Kunden em pfehlungen
Rezensionen von froschman:
Tante Mabels Aufzeichnungen
Mord & Breakfast von Anne Gordon
Melody Moss verliert ihren Job als Journalistin beim West London Telegraph. Da erfährt sie, dass ihre Tante Mabel verstorben ist und sie das Bed & Breakfast Costal Inn an der Ostküste Schottlands geerbt hat. Da sich ihre Mutter mit ihrer Tante vor zig Jahren zerstritten haben kennt sie Mabel praktisch nicht, fährt aber doch nach Schottland, um die Erbschaft zumindest anzunehmen, dann zu verkaufen und wieder nach London zurückzukehren.
In Seagall Bay angekommen, erfährt sie, dass ihre Tante anscheinend über das Geländer der neu erbauten Terrasse in den Tod gestürzt ist. Sie kann das nicht glauben, da Mabel immer auf Sicherheit erpicht war. Sie beginnt die Unterlagen Mabels zu studieren und entdeckt dabei schändliche Machenschaften, die ihre Tante zu Papier gebracht hatte. Da von der örtlichen Polizei keine Hilfe kommt, beginnt Melody auf eigene Faust zu recherchieren und den Fall zu lösen.
In humorvoller Art hat Anne Gordon ein flüssig zu lesendes Cosy-Crime geschrieben, zahlreiche witzige Gegebenheiten lockern die Handlung auf. Es macht Lust auf mehr, ein neuer Band soll im März 2027 erscheinen.
Rezensionen von froschman:
Tante Mabels Aufzeichnungen
Mord & Breakfast von Anne Gordon
Melody Moss verliert ihren Job als Journalistin beim West London Telegraph. Da erfährt sie, dass ihre Tante Mabel verstorben ist und sie das Bed & Breakfast Costal Inn an der Ostküste Schottlands geerbt hat. Da sich ihre Mutter mit ihrer Tante vor zig Jahren zerstritten haben kennt sie Mabel praktisch nicht, fährt aber doch nach Schottland, um die Erbschaft zumindest anzunehmen, dann zu verkaufen und wieder nach London zurückzukehren.
In Seagall Bay angekommen, erfährt sie, dass ihre Tante anscheinend über das Geländer der neu erbauten Terrasse in den Tod gestürzt ist. Sie kann das nicht glauben, da Mabel immer auf Sicherheit erpicht war. Sie beginnt die Unterlagen Mabels zu studieren und entdeckt dabei schändliche Machenschaften, die ihre Tante zu Papier gebracht hatte. Da von der örtlichen Polizei keine Hilfe kommt, beginnt Melody auf eigene Faust zu recherchieren und den Fall zu lösen.
In humorvoller Art hat Anne Gordon ein flüssig zu lesendes Cosy-Crime geschrieben, zahlreiche witzige Gegebenheiten lockern die Handlung auf. Es macht Lust auf mehr, ein neuer Band soll im März 2027 erscheinen.
Rezensionen von Francesca :
Zerbrechlich, intensiv und doch nicht vollständig - 3,5 Sterne
Und alles zerbricht (Paper Hearts 1) von Maxine Reuker
In Und alles zerbricht begleiten wir Mila auf einer sehr intensiven und persönlichen Reise. Durch verschiedene Umstände gerät sie in eine Essstörung, und als Leser erleben wir diesen Prozess hautnah mit. Das Buch zeigt nicht nur, wie es dazu kommt, sondern auch, wie Mila damit kämpft, wie sie ihren Alltag bewältigt und welche inneren Konflikte sie austrägt.
Besonders diese intime Darstellung ihrer Gedankenwelt ist ein zentrales Element der Geschichte und gleichzeitig ihr größtes Highlight.
Schreibstil & Erzählweise
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Durch die Ich-Perspektive wird Milas innere Zerrissenheit besonders greifbar, was die emotionale Wirkung deutlich verstärkt. Der Einstieg gelingt schnell, und man findet sich rasch in der Geschichte wieder. Auch das Tempo ist über weite Strecken gut gewählt, es passiert kontinuierlich etwas, ohne dass es sich zieht.
