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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Vobabooks:

Schön unkonventionell

Keeping it casual von Karina May

„Keeping it casual“ ist ein Roman von Karina May, übersetzt von Antonia Zauder. Nach einer Diagnose und einer Trennung steht Max Leben Kopf. Sie zieht zu ihrer Freundin und meldet sich zu Ablenkungszwecken bei Tinder an. Dort lernt sie Johnny kennen, und kocht mit ihm die Rezepte aus dem Familienkochbuch ihres Exfreunds nach (es sind auch einige Rezepte abgedruckt, ein Großteil davon ist aber nur für Menschen interessant, die Fleisch essen), bis Max nun vor ihrer OP steht…
Eine Geschichte, die mich besonders durch ihre Unkonventionalität gecatcht hat.

Max meistert eine wirklich herausfordernde Lebensphase, zudem geht es auch ein wenig um Selbstfindung.
Flüssig zu Lesen, dabei sowohl mit Leichtigkeit, Skurilität, Humor und etwas Tiefe. Auch wenn es sich für mich inhaltlich an manchen Stellen ein wenig unrund und schnell abgehandelt anfühlte und ich zudem die Romanceaspekte nicht so gänzlich fühlen konnte, war es eine wirklich gute Lesezeit für mich.

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Rezensionen von Annaja:

Große Pläne für die kleine Insel

Der Sommer, als wir die Weltherrschaft übernahmen von Rieke Patwardhan

Die Autorin Rieke Patwardhan hat hier ein Kinderbuch über begeisterungsfähige, engagierte Kinder verfasst.

Die Zwillinge Fili und Karo samt dem kleinen Bruder Jeps verbringen ihre Ferien diesmal ohne der Eltern, wie immer auf der kleinen Nordseeinsel Wegeland. Die Kinder freuen sich auf ihre gewohnten Abenteuer und auf Tante Flora und Oma Elske mit dem Gasthof mit den guten Gerichten.

Flora ist inzwischen Bürgermeisterin geworden und sie plant hier eine autofreie Insel, wegen der Umwelt. Doch Nachbar Böckmann, ein Landwirt ist strikt dagegen. Da geht es heiß her im Gemeinderat. Tante Flora hat auch schon drei Esel für die Insel angeschafft, diese sollen die Feriengäste transportieren können und die Kinder unterhalten. Ob das die Esel auch so sehen? Auf jeden Fall hat Flora gleich nach der Ankunft der Kinder einen Unfall, muss im Krankenhaus operiert werden, so dass die Kinder jetzt fast auf sich allein gestellt sind. Natürlich wollen und müssen sie die Tante in ihrem Ansinnen tatkräftig unterstützen. Dazu fällt ihnen auch einiges ein, was nicht bei allen Bewohnern auf Gegenliebe stößt. Besonders Nachbar Böckmann stellt sich quer und er unternimmt einige fiese Aktionen, um Floras Pläne zu vereiteln. Doch die Kinder sind schlau und sehr eifrig, sie wollen immer nur das Beste und so manche Überraschungen gelingen ihnen.

Eine tolle Lektüre, die Kinder begeistern wird, denn der Eifer und Unternehmungslust ist wohl ansteckend.

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Rezensionen von Vobabooks:

Übers sich neu finden

Zeit für meine Träume von Tessa Randau

„Zeit für meine Träume. Wie ich lernte, dem Leben wieder zu vertrauen“ ist ein Roman von Tessa Randau. Nach einer unerwarteten Trennung mit einem unerfüllten Kinderwunsch ist die 38jährigen Hauptfigur lost und unzufrieden in ihrem Leben. Sie lernt ein charmantes Seniorentrio kennen und durch die Begegnungen mit Lotte, Anita und Johann gerät die Hauptfigur zunehmend ins Reflektieren und Verändern…
4.

5 ⭐️ Ein schönes und berührendes Buch zum Thema Selbstfindung und persönliche Weiterentwicklung. Die Atmosphäre mit dem Senioren-Trio ist dabei herzlich, der Schreibstil angenehm und flüssig zu lesen. Wie auch in dem anderen Buch der Autorin (Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich), welches ich gelesen hatte, bleiben auch in dieser Geschichte einige Aspekte im Verborgenen und werden der eigenen Fantasie überlassen. Beispielsweise erfahren wir den Namen der Hauptfigur in diesem Buch nicht, doch auch größere Aspekte der Handlung bleiben in Nebel. Auch wenn die Botschaften der Geschichte in diesem Genre nichts Neues sind, sind sie prägnant aufbereitet, bereichernd zum Lesen und regen zum Nachdenken und Reflektieren an. Eine schöne Geschichte für Menschen, die gerne Romane im Bereich der persönlichen Weiterentwicklung lesen.

