ist ihr Einfühlungsvermögen dabei allerdings etwas auf der Strecke geblieben.

Bevor sie befördert werden kann, soll sie deshalb ein Achtsamkeitstraining absolvieren, geleitet von Alex „Grow“. Doch auch Alex hat mit eigenen Problemen zu kämpfen. Seine immer größer werdende Achtsamkeits-Academy droht ihm über den Kopf zu wachsen, dazu kommen finanzielle Sorgen und Schwierigkeiten in seiner Beziehung.
So treffen zwei sehr unterschiedliche Menschen aufeinander, die – wenig überraschend, aber dennoch charmant erzählt – voneinander lernen und sich gegenseitig beeinflussen.

Es entwickelt sich eine warmherzige und sehr unterhaltsame Geschichte. Sie ist stellenweise vorhersehbar, bedient hier und da ein paar Klischees und wirkt manchmal fast ein wenig zu märchenhaft. Trotzdem macht es großen Spaß, Marlene und Alex auf ihrem Weg zu begleiten. Auch die Nebenfiguren bereichern die Handlung. Vor allem Hausmeister Mattissen und die Umweltaktivistin Connie wachsen einem schnell ans Herz.

Beim Lesen musste ich mehrfach laut lachen, oft schmunzeln, und manche Passagen regen durchaus zum Nachdenken an. Insgesamt hatte ich einige sehr schöne Stunden mit diesem Buch.

Sehr gelungen ist auch die Hörbuchversion aus dem Argon Verlag. Sprecherin Vera Teltz trifft genau den richtigen Ton und transportiert die Leichtigkeit und den Humor der Geschichte hervorragend. Damit wird das Hörbuch zu einer besonderen Empfehlung.

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Rezensionen von spozal89:

Ein Naturführer der Spaß macht

Tiere und Pflanzen lebensgroß von Daniela Strauß; Dr. Hannes Petrischak; Holger Haag; Felix Weiß; Katrin Hecker

Der Naturführer Tiere und Pflanzen lebensgroß hat uns von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Die Informationen die darin enthalten sind, sind für die ganze Familie interessant. Am Anfang erhält man gleich eine Erklärung und Einführung in das Buch und passend zum Frühling jetzt, kann man gleich damit losziehen.

Das Buch ist in die verschiedenen Jahreszeiten eingeteilt und zeigt die Tiere und Planzen die typisch für die jeweilige Jahreszeit sind. Es sind die wichtigsten Merkmale erklärt wie man die jeweilige Pflanze und das Tier erkennt und was es so besonders macht. Dabei ist der Text sachlich, aber auch verständlich und nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz - quasi genau richtig. Toll fanden wir auch die Bastelideen, die im Buch mit enthalten sind. Mein Sohn wollte gleich die Nestbauampel für die Vögel fertigen. Auch die Bastelanleitungen werden einfach und Schritt für Schritt erklärt, sodass die Kids keine Probleme haben es nachzumachen. Für mich ist dieser Naturführer auch von der Größe her genau ideal und wir sind wirklich begeistert, weshalb wir ihn auf alle Fälle empfehlen können.

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Rezensionen von spozal89:

Ein neues Abenteuer beginnt

Hilda Hasenherz. Das Abenteuer am Drachenfels von Tobias Goldfarb

Wir haben schon die beiden ersten Teile rund um Hilda Hasenherz gelesen und geliebt und haben uns daher sehr über dieses neue Abenteuer gefreut. Mit dabei sind wieder alle bekannten Gesichter wie der Igel Igromir, das Eichhörnchen Eicho, das Rotkehlchen Robinius und natürlich unsere Heldenhäsin Hilda.

Es geht weiter auf die Suche nach Hildas Eltern und diesmal bestreiten sie ein Abenteuer zum Drachenfels. Ob es den sagenumwogenden Drachen gibt, vor dem sich die Tierwelt fürchtet? Und wissen die Tiere rund um den Drachenfels vielleicht, wo Hildas Eltern sind? Hilda und ihre Freunde machen sich auf eine abenteuerliche Reise und lernen viele neue Freunde kennen. Es scheint nicht alles so wie es scheint und die Freunde müssen erneut zusammenhalten und Mut beweisen. Denn auch ein alter Bekannter, der nicht so gerne gesehen wird, taucht wieder auf.
Wir fanden auch den dritten Band wieder sehr toll und haben mit Hilda und ihren Freunden eine tolle Zeit verbracht. Der Drache war unser persönliches Highlight und kam ganz unterwartet daher. Der Schreibstil war gewohnt einfühlsam, spannend und die Kapitel jeweils nicht zu lang. Ergänzt wird die Geschichte wieder mit tollen Illustrationen. Man sollte die beiden Vorgängerbücher auf jeden Fall kennen, aber es ist für uns eine Reihe, die in keinem Kinderzimmer fehlen darf. Wir freuen uns schon jetzt auf Band vier, der im Oktober 2026 erscheinen soll und uns dann in die Welt des Schnees führt.