Charaktere & Beziehungen
Die Figuren sind vielschichtig und interessant gestaltet. Besonders die enge Verbindung zwischen den beiden Familien und die daraus entstehende Dynamik, inklusive Freundschaft, Verlust und Veränderung, wird überzeugend dargestellt. Das Zerbrechen dieser Verbindungen durch Milas Umzug bringt zusätzliche emotionale Tiefe in die Handlung. Insgesamt wirken die Charaktere authentisch und tragen die Geschichte sehr gut.
Klinikdarstellung & Authentizität
Die Darstellung des Klinikalltags wirkt größtenteils authentisch und nachvollziehbar. Man bekommt einen guten Einblick in die Strukturen und den Umgang mit der Thematik. Dennoch gibt es einzelne Aspekte, insbesondere im Zusammenhang mit bestimmten Entwicklungen rund um den Klinikaufenthalt, die kritisch betrachtet werden können und ein etwas unangenehmes Gefühl hinterlassen.
Kritikpunkte – Romantik & Ende
Ein wesentlicher Kritikpunkt liegt in der Entwicklung der romantischen Handlung. Ab etwa drei Viertel des Buches nimmt die Geschichte eine Richtung ein, die nicht ganz stimmig wirkt. Die romantische Plotline entwickelt sich für mein Empfinden zu schnell und rückt zu stark in den Vordergrund. Die Dynamik zwischen den beiden wirkte auf mich nicht ganz greifbar und teilweise wenig authentisch. Auch wenn der Love Interest als Figur viele sehr schöne, beinahe „perfekte“ Eigenschaften mitbringt und sich entsprechend fürsorglich verhält, konnte ich die Beziehung emotional nicht wirklich nachempfinden.
Hinzu kommen Aspekte wie der Altersunterschied sowie bestimmte Hintergründe im Kliniksetting, die für mich ein leicht unangenehmes Gefühl erzeugt haben. Gerade im Zusammenspiel mit der sehr schnell voranschreitenden Entwicklung hat das dazu geführt, dass mich dieser Teil der Geschichte nicht überzeugen konnte. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus weiterhin stärker auf Freundschaft und persönlicher Entwicklung liegt und romantische Aspekte erst in einem Folgeband mehr Raum bekommen.
Auch das Ende wirkt dadurch nicht ganz rund. Zwar ist klar, dass die Geschichte in Band 2 fortgesetzt wird, dennoch hinterlässt der Abschluss des ersten Bandes ein Gefühl von Unvollständigkeit.
Fazit
Und alles zerbricht ist ein emotionales und intensives Buch, das besonders durch seine authentische Darstellung einer Essstörung und die starke Innensicht der Protagonistin überzeugt. Wer sich mit dieser Thematik auseinandersetzen möchte, wird hier definitiv fündig, sollte sich aber auch der potenziellen Trigger bewusst sein.
Trotz der gelungenen Figuren und des starken Einstiegs verliert die Geschichte gegen Ende etwas an Balance, insbesondere durch die romantische Entwicklung. Mit einem anderen Schwerpunkt hätte das Buch für mich noch mehr überzeugen können. Insgesamt dennoch eine lesenswerte Geschichte mit viel emotionaler Tiefe.
Rezensionen von froschman:
Tante Mabels Aufzeichnungen
Mord & Breakfast von Anne Gordon
dass ihre Tante Mabel verstorben ist und sie das Bed & Breakfast Costal Inn an der Ostküste Schottlands geerbt hat. Da sich ihre Mutter mit ihrer Tante vor zig Jahren zerstritten haben kennt sie Mabel praktisch nicht, fährt aber doch nach Schottland, um die Erbschaft zumindest anzunehmen, dann zu verkaufen und wieder nach London zurückzukehren.
In Seagall Bay angekommen, erfährt sie, dass ihre Tante anscheinend über das Geländer der neu erbauten Terrasse in den Tod gestürzt ist. Sie kann das nicht glauben, da Mabel immer auf Sicherheit erpicht war. Sie beginnt die Unterlagen Mabels zu studieren und entdeckt dabei schändliche Machenschaften, die ihre Tante zu Papier gebracht hatte. Da von der örtlichen Polizei keine Hilfe kommt, beginnt Melody auf eigene Faust zu recherchieren und den Fall zu lösen.
In humorvoller Art hat Anne Gordon ein flüssig zu lesendes Cosy-Crime geschrieben, zahlreiche witzige Gegebenheiten lockern die Handlung auf. Es macht Lust auf mehr, ein neuer Band soll im März 2027 erscheinen.