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Rezensionen von Gute_Laune:

Sommer-Rezepte

Gut bei Hitze von Katharina Seiser

Das Buch bietet Rezepte zu den Kapiteln Zum Trinken; Kaltes; Warmes; Süßes. Wie der Titel schon sagt, sollen sie besonders bei Hitze gut tun und gut schmecken. Zudem sind sie nicht kompliziert, also erfrischend einfach.

Die selbstgemachten Getränke sind tatsächlich sehr ansprechend und lecker.

Kaltes bietet Rezepte für Fermentiertes, kalte Suppen, Salate und belegte Brote. Warmes bietet leichte Gerichte von lauwarm bis heiß. Süßes schließlich zeigt sommerliche Desserts und Leckereien.

Alle Rezepte kommen mit Foto. Mir ist das immer super wichtig, weil ich dazu tendiere, Rezepte ohne Foto einfach zu überlesen. Kleine Texte stehen den eigentlichen Rezepten immer vor, dann kommen die Zutaten und die Arbeitsschritte. Alles ist gut verständlich formuliert und erklärt. Angaben zur Portionsanzahl sind vorhanden, Nährwertangaben nicht. Vegetarische und vegane Rezepte sind auch vorhanden. Im Register sind sie am V im Kreis zu erkennen, wobei die veganen Rezepte mit einem blauen Punkt mit weißem V und die vegetarischen Rezepte mit einem weißen Punkt mit blauem V zu erkennen sind.

Die Zusammenstellung gefällt mir sehr. Alle Bereiche sind abgedeckt und die Zubereitung ist zumeist schnell zu schaffen und vor allem einfach. Die Zutaten sind teilweise etwas exotisch. Zumindest weiß ich nicht, was Favabohnen sind und wo ich die auftreibe, zumal frisch. Trotzdem gefällt mir das Buch sehr gut und auch Anfänger können die Rezepte gut nacharbeiten. Ich gebe vier Sterne!

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Rezensionen von lesen=liebe:

Kurzweiliges Erstleserbuch

Das Fundbüro der verlorenen Schätze - Flammensturm von Mascha Matysiak

Das Fundbüro der verlorenen Schätze – Flammensturm ist der erste Band der neuen Erstleserreihe von Ravensburger. Lotta und Karlo verbringen einen aufregenden Tag im Freizeitpark. Durch das dynamische Konzept, bei dem der Leser bzw. die Leserin mitentscheiden kann, taucht man mitten ins Abenteuer ein.

Das Cover ist ganz nach unserem Geschmack: farbenfroh, detailreich und nicht zu kitschig. Auch die Illustrationen im Inneren passen perfekt zu diesem interaktiven Kinderbuch und sind zahlreich vorhanden. Das ist für ein Erstleserbuch unerlässlich, weil Kinder anfangs Bilder zur Unterstützung brauchen. Der Text ist angenehm zu lesen und gut zu verstehen. Die Schriftart wurde ideal für Leseanfänger*innen gewählt. Durch die vielen Entscheidungsmöglichkeiten kommt keine Langeweile auf. Die Kapitel sind sehr kurz, was Lesemuffeln gefallen wird. Beim Vorlesen bringen die vielen Entscheidungsmöglichkeiten allerdings etwas Unruhe ins Lesegeschehen.

Da ich zwei Kindern vorlese, fällt das Entscheiden nicht immer leicht. Die Kinder durften abwechselnd entscheiden – das war eine gute Lösung für uns. Die Geschichte an sich hätte etwas raffinierter sein können, aber man muss natürlich bedenken, dass hier Erstleser*innen die Zielgruppe sind.

Grundsätzlich eine schöne Idee, weil das Buch mehrmals gelesen werden kann und die Geschichte immer ein wenig anders verläuft.

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Rezensionen von Petra:

Handeln

33 Place Brugmann von Alice Austen

Belgien 1939, kurz vor der Besetzung. Die Bewohner des Hauses 33 Place Brugman, sind gewöhnliche Menschen, Familien, Witwer, alleinstehend überwiegend gehören sie der jüdischen Religion an. Bisher war das für niemanden wichtig, da sie moderat religiös sind. Trotzdem sind sie sehr aufmerksam auf das Geschehen, Sie sehen die Gefahr und was besonders zu anderen Romanen aus dieser Zeit ist, sie agieren aktiv und warten nicht ab, sie erwarten das Schlimmste und denken nicht, so können Menschen nicht handeln.