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Rezensionen von CanYouSeeMe:

ohne Titel

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel,2 Audio-CD, 2 MP3 von Alena Schröder

"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" von Alena Schröder ist in der Hörbuchfassung von Julia Nachtmann gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch beinahe in doppelter Geschwindigkeit. Mir sind Hörbücher meist zu langsam eingesprochen.

Die Stimme der Sprecherin kann ich daher nur bedingt einschätzen, aber auch bei höherer Geschwindigkeit war diese noch sehr angenehm zu hören, Betonungen kamen gut heraus und auch verschiedene Charaktere waren durch eine gute modulierte Stimmführung erkennbar. Vor allem der Einsatz von Dialekten wirkte authentisch und konnte die Charaktere dadurch noch einmal realer erscheinen lassen.
Die Bücher von Autorin Alena Schröder lese ich immer gern. Dieses Buch reiht sich in die vorangegangenen Bücher ›Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid‹ und ›Bei euch ist es immer so unheimlich still‹ ein, weswegen es für einen großen Zusammenhang sinnvoll ist diese Bücher auch gelesen zu haben. Inhaltlich ist jedes Buch in sich jedoch eine geschlossene Geschichte und kann alleinstehend gelesen werden. In diesem Buch werden zwei Geschichten in unterschiedlichen Zeitebenen parallel erzählt. Der Wechsel zwischen den Protagonistinnen hat mir gut gefallen und auch die Zusammenführung beider Handlungsstränge ist auf einer übergeordneten Ebene gut gelungen.
Gefallen haben mir ebenso Sprache und Schreibstil. Die Darstellung zweier unterschiedlicher und doch Gemeinsamkeiten habender Charaktere ist hervorragend gelungen - ebenso die Entwicklung beider. Für mich waren beide Erzählstränge gleichermaßen fesselnd. Schröder schafft es in einer ruhigen Atmosphäre dicht und zu erzählen und Emotionen zart herauszuarbeiten.
"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" kann ich, genauso wie die zwei zugehörigen Bücher, nur empfehlen!

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Rezensionen von Eternal-Hope:

Jüdisch sein in Mitteleuropa nach dem 7. Oktober 2023

Balagan von Mirna Funk

Amira ist aus einer jüdischen Familie, die in Berlin lebt. Sie ist Anfang 30 und hat es nicht leicht mit der Welt, und die Welt hat es nicht leicht mit ihr. Ihr Vater Wolf hat sich das Leben genommen, als sie gerade eingeschult wurde, Mutter Nina ist pünktlich mit der Volljährigkeit der Tochter nach Israel abgehauen.

Auch zur restlichen Verwandtschaft gibt es keine sonderliche gute Beziehung. Geschäftstüchtig und fleißig ist die junge Frau durchaus, hat ein erfolgreiches Online-Magazin gegründet, das aber nun auch die besten Zeiten hinter sich hat. Speziell seit dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023, der Geiselnahme und den darauffolgenden Bombardierungen des Gaza-Streifens fühlt sich Amira als Jüdin in Deutschland auch immer weniger wohl und hat den Eindruck, dass Antisemitismus immer salonfähiger wird, speziell in den kunstaffinen, politisch linken Kreisen, in denen sie sich bewegt.

Viele Belastungen im Leben einer jungen Frau. Und so irrt Amira durch ihr Leben, sauft sich regelmäßig an, nimmt Drogen, schläft mit verschiedenen Männern parallel und macht sonst so einige unreife Dummheiten, ist auch zu guten Freunden oft ruppig, schroff und unzuverlässig und insgesamt eine ziemlich unreife und selbstbezogene Persönlichkeit.