Rezensionen von Mabla59 :
Vier Frauen und ihre Familiengeschichte
Niemands Töchter von Judith Hoersch
Meine Bewertung bezieht sich auf das Hörbuch "Niemands Töchter", welches im Hörbuch Verlag Hamburg erschienen ist und von der Autorin Judith Hoersch selbst gelesen wurde.
Sie erzählt darin die Geschichten von vier Frauen.
Alma, Isabell, Marie und Gabriele.
Die Handlungsstränge scheinen zunächst aus der Sicht jeder einzelnen Frau zu stehen.
Erst nach und nach erfahren die Lesenden die Zusammenhänge.
Zudem erstrecken sich die Erzählungen auf mehreren Zeitebenen. Von den achtziger Jahren bis in die 2019 - 2020er Jahre
Handlungsorte sind die Eifel und Berlin.
Das Buch ist in einer schönen Sprache geschrieben und erzählt von den komplexen Beziehungen von Müttern und Töchter. Von Liebe und Verlust, von Verletzungen und Wunden.
Judith Hoersch, die mir noch als Schauspielerin bekannt war, hat das Hörbuch eindrucksvoll vorgelesen und mir als Schriftstellerin mindestens genauso gut gefallen.
Rezensionen von flyingmouse88:
Einfach magisch!
The House Witch 1 von Delemhach Emilie Nikota
Im Königreich Daxaria liegt die Macht offiziell bei König Norman – doch hinter den Kulissen gewinnt ausgerechnet der neue königliche Koch zunehmend an Bedeutung. Finlay Ashowan ist nämlich nicht nur ein außergewöhnlich talentierter Koch, sondern auch eine sogenannte Haushexe. Mit seiner besonderen, schützenden Magie bringt er nicht nur Ordnung in die chaotische Schlossküche, sondern schafft auch einen Ort der Wärme und Sicherheit für alle, die dort arbeiten.
Schon bald wird Fin zu einem wichtigen Vertrauten der königlichen Familie. Mit viel Feingefühl kümmert er sich um seine Mitmenschen, setzt sich für seine Gehilfen ein und scheut sich nicht, einzugreifen, wenn jemand ungerecht behandelt wird. Dabei zeigt sich schnell, dass man ihn trotz seiner ruhigen Art nicht unterschätzen sollte. Doch selbst seine Fähigkeiten stoßen an Grenzen, als politische Spannungen und alte Prophezeiungen das Königreich zunehmend ins Wanken bringen. Gemeinsam mit seinen Verbündeten – darunter sein schwarzes Kätzchen Kraken und Annika – gerät er immer tiefer in ein Netz aus Intrigen.
Der Auftakt dieser Reihe überzeugt mit einer originellen Idee rund um Haushexen und einer liebevoll gestalteten Welt. Besonders gelungen sind die detailreichen Beschreibungen, die Daxaria lebendig werden lassen, sowie die vielfältigen, sympathischen Figuren. Fin selbst ist kein typischer Held, sondern eher ein stiller Beschützer, der einfach möchte, dass die Menschen um ihn herum sicher und gut versorgt sind. Gerade diese Mischung aus Fürsorge, Direktheit und leiser Unsicherheit macht ihn besonders nahbar.
Die Geschichte verbindet auf angenehme Weise humorvolle, spannende und berührende Momente und schafft dabei eine gemütliche Atmosphäre. Wer Cozy Fantasy ausprobieren möchte oder einfach eine warme, magische Geschichte für zwischendurch sucht, wird hier definitiv fündig.
Rezensionen von Odina:
Berührend
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman
Der Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte" wurde von Jacqueline Harpman verfasst und erschien am 14. März 2026 im Klett-Cotta Verlag. Das Buch umfasst 224 Seiten und das Cover ist passend zum Titel gestaltet. In der Geschichte geht es um neununddreißig Frauen, die ohne Erinnerungen in einem unterirdischen Gefängnis leben.