Es wird immer von einer Partei berichtet, den Raphaels die auf einmal verschwunden sind. Charlotte und ihr Vater oder der Madmoiselle die als Schneiderin ihre Lebensunterhalt verdient.
Durch diese verschiedenen Perspektiven die anscheinend erstmal nichts miteinander gemein haben ( außer dem gemeinsamen Wohnsitz ) ist es nicht einfach einen roten Faden zu finden. Dann verfolgt man aber gespannt die Schicksale, dieses nicht aufgeben, dieses Kämpfen auch wenn wenig Aussicht auf Erfolg oder unter großer Gefahr, es ist eine andere Sichtweise auf die Zeit. Vor allem weil es immer mit dem Blick auf Kunst geschieht. Kunst ist überall, in Bildern, in der Natur, manchmal im Handeln gegenüber den Mitmenschen.
Der Blick richtet sich auf Mut, Feigheit und Verrat.
Die Autorin beobachtet ihre Protagonisten, lässt sich ihre Eindrücke und Gefühle berichten und gibt sie ungeschirmt an uns Leser weiter. Eine andere Art des Schreibens, fast wie ein Dokummentarfilm.

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Rezensionen von Ameland:

Tierisch spannende Ferien

Die Langohrbande von Traudl Bünger

Ella und ihre Freundinnen verbringen die Ferien auf dem Birkenhof. Hier werden verletzte und alte Tiere und solche, die keiner mehr haben will aufgenommen. Das bringt viel Arbeit mit sich und kostet auch viel Geld. All das wird in der Geschichte sehr gut zur Sprache gebracht.

Mich hat sehr berührt, wie viel den vier Freundinnen am Birkenhof und seinen tierischen Bewohnern liegt.

Sie sind mit Liebe und Freude dabei und das nicht nur beim Streicheln und Kuscheln mit Eseln, Schweinen und Katzen, sondern auch bei der täglichen Arbeit wie Füttern und Ausmisten.

Dramatisch wird es als die gesamte Kasse geklaut wird und der Hof vor dem finanziellen Ruin steht. Mit großem Einfallsreichtum begeben sich die Mädchen auf die Suche nach dem Dieb. Gleichzeitig entwickeln sie einige Ideen wie der Hof z. B. durch Tier-Patenschaften finanziell auf Dauer unterstützt werden kann.

Traudl Bünger hat einen spannenden und unterhaltsamen Wohlfühlkrimi geschrieben. Anders kann ich es nicht sagen. Ich habe mich auf dem Birkenhof irgendwie wie zuhause gefühlt. Dazu haben auch die niedlichen und teilweise witzigen Illustrationen von Christina Mäckelburg beigetragen.

Ein Kinderkrimi, bei dem wichtige Werte wie Freundschaft, auch mit Tieren, Verantwortung und besonders das Tierwohl im Mittelpunkt stehen.

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Rezensionen von verhei:

wie man durch eine Ermittlung im heißen Sizilien stolpert

39 Grad Mord von Jenny Lund Madsen

Das Leben als Krimiautorin ist nicht immer einfach – was tun, wenn man einen Roman abliefern soll, aber unter einer Schreibblockade leidet. Noch dazu hat man den gesamten Vorschuss schon verjubelt. Manchmal hat man Glück und wird von seinem Lektor nach Sizilien geladen, um dort bei heißen Temperaturen den Roman voranzubringen.

Doch man muss auch die Umgebung erkunden, und so trifft die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix auf ein schwedisches Ehepaar. Nach der Übernachtung in deren Villa, wird am nächsten Tag die Hausherrin tot aufgefunden und der Mann ist verschwunden. Hannah selbst ist verkatert und wird ob der Umstände rasch zur Tatverdächtigen. So ermittelt sie rasch in ihrem eigenen Fall.

Hannah als Protagonistin blieb für mich den ganzen Roman über eher eigen, wie man so schön sagt. Sie ist ein sehr direkter Charakter, die auch ab und an den Personen vor den Kopf stößt. Ihr Alkohol-und Zigarettenkonsum sind wohl eher zweifelhaft, schon ob der reinen Menge aber auch der danach getroffenen Entscheidungen. Beratungsresistenz und eine gewisse Portion Unsicherheit kann man dem Charakter wohl auch noch attestieren. Etwas eigen ist auch eine Geschichte aus dem Privatleben um ihre Geliebte, die vor allem im Vorgängerband behandelt wurde. Zugutehalten kann man dem Charakter, dass er authentisch ist und mit allen Ecken und Kanten wohl auch im Alltag auftreten könnte. Auch die Betrachtung auf sich selbst, ist durchwegs auch reflektiert, da selbstironisch.
Die Ermittlungen laufen etwas unbeholfen, wie wenn eine Zivilistin eben plötzlich ermittelt. Zugegeben hätte ich mir bei einer Krimiautorin mehr Struktur erwartet, als schließlich vorkommt. Im Prinzip springt der Zufall einfach sehr oft hilfreich ein, um weiter ermitteln zu können. Manches erscheint etwas konstruiert.