Wirklich geliebt gefühlt hat sich Amira von ihrem Opa Max Altman, der ein Vaterersatz für sie war und immerhin über 100 Jahre alt geworden ist... doch nun ist er verstorben. Amira trauert tief und muss sich gleichzeitig mit dem Erbe befassen. Während sie noch tief trauert, ist die Verwandtschaft schon dabei, eilig Post-Its mit der eigenen Farbe in der Wohnung des verstorbenen Großvaters auf Gegenständen zu verteilen, um Besitzansprüche zu markieren. Dann wird bekannt, dass die verschollen geglaubte Kunstsammlung der Altman-Familie doch schon seit langem wieder im Besitz des Großvaters war und er diese an Amira alleine vererbt. Der geschätzte Wert liegt im dreistelligen Millionenbereich. Amira ist mit dieser Nachricht völlig überfordert und verhält sich so, wie es ihrer unreifen Persönlichkeit entspricht: sie postet erst einmal im besoffenen Zustand ein Selfie von sich mit einem der Kunstwerke auf Instagram. So erfährt die restliche Verwandtschaft gleich davon, ist empört und will den eigenen Anteil am Vermögen einklagen (schließlich gibt es in Deutschland juristisch ein Recht auf einen Pflichtteil für nahe Verwandte), dazu stürzen sich die Medien auf das Thema. Amira muss einige weitreichende Entscheidungen treffen und ist einmal sehr überfordert, ihre Persönlichkeitsentwicklung kann nicht so schnell mit dem neuen Vermögen Schritt halten.

In diesem Buch begleiten wir also diese verlorene, unreife junge Frau dabei, wie sie mit diesem unerwarteten Erbe umgeht. Der Charakter Amiras ist konsistent gezeichnet und sie verhält sich gemäß ihrer Persönlichkeit: impulsiv und wenig durchdacht, was natürlich alle möglichen Komplikationen und Probleme nach sich zieht. Am interessantesten war es für mich, über diesen Roman ein Bild davon zu bekommen, um wie viel schwieriger es seit 2023 geworden sein könnte, sichtbar in Deutschland jüdisch zu sein und in was für eine schwierige Position ständigen Rechtfertigungsdrucks in Bezug auf Israels Aktionen alle jüdischen Menschen seitdem geraten sind. Dass sich manche oder viele von ihnen dadurch noch weniger heimisch in Mitteleuropa fühlen als schon davor. Und dass selbst gut gemeinte Erinnerungsaktionen bei manchen etwas anderes auslösen können als intendiert: etwa die "Stolpersteine", die zwar der Ermordeten gedenken, aber auch Angst machen können, weil sie daran erinnern, was möglich war und jederzeit wieder geschehen könnte.

Die Handlung spielt sich an mehreren Orten ab: Berlin, Genf und dann Tel Aviv und weitere Orte in Israel. Auch in Israel wird spürbar, wie viel sich seit dem 7. Oktober verändert hat: nicht nur sind die Sicherheitsvorkehrungen überall stärker geworden, sondern das Gedenken der Ermordeten und die Forderung nach Freilassung der Geiseln sind auch überall präsent, dazu sieht man laufend Militärflugzeuge Richtung Gaza fliegen oder von dort zurückkehren. Von all diesen schweren Themen muss sich Amira regelmäßig ablenken, deshalb nehmen Alkohol, Drogen und auch ausführlich und bis ins Detail geschilderte Sexszenen mit mehreren Männern auch recht viel Raum ein in diesem Buch.

Immer wieder geht es aber auch um Resilienz und Überlebensfähigkeit, um Weisheiten aus dem Judentum und die Herkunft mancher hebräischer Wörter, aber vor allem um die Widerstandskraft des jüdischen Volkes. Dabei kommen auch so einige Fachbegriffe und hebräische Begriffe vor, die nicht alle im Detail erklärt werden (hier wären ein paar Fußnoten oder Anmerkungen dazu gut gewesen). Es lohnt sich also für ein vollständiges Verständnis dieses Buches, schon einiges an Vorwissen zum Thema Judentum mitzubringen oder die Bereitschaft zu haben, parallel zur Lektüre in weiteren Quellen dazu nachzulesen. Zusätzlich schwingt auch einiges an Abgeklärtheit bis Enttäuschung und Desillusionierung in Bezug auf die Deutschen und ihre heutige Haltung zu Juden und Israel mit.

Insgesamt ist es ein spannend erzähltes und nachdenklich machendes Buch, das ich allen, die kein Problem mit einer nicht sonderlich reifen, nicht sehr sympathischen und promiskuitiven Hauptfigur haben, und sich für aktuelle Themen Israels und des Jüdisch-Seins in Deutschland interessieren, jedenfalls empfehlen kann.

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