Als ihre Wächter verschwinden, wagt eine von ihnen den Schritt nach draußen. Dort treffen die Frauen auf eine fremde Welt und müssen sich gemeinsam darin zurechtfinden. Der Schreibstil der Autorin ist lebendig, anschaulich und gefühlvoll. Klassische Kapitel sucht man vergeblich; der Roman ist als fortlaufender, dichter Text gestaltet. Diese Erzählweise verstärkt das Empfinden von Zeitlosigkeit und Orientierungslosigkeit auf eindrucksvolle Weise. Die Spannung ist eher zurückhaltend. Im Mittelpunkt stehen weniger dramatische Ereignisse, sondern vielmehr die dichte Atmosphäre. Die Charaktere sind präzise und nachvollziehbar gezeichnet. Vor allem die Hauptprotagonistin beeindruckt: Ihre Gedankenwelt ist authentisch, ihre Gefühle von Freiheit und Einsamkeit wirken tief und bewegend. Man kann sich mühelos in ihre emotionale Lage hineinversetzen. Insgesamt ist das Buch ein guter, zeitloser Roman, der zum Nachdenken anregt.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Im Krieg kann man nicht unbeteiligt bleiben
Im ersten Licht von Norbert Gstrein
Auf dem Cover ein Pferd, das seitlich nach hinten blickt. Auf der Rückseite die Information, dass es unter anderem um kriegsversehrte Männer geht in dem Buch. Ein erstes Hineinlesen und es beginnt gleich mit der Beschreibung schrecklicher Entstellungen im Gesicht. Ob das ein Buch für mich sein könnte? Da habe ich länger überlegt und war mir nicht so sicher.
Doch nun habe ich es gelesen und bin sehr froh darüber, denn es ist definitiv eines meiner Jahreshighlights! Diese Tiefgründigkeit, diese Sprache! Wie sich subtil und gleichzeitig wirkstark gewisse Metaphern immer wieder wiederholen, geschickt eingeflochten in den Fortgang der Erzählung. Von der Welt, die einmal so unschuldig gewesen war und es nie wieder sein würde. Von dem einst jungen Adrian, ein Jahr jünger als das Jahrhundert, nie als Soldat im Krieg gewesen, und doch würde auch er seine Unschuld verlieren. Vom titelgebenden ersten Licht des Tages, in dem die Ruhe der Nacht endet, in dem Kriege beginnen, in dem Verräter hingerichtet werden, oder doch Unschuldige?
Es ist ein Buch, das in mir gedanklich und emotional noch lange nachwirken wird - und ein eindringliches Plädoyer, die Schrecken der Kriege - aller Kriege! - niemals zu vergessen. Ein Thema, das gerade in der jetzigen Zeit erschreckend aktuell ist! Im ersten Weltkrieg wurden so viele Menschen verstümmelt oder getötet, ebenfalls im zweiten, in jedem anderen Krieg und auch jetzt passiert das jeden Tag!
Das Buch selbst ist in drei Teile gegliedert und jeder davon ist einem jungen Mann gewidmet, der das Leben von Adrian auf die eine oder andere Art stark geprägt hat.
Adrian Reiter - der selbst nie reitet, genauso, wie er nie in den Krieg ziehen muss - ist ein "Davongekommener", ein "Verschont-Gebliebener", oder nicht? Und heißt das gleichzeitig, er sei unschuldig geblieben und es klebe kein Blut an seinen Händen? Kann man unbeteiligt bleiben in solchen Zeiten, und wo beginnt die moralische, rhetorische, tatsächliche Mittäterschaft?
1901 geboren ist Adrian am Anfang des 1. Weltkrieges noch zu jung, um eingezogen zu werden, doch der Krieg dauert mehrere Jahre und der besorgte Vater, ein Kriegsgegner und Sozialist, sieht den Zeitpunkt, an dem auch sein Sohn einrücken würde müssen, immer näher kommen. Das will er unbedingt verhindern und sorgt mit einer Axt und mangelhafter Wundversorgung für eine Beinverletzung des Sohnes, die diesem ein lebenslanges Hinken bescheren, aber ihm gleichzeitig die Soldatenlaufbahn ersparen würde.
So begegnen wir kurz nach dem ersten Weltkrieg einem jungen Mann, der fröhlich mit seiner Freundin am Seeufer entlang marschiert und in einer Pension dort untergebrachte ehemalige Soldaten kennen lernt, die speziell im Gesicht schreckliche Entstellungen als Folge der Kriegsverletzungen aufweisen, einer davon Ernest Eller. Hier werden sie vor den öffentlichen Blicken versteckt, ihre Familien schämen sich für sie, manche täuschen lieber vor, der versehrte Sohn wäre am Schlachtfeld den Heldentod gestorben. Den Weg in die Gesellschaft zurück werden die wenigsten von ihnen wieder finden, fast alle werden sich früher oder später das Leben nehmen.