Generell werden im Buch auch etliche Klischees verarbeitet wie eine eher träge Polizei und bei italienischen Settings die oft bemühte Mafia. Man mag dazu stehen, wie man möchte. Gut gelungen, ist es meiner Meinung nach die drückende Stimmung der Situation zu transportieren. Die Hitze und erbarmungslose Sonne liegen schwer auf allem.

Mein Favorit der Autorin ist definitiv der Vorgängerroman 30 Tage Dunkelheit, der für mich schlichtweg unterhaltsamer war. Ich würde dem Roman als kurzweilige Urlaubslektüre dennoch empfehlen, da es trotz allem eine aberwitzige unterhaltsame Geschichte ist.

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Rezensionen von carola1475:

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte

Solange ein Streichholz brennt von Christian Huber

Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße und wird von der Journalistin Alina Alev angesprochen, die eine Dokumentation über Obdachlosigkeit drehen will. Über Bohms Hintergrund erfährt man zunächst nur, dass er trinkt, um abends einschlafen zu können und oft Albträume hat. Alinas anfangs vielversprechende Karriere ist ins Stocken geraten und ihre Mitarbeit an einem neuen Format ihres Fernsehsenders ihre wahrscheinlich letzte Chance, im Rahmen von Sparmaßnahmen nicht entlassen zu werden.

Bohm wird sich eine Woche lang tagsüber von Alina begleiten lassen, er braucht die angebotenen 1000 Euro.

Christian Huber schreibt bildhaft und atmosphärisch, er wertet nicht, beobachtet genau und lässt an Alinas beruflichen Sorgen, die sie nicht mehr schlafen lassen, genau so teilhaben wie an Bohms Leben auf der Straße mit Kälte, der täglichen Suche nach einem sicheren Schlafplatz, der Ablehnung durch andere Menschen, die der Alkohol abmindert, wie er auch beim Einschlafen hilft.
Alina verändert Bohms einsame Welt, es gibt beglückende Momente, Empfindungen, die er sich sofort verbietet, und auch bei Alina entwickeln sich unerwartete Gefühle.
Der Beschreibung dieser sehr menschlichen Beziehung stehen die ebenso glaubhaften wie erschreckenden Einblicke in die Ziele und das skrupellose Vorgehen des kommerziellen Fernsehsenders gegenüber, die der Autor vermittelt.

Alle Charaktere erscheinen authentisch, die Figurenzeichnung ist durchweg gelungen. Erzählt wird abwechselnd aus Bohms und Alinas Perspektive, beide Protagonisten sind nahbar und ich erlebe Bohm als fürsorglichen Menschen mit Zweifeln, die niemandem fremd sind. Die zarte Liebesgeschichte entwickelt sich glaubhaft und kommt ohne Kitsch aus.

Christian Hubers neuer Roman hat mir sehr gut gefallen und mich bei allem Lesevergnügen auch nachdenklich gemacht.
Das Cover gefällt mir von den Farben her, die parallel angeordneten Linien könnten Streichhölzer sein, genau so gut auch Gitterstäbe... die Bedeutung des brennenden Streichholzes wird im Lauf der Geschichte klar.

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Rezensionen von Eternal-Hope:

Wann ist man nicht mehr radikal?

fundamentalös von Nussaibah Younis

"Fundamentalös" wurde in der englischsprachigen Originalausgabe für die Shortlist des Women's Prize for Fiction nominiert. Die Autorin Dr. Nussaibah Younis ist Friedensforscherin, hat selbst irakisch-pakistanische Wurzeln, verfügt über jahrelange Erfahrung in der Friedensarbeit im Irak und hat selbst als Beraterin für die irakische Regierung in Deradikalisierungsprogrammen mitgearbeitet.

Sie ist selbst streng religiös erzogen worden und hat sich später von der islamischen Religion abgewandt, bezeichnet sich nun als nicht religiös.

Warum erwähne ich das so detailliert in meiner Rezension? Weil es sich zwar um einen fiktiven Roman handelt, bei dem es der Autorin wichtig war, die Leserinnen und Leser mit ihrem Humor auch gut zu unterhalten (was bestens gelungen ist), aber es durchaus auch so einige Parallelen zwischen der fiktiven Nadia und der Autorin gibt.