Im zweiten Teil ist Adrian mittlerweile Lehrer für Geschichte (und Englisch) und der zweite Weltkrieg naht heran. Vermutlich als Kompensation dafür, selbst nie im Krieg gewesen zu sein, schwärmt er vor seinen Schülern in höchsten Tönen von militärischen Ehren, heldenhaften Kämpfen und dem Reiterbataillon, und macht sich damit mitschuldig, naive junge Menschen für den Krieg zu begeistern. Insbesondere sein Lieblingsschüler Martin Baumgartner meldet sich freiwillig (was dessen Vater dem Lehrer nie verzeihen wird), wird zum Soldaten, zum Täter, zum Verzweifelten. Sucht immer wieder den ehemaligen Lehrer auf, wenn er ein paar Tage aus dem Krieg nach Hause kommt, wie ein lebendiges Mahnmal für dessen Mitschuld.
Schließlich geht es im dritten Teil um die andere Seite. Die beiden großen Kriege sind vorbei, seit einigen Jahrzehnten herrscht Frieden, und Adrian reist nach England, besucht dort ehemalige Bunker und lernt Vivian kennen, die jüngere Schwester von Teddy Stephen, der sich nach öffentlicher Beschämung durch das Überreichen einer weißen Feder durch die Suffragetten freiwillig als Soldat im ersten Weltkrieg gemeldet hat, entsetzt in einer aussichtslosen Schlacht fliehen wollte und dafür als Deserteur von den eigenen Kameraden erschossen wurde, im ersten Licht des Tages. Wie ist das im Nachhinein zu beurteilen? War er ein Held? Ein Verräter? Einfach ein Mensch, dem alles zu viel wurde?
In diesem umfangreichen und tiefgründigen Roman betrachten wir die erschütterndsten Kriege des 20. Jahrhunderts durch die Augen von Adrian Reiter ein bisschen von außen und sind doch tief drinnen. Emotional zeigt das Buch, dass es nicht möglich ist, ganz außen vor zu bleiben, selbst wenn man nicht aktiv in den Krieg zieht. Wir sind immer Teil des Kollektivschicksals unserer Umgebung, dieses berührt uns, und wir haben eine Verantwortung für alles, was wir tun, unterlassen und bezeugen. Und Krieg ist es schrecklich, es gibt keine Sieger.
Es ist ein überwiegend männlich dominierter Blick auf das Kriegsgeschehen und im Zentrum stehen klar (mehrheitlich junge) Männer als Kriegsbegeisterte, Zwangsverpflichtete, Soldaten, Deserteure, Opfer, Täter, Mitläufer, Zuschauer. Die wenigen Frauen, die im Roman vorkommen, nehmen eher Nebenrollen ein, und das Leid, das der Krieg auch über Frauen bringt, ist nur sehr am Rande Teil dieses Romans. Das ist keine Schwäche des sehr guten Buches, da kein Buch alles behandeln kann.
Insgesamt ist es ein großartiges, vielschichtiges, bildendes und nachdenklich machendes Werk, für das man sich Zeit nehmen sollte, um es in seiner Tiefgründigkeit wirken zu lassen. Auf fast jeder Seite finden sich bemerkenswerte Gedanken und eine eingängige Sprache, das Buch ist äußerst dicht und reichhaltig an Querverbindungen und subtilen Bezügen. Man könnte damit problemlos ein ganzes Semester eines literaturwissenschaftlichen Universitätsseminars füllen, und hätte am Ende noch immer nicht alles Diskussionswürdige besprochen. Dabei schafft der Autor aber gleichzeitig den Spagat, so unterhaltsam zu schreiben, dass es nie langweilig wird - auch wenn es sich insgesamt schon klar um ein anspruchsvolles Werk der gehobenen Literatur handelt, dem ich viele Buchpreise wünsche!
Ich kann es allen, die sich für Zeitgeschichte und hochwertige Literatur interessieren, vor detaillierten Schilderungen von Elend und Verstümmelungen nicht zurückschrecken und sich auf ein besonderes Werk einlassen wollen, von Herzen empfehlen. Für mich war es das erste Werk dieses bemerkenswerten Autors, es wird aber sicher nicht das letzte gewesen sein!
Rezensionen von brauneye29:
Nicht meins
Dunkelmann von Lars Findsen; Jacob Weinreich
Zum Inhalt:
Daniel Hartmann, der Analyst des dänischen Geheimdienstes ist, entdeckt, dass ein Mitglied der chinesischen Delegation mit falscher Identität einreisen will. Was hat das zu bedeuten? So muss die noch nicht vom letzten Einsatz genesene Maja sich um den Fall kümmern und scheinbar hängt alles auch irgendwie mit ihrem letzten Auslandseinsatz zusammen.
Meine Meinung:
Ja, ich muss gestehen, so richtig sind Agentenromane nicht mein Ding, aber ich gebe immer wieder eine neue Chance und ab und an, bin ich dann auch schon an welche geraten, die mich überzeugt haben. Hier war das leider nicht der Fall. Sicher ist vieles sehr spannend und interessant geschrieben, aber mir waren es einfach zu viele Handlungsstränge, die ich nicht zusammengebracht habe und eigentlich sogar das Gefühl hatte, dass nicht alle konsequent zu Ende gebracht wurden. Sicherlich wird das Buch Fans haben, ich gehöre leider nicht dazu.
Fazit:
Nicht meins
Rezensionen von clematis:
Moral
Die Schneiderei in der Fliedergasse - Neue Hoffnung von Katharina Oswald
„Wenn deine Prinzipien einen Preis haben, dann sind es keine wahren Prinzipien.“ [kindle, Pos. 2011]
Die zwanzigjährigen Zwillinge Susanne und Leonard gehen ihren Berufungen nach, das Mädchen studiert mit Eifer Jus, während ihr Bruder in der Schneiderei der Mutter flink ans Werk geht. Allein die von der Stadt Tübingen vorgeschriebene Renovierung des Geschäfts- und Wohnhauses wirft Probleme auf, denn dafür fehlt schlicht und einfach das Geld.
Nahtlos schließt Teil 2 an den Vorgänger an, wobei das Lesevergnügen mit Vorkenntnissen bestimmt größer ist als ohne, aber auch für Neueinsteiger gibt es ausreichende Details fürs Verständnis der Handlung. Die Themen der 1970er-Jahre werden auch diesmal aufgegriffen: traditionelle Rollenbilder und deren vorsichtiges Aufbrechen, politische Proteste der (linken) Studenten oder (rechte) Burschenschafter, wodurch die fiktive Handlung eine authentische Kulisse bekommt. Die Figuren sind lebendig gezeichnet, gerne möchte man sich als Leser mit der ein oder anderen auf einen Kaffee treffen und über moralische und vernunftorientierte Entscheidungen plaudern. Eines ist klar, einfach fällt es den Zwillingen nicht, das Geld für die Hausinstandsetzung aus einer passenden Quelle aufzutreiben.
Mit ihrem herzlichen Schreibstil punktet das Autorenduo Andrea Bottlinger und Claudia Hornung, welches sich hinter dem Namen Katharina Oswald verbirgt, auch diesmal, die Szenen sind bildhaft und bestens vorstellbar. Ebenso realistisch stellen sich die Gedanken und Gefühle der Zwillinge dar, sodass man sich bestens in ihre Situation hineinversetzen kann, insbesondere, wenn es um die Begegnungen in Strasbourg geht. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz, mit einer für die Zeit eher unüblichen Leichtigkeit fließt sogar das Thema Homosexualität ins Geschehen ein. So reiht sich ein kurzweiliges Kapitel ans andere, liefert Informationen ohne erhobenen Zeigefinger und lässt die 1970er-Jahre wieder aufleben sowie Erinnerungen hochkommen. Danke für Leonard Cohens Lied Suzanne oder die Portraits von Rosa Parks und Emma Goldmann, um nur einige stellvertretend zu nennen.
Ein vordergründig locker-leichtes Buch, das aber eine Vielfalt an tiefgründigen Fragen beleuchtet und somit gleichsam unterhält und nachdenklich stimmt. Ich empfehle die beiden Bände daher sehr gerne weiter.