Die Hauptfigur Nadia stammt nämlich ebenfalls aus einer muslimischen Familie, ist religiös aufgewachsen, hat lange das Kopftuch getragen und als Jugendliche sogar Workshops bei einem charismatischen Prediger besucht (ebenfalls wie die Autorin selbst), der sich später dem IS-Umfeld zugewandt hat. Leicht hätte es also passieren können, dass auch sie verblendet als jugendliche IS-Braut in Syrien oder im Irak gelandet wäre. Doch im Laufe ihres Universitätsstudiums hat sie das freiere Leben schätzen gelernt, das Kopftuch abgelegt, sich von der Religion distanziert und sich in die Welt wilder und freier Sexualität mit Männern und Frauen, Alkohol, Drogen und Partys gestürzt, wodurch es auch zu einem Bruch mit ihrer Mutter und einer jahrelangen Phase ohne Kontakt zur Herkunftsfamilie kam.

Nun hat sie ihr Doktorat beendet, unterrichtet an einer Uni und hat einen Artikel über mögliche Deradikalisierungsprogramme für ehemalige IS-Anhängerinnen und Anhänger geschrieben, der weite Beachtung fand und ihr einen Job im UN-Umfeld im Irak verschafft, bei dem sie insbesondere ausländische Mädchen und junge Frauen, die radikalisiert in den Irak gereist sind, mit Kämpfern verheiratet waren und nun, meist verwitwet, unter schlechten Bedingungen in einem irakischen Lager festsitzen und wieder in ihre westlichen Heimatländer zurückkehren möchten, deradikalisieren und bei der Rückkehr unterstützen möchte.

Voll von Idealismus und mit hohen Erwartungen reist Nadia also in den Irak, muss aber schnell feststellen, dass nicht alles so leicht geht wie erwartet. Auch das Umfeld der internationalen Organisationen ist voll von Korruption und Konkurrenz und nicht alle verfolgen die selben hehren Ziele. Schnell lässt sich sowieso mal nichts bewerkstelligen, die westlichen Länder haben wenig Interesse daran, ihre radikalisierten Bürgerinnen zurückzunehmen (und damit terroristische Aktionen oder Anschläge oder zumindest den Vorwurf, diese in Kauf zu nehmen, zu riskieren) und auch im Irak selbst interessiert sich kaum jemand für das Schicksal dieser Frauen, die sich nach weit verbreiteter Meinung ihre Situation selbst zuzuschreiben haben, auch wenn sie ursprünglich als verblendete Teenager eingereist sind.

Besonders am Herzen liegt Nadia die junge Sara, die so wie sie in Großbritannien aufgewachsen ist und sich mit 15 Jahren dem IS angeschlossen, mittlerweile 19 Jahre alt, verwitwet und Mutter eines kleinen Mädchens ist, das ihr weggenommen wurde und nun bei den Eltern väterlicherseits irgendwo im Irak lebt. Sara ist intelligent und auf eine sarkastisch-zynische Art witzig, doch hat sie wirklich den radikalen Ideologien abgeschworen?

Neben der praktischen Arbeit Nadias im Irak gibt es immer wieder Rückblenden auf Nadias früheres Leben, ihr religiöses Aufwachsen und die Distanzierung von ihrer Religion. Viel Raum nehmen auch ihre wilden sexuellen Eskapaden mit Männern und Frauen ein, sowie ihre Traurigkeit über das Ende ihrer lesbischen, nicht-ausschließlichen Beziehung mit Rosy. Ganz ehrlich, diesen Teil hätte man nach meinem Geschmack auch gut aus dem sonst hervorragenden Buch kürzen können und es hätte mir nichts Wesentliches gefehlt, sondern das Buch hätte dadurch für mich noch an Fokus und Tiefe gewonnen. Offenbar scheint es aber dem Zeitgeist zu entsprechen, dass sehr viele Bücher nun explizite, nicht ausschließlich heterosexuelle Sexualität miteinbauen müssen, vielleicht macht das den Erfolg oder die Auszeichnung durch Buchpreise in diesen Zeiten wahrscheinlicher, ich weiß es nicht.

Abgesehen von diesem Faktor, der mich etwas genervt hat, handelt es sich aber um ein kluges, humorvolles, sehr unterhaltsames und nachdenklich machendes Buch, dem man anmerkt, dass die Autorin sich die Geschehnisse nicht nur komplett ausgedacht hat, sondern diese, auch wenn es sich um einen fiktiven Roman handelt, durchaus auf viel Erfahrung und Wissen basieren. Damit ist es ein originelles Werk zu einem spannenden Thema, das ich gerne gelesen habe und allen, die sich dafür interessieren, jedenfalls empfehlen kann.

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